{"id":566,"date":"2012-03-13T10:50:20","date_gmt":"2012-03-13T09:50:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-76-12-woche-2012\/"},"modified":"2020-06-20T14:04:29","modified_gmt":"2020-06-20T13:04:29","slug":"leon-neschle-76-12-woche-2012","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-76-12-woche-2012\/","title":{"rendered":"Leon Neschle 76 (12. Woche 2012)"},"content":{"rendered":"<header>\n<h2 style=\"text-align: left;\" align=\"justify\"><span style=\"color: #4f81bd\"><strong>Forumskinder feiern Forumskinder \u2013<br \/>\nShitstorm Defending oder: Meckern<sup>2<\/sup> und Master \u2265 Diplom<\/strong><\/span><\/h2>\n<\/header>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\"><em>Wer meckert, dass andere meckern, meckert zwar auch, aber auf \u201eh\u00f6herer&#8220; Ebene&nbsp;<\/em>(Neschle)<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\"><em>Die gef\u00e4hrlichsten Unwahrheiten sind Wahrheiten, m\u00e4\u00dfig entstellt. <\/em>(Lichtenberg)<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\"><b>\u201eShitstorm\u201c<\/b> bezeichnet laut Wikipedia \u201eein <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Internet-Ph%C3%A4nomen\">Internet-Ph\u00e4nomen<\/a>, bei dem massenhafte \u00f6ffentliche Entr\u00fcstung sachliche Kritik mit zahlreichen unsachlichen Beitr\u00e4gen vermischt. \u2026 Dabei richtet sich die Emp\u00f6rung zumeist \u201aaggressiv, beleidigend, bedrohend oder anders attackierend\u2018\u201c auch gegen Einzelpersonen.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Dass es sich bei der \u201eSkandal-Klausur\u201c <em>nicht um einen \u201eechten Shitstorm\u201c<\/em> handelt, liegt nicht an positiven privaten Mails und Anrufen, die ich daneben erhalten habe. Die sind wohl typische Begleiter jedes Shitstorms, obwohl sie in keiner Definition vorkommen. Vielmehr nahmen noch viel zu wenige daran teil und es gab positive \u00f6ffentliche Kommentare. Ich bin dankbar f\u00fcr diese Kommentare, wei\u00df aber, dass sie mir weniger helfen als die Verfasser (mir) das w\u00fcnschen. Forumskinder sehen darin eine Manipulation, zumal ich selbst den Administrator stelle. Ich habe daher bei <a href=\"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-76-11-woche-2012\/\">Leon Neschle 75<\/a> auch solche Kommentare gestrichen. \u2013<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Die Situation bei einem <em>echten<\/em> Shitstorm gleicht der Lynchjustiz. Da wird der Angeschuldigte zum Opfer, das nicht einmal seine Richter kennt. \u00dcberall au\u00dferhalb des Netzes w\u00fcrde diese Situation als ungerecht und unzivilisiert gelten. Im Netz nicht unbedingt. Denn das Netz ist weder zivilisiert noch gerecht. In dieser \u201eneuen Gesellschaft\u201c geht es immer noch archaisch zu, und die Piraten wollen, dass es so bleibt. Kein Wunder, dass sich auch die Kriminalit\u00e4t von der realen Welt ins Netz verlegt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Netiquette ist f\u00fcr die meisten dort ohnehin ein Fremdwort. Legt man den kategorischen Imperativ von Kant zugrunde, ist jeder Shitstorm wohl selbst ein Versto\u00df gegen die Netiquette: \u201eHandle nur nach derjenigen <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Maxime\">Maxime<\/a>, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.\u201c (Originalzitat)<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\" align=\"justify\"><strong>A. Die anonyme Masse greift an und fordert vom Angegriffenen ihre individuellen \u201eRechte\u201c ein<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Die Erwartung jedes einzelnen Entr\u00fcsteten in einem Shitstorm ist: Jede Kritik, jede Entr\u00fcstung sollte vom Angeschuldigten auch <em>einzeln<\/em> beantwortet werden. Zu jeder pers\u00f6nlichen Beleidigung soll er separat Stellung nehmen. Dazu meint jeder Angreifer ein \u201enat\u00fcrliches und individuelles Recht\u201c zu haben!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Statt \u201edie W\u00fcrde des Amtes\u201c zu wahren und die zun\u00e4chst schon \u00fcber 400 Journalistenanfragen auf das Wesentliche zu konzentrieren, hat der ehemalige Bundespr\u00e4sident Wulff dieses \u201eindividuelle Recht\u201c jedes Angreifers anerkannt und versucht, sogar die seltsamsten und intimsten Anfragen einzeln zu beantworten bzw. beantworten zu lassen. Es kamen jedoch t\u00e4glich neue dazu, weil die Zahl der Frager gr\u00f6\u00dfer wurde und fast jede Einzel-Antwort mit weiteren Anfragen bedacht wurde, die dann ebenfalls einzeln beantwortet sein wollten.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Wulff h\u00e4tte sich darauf niemals einlassen d\u00fcrfen! Dabei war auch das noch gar kein richtiger Shitstorm. Echter Internet-Shit ist weit komplexer und besteht keinesfalls nur aus Fragen \u00fcber ein einzelnes Medium. Sachliche Kritik mischt sich in der Medienvielfalt mit Spekulationen, pers\u00f6nlichen Angriffen und Beleidigungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Im echten Shitstorm wird daher dem Anschuldigten durch ein vermeintliches \u201eindividuelles Recht der Entr\u00fcster\u201c auf Einzelreaktion jede Chance genommen, sich zu verteidigen. Und auch hier erzeugt jede Antwort neue Angriffe, solange der Angeschuldigte nicht \u201eh\u00e4ngt\u201c oder vollends \u201egesteinigt\u201c ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Was m\u00fcsste denn der Angeschuldigte tun, wenn er jeder Einzelkritik seiner Angreifer gerecht werden wollte?