{"id":531,"date":"2011-09-05T00:25:20","date_gmt":"2011-09-04T22:25:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-70-11-woche-2010\/"},"modified":"2020-06-20T14:49:20","modified_gmt":"2020-06-20T13:49:20","slug":"leon-neschle-70-11-woche-2010","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-70-11-woche-2010\/","title":{"rendered":"Leon Neschle 70 (36. Woche 2011)"},"content":{"rendered":"<header>\n<h2 style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #4f81bd\"><strong>Der Helikopter-Student, oder: <\/strong><br \/>\n<strong>Sagt nicht, Euch h\u00e4tte keiner gewarnt!<\/strong><\/span><\/h2>\n<\/header>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>The road to hell is paved with good intentions. <\/em>(George Bernard Shaw)<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>Die Art und Weise, wie Universit\u00e4ter heute Akad\u00e4mlicher produzieren, belastet meinen besch\u00e4digten Ruf. <\/em>(Neschle)<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Neulich las ich \u00fcber \u201eHelikopter-Kinder\u201c in den USA, die schwere Entwicklungsst\u00f6rungen und gravierende psychische Probleme haben. Von fr\u00fchester Kindheit an werden sie geg\u00e4ngelt, bemuttert (auch ein Vater kann das!) und permanent \u00fcberwacht: im Interesse ihrer \u201eHelikopter-Eltern\u201c, die in der Einkind-Generation Zeit und Energie investieren (k\u00f6nnen), um in ihren Kindern die eigene Lebenserf\u00fcllung zu suchen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Bachelor- und Masterstudium folgen diesem Grundgedanken des \u201eParanoid Paranting\u201c. Immer mehr wird nicht <i>von<\/i> den<i> <\/i>Studenten <i>f\u00fcr<\/i> ihr Studium geplant, sondern von \u201eHelikopter-Professoren\u201c und ihrer \u201eHelikopter-Universit\u00e4t\u201c <i>f\u00fcr<\/i> diese Studenten <i>in<\/i> deren Studium. Nat\u00fcrlich in der besten Absicht: Damit sie keine Fehler (mehr) machen (k\u00f6nnen) und schneller fertig sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Doch die M\u00f6glichkeit, Fehler machen zu d\u00fcrfen, ist die Basis selbst\u00e4ndigen Lernens; genau diese Fehler pr\u00e4gen sich ein und pr\u00e4gen den Menschen f\u00fcr sein Leben: Man fragte einen Mann: \u201eWarum bist Du so gut?\u201c Er sagte: \u201eWeil ich keine Fehler mache.\u201c \u201eUnd wie bist Du so gut geworden?\u201c \u201eWeil ich viele Fehler gemacht habe!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Bei seinen eigenen Fehlern ist der Student \u201ehighly involved\u201c. Im Gegensatz zu diesen \u201eunter die Haut gehenden\u201c Erfahrungen, bleibt der gr\u00f6\u00dfte Teil dessen, was er derzeit im Studium zum Bachelor oder Master \u201elernt\u201c an der Oberfl\u00e4che. Durchg\u00e4ngiger O-Ton in Zulassungspr\u00fcfungen zum Master-Studium: \u201eKapitalwert wei\u00df ich nicht mehr. Das war im ersten Semester. \u2013 Normalverteilung? Das war im zweiten.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Diese exakte Zuordnung von Studieninhalten zu einzelnen Semestern ist neu und aufsehenerregend f\u00fcr einen kritischen Geist. Der Grund: Die Studierenden haken das Gelernte nach jeder Einzel-Pr\u00fcfung in ihrem geistigen Semesterordner ab. <i>Denn die permanenten Semesterpr\u00fcfungen, die Folge des Wahns pausenloser Lernkontrolle sind, respektieren nicht, dass sich das Gelernte \u201esetzen\u201c und miteinander vernetzt werden muss.<\/i> Das gilt weniger f\u00fcr Einzelfakten, aber umso mehr f\u00fcr Grundlagen- und Strukturwissen, mit dem es mir gelingt, k\u00fcnftiges Wissen einzuordnen und zu einem konsistenten Bild zu ordnen. Kurz: F\u00fcr das Wissen, mit dem man sich zu einer gebildeten Pers\u00f6nlichkeit entwickelt. Stattdessen liefert das Studium bolognese (nach dem Bologna-Prozess), das fast eine amerikanische Kopie ist, nur unabl\u00e4ssigen Kontrollstress, der den Studierenden keine Zeit mehr l\u00e4sst, ein gebildeter Mensch zu werden, und keine Mu\u00dfe mehr zur eigenen Lebensplanung.