{"id":635,"date":"2014-11-11T10:41:00","date_gmt":"2014-11-11T09:41:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.neschle.de\/index.php\/blog\/neschle-depeschle-1011\/"},"modified":"2020-06-20T12:43:32","modified_gmt":"2020-06-20T11:43:32","slug":"neschle-depeschle-1011","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/neschle-depeschle-1011\/","title":{"rendered":"Neschle-Depeschle 10+11"},"content":{"rendered":"<header>\n<h2><strong><span style=\"color: #4f81bd;\">50 Jahre Humba, Humba, T\u00e4tern \u2013 Das mit Recht vergessene Jubil\u00e4um?<\/span><\/strong><\/h2>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Neschle-Spezial-Depeschle zum Hoppeditz-Erwachen<\/strong><\/p>\n<\/header>\n<p><em>Karnevalshit oder Karnevalshit: Das ist ab heute die Frage der Session. <\/em>(Neschle)<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">9. November 2014: Das Jubil\u00e4um 25 Jahre Mauerfall, zwei Tage danach: Hoppeditz- Erwachen am 11. November 2014 um 11.11 Uhr. Doch da f\u00e4llt auf: Anders als die Politiker haben die Karnevalisten ein wichtiges Jubil\u00e4um vor lauter Spa\u00df <em>nicht ernst <\/em>genommen. Sie haben es wohl schlicht vergessen: 50 Jahre Humba, Humba, T\u00e4ter\u00e4.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Laut Wikipedia kam es bei der Erstauff\u00fchrung dieses Karnevals-hits am 5. Februar 1964 \u201ezu einer einst\u00fcndigen \u00dcberziehung der \u00dcbertragung der ARD-Fernsehsendung <em><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Mainz_wie_es_singt_und_lacht\">Mainz wie es singt und lacht<\/a>,<\/em> weil sich das Saalpublikum nicht beruhigen konnte\u201c. Dabei wurde Humba, Humba, T\u00e4ter\u00e4 von <em>Ernst<\/em> Neger gesungen. (Merke: Hat das Publikum Spa\u00df, darf auch Ernst singen!).<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Sp\u00e4ter mussten <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Entwicklungshelfer\">Entwicklungshelfer<\/a>, so meldete der Spiegel, Einheimische in Afrika aufkl\u00e4ren, \u201edass der Titel nicht die <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Deutsche_Nationalhymne\">deutsche Nationalhymne<\/a>\u201c sei. Gemeint war wohl die DDR-Hymne(?), gilt doch \u201eT\u00e4ter\u00e4\u201c auch heute noch als Bezeichnung f\u00fcr den Trabanten-, also den Trabbi-Staat. Und war nicht dessen Nationalhymne \u201eAuferstanden aus Ruinen\u201c als musikalisches Plagiat von \u201eGoodbye Johnny\u201c verd\u00e4chtigt? Da h\u00e4tte man wechseln sollen, zumal auf ostdeutschen Fu\u00dfballpl\u00e4tzen l\u00e4ngst eine eigene Version des Karneval-shits zu h\u00f6ren war, mit \u201eUfta, Ufta\u201c statt \u201eHumba, Humba\u201c. Also: \u201eUnd da geht\u2019s Ufta, Ufta, Ufta, DDR, DDR, DDR, \u2026\u201c? Klingt doch deftig nach Arbeiter- und Bauernstaat. Oder nicht?!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"font-family: Arial;\"> <!--more--> <\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Hat dieses Lied es verdient, dass sein 50-j\u00e4hriges Jubil\u00e4um vergessen wurde? Oder h\u00e4tte es am 5. Februar 2014 gefeiert werden m\u00fcssen? Zeigt sich gerade in diesem Karnevalshit der ganze Karnevalshit und das erschreckende Bild einer karnevalistischen Spa\u00dfgesellschaft, in der es von Rassismus, Fundamentalismus und Sexismus nur so brodelt? Dar\u00fcber versucht dieses Spezial-Depeschle aufzukl\u00e4ren.