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">a. Er m\u00fcsste zun\u00e4chst die sachlichen Argumente abtrennen und ordnen (denn Emp\u00f6rung macht Trappatoni-chaotisch!). Anders als im pers\u00f6nlichen Dialog mit einem bekannten Kritiker kann er bei seiner Antwort nicht auf spezifische Vorkenntnisse fokussieren, denn im Netz sind die Adressaten anonym. Und jeder kann einen \u201eDialog\u201c \u201eeinsehen\u201c, auch wenn ihm f\u00fcr dessen Beurteilung das Hintergrundwissen fehlt und er ihn gerade deshalb nicht \u201eeinsehen\u201c kann. Wie soll der Angegriffene da (weitere) Un- und Missverst\u00e4ndnisse vermeiden? Seinen Angreifern sind diese dagegen egal. Ihr Ziel, den Anschuldigten zu treffen, erreichen sie auch so. Und weitere Missverst\u00e4ndnisse erzeugen weiteren Shit, der den Storm fetter und schmutziger macht.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">b. Danach m\u00fcsste der Angegriffene fehlerhafte Spekulationen und Unterstellungen einzeln zur\u00fcckweisen, wobei er angesichts seiner Lage ein fast un\u00fcberwindliches Glaubw\u00fcrdigkeitsproblem hat. Was immer er behauptet, ihm wird misstraut und er hat die Masse gegen sich.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Unausgesprochen gilt dabei das Shitstorm-Prinzip der <em>Beweislastumkehr<\/em>: Die Masse der Angreifer muss nicht die Schuld des Angegriffenen nachweisen, sondern der muss jedem einzelnen aus dieser anonymen Masse bis zu dessen Zufriedenheit aufzeigen, dass er keine Schuld hat bez\u00fcglich aller Einzelvorw\u00fcrfe.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Beim Umgang im Netz sind wir eben noch da, wo primitive Gesellschaften einmal angefangen haben. Das ist die Spielwiese von Piraten, rechtsstaatliche Grunds\u00e4tze sucht man da vergebens.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">c. Schlie\u00dflich muss der Angegriffene \u00fcberlegen, wie er mit pers\u00f6nlichen Beleidigungen umgeht:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">&#8211; Macht er \u201edie Diva\u201c und sagt gar nichts mehr?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">&#8211; Spielt er \u201edie beleidigte Leberwurst\u201c und \u00e4u\u00dfert sich nur noch zu den pers\u00f6nlichen Angriffen, aber nicht mehr zur Sache und zu den Spekulationen?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">&#8211; L\u00e4sst er die pers\u00f6nlichen Angriffe von sich abprallen und widmet sich allein der sachlichen Kritik?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Eine Form der Antwort bleibt dem Angeschuldigten jedoch verwehrt: Er kann es den Angreifern nicht mit gleicher M\u00fcnze heimzahlen und sie ebenfalls pers\u00f6nlich angreifen. Denn in aller Regel kennt er die anonymen Angreifer nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Was waren das f\u00fcr Zeiten als sich zwei Kontrahenten beim Duell Auge in Auge gegen\u00fcberstanden! Als Sekundanten auf Fairness achteten! Diese Zeiten sind vorbei seit Shitstorm angesagt ist im Zeitalter des Mobbing und des Head-Bashing. Da hat ein Angeschuldigter schon verloren, bevor er den ungleichen Kampf aufnimmt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Aber was folgt daraus f\u00fcr Neschle und sein Alter Ego bei der Reaktion auf den verbliebenen \u201eMini-Shitstorm\u201c?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Am Anfang lie\u00df Neschle hier jeden Kommentar zu. Dann benutzte jemand die Neschle-Seite f\u00fcr eigene Ver\u00f6ffentlichungen, worunter pers\u00f6nliche Steuerdaten anderer Personen waren. Seitdem ist ein Filter vorgeschaltet und der Administrator entscheidet, in aller Regel ohne Neschle zu fragen. Beim letzten Mal (<a href=\"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-76-11-woche-2012\/\">Leon Neschle 75<\/a>) hat Neschle aber ganz pers\u00f6nlich daf\u00fcr gesorgt, dass Kommentare vom Netz genommen wurden oder gar nicht erst erschienen, darunter auch solche, die f\u00fcr sein Alter Ego positiv waren. Warum?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Eigentlich beantwortet sich die Frage aus den vorhergehenden \u00dcberlegungen zum echten Shitstorm. Ich bin gar nicht in der Lage, mich sinnvoll zu verteidigen, wenn ich zig Kommentare zulasse, in denen meist anonyme Verfasser Sachargumente, Spekulationen und (leider zum sehr geringen Teil immer noch) pers\u00f6nliche Verunglimpfungen mischen und von mir jeweils eine individuelle Antwort erwarten, auf die sie m\u00f6glicherweise einen neuen Kommentar mit derselben Erwartung posten. Deshalb muss ich es <em>zumindest<\/em> vorerst bei den ersten Beispielen zu <a href=\"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-76-11-woche-2012\/\">Leon Neschle 75<\/a> belassen, obwohl die neuen Kommentare sogar einen deutlich h\u00f6heren Anteil sachlicher Argumente haben (Einziges Beispiel mit 100% siehe Fu\u00dfnote <a title=\"_ftn1\" href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">1<\/a>).<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Jede Einzelreaktion kostet mich mehr Zeit als den Kommentator selbst. Denn der kann und darf sich anonym \u00e4u\u00dfern und muss sich nicht sauber gewaschen ins Schaufenster dem kritischen Blick aller ausliefern. Zudem m\u00fcsste ich fast jeden Kommentar-Mix vor meiner Antwort zerlegen und ordnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Ich habe mich daher entschlossen, pers\u00f6nliche Verunglimpfungen v\u00f6llig zu ignorieren und auf Spekulationen (fast, s.u.) nicht einzugehen. Stattdessen widme ich mich einigen kritischen Sachargumenten aus \u201egel\u00f6schten\u201c Kommentaren, die mir typisch scheinen. Ich habe die Kommentare selbst aber nicht zugelassen, weil ich auch bei diesen den \u00fcblichen Mix aus Spekulationen, pers\u00f6nlichen Vorw\u00fcrfen und Sachargumenten finde. (Vielleicht \u00e4ndere ich diese Entscheidung, wenn mir die Zeit reif scheint!)