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Das ist innerhalb des \u201eHelikopter-Denkmodells\u201c nur folgerichtig. Dies traut dem Studierenden selbst\u00e4ndige Planung n\u00e4mlich gar nicht mehr zu und will f\u00fcrsorglich verhindern, dass er Fehler macht. Daher ist der \u201eHelikopter-Student\u201c die konsequente Fortentwicklung des \u201eHelikopter-Kindes\u201c. Bei ihm geht nicht mehr in erster Hinsicht um \u201estudere\u201c (sich <i>selbst<\/i> bem\u00fchen) oder die Anregung und Anleitung dazu, sondern allein darum, dass nicht vor allem er, sondern <i>die Helikopter-Universit\u00e4t<\/i> sich fortw\u00e4hrend <i>um<\/i> diesen Sp\u00e4tsch\u00fcler bem\u00fcht. Vom Kindergarten an trainiert und dressiert bleibt ein solcher Mensch das ewige Helikopter-Kind.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Diesem Modell standen die Fachhochschulen immer schon ein wenig n\u00e4her. Nun folgt ihnen im Zuge der gleichmacherischen Bachelor- und Mastergraduierungen (niemals gab es \u00fcbrigens differenziertere Abschl\u00fcsse als nach dieser angeblichen \u201eVereinheitlichung\u201c) nach den Privat-Universit\u00e4ten auch die klassische deutsche Universit\u00e4t. Mit durchaus gravierenden Folgen:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u201eDie Freiheit \u201avon\u2018 Forschung und Lehre\u201c an den Unis hat nie bedeutet, dass der Professor frei \u201edavon\u201c ist. Aber er sollte frei \u201edabei\u201c sein. Von dieser \u201eFreiheit \u201abei\u2018 Forschung und Lehre\u201c \u201ebefreit\u201c ihn nun das Un-Wesen des Helikopter-Studenten. Um die \u201eHelikopter-Philosophie\u201c durchzusetzen, werden auch die Hochschullehrer als \u201eHelikopter-Professoren\u201c geg\u00e4ngelt, verplant und es wird ihnen in wesentlichen Punkten die Gestaltungsfreiheit genommen. Dabei beruft man sich darauf, f\u00fcr die \u201eHelikopter-Studenten\u201c f\u00fcrsorglich die \u201eStudierbarkeit\u201c der F\u00e4cher herstellen zu m\u00fcssen.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>1. \u201eStudierbarkeit\u201c steht (noch) nicht im Duden<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">\u201eStudierbarkeit\u201c gab und gibt es trotzdem. Es war nur fr\u00fcher etwas anderes. Wurde Neschle einst gefragt: \u201eIst Jura an Eurer Uni \u201astudierbar\u2018?\u201c, bedeutete diese Frage, ob man einen Abschluss in Rechtswissenschaften machen konnte. War dieser m\u00f6glich, dann war Jura selbstverst\u00e4ndlich auch \u201estudierbar\u201c. Klar!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Nicht so heute: Heute bietet Neschle f\u00fcr das Wintersemester 2011\/12 vier Vorlesungen und mit Hilfe seiner Assistenten \u00dcbungen dazu an, aber nichts davon ist noch \u201estudierbar\u201c, jedenfalls nach den Angaben der nun zentralen Vorlesungsplanung.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Eine Akkreditierungskommission f\u00fcr das Lehramtsstudium hatte n\u00e4mlich festgestellt, dass sogar das gesamte Studium f\u00fcr Lehramtskandidaten \u201eunstudierbar\u201c ist. Wahrscheinlich hatte Neschle \u201eStudierbarkeit\u201c seines Faches bislang nur getr\u00e4umt, als er Examina f\u00fcr das Lehramt abgenommen hatte: Diese Leute hatten \u00fcberhaupt nicht studiert, wie die Akkrediteure nun \u201ezum Gl\u00fcck\u201c feststellen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Neschle muss zugegeben, dass er genau diesen Eindruck bei manchen der Kandidaten auch hatte, aber doch nicht bei allen. Einige hatten studiert, da war er sicher. Doch weit gefehlt, sagen die Akkrediteure: Das Studium f\u00fcr das Lehramt ist bislang gar keines, weil dessen F\u00e4cher \u201eunstudierbar\u201c sind. Basta alla bolognese!