{"id":5,"date":"2007-02-15T16:56:40","date_gmt":"2007-02-15T15:56:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.neschle.de\/wordpress\/?p=5"},"modified":"2020-06-21T16:23:30","modified_gmt":"2020-06-21T15:23:30","slug":"5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/5\/","title":{"rendered":"Leon Neschle 1 (8. Woche 2007)"},"content":{"rendered":"<header>\n<h2 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #4f81bd\">Bachelor und Master: Gesellen und Meister f\u00fcr die akademischen Z\u00fcnfte<\/span><\/strong><\/h2>\n<\/header>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>Wenn man im Mittelpunkt einer Party stehen will, darf man nicht hingehen.&nbsp;<\/em>(Audrey Hepburn)<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Das ist der akademische Trend: Weg vom Diplom, hin zu <i>Geselle<\/i> und <i>Meister<\/i>. Die Gesellen und Meister kommen aus Bologna, dem gro\u00dfen Bruder von Pisa, sprechen sich aber englisch aus: <i>\u201eBachelor<\/i> and <i>Master\u201c<\/i>.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Fr\u00fcher wurden Fach- und Gesamthochschulen von den Universit\u00e4ten bel\u00e4chelt. In den universit\u00e4ren Verein, den Fakult\u00e4tentag, wurden sie nicht aufgenommen. Heute machen die Universit\u00e4ten dasselbe wie die Fachhochschulen, wollen es nur nicht so aussehen lassen: Sie bieten Kurzzeitstudieng\u00e4nge f\u00fcr Bache-Loren und -Lorenze an oder muten sie zu, wie fr\u00fcher die Fach- und Gesamthochschulen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Der Unterschied zur Gesamthochschule: Nun sind die Abschl\u00fcsse \u201ekonsekutiv\u201c, nicht \u201ealternativ\u201c, stehen also hintereinander: Meister folgt auf Geselle; manchmal Master of Business Administration auf Bachelor of Design. So wie im Handwerk der Friseurmeister manchmal auf den Abschluss als Maurergeselle folgt! Oder? Da ist an den Hochschulen jetzt fast alles m\u00f6glich. Bei der Gesamthochschule war es damals noch das Y-Modell: Nach gemeinsamer \u201eGrundschulung\u201c verzweigte sich das Modell in einen l\u00e4ngeren, theoriebezogenen Universit\u00e4tsabschluss und einen k\u00fcrzeren, praxisbezogenen Fachhochschulabschluss. In gewissem Sinne ist jetzt alles \u201eGesamthochschule\u201c: <i>Jeder tut alles, was er kann, auch ohne alles zu k\u00f6nnen, was er tut.<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Manche Fachhochschulen verleugnen mit dem Segen der Ministerien neuerdings ihr \u201eFachdasein\u201c, indem sie die Vorsilbe \u201eFach\u201c streichen. So etwa die <i>\u201eHochschule Niederrhein\u201c<\/i> aus der Seidenstadt Krefeld, obwohl sie dadurch manchem eher \u201ehalbseiden\u201c daherkommt.. Gerade einstige \u201eFachhochschulen\u201c machen derzeit viel Wind mit ihrem kurzen Hemd. Seit auch sie den Master blastern<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a>, lassen sie sich noch viel gerner <i>University of Applied Sciences<\/i> als \u201eHochschule\u201c nennen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Transparenz des Bildungsmarktes nimmt allerdings dadurch nicht zu, wenn k\u00fcnftig fast jede Bildungsinstitution \u201e<i>Geselle\u201c<\/i> und \u201e<i>Meister\u201c<\/i> auf ihr Zertifikat schreibt. Denn dahinter verbergen sich ganz unterschiedliche Inhalte und Qualit\u00e4ten. Dennoch wird diese Verw\u00e4sserung und Verzerrung der Qualit\u00e4tssignale als \u201eIntensivierung des Bildungswettbewerbs\u201c gefeiert. Als ob die Verdunkelung von Markttransparenz je dem Wettbewerb f\u00f6rderlich war!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wie aber kam es zu dieser Verdunkelung? Schauen wir etwas n\u00e4her hin und holen dazu etwas aus, um am Ende mehr herauszuholen!<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>A. Education by Jeans und der Schafsinn deutscher Manager.