{"id":619,"date":"2013-03-28T14:45:38","date_gmt":"2013-03-28T13:45:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-79-13-woche-2013\/"},"modified":"2020-06-20T13:19:31","modified_gmt":"2020-06-20T12:19:31","slug":"leon-neschle-79-13-woche-2013","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-79-13-woche-2013\/","title":{"rendered":"Leon Neschle 79 (13. Woche 2013)"},"content":{"rendered":"<header>\n<h2 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #4f81bd;\">Werksverein gegen Vereinswerk<\/span><\/strong><\/h2>\n<\/header>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>Steigt Hoffenheim ab, werde ich wieder Bayern-Fan.<\/em> (Ein Anh\u00c3\u00a4ngsel)<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\n<em>Was hei\u00c3\u0178t \u00e2\u20ac\u017eS 04 ein Leben lang\u00e2\u20ac\u0153? Auf dem Friedhof geht\u00e2\u20ac\u02dcs weiter!<\/em> (Ein Gl\u00c3\u00a4ubiger)<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Sie hatten sich k\u00c3\u00bcrzlich \u00e2\u20ac\u017eanne K\u00c3\u00b6ppe\u00e2\u20ac\u0153: Der Holzh\u00c3\u00a4user und der Watzke, Bayer Leverkusen und Borussia Dortmund. Wegen Kie\u00c3\u0178ling und Dortmunds Appetit auf ihn, auch wegen eines alten Zwists in der Bundesliga zwischen Werks- und Traditionsvereinen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Holzh\u00c3\u00a4user warf dem \u00e2\u20ac\u017each so traditionsbewussten Dortmunder\u00e2\u20ac\u0153 Watzke vor, er wolle seinen \u00e2\u20ac\u017eRetortenklub\u00e2\u20ac\u0153 durch Abwerbeversuche schw\u00c3\u00a4chen. Und extremen Populismus; denn Watzke hatte vor mehr \u00e2\u20ac\u017eWerksklubs\u00e2\u20ac\u0153 in der Bundesliga gewarnt: Noch drei Mannschaften, die vor nur 25.000 Zuschauern spielen und ausw\u00c3\u00a4rts mit nur 500 Fans ankommen, w\u00c3\u00bcrde die Liga nicht verkraften.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><!--more--><\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>A. Von Kunden, Zuschauern, Anh\u00c3\u00a4ngern, Fans und Gl\u00c3\u00a4ubigen<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Unternehmungen w\u00c3\u00a4ren begeistert, k\u00c3\u00b6nnten sie ihre Kunden zu Fans ihrer Produkte machen. Einst warfen Fans des Bundesligisten Borussia Dortmund jedoch den Verantwortlichen ihres Vereins vor, mit der Kommerzialisierung durch den B\u00c3\u00b6rsengang wollten sie die Fans des BVB zu Kunden zu machen. Sie bef\u00c3\u00bcrchteten, die sportlich-emotionale Seite des Vereins werde durch wirtschaftliche Interessen dominiert. Der Verein werde seine Seele verlieren und mit ihr die Leidenschaft seiner Fans. Zum Gl\u00c3\u00bcck kam es anders: Blo\u00c3\u0178e \u00e2\u20ac\u017eZuschauer\u00e2\u20ac\u0153 haben mehrheitlich andere Vereine, einschlie\u00c3\u0178lich der Bayern.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>Doch damals warnten Borussen-Fans davor, aus dem Traditionsverein Borussia Dortmund w\u00c3\u00bcrde zwar kein Werksverein, aber ein Wirtschaftsunternehmen, ein \u00e2\u20ac\u017eVereinswerk\u00e2\u20ac\u0153, das sich in der Produktion von Unterhaltung f\u00c3\u00bcr Fu\u00c3\u0178ballkunden bet\u00c3\u00a4tigt. Ein \u00e2\u20ac\u017eVereinswerk Borussia Dortmund\u00e2\u20ac\u0153 w\u00c3\u00a4re jedoch nicht so viel anders als ein \u00e2\u20ac\u017eWerksverein Bayer Leverkusen\u00e2\u20ac\u0153, weil es die gewachsene Bindung zu seinen Fans aufs Spiel setzt, die sich ein Werksverein ohnehin nur m\u00c3\u00bchsam erspielen kann.