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Und warum? Weil sich einige Vorlesungen \u00fcberschneiden, welche die Lehramtskandidaten mit ihren \u00fcber 150 Kombinationsm\u00f6glichkeiten der F\u00e4cher innerhalb des auch eigens daf\u00fcr vorgesehenen Semesters nicht gleichzeitig besuchen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Dies verl\u00e4ngere das Studium, sagen die Akkrediteure und berufen sich dabei auf eine Absolventenbefragung. Ehemalige Studenten antworteten: Ihr Studium h\u00e4tte erheblich k\u00fcrzer sein k\u00f6nnen, h\u00e4tte es keine \u00dcberschneidungen in der Lehre gegeben.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Aber ist die Frage danach nicht schon suggestiv und die Antwort daher artifiziell? Nat\u00fcrlich schreiben Absolventen Verz\u00f6gerungen oder Misserfolge lieber Vorlesungs\u00fcberschneidungen zu als Nebenjobs, ihrer Faulheit oder tollen Semesterfeten? Wird ihnen die Gelegenheit dazu in einem Fragebogen f\u00f6rmlich vor die Nase gehalten, was sollen sie da ankreuzen? Neschle w\u00fcsste es: Nat\u00fcrlich waren (allein) die \u00dcberschneidungen der Lehrveranstaltungen schuld an der Verl\u00e4ngerung des Studiums!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Das Ergebnis solch suggestiver Befragungen sind reine Artefakte, auf denen Akkrediteure des Lehramtsstudiums und zentrale Universit\u00e4tsverwaltung aber nun versuchen, ganz reale Fakten und einen Wust bemutternder Administration zu schaffen, die \u00fcber die Studieng\u00e4nge hinaus, in denen die Lehr\u00e4mter dominieren, auch andere Studieng\u00e4nge betreffen und dort mehr Probleme ausl\u00f6sen als sie l\u00f6sen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die von Akkrediteuren und Hochschulverwaltung ignorierte Realit\u00e4t des Vorlesungsbesuchs zeigt sich indes so:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Zur Mitte eines jeden Semesters nimmt der Besuch in Vorlesungen, \u00dcbungen und Tutorien ab, um kurz vor den Klausuren wieder zuzunehmen. Das war \u2013 \u00dcberschneidung oder nicht \u2013 bislang so und wird so bleiben. Dies liegt auch daran, dass ein Fach bei guten Vorlesungsbeilagen selbst dann \u201estudierbar\u201c bleibt und aus Neschles Sicht auch bleiben soll, wenn ein Student z.B. \u00fcber l\u00e4ngere Zeit krank ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Dies relativiert aber auch die Bedeutung von \u00dcberschneidungen in der Lehre: Erstens lassen sich diese so (zum gro\u00dfen Teil) verschmerzen, zweitens beweisen die Studierenden durch ihr selbstbestimmtes Fernbleiben von den Vorlesungen, dass sie die f\u00fcrsorglichen Bem\u00fchungen der Akkrediteure um \u201eStudierbarkeit\u201c weitaus weniger zu sch\u00e4tzen wissen als eine \u00fcberf\u00fcrsorgliche, mit administrativem Wust befrachtete zentrale Stundenplanung der Helikopter-Universit\u00e4t, durch die der \u201eHelikopter-Student\u201c und sein \u201eHelikopter-Professor\u201c zu \u201efremdbestimmten Patienten\u201c werden, statt zu \u201eselbstbestimmten Unternehmern ihrer Arbeitskraft\u201c. \u2013<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Nun ist es keinesfalls so, dass Neschle nicht gro\u00dfen Wert auf \u00dcberschneidungsfreiheit legt. Im Gegenteil: \u00dcberschneidungsfreiheit bei Pr\u00fcfungen muss sogar garantiert werden. Denn kein Student kann zeitgleiche Pr\u00fcfungen absolvieren. Was bei Lehrveranstaltungen durch das Heimstudium guter Vorlesungsbeilagen mit Literaturstudium zum Teil m\u00f6glich ist, f\u00e4llt hier ganz aus. Pr\u00fcfungsplanung wird aber seit l\u00e4ngerem schon zentral durchgef\u00fchrt, doch sie funktioniert nachweislich nicht und verl\u00e4ngert dadurch fast zwangsl\u00e4ufig das Studium. Dieses Problem wird jedoch gar nicht angegangen, weil hier ja schon zentral und f\u00fcrsorglich geplant wird. Das folgt schon der aktuellen \u201eHelikopter-Philosophie\u201c und darum werden diese M\u00e4ngel ignoriert.