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\" align=\"justify\"><strong>A. Der rassistische, sexistische und manipulative Hintergrund<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Hei\u00dft ein (Mainzer) Karnevals-S\u00e4nger Ernst Neger, also \u201eErnst\u201c (\u201eSpa\u00dfbremse\u201c?) und \u201eNeger\u201c (politisch korrekt \u201eafrikast\u00e4mmiger Mann mit Migrationshintergrund\u201c), h\u00f6rt der Spa\u00df auf, bevor er anfing. Das gilt vor allem f\u00fcr den rassistischen Nachnamen \u201eNeger\u201c, heute ja sogar f\u00fcr \u201eSchwarzer\u201c, den Nachnamen von Alice, der alten Suffragette (oder Suff-Rakete?).<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Beide Nachnamen sind jedenfalls politisch inkorrekt in einer Zeit, in der in Holland der \u201eZwarte Piet\u201c und bei uns \u201eHans Muff\u201c, \u201eKnecht Ruprecht\u201c oder der \u201eKrampus\u201c schon deshalb als rassistisch gelten, weil sie \u201elatte macchiato\u201c sind, dunkel gefleckte Wei\u00dfe. Schlie\u00dflich ist sogar \u201eWetten, dass\u201c vom rassismuserfahrenen amerikanischen Journalisten Thomas Rogers der Vorwurf gemacht worden, in der Augsburger Stadtwette mit Lukas und Jim Knopf rassistisch zu weit gegangen zu sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Aber ob jetzt ausgerechnet der Zwarte Piet, der Krampus, Knecht Ruprecht oder Hans Muff bei dem von ihnen gepflegten vorweihnachtlichen Volksbrauch des \u201eKaminrutschens\u201c dunkelh\u00e4utige Mitmenschen ver\u00e4ppeln wollen? Oder ob sie sich dabei eher per Zufall verf\u00e4rben? Ein Schweizer Ausdruck f\u00fcr den Nikolaus-Gesellschafter macht das ganze Ungl\u00fcck deutlich: \u201eSchmutzli\u201c nennt man ihn da, den zwarten Piet. Wie soll der beim Kaminrutschen auch verhindern, dass er unfreiwillig schwarz wird?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Was ist aber, wenn Bundeswehrsoldaten auch k\u00fcnftig zur Tarnung ihr Gesicht bewusst(!) schw\u00e4rzen? Rassismus nat\u00fcrlich!? Ursula von der Leyen w\u00e4re also gut beraten, das Schw\u00e4rzen der Gesichter zu untersagen. Das ist \u201ealternativlos\u201c angesichts der oben er\u00f6rterten Rassismusvorw\u00fcrfe, um mit Mutti zu sprechen!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Und ob man beim \u201eSchwarzgeld\u201c (fr\u00fcher \u201eNegertaler\u201c) von Alice nicht wenigstens von \u201eFarbigenknete\u201c reden m\u00fcsste, scheint angesichts der machtvollen Bewegung politisch Sau-Korrekter kaum fraglich. Musterg\u00fcltig korrekt w\u00e4ren heute nur \u201eMigrationsmoneten\u201c, was bei dem Weg, den dieses Geld hinter sich hat, treffender erscheint als \u201eSchwarz(er)geld\u201c. Wie lange aber sind \u201eMigrationsmoneten\u201c noch politisch korrekt? Die \u201epolitisch korrekte Sprache\u201c hat eine kurze Verfallszeit und wird dann inkorrekt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Doch warum gilt nicht nur ein S\u00e4nger \u201eNeger\u201c, sondern auch der Titel des Liedes \u201eHumba, Humba\u201c als rassistisch? \u2013 Wer denkt denn bei \u201eHumba, Humba\u201c nicht unbewusst an afrikanische Musik und afrikanische Sprachfetzen? Die werden im Lied mit \u201eT\u00e4ter\u00e4\u201c in Verbindung gebracht, also mit der damals noch real vegetierenden DDR. Deutlicher kann die Verunglimpfung alles Afrikanischen kaum mehr ausfallen, als es mit Ulbricht oder Honecker zu verkn\u00fcpfen. Das ist Rassismus pur.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Damals gab es zudem nicht nur den S\u00e4nger Neger, sondern auch den nach ihm(?) benannten \u201eNegerkuss\u201c. Genau dieser Kuss ist es, der ins Sexistische lappt. Der oben erw\u00e4hnte amerikanische Journalist Thomas Rogers hat n\u00e4mlich die Aufforderung amerikanischer Schauspielerinnen zum K\u00fcssen wilder und fremder M\u00e4nner durch Markus Lanz bei \u201eWetten, dass\u201c als \u201esexistisch\u201c bezeichnet.