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Nur wenigen Wirtschaftsunternehmungen gelingt es n\u00c3\u00a4mlich, Kunden zu Fans ihrer Leistungen zu machen: Harley Davidson, vielleicht noch Apple. Und selbst wenn die Deutsche Bank mit \u00e2\u20ac\u017eLeistung aus Leidenschaft\u00e2\u20ac\u0153 wirbt, d\u00c3\u00bcrfte sich dieses Gef\u00c3\u00bchl auf die Werbung und die Seite der Bank beschr\u00c3\u00a4nken. Kunden der Bank werden sich bez\u00c3\u00bcglich der Bankleistungen kaum diese Leidenschaft zuschreiben. Dasselbe gilt bei fast allen Unternehmen. Mit Ausnahme eben der professionellen Sportanbieter!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Professionelle Sportanbieter k\u00c3\u00b6nnen zum Teil auf Fans zur\u00c3\u00bcckgreifen, deren Einstellung und Verhalten sich von Kunden gew\u00c3\u00b6hnlicher Unternehmungen fundamental unterscheidet. Im professionellen Fu\u00c3\u0178ballsport findet sich unverhohlene Leidenschaft, eine extreme Identifikation von Fans mit ihrer Mannschaft quer durch alle Altersgruppen. Das geht weit hinaus \u00c3\u00bcber den \u00e2\u20ac\u017einteressierten Zuschauer\u00e2\u20ac\u0153 und sogar \u00c3\u00bcber den \u00e2\u20ac\u017ebegeisterten Anh\u00c3\u00a4nger\u00e2\u20ac\u0153<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Doch <em>womit<\/em> identifizieren sich die Fans? \u00e2\u20ac\u201c Mit der Vereinsleitung? Mit den Spielern? Oder ist es Identit\u00c3\u00a4t oder Image, f\u00c3\u00bcr die Vereinsfarben, Logo und Vereinsgeschichte stehen? Ein Gedankenexperiment bietet Aufkl\u00c3\u00a4rung:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Man stelle sich vor, alle Spieler und der Vereinsvorstand seines Lieblingsvereins wechselten zum Ligakonkurrenten und umgekehrt. W\u00c3\u00bcrde der Fan mit ihnen die Fahne wechseln? \u00e2\u20ac\u201c Wohl kaum! Oder deutlicher: Auf keinen Fall!!!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>Ein Fan steht zu seinem Verein unabh\u00c3\u00a4ngig von der personellen Zusammensetzung, zum Verein als Substrat von dessen Geschichte(n), seiner Symbolik, seiner Riten (z.B. Interaktion der Fans mit dem Stadionsprecher), seiner sagenumwobenen Orte, die realistischer Betrachtung meist nicht standhalten (z.B. Schalker Markt, Borsigplatz, S\u00c3\u00a4bener Stra\u00c3\u0178e, Gl\u00c3\u00bcckauf-Kampfbahn, Kampfbahn Rote Erde, Olympia-Stadion).<\/em> Das hat seine Wohnung eher im Unterbewusstsein des Fans eingerichtet als in seinem Bewusstsein.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ein Vereins<em>gl\u00c3\u00a4ubiger<\/em> geht sogar weiter. Ihn kann nichts in seiner Treue zum Verein ersch\u00c3\u00bcttern. Einen Schalke-<em>Gl\u00c3\u00a4ubigen<\/em> kann man daher nicht damit \u00c3\u00a4rgern, dass sein Verein seit 55 Jahren ohne Meistertitel ist. Bei einem Fan mag das noch gelingen, aber bei einem Gl\u00c3\u00a4ubigen? Der wartet wie andere Gl\u00c3\u00a4ubige notfalls mehr als 2.000 Jahre und \u00c3\u00bcber Generationen auf die Wiederkunft der Meisterschaft, ohne schwankend zu werden in seinem Glauben. Darin ficht ihn der gef\u00c3\u00bchlt immer \u00e2\u20ac\u017ezeitweilige\u00e2\u20ac\u0153 Misserfolg nicht an. Wie lange es auch dauern mag: Er\u00c2\u00a0<em>glaubt<\/em>, dass sein Verein und er am Ende triumphieren, selbst wenn er es nicht mehr erlebt. Wichtiger noch als die Deutsche Meisterschaft ist dem Schalke-Gl\u00c3\u00a4ubigen ohnehin der Derby-Sieg \u00c3\u00bcber den Liga-Rivalen: Der BVB ist Meister? \u00e2\u20ac\u201c Ja und? Was ist das im Vergleich zu uns? Wir haben zweimal das Derby gewonnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Zuschauer, blo\u00c3\u0178e