{"id":516,"date":"2010-03-03T15:28:06","date_gmt":"2010-03-03T14:28:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-68-9-woche-2010\/"},"modified":"2020-06-20T14:54:14","modified_gmt":"2020-06-20T13:54:14","slug":"leon-neschle-68-9-woche-2010","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-68-9-woche-2010\/","title":{"rendered":"Leon Neschle 68 (9. Woche 2010)"},"content":{"rendered":"<header>\n<h2 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #4f81bd\">Das Interview zur Lage der Sozialen Marktwirtschaft<\/span><\/strong><\/h2>\n<\/header>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>Kontrolliert der Staat die Wirtschaft, treffen die Lehrer statt der Manager die wirtschaftlichen Entscheidungen. Wer erwartet da Besserung?<\/em> (Neschle)<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Herr Neschle, Sie sind ein ausgewiesener Experte der Sozialen Marktwirtschaft \u2026 <\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Nein, nein, noch darf ich in Deutschland wohnen. Noch bin ich nicht ausgewiesen!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Aber Sie bef\u00fcrchten das?<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wenn es so weiter geht mit der schleichenden Wiedereinf\u00fchrung des Sozialismus durch den Erfolg der Linken, dann ja. Dann werden die Renegaten sicher nicht mehr dulden, die vom rechten Glauben des Sozialismus abweichen. Allen Andersgl\u00e4ubigen werden sie die b\u00f6se Absicht unterstellen, den einzig moralischen Sozialismus torpedieren zu wollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Dabei zerst\u00f6rt der sich schon von ganz allein. Diejenigen, die gegen seine Prinzipien handeln, halten ihn sogar l\u00e4nger am Leben. Selbst die Schreberg\u00e4rten als Resterscheinungen der Privatwirtschaft in der DDR taten das. Die DDR ist \u00fcbrigens gar nicht so ehemalig, weil sie noch in den K\u00f6pfen mancher Leute herumgeistert, so als k\u00f6nnte sie alle guten W\u00fcnsche erf\u00fcllen wie der Lampengeist von Aladin. Doch es ist wie im M\u00e4rchen: Der Geist aus alten Zeiten ist t\u00fcckisch. Er erf\u00fcllt nie den Traum, sondern durch ihn wird der Wunsch zum Albtraum.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Worin sehen Sie da die gr\u00f6\u00dfte Gefahr?<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Dass die Leute meinen, gute Absichten allein gen\u00fcgen und sich nicht der Wirkungen bewusst sind, die ein sozialistisches Wirtschaftssystem mit sich bringt. Gute Absichten will ich der Linken gern zubilligen, sogar eine selbstzufriedene, pharis\u00e4erhafte \u00dcbermoral, die sich selbst verabsolutiert und die Moral ihrer Gegner diskreditiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Aber nach all den Skandalen in letzter Zeit, pfeift da die Soziale Marktwirtschaft nicht aus dem letzten Loch? Sind wir nicht mal eine Generation nach dem Hinscheiden des Sozialismus auch am Systemende der Sozialen Marktwirtschaft angekommen? <\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ich hoffe es nicht! Doch wenn es der politische Wille der Mehrheit in diesem Lande ist, dann ja. Aber was ist deren Alternative?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Denken Sie mal an den Fu\u00dfball. Da gab es auch jede Menge Skandale. Es gab Bestechung, Schiebung und Spieler, die jede Menge Kohle abgegriffen haben, ohne daf\u00fcr Leistung zu bringen, z.B. Albert Streit vom FC Schalke 04. Und da gibt es den Kr\u00f6sus Bundesliga und den Hungerleider Kreisklasse, der nur von Subventionen und der Begeisterung seiner Spieler lebt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Einigen ist es sicher egal, ob der Fu\u00dfball weiterlebt. Aber wer von denen, die sich daf\u00fcr interessieren, w\u00fcrde wegen solcher Dinge den Fu\u00dfball aufgeben? Keiner! Er w\u00fcrde allein einige Regeln und Bedingungen \u00e4ndern. Aber bei der Marktwirtschaft? \u2026 Da bin ich mir gar nicht so sicher!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Warum sollte das denn bei der Sozialen Marktwirtschaft anders sein?<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Da gibt es zwei Gr\u00fcnde: Erstens, weil die Lage hier ein wenig anders ist. Die gro\u00dfen Vereine, das sind hier die Unternehmungen, und reichen Spieler werden vom \u201eDFB\u201c, hier also dem Staat, dazu <i>gezwungen<\/i>, arme Vereine und Spieler zu unterst\u00fctzen. Das ist die Bedingung daf\u00fcr, dass die gro\u00dfen Vereine \u00fcberhaupt in der Bundesliga mitspielen d\u00fcrfen. Zweitens, weil die Leute das Spiel der Marktwirtschaft viel weniger verstehen als den Fu\u00dfball, obwohl sie t\u00e4glich damit zu tun haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Warum aber verstehen die Leute denn so wenig davon und Sie so viel?