{"id":521,"date":"2010-03-10T10:48:30","date_gmt":"2010-03-10T09:48:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-69-11-woche-2010\/"},"modified":"2020-06-20T14:52:43","modified_gmt":"2020-06-20T13:52:43","slug":"leon-neschle-69-11-woche-2010","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-69-11-woche-2010\/","title":{"rendered":"Leon Neschle 69 (11. Woche 2010)"},"content":{"rendered":"<header>\n<h2 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #4f81bd;\">Marktwirtschaft: Die Beleidigung<\/span><\/strong><\/h2>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Herr Neschle, es hat Zuh\u00f6rerfragen zu Ihrem Interview (<a href=\"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-68-9-woche-2010\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Leon Neschle 68<\/a>) gegeben. Um ehrlich zu sein, auch eine Menge Beleidigungen, die sehr pers\u00f6nlich wurden.<\/strong><\/p>\n<\/header>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>Die moralische Lehre, die ich dem Fu\u00dfball verdanke: Die loyale Beachtung von Spielregeln, die gemeinsam festgelegt und freiwillig akzeptiert werden. <\/em>(Albert Camus)<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Nun, Frau \u00f6\u00f6\u00f6hhh! Unpers\u00f6nlich ist nicht immer besser. Die Beleidigungen zeigen, mit welcher Leidenschaft sich viele bei dem Thema engagieren. &#8230; Also fangen wir doch mit den Beleidigungen an.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Die h\u00e4ufigste Beleidigung war: \u201easozialer Neoliberaler\u201c.<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Dieser Vorwurf irritiert mich. Leidenschaft war dabei offenbar kein guter Ratgeber. Sie benebelt den Verstand, verwirrt das Herz und macht ein wenig autistisch. Im Moment der Emp\u00f6rung will man nur selber scheinen und wird nicht mehr erleuchtet.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Warum sind Sie irritiert davon?<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Gibt es \u201easoziale\u201c Neoliberale, muss es auch \u201enicht-asoziale\u201c oder gar \u201esoziale\u201c geben. Die neoliberalen Vorbilder, die alten Liberalen wie Adam Smith, waren jedenfalls \u201eMoralprediger\u201c. Noch heute bezeichnet daher \u201eLiberals\u201c in den USA Menschen, die sich f\u00fcr eine St\u00e4rkung der sozialen Komponente einsetzen. W\u00e4re wirklich \u201ejeder\u201c Neoliberale asozial, wird zudem der \u201easoziale Neoliberale\u201c zum Pleonasmus.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Zum Leo &#8230; . Bitte was?<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">So was wie ein \u201ewei\u00dfer Schimmel\u201c. Ein \u201esozialer Neoliberaler\u201c w\u00e4re dann ein Widerspruch in sich, wie ein \u201ezentraler Eckpfeiler\u201c. \u2013 Aber der Reihe nach &#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Ich bitte drum!<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u201eNeoliberalismus\u201c wird im wissenschaftlichen Sprachgebrauch anders benutzt als im politischen. Da Wissenschaftler den Begriff lange vor der Politik gepr\u00e4gt haben, legt das den Verdacht nahe, dass sich halbgescheite Politiker dieses Begriffs bem\u00e4chtigt haben. Sie verbinden damit vor allem \u201everfehlte\u201c Privatisierung und De-Regulierung. Die neoliberale Freiburger Schule fordert dagegen strenge, aber zielgerichtete Regulierung und vor allem strenge Haftungsregeln f\u00fcr Entscheidungstr\u00e4ger.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Ein wenig genauer sollten Sie schon sein!<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Nun gut! Die Freiburger Schule, auch Ordoliberale genannt, wollte z.B. die \u201eEinheit von Entscheidung und Verantwortung\u201c. Das h\u00e4tte bedeutet, dass alle heutigen Aktiengesellschaften durch Kommanditgesellschaften auf Aktien ersetzt worden w\u00e4ren.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Was w\u00e4re die Folge?