Leon Neschle 36 (9. Woche 2008)

The American Gift: Fat Food, Fast Food oder doch nur fast Food?

I’m on a seafood diet – I see food, I eat it. (Dolly Parton, Country-Dickva)

Am 29. Januar 2008 in und vor der Mensa auf dem Essener Campus: Eine ausgehungerte Schlange steht Schlange. Hunderte von StudentInnen! Streikt das Mensapersonal? Gibt es nur ein Menü? Ist die Mahlzeit kostenlos? – Nichts von alledem! Man bezahlt auch heute den normalen Preis. Alle Essensausgaben sind geöffnet. Es gibt wie immer eine Auswahl von drei Menüs plus zwei Büffets, an denen es etwas mehr kostet, und ein Restaurant, wo es noch ein wenig teurer ist.

Doch die Essens-Ausgaben in Essens Mensa wirken verlassen. Bis auf eine! Bei der zieht sich ein mehrere Dekameter langer Menschenwurm bis vor den Eingang. Da stehen sie an für … einen Cheeseburger!? Einen wie vom Burger König oder den Donald-Stuben. Nur schmeckt der wahrscheinlich nicht genau so (gut).

Neschle zwängt sich vorbei an der studentischen Schlange und nimmt ohne Wartezeit vom Gemüse-Büffet. Seine Mitarbeiter essen Kohlroulade, direkt serviert. Der Rest ihres Mensa-Tisches ist jedoch okkupiert von opulenter Burger-„Kultur“.

Der dicken, warmen Pressfleischscheibe, käseüberschmolzen im sesambesprenkelten Weichbrötchen, rücken die StudentInnen mit Messer und Gabel zu Leibe. Mit dem Besteck! Aus Metall! Das ist dann doch anders als in den USA!

A. Kindergeburtstag bei Donaldisten, Burger Königen und anderen fast Fudern!

Neschle war neulich im Land der kaum begrenzten Unmöglichkeiten. Er liebt die Amerikaner für so vieles: für ihr positives Denken und den geringen Neidfaktor. Miesmacherei, simples Habenwollen ohne persönlichen Einsatz, ohne Gönnertum gibt es dort selten. Man freut sich mit am Erfolg der anderen. Der Amerikaner schleppt nicht an der Traglast von Bedenken, was versehentlich auch mal Rücksichtslosigkeit wird.

Und er ist so umwerfend provinziell, dass er überall auf diesem Planeten die Frage nach seiner Herkunft mit „Oh, I’m from Georgia“ beantwortet. Dabei denkt er nicht im Traum daran, dass dies auch „Georgien“ sein könnte. Sein Bundesstaat ist einzigartig auf der Welt. Daher kommt er nie aus den USA! Allenfalls unter Vereinnahmung des Kontinents “from America”. Sonst aus Alabama, Mississippi oder California, bei größeren Städten setzt er deren weltweite Bekanntheit voraus: „I’m from Atlanta“.

Man stelle sich den Deutschen vor, der im fernen Australien sagt, er komme aus „Nordrhein-Westfalen“, „Niedersachsen“ oder „Köln“! Denn dem US-Amerikaner kommt es nicht in den Sinn, sich der Landessprache anzupassen! Dieser Transatlantiker tut das völlig schmerzfrei. Ihm hat man erzählt, sein puritanischer Provinzialismus sei „international“. Deutsche glauben ihm das sogar. Doch wie kann ein Land nicht provinziell sein, in dem kaum jemand eine Fremdsprache beherrscht?

Junge Amerikaner sind beim Gang in die Welt (die meisten bewegen sich ihr Leben lang in ihrem Bundesstaat) verblüfft, dass auf Frontseiten internationaler Tageszeitungen über amerikanische Vorwahlen berichtet wird. Das kennen sie so nicht. Tageszeitungen in den USA machen fast nur mit inneramerikanischen Themen auf.

Da kommt es vor, dass amerikanische Präsidentschaftsbewerber(!) nicht wissen, wer in Deutschland Bundeskanzlerin ist und Putin als „Präsident“ der Bundesrepublik Deutschland durchgeht. So ist er eben der „Ami“[1], wie ihn der Franzose liebevoll nennte, reservierte er dieses Wort nicht für einen anderen Zweck.