<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Nun, Frau .. \u00d6\u00f6\u00f6h, \u00e4\u00e4\u00e4hhhhhh, da will und muss ich mich in Bescheidenheit \u00fcben. Da gibt es nicht viel zu verstehen. Deutschland ist, anders als die angels\u00e4chsischen L\u00e4nder, ein Land, in dem der Weisheit des Staates schon immer mehr vertraut wird als der seiner B\u00fcrger. Den Deutschen gelingt etwas, was sonst niemand auf der Welt sich leistet: Er verachtet seine Beamten als faul und unf\u00e4hig, beneidet sie um ihren Status, fordert aber zugleich mehr staatliche Aufsicht durch genau diese Beamten.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Aber das ist doch ein Widerspruch!<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Sie sagen es! Wenn es die Marktwirtschaft nicht richtet, dann m\u00fcssen es eben diese Beamten tun, die im Auge des Deutschen aber \u00fcberwiegend arbeitsscheu, nachl\u00e4ssig und inkompetent sind. Wie also das? Wenn Sie sich mal ausmalen, dass diese Leute auch die wesentlichen wirtschaftlichen Entscheidungen f\u00e4llen sollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Das mag ja ein Vorurteil gegen\u00fcber den Beamten sein und in den meisten F\u00e4llen ist es auch so. Aber verdammt noch mal: Dann m\u00fcssen sich die Leute eben f\u00fcr eines ihrer Vorurteile entscheiden. Beide gleichzeitig vertr\u00e4gt der abendl\u00e4ndische Geist zumindest nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Na, das w\u00e4re trotzdem schlimm, wenn das Beamtentum auch die Wirtschaft regiert! Aber kommen wir zur\u00fcck zur Frage des mangelnden \u00f6konomischen Verst\u00e4ndnisses.<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Nun, Frau \u2026 hhmmm, das Ganze beginnt bei uns in der Schule. Da wird alles M\u00f6gliche gelehrt nur nicht das Verst\u00e4ndnis f\u00fcr wirtschaftliche Zusammenh\u00e4nge. Die meisten Lehrer haben das selbst nicht gelernt und sind immer noch von der \u00f6konomischen Gehirng\u00fclle der Alt-68er kontaminiert. Hinzu kommt, dass die Lehrer vom Staat bezahlt werden und gar nicht merken, dass dies ohne eine funktionierende Marktwirtschaft gar nicht m\u00f6glich w\u00e4re. Das ist in etwa so, als w\u00fcrden die DFB-Mitarbeiter glauben, sie bek\u00e4men ihr Geld auch ohne dass wirtschaftlich erfolgreich Fu\u00dfball gespielt wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Das sind knackige Worte. Aber l\u00e4sst sich der Staat denn mit dem DFB vergleichen?<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Der <i>marktwirtschaftliche<\/i> Staat ja, denn er bestimmt ja nicht das Ergebnis der Spiele, sondern regelt nur deren Abl\u00e4ufe, soweit er etwa den Spielbetrieb organisiert, auf die Spielregeln Einfluss nimmt und die Schiedsrichter stellt. Die Spielregeln hei\u00dfen Gesetze und die Schiedsrichter nur Richter. Nach diesen Regeln, deren Einhaltung die Schiedsrichter \u00fcberwachen, gibt es Spiele auf nationalem oder internationalem Niveau in den Stadien, die im Grunde die verschiedenen Marktpl\u00e4tze darstellen. Es gewinnt dabei nicht immer der Beste, sondern wegen der Ungewissheit auch mal derjenige, der mehr Gl\u00fcck hat. Nur nachhaltig kann man nicht auf sein Gl\u00fcck setzen. Denn das Gl\u00fcck ist eine Hure, mal hier mal dort.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>L\u00e4sst sich diese Metapher oder dieser Vergleich auch international durchhalten?<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wie beim DFB gibt es einen europ\u00e4ischen Verband, die EG statt der UEFA, und einen Weltverband, der nicht FIFA hei\u00dft, sondern UNO. Die UNO ist freilich st\u00e4rker zerstritten und hat weniger Einfluss auf das internationale Regelsystem als im Vergleich die FIFA. In der Wirtschaft sehen viel weniger Leute ein, dass nach denselben Regeln gespielt werden soll. Das hat zur Folge, dass sie entweder nicht mitspielen oder sich nach dem Spiel ungerecht behandelt f\u00fchlen. Das ist so, als w\u00fcrde der eine Fu\u00dfball nach Regeln wie im Rugby oder im American Football spielen wollen, aber der andere setzt seine Regeln durch und damit auch ein anderes Ergebnis.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Aber der Staat? Ist der vergleichsweise ohnm\u00e4chtig wie die Uno? Hat er weniger Macht als der DFB?