<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Es ist erstaunlich, wie viele Bildungsexperten die deutsche Wirtschaft im Top-Management hat. Jeder Manager oder Politiker, der nicht in der Lage ist, seinen Job vern\u00fcnftig zu machen, wei\u00df einen Bereich, wo es noch schlechter ist: die Hochschul(aus)bildung. Mit dem Finger auf den Macken der Universit\u00e4t kann man von sich selbst und seinem horrenden Gehalt ablenken. Wie soll das Management auch erfolgreich sein, wenn von den staatlichen Hochschulen nur Nieten kommen? Staatliche Hochschulen machen nur noch Education by Jeans. Und das schafft die Nieten in Hosen und R\u00f6cken, die heute unseren Managementnachwuchs ausmachen?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Die deutsche Wirtschaft glaubt jedenfalls nicht mehr, das staatliche Hochschulsystem k\u00f6nne sie mit guten oder hinreichenden Managementqualit\u00e4ten beliefern, obwohl dadurch das Wirtschaftswunder nach dem Krieg nicht verhindert werden konnte.<\/i> Es muss daher anders werden! Die Top-Manager nehmen nun selbst die Nachwuchsausbildung in die Hand und leisten ganz nebenbei das, was die Professoren hauptberuflich jahrzehntelang nicht geschafft haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Deutsche Firmen gr\u00fcnden gemeinsam oder allein \u201eUniversit\u00e4ten\u201c<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> in Berlin oder Wolfsburg mit Schwerpunkt Betriebswirtschaftslehre. Von Unternehmen beeinflusste private Hochschulen und Fachhochschulen schaffen mit Unterst\u00fctzung der Unternehmungen Studienpl\u00e4tze au\u00dferhalb des staatlichen Universit\u00e4ts- und Fachhochschulsystems: in Witten-Herdecke, Oestrich-Winkel oder in Vallendar (Koblenz), ebenfalls vorzugsweise mit betriebswirtschaftlichem Schwerpunkt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Der Ma\u00dfstab liegt daf\u00fcr jenseits des Teichs. Das US-amerikanische System ist das \u201einternationale\u201c Vorbild. Diesem Leithammel rennt man mit Schafsinn hinterher, statt mit Scharfsinn zu erkennen, dass es ein arger Leidhammel sein k\u00f6nnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">In den USA sprechen derweil die Nachrichten ebenso oft von <i>Bildungskrise<\/i> wie hierzulande. Deutsche Manager und Politiker \u00fcberh\u00f6ren das. Sie verwechseln die Klasse amerikanischer Ausnahmeuniversit\u00e4ten, die von enormen Finanzmitteln und vom Import herausragender ausl\u00e4ndischer Wissenschaftler und Studenten profitieren<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a>, und die bescheidene Qualit\u00e4t der amerikanischen Durchschnittsuniversit\u00e4t. \u00dcbersieht man zudem den US-Provinzialismus<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a>, setzt ihn gar mit \u201eInternationalit\u00e4t\u201c gleich, so sind das Vorbild \u201eUS-System\u201c und die Angleichung daran die logische Folge.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wer aber falsche Informationen mit Logik verarbeitet, hat schon immer Mist produziert. \u201eGarbage in, garbage out!\u201c sagt man in der Computersprache. Schlie\u00dflich kann man auch bei bester Verarbeitung aus faulen Eiern kein genie\u00dfbares Omelett machen und schon gar kein gutes.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Private Hochschulen verfallen der Tendenz zur Amerikanisierung st\u00e4rker als \u00f6ffentliche. Lange haben sie auf die \u00dcbernahme dieses Hochschulsystems geschielt, weil sie in ihrer enormen Weltl\u00e4ufigkeit jede amerikanische Universit\u00e4t f\u00fcr Harvard hielten, jede britische f\u00fcr Cambridge. Im Bologna-Prozess wurde dann ganz ohne Anwalt das Todesurteil \u00fcber das deutsche Diplom gesprochen: Deutsche Unis sind dumm und ihre Dummheit ist gleichverteilt. Angels\u00e4chsische sind schlau und haben sogar Elite-Spitzen. Deshalb kupfert man ab, was man dort vorzufinden meint (das ist beileibe nicht dasselbe, was man dort tats\u00e4chlich vorfindet), schreibt es allen Hochschulen vor und nennt das <i>St\u00e4rkung der Freiheit der Wissenschaft<\/i>.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>B. Hier werden Sie ein- und ausgebildet, doch nicht geholfen.<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Deutschland leidet an chronischem Waschzwang, wenn es sauber ist, und es bewirft sich noch mit Dreck, wenn es schon schmutzelt.