Anh\u00c3\u00a4nger und Erfolgsfans d\u00c3\u00bcrften zumindest bei den Traditionsvereinen in der Minderheit sein. Kein Fu\u00c3\u0178ball-Manager glaubt daher, der (sportlichen) Konkurrenz \u00c3\u00bcber Erfolg und Leistung Fans abjagen zu k\u00c3\u00b6nnen. Mehr als f\u00c3\u00bcnfzig Jahre nicht Deutscher Meister ist f\u00c3\u00bcr einen \u00e2\u20ac\u017eGl\u00c3\u00a4ubigen der Schalke-Religion\u00e2\u20ac\u0153 eben kein Grund, sich den \u00e2\u20ac\u017eL\u00c3\u00bcdenscheidern\u00e2\u20ac\u0153 zuzuwenden, auch und gerade wenn und weil die Fans von Borussia Dortmund mit sichtbaren Erfolgen protzen k\u00c3\u00b6nnen. Das f\u00c3\u00bchrt bei Schalke-Gl\u00c3\u00a4ubigen eher zu einer noch st\u00c3\u00a4rkeren Identifikation mit <em>seinem<\/em> Verein.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Daher kann es im Wettbewerb der Vereine nicht darum gehen, Kunden von anderen Vereinen auf sich zu ziehen, so wie jemand von Mercedes zu BMW oder Audi \u00c3\u00bcberwechselt. Die \u00e2\u20ac\u017eKunden eines Traditions-Clubs\u00e2\u20ac\u0153 sind eben (meist) Fans oder sogar Gl\u00c3\u00a4ubige. Eher verliert so ein Fan das Interesse am Fu\u00c3\u0178ball, als dass er \u00e2\u20ac\u017eVerrat\u00e2\u20ac\u0153 an seinem Verein begeht, indem etwa aus einem Schalker ein Dortmunder oder Bayer w\u00c3\u00bcrde. Im sportlichen Wettbewerb geht es allein darum,\u00c2\u00a0<em>Nachwuchsfans<\/em> zu generieren und die eigenen Fans zu <em>mobilisieren<\/em>. Das hat \u00c3\u201ehnlichkeit mit der Mobilisierung der Anh\u00c3\u00a4nger zu einer politischen Wahl. Doch auch politische Anh\u00c3\u00a4nger unterscheiden sich von Fans, weil sie im Durchschnitt deutlich leichter ihr Lager wechseln.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Was aber verschafft den Fans eine solche Bindung? Ist es das, was die Wirtschaftsunternehmen mit ihren Kunden in ihrer oder durch ihre Marke repr\u00c3\u00a4sentiert sehen: Corporate Identity und Corporate Image? Oder zumindest etwas \u00c3\u201ehnliches?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Taucht man bei der Suche nach einer Antwort in die Geschichte der Vereine ein, findet man trotz aller Unterschiede Gemeinsamkeiten am Beginn ihrer Existenz. Dabei unterscheiden sich Traditions-Vereine mit einer \u00e2\u20ac\u017enat\u00c3\u00bcrlichen Geburt\u00e2\u20ac\u0153 (Bayern, Dortmund, Kaiserslautern, K\u00c3\u00b6ln, Schalke, St. Pauli) von den \u00e2\u20ac\u017eKaiserschnittgeburten\u00e2\u20ac\u0153 der Werkselfs (Bayer Leverkusen, VfL Wolfsburg) und der in Deutschland neueren Erscheinung des \u00e2\u20ac\u017eRetortenvereins\u00e2\u20ac\u0153 (TSG 1899 Hoffenheim).<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>B. Die Markenbildung bei den Traditionsvereinen<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Bei den bodenst\u00c3\u00a4ndigen Traditionsvereinen w\u00c3\u00a4hlten <em>die Gr\u00c3\u00bcnder<\/em> Farben und Logo zun\u00c3\u00a4chst vor allem zur\u00c2\u00a0<em>inneren<\/em> Identifikation der neuen Vereinsmitglieder, also eher f\u00c3\u00bcr die Corporate Identity als f\u00c3\u00bcr das Corporate Image. Nat\u00c3\u00bcrlich wurde das, was zun\u00c3\u00a4chst nach innen einte, sp\u00c3\u00a4ter auch ein Signal nach au\u00c3\u0178en, das von der sportlichen Konkurrenz abhob. Dieser \u00c3\u00a4u\u00c3\u0178ere Aspekt wurde mit steigender Gr\u00c3\u00b6\u00c3\u0178e und Popularit\u00c3\u00a4t des Vereins wichtiger und erhielt als Alleinstellungsmerkmal (Unique Selling Proposition) seine heutige \u00c3\u00b6konomische Dimension im Merchandising.