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">So gesehen sind die aus Frankreich importierten Begr\u00fc\u00dfungsrituale der Schickeria Zeichen von fortgeschrittenem Sexismus. Den erkennen wir bei \u201eHumba, Humba, T\u00e4ter\u00e4\u201c gleich in der ersten Strophe, wie die folgende Textanalyse in Teil B. beweisen wird. Nicht wenige sehen aber auch im \u201eBunga, Bunga\u201c, den Sex-Parties von Berlusconi, nur ein billiges Plagiat von \u201eHumba, Humba\u201c, zumal durch \u201eT\u00e4ter\u00e4\u201c schon damals die in der DDR verbreitete Nacktheit unterschwellig und ganz ohne Red Bull die Phantasie befl\u00fcgelte (\u201eEs gab ja n\u00fcscht!\u201c D.h.: \u201eSchickes zum Anziehen\u201c.). Inwieweit aber \u201eBlasmusik\u201c sp\u00e4ter bei Bunga, Bunga eine Rolle spielte? Da halte ich mich lieber bedeckt. Doch zwei zus\u00e4tzliche Anmerkungen seien mir gestattet:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">1. Ernst Neger wird wohl nicht zuf\u00e4llig der \u201esingende Dachdeckermeister\u201c genannt. Auch Honecker machte eine Dachdeckerlehre. Das gibt der Deutung von \u201eT\u00e4ter\u00e4\u201c als \u201eDDR\u201c zus\u00e4tzlich Nahrung. Auch der erste Teil des Wortes \u201eT\u00e4ter\u00e4\u201c, n\u00e4mlich \u201eT\u00e4ter\u201c, deutet darauf hin. \u2013 \u00c4?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">2. Unter dem pers\u00f6nlichen Dach eines Menschen verbirgt sich ein mehr oder weniger gut m\u00f6bliertes Oberst\u00fcbchen. \u201eDachdecker\u201c ist daher nur der Deck(!)-Name f\u00fcr jemand, der das Oberst\u00fcbchen mit dem Mantel des Schweigens eindeckt. Also Vorsicht: \u201eGehirnw\u00e4sche\u201c, wenn Neger oder Honecker singen!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Mit welchen Methoden diese Gehirnw\u00e4sche \u00fcber den Refrain von Humba, Humba, T\u00e4ter\u00e4 funktioniert, werden wir im Laufe der Textanalyse feststellen. Denn der Refrain hat etwas Berauschendes und Hirnt\u00f6tendes, vor allem zusammen mit Alkohol.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\" align=\"justify\"><strong>B. Der Refrain als Rauschmittel<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Zun\u00e4chst der Refrain-Text im Zusammenhang:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">\u201eJa da geht\u2018s Humba Humba Humba T\u00e4ter\u00e4 T\u00e4ter\u00e4 T\u00e4ter\u00e4.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Ja da geht\u2018s Humba Humba Humba T\u00e4ter\u00e4 T\u00e4ter\u00e4 T\u00e4ter\u00e4:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Da ruft der ganze Saal dasselbe noch einmal.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Es \u201egeht\u201c also, es \u201el\u00e4uft nicht\u201c, es rennt nicht: \u201ees geht\u201c nur. Wenn wir ehrlich sind: So toll klingt das nicht! Und es geht nicht \u201ehier\u201c, sondern nur \u201eda\u201c und eben nicht \u201ehier\u201c. Besser sollte es \u201ehier rennen\u201c oder \u201ehier laufen\u201c als \u201eda gehen\u201c. Hier erschlie\u00dft sich der Reiz dieses Refrains also noch nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Anders als im Titel, der das \u201eHumba\u201c doppelt und die \u201eT\u00e4ter\u00e4\u201c nur einfach enth\u00e4lt, wirkte schon damals im Refrain alles jeweils dreifach (Humba und T\u00e4ter\u00e4), bei Wiederholung sogar sechsfach (\u201eSechsismus\u201c, liebend gern mit \u201eSexismus\u201c verwechselt) auf den eigentlich Humorbereiten ein, der sich dort aber mit Negers Ernst\u201c als rassistischer Spa\u00dfbremse konfrontiert sah.