<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Alle Vorst\u00e4nde w\u00e4ren f\u00fcr ihre Entscheidungen pers\u00f6nlich haftbar, so wie der Einzelkaufmann. Das h\u00e4tte zu einer vorsichtigeren und nachhaltigeren Unternehmenspolitik gef\u00fchrt. Die Trennung von Entscheidungsverantwortung und Haftung in der Aktiengesellschaft und GmbH ist aus dieser Sicht ein S\u00fcndenfall der Marktwirtschaft. Beschr\u00e4nkte Haftung ist, als w\u00fcrde jemand beim Lotto seinen Einsatz verlieren. Da spricht auch keiner von Haftung. Dies nimmt die links-politische Sicht des Neoliberalismus nicht zur Kenntnis. Deshalb darf man die getrost \u201epolemische Sicht\u201c nennen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Und die sagt?<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Neoliberale sind asoziale Leute, die sich f\u00fcr eine Ellbogen-Gesellschaft einsetzen, bedenkenlos den freien M\u00e4rkten vertrauen und den Einfluss des Staates \u00fcberm\u00e4\u00dfig beschneiden. Mit einer Deregulierung bis zur Regellosigkeit \u00f6ffnen sie privater Willk\u00fcr und asozialem Verhalten \u201evon oben\u201c T\u00fcr und Tor. Darunter haben \u201edie da unten\u201c dann zu leiden. Aufgabe des sozialen Staates aber ist, die Schwachen vor dieser Willk\u00fcr der Starken zu sch\u00fctzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Sind Sie dagegen?<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">So wenig wie Sie. Aber sind alle schwach, die den Schwachen spielen? Starke k\u00f6nnen sich schwach stellen. Ein Unversch\u00e4mter kann bescheiden wirken, aber kein Bescheidener unversch\u00e4mt, sagt Lichtenberg. So wird die sch\u00fctzende Hand der Sozialsysteme ausgenutzt. Das Wichtigste aber ist:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ein Wirtschaftssystem soll zudem die wirtschaftlichen Kr\u00e4fte zum Wohle aller mobilisieren, und nicht dazu anreizen, Talente zu vergraben, weil es sich nicht lohnt, sie zu nutzen. Dazu darf man sich nicht f\u00fcr seinen wirtschaftlichen Erfolg sch\u00e4men m\u00fcssen. Aber reden Sie mal mit einem Linken dar\u00fcber! Der stellt jeden wirtschaftlichen Erfolg unter Vorverdacht des asozialen Erwerbs. Das gibt ihm die Begr\u00fcndung daf\u00fcr, warum er ihn keinem g\u00f6nnt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Jetzt mal ein wenig konkreter: Sind sie f\u00fcr Deregulierung?<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Es kommt darauf an!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Geht es ein Wenig genauer?<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wer f\u00fcr mehr Regulierung ist, der ist zugleich f\u00fcr mehr B\u00fcrokratie. Im Grunde ist die Linke damit die Partei der B\u00fcrokrater. Weil das nicht gut klingt, verheimlicht sie meist diese Zwangsfolge der vermehrten und verst\u00e4rkten Staatseingriffe. Aber Sie wollten es sicher auch ein wenig einfacher. Da komme ich mit meinem Fu\u00dfballbeispiel.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Auch dazu gab es Fragen!<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die bitte sp\u00e4ter! \u2026 Was k\u00f6nnte Deregulierung beim Fu\u00dfball hei\u00dfen?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">1. Man beseitigt eine Regel. Sie verursacht \u201eunn\u00f6tige\u201c Umst\u00e4nde, macht das Spiel undynamisch oder verzerrt das Ergebnis.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">2. Man erweitert den Handlungsspielraum einer existierenden Regelung, indem man zus\u00e4tzliche Optionen f\u00fcr die Spieler schafft, ihnen mehr Freiheit gibt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Eine blo\u00dfe Ver\u00e4nderung der Regeln w\u00e4re dann noch keine Deregulierung.<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Nicht etwa, wenn man statt der gelben Karte eine Zeitstrafe einf\u00fchren w\u00fcrde. Heute ist man nach der f\u00fcnften gesperrt. Darunter leidet versp\u00e4tet zwar auch die Mannschaft des \u00dcbelt\u00e4ters, aber davon profitiert nicht die Mannschaft des Gefoulten. Noch schlimmer, wenn der Gefoulte vom Platz getragen wird. Dann spielt die Mannschaft des Gelbs\u00fcnders mit 11 gegen 10, hat durch das Foulspiel sogar Vorteile. Da k\u00f6nnte man einf\u00fchren, dass auch der Gelbs\u00fcnder f\u00fcr die Zeitdauer der Behandlung seines Opfers den Platz verlassen muss. Aber Deregulierung ist das nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Was ist dann Deregulierung?