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Vom Bewusstsein, \u00e2\u20ac\u017eeine Marke zu f\u00c3\u00bchren\u00e2\u20ac\u0153, ist man in den Anf\u00c3\u00a4ngen der Vereinsgeschichte allerdings noch weit entfernt. Exemplarisch daf\u00c3\u00bcr ist Dortmunds Namenszusatz \u00e2\u20ac\u017eBorussia\u00e2\u20ac\u0153, bei dem ein am Borsigplatz ausgeschenktes Bier Pate gestanden haben soll. Man nahm einfach eine Anleihe bei einer Brauerei in der N\u00c3\u00a4he, ohne jede systematische Markenarbeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Bei identit\u00c3\u00a4tsbewusster Markenf\u00c3\u00bchrung h\u00c3\u00a4tten sich die Vereinsgr\u00c3\u00bcnder damals wohl kaum den Namen der <em>protestantischen\u00c2\u00a0<\/em>Preu\u00c3\u0178en auf ihr Banner geheftet, trotz eines Disputs mit ihrer Geistlichkeit, weil die Fu\u00c3\u0178ballspiele meist zu Zeiten der sonnt\u00c3\u00a4glichen Gottesdienste ausgetragen wurden. Denn die Vereinsgr\u00c3\u00bcndung des BVB fand 1909 mitten im <em>protestantischen<\/em> Dortmund in der Enklave einer <em>katholischen<\/em> Gemeinde statt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die \u00e2\u20ac\u017eMarke\u00e2\u20ac\u0153 eines Traditions-Vereins bildet sich und w\u00c3\u00a4chst also zun\u00c3\u00a4chst eher \u00e2\u20ac\u017eunbewusst\u00e2\u20ac\u0153 (das ist nat\u00c3\u00bcrlich ein wichtiger Unterschied zum Werksverein), wird gepr\u00c3\u00a4gt durch die Geschichte von Erfolgen und Misserfolgen und die Geschichten um \u00e2\u20ac\u017eunerh\u00c3\u00b6rte\u00e2\u20ac\u0153 Ereignisse, die sich mit den Vereinsfarben und dem Vereinslogo verbinden und die durch diese Symbole repr\u00c3\u00a4sentiert werden (siehe etwa das Jubil\u00c3\u00a4umsbuch: 100 Schalker Jahre \u00e2\u20ac\u201c 100\u00c2\u00a0<em>Schalker Geschichten<\/em>).<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Dazu geh\u00c3\u00b6rt auch, dass man mit anderen Vereinen aus der Region fusioniert hat, dass man sein Logo oder die Vereinsfarbe ge\u00c3\u00a4ndert oder sogar gewechselt hat (Bayern M\u00c3\u00bcnchen z.B. von blau-wei\u00c3\u0178 zu rot-wei\u00c3\u0178, Schalke 04 von rot-gelb zu blau-wei\u00c3\u0178, Borussia Dortmund trug im ersten regul\u00c3\u00a4ren Spiel ein blau-wei\u00c3\u0178es Hemd mit schwarzer Hose und roter Sch\u00c3\u00a4rpe) oder dass man \u00e2\u20ac\u017epeinliche\u00e2\u20ac\u0153 Episoden aus seiner Vereinsgeschichte eher verschweigt (Bayern M\u00c3\u00bcnchen z.B. die ma\u00c3\u0178gebliche Gr\u00c3\u00bcndung durch Nicht-Bayern, Schalke 04 den Bestechungsskandal in der Bundesliga).<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">F\u00c3\u00bcr die Fans von Fu\u00c3\u0178ballvereinen gilt dabei etwas anderes als f\u00c3\u00bcr die Kunden von Unternehmungen: Das Image des FC Bayern wandelt sich <em>extrem<\/em> je nach Betrachter. Es ist f\u00c3\u00bcr seine eigenen Fans ein anderes als z.B. f\u00c3\u00bcr Fans des FC Schalke 04. Was f\u00c3\u00bcr den Bayern-Fan \u00e2\u20ac\u017eselbstbewusst\u00e2\u20ac\u0153 oder \u00e2\u20ac\u017eErfolg\u00e2\u20ac\u0153 ist, ist f\u00c3\u00bcr den Schalker \u00e2\u20ac\u017e\u00c3\u00bcberheblich\u00e2\u20ac\u0153 oder \u00e2\u20ac\u017eBayern-Dusel\u00e2\u20ac\u0153. Es gibt nicht das Markenimage eines FC Bayern oder eines anderen Vereins, sondern je nach Betrachter zum Teil v\u00c3\u00b6llig unterschiedliche Images.