{"id":586,"date":"2012-05-25T15:33:48","date_gmt":"2012-05-25T14:33:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-34a-21-woche-2012\/"},"modified":"2020-06-20T13:46:55","modified_gmt":"2020-06-20T12:46:55","slug":"leon-neschle-34a-21-woche-2012","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-34a-21-woche-2012\/","title":{"rendered":"Leon Neschle 34a (21. Woche 2012)"},"content":{"rendered":"<header>\n<h2 style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #4f81bd\"><strong>Ertiefung<\/strong><a title=\"_ftn1\" href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> <strong>einer kleinen Philosophie aller m\u00f6glichen Abschlussarbeiten<\/strong><\/span><\/h2>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Uns ist noch nie etwas gelungen, wir \u00e4ndern selbst die \u00c4nderungen.<\/strong><br \/>\n<strong>(Neschle, in Abwandlung eines tradierten Themas)<\/strong><\/p>\n<\/header>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>Man kann nicht alles sicher machen und sicher auch nicht alles.&nbsp;<\/em>(Neschle)<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">F\u00fcnf Jahre nach <a href=\"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/5\/\">Leon Neschle 1<\/a> und <a href=\"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-32-47-woche-2007\/\">32<\/a> merkt auch der Pr\u00e4sident der Hamburger Uni, Dieter Lenzen, in einem Interview (an): \u201e<a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/karriere\/berufsstart\/dieter-lenzen-fordert-master-abschluss-fuer-alle-a-834469.html\">Hochschulen sind keine Lernfabriken<\/a>\u201c. Doch weil er und andere es so sp\u00e4t gemerkt haben, m\u00fcssen Neschles Alter Ego und seine Studierenden nun den Bologna-K\u00e4se ausbaden (<a href=\"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-76-11-woche-2012\/\">Leon Neschle 75<\/a> und <a href=\"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-76-12-woche-2012\/\">76<\/a>). ;-((<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Es gibt daher das Problem, sich im (noch) bestehenden System einzurichten, und es gibt \u2013 Bologna oder nicht \u2013 systemunabh\u00e4ngige Probleme. Dazu geh\u00f6rt das Schreiben einer Abschlussarbeit, dem sich dieser Beitrag<a title=\"_ftn2\" href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> mit gemischter Problemauswahl erweiternd und vertiefend widmet, sozusagen in eklektizistischer Ertiefung. \u2013<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u201eNiemand kann mich dran hindern, kl\u00fcger zu werden\u201c soll Adenauer einst gesagt haben, als er seine Meinung \u00e4nderte. So \u201aschlimm\u2018 kommt es hier nicht. Neschle hat im Gespr\u00e4ch mit StudentInnen lediglich eine Bewusstseinserweiterung erfahren, die er seiner \u201eGemeinde\u201c mitteilen m\u00f6chte. Dabei geht es zun\u00e4chst um:<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>A. Weitere Aspekte der Themenwahl<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-34-7-woche-2008\/\">Leon 34<\/a> hat schon viele Aspekte der Themenwahl beleuchtet, aber nat\u00fcrlich nicht alle. Sonst w\u00e4re <a href=\"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-34-7-woche-2008\/\">Neschle 34<\/a> ja eine \u201egro\u00dfe Philosophie\u201c gewesen! Eine Frage kam bei den KandidatInnen aber immer wieder auf: \u201eGibt es so etwas wie einen Schwierigkeitsgrad des Themas und hat der Einfluss auf die Bewertung?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Nun! Die Sache muss man sich etwa vorstellen wie beim Turmspringen. Wikipedia schreibt dazu: \u201eSpringen sie (die Springer) in einem Durchgang nicht den Sprung, der angegeben wurde, muss der Sprung unabh\u00e4ngig von der Ausf\u00fchrung mit 0 Punkten bewertet werden.\u201c In diesem Fall w\u00e4re das \u201eThema verfehlt\u201c. Das sollte bei einen selbstgestrickten Thema nie vorkommen. Eigentlich, aber auch das hat Neschle schon erlebt!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Springen die Springer den vorgesehenen Sprung, gilt: \u201eF\u00fcr jeden Sprungtyp wird mittels der einzelnen enthaltenden Sprungkomponenten ein Schwierigkeitsgrad berechnet.