Grauen befällt den sensiblen Mitteleuropäer allerdings beim US-amerikanischen Essen und Trinken, bei den Gebräuchen der täglichen Atzung in Fast Food Ketten und selbst in gehobenen Restaurants. Da zeigt sich die Verwandtschaft des Amis zu den Briten: „Britain is the only country in the world where food is more dangerous than sex“, meint Jackie Mason. So sind die Briten nicht allein!

Briten sind die Europäer, die „The American Gift“ Fast Food am liebsten (an)nehmen, während es Franzosen am heftigsten ablehnen, trotz der obligatorischen French Fries[2] in den Schnellfress-Ensembles. Deutsche essen Fast Food vorwiegend wegen der Zeiteffizienz, machen aber daraus keine Lebenseinstellung. Sie befällt sogar ein schlechtes Gewissen beim Besuch der Schnellfress-Ketten.

So sagt es eine Studie aus 2007. Diese Studie kennen die Essener Studenten offenbar nicht, die Studie kennt aber auch nicht die Essener Studenten. Und sie hat übersehen, dass der Fast Food-Umsatz in den USA (auf hohem Niveau) stagniert, während er in Deutschland 2007 noch um 5 Prozent stieg. –

Neschle hat es gesehen: Das amerikanische Original. In Tupelo, Mississippi, dem Geburtsort von Elvis! Da verfiel er selbst im Fresssündenpfuhl einer amerikanischen Ausfallstraße der Versuchung und suchte eine Donaldstube in einer Art Fressgarage heim. Im Nebenraum war Kindergeburtstag. Für jedes Kind eine übergroße Fresstüte, wie sie bei uns nur der Nikolaus bringt (Santa Claus all year?). Verteilt wurde sie von den Eltern. Von denen wog niemand unter gefühlten 150 Kilo, die Frauen inklusive. Vielleicht müsste es da ja sogar „Fat Food“ heißen und im Wort „Fast Food“ ist ein „Ess“ zuviel? Zu viel „Essen“ ist da sowieso.

Die fetten „DonaldistInnen“ zwängten sich in die Stühle, um dem gemütlichen Treiben ihrer auch schon verfetteten Brut anstrengungsfrei und Burger mampfend zuzusehen. Schon das Setzen war ein Akt: Die Unterhüftspeckfalte kam zuerst oberhalb der Seitenlehnen zu liegen, ehe sie durchflutschte, um sich beiderseits der Sitzfläche zu ergießen. Neschle hatte Mühe, seinen McRib nicht hervorzuwürgen.

Als eine Frau sich erhob, um als Mitglied der erschlaffen Eingreiftruppe den Geburtstagsmampf des korpulenten Kinderkaders entsorgungstechnisch zu begleiten, schleppte sie ihren Stuhl ein Stück weit mit. So schnell war die Speckfalte nicht wieder über den Seitenlehnen. Praktisch ihre Körperfülle! So kann man Stühle tragen, ohne die Hände einzusetzen. Hygienisch zudem: Die Lehnen bleiben frei von Burgerschmiere. Und wenn nicht, werden sie beim Hinsetzen von Speckfalten automatisch saubergerollt.

B. Stil und Atmosphäre bei Fa(s)t Food und den Upgrade-Restaurants

Die Atmosphäre bei McDonalds und Co. ist von Pappe. Pappe beherrscht die Szene bei „Bechern“ und „Geschirr“. „Besteck“ sind meist nur die eigenen Hände. Die erfassen im „Doppeldonald“ den Burger mit beiden Händen schräg von hinten, um ihn nach und nach mit viel Stopfgefühl in die mahlende Futterluke zu versenken, während die rot-weiß-gelbe Sauce äußerst „beiläufig“ wird. Ab und zu löst sich ein Stück Zwiebel, Tomate oder Salzgurke und fällt in die Pappschachtel, meist jedoch auf den Tisch, den Fußboden oder die neuen Klamotten. Schlipse oder Blusen über kräftigen Busen wirken magnetisch, aber Mann kann ja nur das Erstere wirklich vermeiden.