<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Im Gegenteil: Der Staat ist in der Marktwirtschaft weit einflussreicher als der DFB im Fu\u00dfball. Ihm geh\u00f6ren zwar nur wenige Vereine und Stadien, aber ihm ist \u2013 anders als dem DFB \u2013 neben der Organisation des Spielbetriebs auch da die gesamte Sicherheit rund um die Stadien, also die M\u00e4rkte, unterstellt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Und wer bezahlt den Staat daf\u00fcr?<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Vor allem die Spitzenvereine der Wirtschaft \u00fcber Steuern und sonstige Abgaben. Relativ gesehen wird aber von den Vereinen der mittleren Klasse eher mehr verlangt, zumal die gro\u00dfen Vereine bei ihren Spielen in erheblich gr\u00f6\u00dferen Umfang kostenlos Sicherheitsleistungen erhalten. Das nennt sich Subvention und die Gro\u00dfen bekommen davon einen gro\u00dfen Batzen, auch wenn sie es selbst bezahlen k\u00f6nnten. Manchmal kommt es auch vor, dass Vereine ihren Beitrag nicht zahlen wollen oder ihren Beitrag betr\u00fcgerisch reduzieren. Das tun sie auch deshalb, weil sie im Grunde sie nicht mehr Leistungen vom Staat erhalten, wenn ihr Beitrag h\u00f6her ist. Das sind dann die Steuerhinterzieher. Oder die Steuerverweigerer, die dieses Spiel \u00fcberhaupt nicht mitspielen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Was ist also mit den denen, die dieses Spiel nicht mitspielen und mit den kleinen Vereinen?<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Zu denen Verweigerern des Mitspielens geh\u00f6rt auch die Gruppe der HartzIV-Empf\u00e4nger, die arbeiten k\u00f6nnte, aber es nicht tut und sich in der H\u00e4ngematte der Sozialhilfe eingerichtet hat. Das ist sicher nicht die Mehrheit dieser Leute, aber es gibt sie. Die zahlen unterm Strich nichts oder werden unterst\u00fctzt von denjenigen, die bei diesem Spiel erfolgreich sind. Das eben ist das Soziale an der Marktwirtschaft.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Aber wenn immer weniger mitspielen und immer mehr Unterst\u00fctzung wollen, dann \u00fcberfordert das irgendwann den Spielbetrieb. Wenn die Spieler der kleinen Vereine, die mitspielen oder auf der Bank sitzen und mitspielen wollen, unterm Strich weniger bekommen als die Nichtspieler, dann wird es brenzlig. Denn gerade diese \u201ekleinen\u201c Spieler m\u00fcssen das Spiel nicht als Hobby betrachten, sondern als bitteren Ernst, um f\u00fcr ihren Lebensunterhalt zu sorgen. Das ist anders als beim Fu\u00dfball!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Aber hinkt dann nicht ihr Beispiel?<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ja, aber nur mit einem Bein. Und nicht alles was hinkt, ist ein Beispiel. Schon gar kein gutes! Der ganze Sozialismus etwa.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Was soll denn daran so schlecht sein? Der Staat, also wir alle, stehen da doch solidarisch f\u00fcreinander ein!<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Der Staat ist da noch weniger \u201eWir alle!\u201c als heute. Es gibt bislang kein sozialistisches Land, das nicht am Ende von einer verkrusteten Riege alter M\u00e4nner kontrolliert wurde. Doch diese Diskussion f\u00fchrt uns hier auf Abwege. Also lassen Sie uns zum Wirtschaftssystem zur\u00fcckkehren \u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>\u2026 und zu Ihrem Fu\u00dfballbeispiel \u2026<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Von mir aus. In einer Marktwirtschaft l\u00e4uft das Spiel nach Regeln ab, die von Zeit zu Zeit kritisch diskutiert werden (Denken Sie etwa an Torrichter oder an den Chip im Ball!). Ansonsten aber ist der Ausgang eines Spiels unsicher. Er beruht auf K\u00f6nnen <i>und <\/i>Gl\u00fcck, was allzu oft geleugnet und dem K\u00f6nnen zugeschrieben wird. Wurde das Spiel nach gerechten Regeln gespielt, wird jeder \u2013 ich betone jeder \u2013 Ausgang akzeptiert. Gerecht ist das Ergebnis hier, wenn es nach als gerecht betrachteten Regeln zustande kam. Da kann auch ein Verein mal hoch gewinnen oder verlieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Also ist es nicht ungerecht, wenn ein Verein Zw\u00f6lf zu Null gewinnt?<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Solange es nach gerechten Regeln verl\u00e4uft nicht. Das schafft ja gerade den Antrieb f\u00fcr alle, es der Siegermannschaft gleichzutun. Der Erlass und die \u00dcberwachung dieser Regeln ist \u00fcbrigens die Aufgabe des \u201eDFB-Staates\u201c. Wichtig ist dabei wie beim Fu\u00dfball, dass man das System nicht \u00fcberreguliert, schon gar nicht mit sich widersprechenden Regeln und dass die Richter das Spiel nicht zerpfeifen und die Vorteilregel richtig auslegen. Nur dann macht das Spiel richtig Laune, weil es in Gang gehalten und nicht von Dauerquerelen unterbrochen wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Und was bedeutet in dem Zusammenhang \u201eSoziale Marktwirtschaft\u201c?