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Auch \u00e2\u20ac\u017eUnf\u00c3\u00a4lle\u00e2\u20ac\u0153 der Vereinsgeschichte pr\u00c3\u00a4gen das Image eines Vereins, mit deutlich h\u00c3\u00b6herer Bedeutung f\u00c3\u00bcr Au\u00c3\u0178enstehende als f\u00c3\u00bcr die Fans und Vereinsmitglieder. Diese \u00e2\u20ac\u017eUnf\u00c3\u00a4lle\u00e2\u20ac\u0153 werden von der Ligakonkurrenz zuweilen sogar gen\u00c3\u00bcsslich ausgegraben. Die Wahrnehmung der Fans ist dabei selektiv. Sie meidet kognitive Dissonanzen und unterscheidet sich betr\u00c3\u00a4chtlich von der Wahrnehmung der Fans anderer Vereine. Das hat Einfluss auf <em>die<\/em> Erscheinungsbilder der Marke, von der Vereinsgr\u00c3\u00bcndung bis zum Verschwinden mancher Marken in die \u00c3\u00b6konomische Bedeutungslosigkeit (z.B. Waldhof Mannheim, Wormatia Worms, Bayer Uerdingen oder Schwarz-Wei\u00c3\u0178 Essen).<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Was h\u00c3\u00a4ufig verkannt wird: <em>Die Vereinsmarken der Traditionsvereine sind nicht durch die Vereinsleitung erschaffen.<\/em> Am Erscheinungsbild der Marke haben die Fans von Anfang an mitgewirkt. Ein wichtiger Unterschied zu einer \u00e2\u20ac\u017enormalen\u00e2\u20ac\u0153 Unternehmung:\u00c2\u00a0<em>Dieses Image war den echten Fans immer schon viel zu wichtig, um es allein dem Vereinsvorstand zu \u00c3\u00bcberlassen. <\/em>So realisieren Schalke-Fans derzeit die Idee eines Fanfriedhofs, der nicht ohne Auswirkung auf das Identit\u00c3\u00a4t der Marke sein wird, nicht nur \u00e2\u20ac\u017eein Leben lang S04\u00e2\u20ac\u0153, sondern \u00e2\u20ac\u017eSchalker \u00c3\u00bcber den Tod hinaus<a title=\"_ftn1\" href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a>. Die Fans des 1. FC K\u00c3\u00b6ln verbinden mit ihrem Verein eine besondere \u00e2\u20ac\u017eLiebe zur Stadt K\u00c3\u00b6ln\u00e2\u20ac\u0153, wie man das in dieser Form bei keinem anderen Verein findet. Gesteuert durch den Vorstand? Wohl kaum! Dessen Einfluss auf die Marke d\u00c3\u00bcrfte deutlich geringer sein als bei einer \u00e2\u20ac\u017enormalen\u00e2\u20ac\u0153 Unternehmung. Es w\u00c3\u00a4re daher ein tiefes Missverst\u00c3\u00a4ndnis, die Fans dabei zu ignorieren oder deren Willen, sich aktiv einzubringen, nicht zu nutzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">In der gewachsenen Identifikation der Fans mit ihrem Verein unterscheiden sich die Traditionsvereine von den Werksklubs und dem Retortenverein Hoffenheim. Diese Identifikation zeigt sich vor allem in Zeiten der sportlichen (und finanziellen) Krise, in der sich die Fans von Schalke und N\u00c3\u00bcrnberg sogar gegenseitig gest\u00c3\u00bctzt haben. Die spezielle Fanfreundschaft zwischen Schalke und N\u00c3\u00bcrnberg hat sicher auch damit zu tun, dass ihre Fans alle(!) anderen Clubs f\u00c3\u00bcr\u00c2\u00a0<em>weniger<\/em> traditionsreich halten, sozusagen f\u00c3\u00bcr \u00e2\u20ac\u017eneureiche Angeber\u00e2\u20ac\u0153. Das schlie\u00c3\u0178t Bayern M\u00c3\u00bcnchen, Borussia Dortmund, Werder Bremen und sogar den HSV ein. Doch w\u00c3\u00a4hrend f\u00c3\u00bcr Schalke-Fans Bestechlichkeit nicht zur Tradition ihres Vereins geh\u00c3\u00b6rt, tut sie das wohl f\u00c3\u00bcr Fans anderer Mannschaften. Die Tradition eines Vereins hat daher nicht generell, sondern eigentlich nur f\u00c3\u00bcr die eigenen Fans einen positiven Einfluss auf sein Image.