{"id":600,"date":"2012-10-05T09:46:06","date_gmt":"2012-10-05T08:46:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.neschle.de\/index.php\/au-aufschrei\/au-aufschrei-60\/"},"modified":"2020-06-18T15:47:10","modified_gmt":"2020-06-18T14:47:10","slug":"au-aufschrei-60","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/au-aufschrei\/au-aufschrei-60\/","title":{"rendered":"Au &hellip; Aufschrei 60"},"content":{"rendered":"<header>\n<h2 style=\"text-align: left;\" align=\"justify\"><strong><span style=\"color: #4f81bd\">Tag der Deutschen Vielfalt<\/span><\/strong><\/h2>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\"><strong>Am Tag der Einheit vergeblich gesucht: der Einheitsdeutsche. Also:<\/strong><\/p>\n<\/header>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\"><em>Wir m\u00fcssen ihn erfinden: den Tag der Deutschen Vielfalt.<\/em> Sonst droht uns der einf\u00e4ltige Einheitsdeutsche. Denn mit dem Tag der Deutschen Einheit geht es nach der deutschen Politik und Presse darum, Deutschland und die Deutschen einheitlich oder zumindest einheitlicher zu machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Deutsche in Ost und West, so hie\u00df es im Radio am Morgen des Tages der Deutschen Einheit, h\u00e4tten auch nach mehr als zwanzig Jahren <em>noch(!!!) immer <\/em>nicht zu einer <em>einheitlichen<\/em> Kommunikation gefunden. Weder die K\u00f6rpersprache (angeblich gehen Ostler n\u00e4her ran und schauen oder glotzen[?] einem direkter ins Gesicht als Westler) noch der inhaltliche Gebrauch von Sprache stimmten schon \u00fcberein, so dass es allein deshalb immer noch zu Missverst\u00e4ndnissen komme. Nicht gut, solche Missverst\u00e4ndnisse zwischen Ost und West, wird da gesendet!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Oh, versteht da der aufmerksame H\u00f6rer. Dann scheint es ja mit der Integration der Ossis durch die Wessis und der Integration der Wessis durch die Ossis noch nicht so weit her zu sein, wenn sie nicht einmal dieselbe Kommunikation pflegen, wenn sie in anderen Zungen reden. Die <em>noch(!)<\/em> vorhandene Kommunikationsvielfalt wird als Zeichen daf\u00fcr gedeutet, wie <span style=\"text-decoration: underline;\"><em>schlecht<\/em><\/span> die deutsche Einheit <em>immer noch funktioniert. \u2013<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Neschle kommt gerade erst aus Frankreich zur\u00fcck und musste feststellen: Auch dort gibt es weder Gleichheit der Kommunikation zwischen unterschiedlichen Regionen noch Gleichheit der Lebensverh\u00e4ltnisse. Dasselbe hat er erfahren in Italien (Nord und S\u00fcd), Gro\u00dfbritannien (England, Schottland, Wales, Nordirland) oder Spanien (Kastilien, Katalonien, Baskenland).<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Und was am Tag der deutschen Einheit nur zwischen Ost und West als Kommunikationsproblem gelten soll, gilt ja vielleicht noch st\u00e4rker zwischen Ruhrgebiet und Baden-W\u00fcrttemberg. Da liegen, Wende hin, Wende her, zwischen einem Gelsenkirchener und einem Ulmer meist tiefere Kommunikationsgr\u00e4ben als zwischen einem Braunschweiger und einem Magdeburger. Trotzdem gibt es zum Einheitstag nur den Einheitsbrei der Ost-West-Debatte. \u2013<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Was soll die \u201enachhaltige\u201c Konfrontation zwischen Ost und West? Die Qualit\u00e4t der Deutschen Einheit erkennt man doch nicht daran, ob es bald nur noch den Ost-West-Einheitsdeutschen gibt oder nicht. Einheit bemisst sich allein am gegenseitigen Respekt und dem Gef\u00fchl, trotz aller Vielfalt \u201eirgendwie\u201c zu einem Volk zu geh\u00f6ren.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Was also soll der ost-westspezifische Blick auf <em>\u201eimmer noch vorhandene&#8220;<\/em>&nbsp;Unterschiede, die es im Sinne der Einheit zu beseitigen gilt? Ist es wirklich Zeichen der deutschen Einheit, dass die Unterschiede verschwinden und sich die mit dem Tag der \u201eDeutschen Einheit\u201c geforderte Tendenz zum auf-\u201erechten\u201c und einf\u00e4ltigen Einheitsdeutschen fortsetzt? Oder ist es eher Zeichen der Einheit, dass man sich auch bei Weiterbestehen der Unterschiede zu einem gemeinsamen Volk zugeh\u00f6rig f\u00fchlt?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Wenn Letzteres der Fall ist, sollte man dem Tag der \u201eDeutschen Einheit\u201c vielleicht zeitgleich den Tag der \u201eDeutschen Vielfalt\u201c entgegensetzen? Der w\u00fcrde auch von der Bev\u00f6lkerung viel besser aufgenommen als ein (bl)\u00f6der Einheitstag, der als \u201eEinheiztag\u201c auch noch genau an den Beginn der Heizperiode gelegt wurde. F\u00fcr einen bunten \u201eTag der Deutschen Vielfalt\u201c w\u00fcrden sicher viel mehr Leute mit \u00dcberzeugung auf die Stra\u00dfe gehen als zum Einheitstag, sogar mehr als zum Christopher Streetday.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Deutschland ist unbemerkt von der Politik l\u00e4ngst ein Land der Zuwanderer geworden, egal ob sie vom Osten, aus der T\u00fcrkei oder sonst woher kommen. Deutscher (Engl\u00e4nder, Franzose, Italiener, \u2026 und Amerikaner sowieso) ist ohnehin jeder, der sich so f\u00fchlt, f\u00fchlen will oder, im \u00fcbleren Fall, dieses F\u00fchlen auch nur vorgibt und sich deshalb einen <em>deutschen Pass<\/em> besorgt. Das zeigt sich nirgendwo deutlicher als im Sport.