<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Soziale Marktwirtschaft geht am Ende der Saison hin und nimmt der Siegermannschaft ein paar Tore weg, um sie den Verlierermannschaften zuzuordnen, damit auch die weiter mitspielen wollen oder k\u00f6nnen. Das Schwierige dabei ist, dass dadurch der Tabellenstand nicht ver\u00e4ndert werden darf. Denn das werden die f\u00fchrenden Vereine und ihre Spieler noch verkraften und akzeptieren. Sie haben sich am meisten angestrengt. W\u00fcrde diese Umverteilung den Tabellenstand ver\u00e4ndern, w\u00fcrde das Spiel den Mannschaften kaum mehr Spa\u00df machen. Diese Lage haben wir derzeit zwischen HartzIV-Empf\u00e4ngern und Geringverdienern.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Und wie w\u00e4re es, wenn wir die Soziale Marktwirtschaft durch den Sozialismus ersetzen?<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">F\u00fchren wir ein sozialistisches System nach planwirtschaftlichem Muster ein, dann wird zwar weiter Fu\u00dfball gespielt. Aber egal wie gut eine Mannschaft ist und ob und wie der einzelne Spieler sich einsetzt: Alle Ergebnisse werden einfach vom DFB-Kontrollausschuss festgelegt, in aller Regel sogar im Vorhinein.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Aber wer hat dann noch Lust zum Fu\u00dfballspielen?<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Im Grunde lohnt es sich gar nicht mehr zu spielen. So wird das Ganze zu einer lustlosen Pflichtveranstaltung. Das ist ein ernstes Problem, wenn nicht gar der Knackpunkt. Aber letztlich beobachten wir dasselbe Ph\u00e4nomen derzeit in unserer Wirtschaftsordnung bei HartzIV-Empf\u00e4ngern, die eigentlich wieder mitspielen wollen. \u00d6konomisch lohnt es sich nicht f\u00fcr sie. Es gibt nur den Stolz und das Pflichtgef\u00fchl als Antrieb und auf die kann man sich eben nur bei wenigen Menschen verlassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Sehen Sie das nicht zu skeptisch?<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Also, Frau \u2026 \u00c4hhem, da denken Sie mal an die Helden der Arbeit und die vielen vorbildlichen sozialistischen Pers\u00f6nlichkeiten. Die waren nicht anderes als Ikonen des Pflichtbewusstseins gegen\u00fcber der Systemidee des Sozialismus. Sie sollten die fehlenden \u00f6konomischen Anreize ersetzen. Und hat das geklappt? \u2026.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Sie werden es mir sagen!<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Neee! Mal als Strohfeuer in einer der vielen Kampagnen, die man brauchte, um wenigstens die Wirtschaft zum Glimmen zu bringen. Ein echtes Feuer konnte man damit freilich nicht entfachen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Aber viele Menschen sehnen sich doch nach der sozialen Sicherheit der ehemaligen DDR zur\u00fcck.<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Diese Schein-Sicherheit wurde erkauft durch einen niedrigen Lebensstandard, durch die Unsicherheit des Systems und am Ende durch dessen Zusammenbruch. Das war <i>Leben auf Dauer-Pump<\/i>. Nur pumpte man sich Sicherheit. Die DDR war ein Versicherungssystem, f\u00fcr das jahrzehntelang niemand die \u00f6konomisch notwendigen Versicherungsbeitr\u00e4ge zahlte. Ein riesiger \u201eVersicherungsverein auf Gegenseitigkeit\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Da schenkte der Staat zwar allen diese Versicherung, aber alle <i>h\u00e4tten<\/i> auch f\u00fcr die Sch\u00e4den haften m\u00fcssen, wenn nicht die Wende gekommen w\u00e4re. Selbst f\u00fcr solche Sch\u00e4den, die nur deshalb entstehen, <i>weil<\/i> jeder versichert ist, denn warum soll er da noch viel tun. <i>Moral Hazard <\/i>nennt das die \u00d6konomie.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Je \u00e4lter die DDR wurde, umso mehr kostete die Gesamtversicherung des Volkes. Im Westen verkauften Versicherungsvertreter daf\u00fcr Versicherungen. Und die Volksvertreter der DDR? Die verkauften das Volk, das am Ende gar nicht mehr allein f\u00fcr die Folgen der jahrzehntelangen Scheinsicherheit haften konnte. Daf\u00fcr hafteten am Ende vor allem die B\u00fcrger der alten Bundesrepublik. Und es gibt ja nicht wenige Rentner im Westen die erbost dar\u00fcber sind, dass die Rentner im Osten insgesamt sogar besser dran sind, wenn sie auf staatliche Rente allein angewiesen sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Und deshalb m\u00f6gen Sie es nicht, wenn die Linke \u2026.