<\/i> Mit Dreck bewirft man derzeit das Diplom, einen vormals nicht nur beim Diplom-Ingenieur hochgelobten Abschluss. Man wirft es fort statt es aufzupeppen und sich damit an die Spitze zu setzen. Und man \u00fcbernimmt mit den akademischen \u201eGesellen und Meistern\u201c das abgelaschte und verwaschene Profil einer gespaltenen und zerfransten angels\u00e4chsischen Hochschullandschaft.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Diese \u00dcbernahme der angels\u00e4chsischen Studienform wird ihre Problematik hierzulande bald zeigen. Eines ist schon heute sichtbar. Das deutsche Diplom war einst ein Markenartikel unverwechselbarer Qualit\u00e4t. Es war ein Etikett auf einem Produkt, das alle Universit\u00e4ten in beinahe gleicher Form lieferten. Das hat man aufgegeben.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Internationale akademische Gesellen und Meister werden nun in der ganzen Welt (von S\u00fcdafrika bis Australien, von Finnland bis Polen) nach jeweils landes\u00fcblichen Kriterien und Qualit\u00e4tsstandards gefertigt; auch in Deutschland k\u00fcnftig an allen Universit\u00e4ten und Fachhochschulen. Nicht nur, sondern auch deshalb sind Gesamthochschulen heute verzichtbar. Wer aber glaubt wirklich, dass sich hinter dem weltweit gleichen Etikett auch vergleichbare Inhalte verbergen? Dazu muss man schon mit dem Klammerbeutel gepudert sein!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Dabei hat man es ahnen k\u00f6nnen. Denn Mogelpackungen mit dem Etikett <i>\u201eBachelor\u201c<\/i> oder <i>\u201eMaster\u201c<\/i> gibt es schon seit Jahren und zuhauf. Gerade aus dem Land, das f\u00fcr die Freunde des akademischen Gesellen- und Meisterbriefs <i>das<\/i> Vorbild ist. Durchschnittliche deutsche Studenten fuhren nach dem vierten Semester in die USA und kehrten nach zwei Semestern mit dem Mastertitel und h\u00e4ufig als \u201eBest in Class\u201c zur\u00fcck. Dann b\u00fcffelten sie noch semesterlang bis zum Diplom. <i>Sie konnten sich zwar mit einem amerikanischen Mastertitel schm\u00fccken, doch der war ihnen weniger wert als das deutsche Diplom.<\/i> Diese Zeit ist nun vorbei, weil es das einst h\u00f6herwertige Diplom nicht mehr gibt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Manager und Politik gaukeln uns derweil das Gegenteil vor: Der internationale Mastertitel sei wertvoller als das deutsche Diplom. Da hat man den Blick auf dem extrem gespaltenen amerikanischen Bildungsmarkt offenbar auf die wenigen Elite-Universit\u00e4ten geheftet, die weltweit nur Elite-Studenten rekrutieren. Man misst sich an diesen Universit\u00e4ten, ohne die v\u00f6llig anderen Voraussetzungen finanzieller und sonstiger Art an deutschen Universit\u00e4ten zu beachten. Daher kopiert man bestenfalls die Bedingungen der amerikanischen Durchschnittsuniversit\u00e4t und betrachtet es trotzdem als Aufbruch in eine neue Dimension.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Das ist es auch! Es ist so, als g\u00e4be man das Reinheitsgebot f\u00fcr deutsches Bier auf, um sich internationalen Standards anzugleichen, und behauptete, man habe damit viel f\u00fcr die Qualit\u00e4t des deutschen Bieres getan. Mag ja sein, dass einige internationale Brauer mit erlesensten Zutaten aus den besten Anbaugebieten der Welt ein besseres Bier brauen als die deutschen Durchschnittsbrauerei. Doch zugleich stellt man sich so auf eine Stufe mit jedem beliebigen Ges\u00f6ff, das es dort eben auch und viel h\u00e4ufiger gibt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Da hilft nur noch die laufende Verkostung, um bei der Qualit\u00e4t auf dem Laufenden zu bleiben. Ranking und Rating von Hochschulen werden daher k\u00fcnftig eine dominierende Rolle spielen. Rating und Ranking gehen hierzulande aber zumeist so vor: <i>Um etwa die Leistung in der Lehre zu beurteilen, stellt man ab auf die Qualit\u00e4t des durchschnittlichen Absolventen. Auf dieser Basis werden dann \u201eleistungsgerecht\u201c die Finanzmittel f\u00fcr die Hochschulen verteilt! Ist doch fair? Oder? <\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Bei