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>C. Sportlicher Erfolg oder wirtschaftlicher Erfolg: Die Priorit\u00c3\u00a4t<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Profi-Sportvereine sind Unternehmungen, die das marxistische Weltbild auf den Kopf stellen. Hier beutet nicht das Kapital die Arbeit aus, sondern die Arbeit das Kapital. Die Spieler als Wanderarbeiter und S\u00c3\u00b6ldner des Fu\u00c3\u0178balls haben es unter t\u00c3\u00a4tiger Mithilfe ihrer Berater geschafft, einige Vereine in den Ruin zu treiben und viele auf der Suche nach sportlichem Erfolg an dessen Rand. Denn ob man will oder nicht, Geld schie\u00c3\u0178t doch Tore, wie die Erfahrung und wissenschaftliche Untersuchungen lehren, selbst man Ausnahmen diese Regel manchmal \u00e2\u20ac\u017ebest\u00c3\u00a4tigen\u00e2\u20ac\u0153.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Manche Fans sehen jedoch einen Konflikt zwischen wirtschaftlichem und sportlichem Erfolg. Was aber soll man als Konflikt verstehen, wenn der sportliche Erfolg den wirtschaftlichen zur Folge hat? Auch dass man in sportlichen Erfolg investieren und dabei ein wirtschaftliches Tal durchlaufen muss, taugt kaum als Konfliktursache. Hier geht es um weniger wirtschaftlichen Erfolg heute f\u00c3\u00bcr mehr sportlichen <em>und<\/em> wirtschaftlichen Erfolg morgen. Das ist nur das Problem jeder Investition wo auch immer. \u00e2\u20ac\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Als der FC Schalke 04 sein \u00e2\u20ac\u017eneues Leitbild\u00e2\u20ac\u0153 suchte, stellte ein Vorentwurf den wirtschaftlichen Erfolg noch vor den sportlichen Erfolg. Heute hei\u00c3\u0178t es dagegen im Leitbild: \u00e2\u20ac\u017eUnser gemeinschaftliches Ziel ist der\u00c2\u00a0<strong><em>sportliche Erfolg.<\/em><\/strong>Auch daf\u00c3\u00bcr darf aber niemand die <strong><em>Existenz unseres Vereins<\/em><\/strong>gef\u00c3\u00a4hrden oder die in diesem Leitbild formulierten <strong>Werte<\/strong>verletzen\u00e2\u20ac\u0153.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Da hat das Schalker Vereinsmanagement gerade noch mal die Kurve gekriegt. Denn es ist ein fundamentaler Fehler den wirtschaftlichen Erfolg vor den sportlichen zu stellen. Der wirtschaftliche Erfolg ist Nebenbedingung und Folgeph\u00c3\u00a4nomen des sportlichen Erfolgs. Boris Becker h\u00c3\u00a4tte wohl nie so viel Geld verdient, wenn er das von Anfang an im Sinn gehabt h\u00c3\u00a4tte. Er wollte der beste Tennisspieler der Welt sein und sein wirtschaftlicher Erfolg hat sich genau deshalb nachhaltig eingestellt, weil er dieses <em>sportliche<\/em> Ziel erreicht hat. Wer daher der reichste Fu\u00c3\u0178ballverein der Welt sein will, scheitert dagegen auf Dauer wirtschaftlich wie sportlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Hier unterscheidet sich der Profi-Sport im \u00c3\u0153brigen kaum von der Wirtschaft. Solange Nokia die \u00e2\u20ac\u017egeilsten Handys der Welt\u00e2\u20ac\u0153 bauen wollte, war das Unternehmen wirtschaftlich erfolgreich. Als Nokia anfing, dieses Ziel aus den Augen zu verlieren und auch aus diesem Grund sein Werk in Bochum zu schlie\u00c3\u0178en, begann der wirtschaftliche Abstieg. Heute l\u00c3\u00a4uft Nokia den geilsten Handys der Welt hinterher.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\"><strong>Fu\u00c3\u0178ballostern<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">Ob Schalke, Dortmund oder Bayern,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Ostern feiert man mit Eiern,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">die man in Gegners Nest gelegt<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">als man ihn vom Platz gefegt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p style=\"text-align: center;\">Man findet nun zum Osterfest<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">auch and\u00e2\u20ac\u02dcre Eier in dem Nest,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">die sehen aus auf alle F\u00c3\u00a4lle<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">so \u00c3\u00a4hnlich wie die Rugby-B\u00c3\u00a4lle.