An dieser Stelle könnte Neschle seine Erfahrungen von anderen Fast Food Ketten hinzufügen, die er eigentlich bis zum Erbrechen kennenlernen wollte, aber es waren und wären einfach zu viele. Der allgemeine Amerikaner ja kocht selten. Deshalb sind die Fressgaragen in den Streets, Avenues und Boulevards zu den Essenszeiten überschwemmt mit lauernden Leuten auf der Futtersuche. Das hat etwas Ursprüngliches, Wildes, Animalisches trotz aller Neon-Reklame.

Fast Food hat jedoch auch immer etwas mit Pappe, verschmierten Händen, Servietten, Schnellfraß, Selbstservice, Kantinenatmosphäre und Drive through („Eat in your car“) zu tun. Für Getränke gibt es den Refill in den leeren Becher: Drink till you die! Solange Du die Mampfzone nicht verlässt!

Pizza gibt es mit Soße zum Eintunken der handfreundlich vorgeschnittenen Ecken. Anders als ein Burger wird sie nur mit einer Hand gegessen. Doch manche Burger-Besessenen nutzen zum Nachschieben die zweite Hand. Der Pizza-Teig fühlt sich ja auch an wie das Sesambrötchen. Schön weich! Ansonsten gibt es Chicken, Chicken, Chicken, ob Kentucky Fried oder nicht. Und Burger, Burger, Burger. Die werden ein- bis dreistöckig angeboten, hängen über das Pappbrötchen hinaus oder passen gerade rein, um die wesentlichen Unterschiede zwischen den Ketten zu nennen.

Gehobene Burgerkultur gibt es zum doppelten Preis. Da sitzt man auf gepolsterten Bänken oder Stühlen. Es gibt richtiges Geschirr und Besteck, manchmal sogar „Glas-Gläser“ statt Pappe oder Plastik. Man wird bedient und platziert. Fernseher laufen unentwegt ohne Ton, mit Sendungen aller Art von Nachrichten über Football bis hin zu Soap-Operas. Neschle „zählte“ in einem einzelnen Restaurant über siebzig Fernseher. Er musste dazu nur das Gerät mit der höchsten Nummer suchen, denn die Geräte waren durchnummeriert. Bis „74“.

Die „Unterstützung“ durch die Bedienung ist kein Segen in diesen Restaurants. Man kann den Pappbecher nicht selbst befüllen, wenn man Durst hat, sondern bekommt das Glas-Glas automatisch mit gechlortem Eis bis zum Anschlag. In dessen Zwischenräume wird das Kaltgetränk gefüllt. So wird das italienische Mineralwasser „San Pelegrino“ mit dem Chlor des Eises geimpft und serviert mit den Worten „Your Sam Pell Gringo“. Vielleicht hat da jemand zu viele Gringo-Western gesehen? Lecker!

Hält man eine kleine Weile mit dem Essen ein, ist die gerade angelernte Lern-„Schwester Oberin“ gleich zur Stelle, um dem Pausierenden die Essgarnitur zu entreißen oder, im besten Fall, geschickt zu entwenden. Feine Hinweise wie das Weiteressen der Tischgenossen werden schmerzfrei ignoriert. Ein gekreuztes Besteck sowieso. Das Doggy-Bag ist aber sofort zur Hand. Es wird auch angeboten, die Reste schon mal einzupacken, während die anderen noch essen.

Ist die Bedienung der subjektiven Auffassung, das Essen sollte zu Ende sein, platziert sie ungefragt die Rechnung dort, wo vermutlich das Geld sitzt. Immerhin liegt meist die Rückseite dezent oben. Beim Abräumen nimmt die Kellnerin das Besteck vom Teller und führt es in schwungvollem Bogen über die Kleidung des Gastes. Dann erst kommt, anders als im Kurs „Kellnern für Anfänger“, der Teller.

Während Westeuropäer in Ruhe essen, hat sich ihr Nebentisch schon zum zweiten Mal mit dickleibigen Amerikanern befüllt. Kein Wunder, dass die zunehmen. Man lässt ihnen nicht einmal Zeit für das Sättigungsgefühl. Die Amerikaner unterhalten sich kaum, denn dazu scheinen sie „keine Zeit“ zu haben. Sie starren zwischendurch nur abwechselnd auf die vielen Fernseher. Es wird geschlungen und fertig. Mit vollem Mund soll man ja nicht sprechen. Alles dient der puren Atzung.