fast allen Ratings der Lehre liegt dieser Gedanke zugrunde. &#8211; Apropos \u201ezugrunde\u201c! Zugrunde richtet er unser Hochschulsystem, denn er beruht auf einem fundamentalen Denkfehler: Kann man die Qualit\u00e4t einer Hochschulausbildung und die Leistung der Hochschule sinnvoll messen ohne R\u00fccksicht auf Vorkenntnisse und Studentenzahl? Ein Beispiel aus der Praxis:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Einer privaten Hochschule wurden die Fremdsprachenkenntnisse ihrer Absolventen als <i>eigene<\/i>(!) Qualit\u00e4t zugerechnet. Diese Kenntnisse waren jedoch wichtigstes <i>Zugangs<\/i>kriterium. Die Studenten brachten die F\u00e4higkeiten bereits mit. Da schm\u00fcckte man die Universit\u00e4t mit den fremden Federn anderer Bildungsinstitutionen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Und die Zahl der Studierenden? Spielte sie keine Rolle, leistete die Hochschule die beste Arbeit, in der alle Professoren ganz intensiv einen einzigen ausgew\u00e4hlten Studenten elite-ausbilden. Mit dessen selbst gen\u00fcgenden Leistungs-Durchschnitt katapultieren sie ihre Alma Mater so an die Spitze jeden Rankings. Die Professoren haben scheinbar(!) am meisten geleistet, weil dieser eine Student ausgehend von einer hohen Vorqualifikation die h\u00f6chste \u201edurchschnittliche\u201c Endqualifikation erreichte.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Seine Fakult\u00e4t bekommt nun mehr Finanzmittel, nicht jedoch die Fakult\u00e4ten, die Massen minderbegabter Studierender viel h\u00f6her heben als es die Massen an Professoren mit ihrem einen auserw\u00e4hlten Elite-Studenten tun. Das ist in etwa so:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Zwei Vereine treten zum Hochsprungwettbewerb an. Gewonnen hat der Verein, dessen Springer im Durchschnitt die h\u00f6chste H\u00f6he erreichen. Der erste Verein reist mit einer Vielzahl von Trainern an, aber nur mit einem einzigen, gut ausgew\u00e4hlten Springer. Der hat schon bei fr\u00fcheren Meisterschaften gegl\u00e4nzt. Die vielen Trainer haben es aber geschafft, dass er noch zehn Zentimeter h\u00f6her springt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Der zweite Verein hat nur halb so viele Trainer und tritt mit tausend Springern an. Nach intensivem Training springen alle drei\u00dfig Zentimeter h\u00f6her, <i>im Durchschnitt<\/i> (!) aber zu niedrig, um den ausgew\u00e4hlten Elite-Springer des ersten Teams zu schlagen. Dabei ist es nicht ausgeschlossen, dass mehrere der tausend Studenten den einen Elite-Springer besiegen<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a>. Der streng selektierte Elite-Springer k\u00f6nnte wahrscheinlich sogar den hundertsten Platz erreichen und w\u00fcrde immer noch den Durchschnittsspringer des zweiten Teams schlagen. Das ist das entscheidende Kriterium. Das Ergebnis ist daher gleichwohl: Verloren hat die zweite Mannschaft und deren Trainer. Die Sportf\u00f6rderung wird hier gek\u00fcrzt, die Mittel flie\u00dfen dem ersten Team zu. Im Klartext:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Weniger Professoren k\u00f6nnen einen h\u00f6heren Bildungsmehrwert an viel mehr Studenten generieren als viele Professoren an wenigen Studenten. Gemessen wird allein das durchschnittliche Gesamtergebnis. Das kann bei den wenigen Studenten h\u00f6her liegen, obwohl mehr Studenten aus dem Kreis der vielen \u00fcber dem Durchschnittswert liegen. Es ist auch klar, wie man hier nach oben kommt: Strikte Vorauswahl der Studierenden, im Zweifel weniger als mehr! F\u00fcr die Professoren und ist das sch\u00f6n. Sie bekommen auch die Vorleistungen ihrer Studenten als eigene Leistung zugerechnet. Aber hat schon einmal jemand die gesellschaftlichen Wirkungen zu Ende gedacht? &#8211;<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">So und nicht anders geht das bei der Mittelverteilung nach dem Rating. Wer hat <i>sich<\/i> das geleistet? Dreimal darf man raten! Bei dem, was Rater hier raten (sprich: \u201eR\u00e4ter hier r\u00e4ten\u201c), ist man bei uns jedenfalls nicht gut beraten. Denn die Eigen-Leistung der