Leon Neschle 13 (20. Woche 2007)

Über die Bösartigkeit „politischer Korrektheit“.

We try to make virtues out of the faults we have no wish to correct. (Francois de La Rochefoucauld)

Sozial „wichtigreden“: Können sich einige hierzulande! „Wichtigtun“ auch! Doch „sozial richtigmachen“ ist etwas anderes. Dazu muss man es machen, nicht schwafeln!

Es gibt kaum etwas, das so scheinheilig und heuchlerisch ist wie die „politische Korrektheit“. „Politische Korrektheit“ ist der Deckmantel für diejenigen, die ganz anders hindenken als sie sich hinzwingen müssen, formal korrekt zu reden.

„Politische Korrektheit“ ist der gesellschaftliche Zwang, so zu tun, als sei man „moralisch“. Beim autosensitiven Bonhomme metamorphiert sie zur Selbstzwangneurose. Dieser selbstgefühlte Gutmensch sondert stetig und nachhaltig „verbale Sozialheit“ ab, damit er nicht wirklich sozial sein muss. Statt der Gesellschaft etwas zu geben, fordert er laufend etwas von ihr, für sich und andere. Er ist „Anspruchssozialer“, kein „Leistungssozialer“, weil er es nicht für „gerecht“ hält, sich von anderen ausbeuten zu lassen. Lieber macht er das selbst. Von unten, wie andere das von oben tun!

Die Sache mit der politischen Korrektheit fing früh an und hat uns mehr gepackt, als wir wahrhaben wollen. Es ging schon los, als der „Mann“ „Mann“ blieb und aus dem „Weib“ eine „Frau“ wurde, ohne dass sich an der faktischen Diskriminierung etwas änderte. Dem haben wir heute Stotterbezeichnungen wie „Frau Diplom-Kauffrau“ zu verdanken, während das Gegenstück zu „Herr Diplom-Kaufmann“ eigentlich „Frau Diplom-Kaufweib“ wäre. Umgekehrt könnten wir „Herr Diplom-Kaufherr“ sagen. Aber wer mag das dahin- oder dahersagen? Doch es ist noch viel grausiger mit der „politischen Korrektheit“!

A. Der Studierende, die Studierende und das Studierende (hoffentlich mit Abschluss!)

„Lehrlinge“ gibt es schon lange nicht mehr, erst recht keine „Stifte“. Ich meine natürlich nicht „in echt“. Da gibt es sie immer noch. Aber nicht mehr in der Sprache der „politisch Korrekten“. Da gibt es längst nur noch „Auszubildende“ oder „Azubis“. „Stifte“ mussten dem Meister die Stiefel putzen, „Lehrlinge“ das Bier holen. Das war diskriminierend. Deshalb wurden sie abgeschafft! Es kamen die „Ausbildenden“, die etwas lernen sollten. „Stifte“ und „Lehrlinge“ haben nie etwas so Kluges getan. Deren kostbare Zeit haben Gesellen und Meister an niedere Hilfsdienste verschwendet. Die Auszubildenden von heute ver(sch)wenden ihre Zeit nicht mehr dafür, sondern nur noch für das Däumchendrehen an der Computerspiel-Konsole. Sie bekommen nämlich keinen Ausbildungsplatz mehr. Aber als „Auszubildende“ sind sie wenigstens nicht mehr diskriminiert, sondern „politisch korrekt“ arbeitslos!

Damit das mit der „politischen Korrektheit“ bei den „Auszubildenden“ „politisch korrekt“ ablief, hat man eine Menge „politisch korrekter“ Regeln erlassen. Diese Regeln verbieten Ausbildern vieles und verlangen von ihnen manches zusätzlich, vor allem formale Abschlüsse und jede Menge Bürokratie. Den alten „Lehrlingen“ wurde zum Ausgleich dafür vieles erlaubt und sie erhielten jede Menge neue Rechte.

Nun mussten die Ausbilder im Krankenhaus die Kotze wegwischen. Die „Lehrlinge“ wurden dadurch „Auszubildende“, dass sie dabei zusehen durften und etwas lernten. – Der Zivildienstleistende überspringt hier einfach den Status des „Auszubildenden“! – Weil Auszubildende jetzt eine Art Aufsichtstätigkeit haben, wird die monatliche Bezahlung in eine „Aufsichtsratsvergütung“ verwandelt, pardon „Auszubildendenvergütung“, und damit für alle merklich erhöht.