\u201c Dieser Schwierigkeitsgrad bestimmt zusammen mit der Ausf\u00fchrung das Ergebnis und damit die Bewertung. Ein geringerer Schwierigkeitsgrad kann also bei perfekter Ausf\u00fchrung zu einer h\u00f6heren Wertung f\u00fchren als ein h\u00f6herer Schwierigkeitsgrad bei schlechter Ausf\u00fchrung.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>Der Springer muss bei der Auswahl seiner Spr\u00fcnge folglich die Balance finden zwischen der Schwierigkeit, die er sich zumutet, und seinen von ihm erwarteten Ausf\u00fchrungsm\u00f6glichkeiten.<\/em> Die h\u00f6chsten Sprung-Wertungen sind freilich nur bei einer Kombination hoher Schwierigkeitsgrade und perfekter Ausf\u00fchrung erreichbar.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Nicht anders ist es bei einer Abschlussarbeit. Aber wovon wird deren Schwierigkeitsgrad bestimmt?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Es sind Gegenstand, Methode und das Problem, die Methode auf den Gegenstand anzuwenden.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ganz schwierige Gegenst\u00e4nde sind solche, f\u00fcr die auch nach Jahrzehnten noch keine zufriedenstellende L\u00f6sung gefunden wurde. In der Mathematik ist das etwa die angeblich j\u00fcngst doch bewiesene Goldbachsche Vermutung<a title=\"_ftn3\" href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a>, die schon ewig die Forschung besch\u00e4ftigt. Auch die Aktualit\u00e4t eines Problems hat Bedeutung f\u00fcr den Schwierigkeitsgrad. Denn f\u00fcr aktuelle Probleme gibt es meist (noch) keine L\u00f6sungen und Verfasserin oder Verfasser w\u00fcrden sie erstmals pr\u00e4sentieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Gegenst\u00e4nde, welche die intensive Kenntnis einer besonderen Sprache voraussetzen, gelten ebenfalls als schwierig: das ist zum Beispiel die Sprache der Mathematik oder der Statistik, w\u00e4hrend man Englischkenntnisse heute als selbstverst\u00e4ndlich voraussetzt. Dennoch erzeugen standardm\u00e4\u00dfige L\u00e4ndervergleiche, die Kenntnis einer weiteren Fremdsprache erfordern, eher ein G\u00e4hnen bei den Gutachtern. Dem x-ten Vergleich Deutschland-Frankreich \u00fcber welchen Gegenstand auch immer ist nicht nur eine geringe Halbwertszeit verg\u00f6nnt, weil sich z.B. die nationalen Gesetze \u00e4ndern, ihm fehlt auch das gewisse Etwas bei der Themenstellung. Das gibt es nur, wenn es etwas interessantes Ungewisses zu erforschen oder zu bearbeiten gilt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Existiert schon eine einleuchtende, einfache, klare Antwort, scheint daher jede Arbeit \u00fcber das Problem m\u00fc\u00dfig. Aber gerade dann kann ein Thema als schwierig gelten, wenn und weil eine allgemein akzeptierte und plausible Antwort durch die eigene Arbeit in Frage gestellt wird. Wer w\u00fcrde es daher nicht f\u00fcr einen schwierigen Gegenstand halten, wenn man die Relativit\u00e4tstheorie \u00fcberzeugend widerlegen k\u00f6nnte, zumal sie f\u00fcr die meisten Leute schon gar nicht so einfach zu verstehen ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Grunds\u00e4tzlich gilt es zwar als schwieriger, Neues zu schaffen als Bestehendes zu kritisieren oder umzusto\u00dfen In F\u00e4llen einer \u201eunumst\u00f6\u00dflichen Wahrheit\u201c macht man da aber eine Ausnahme. Denn ein geistiges Denkmal vom Sockel zu sto\u00dfen, das ist dann doch keine so leichte Ausgabe, gerade wenn dieses von allen verstanden und bewundert wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wer sich im Schwierigkeitsgrad des Gegenstandes seiner Arbeit unterfordert, kann das durch Wahl einer komplexeren Methode durchaus wettmachen. Aufwendige prim\u00e4rstatistische Forschungsdesigns z\u00e4hlen da grunds\u00e4tzlich mehr als einfache sekund\u00e4rstatistische Untersuchungen. Komplexe mathematische Analytik wird meist h\u00f6her bewertet als einfache Verbaldarstellungen. Einordnende Begriffsakrobatik steht hinter tiefgr\u00fcndiger Ursachenanalyse.