Universit\u00e4ten liegt nicht im Endergebnis eines Durchschnitts-Studenten, der bereits auf h\u00f6chstem Niveau in die Universit\u00e4t eingetreten ist. Sie liegt im Mehrwert, den die Ausbildung \u00fcber alle Studierenden hinweg schafft! &#8211;<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">In Deutschland fertigen neben Universit\u00e4ten nun auch die Fachhochschulen die Abschl\u00fcsse mit Einheitsetikett, aber verschiedenen Inhalten und Qualit\u00e4ten. <i>Die Studieng\u00e4nge werden akkreditiert nach einer formalen und strukturellen Pr\u00fcfung, Inhalte lassen sich jedoch nach wie vor fast beliebig gestalten. Das senkt die Markttransparenz im Bildungsmarkt und steigert zugleich den B\u00fcrokratismus.<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Und im angels\u00e4chsischen Ausland ist man mit der Anerkennung der \u201egeklauten Titel\u201c zur\u00fcckhaltend, bei denen nun Deutsche, Italiener oder Polen angeblich nach der Originalrezeptur von Harvard &#8211; doch mit ganz anderen Inhaltsstoffen und anderer Verarbeitung &#8211; eine f\u00fcr die Originatoren nicht mehr einsehbare Qualit\u00e4tskontrolle aus\u00fcben.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Jedes Franchise-System w\u00fcrde Franchise-Nehmer herauswerfen, die sich nicht an die Regeln des Systems halten und undurchsichtige Qualit\u00e4ten liefern. Wer bei McDonalds die Kl\u00f6pse nicht strikt nach der Norm fertigt, fliegt raus und darf den Namen nicht mehr f\u00fchren. Bei Kl\u00f6psen im Hochschulsystem gibt es diese M\u00f6glichkeit nicht. Da firmiert alles weiter unter denselben Namen. Da hei\u00dfen ganz unterschiedliche Kl\u00f6pse \u201eGesellenkl\u00f6pse\u201c und \u201eMeisterkl\u00f6pse\u201c. Also scheint Skepsis angebracht!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Was w\u00fcrden wir denn tun, h\u00e4tte man in den USA das deutsche Diplom f\u00fcr sich reklamiert? Vertrauensbedingt gibt es immer einen \u201eHome Bias\u201c. Den hat Agatha Christie in der <i>Zeugin der Anklage<\/i> beschrieben: <i>Die einzige Aussage zu seinen Gunsten (des englischen Angeklagten) k\u00f6nnte von seiner (deutschen) Frau kommen \u2013 und wer wird schon einer Ehefrau glauben. Dazu ist sie noch eine Ausl\u00e4nderin. Neun der zw\u00f6lf Geschworenen glauben von vornherein, dass jeder Ausl\u00e4nder ein L\u00fcgner ist. <\/i>Ich f\u00fcge hinzu: <i>Vor allem, wenn er stiehlt und seien es Titelbezeichnungen!<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wer kennt bislang die wenigen Bachelor oder Master aus Deutschland? Selbst wenn die neuen \u201eGesellen und Meister\u201c hierzulande besser ausgebildet w\u00e4ren als die englischen oder amerikanischen: Die Titeltr\u00e4ger eines Bachelor- oder Mastergrades von einer deutschen Hochschule m\u00fcssen sicher noch Jahre angels\u00e4chsischem Argwohn trotzen. <i>Denn kein Champagner w\u00fcrde sich Perlwein nennen. Umgekehrt schon!<\/i><\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>C. Kann falsches richtig sein? Private und \u00f6ffentliche Hochschulen.<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Aber halt: Da sind doch k\u00fcnftig deutsche Elite-Universit\u00e4ten! Selbst wird es weder vergleichbare finanzielle Bedingungen geben noch ein vergleichbares Umfeld wie an den Elite-Universit\u00e4ten der USA. An amerikanischen Universit\u00e4ten sind die Hochschullehrer von Verwaltungsarbeit entlastet. Sie k\u00f6nnen sich auf ihre Kernkompetenz \u201eForschung und Lehre\u201c konzentrieren. Die Verwaltungsarbeit deutscher Hochschullehrer steigt derweil noch an. Dass hierzu dennoch die Begleitmusik der Entb\u00fcrokratisierung gespielt wird, verwundert nicht. Bei einer vorherigen Kampagne zur leistungsorientierten Bezahlung der Hochschullehrer hat man die Entgelte f\u00fcr die Korrektur von Klausuren, Diplomarbeiten, Dissertationen und m\u00fcndlichen Pr\u00fcfungen ersatzlos gestrichen. Danach bekamen alle Professoren unabh\u00e4ngig von ihrer Pr\u00fcfungsleistung dasselbe. &#8211; Verstanden? Nicht? Dann sind <i><u>Sie<\/u><\/i> gesund!