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Dabei \u201egeht\u201c das ewig so weiter, wie uns die letzte Zeile zun\u00e4chst zu sagen scheint. \u201eDa ruft der ganze Saal dasselbe\u201c. \u201eDer Saal ruft\u201c wie \u201eder Berg ruft\u201c, nur beim Berg ist es nie der \u201eganze\u201c. Und er \u201eruft dasselbe\u201c, weil nach der ersten Wiederholung oder dem zweiten Glas Bier von Singen statt Rufen keine Rede mehr sein kann und von neuen Einf\u00e4llen erst recht nicht. Deshalb wird dann nur noch \u201edasselbe gerufen\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Das Versprechen aber, es mit dem Rufen desselben nur \u201enoch EINMAL\u201c zu tun, haben die Leute vergessen, wenn ihnen das \u201eHumba Humba Humba T\u00e4ter\u00e4 T\u00e4ter\u00e4 T\u00e4ter\u00e4\u201c zweimal durchs Hirn gedudelt ist. Wir erinnern uns: Eine Stunde wurde die Fernsehsendung bei der Premiere verl\u00e4ngert, weil die Leute den Refrain immer wieder sangen, obwohl sie jedes Mal erneut zusicherten, es nur \u201enoch <span style=\"text-decoration: underline;\"><em>einmal<\/em><\/span>\u201c zu tun.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">In \u00e4hnlichen F\u00e4llen, etwa bei \u201eHey Jude\u201c von den Beatles, dauert das abschlie\u00dfende \u201eNa, Na, Na, Nana, Na, Na, Nana, Na, Na, Hey Jude\u201c maximal zwanzig Minuten. Hier sichert aber keiner zu, es nur \u201eone more time\u201c zu rufen. Insofern strahlt das \u201enoch einmal\u201c im Karnevalshit keine Zuverl\u00e4ssigkeit aus. So mag man sich seit dieser Zeit auch auf das \u201eMade in Germany\u201c kaum mehr verlassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Gebetsm\u00fchlenartig geht es da mit dem Rufen weiter und weiter. Der Rosenkranz mag Pate gestanden haben, wurde aber weit \u00fcbertroffen. Im Eigenversuch habe ich f\u00fcr das einfache \u201elallende Abrufen\u201c des Refrains knapp 20 Sekunden ben\u00f6tigt. Bei einer Stunde \u00dcberziehung sind das etwa 180 Wiederholungen eines v\u00f6llig berauschten Publikums. Da w\u00fcrde es Neschle nicht wundern, wenn dieses benebelte Publikum es noch massenweise vergisst, seine Rechnungen zu bezahlen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Doch was w\u00e4re Karneval ohne Sexismus? Den finden wir vor allem in der ersten Strophe.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\" align=\"justify\"><strong>C. Die sexistische erste Strophe<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Lassen wir die erste Strophe insgesamt (ein)wirken:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">\u201eMan h\u00f6rt so oft die Blasmusik ist heut\u2018 nicht mehr modern<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">und trotzdem h\u00f6r ich sie halt immer wieder gern.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Denn \u00fcberall, wo Blasmusik erklingt, ihr lieben Leut\u2018,<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">ja da herrscht Jubel \u201aTrubel, Heiterkeit.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Beginnen wir mit der ersten Zeile: \u201eMan h\u00f6rt so oft die Blasmusik ist heut\u2018 nicht mehr modern\u201c. Hier l\u00e4sst uns Negers Ernst mit <em>\u201eman&#8220;\u00a0<\/em>h\u00f6rt gleich zu Beginn im Unklaren, wer seine Informanten sind: Dennoch gibt er vor, von Blasmusik \u201eso oft\u201c geh\u00f6rt zu haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Ich frage nun Sie, verehrte Leserinnen und Leser, wie oft haben Sie in den letzten Jahren \u00fcber Blasmusik gesprochen? a. oft oder b. selten? Wenn oft, ging es bei dem Gespr\u00e4ch darum, ob die Blasmusik modern ist?