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Letztlich aber macht es die Kombination von Gegenstand und Methode. Wer einem bislang ungel\u00f6sten Problem mit einer neuen, selbst geschaffenen oder selbst\u00e4ndig erweiterten Methode zu Leibe r\u00fcckt, braucht sich keine Sorgen dar\u00fcber zu machen, dass die Gutachter die Schwierigkeit seiner Aufgabe untersch\u00e4tzen. Eine \u201egute Performance\u201c vorausgesetzt, kann er damit in den Notenhimmel aufsteigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Das ist anders, wenn in einer Arbeit die simple Beschreibung von Fakten oder von bekannten theoretischen Ans\u00e4tzen dominiert. Denn alle Abschlussarbeiten in Deutschlands Hochschulen beziehen sich grunds\u00e4tzlich auf ein reales oder methodisches Problem oder eine wissenschaftliche Herausforderung, die gel\u00f6st oder bew\u00e4ltigt werden will.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Daher gilt eine Arbeit im Stile des Lehrbuchschrifttums, die lediglich den aktuellen Stand des Wissens nacherz\u00e4hlt, generell als ungeeignet f\u00fcr eine Abschlussarbeit. Mit einer solchen Arbeit kann niemand nachweisen, dass er bestehendes Wissen auf neue Probleme anwenden oder dieses Wissen sogar erweitern kann. Diesen Nachweis verlangen, je nach Arbeit in unterschiedlicher Auspr\u00e4gung und Zielrichtung, aber die allermeisten Gutachter an den Fachhochschulen und sicher die an den Universit\u00e4ten.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>B. Unterschiede zwischen den Arbeiten<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Grunds\u00e4tzlich gibt es zwischen den verschiedenen Abschlussarbeiten mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede. Aber eine simple \u00dcbertragung der Anforderung an eine Dissertation auf eine Bachelorarbeit w\u00fcrde dann doch zu weit gehen. Dass dies zuweilen jedoch (unbedacht) geschieht, zeigt die folgende Anforderung an den Inhalt eines Expos\u00e9s f\u00fcr eine <em>Bachelorarbeit<\/em>, die der f\u00fcr eine Dissertation entspricht:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u201e+ Problemstellung<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">+ Leitfrage und logisches Ger\u00fcst (inkl. Grobgliederung)<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">+ <em>Forschungsstand<\/em> und Quellenlage (inkl. zu verwendende Quellen)<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">+ Untersuchungsansatz bzw. \u2013methode (Analyseverfahren, Erhebungsverfahren)<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">+ Ergebnisse (erwartet, prognostiziert, zielgerichtet)<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">+ Projektplan und Machbarkeit (Arbeits- und Zeitplan)\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ein Expos\u00e9 mit solchen Inhalten verlangen viele Doktorv\u00e4ter von einem Doktoranden, bevor sie ihn \u00fcberhaupt als solchen akzeptieren. Das Expos\u00e9 ist im Grunde ein Projektplan \u00fcber Inhalt und Ablauf der Arbeit, der \u00c4hnlichkeiten hat mit einem Businessplan. Wie der Businessplan hat das Expos\u00e9 zwei Adressaten: 1. den Schreiberling (Produzenten), der sich seine strategische Zielsetzung klarmacht und die Sollvorgaben f\u00fcr seine Problembearbeitung erstellt, woran er sich sp\u00e4ter messen lassen will bzw. muss; 2. den Gutachter (Investor), der im Falle des Expos\u00e9s nicht vor allem Geld wie beim Businessplan, sondern Zeit und Arbeit investieren soll.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Unabh\u00e4ngig von der Pflicht zu dessen Erstellung: Es ist f\u00fcr jeden Kandidaten gut, ein solches Expos\u00e9 vor Beginn einer Abschlussarbeit anzufertigen. Doch eignet sich der obige Expos\u00e9inhalt f\u00fcr Dissertation und Bachelorarbeit gleicherma\u00dfen?