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Man kann daraus sogar den Schluss ziehen: Es wird immer das Gegenteil von dem getan, was man ank\u00fcndigt. Und es wird vorausgesetzt, dass alle das verstehen. So auch beim B\u00fcrokratieabbau. Der h\u00e4tte nur eine Chance, w\u00fcrde sich die Hochschulpolitik den B\u00fcrokratie<i>aus<\/i>bau auf die Fahnen schreiben. Mittlerweile mutet man den Hochschullehrern sogar zu, die eigene Verwaltung zu verwalten, etwa die Gleitarbeitszeit ihrer Sekret\u00e4rin. Das haben sie informal zwar schon fr\u00fcher getan, heute aber sollen sie zus\u00e4tzlich schriftliche Vertr\u00e4ge abfassen und die Zeitguthaben oder \u2013defizite f\u00fcr die zentrale Hochschulverwaltung nachvollziehbar festhalten und schriftlich best\u00e4tigen. Wohlgemerkt: Sachlich \u00e4ndert sich dadurch nichts!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ob man es glaubt oder nicht: Das ist die direkte Folge der \u201eEntb\u00fcrokratisierung\u201c der Hochschulen. <i><u>\u201eEntb\u00fcrokratisierung\u201c Marke \u00f6ffentliche Universit\u00e4t ist, wenn man die Zentralverwaltung entlastet und deren Aufgaben an Fachbereiche und Hochschullehrer \u00fcbertr\u00e4gt, ohne denen mehr Personal zu geben.<\/u><\/i> Dann braucht die Zentralverwaltung selbst wieder Personal, um die Einhaltung aller Vorgaben f\u00fcr die dezentrale Verwaltung zu \u00fcberwachen. Tats\u00e4chlich ist das Dezentralisierung <i>der Verwaltungs-Arbeit<\/i> mit B\u00fcrokratieausweitung, um die Kontrolle der zentralen Verwaltung zu erhalten. Mit Dezentralisierung, die Flexibilit\u00e4t erh\u00f6ht, hat das nichts zu tun. Ern\u00fcchternde Erkenntnis: Die \u00f6ffentliche Hochschule dient der Verwaltung, nicht die Verwaltung der Hochschule. Das ist bei den privaten Hochschulen zum Gl\u00fcck ein wenig anders.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">F\u00fcr die Richtigkeit einer hochschulpolitischen Neuausrichtung scheint zu sprechen, dass private Hochschulen in j\u00fcngster Zeit bei fast allen Rankings und Ratings von Hochschulausbildung beim Durchschnittsstudenten im Ergebnis vor den staatlichen Hochschulen liegen<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a>. Bilden sich hier die Elitehochschulen heraus, die nun auch bei \u00f6ffentlichen Universit\u00e4ten gefordert werden? Die vom Staat dazu bereitgestellten finanziellen Mittel sind selbst in \u201eExzellenzinitiativen\u201c Rinnsale im Vergleich zu den Finanzstr\u00f6men, die sich \u00fcber Harvard &amp; Co ergie\u00dfen. Auch fehlt es vor allem den \u00f6ffentlichen Universit\u00e4ten hierzulande an der Unterst\u00fctzung durch finanzstarke Alumnis.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">W\u00e4hrend amerikanische Forscher forschen und amerikanische Lehrer lehren, ersticken selbst die forschesten deutschen Professoren in einem Wust von B\u00fcrokratie. Keine amerikanische Universit\u00e4t, die etwas auf sich h\u00e4lt &#8211; das sind dort alle, selbst wenn das von au\u00dfen nicht geteilt wird &#8211; w\u00fcrde sich derartigen Akkreditierungsverfahren unterwerfen, wie sie hierzulande zur ohnehin \u00fcberbordenden B\u00fcrokratie hinzukommen. Jedenfalls nicht Harvard! Das ist \u00fcberzeugt davon, dass die anderen von ihm lernen k\u00f6nnen und nicht es von anderen. Im Wettbewerb wird sich die Qualit\u00e4t beweisen, nicht in einer b\u00fcrokratischen Akkreditierung.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Bei den regulierungsw\u00fctigen Deutschen wird ein aufwendiges Akkreditierungsverfahren zwischengeschaltet. Erst wenn ein Studiengang die Akkreditierungsagentur passiert, gibt es die Zulassung, mit der trotz hohen B\u00fcrokratieaufwands inflation\u00e4r umgegangen wird. Das haut auf die Innovationsbremse, weil es Zeit und Originalit\u00e4t frisst im vorauseilenden Gehorsam auf die Agentur-Kriterien. Es nimmt manchem Beteiligten die Restw\u00fcrde und Restfreiheit als Wissenschaftler, gibt ihm den Rest und Frust. Denn die Frage \u201eWer akkreditiert den Akkrediteur?