<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\" align=\"justify\"><strong>B. Der gro\u00dfe Widerspruch: Wer \u00f6ffentlich meckert, dass andere \u00f6ffentlich meckern, meckert der nicht selber \u00f6ffentlich?<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Die ersten beiden Argumente stammen von einer anonymen Studentin, das zweite auch von einem weiteren Kommentator, den ich dort als Fu\u00dfnote anf\u00fcge. Dass die Studentin ihr Geschlecht und nicht ihren Namen offenbart hat, ist f\u00fcr eine geistige Debatte zwar unerheblich, aber so ist es nun einmal. Zwei sachliche Kritikpunkte finden sich dort:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">1. Die Studierenden w\u00fcrden den Weg \u00fcber das Internet w\u00e4hlen, weil ich bei einem pers\u00f6nlichen Gespr\u00e4ch meine Meinung sowieso nicht \u00e4ndern w\u00fcrde.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">2. Mit meinem Blog tue ich genau das, was ich bei Studierenden verurteile: Ich koche die Sache allein mit ihren negativen Aspekten \u00f6ffentlich hoch und schade dadurch dem Image der Studierenden und ihrer Hochschule.<a title=\"_ftn1\" href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Zu 1: Im Umkehrschluss hie\u00dfe das: Studierende suchen mich nur noch dann pers\u00f6nlich auf, wenn ich ihnen zuvor die \u00c4nderung meiner Ansichten garantiere. Das w\u00fcrde ich a. nur tun k\u00f6nnen, wenn ich meine Meinung stets unbedacht \u00e4u\u00dferte, so dass sie immer korrekturbed\u00fcrftig ist; b. auch ohne das pers\u00f6nliche Gespr\u00e4ch w\u00fcsste, dass die Studierenden immer die besseren Argumente haben. Vor einem Gespr\u00e4ch ist das reine Spekulation, selbst wenn man bei mir noch nicht auf \u201eAltersstarrsinn\u201c setzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Dieses Argument erinnert mich an den Fall, in dem Karl aus dem vierten Stock sich bei Hans im ersten Stock ganz spontan einen Hammer leihen will. Im dritten Stock kommen Karl Zweifel und er f\u00e4ngt an zu spekulieren: Schlie\u00dflich hat er Hans lange nicht gesprochen! Im zweiten Stock verst\u00e4rken sich die Zweifel, weil er meint, Hans habe ihn beim letzten Mal nicht gegr\u00fc\u00dft. Vor dessen T\u00fcr angekommen, denkt er, Hans habe k\u00fcrzlich noch seine Kinder vom Hof vertrieben. Karls Zweifel sind jetzt so gro\u00df wie sein Stolz. Und als Hans, der von dem Hammerwunsch noch gar nicht wei\u00df, die T\u00fcr \u00f6ffnet, sagt Karl zu dessen Verbl\u00fcffung: \u201eBehalt doch Deinen Schei\u00df Hammer!\u201c H\u00e4tte sich Karl diesen Spekulationen schon vorher hingegeben, h\u00e4tte er sich gar nicht erst auf den Weg zu Hans gemacht.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Und was wird nicht alles spekuliert unter Studies, welche Ger\u00fcchte werden dort in die Welt gesetzt und gerne geglaubt. Zugegeben: Das gab es schon fr\u00fcher. Aber niemals vorher haben falsche Ger\u00fcchte und Spekulationen eine derart schnelle und weite Verbreitung gefunden. Aus meiner Kenntnis und Erfahrung kann ich nur sagen: Immer dominieren die \u201eNegativerwartungen\u201c und die weitaus \u00fcberwiegende Zahl der Spekulationen ist schlicht falsch, im Fall der \u201eSkandal-Klausur\u201c etwa die \u00fcber spezifisch angehobene Bewertungen, um die Durchfallquoten ertr\u00e4glich zu halten (Kommentar bei <a href=\"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-76-11-woche-2012\/\">Leon Neschle 75<\/a>). Aber es <em>k\u00f6nnte<\/em>(!!!) ja sein und weil es angesichts des Mini-Shitstorms typisch f\u00fcr den Angegriffenen scheint, wird es von den Forumskindern gerne geglaubt. Denn es wird weder vorher noch nachher an der eigentlichen Quelle (dem Lehrstuhl) verifiziert. Dabei w\u00e4re es so einfach: Man m\u00fcsste dort nur mal nachfragen, bevor man eine solche Vermutung in die Welt setzt. \u2013<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">F\u00fcr alle Studierenden, die doch mit dem Gedanken spielen, meine Sprechstunde zu nutzen: Ich kann nur ganz platt sagen: \u201eVersuch macht klug.\u201c Eine Garantie, dass ich meine Meinung \u00e4ndere, die kann ich im Vorhinein niemanden geben. Sorry!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Zu 2: Richtig ist: Wie die Studierenden benutze ich <em>nun auch <\/em>das Netz f\u00fcr die \u00f6ffentliche Diskussion. Ich habe mir meinen Schritt reiflich \u00fcberlegt und glaube, dass dies kein Widerspruch ist, zumal ich dabei anders agiere als einige meiner Kritiker.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">a. Als ich mit meinen Beitr\u00e4gen ins Netz ging, waren viele meiner anonymen Ankl\u00e4ger l\u00e4ngst da. Deren Beitr\u00e4ge h\u00e4tte ich gar nicht mehr verhindern k\u00f6nnen. Was h\u00e4tte ich also tun sollen? Die Beitr\u00e4ge waren anonym und enthielten insgesamt alles, was sich auch in einem echten Shitstorm findet. W\u00e4re es da wirklich besser f\u00fcr das Image der Essener Studenten gewesen, ich h\u00e4tte das einfach so stehen lassen?