<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Nun dazu m\u00fcssten Sie zum Beispiel die Abseitsregel abschaffen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Das w\u00e4re doch nicht schlecht! Die versteht doch sowieso keiner.<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Frauuuuuu &#8230;, die versteht jeder, der sich f\u00fcr Fu\u00dfball interessiert. Das ist anders als bei manchem Gesetz. Da versteht man weder die Auslegung noch das Gesetz selbst. Bei der Abseitsregel ist nur Auslegung nach der Deregulierung erschwert.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Warum ist das denn eine Deregulierung?<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Weil fr\u00fcher in zwei F\u00e4llen zus\u00e4tzlich Abseits gepfiffen wurde, in denen heute weiter gespielt wird: Wenn der St\u00fcrmer im Moment der Ballabgabe \u201eauf gleicher H\u00f6he\u201c mit dem gegnerischen Verteidiger ist und beim so genannten \u201epassiven\u201c Abseits. Das er\u00f6ffnet den St\u00fcrmern nun gr\u00f6\u00dfere Chancen, sorgt f\u00fcr gr\u00f6\u00dferes Engagement vorm Tor und macht das Spiel spannender.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Haben sie noch ein Beispiel, wo vielleicht noch dereguliert werden k\u00f6nnte?<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Statt der strengen Regelung k\u00f6nnte man beim Einwurf lockerere Regeln einf\u00fchren, bei denen auch das \u201eEinrollen\u201c des Balls m\u00f6glich w\u00e4re, wie beim Hockey, oder das \u201eEinkicken\u201c. Dann g\u00e4be es ohne Schaden f\u00fcr den Fu\u00dfball weniger falsche Einw\u00fcrfe.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Wenn Sie das bitte nicht als \u201efalschen Einwurf\u201c werten: Welche Regel k\u00f6nnte man abschaffen?<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Etwa die, dass der Schiedsrichter beim Foul des \u201eletzten Manns\u201c einen Platzverweis aussprechen \u201emuss\u201c. Dann k\u00f6nnte er abw\u00e4gen, ob konkrete Torgefahr bestand.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Es kann aber doch nicht jede Deregulierung gut sein?<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Sagte ich das? Ich sagte: Es kommt darauf an! W\u00fcrde man die Bestechung von Schiedsrichtern f\u00fcr zul\u00e4ssig erkl\u00e4ren, w\u00e4re dies sicher schlecht. Vergleichbares gilt auch f\u00fcr die Wirtschaft.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Aber die Finanzkrise die wurde die Deregulierung und die Gier der Manager ausgel\u00f6st!<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wer sagt das?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Alle! Sahra Wagenknecht zum Beispiel!<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Und alle Fliegen fressen Schei\u00dfe!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Erlauben Sie mal!<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Nein, jetzt im Ernst. Wenn ich das mit der Gier h\u00f6re, kommt mir die Galle hoch. Sicher gibt es die! Aber:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">1. Nicht allein Banker sind davon befallen. Und wer hat je gezeigt, dass gerade die besonders stark?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">2. Gier ist doch kein Ph\u00e4nomen, das erst mit der Finanzkrise auftrat. Dann w\u00e4re das ein Erkl\u00e4rungsansatz. Das Problem ist nicht die Gier, sondern dass dies ungez\u00e4hmte Untier nicht an der Kette lag. Ma\u00dfgeblich daf\u00fcr war die Politik der amerikanischen Zentralbank, der Fed, die Aktivit\u00e4t dieser quasi-staatlichen Einrichtung bei der Zinserh\u00f6hung und ihre Nichtaktivit\u00e4t bei der Regulierung neuer Verbriefungstechniken.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Aber die fehlende Kette f\u00fcr die Gier? Zeugt die nicht von Deregulierung?