Einen winzigen Wermutstropfen gibt es bei dieser Sache. Die Beschäftigung Auszubildender ist nun für manche Unternehmung nicht mehr interessant und mehr noch für staatliche Einrichtungen, ein wunderschönes Eigentor! Manche halten sie sogar für unzumutbar, weil sie zu Lasten der anderen Beschäftigten geht. Deshalb schränken oder stellen sie die Ausbildung ein, setzen die Einstellung Auszubildender aus: Zu wenig Leistungserwartung für zu viel Geld. Diese Unternehmungen verhalten sich so, wie die meisten Bundesliga-Vereine. Sie investierten wenig in ihren Nachwuchs und viel in den „Kauf“ bereits Ausgebildeter.

Immer mehr Institutionen, da sind staatliche ganz vorn dabei, drücken sich um die Ausbildung. „Politisch korrekt“ ist dies natürlich. „Auszubildender“ ist ja nur eine Soll-Formulierung: Jemand ist auszubilden, also: Er soll ausgebildet werden! Wer kann da verlangen, dass Ausbildung auch tatsächlich stattfindet? 😉

In der Universität soll man seit einiger Zeit „politisch korrekt“ statt „die Studenten“ „die Studierenden“ sagen, vermutlich weil diese Formulierung auf „der“, „die“, „das“ passt und daher extrem geschmacks- und geschlechtsneutral ist. Sie hat kein geschlechtliches G’schmäckle, wie der Schwabe sagt. In der Mehrzahl „die Studierenden“ wenigstens. Denn „der Studierende“ ist männlich, „die Studierende“ ist weiblich und „das Studier-ende“ war mal die Sache mit Diplom und ist nun die mit akademischem Gesellen- und Meisterbrief, also Bachelor und Master (siehe dazu Leon Neschle 1).

„Die Studenten“ darf man nicht mehr sagen. Studentinnen dürfen das, auch wenn sie sich selbst dabei einschließen. Sie tun das sogar ausgiebig. Fast so, als wollten sie Neschle damit provozieren und ihm eine Nase drehen. Das ist wohl „politisch korrekt“, auch wenn das nun ihn in seinem Sprachgebrauch diskriminiert. Er darf nicht mehr, was die Mädels dürfen, würde es aber gern, weil es kürzer ist. Kann solche Diskriminierung „politisch korrekt“ sein? Man müsste das mal eine oder einen Gender[1]-Beauftragte(n) fragen!

Man bräuchte doch „Studenten“ nur umdeuten: In „Stud-Enten“, und alle wären weiblich. Ob man dann die „Stud-Erpel“ diskriminiert? Das Wort „Stud-Entinnen“ wäre dann als Pleonasmus sprachlich nicht korrekt. Doch das ist weniger verwerflich als politisch nicht korrekt zu sein.

Um „politischer Korrektheit“ zu genügen, wurden früher schon aus „Putzfrauen“ „Raumpflegerinnen“; doch das hat sich nie durchgesetzt. Heute werden deshalb aus den „Lernbehinderten“ die „Menschen mit besonderer oder anderer Begabung“. Ob sich das durchsetzt?!

B. Vom Ausländer, Deutschtürken … zum Memimihi.

Ausländer in Deutschland, eingebürgert oder nicht, heißen neuerdings politisch korrekt „Menschen mit Migrationshintergrund“. Wenn schon den meisten „Auszubildender“ zu lang ist und durch „Azubi“ ersetzt wird, wie wäre es hier mit „Memimis“, „Memihis“ oder zumindest „Memimihis“? Oder diskriminiert das, weil es keiner versteht?

Bei „Migrationshintergrund“ denkt Neschle jedenfalls an „Migräne“. Die hatte offenbar diejenige, die dieses „politisch korrekte“ Wort erfunden hat. Ob die Schläfer von Al-Kaida nicht besser als „Menschen mit Migrationsuntergrund“ bezeichnet wären? Und was ist mit „Steuerflüchtlingen“? Sollte man die nicht „Menschen mit Migrationsvordergrund“ nennen?