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Ich habe dann dazu aufgefordert, die \u00f6ffentliche Diskussion um Inhalte der Klausur ebenso wie pers\u00f6nliche Beleidigungen zu unterlassen und bin auch sonst in der Sache nicht unt\u00e4tig geblieben: Mittlerweile habe ich bei der Ombudsfrau der Universit\u00e4t angeregt, einen internen Kommunikationskanal f\u00fcr solche Zwecke zu schaffen. Die hat schon ihre Bereitschaft dazu ge\u00e4u\u00dfert. Jetzt muss die Sache nur noch publik werden und die Studies m\u00fcssen es verstehen und diesen Kanal wirklich annehmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">b. Wenn ich \u00f6ffentlich meckere, dass <em>einige wenige(!!!)<\/em> meiner Studies \u00f6ffentlich meckern (Meckern<sup>2<\/sup>), scheint das ein Widerspruch zu sein. Seit dem klassischen R\u00e4tsel, in dem ein Kreter behauptet \u201eAlle Kreter l\u00fcgen\u201c, hat dieses Problem die Menschheit besch\u00e4ftigt. Das Ergebnis aber ist eindeutig: Kein Widerspruch, weil unterschiedliche Sprachebenen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Wenn ich \u00f6ffentlich meckere, dass diese Studies \u00f6ffentlich meckern, ist das seit der Unterscheidung von Objektebene (Der Hund hat vier Beine.) und Metaebene (Der \u201eHund\u201c hat vier Buchstaben.) ebenso wenig ein Widerspruch wie ein Verbot freiheitsfeindlicher Aktivit\u00e4ten gegen die Freiheitsrechte verst\u00f6\u00dft. Anders als meine Essener Studenten meckere ich nicht \u00f6ffentlich \u00fcber sie, au\u00dfer dass ich dar\u00fcber meckere, dass sie \u00f6ffentlich meckern. Ich rede damit zur \u201eGesch\u00e4ftsordnung\u201c, nicht zur Sache oder zur Person. <em>Dass ich mich auch der Tendenz zum reinen B\u00fcffeln entgegengestellt habe, <span style=\"text-decoration: underline;\">ist nicht das spezifische Problem meiner Essener Studenten<\/span>(!!!), sondern das&nbsp;<span style=\"text-decoration: underline;\">aller Bachelor-Studenten<\/span><\/em> <em>mit \u201eScheibchenpr\u00fcfungen\u201c al la Bolognese.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">c. H\u00e4tte ich im Netz agiert wie einige Studies, h\u00e4tte ich sie als \u201edumm und faul\u201c beschimpfen m\u00fcssen. Das Gegenteil habe ich getan: <em>Ich habe die Qualit\u00e4t der Studierenden in Essen ausdr\u00fccklich gelobt.<\/em> Wenn der eine oder andere dann dennoch seinen Professor und dessen Arbeit weiter verunglimpft, w\u00fcrdigt er damit sogar dieses Lob herab. Schade, denn es schadet ihm selbst! Doch solche Studies gibt es zum Leidwesen der Kommilitonen leider an jeder Uni. <em>Sie sind in Essen sicher nicht h\u00e4ufiger als unter vergleichbaren Umst\u00e4nden an anderen \u00f6ffentlichen Hochschulen. <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Ich glaube fest, dass unsere besten Studenten international gut mithalten k\u00f6nnen. Ich kann diese Meinung auch mit einem Beispiel begr\u00fcnden. Ein Student hat mir daf\u00fcr vor einiger Zeit die Augen ge\u00f6ffnet:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Dieser Student hatte sich bei einer internationalen WP-Gesellschaft beworben und kam nach einigen Bewerbungsrunden immer weiter. Um ihn herum viele Absolventen von Oxford, Havard und anderer \u201eEliteuniversit\u00e4ten\u201c, aber auch solche \u201enormaler Unis\u201c; denn die Bewerbungsrunden kannten nicht die \u00fcblichen und h\u00e4ufig so falschen Vorurteile. Dann kam der Vortrag eines \u201ePartners\u201c, bei dem dieser auch Fragen an die Absolventen stellte. Bei einer Frage zu Realoptionen mussten alle anderen passen, au\u00dfer der Essener Student. Bei der Nachfrage des Dozenten, von welcher Uni er denn komme, ging bei der Antwort ein Raunen durch die Menge. Als der Essener Student dann noch lapidar erkl\u00e4rte, er wisse das aus seiner Vorlesung, war die Verbl\u00fcffung perfekt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Weil dies extrem selten geschieht, erinnere ich mich gut daran, dass dieser Student noch nach erfolgreicher Bewerbung in meiner Sprechstunde erschien, um mir f\u00fcr diese Einsichten zu danken. Dass er sich die \u201eerfolgreichen Einsichten\u201c nicht allein selbst zuschrieb, ist ebenfalls sehr selten. Deshalb sind solche Momente Highlights im Leben eines Professors und tun mehr f\u00fcr seine Motivation als alles andere.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">d. Dass die \u00c4u\u00dferungen im Netz ohnehin zum Schlechten verzerrt sind, ist vielen Au\u00dfenstehenden nicht klar. Sie wittern eher die Spitze eines Eisbergs statt einer schweigenden Mehrheit, die sich anders als einige Shitstorm-Aktivisten zumindest nicht zu pers\u00f6nlichen Angriffen hinrei\u00dfen l\u00e4sst.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Ich bin sicher, dass sich hier insgesamt nur eine kleine Minderheit lautstark zu Wort meldet, die sich freilich selbst viel gr\u00f6\u00dfer f\u00fchlt. Es w\u00e4re aber ein Schelm, der behauptete, bei einem solchen (Mini-)Shitstorm st\u00fcnden die f\u00e4higsten Studenten in der vordersten Front. In meiner gesamten Zeit als Professor habe ich noch niemals erlebt, dass ein Student meinte, er habe zu viele Punkte oder eine zu gute Note erhalten. Dar\u00fcber gab es noch nie eine Beschwerde!<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\" align=\"justify\"><strong>C. Bachelor und Master: Bolognese von innen und au\u00dfen<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Die weiteren Argumente stammen von einem (nicht betroffenen) ehemaligen Master-Studenten aus der VWL. Der kritisiert an meinem Blog vor allem zwei Dinge:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">1. Ich solle besser innerhalb des Bachelor- und Masterkonzept arbeiten und dort verbessern, statt von au\u00dfen daran herumzun\u00f6rgeln. Bologna sei nun mal die Vorgabe.