<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u2026 sagt die Linke. Das geh\u00f6rt zu ihrer Gebetsm\u00fchlenlitanei. Doch es zeugt eher von \u201emangelnder Regulierung\u201c oder \u201eUnter-Regulierung\u201c, vor allem bei der neuartigen Verbriefung von Kreditrisiken und deren Rating. Das aber ist in etwa so, als erfindet einer den ferngesteuerten Fu\u00dfball, der selbst ins Tor findet, eine Mannschaft bringt ihn erfolgreich zu Einsatz und der DFB tut nichts dagegen. Man kann aber nicht neoliberal oder sonstwie de-regulieren, wo es noch gar keine Regulierung gibt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Das leuchtet ein. Wo liegt denn die Schuld der amerikanischen Zentralbank?<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ich m\u00f6chte eher von \u201eVerantwortung\u201c sprechen. \u2026 Nicht nur bei der fehlenden Regulierung: Die Fed hat nach einer Niedrigzinspolitik im Gefolge von 9\/11 die Zinsen pl\u00f6tzlich scharf angehoben, ohne die Folgen klar abzusch\u00e4tzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Aber sie hatte doch Gr\u00fcnde! Und warum ist das so stark durchgeschlagen?<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Gr\u00fcnde sind die altbekannten: Gefahren einer konjunkturellen \u00dcberhitzung. Eine nie gekannte Niedrigzinsphase reizte aber weniger solvente B\u00fcrger ins Eigenheim. Das h\u00f6here Risiko an der Front war den Banken zwar bekannt, sie glaubten aber, es durch neue Verbriefungsinstrumente im Griff zu haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Selbst das h\u00e4tte doch nicht ausgereicht, einen solchen Finanz-Tsunami zu erzeugen. Worauf gr\u00fcndet sich denn die enorme Durchschlagskraft der Zinserh\u00f6hung?<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Es war etwas, das bislang kaum beachtet wurde. Dazu muss man die Frage stellen: H\u00e4tte das in Deutschland geschehen k\u00f6nnen oder in den USA fr\u00fcherer Tage?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Da gab es ja solche Verbriefungen noch nicht.<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Und doch war es nicht die Verbriefung allein, Frau \u2026 \u00d6h\u00e4. In den USA fr\u00fcherer Tage waren bei Hypotheken Zinsabsicherungen \u00fcber den gesamten Finanzierungszyklus \u00fcblich. \u00dcber 30 Jahre! Das ist sogar deutlich l\u00e4nger als in Deutschland, wo wir meist maximale Zinsfestschreibungen \u00fcber 15 Jahre haben, aber meist \u00fcber 10 oder 5.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Na ja, dann ist man in dieser Zeit vor Zinserh\u00f6hungen sicher, zahlt daf\u00fcr aber einen h\u00f6heren Zins. Sozusagen eine \u201ePr\u00e4mie f\u00fcr Zinsversicherung\u201c als Aufschlag.<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ganz richtig, Frau \u2026 \u00fc\u00fc\u00fchhh. Dann aber wollte Herr Greenspan es richtig krachen lassen mit der Konjunktur auf der Basis privater Bau-Investitionen. Er hat empfohlen, dass die Leute auf Zinssicherheit verzichten sollten. Schlie\u00dflich kostete sie diese Sicherheit gerade in der Niedrigzinsphase einen besonders hohen Zinszuschlag. Denn die Banken erwarteten nicht, dass die Zinsen auf diesem historischen Tiefstand verweilen w\u00fcrden und hielten daher den Zins bei drei\u00dfigj\u00e4hriger Absicherung auf dem fr\u00fcheren Niveau.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Der Schuldner solle sich daher nach dem Rat von Herrn Greenspan in dieser Phase ohne Zinssicherung auf den extrem niedrigen variablen Zinssatz einlassen. Das taten dann auch die meisten und die H\u00f6he ihrer variablen Zinsen wurde unmittelbar abh\u00e4ngig von der Zinspolitik der Fed. Und wenn das \u00fcber 80 Prozent der zweitrangigen Subprime-Kredite betrifft, geht einem Gro\u00dfteil der Schuldner direkt nach der Zinserh\u00f6hung der Arsch auf Grundeis.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Und wie w\u00e4re das in Deutschland, Ihre Deftigkeit?<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Da haben wir, damit sie leichter mitrechnen k\u00f6nnen, eine mittlere Zinsfestschreibung von, sagen wir mal, 8 Jahren und 4 Monaten. Das sind genau 100 Monate. Gehen wir der Einfachheit halber von einer Gleichverteilung aus, dann w\u00fcrde eine Zinserh\u00f6hung der Bundesbank jeden Monat genau 1 Prozent der Schuldner betreffen, die in diesem Monat neu \u00fcber ihren Kredit verhandeln. In einer Woche w\u00e4ren das dann etwa \u00bc Prozent. K\u00f6nnen Sie folgen?