\u201c wird nur selten gestellt. (Und Neschle hat sie gesehen: solche Akkrediteure. Er war sogar selber mal einer. Aber vor der gro\u00dfen Zwangs-Welle als eine Uni das freiwillig wollte!). Richtungsweisende Entwicklungen scheitern daher heute manchmal an kleinlichen Vorbehalten mittelm\u00e4\u00dfiger Akkrediteure, die missgeleiteten Richtlinien mehr trauen als dem Sach-Verstand der von ihnen aus- oder auch hin-gerichteten Fakult\u00e4ten.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Vor allem der Mastertitel leidet dabei. Im <i>Freizeit-Masterprogramm<\/i> von einem oder zwei Jahren kann man neuerdings abends und am Wochenende auch Juristen oder Designern den Master of Business Administration zuschieben. Obwohl eigentlich f\u00fcr ein Masterprogramm gefordert, werden dabei einige Lehrveranstaltungen nicht auf dem Master-Niveau abgehalten. Wie denn auch, wenn diesen Master-Studenten selbst einfache \u00f6konomische Grundkenntnisse fehlen? Man wird hier Meister ohne Gesellenpr\u00fcfung im selben Fach. Und im Meisterkurs darf Gesellenwissen nicht mehr angeboten werden. Der Friseurmeisterkurs duldet keinen Grundkurs im Haareschneiden, selbst wenn ein Maurergeselle Friseurmeister werden will. Wie soll da die Qualit\u00e4t der Handwerksmeister gesichert sein, wenn sie ihr Grundhandwerk nicht verstehen? An deutschen Hochschulen ist das heute m\u00f6glich geworden!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Studierende, die mit dem Segen der Akkreditierungsagenturen zum Masterstudium f\u00fcr Business Administration zugelassen werden, haben zum Teil nie etwas von Betriebswirtschaftslehre geh\u00f6rt. Zudem l\u00e4sst sich bei ihnen eine gr\u00f6\u00dfere Neigungsferne erkennen als bei Studenten, die direkt den BWL-Bachelor angehen. Das Ergebnis ist ein Witz, ein schlechter allerdings:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Trotz des h\u00f6heren Titel <i>Master of Business Administration<\/i> fallen die \u00f6konomischen Kenntnisse solcher Absolventen hinter die eines BWL-Bachelors zur\u00fcck, h\u00e4ufig sogar hinter die Diplom-Zwischenpr\u00fcfung nach vier Semestern BWL-Grundstudium. \u00dcbungen und Tutorien f\u00fcr Anf\u00e4nger lassen sich n\u00e4mlich auf Masterniveau nicht mehr argumentativ vertreten. Sie entsprechen nicht den \u201eRichtlinien\u201c! Im Masterstudium der Betriebswirtschaftslehre f\u00fcr \u201eExoten\u201c ohne BWL-Bachelor gibt es Fallstudien, ohne dass das theoretische Fundament steht.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Unterschiedliches wird k\u00fcnftig schamlos unter demselben Etikett vertrieben und sogar schw\u00e4cheres Managementwissen unter dem h\u00f6herwertigen Etikett. Der Schwindel ist perfekt und ereilt jeden, der sich in Master-Studieng\u00e4nge vertieft. Die Personalabteilung muss demn\u00e4chst Bildungsforschung betreiben und daf\u00fcr ein eigenes Labor unterhalten. Die Abschl\u00fcsse k\u00f6nnen nicht mehr nach dem Etikett beurteilt werden. Wie w\u00e4re es da mit einer Aufnahmepr\u00fcfung f\u00fcr Bachelor und Master in den Unternehmungen? Die Pr\u00fcfungsfragen k\u00f6nnte man ja aus dem Diplom nehmen!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wer in diesem Ausbildungschaos private und \u00f6ffentliche Hochschulen vergleicht, stellt sich am besten privates und \u00f6ffentliches Fernsehen vor. Popularit\u00e4t und Schnelligkeit wird von privaten nicht selten der Solidit\u00e4t geopfert. Kurzfristiger Geschmackswandel dominiert Stabilit\u00e4t in Grundsatzfragen. \u00d6ffentliche nehmen sich die Privaten als Vorbild, w\u00e4hrend sie dort als abschreckendes Beispiel gelten. \u00d6ffentliche geben sich seri\u00f6s und zu langweilig. Sie sind b\u00fcrokratischer und langsamer.