Man sieht, das Konzept ist erweiterungsfähig, um auch mit weiteren Diskriminierungen „politisch korrekt“ umzugehen. Verbal zumindest! Darin erschöpft sich die „politische Korrektheit“ meist ohnehin. Das ist so wie bei Kranken, denen man weder helfen kann noch will. Die tröstet man mit beruhigenden Worten, um ihnen den Eindruck zu geben, es sei nicht so schlimm:

„Ausländer“ wollen einige Pannemänner nicht lieb haben, obwohl sie selbst fast überall welche sind. Bei „Menschen mit Migrationshintergrund“ scheint das anders zu sein. Es klingt auch schon so! Für die empfindet jeder Mitleid, schon wegen dieser Bezeichnung. Und der Migräne!

Früher war das so: Als „Ausländer“ kam man nach Deutschland. Wurde man „Deutscher“, war es vorbei mit dem „Ausländersein“. Beim „Menschen mit Migrationshintergrund“ ist das anders. Der bleibt das, sein Leben lang. Da wird sozusagen die Nichtdiskriminierung vom „Ausländersein“ direkt ins „Deutschsein“ versch(r)oben, eine fast philosophische „Seinstransformation“. Aber weil diese Diskriminierung eine „politisch korrekte Nichtdiskriminierung“ ist, darf man sie auch ein wenig verlängern!? Selbst wenn man schon Deutscher ist, bleibt man also ein Memimihi. –

Frauen und Ausländer, pardon „Menschen mit Migrationshintergrund“ (Auslandsdeutsche und Deutschausländer sind eingeschlossen!), bilden in der Denkwelt der „politisch Korrekten“ einen gemeinsamen Diskriminierungspool. Das ist aus Neschles Sicht nicht gerade oder gerade nicht korrekt, aber „politisch Korrekte“ denken so verquast. Das schafft Probleme, wie sie der Kabarettist Rolf Miller geschildert hat:

Da sieht seine politisch korrekte Schwägerin, wie ein Ausländer einer Frau eine langt. „So richtig“, sagt Miller, „nicht bloß so als Warnung!“ Dann kommt der Konflikt: Zu wem soll die Schwägerin halten? Zur Frau oder zum Ausländer? – Einfacher wäre da eine „Frau mit Migrationshintergrund“. Zu der hätte man schon wegen der „diskriminatorischen Doppelbelastung“ halten müssen.

Neschle hat schon mit vielen „Menschen mit Migrationshintergrund“ gesprochen, selbst mit deutschen Steuerflüchtlingen in der Schweiz, die zurzeit durchaus Ausländerfeindlichkeit bei Schweizern spüren. Alle haben Neschle zu dessen politisch korrekten Entsetzen versichert, sie seien Ausländer oder Deutsche, auch Deutschtürken, Deutschrussen, Deutschschweizer …. Keiner hat von sich selbst „politisch korrekt“ „Mensch mit Migrationshintergrund“ gesagt.

Darf Neschle auch von „Ausländern“ sprechen? „Politisch korrekt“ natürlich nicht! Wenn sich seine Studentinnen in Ein- oder Mehrzahl als „Studenten“ bezeichnen, muss er sich sprachlich „politisch korrekt“ auch selbst diskriminieren und „Studentin“ oder „Studentinnen“ sagen. Er darf sich von deren Sprachgebrauch nicht verführen lassen! Selbst wenn Ausländer selbst „Ausländer“ sagen, muss er von und mit ihnen „politisch korrekt“ als „Menschen mit Migrationshintergrund“ sprechen. –

Oh, mein Gott, was macht der Borat mit den Juden?! Er selbst ist Jude! Er darf das! Hätte ein Deutscher solche Szenen ge-, hätte man ihm den Saft abgedreht. So etwas dürfen sonst nur Engländer mit Deutschen machen, in lustigen Filmen über den Zweiten Weltkrieg. Das gilt dort als „politisch korrekt“, weil die Deutschen es selbst schuld sind und überhaupt weil es Deutsche sind. Und die sind so! –

Neschle stellt sich gerade vor, wie er eine afrikanische Studentin als „Mensch mit Migrationshintergrund“ anredet. Der würden die Ohren aus dem Kopf fallen! Das ist aber auch bei weitem schwierigste Beispiel für „politische Korrektheit“: die oder der „Farbige“. Das ist weder der Bunte, der Grüne, der Gelbe oder der Rote, sondern meist nur „der Schwarze“. Genau das lässt man mit „der Farbige“ im Dunkeln.