Da man es anders gewohnt ist, wird das Besteck hier nicht immer für den Zweck gewürdigt, für den es in Europa einst erfunden wurde. Wozu hat man uns die Hände geschenkt? Beide natürlich! Da ist man froh, auf der Toilette, des „Restrooms“, zu lesen, dass wenigstens das Personal gesetzlich(!) verpflichtet ist, sich nach dem Besuch dort die Hände zu waschen. Ja, wenn man das hier gesetzlich vorschreiben muss?! –

Das Vorbild bei Essen und Trinken ist Italien. Es gibt jede Menge „italienische“ Restaurants, die allerdings nie einen Italiener gesehen haben. Dass Italiener ihre Pizza-Ecken nicht in BBQ-Soße tauchen, nimmt man erstaunt zur Kenntnis. Ebenso die Tatsache, dass Pizza in Italien ein eher regionales Gericht war und zum Teil auch noch ist.

Überhaupt scheint dem alten Europa eine Rückständigkeit anzuhaften, die man hier immer erst überwinden muss. Durch „amerikanische Verbesserungen“ des Natürlichen! Die gelten vor allem den Getränken, auch wenn man hier den Push-Up-BH erfunden hat. Um dem Natürlichen etwas beizumengen und etwas Stütze zu geben.

C. Auch in Amerika verdurstet man eher als dass man verhungert

Musterbeispiel für „amerikanische Verbesserungen“ ist Starbucks, das einst den italienischen Kaffee in die Neue Welt bringen sollte. Hier ist das Fast Food Konzept übertragen in die Kaffehaus-„Kultur“: Man stellt sich in Reihe an den Tresen, um eines der unterhalb der Decke ausgeleuchteten „Getränke“ auszuwählen. So erzieht man hier schon immer entscheidungsschwache Menschen.

Da der Amerikaner auch jahrhundertealte Getränke nicht so lassen kann, wie sie mal waren, werden sie gnadenlos mit Zusätzen vermixt, was ihren Preis in unverschämte Höhen treibt. Schließlich ist Starbucks die einzige „Kaffeehausgemütlichkeit“, die dem Amerikaner geboten wird.

Der Europäer mag zweifeln, was daran gemütlich ist, wenn man wilde Kaffee(?)-Gesöffe, die man sich an der „Bar“ mixen ließ, an blanken Tischen aus Pappbechern per Plastik-Trinkhalm in sich hineinzieht. Dabei steht auf der Trinkhalmverpackung auch noch „Not Recommended For Use in Hot Beverages“. Na dann: Gut Zug!

Mit diesem Widerspruch soll man offenbar leben – das ist der Amerikaner ja gewohnt – oder warten, bis es „kalter Kaffee“ ist! Aber „kalter Kaffee“ ist es ja ohnehin, für den merklichen Preis von 5,95 Dollar pro Mix, die in Europa allerdings zum Teil anders und weniger künstlich ausfallen. Die Variante mit dem Mint-Geschmack dürfte wohl allenfalls in England den Kaffee nach dem Zähneputzen ersetzen.

Neschles „österreichische“ Bekannte will sich dieser donaldistischen Kaffeehauskultur in letzter Sekunde verweigern. Da ist sie aus Klagenfurt Besseres gewöhnt. Sie bestellt einen grünen Tee. Mit Plastik-Deckel auf den Pappbecher, damit keiner sieht, was er trinkt. Doch irgendwie ist die Konsistenz ihres warmen Getränks so fest wie bei einem Smoothie, dem halbfesten Frucht-Eis-Mix. Den Deckel gelupft und nachgesehen. Oh Gott! Ein knaaatschgrüne flockige Masse ist das, was „grüner Tee“ sein sollte. Monster-Glibber! Die Nachfrage an der Bar ergibt: Ja sicher ist ein Zusatzstoff drin! Der komme immer rein. Ungläubig staunt man dort nur über den Verzicht darauf: Grüner Tee als einfacher Teebeutel in Wasser? Das ist für Amerikaner nicht raffiniert genug. Das ist die Simplicität des alten Europas und des Rests der Welt.