<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Da haben Sie v\u00f6llig recht! \u2026.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Das ist ein sch\u00f6nes und w\u00fcrdiges Schlusswort. Unsere Zeit ist um. Haben Sie vielen Dank! Ich freue mich schon auf das n\u00e4chste Interview, Herr Neschle.<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Lieben Dank, Frau \u2026. hmm \u00e4h, \u00f6h.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Und damit zur\u00fcck nach Hamburg. <\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Der deutsche Mensch versteht sehr viel,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">von dem beliebten Fu\u00dfballspiel.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Doch spricht jemand von Marktwirtschaft,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">versagt des Deutschen Geisteskraft.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Dabei k\u00f6nnt man es \u00fcbertragen,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">was wir so \u00fcber Fu\u00dfball sagen?<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p style=\"text-align: center;\">Was immer auch am Ball passiert,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">das Resultat wird akzeptiert,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">denn alle billigen die Regeln,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">nach der sie den Erfolg \u201eauskegeln\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">K\u00f6nnen gewinnt und manchmal Gl\u00fcck,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">doch niemand dreht das Rad zur\u00fcck. \u2013<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p style=\"text-align: center;\">Am gr\u00fcnen Tisch der Sozialist<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">sagt, was gerechte Sache ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Bevor einer den Ball sich nimmt,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">ist das Ergebnis schon bestimmt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Da lohnt sich weder Gl\u00fcck noch K\u00f6nnen,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">egal wie da die Spieler rennen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p style=\"text-align: center;\">Die Lust am Spiel vergeht sehr schnell,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">gefordert wird, dass nun ideell<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">jeder sich einsetzt und mit Kraft<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">den echten Sozialismus schafft.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Doch innen drin regiert der Frust,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">zu diesem Spiel hat keiner Lust.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p style=\"text-align: center;\">Doch kaum jemand hat je kapiert,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">warum so etwas kollabiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Wenn Anreize zum Beitrag fehlen,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">der Staat kann jedem alles stehlen,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">fehlt schlie\u00dflich auch die M\u00f6glichkeit,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">f\u00fcr die Soziale Sicherheit.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p style=\"text-align: center;\">Und alle m\u00fcssen dann probieren,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">die Standards stets zu reduzieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Der Propaganda falschen Ton<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">entlarvt der br\u00f6ckelnde Balkon.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Am Ende glaubt man daher eher,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">man sei zu Gast in Nordkorea.<\/p>\n<p><a title=\"PDF-Datei\" href=\"http:\/\/www.neschle.de\/download-manager.php?id=166\">PDF-Datei<\/a><br \/>\nThis post was downloaded by  1200  people until now.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Interview zur Lage der Sozialen Marktwirtschaft Kontrolliert der Staat die Wirtschaft, treffen die Lehrer statt der Manager die wirtschaftlichen Entscheidungen. 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