Da darf man heute schon einiges nicht mehr sagen und es ist schwer, auf dem aktuellen Stand zu bleiben. Die „Menschen mit afrikanischem Migrationshintergrund“ bezeichnen sich in den USA zwar meist selbst als „Blacks“, gegebenenfalls aber auch als „Brothers and Sisters“ (sprich: „Brodas en Sistas“). Aber tut das ein „Mensch ohne afrikanischen Migrationshintergrund“ (siehe oben!), ist das nicht politisch korrekt.

„Mohr“ ist ganz alt und politisch ‚voll unkorrekt.’ Auch Spanisch scheint eine ‚politisch voll unkorrekte Sprache’ zu sein. Deshalb ist „Negro“ ebenso wie „Neger“[2] politisch unkorrekt, von „Nigger“ völlig zu schweigen. Außer natürlich, wenn der Unaussprechliche es selbst sagt. So hat Neschle neulich von einem … gehört: „What a crazy Nigger I am!“ Neschle hat herzlich mit ihm gelacht, statt sich über die „politische Unkorrektheit“ zu entsetzen, wenn es denn überhaupt eine war.

„Black“ heißt wie „Negro“ zwar auch „Schwarz“, kommt einem aber nicht spanisch vor. „Black“ und „Farbiger“ sind nicht ganz so lange politisch unkorrekte Bezeichnungen, doch sie sind es wohl zurzeit zunehmend. Nun ist wohl „Afro-Amerikaner“ politisch korrekt, wenn Neschle es sagt, vorausgesetzt der Mensch ist kein waschechter Afrikaner. Doch nur so lange bis es irgendein anderes Wort wird, weil irgendein (mit Verlaub!) Dummkopf meint, ein (ohne Verlaub!) noch viel dümmerer Dummkopf habe das Wort diskriminierend verwendet.

Politisch Korrekte“ sind immer mehr mit dem beschäftigt, was Leute sagen, als mit dem, was Leute tun. Der Pastor von Appelhülsen sprach dereinst von der Kanzel jedoch den Satz der Ewigkeit: „Liebe Gemeinde! Glaubt nicht meine Worte, glaubt meine Tatens!“ „Und“, so fügt Neschle hinzu, „wer sich da mit die Wörters aufhält, der will nix tun.“

C. „Politische Korrektheit“: die Suche nach einem Deckmantel und die Pflicht, ihn auch zu tragen!

Jeder Mensch ist Ausländer. Irgendwo! Jeder Mensch ist auch Farbiger. Nur die Tönung ist anders! Doch nicht jeder Mensch ist ein Idiot. Diskriminiere ich Ausländer oder Farbige, diskriminiere ich immer auch mich selbst. Diskriminiere ich Idioten, glaube ich zumindest nicht an Selbstdiskriminierung. Diskriminiere ich faschistoide Menschen, weiß ich das sogar.

Suche ich Gründe, andere Menschen nicht zu mögen, gibt es genügend andere als Nationalität, Rasse oder Geschlecht. Zum Beispiel, dass einer in unfairer Weise eine Machtposition ausnutzt, wie das bei kleinen Beamten häufig vorkommt. Oder wie wäre es mit Missgünstigen und Neidern? Leuten, die das Blumenbeet haben wollen, ohne die Gartenarbeit zu mögen. Wie wenig Phantasie haben da Leute, die Menschen nicht mögen, weil sie Ausländer sind oder eine andere Hautfarbe haben!

Ach ja, die Frauen hat Neschle noch vergessen! Jeder Mensch ist zwar Ausländer, aber nicht jeder eine Frau. Schon Grönemeyer hat ja gesungen: „Männer sind auch Menschen“. Die Frauen spare ich bis zum Schluss auf. Nur ein kleiner Happen vorweg: Warum sollte es einen Grund geben, Frauen nicht zu mögen, nur weil sie Frauen sind. Da würde jeder seine Mutter verleugnen und sich gedanklich um die eigene Existenz bringen. Das Argument funktioniert – Emma! Nun pass doch mal auf! – übrigens auch umgekehrt bei Männern. –

Schaut Neschle Plätze und Menschen an, bei denen „politische Korrektheit“ den höchsten Stellenwert hat, kommt er zu folgender Feststellung:

  1. Der Ort an dem „politische Korrektheit“ weltweit wohl zur größten Obsession geworden ist, liegt im Süden der USA, wo einst der Ku-Klux-Klan sein böses Spiel trieb. Dort, wo auf fast jedem amtlichen Formular nach der „Race“ gefragt wird, was hier nicht „Rennen“ bedeutet, aber zum Wegrennen ist. Sollten Sie je ein solches Formular ausfüllen, schreiben Sie auf keinen Fall irgendeine Form von „Arier“ hinein, also weder Veget-Arier, Prolet-Arier noch Parlament-Arier (Hitler war nur ersteres aus Überzeugung.)! Sind Sie „weiß“, interessiert nicht, ob sie Vorfahren in der italienischen oder russischen Mafia hatten. Schreiben sie „White“. „White“ ist hier zwar die „politisch“, aber sicher nicht die „ethnisch“ korrekte Bezeichnung für die eigene „Race“.Warum hat sich gerade in diesem Umfeld die „politische Korrektheit“ zur Hochkultur entwickelt?! Was man nicht selber weiß, das muss man sich erklären:Lassen wir „Latinas“ und „Latinos“ mal weg, die man „politisch korrekt“ wahrscheinlich nicht so nennen darf. „Afro-Amerikaner“ sagen weiter „Blacks“ zu sich selbst. Und natürlich „Brothers“, „Brodas“ und sonst was. Das ist politisch korrekt, weil niemand an (Selbst-)Diskriminierung denkt, obwohl es auch Selbstbetrug, Selbstbefriedigung und jede Menge anderen dummen Auto-Aktionismus gibt. Sagt das jedoch ein „Whitey“, ist das nicht „witty“, sondern „politisch unkorrekt“. Er könnte es ja diskriminierend meinen! Und es wird für ihn umso kritischer, je stärker dieser Verdacht ist.Genau hier wird der Hase gepfeffert oder er liegt schon drin, im Pfeffer: Warum spielen so viele mit dem Gedanken, sie könnten sich der Diskriminierung verdächtig machen? Neschle hat bei sich selbst nie das Gefühl und würde ohne Probleme das Wort „Blacks“ oder sogar „Neger“ verwenden.

    Doch wie oft verwendet jemand, der immer „den Menschen“ sieht, dieses Wort überhaupt? Eigentlich nie! – Wie oft jemand, für den sich sein Gegenüber vor allem durch seine Rasse darstellt? Ziemlich häufig! Soll dieser Dummkopf doch „politisch korrekt“ immer „Mensch mit afrikanischem Migrationshintergrund“ sagen! Das ist zumindest lang genug, um seinem Zuhörer für den Rest des Gesprächs manch anderen Unsinn zu ersparen. Neschle sagt weiter Bob zu ihm oder Liza oder … .

  2. Der Personenkreis in Deutschland, der „politische Korrektheit“ bis zur Selbstverleugnung liebt, besteht aus linksintellektuellen Geisteswissenschaftlern. Hier ist das Sammelbecken der „ideologischen Pharisäer“, deren moralischer Zeigfinger stets auf andere zeigt, ohne die drei Finger zu bemerken, die auf sie selbst zurückzeigen. Manchmal fällt das auf, wenn noch kein Grass darüber gewachsen ist. Bei Grass selbst etwas später!Moralische Selbstverliebtheit treibt hier in die Zitronen-Blüte der „politischen Korrektheit“, die in sauren Früchten endet. Dadurch zeigt man anderen eigene moralische Sauberkeit und heuchelt sie sich selbst vor. Das ist die wahre Funktion der „politischen Korrektheit“ in den moralischen Sauberkeitsappellen der Linksintellektuellen! Das ist auch die geistige Grundlage für die politische Verordnung von „Anti-Diskriminierung“.

Drehen wir die Sache mit der Diskriminierung aber einmal um: Vielleicht sollte man Diskriminierung sogar zur Pflicht machen! Sonst ist einem alles egal, gleich gültig und gleichgültig. Soll man Faschisten, (Ehren-)Mörder oder Drogenhändler nicht diskriminieren? Man sollte zum Ausgleich mal Pro-Diskriminierungsgesetze erlassen! Damit auch der blödeste Bürger weiß, was und wen man diskriminieren soll, statt ihm nur zu sagen, wo er nicht diskriminieren soll. Beim durchschnittlichen Bild(zeit)ungsbürger erweckt man sonst den Eindruck, die Tugend liege allein in der Nicht-Unterscheidung und Nicht-Diskriminierung. Hier mal ein flüssiges Beispiel, damit das Essay nicht zu trocken bleibt:

D. Diskriminierung tut Not-Durft. Das wäre mal „politisch korrekt“ getan!

Man sollte die Männer beim öffentlichen „Toilettengeschäft“ diskriminieren. (Die Leserin hat sich nicht verlesen!) Nicht weil Männer es unsauberer machen[3]. So wie in den privaten „Damentoiletten“, wo zumindest die Dilettanten allzu häufig nur die Kanten treffen: aus dem Stand. Man sollte Männer hier diskriminieren, gerade weil sie ihre „kleinen Geschäfte“ problemloser und schneller erledigen!