Die Kaffeebereitung geriert sich zwar mit Dampf und Zisch als italienisch, aber amerikanische Zusatzstoffe, die Geschmack und Aussehen verändern sind Pflicht. Dabei sind es keinesfalls nur klassische Zusatzstoffe wie Milch und Zucker. Der Schnaps für einen „coretto“ fehlt sogar. Aber es gibt das schon erwähnte Mint, Karamell oder Vanille. In der Zahnpasta hat Neschle nichts gegen Mint einzuwenden, aber im Kaffee? Doch Amerikaner „genießen“ ihren Starbucks-Kaffee mit frischem Kaugummi im Mund. Warum dann nicht auch mit Mint-Geschmack?

Neben dem Pappgefäß regiert Plastik die Getränkewelt. Bier im Plastikbecher erhält man sogar in mancher Hotelbar. Natürlich gibt es auch Whiskey oder Rum aus dem Plastikbecher. Doch der Amerikaner trinkt den nicht pur. Er zieht den Cocktail[3] vor. Daher sind die Spirituosen regelmäßig nur von bescheidener Qualität. Wer merkt schon etwas von richtig guten Qualitäten im Cocktail-Mix, zumal gechlortes Eis im Cocktail keine Seltenheit ist? Man kann eben nicht alles haben!

In einem Viersterne-Hotel in der amerikanischen Provinz lachte man uns sogar aus, als wir für unser Bier (Natürlich mit Zusatzstoffen jenseits des deutschen Reinheitsgebots!) „A glass, please!“ verlangten. Man trank dort nur direkt aus der Flasche. Und das, wie immer, eiskalt um den Gefrierpunkt herum.

Am Strand von Miami Beach war es besser. Da gab es auch schon mal einen Pitcher, einen Plastiktopf mit 1,89 Liter Bud Light und gechlortem Eis darin. Das ist eben das amerikanische Reinheitsgebot. Chlor dient dabei der Hygiene: „It Kills All Known Germ(an)s“[4].

D. Es geht auch anderes in America

Es gibt freilich auch Ausnahmen von dieser transatlantischen Trink- und Fresskunst. Um die zu finden, bedarf es eines kundigen einheimischen Führers. Und nur wenige sind kundig. Na, wer sich sonst fast jeden Tag mit Fat Food zufriedengibt!?

Selbst in der amerikanischen Provinz fanden wir aber ein vorzeigbares Restaurant. In dem waren die Fernseher nicht in allen Räumen eingeschaltet!!! Und es gab weitab vom Meer vorzügliches „Seafood“. Die – kaum zu verhindernden Eiswürfel – in den Getränken waren nicht einmal gechlort.

Doch selbst da wurde in jeder Essenspause ein Abräumversuch gestartet und die Rechnung lag bereits auf dem Tisch, bevor wir danach gefragt hatten. So wollte man offenbar den Tisch freikriegen. So ginge das sicher auch in Europa. Aber dort würde er ganz lange frei sein, am nächsten Tag auch und in der nächsten Woche und … . Hier aber gehört es wohl zum ganz normalen Anstand.

Doch es gibt auch überraschend Gutes: Auf der Ebene 2 im Museum of Modern Art in New York findet man es etwas, das nicht nur „italienisch“ heißt, sondern tatsächlich so ist. In einem Airport Hotel in Atlanta gab es neben den üblichen Edel-Burgern vorzügliche Speisen. Es gab ein feines Bier von einer örtlichen Brauerei, das Bud light und Co. vergessen ließ, an die man sonst allzu oft zwangserinnert wurde. Leider hatte „Sweet Georgia Brown“, so nannte sich der Tropfen, einen Nachteil. Da hatte man jenseits des „Reinheitsgebots“ alles reingeheizt, was irgendwie trinkbar ist und schwindelig macht. Nach nur einem einzigen Glas hatten Neschle und seine Begleitung am nächsten Tag einen Brummschädel wie nach einem VW-Betriebsfest. Da war der Rest guter Erinnerung an das Essen in diesem Hotel gelöscht.