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Neschle meint: Nein! Das liegt vor allem an der Anforderung, den Forschungsstand aufzuf\u00fchren. F\u00fcr eine Dissertation ist das typisch und sinnvoll, weil es darin gilt, den Forschungsstand \u201eauf den Schultern fr\u00fcherer Geistesriesen\u201c zu erweitern oder zu verbessern. Dazu sollte man in einer solchen Arbeit auch den Ausgangspunkt dieser Bem\u00fchung beschreiben (k\u00f6nnen). Denn nur, was dar\u00fcber hinausgeht, ist \u201edissertabel\u201c. Nur das stellt die USP (Unique Selling Proposition) der Doktorarbeit dar, die als Eigenleistung von jedem Promovenden erwartet wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Bei einer Bachelorarbeit geht es dagegen gew\u00f6hnlich darum, den Beweis zu erbringen, dass man bereits in der Lage ist, mit bestehendem Theoriewissen praktische Orientierungshilfe zur L\u00f6sung von realen Problemen zu geben. Eine Erweiterung des Forschungsstandes wird aber von einer solchen Arbeit gemeinhin nicht erwartet.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Verlangt man von einer Bachelorarbeit zudem, dass sie auf keinen Fall ein Anwendungsproblem einer spezifischen Unternehmung zum Gegenstand hat, wird die Bachelorarbeit ebenfalls zu sehr in die N\u00e4he der Doktorarbeit ger\u00fcckt. Eine typische Bachelorarbeit dreht sich um die Anwendung bekannter wissenschaftlicher Theorien und Methoden auf ein praktisches Problem. Dann aber ist die Forderung kaum verst\u00e4ndlich, dieses Problem auch zwingend ohne Bezug auf die konkrete Realit\u00e4t einer speziellen Unternehmung zu definieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Geht es dagegen, wie bei einer Doktorarbeit, um die Ausweitung des allgemeinen theoretischen Wissens, ist das v\u00f6llig anders. Dann ist es sinnvoll, firmenspezifische Themen nicht zuzulassen, weil ein allgemeiner Wissensfortschritt davon kaum erwartet werden kann. Das Einzige, was in diesem Fall zul\u00e4ssig ist, die Wirkung eines <em>allgemeinen<\/em> theoretischen Fortschritts an einem konkreten praktischen Beispiel zu <em>demonstrieren<\/em>. Dabei kommt es in jedem Fall auf die \u00dcbertragbarkeit auf andere Praxisf\u00e4lle an.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Dieselbe Institution, die das obige Expos\u00e9 von Bachelorkandidaten verlangt, will auch Themen mit spezifischem Unternehmensbezug verbieten. In Wahrheit steckt aber auch hinter dieser Forderung eine unbedachte \u00dcbertragung der Anforderung an Dissertationen auf Bachelorarbeiten. Man muss und sollte bei Bachelorarbeiten das Dorf in der Kirche und die Kirche im Dorf lassen. Es ist sogar eher sinnvoll, in diesem Stadium der Ausbildung zun\u00e4chst nur die Anwendung bestehenden Wissens an einem Praxisbeispiel zu verlangen. Dass dies f\u00fcr eine Dissertation nicht ausreicht, sollte auch klar sein.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>C. Noch ein wenig Eklektizismus zu Stil und Inhalt<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Da lese ich gerade an einer Dissertation und ein Satz darin haut mich fast um. Ohne Quellenangabe und Erlaubnis der Verfasserin erlaube ich mir, ihn hier zu zitieren:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u201e<em>Aus sprachstilistischen Gr\u00fcnden<\/em> werden die Termini Liquidit\u00e4tsspreadrisiko, Liquidit\u00e4tsrisiko und Refinanzierungsrisiko im weiteren Verlauf der Arbeit synonym gebraucht.\u201c (Hervorhebung Neschle)<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Angeblich aus \u201esprachstilistischen Gr\u00fcnden\u201c verwendet die Verfasserin drei verschiedene Sprachumh\u00e4nge f\u00fcr denselben Begriffsinhalt eines Schl\u00fcsselbegriffs ihrer Arbeit?! Aber ist das sinnvoll?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">In jeder Abschlussarbeit geht es darum, Leser oder Leserin aufzukl\u00e4ren, nicht darum, sie zu verwirren. Zudem sollte man freilich vermeiden, sie mit schlechtem Sprachstil zu langweilen oder gar zu ver\u00e4rgern. Da wirkt die stetige Wiederholung der gleichen Sprachformeln erm\u00fcdend, entnervend und aufmerksamkeitszehrend. Der Leser verliert schneller seine Aufmerksamkeit, weil das Lesen ihn anstrengt. Hier hei\u00dft es darum: Variatio delectat (Ver\u00e4nderung erfreut).