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Anders bei Neschle: Dem ist es zwar mit dezentraler Planung gelungen seine Lehrveranstaltungen auch f\u00fcr Lehramtskandidaten \u00fcberschneidungsfrei zu gestalten, aber dennoch verpasst die Zentralverwaltung ihm und all seinen Studenten einen neuen Stundenplan. Der gilt nicht nur f\u00fcr seine 10% Lehramtskandidaten, sondern auch f\u00fcr die anderen 90%. Sie alle werden nun nach einem Stundenplan ausgerichtet, der den 10% Lehramtskandidaten in zentraler F\u00fcrsorge das \u201e\u00fcberschneidungsfreie Studium\u201c garantieren soll und damit \u201edie Studierbarkeit\u201c ihrer F\u00e4cher. Neschle wartet jetzt nur noch auf den Moment, in dem die Akkrediteure des Lehramtsstudiums und die P\u00e4dagogen auch <i>den Inhalt<\/i> seiner Vorlesungen bestimmen wollen.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>2. Nun auch an der Uni: Die Lehrer bestimmen die Lehre!<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Universit\u00e4tsleitung begr\u00fcndet diesen allein lehramtsinduzierten Zeitoktroi damit, dass in den an Lehramtsstudieng\u00e4ngen <i>insgesamt beteiligten Fakult\u00e4ten<\/i> etwa 40% auf Lehramt studieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Das mag <i>im Durchschnitt<\/i> richtig sein. Doch selbst dann w\u00e4ren diese Studenten dort <i>in der Minderheit<\/i>, weil auf der anderen Seite 60% der Studierenden stehen. Zudem treffen weder f\u00fcr Neschles Fakult\u00e4t und erst recht nicht f\u00fcr sein Fach die 40% auch nur ann\u00e4hernd zu. Da sind es viel weniger.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Mag der Arm ihrer Akkreditierung f\u00fcr Lehramtskandidaten so weit reichen, wie diese <i>in der Mehrheit <\/i>sind, also etwa bei Anglisten oder Germanisten!<i> Doch warum weiter? <\/i>Warum sollten mit demselben Recht nicht auch die Akkrediteure der BWL herkommen und Einfluss nehmen auf die Stundenpl\u00e4ne der P\u00e4dagogen oder Mathematiker?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">In Neschles Vorlesungen sitzen sogar <i>weniger als 10%<\/i> Lehramtsstudenten (in \u201eweicheren\u201c BWL-F\u00e4chern m\u00f6gen das mehr sein). Dennoch soll sich seine gesamte Vorlesungsplanung allein nach diesen ausrichten? <i>Kann die Helikopter-Universit\u00e4t ihr Vorgehen aber auch bei 10% noch begr\u00fcnden, wo es schon bei 40% hapert?<\/i> \u2013<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Nach Neschles eigenen Erfahrungen sind Akkrediteure keinesfalls immer die Gr\u00f6\u00dfen unserer Zunft. So manches Mal w\u00e4ren Fakult\u00e4ten und Studenten besser gefahren, h\u00e4tten sie deren Auflagen nicht befolgt. Neschle wundert sich daher, dass die Vorgabe einer Akkreditierungskommission von seiner \u201eHelikopter-Universit\u00e4t\u201c wie ein \u201eUkas\u201c gewertet wird, dem in jedem Falle zu folgen ist, sogar in F\u00e4chern, in denen Lehramtsstudenten weit in der Minderheit sind.