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">2. Aus seiner Sicht sei er mit dem Master ebenso gut bedient wie mit dem Diplom. Er sehe da keinen Qualit\u00e4tsunterschied.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Besonders die zweite Frage trifft einen der entscheidenden Gr\u00fcnde f\u00fcr die Entstehung des Neschle-Blogs \u00fcberhaupt. Er hat nichts, aber auch gar nichts mit <em>besonderen Problemen in Essen<\/em> zu tun. Diese Probleme gibt es Bologna-weit. Und es gereicht mir und meinen Studenten wohl nicht zum Schaden, dass wir diese Dinge fr\u00fcher als andere erkannt haben, beim Namen nennen und dagegen angehen, wenn offenbar auch noch nicht mit allen Studenten gemeinsam.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Zu 1.: Was dieser ehemalige Student als \u201eEntweder\/Oder\u201c darstellt, ist in Wahrheit ein \u201eSowohl\/Als auch\u201c. <em>Ich lege Wert darauf, dass ich das Bologna-System nicht von innen torpediere, nur weil ich es von au\u00dfen angreife.<\/em> Das gilt selbst f\u00fcr F\u00e4lle, wo das neue System merkw\u00fcrdigste Bl\u00fcten geschlagen hat. Das Fatale dabei ist, dass ich dadurch sogar dazu beitrage, ein System zu st\u00fctzen, das ich f\u00fcr falsch halte. Leider tue ich also genau das, was mein Kritiker von mir verlangt und zwar bis zur pers\u00f6nlichen Schmerzgrenze. Beispiel gef\u00e4llig:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">In den Umbruchzeiten nach Bologna gab es jede Menge wirre Ideen. Schlie\u00dflich forderte man jetzt genau das, was man im deutschen Gesamthochschulkonzept kurz zuvor noch kategorisch abgelehnt hatte: konsekutive Studieng\u00e4nge.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Das brachte einige Professoren und Politiker(!!!) auf die Idee, einen Masterabschluss zu kreieren, der dem Diplom- oder Bachelor-Abschluss in einem<em> ganz anderen Fach <\/em>folgte. So hielt man es z.B. f\u00fcr m\u00f6glich, auf den Diplom-Chemiker oder Diplom-Designer einen MBA (Master of Business Administration) draufzusatteln.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Um einen Vergleich zu wagen: Es ist, als w\u00fcrde der Friseurgeselle sich nach abgeschlossener Lehre zum Maurermeister ausbilden (lassen), ohne je eine Maurerlehre gemacht zu haben. Trotzdem werden f\u00fcr den Meisterkurs der Maurer die Kenntnisse aus der Maurerlehre vorausgesetzt und d\u00fcrfen daher dort nicht mehr gelehrt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Genau vor diese Situation wurde ich gestellt. H\u00e4tte ich reagiert, wie das mein Kritiker von mir vermutet, w\u00e4re ich vor lauter Kritik an diesem Konzept gar nicht zur Arbeit gekommen. Stattdessen habe ich die unm\u00f6gliche Herausforderung angenommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">W\u00e4re ich aber dem Master-Konzept streng gefolgt, h\u00e4tte ich mit den fachfremden Kandidaten \u201eFinance\u201c allein auf Masterniveau machen m\u00fcssen. Das w\u00e4re zum Desaster geworden, weil sowohl die formalen (mathematischen) als auch die inhaltlichen Vorkenntnisse fehlten. Um ein einigerma\u00dfen akzeptables Ergebnis zu erreichen, schuf ich einen eigenst\u00e4ndigen Vorlesungsmix, der zu Beginn auch Anf\u00e4ngerwissen enthalten musste. Das aber durfte nach dem Master-Konzept eigentlich nicht sein. Ich musste also gegen die Regeln des Konzepts versto\u00dfen, um dessen Ergebniswunsch zu erreichen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Konstruktive Arbeit im Master-Konzept und dessen Ablehnung schlie\u00dfen sich also selbst bei solchen Extremformen keineswegs aus, auch wenn der Lehrende damit das abgelehnte Konzept mit Leben f\u00fcllt und weiter am Leben erh\u00e4lt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Zu 2.: Die Frage Master \u2265 Diplom hat f\u00fcr mich zwei Aspekte, einen \u00e4u\u00dferen und einen inneren. Beim \u00e4u\u00dferen Aspekt stellt sich f\u00fcr mich vor allem die Frage, ob die neuen Titel eine echte Marke mit Qualit\u00e4tssicherheit und Qualit\u00e4tskonstanz darstellen; beim inneren Aspekt geht es um Wissensverankerung und Wissensverkn\u00fcpfung. Unter allen Aspekten fallen Bachelor\/Master und die mit ihnen gekommenen Pr\u00fcfungsusancen gegen\u00fcber dem Diplom durch. Das will ich gern belegen:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">a. Die \u00e4u\u00dferen Aspekte: Ein Markenprodukt verlangt Qualit\u00e4tssicherheit und Qualit\u00e4tskonstanz. Wesentliches Instrument daf\u00fcr ist nach Bologna die Akkreditierung von Studieng\u00e4ngen nach internationalen Ma\u00dfst\u00e4ben. Beim Bachelor betrifft dies keineswegs nur die Universit\u00e4ten, sondern auch Fachhochschulen (heute meist \u201eHochschulen\u201c oder \u201eUniversities for Applied Sciences\u201c genannt) und Berufsakademien.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Diese Institutionen haben a. individuelle Bachelor-Konzepte und Lehrinhalte, b. verschiedene Qualit\u00e4ten des Lehrpersonals und, trotz scheinbarer Gleichheit, c. einen unterschiedlichen Lehrumfang.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Drehschraube f\u00fcr den Lehrumfang ist die \u201eWorkload\u201c. Damit lassen sich Bachelor-Studieng\u00e4nge konstruieren, die sich in der Zahl der Pr\u00e4senzstunden und der Kontaktstunden mit den Lehrkr\u00e4ften fast beliebig unterscheiden.