<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">F\u00fcr die zentralen Begriffe einer Arbeit, wie bei den von der Verfasserin genannten, gilt allerdings eher: Variatio irritat (Ver\u00e4nderung ver\u00e4rgert). Sie sollten \u00fcber die gesamte Arbeit nicht variiert werden, sondern in einer einzigen Form beibehalten werden. Denn sie sind die Anker f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis der Leser, wie immer Kette und Schiff auch wanken. Wenn man diese Anker wechselt, verliert der Leser seinen Halt. Tut man das h\u00e4ufig, wird der Leser verwirrt statt aufgekl\u00e4rt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Guter Sprachstil tr\u00e4gt dagegen immer zum besseren Verst\u00e4ndnis bei. Denn: \u201eDen Stil verbessern \u2013 das hei\u00dft den Gedanken verbessern und nichts weiter!\u201c sagt Nietzsche mit einigem Recht. Warum die Verfasserin aus \u201esprachstilistischen Gr\u00fcnden\u201c dann aber eine Ma\u00dfnahme w\u00e4hlt, die das Verst\u00e4ndnis des Lesers erschwert, das wei\u00df wohl allein sie selbst.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Eine andere Sache ist, \u201adass\u2018 exzessiv wiederholte Lieblingsw\u00f6rter oder Marotten aus stilistischen Gr\u00fcnden ausgemerzt werden sollten. Variationen machen dann das Lesen ertr\u00e4glicher. So bem\u00e4ngelte ich j\u00fcngst in einem Dissertationsentwurf, \u201adass\u2018 (;-)) die Verfasserin auf jeder Seite ihrer Dissertation im Durchschnitt mehr als vier \u201eDass\u201c-S\u00e4tze platzierte. Das liest sich etwa so:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u201e1. Es ist nachgewiesen, dass \u2026 . 2. Das l\u00e4sst den R\u00fcckschluss zu, dass \u2026 . 3. Dabei ist zu beachten, dass \u2026 . 4. Das bedeutet, dass \u2026 . 5. Dazu ist es notwendig, dass \u2026\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Gezielter als mit solchen Stilmitteln kann man kaum sprachliche Langeweile verbreiten und zus\u00e4tzlich die wichtigsten Aussagen in die Nebens\u00e4tze packen. Dabei k\u00f6nnte man auf alle Haupts\u00e4tze 1 \u2013 5 verzichten oder sie z.B. durch einfache Formeln ersetzen, etwa durch \u201enachweislich\u201c (1), \u201efolglich\u201c (2), \u201edazu muss\/m\u00fcssen\u201c (5). Das bringt die eigentliche Aussage wieder in den Hauptsatz und konzentriert dort die Aufmerksamkeit des Lesers.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">V\u00f6llig \u00fcberfl\u00fcssig sind hier vor allem die Haupts\u00e4tze (3) und (4). W\u00fcrde der Schreiber nicht meinen, dass etwas \u201ezu beachten\u201c sei, w\u00fcrde er gar nicht dar\u00fcber schreiben (3). Schreibt er also dar\u00fcber, wei\u00df man das auch ohne seine im Hauptsatz platzierte Bemerkung \u201eDabei ist zu beachten, dass \u2026\u201c, sonst w\u00fcrde er es ja \u00fcberhaupt nicht schreiben. Warum also diese Worte verlieren, die freilich noch gesteigert werden k\u00f6nnten durch das v\u00f6llig unn\u00f6tige und nervige \u201eAn dieser Stelle ist noch zu erw\u00e4hnen, dass \u2026\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Beim Film w\u00e4re das so, als w\u00fcrde dieser mitten in der Handlung unterbrochen, weil der Regisseur erkl\u00e4ren will, warum er seinen Dreh hier so und nicht anders gemacht hat. Das \u201eMaking-of\u201c unterbr\u00e4che dann laufend die reale Handlung des Films. Jeden Zuschauer w\u00fcrde das nerven. Und so nervt es auch den Leser, wenn der Schreiber glaubt zus\u00e4tzlich zu seinen Bemerkungen bemerken zu m\u00fcssen, warum diese genau hier und nirgendwo anders platziert werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Hier wird in die Metasprache gewechselt, die dann sogar den Hauptsatz ausmacht. Und so wird zur Hauptsache und zum Hauptsatz erkoren, was ohnehin selbstverst\u00e4ndlich ist. Schlie\u00dflich l\u00e4sst sich auch \u201eDas bedeutet, dass \u2026\u201c (4) vermeiden, indem man einfach von vornherein sagt, was man meint.