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>3. Folgen zentraler Regulierungswut f\u00fcr die Entwicklung der Universit\u00e4t(en)<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Geht Neschle von \u00fcber 90% seiner Studierenden aus, die nicht Lehramtskandidaten sind, muss er <i>auch deren <\/i>Zeitplanung ber\u00fccksichtigen. Wie soll er das aber tun, wenn die Zeitplanung nun zentral erfolgt und seine 10% Lehramtsstudenten absolute Priorit\u00e4t genie\u00dfen? Auch kurzfristige Flexibilit\u00e4t ist ausgeschlossen: Der Tausch von Zeiten mit Kollegen oder sogar mit \u00dcbungszeiten der eigenen Mitarbeiter ist nun faktisch ausgeschlossen, weil die zentrale Abstimmung Umst\u00e4nde und Zeit kostet, so ein Tausch aber nur dann sinnvoll ist, wenn er kurzfristig erfolgen k\u00f6nnte, z.B. bei Krankheit des Dozenten, um die \u201eVorlesungsversorgung\u201c sicherzustellen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Durch die zentrale Stundenplanvorgabe f\u00e4llt eine Veranstaltung von Neschle derzeit sogar in die \u201eGremienzeit\u201c seiner Fakult\u00e4t. Das ist die Zeit, in der gew\u00f6hnlich Gremien der akademischen Selbstverwaltung tagen: Fakult\u00e4tsrat, Institutsrat oder Berufungs-, Habilitations- und Promotionskommissionen. <i>Es scheint Neschle fast Programm, dass eine zentrale Hochschulverwaltung im besorgten Dienst f\u00fcr den Lehramtsstudenten\u201c die traditionell dezentrale Koordination an deutschen Universit\u00e4ten schw\u00e4chen will.<\/i> Die Selbstorganisation der Professorenschaft ist offensichtlich nicht mehr erw\u00fcnscht, wenn und weil ihre Durchf\u00fchrung erschwert wird. Warum sollte man den Professoren auch k\u00fcnftig noch Planungsf\u00e4higkeit zutrauen, die sie als Helikopter-Kinder und Helikopter-Studenten nie lernen durften? An deren Stelle treten administrative Oktrois, auch wenn sie bislang vor allem noch Zeitoktrois sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Pers\u00f6nliche und berufliche Freiheit sind jedoch der entscheidende Grund f\u00fcr die Berufswahl zum Hochschullehrer besonders dort, wo es viel besser bezahlte Alternativen in der Praxis gibt. Ingenieure und Mediziner sind zum Gl\u00fcck von der Entwicklung im Lehramt kaum betroffen. Neschle schon!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Neschle als \u00d6konomen kann auch verstehen, dass manche P\u00e4dagogen beim \u201eWert der Freiheit des Hochschullehrers\u201c weniger sensibel sind: Kann ich in diesem Beruf ohnehin das meiste verdienen, ist dessen Freiheit vielleicht nur ein willkommenes, aber weitgehend verzichtbares \u201eadd-on\u201c oder \u201enice-to-have\u201c. Bei manchem Professor ist diese Freiheit aber <i>der wesentliche Grund<\/i> f\u00fcr die Berufswahl. In Kenntnis solcher Umst\u00e4nde w\u00fcrde sich Neschle z.B. nicht mehr f\u00fcr den Beruf des Hochschullehrers entscheiden. Solche Umst\u00e4nde k\u00f6nnten jedoch auch beim Nachwuchs in seinem Fach gegen diese Berufswahl entscheiden.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Daher wird hier derzeit erneut ein gravierender hochschulpolitischer Fehler in der Tradition des Studiums bolognese gemacht (Der gr\u00f6\u00dfere war sicher die Einf\u00fchrung der Bachelor- und Masterstudieng\u00e4nge!). Auch dieser Fehler ist Folge des \u201eHelikopter-Denkens\u201c: <i>In der guten Absicht, den Studierenden keine Fehler machen zu lassen und ihm eine konzentrierteres und k\u00fcrzeres Studium zu gew\u00e4hren <\/i>(dahinter steckt vielleicht die gar nicht mehr \u201eso gute Absicht\u201c, Steuermittel bei der Bildung einzusparen)<i>, werden dem Studierenden seine selbst\u00e4ndige Entwicklung und sein Heranreifen zu einer gebildeten Pers\u00f6nlichkeit versagt. <\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Bei diesem Nachahmen des US-Bildungssystems sollte man aber nicht verkennen,<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">1. in welchem Zustand die USA heute ist und was sie dahin gebracht hat,<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">2. dass dieses Land seit Jahrzehnten vom Import ausl\u00e4ndischer Intellektueller lebt, die ihre Wurzeln <i>gerade nicht<\/i> im angeblich und f\u00fcr das Studium bolognese auch tats\u00e4chlich \u201evorbildlichen amerikanischen Bildungssystem\u201c hatten.