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Sie haben es ja einfach gemacht! Aber dann liegt ja eine bislang kaum diskutierte Gefahr in der Vertragsstruktur der Hypothekenkredite.<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ganz genau! \u2026 Nehmen wir nun mal an, es dauere genau eine Woche, bis eine Zinserh\u00f6hung der Zentralbank auf die Schuldner durchschl\u00e4gt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Dann w\u00e4re bei Ihrem Szenario davon nur \u00bc Prozent aller Schuldner betroffen. Nach einem Jahr w\u00e4ren es dann erst 12 Prozent. Statt 80 Prozent sofort!<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Sie sagen es. In Deutschland tr\u00f6pfelt die Welle der Zinserh\u00f6hung durch die Zinssicherung nur langsam in die Hypothekenschulden hinein und manchmal sind die im n\u00e4chten Zyklus bereits wieder gesenkt. In den USA schlug die Zinserh\u00f6hung schon innerhalb einer Woche bei 80 Prozent aller Subprime-Schuldner ein. Das ist die 320-fache Wucht im Vergleich zum deutschen Beispiel. Bei einer Welle w\u00e4ren das 64 Meter statt 20 Zentimeter oder 320 Meter statt einem. Ein wahrer Finanz-Tsunami.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Aber das hat doch alles nichts mit Deregulierung zu tun!<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ja eben! Aber trotzdem wird die von der Linken angef\u00fchrt oder mit ihr die Menschen. Denn sie geh\u00f6rt zum neoliberalen S\u00fcndenbock.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Aber machen wir Schluss mit der Krise! Was soll das f\u00fcr die Deregulierung hei\u00dfen?<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ich h\u00e4tte da noch einen Buchtipp zur Krisendiskussion: <b><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Werdegang-Krise-Von-Subprime-Systemkrise\/dp\/product-description\/3834920266\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Elschen\/Lieven, Der Werdegang der Krise. Bei Gabler erschienen!<\/a> <\/b>Da k\u00f6nnten Sie einiges vertiefen, was die Krise angeht. \u2026 Doch nun zu ihrer Frage. Manchmal w\u00e4re Deregulierung geboten! Beim Fu\u00dfball geht es da zum Gl\u00fcck nicht zu wie in der Politik.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Und was ist da anders?<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Nun, Frau &#8230; \u00e4h Dingens, viel h\u00e4ufiger als der DFB greift der Staat direkt ins Spiel ein, erkl\u00e4rt es im Nachhinein f\u00fcr ung\u00fcltig oder ver\u00e4ndert schon w\u00e4hrend des Spiels das Ergebnis.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Obwohl er die Spielregeln selbst erlassen hat?<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ja, und auch wenn von Spielern und Mannschaften nicht dagegen versto\u00dfen wurde. \u2013 Was w\u00e4re da wohl in der echten Liga los? \u2013 Die Besteuerung greift sogar permanent ein und da die Steuer weder alle noch alles gleichbehandelt, kann sie schon mal Spielergebnisse auf den Kopf stellen. So ordnet der Staat mitten im Spiel eine Umverteilung der Tore an oder erkl\u00e4rte neue Tatbest\u00e4nde zu Fouls oder erlaubt fr\u00fchere Verbotenes. Das geschieht mit der Hektik des Gesetzgebers viel zu oft und zwingt in- und ausl\u00e4ndische Spieler zu h\u00e4ufigen Umstellungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>So etwas gibt es bei uns? Da w\u00fcrde ich als ausl\u00e4ndischer Investor doch einen Bogen machen. Dadurch kann doch der Sieger zum Verlierer werden und umgekehrt?<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Da k\u00f6nnte ich ihnen gleich mehr als ein Dutzend F\u00e4lle nennen. Aber es gibt noch einen krasseren Fall. Ich hatte ja im Interview gesagt, bei der \u201eSozialen Marktwirtschaft\u201c werden die Spielergebnisse zu Lasten der Gewinner und zugunsten der Verlierer ver\u00e4ndert. Zwei Dinge sind dabei aber wichtig:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">1. Dies geschieht erst am Ende der Saison, wenn der Tabellenstand feststeht.