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Akkreditierungskommissionen, sofern sie bei ihrem umfangreichen Pr\u00fcfungsauftrag \u00fcberhaupt alles mitbekommen, akzeptieren nach meiner Erfahrung die merkw\u00fcrdigsten Konstruktionen, wenn sie die antragstellende Hochschule plausibel darstellen kann. Was der Student nicht an der Hochschule macht, wird ihm einfach als fiktive Arbeitszeit f\u00fcr zuhause angerechnet. Dabei sind Unterschiede von 100% bei demselben Fachinhalt sehr leicht m\u00f6glich und durchaus \u00fcblich.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Besonders gern sehen Bologna-Akkreditierer schulm\u00e4\u00dfig \u201ebetreutes Studieren\u201c und eine darauf verwendete \u201eWorkload\u201c. Millionen von Diplom-Kandidaten haben sich z.B. selbst auf ihre Diplom-Arbeit vorbereitet, ohne dass die Vorbereitung Teil des Lehrplans war. Neschle wei\u00df jedoch von F\u00e4llen, in denen heute die Zeit einer kompletten Vorlesung als Workload f\u00fcr die \u201eVorbereitung\u201c auf die Abschlussarbeit akzeptiert wurde. Da alle formalen Anforderungen schon schriftlich festliegen und die inhaltlichen Anregungen bei mehreren Zuh\u00f6rern nicht themenspezifisch gestaltet werden k\u00f6nnen, erlahmt das Interesse der meisten Studierenden an dieser Vorbereitung schon nach einem F\u00fcnftel der veranschlagten Zeit. Die Akkreditierer finden die Idee aber noch heute toll. Denn sie entspricht dem \u201eTraum von Bologna\u201c, dem mental durch- und \u00fcberbetreuten Helikopter-Studenten (<a href=\"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-70-11-woche-2010\/\">Leon Neschle 70<\/a>).<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Spielend lassen sich gleichartige Seminare mit v\u00f6llig verschiedener Workload einrichten. Was der Student an Arbeit zuhause daf\u00fcr ben\u00f6tigt, bestimmt im Grunde die Hochschule nach der Daumenregel. Und je mehr man dem Studenten fiktiv an Haus-Arbeit zuweist, umso weniger Pr\u00e4senzstunden muss man f\u00fcr die Uni veranschlagen, umso weniger Arbeit und Geld kostet der Student die Hochschule. Zwei nach der Workload identische Bachelor-Abschl\u00fcsse k\u00f6nnen daher erhebliche Unterschiede in der Zahl der Pr\u00e4senzstunden aufweisen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Da der Bologna-Bachelor im internationalen Zusammenhang gesehen werden muss, hat sich eine \u00dcbung internationaler Anerkennung etabliert. Es gilt das Prinzip Bachelor = Bachelor und Master = Master unabh\u00e4ngig von Institution und Herkunftsland. Ich bin jedoch sicher: Es ist wie bei der Wurst, nur schlimmer: Der Leser m\u00f6chte gar nicht wissen, was da zum Teil drin ist im internationalen Bachelor aus Land X oder Y, z.B. ein Fach \u201eInvestment\u201c, das zu fast 90% aus reiner L\u00e4nderkunde besteht, damit man wei\u00df, wo \u00fcberall in diesem Land man investieren k\u00f6nnte oder sollte.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Hochschullehrer sind gehalten, auch Teilleistungen anzuerkennen. Hat jemand ein Fach an einer anderen Hochschule im In- oder Ausland studiert, wird das bei seiner Heimathochschule anerkannt und kommt dort in aller Regel mit der Benotung der anderen Hochschule aufs Zeugnis. So sch\u00f6n die Sache klingt und so wichtig sie f\u00fcr den internationalen Austausch ist: Dies hat einen \u201eNotentourismus\u201c in Gang gesetzt, bei dem sich Studenten Noten von Hochschulen anrechnen lassen, die als \u201egro\u00dfz\u00fcgig\u201c bekannt sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Professoren konnten diesen Notentourismus bislang ein wenig unterbinden, indem sie die anzurechnenden Leistungen auf \u201eGleichwertigkeit\u201c pr\u00fcften. Die Studenten mussten notfalls beglaubigte Informationen vorlegen, \u00fcbersetzt in die deutsche Sprache und das deutsche Notenschema.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Diese Funktion bei der Qualit\u00e4tssicherung wird den Professoren k\u00fcnftig wohl erschwert. Denn die Beweislast soll umgekehrt werden. Nicht der Student soll mehr die \u201eGleichwertigkeit\u201c belegen m\u00fcssen, sondern der Professor muss \u201efehlende Gleichwertigkeit\u201c nachweisen. Konsequenterweise m\u00fcsste der Student dann auch auf beglaubigte und \u00fcbersetzte Zeugnisse verzichten k\u00f6nnen. Dem Professor m\u00fcsste es obliegen, sich diese Informationen mit kriminalistischem Sp\u00fcrsinn z.B. an griechischen oder wei\u00dfrussischen Universit\u00e4ten zu holen. Was das f\u00fcr die Anerkennungspraxis und die Qualit\u00e4tssicherung und die Arbeit eines deutschen Hochschullehrers bedeutet, brauche ich wohl nicht zu erkl\u00e4ren. Aber die Bildungspolitiker m\u00fcssen es ja nicht selbst tun und betrachten solche Argumente allein als Beweis f\u00fcr die Faulheit der Professoren (Ich wei\u00df, wovon ich hier schreibe!).<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Unter dem Dach des gleichen Etiketts \u201eBachelor\u201c oder \u201eMaster\u201c finden sich nach Bologna Qualit\u00e4tsdifferenzen in einer Gr\u00f6\u00dfenordnung, die beim Diplom undenkbar war. Es gibt jedenfalls viel mehr Etikettenschwindel und viel weniger Qualit\u00e4tskonstanz und Qualit\u00e4tssicherheit als zu Zeiten des Diploms, nicht nur bei den Ingenieuren.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">b. Die inneren Aspekte: Kenner wird man nur durch Vergleich. Das gilt beim Wein, beim Kochen und bei Hochschulabschl\u00fcssen. Dem jungen VWL-Master sei geg\u00f6nnt, dass er (auch ohne Vergleich) bei seinem Abschluss ein sehr gutes Gef\u00fchl hat. Und hohe Qualit\u00e4tsdifferenzen bedeuten ja nicht, dass es nicht auch gute Qualit\u00e4ten gibt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">In dieser Hinsicht stimme ich ihm sogar ausdr\u00fccklich zu: Sein Essener Master-Abschluss in VWL hat im Vergleich zu anderen Master-Abschl\u00fcssen inhaltlich sehr hohe Qualit\u00e4t. Da liegt er mit seinem subjektiven Gef\u00fchl v\u00f6llig richtig!