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Das und nicht anderes meine ich, wenn ich das hier sage. ;-))<\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\"><strong>Sucht und Suche nach dem akademischen Abschluss<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">Der Deutsche stets den Abschluss sucht,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">nichts Halbes k\u00f6nnte er verwinden.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Doch ist die Sache so verrucht,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">er kann ihn niemals finden.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p style=\"text-align: center;\">Denn ist er schon mal Bachelor,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">muss er auch Master werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Und dann geht schlie\u00dflich sogar mehr,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">das H\u00f6chste scheint auf Erden,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p style=\"text-align: center;\">mit einem Doktor sich zu schm\u00fccken,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">der dann ein Teil des Namens wird,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">in Geistes Adel aufzur\u00fccken,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">es strebt der Mensch, so lang er irrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p style=\"text-align: center;\">Doch schwer ist alles Dissertieren,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">das wissen Guttenberg und Co.,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">es f\u00e4ngt schon an mit dem Zitieren,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">das Ganze geht nicht einfach so.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p style=\"text-align: center;\">Da muss man sich schon kr\u00e4ftig schinden,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">bis der Erfolg liegt auf der Hand.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Wenn\u2019s gilt, nicht blo\u00df auf Sand zu gr\u00fcnden,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">gebrauche einfach den Verstand.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\">\n<p><a title=\"_ftnref1\" href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> \u201eErtiefung\u201c ist Erweiterung und Vertiefung zusammen.<\/p>\n<p><a title=\"_ftnref2\" href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Die Anregung hat mir Lady J.M. gegeben, ohne dass sie es merkte und ohne dass ich es mir anmerken lie\u00df, was ich hier \u00fcbrigens zum ersten Mal anmerke. Ihr ist Neschle 34a daher gewidmet.<\/p>\n<p><a title=\"_ftnref3\" href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Terence Tao (University of California, Los Angeles) behauptet, das geschafft zu haben, siehe auch <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wissenschaft\/mensch\/primzahlraetsel-loesung-der-goldbachschen-vermutung-rueckt-naeher-a-833216.html\">http:\/\/www.spiegel.de\/wissenschaft\/mensch\/primzahlraetsel-loesung-der-goldbachschen-vermutung-rueckt-naeher-a-833216.html<\/a>. Der Originalbeweis unter <a href=\"http:\/\/arxiv.org\/abs\/1201.6656\">http:\/\/arxiv.org\/abs\/1201.6656<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a title=\"PDF-Datei\" href=\"http:\/\/www.neschle.de\/download-manager.php?id=188\"><span style=\"font-size: small;\">PDF-Datei<\/span><\/a><span style=\"font-size: small;\"><br \/>\nThis post was downloaded by  1565  people until now.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ertiefung[1] einer kleinen Philosophie aller m\u00f6glichen Abschlussarbeiten Uns ist noch nie etwas gelungen, wir \u00e4ndern selbst die \u00c4nderungen. (Neschle, in Abwandlung eines tradierten Themas) Man kann nicht alles sicher machen und sicher auch nicht alles.&nbsp;(Neschle) F\u00fcnf Jahre nach Leon Neschle 1 und 32 merkt auch der Pr\u00e4sident der Hamburger Uni, Dieter Lenzen, in einem Interview &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-34a-21-woche-2012\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eLeon Neschle 34a (21. 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