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Wenn es sogar M\u00e4nner gibt, die sich als Frauen empfinden, und Frauen, die sich als M\u00e4nner erleben, warum soll es dann nicht Deutsche geben, die sich irgendwann als Amerikaner oder Franzosen f\u00fchlen, weil sie sich in dieser Kultur assimiliert haben, weil sie in der neuen Sprache und Tradition leben, denken und tr\u00e4umen. Das was f\u00fcr diese Deutschen gilt, kann doch wohl ebenso f\u00fcr Russen oder T\u00fcrken in Deutschland gelten. Deutscher ist heute also derjenige, der aus eigenem Willen und hoffentlich aus eigener \u00dcberzeugung einen deutschen Pass beantragt hat und bewilligt bekam.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Das wahre Kompliment an die deutsche Kultur und Tradition ist nicht die nazistische oder narzisstische \u201edeutsche Einheit\u201c und germanische Selbstverliebtheit verirrter Rechtsradikaler, sondern das offene Bekenntnis vielf\u00e4ltiger Ethnien zum \u201eDeutschsein\u201c. Das wahre Kompliment an die deutsche Kultur ist, wenn sich jemand trotz aller Vielfalt und aller Unterschiede zu dieser deutschen Kultur bekennt und sich ihr zugeh\u00f6rig f\u00fchlt. Da ist es durchaus ein Zeichen, wenn die Muslime ihren \u201eTag der offenen Moschee\u201c als Symbol der Vielfalt <em>in<\/em> <em>Deutschland<\/em>, wenn nicht sogar als Symbol neuer deutscher Vielfalt, ausgerechnet auf den Tag der Deutschen Einheit legen. \u2013 \u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Neschle, Du bist ein Tr\u00e4umer. Missbrauch, Missbrauch, Missbrauch!!! Was Du, lieber Neschle, als Kompliment f\u00fcr die deutsche Kultur ansiehst, ist in Wahrheit nur ein Bekenntnis zum deutschen Sozialsystem, zur Rundum-Versorgung von Wirtschaftsfl\u00fcchtlingen: Wes Brot ich ess, des Lied ich sing!.\u2013<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Oh, Du mein einf\u00e4ltiger Kritiker, vergiss es aber bitte nicht,<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">1. dass auch dieses Sozialsystem ein Teil der deutschen Kultur ist und das Bekenntnis dazu uns durchaus schmeichelt, und<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">2. dass dieser Missbrauch nicht nur von \u201eBekenntnisdeutschen\u201c, sondern auch von echten \u201eGeburtsdeutschen\u201c betrieben wird, auch von solchen mit Springerstiefeln, und<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">3. dass es, um Missbrauch zu verhindern, schon deshalb andere Mittel braucht als Zuwanderer davon auszuschlie\u00dfen und<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">4. dass wir durch Arbeitsverbote f\u00fcr Zuwanderer selbst zu dessen <em>Gebrauch<\/em> anreizen, einen Gebrauch, den man dann nur noch schwerlich und mit Selbstwiderspruch <i>\u201e<\/i><em>Missbrauch&#8220;<\/em>&nbsp;nennen kann, und<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">5. dass solche Zuwanderer mit ihrer Entscheidung f\u00fcr das Deutschsein auch die (Steuer- und sonstige) Pflichten von Deutschen \u00fcbernehmen, und<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">6. dass es so etwas wie \u201eDeutschland\u201c noch gar nicht so lange gibt und dieses Land fr\u00fcher viel mehr Vielfalt zeigte etwa als das zentralisierte Frankreich (Neschles Vorfahren waren sich auch gar nicht so sicher, ob sie Deutsche waren oder Holl\u00e4nder. Die Engl\u00e4nder nennen die Niederl\u00e4nder noch heute \u201ethe Dutch\u201c. Was aber ist das anderes als \u201edie Deutschen\u201c?), und<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">7. dass gerade die meisten \u201eDeutschen\u201c hier in der Mitte Europas schon seit Generationen genetisch alle m\u00f6glichen Nationalit\u00e4ten in sich vereinigen (Der \u00d6sterreicher Hitler, der in Braunschweig zum \u201eDeutschen\u201c konvertiert ist, konnte sich selbst jedenfalls wohl kaum als \u201eVorzeigedeutscher\u201c empfinden) und \u2026, und \u2026, und \u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\"><em>Also: Wie w\u00e4re es nun mit einem \u201eTag der Deutschen Vielfalt\u201c? Neschle freut sich drauf und macht mit!<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"justify\"><a title=\"PDF-Datei\" href=\"http:\/\/www.neschle.de\/download-manager.php?id=192\"><span style=\"font-size: small;\">PDF-Datei<\/span><\/a><span style=\"font-size: small;\"><br \/>\nThis post was downloaded by  1105 people until now.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tag der Deutschen Vielfalt Am Tag der Einheit vergeblich gesucht: der Einheitsdeutsche. Also: Wir m\u00fcssen ihn erfinden: den Tag der Deutschen Vielfalt. Sonst droht uns der einf\u00e4ltige Einheitsdeutsche. Denn mit dem Tag der Deutschen Einheit geht es nach der deutschen Politik und Presse darum, Deutschland und die Deutschen einheitlich oder zumindest einheitlicher zu machen. 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