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Ich selbst spreche fast nie \u00fcber Blasmusik und wenn, dann geht es um andere Qualit\u00e4ten: zu laut, zu schr\u00e4g oder so etwas. Da auch alle meine Gespr\u00e4chspartner \u00e4hnliche Erfahrungen gemacht haben, gibt es f\u00fcr mich nur zwei M\u00f6glichkeiten:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">a. Die Behauptung Negers ist reine Erfindung. (Das ist \u00fcbrigens der Grund, warum \u201eH\u00f6rensagen\u201c im amerikanischen Prozess-Recht keine Bedeutung hat, jedenfalls keine ausschlaggebende. Man kriegt h\u00f6chstens Pickel davon!)<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">b. Die Gespr\u00e4che \u00fcber Blasmusik haben zwar stattgefunden, aber die Beteiligten hatten von \u201eTuten\u201c, vor allem aber von \u201eBlasen\u201c keine Ahnung. \u2013 Wenn das nun kein sexistischer Angang ist, dann wei\u00df ich es nicht!? Doch wen interessiert beim Blasen, ob das noch modern ist? Niemanden, der auch nur einigerma\u00dfen vern\u00fcnftige Kriterien hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Das merkt schlie\u00dflich auch Neger selbst, denn er legt offenbar keinen Wert auf diese seltsame Meinung, wie er uns in dem \u201eund <em><strong>t<\/strong>rotzdem<\/em>\u201c in der zweiten Zeile entgegenschmettert. Im Unterschied zur ersten Zeile bekennt er sich hier pers\u00f6nlich (\u201eh\u00f6r <em>ich<\/em>\u201c). Das \u201ehalt\u201c gibt uns dann ein Stoppzeichen, um die Aufmerksamkeit auf das \u201eimmer wieder gern\u201c zu lenken. Hiermit wird das Prinzip der Wiederholung angedeutet, das durch den Refrain sp\u00e4ter eine so gro\u00dfe Bedeutung bekommt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Im letzten Teil der Strophe zeigt uns Negers Ernst dann, dass er Nachnamen und Vornamen zu Unrecht tr\u00e4gt: Statt schwarzem Ernst, lacht uns ein Humor entgegen, der ganz offensichtlich <em>kein<\/em> \u201eschwarzer\u201c ist: \u201eDenn \u00fcberall, wo Blasmusik erklingt, ihr lieben Leut\u2018, ja da herrscht Jubel \u201aTrubel, Heiterkeit\u201c. Neger artikuliert hier ernstliche, aber dennoch fast kindliche Freude an den einfachen Zerstreuungen dieser Welt.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\" align=\"justify\"><strong>D. Der fundamentalistische Einschlag der zweiten Strophe<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Stellen wir die zweite Strophe zun\u00e4chst erst wieder im Zusammenhang vor:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">\u201eUnd schie\u00dft bei uns der Sportverein am Sonntag mal ein Tor,<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">steh\u2018n alle auf dem Kopf, denn das kommt selten vor.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Dann geht es mit Hipp-Hipp-Hurra ins Dorf vom Fu\u00dfballplatz;<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">denn im Vereinslokal gibt&#8217;s dann Rabatz:\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Im Karneval hat der \u201eTor\u201c der ersten Zeile die Bedeutung von \u201eNarr\u201c. Wenn von einem \u201eSportverein\u201c die Rede ist, der \u201emal ein\u2018 Tor\u201c schie\u00dft, so ist das erstens wohl ein \u201eSchie\u00dfsportverein\u201c und zweitens kommt darin die Abneigung dieses \u201eVereins\u201c gegen Narren zum Ausdruck. Warum sollte der Verein sonst auf den Tor schie\u00dfen? Humorlosigkeit aber, die auf jeden Tor schie\u00dft, findet sich seit ewigen Zeiten vor allem im Fundamentalismus.