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Doch zwei Dinge haben sich seit Bologna (an allen Hochschulen!) deutlich verschlechtert: <em>Wissensverankerung und Wissensverkn\u00fcpfung<\/em>. Auch im Dienste einer gegenseitigen Anrechnung (s.o.) hat man sich darauf verlegt, immer kleinteiligere Wissensbr\u00f6ckchen in immer k\u00fcrzeren Zeitr\u00e4umen abzupr\u00fcfen. Das bringt die Bologneser nicht nur um die Studentenkultur, weil die Studies st\u00e4ndig unter Strom sind. Es erzeugt auch eine Form des B\u00fcffelns, bei der nur noch von Klausur zu Klausur gedacht wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Es fehlt simpel an Zeit, damit sich die Kenntnisse setzen k\u00f6nnen und aus ihnen echtes Wissen wird. In den drei Monaten des Semesters wird passiv eine Menge an Kenntnissen erworben. Diese m\u00fcssen aber in einer Klausur umgesetzt werden. Dazu muss man nicht nur die Sprache des Dozenten (passiv) verstehen, man muss sie auch (aktiv) sprechen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Dieser Schritt ist keineswegs trivial. Er erfordert Zeit und Verst\u00e4ndnis der Sprache des Dozenten. Fehlt diese Zeit durch vielf\u00e4ltigen Druck aus anderen F\u00e4chern, aus der Nebent\u00e4tigkeit oder aus Praktika, bleibt nur noch eines: Man \u00e4fft die Sprache des Dozenten nach, ohne sie zu verstehen. Und die Methode dazu ist \u201eB\u00fcffeln\u201c. Permanentes B\u00fcffeln ersetzt individuelle Bildung. Denn Letztere erfordert einen Wechsel der Intensit\u00e4ten: Wissen muss sich setzen d\u00fcrfen und verlangt nach Verkn\u00fcpfung.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Statt einer f\u00fcnfst\u00fcndigen Klausur am Ende des Studiums (und reinen Testklausuren im Verlauf des Studiums) werden nun meist mehr als f\u00fcnf einst\u00fcndige Klausuren geschrieben, verteilt \u00fcber alle Studiensemester. Da alle Klausuren unmittelbare Zeugniswirkung haben, schafft das einen permanenten Druck zu b\u00fcffeln. Was fr\u00fcher am Ende vom Studenten zusammengedacht und verkn\u00fcpft werden musste, kann heute allerdings isoliert gelernt und bis zum Abschluss br\u00f6ckchenweise vergessen werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Genau das ist das Bild, was sich bei mir von Bachelor und Master a la Bolognese gebildet hat: viel weniger Wissensverankerung, viel weniger Wissensverkn\u00fcpfung (vgl. die Anamnese bei <a href=\"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-76-11-woche-2012\/\">Leon Neschle 75<\/a>). \u201eNachhaltigkeit\u201c, die man heute in anderen Bereichen so gerne hochh\u00e4lt, hat mit Bologna ihren Platz in der Bildung verspielt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\"><em>Ich kritisiere die Studenten von heute nicht, ich bedaure sie. <\/em>Die Menge an Oberfl\u00e4chenwissen, die sich viele anb\u00fcffeln, steht in keinem Verh\u00e4ltnis zum Zeitaufwand und zu der geringen Lernsubstanz, die ihnen nachhaltig verbleibt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Nat\u00fcrlich k\u00f6nnte man nun eine Reform der Reform innerhalb der Bologna-Abschl\u00fcsse machen und den Studierenden durch kumulierte Abschlusspr\u00fcfungen wieder die M\u00f6glichkeit geben, den eigenen Lernrhythmus zu bestimmen, ihnen Zeit zur Verankerung einzur\u00e4umen (Wissen muss sich setzen) und M\u00f6glichkeiten zur Verkn\u00fcpfung zu schaffen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Doch so einfach ist das nicht. Denn diese Ver\u00e4nderung w\u00fcrde aus dem Bologneser Bachelor z.B. einen Berliner machen und das Geflecht internationaler Anerkennung selbst kleinteiliger Pr\u00fcfungsleistungen aus In- und Ausland gef\u00e4hrden. Wie wichtig aber dieser Anerkennungsprozess der Bildungspolitik ist, hat sie wieder mit der oben erw\u00e4hnten \u201eUmkehr des Beweislast\u201c im Anerkennungsverfahren gezeigt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Ich kann im Unterschied zu meinem jungen Kommentator die Bildungsabschl\u00fcsse vergleichen und sage es hier ganz klar: Wissensverankerung und Wissensverkn\u00fcpfung waren beim Diplom-Konzept um L\u00e4ngen besser, Bildung sehr viel nachhaltiger. Daher trauern nicht nur Diplom-Ingenieure dem \u00fcberlegenen Bildungskonzept mit deutlich weniger Etikettenschwindel nach. &#8211; Hier sitze ich: Ich kann nicht anders!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">So! Das war nun mal ein strammes Programm f\u00fcr das Hobby von Neschle am Wochenende. Neschle schl\u00e4ft jetzt und sein Alter Ego muss sich dringend seiner Profession zuwenden! Es gilt <strong>VALUE<\/strong> zu schaffen:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\"><strong>V<\/strong>erbesserung der<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\"><strong>A<\/strong>ktivit\u00e4ten und<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\"><strong>L<\/strong>eistungen am<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\"><strong>U<\/strong>niversit\u00e4tsstandort<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\"><strong>E<\/strong>ssen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">Und keineswegs gerade und nur dort!