Wer schreibt unseren Architekten eigentlich vor, öffentliche Herren- und Damentoiletten müssten aus Gründen der Nichtdiskriminierung die gleiche Raumgröße haben? Das Ergebnis: die lange, bange Schlange vorm Damen-Abtritt, Frauen, die bei öffentlichen Veranstaltungen auf der Herrentoilette an der männlichen Pippi-Galerie vorbeidestillieren und hinterrücks in der Sitzbatterie verschwinden.

Merke: Gerade zur Nicht-Diskriminierung ist beim öffentlichen Liquiditäts-Druck Diskriminierung notwendig! Gerecht ist nicht, alles über den Kamm einer gedankenlosen Gleichbehandlung zu ziehen, sondern zwischen Ungleichem zu diskriminieren!

Vielleicht könnten die Architekten als Ausgleich in private Wohnhäuser mal was anderes einbauen als Damentoiletten für Sitzpinkler! Hier Männer werden in doppelter Weise diskriminiert: Von Frauen, die vergessen die Brille wieder hochzuklappen ;-), und von Frauen, die sich dann noch über Grenzbefeuchtungen beschweren. Diese Frauen sollten froh sein, dass hierzulande der Damenstandard und nicht das französische Herren-Stehklo die Privatgemächer erobert hat. Sie sollten ihr Sitzmonopol daher nicht zu Lasten der Männer ausnutzen.

Beim Reiten hat sich dagegen der Damensattel nie richtig durchgesetzt. Liebe Mädels: Stellt Euch mal vor, wir würden beim Reiten alle Männer in den Damensattel zwingen! So ist es aber bei der häuslichen Toilette:alle Männer in den Damensattel. Da man als Mann nur sagen: Das Leben ist wie eine Brille: Man macht viel durch!

Neschle ist hier für Diskriminierung und eine salomonische Lösung: Hängt den Männern in die private Wohnung ein Teil wie in der öffentlichen „Keramikabteilung“! Gebt den Frauen als Ausgleich dafür mehr Raum in der öffentlichen Keramik!

Neschle hat zu Hause längst das Sitzmonopol seiner Ex-Verlobten gebrochen. Jetzt kann er seine Nachfrage gezielt verteilen je nach Geschäft. Vor allem kann er sich weiblicher Kritik über mangelnde Zielfähigkeit entziehen, ohne Platz nehmen zu müssen. Er ist halt rüde und Rüde und hebt deshalb lieber sein Bein. Wie singt doch Lotto-King Karl: „Da hab’ ich lieber ab und zu mal feuchte Socken, statt wie ein Froschkönig auf dem Pott zu hocken“. Der musste halt stehend ins Damenklo zielen.

So sind sie halt die Männer, meine politisch korrekten Linksintellektuellinnen: rüde! Warum aber hier diskriminieren, wo Ihr das sonst allgemein und vehement ablehnt? –

Wegen ihres fatalen Hangs zur Nichtdiskriminierung muss sich Deutschlands Linke doch in Grund und Boden schämen. Jahrelang hat sie gegen deutsche Faschisten gekämpft und gegen Diskriminierung von Ausländern. Dass ein Rechtsstaat Faschisten diskriminiert, ist notwendig. Aber deutsche und ausländische! Die Linke hat ausländische Faschisten schlicht vergessen. Toleranz aus Ignoranz! Was ich nicht zur Kenntnis nehme, kann ich leicht hinnehmen, auch wenn es schwer zu ertragen ist.

Linke und Rechte haben hier ein und dieselbe Denkebene. Auch wenn das niemand von ihnen wahrhaben will, liegen „internationale Solidarität“ und „nationale Solidität“ eng zusammen. Zwischen ihnen liegt nur „zwischen“ (inter) und eine recht kleine Fläche (ar), also (inter-)nationale Solid(ar)ität.