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">2. Davon soll der Tabellenstand nicht ver\u00e4ndert werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Das ist in der Wirtschaft, wie sie den Sozialisten vorschwebt, v\u00f6llig anders.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Und wie?<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Das Ganze l\u00e4uft, wie einst in der DDR, unter dem Stichwort der \u201eEinheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik\u201c, je linker man ist umso mehr Einheit. Beim Fu\u00dfball hie\u00dfe das: Schon w\u00e4hrend des laufenden Spiels korrigiert man st\u00e4ndig am Ergebnis herum, schw\u00e4cht den Starken und st\u00e4rkt den Schwachen, so dass es gar nicht erst zu hohen Niederlagen oder hohen Siegen kommt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Aber hat dann noch einer Lust auf ein solches Spiel?<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Nat\u00fcrlich nicht. Will man also wirtschaftliche Aktivit\u00e4t anregen, dann gibt es fast nichts Schlimmeres. \u201eEinheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik\u201c ist ein wahrer Tranquilizer. Das Schlimme ist, man beschimpft Deregulierer daf\u00fcr, wenn sie solche Dinge abschaffen wollen, die es beim Fu\u00dfball, wie gesagt, zum Gl\u00fcck gar nicht gibt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Warum gibt es denn da \u00fcberhaupt Widerstand?<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Frage ist, mit Verlaub, ein wenig naiv. Vergessen Sie nicht die \u201eSozialen Errungenschaften\u201c der potenziellen Verlierer. Die Trainingsfaulen, die gar keinen Spa\u00df am Spiel haben und denen auch die Lust fehlt, sich f\u00fcr das Spiel einzusetzen, profitieren besonders von der ins das Spiel schon integrierten Umverteilung. Denn auch die nicht wollen, sagen nat\u00fcrlich, dass sie nicht k\u00f6nnen. Sie k\u00f6nnen durchh\u00e4ngen wie sie wollen und das langweilige Spiel macht sie wie alle anderen nicht aktiver. Umso mehr wird dann das Ergebnis schon w\u00e4hrend des Spiels zu ihren Gunsten korrigiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Und wie motiviert man dann diejenigen, die sich noch einsetzen?<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Man appelliert an ihre \u201esoziale Verantwortung\u201c. Das veranlasst die \u201eAktivisten\u201c zwar nicht, ihren Vorteil freiwillig aufzugeben, aber es st\u00e4rkt sie moralisch, nachdem ihnen ihr Vorteil vom Staat zwangsweise genommen wurde. Das Ganze nennt sich \u201esozialistischer Wettbewerb\u201c, ein Spiel um politische Anerkennung, Blechorden und die \u201egoldene Ananas\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Aber das ist doch eine verlogene Staatsmoral! <\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Da sagen Sie mal was, was passt. Aber ein solcher Staat muss sich st\u00e4ndig selbst versichern, dass alle in voller \u00dcberzeugung hinter ihm und seiner Ideologie stehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Oh pardon, Herr Neschle! Unsere Zeit ist um und wir haben noch nicht eine Zuh\u00f6rerfrage beantwortet. Darf ich sie noch einmal einladen?<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">D\u00fcrfen Sie!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Besten Dank!<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Wie Liberale f\u00fcr den Linken<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">kann kaum ein Mensch dem anderen stinken.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Und ist der Liberale Neo,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">braucht mancher Linke sogar Deo.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Den freien Willen und den Markt<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">h\u00e4tt\u2018 denen man sehr gern versargt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">(In die Kiste und weg! Nicht blo\u00df versagt!)