<\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\" align=\"justify\"><strong>Der \u201eechte\u201c Shitstorm<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\" align=\"justify\"><strong>(den es in Essen gar nicht gibt)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\" align=\"justify\">F\u00fcr die Schwarzen und die Roten<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\" align=\"justify\">ist bei uns Steinigung verboten,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\" align=\"justify\">Im Netz darf man mit Schei\u00dfe schmei\u00dfen,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\" align=\"justify\">bis einen dort die Hunde bei\u00dfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\" align=\"justify\">\n<p style=\"text-align: center;\" align=\"justify\">Beleidigung, Spekulation,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\" align=\"justify\">ein wenig Sachkritik, die reicht da schon,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\" align=\"justify\">macht das Rezept f\u00fcr echten Shit<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\" align=\"justify\">fast alle User kochen mit.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\" align=\"justify\">\n<p style=\"text-align: center;\" align=\"justify\">Im Netz ist daf\u00fcr also Platz<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\" align=\"justify\">Im Rahmen einer Menschenhatz.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\" align=\"justify\">Und sind die Hunde von der Kette,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\" align=\"justify\">wen st\u00f6rt da noch die Netiquette.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\" align=\"justify\">\n<p style=\"text-align: center;\" align=\"justify\">Das Ziel ist deutlich, klar, bekannt,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\" align=\"justify\">den nageln wir doch an die Wand.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\" align=\"justify\">Krasse Worte in den Mixer<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\" align=\"justify\">Und nichts wie drauf auf diesen Wixer.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\" align=\"justify\">\n<p style=\"text-align: center;\" align=\"justify\">Und dass er Schuld hat, wei\u00df man dann,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\" align=\"justify\">wenn er sich nicht mehr wehren kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\" align=\"justify\">Nicht jeden Kommentar mehr kommentiert,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\" align=\"justify\">dann ist der Arsch doch vorgef\u00fchrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\" align=\"justify\">\n<p style=\"text-align: center;\" align=\"justify\">So bleibt dem Kerl am Ende nur<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\" align=\"justify\">\u2018ne durchaus fragw\u00fcrdige Tour:<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\" align=\"justify\">Er h\u00e4lt den Shit ein wenig fern,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\" align=\"justify\">das Forumkind sieht das nicht gern.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\" align=\"justify\">\n<p style=\"text-align: center;\" align=\"justify\">Doch der Beschuldigte in Ehren,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\" align=\"justify\">der kann sich gar nicht anders wehren,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\" align=\"justify\">als seine Antwort zu beschr\u00e4nken,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\" align=\"justify\">statt allen seine Gunst zu schenken.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\" align=\"justify\">;-(((<\/p>\n<p align=\"justify\">\n<div align=\"justify\">\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\">\n<\/div>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\"><a title=\"_ftnref1\" href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> \u201eSie schreiben, dass wir (Studenten \u00f6ffentlicher Hochschulen) nicht auf die eigene Spielwiese schei\u00dfen sollen, aber tun Sie nicht genau das mit diesem Blog? Mal provokant gefragt, wieso sind sich dann Professor an dieser Universit\u00e4t, an der Studenten nur durch stumpfes Auswendiglernen und durch Aus\u00fcbung unsachlicher Kritik in Richtung Professor auffallen? Wieso ver\u00f6ffentlichen Sie diesen Blog, wo doch dieses grausame Verhalten der Studenten f\u00fcr eine noch breitere \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich wird? Versto\u00dfen Sie damit nicht gegen Ihr &#8211; selbst aufgestelltes &#8211; \u201cReinheitsgebot\u201d?\u201c<\/p>\n<p><a title=\"PDF-Datei\" href=\"http:\/\/www.neschle.de\/download-manager.php?id=182\"><span style=\"font-size: small;\">PDF-Datei<\/span><\/a><span style=\"font-size: small;\"><br \/>\nThis post was downloaded by  1321  people until now.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Forumskinder feiern Forumskinder \u2013 Shitstorm Defending oder: Meckern2 und Master \u2265 Diplom Wer meckert, dass andere meckern, meckert zwar auch, aber auf \u201eh\u00f6herer&#8220; Ebene&nbsp;(Neschle) Die gef\u00e4hrlichsten Unwahrheiten sind Wahrheiten, m\u00e4\u00dfig entstellt. (Lichtenberg) \u201eShitstorm\u201c bezeichnet laut Wikipedia \u201eein Internet-Ph\u00e4nomen, bei dem massenhafte \u00f6ffentliche Entr\u00fcstung sachliche Kritik mit zahlreichen unsachlichen Beitr\u00e4gen vermischt. \u2026 Dabei richtet sich die &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-76-12-woche-2012\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eLeon Neschle 76 (12. 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