Linke wie Rechte sehen im Ausländer zuerst den Ausländer, der zum Glück zugewandert ist oder von dem sie sich zugewandert fühlen. Für die Linke ist der Ausländer gut, für die Rechte schlecht. Und häufig genug ist er für Linke nur deshalb gut, weil er für die Rechten schlecht ist.

Doch es gibt genügend andere Gründe, Menschen zu lieben oder zu hassen. Ein Ausländer (ein Behinderter, …) ist – verdammt noch mal! – Mensch, einfach nur Mensch!!! Da ist er allein als solcher zu beurteilen. Irgendwann in seiner spezifischen Lage ist er auch Ausländer. Aber er ist ebenso weiblich oder männlich, behindert oder nicht. Alles bitte, nachdem er zunächst Mensch sein darf! Wie der Einheimische. Doch Diskriminierung muss sein! Zweifellos! Nur nicht dafür, dass jemand Ausländer ist. Ausländer sind wir alle, Faschisten aber nicht. Doch ich fange an, mich zu wiederholen. Aber wie denn auch nicht, wenn das selbst die so wunderbar intellektuelle und moralisch selbstverliebte Linke jahrzehntelang nicht begriffen hat!

Übrigens ist da Neschles kluge Hündin Lucy wieder mal ein Vorbild. Ob die einen anderen Hund oder eine andere Hündin mag oder nicht, entscheidet sie nicht nach der Rasse. Ihre Vor- und Hasslieben gehen quer durch alle Rassen und Promenadenmischungen. Aber sie diskriminiert gewaltig. Sie hat, glaube ich, nur ein Prinzip: den find ich gut und den mag ich nicht riechen. Mit der Rasse hat das aber bei ihr gar nichts zu tun. Das liegt nicht einmal daran, dass in ihr selbst mindestens drei Rassen zusammenlaufen.

Zum Schluss möchte Neschle noch jemand grüßen und ihm danken, seinen alten Philosophielehrer, Herrn Knoche. Der hat eine Endeckung gemacht, die dem Massenerhaltungsgesetz der Physik in nichts nachsteht: Er entdeckte das moralische Gesetz von der Erhaltung der Laster. Es lautet: „Die Summe aller Laster ist konstant!“ So wundert es nicht, dass sich hinter Bezeichnungen wie „Pfeile der Rechtschaffenheit“ im mittleren Osten Erpresser und Mörder verbergen.

Für dieses eherne Gesetz hat Neschle in seinem Leben viele Belege gefunden. Er ist besonders kritisch gegenüber allen Moralisten, egal welchem „–imus“ sie folgen, egal welche „–isten“ es sind. Nur in dieser Hinsicht ist er selbst Moralist, selbst ein kritischer und ein selbstkritischer.

Wärst Du in Deinem Herzen gut,

dann hättest Du bestimmt den Mut,

mit jedem einfach so zu reden,

wie der anredet wirklich jeden,

der ist von seines Menschen Sorte,

statt der Wahl „korrekter“ Worte.

(Weil es „politisch korrekt“ so gequält ist, wäre die letzte Zeile vermutlich so besser:

statt der Qual „korrekter“ Worte.


[1] Die oder den gibt es noch nicht. Wahrscheinlich scheitert es an der Frauen-Beauftragten. Die schöne deutsche Bezeichnung „Geschlechts-Beauftragte“ wird man vermeiden, weil die zu „phantasievoll“ ist. Phantasie leistet man sich nicht in Fragen von Bierernst. „Geschlechter-Beauftragte“ hätte dagegen den Beiklang von Ahnenforschung und Heraldik: „Auf diesem Friedhof liegt das Geschlecht der Wittelsbacher.“ – „Ja wirklich? Und wo liegen die anderen Teile?“

[2] Bei „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ kommt er übrigens noch vor: „der Neger“! Da hören unsere Kinder davon und finden ihn witzig, niedlich und ganz toll!

[3] Das ist durch viele Toilettenfrauen und –männer empirisch widerlegt. Regelmäßig sind es die Damentoiletten, die hier in bedauernswerterem Zustand sind. Wenn schon in Deutschland wie erst bei den Stehklos in Frankreich! Merke: Gibt frau ihnen eine Chance, können Männer sogar sauberer sein!

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