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\"><strong>Der Helikopter-Student<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">Schl\u00e4ft er, lernt er oder poppt er,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">immer schwebt der Helikopter<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">und beobachtet genau,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">was er tut, Mann oder Frau.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Denn der Stundenplan liegt fest<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">und im streng bewachten Nest<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">gibt\u2019s von Freiheit keinen Rest:<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Da kommt schon der n\u00e4chste Test.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p style=\"text-align: center;\">Er kann alles nur leicht streifen,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">kein Gedanke kann noch reifen,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Einzelfakten lernt er nur,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Mu\u00dfe fehlt f\u00fcr die Struktur,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">frisst schnell alles in sich rein,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">bald wird es vergessen sein,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">niemals f\u00e4llt ihm wirklich ein:<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Dieses Wissen, das ist mein!<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p style=\"text-align: center;\">Sicher sagt er sich dann sp\u00e4ter,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">schuld sind <i>Universit\u00e4ter,<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">die uns st\u00e4ndig \u00fcberwachten,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">dass wir keine Fehler machten.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Selber planen war verboten,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">man hielt uns f\u00fcr Idioten,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">nahm uns alles aus den Pfoten,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">nun sind wir die geistig Toten.<\/p>\n<p><a title=\"PDF-Datei\" href=\"http:\/\/www.neschle.de\/download-manager.php?id=171\"><span style=\"font-size: small;\">PDF-Datei<\/span><\/a><span style=\"font-size: small;\"><br \/>\nThis post was downloaded by  1168  people until now.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Helikopter-Student, oder: Sagt nicht, Euch h\u00e4tte keiner gewarnt! The road to hell is paved with good intentions. (George Bernard Shaw) Die Art und Weise, wie Universit\u00e4ter heute Akad\u00e4mlicher produzieren, belastet meinen besch\u00e4digten Ruf. (Neschle) Neulich las ich \u00fcber \u201eHelikopter-Kinder\u201c in den USA, die schwere Entwicklungsst\u00f6rungen und gravierende psychische Probleme haben. Von fr\u00fchester Kindheit an &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-70-11-woche-2010\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eLeon Neschle 70 (36. Woche 2011)\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[4,6],"tags":[14,10,62],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/531"}],"collection":[{"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=531"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/531\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":989,"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/531\/revisions\/989"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=531"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=531"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=531"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}