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">An der ersten Zeile wird allerdings auch klar, dass der Text nicht neu ist. F\u00fcr den fundamentalistischen \u201eSportverein\u201c IS sollte der Text n\u00e4mlich lauten: \u201eUnd\u00a0<em><strong>k\u00f6pft\u00a0<\/strong><\/em>bei uns der Sportverein <em>am Freitag<\/em> mal ein\u2018 Tor\u201c. Dabei stehen der Sonntag beim Schie\u00dfen und der Freitag beim K\u00f6pfen daf\u00fcr, dass diese Aktionen jeweils \u201ezur Feier des Tages\u201c stattfinden.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Was aber kommt dabei angeblich \u201eselten vor\u201c? Dass \u201eALLE\u201c(!) auf dem Kopf stehen. Das kann nun kaum mehr \u00fcberraschen. Wenn auch nur \u201eein Tor gek\u00f6pft\u201c wurde, also \u201eein Narr enthauptet\u201c, k\u00f6nnen ja nicht mehr ALLE kopfstehen!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Bemerkenswert ist, dass sich der fundamentalistische Einschlag hier mit Schleichwerbung f\u00fcr Babynahrung (\u201eHipp-Hipp\u201c) verbindet. Die wird in der dritten Zeile mit \u201eHurra\u201c sogar \u00fcberschw\u00e4nglich gefeiert. Offenbar geht es darum, auf Teufel komm raus Aufmerksamkeit zu erringen. Denn wer erinnert sich nicht nach Jahren noch an die Mainzer Sitte, zu solchen Anl\u00e4ssen Babynahrung aufzunehmen, bevor es dann im Vereinslokal \u201eRabatz\u201c gibt, augenscheinlich eine echte Mainzer Spezialit\u00e4t. Im Fall, dass ein Tor gek\u00f6pft wurde, ist die aber sicher ohne Schweinefleisch.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\" align=\"justify\"><strong>E. Das Fazit<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Ein norddeutsches Wort \u00fcber eine wirklich gelungene Feier lautet: \u201eWer sich erinnert, war nicht dabei\u201c. Daher sind es gerade die besten Songs, die man getrost vergessen kann. Wer die bei einer solchen Feier richtig singt, denkt weder an Rassismus noch an Sexismus oder Fundamentalismus. Er denkt schlicht an Humba, Humba und schon zwei Tage vor Hoppeditz-Erwachen, am 9. November, auch an unsere alte T\u00e4ter\u00e4. Daher h\u00e4tten wir allen Grund gehabt 50 Jahre Humba, Humba, T\u00e4ter\u00e4 zu feiern, wenn wir es nicht vergessen h\u00e4tten.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a title=\"PDF-Datei\" href=\"http:\/\/www.neschle.de\/download-manager.php?id=207\"><span style=\"font-size: small;\">PDF-Datei<\/span><\/a><span style=\"font-size: small;\"><br \/>\nThis post was downloaded by  1040 people until now.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>50 Jahre Humba, Humba, T\u00e4tern \u2013 Das mit Recht vergessene Jubil\u00e4um? Neschle-Spezial-Depeschle zum Hoppeditz-Erwachen Karnevalshit oder Karnevalshit: Das ist ab heute die Frage der Session. (Neschle) 9. November 2014: Das Jubil\u00e4um 25 Jahre Mauerfall, zwei Tage danach: Hoppeditz- Erwachen am 11. November 2014 um 11.11 Uhr. Doch da f\u00e4llt auf: Anders als die Politiker haben &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/neschle-depeschle-1011\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eNeschle-Depeschle 10+11\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[4,7],"tags":[77,87,38],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/635"}],"collection":[{"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=635"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/635\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":836,"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/635\/revisions\/836"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=635"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=635"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=635"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}