<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p style=\"text-align: center;\">Man selbst verst\u00e4rkt die Regulierung<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">durch die \u201esoziale\u201c Staatsregierung,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">verstaatlich zuerst alle Banken<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">und bringt dann das System ins Wanken.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Mit Bankenmacht, einst kritisiert,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">schm\u00fcckt Staat sich dann ganz ungeniert.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p style=\"text-align: center;\">Und gilt f\u00fcr Banken Staatskontrolle,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">dann spielt es auch gar keine Rolle<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">mehr, wer des Staates n\u00e4chste Beute.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Los! Wen verstaatlichen wir heute?<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Die Wirtschaftspr\u00fcfer allesamt,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">kommen ins staatlich\u2018 Aktienamt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p style=\"text-align: center;\">So expandiert, man sagt es nie,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">des Deutschen Staatsb\u00fcrokratie.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Sie ist der Linken Stein der Weisen,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">dem Liberalen hei\u00dfes Eisen,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">sobald sie in der Wirtschaft Spiel<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">manipuliert im Rambo-Stil.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p style=\"text-align: center;\">Der Liberale sieht, wie ich es seh,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">den Staat als Polit-DFB.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Es setzt die Regeln, kontrolliert,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">dass alles regelrecht passiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Doch w\u00fcrd\u2018 er den Erfolg bestimmen,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">w\u00e4r es ne S\u00fcnde von den schlimmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p style=\"text-align: center;\">Doch lieber als dem Gl\u00fcck und K\u00f6nnen<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">und einem Spiel, wo alle rennen,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">vertraut der Linke in der Tat<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">staatlich gesetztem Resultat.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Und bei solchen Staatsgewalten<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">will er Demokratie erhalten?!<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p style=\"text-align: center;\">Das schaffte er bis heute nie:<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Aus ist es mit Demokratie!<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Wie soll denn dann des Staates Power<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">geb\u00e4ndigt werden auf die Dauer,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">wenn er die ganze Wirtschaft frisst.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Wer das nicht sieht, erz\u00e4hlt nur Mist!<\/p>\n<p><a title=\"PDF-Datei\" href=\"http:\/\/www.neschle.de\/download-manager.php?id=168\">PDF-Datei<\/a><br \/>\nThis post was downloaded by  1261  people until now.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Marktwirtschaft: Die Beleidigung Herr Neschle, es hat Zuh\u00f6rerfragen zu Ihrem Interview (Leon Neschle 68) gegeben. Um ehrlich zu sein, auch eine Menge Beleidigungen, die sehr pers\u00f6nlich wurden. Die moralische Lehre, die ich dem Fu\u00dfball verdanke: Die loyale Beachtung von Spielregeln, die gemeinsam festgelegt und freiwillig akzeptiert werden. (Albert Camus) Nun, Frau \u00f6\u00f6\u00f6hhh! Unpers\u00f6nlich ist nicht &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-69-11-woche-2010\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eLeon Neschle 69 (11. 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