Apropos Rest! Nachdem wir den Kettenfraß durch hatten, lautet unsere Erkenntnis: Das meiste, das wir dort zu essen bekamen, hätte man besser ohne den Umweg durch unsere Körper im Restroom entsorgt. Da ist ja immer riesig Platz für stabile Amerikaner und immer jede Menge Wasser in der Schüssel!

Am Ende mal ein Gedicht und ein Foto, das selbst ein Gedicht ist. Von Neschle auf einer Straße in Trastevere (Rom) entdeckt. Wenn das nicht den Zusammenhang zwischen Fast Food und dem Irak-Krieg erklärt!? Immerhin sind die Amerikaner so fair, ihr (Burger-)Touristenmenü selbst zu essen. Italiener tun das nicht!

Was Reim und Versmaß bei Gedichten,

sind Messer, Gabel bei Gerichten.

Es lässt sich zwar mit schlechten Dichtern,

ein gutes Stück Kultur vernichte[r]n. 😉

Doch wo der Burger sich verbreite[r]t,

da ist uns’re Kultur gescheitert.

„Amerika, Du hast es besser!?

Beidhändig is(s)t der Burger-Fresser.

Europe’s culture he denies,

he takes his fingers for French Fries.

Sein Cola-Becher ist aus Pappe,

der Rest der kulturellen Schlappe.

Wer besser speist, dem wird „geservt“,

was ihn manchmal besonders nervt.

Kultur ist nämlich auch egal,

dem angelernten Personal.

Besonders gern klaut es Besteck,

schon vor der Mahlzeit Ende weg.

Es ist, als steht dort in der Satzung:

Das Mampfen dient allein der Atzung.

Wer dabei spricht und dabei lacht,

dem wird die Rechnung gleich gebracht.

Da ist es gut, dass ungelogen,

das Trinkgeld wird zwangseingezogen.

Denn sollt’ wer diesen Service hassen,

kann man sich kaum darauf verlassen,

dass er bei solcher Qualität,

nicht ohne Trinkgeldzahlung geht.

Wenn ich es deutlich sagen müsste,

dort ist die wahre Service-Wüste.

So trösten nur am stillen Orte

gesetzlich festgelegte Worte:

Personal nicht gar zu lasch:

Nach dem Stuhlgang Händewasch!

Dann ist man doch, so will es scheinen,

mit der Kultur wieder im Reinen.

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[1] Der Name „Amerika“ ist abgeleitet von Amerigo Vespucci latinisiert Americus. Populär gemacht haben diesen Namen die Landkarten von Gerhard Mercator, nachdem der Kartograph Martin Waldseemüller den Kontinent nach dem falschen(!) Vornamen Vespuccis benannt hatte. Vespucci hieß eigentlich „Alberigo“. So hat Amerika nicht nur seine Entdeckung, sondern auch seinem Namen einem Fehler zu verdanken. Da wundert sich noch einer!?

[2] Wegen des französischen Widerstandes gegen den Irak-Krieg wurden sie im amerikanischen Repräsentantenhaus vorübergehend „Freedom Fries“ genannt. Die Franzosen werden allerdings von den Angelsachsen ohnehin zu Unrecht mit dieser belgischen Erfindung geschmückt.

[3] Das männliche Geschlechtsteil nennt der Engländer „Cock“, der Deutsche eher „Tail“. Beides zusammen ergibt den „Cock-Tail“. Im Zusammenspiel ist das der lange bunte „Hahnenschwanz“! Da kann man sich nur wundern, dass Cocktail-Kleider kurz statt lang sind und eher schwarz statt bunt. Aber das scheint besser zum bunten „Cock-Tail“ zu passen.

[4] „Germs“ ist keinesfalls eine abkürzende Sprechweise für „Germans“, zumindest nicht bei allen Amerikanern. Denn es bedeutet „Krankheitskeime“!

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2 Antworten auf „Leon Neschle 36 (9. Woche 2008)“

  1. Aufschrei ! Wo ist Neschle 37.

    Mit RSS ins Postfach gekommen liefert der Link nur ein weißes Blatt Papier (ein graues Stück Bildschirm) oder steht der leere Frame bildlich für die vermittelte Wirtschaftsbildung in deutschen Schulen?

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