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p style=\"text-align: center;\">Am Ende sind die nicht dasselbe,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">denn Rugby-B\u00c3\u00a4llen fehlt das Gelbe,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">das bringt die wahre Osterwonne<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">und w\u00c3\u00a4rmt das Herz wie Ostersonne.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p style=\"text-align: center;\">Denn f\u00c3\u00bchlt man K\u00c3\u00a4lte wie in Frostern,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">dann feiert niemand gerne Ostern.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Mit hei\u00c3\u0178en Hasen auf den Eiern,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">mag jedermann (jeder Mann?) auch Ostern feiern.***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: left;\">*** Eindeutig zweideutiger Inhalt! Br\u00c3\u00bcderle, ist das sexistisch!!!<\/p>\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\" \/>\n<p style=\"text-align: left;\"><a title=\"_ftnref1\" href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Vgl. dazu <a href=\"http:\/\/www.derwesten.de\/region\/rhein_ruhr\/gelsenkirchener-fan-friedhof-fuer-schalker-wird-aussehen-wie-ein-stadion-id6923640.html\">http:\/\/www.derwesten.de\/region\/rhein_ruhr\/gelsenkirchener-fan-friedhof-fuer-schalker-wird-aussehen-wie-ein-stadion-id6923640.html<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a title=\"PDF-Datei\" href=\"http:\/\/www.neschle.de\/download-manager.php?id=200\"><span style=\"font-size: small;\">PDF-Datei<\/span><\/a><span style=\"font-size: small;\"><br \/>\nThis post was downloaded by <!--downloads(200)--> people until now.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Werksverein gegen Vereinswerk Steigt Hoffenheim ab, werde ich wieder Bayern-Fan. (Ein Anh\u00c3\u00a4ngsel) Was hei\u00c3\u0178t \u00e2\u20ac\u017eS 04 ein Leben lang\u00e2\u20ac\u0153? Auf dem Friedhof geht\u00e2\u20ac\u02dcs weiter! (Ein Gl\u00c3\u00a4ubiger) Sie hatten sich k\u00c3\u00bcrzlich \u00e2\u20ac\u017eanne K\u00c3\u00b6ppe\u00e2\u20ac\u0153: Der Holzh\u00c3\u00a4user und der Watzke, Bayer Leverkusen und Borussia Dortmund. Wegen Kie\u00c3\u0178ling und Dortmunds Appetit auf ihn, auch wegen eines alten Zwists in &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-79-13-woche-2013\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eLeon Neschle 79 (13. Woche 2013)\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4,6],"tags":[29,83,18],"class_list":["post-619","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-blog","category-essays","tag-fussball","tag-ostern","tag-wirtschaft"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/619","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=619"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/619\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":958,"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/619\/revisions\/958"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=619"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=619"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=619"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}