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">In der Forschung stehen private Hochschulen in Deutschland allenfalls in ihrem eigenen Urteil vorn (Hier gibt es freilich gro\u00dfe Unterschiede!). Forschung war dort bislang selten das Fundament ihrer Lehre. So lebten diese Hochschulen zum guten Teil von Forschungen staatlicher Hochschulen. W\u00e4hrend sich aber die Lage der Forschung in den privaten Hochschulen verbessert, hat sie sich an den \u00f6ffentlichen Hochschulen verschlechtert. Heute haben Professoren des Massenfachs Betriebswirtschaftslehre kaum noch Zeit f\u00fcr Forschung. Sie sind einzig als Berufsausbilder funktionalisiert: f\u00fcr akademische Gesellen und Meister. Kaum jemand in Politik und \u00d6ffentlichkeit denkt anders. L\u00e4ngst haben Politik und Wirtschaft den Universit\u00e4ten die Aufgabe zugeordnet, h\u00f6chste Ausbildungsinstanz f\u00fcr den Management-Nachwuchs zu sein.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>D. Ausgebildet ist nicht gebildet. Gebildet ist nicht ausgebildet.<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">\u00d6ffentliche Universit\u00e4ten betrachteten bislang Bildung und nicht auf aktuelle Berufstauglichkeit abzielende <i><u>Aus<\/u><\/i>bildung als Ziel der Lehre. Das Bestehen in der beruflichen Zukunft vor sich selbst war wichtiger als das unmittelbare Funktionieren im aktuellen betrieblichen System. Dies beschreibt universit\u00e4res Verst\u00e4ndnis von Bildung im Vergleich zur Forderung der Wirtschaft, Universit\u00e4ten als Endpunkte einer Aus- und Weiterbildung f\u00fcr Zwecke der Wirtschaft zu verstehen. Die Folge des gegenw\u00e4rtigen Paradigmenwechsels: Von der eigenverantwortlichen Bildung der Universit\u00e4ten geht es hin zu einer immer mehr vom Top-Management gesteuerten Ausbildung.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Vorstellungen der Manager sind aus der Sicht der Universit\u00e4ten (zu) kurz-, allenfalls mittelfristig orientiert. \u201eKurzfristiges Funktionieren\u201c steht im Mittelpunkt, das was gerade auf den N\u00e4geln brennt. Langfristige \u00dcberlegungen sind noch fremder geworden unter zunehmendem Einfluss amerikanischen Denkens. Standhaftigkeit und Verl\u00e4sslichkeit sind sch\u00e4rferen und schnelleren Richtungswechseln gewichen. Nachhaltigkeit (Sustainability) wurde zwar zum Zauberwort, doch als Strohfeuer, nicht als nachhaltige Ver\u00e4nderung des Denkens.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Doch unsere Welt wandelt sich. Um in ihr zu bestehen, hilft die alleinige Funktionalit\u00e4t im Gegebenen auf Dauer wenig. Dennoch wird zugunsten unmittelbarer Funktionalit\u00e4t der Raum f\u00fcr Bildung aufgegeben, die eine nachhaltige pers\u00f6nliche Flexibilit\u00e4t zum Ziel hat. Eine solche Bildung erfordert auch das Eingehen auf nicht unmittelbar verwertbare Erkenntnisse, die das Grundverst\u00e4ndnis verbessern. W\u00e4re etwa in der damaligen DDR nicht strikt f\u00fcr das Funktionieren im eigenen System erzogen worden, h\u00e4tte man sich nach der Wende manche Schulungsma\u00dfnahme in Ostdeutschland ersparen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Im Wandel der Welt sind Flexibilit\u00e4t und souver\u00e4ne Pers\u00f6nlichkeit gefragt, nicht das Funktionswissen, das mir gestern noch sofortige Berufsf\u00e4higkeit gab. Denn funktioniert der Mensch unter ver\u00e4nderten Bedingungen nicht mehr, wird er \u201eentsorgt\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>In der Ausbildung ist der Mensch Mittel, Punkt. Erst eine Bildung, die ihm pers\u00f6nliche Souver\u00e4nit\u00e4t und Flexibilit\u00e4t gibt, macht ihn zum Mittelpunkt.<\/i> Hier hat die Universit\u00e4t die Verpflichtung sich zu wehren gegen eine Politik des kurzen und niedrigen Horizonts, zum Wohle der Menschen, der Gesellschaft und des nachhaltigen Wirtschaftens unserer Unternehmungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Manager k\u00fcmmern sich mit ihrem Schafsinn vorwiegend um Massenstr\u00f6mungen. Spezielle Ausrichtungen werden ignoriert. Manager sind in keiner Weise <i>belastet<\/i> durch Kenntnisse \u00fcber die Komplexit\u00e4t der Bildungsverwaltung mit einem Riesen-Kanon an Spezialisierungen und Pr\u00fcfungsformen. Das l\u00e4sst sie leicht und fertig organisatorische Probleme ignorieren, die ihre Vorschl\u00e4ge und Taten ausl\u00f6sen. &#8211;<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wie immer man jedoch zur Einmischung des Managements steht: Die Humboldtsche Universit\u00e4t ist am Massenph\u00e4nomen gescheitert. <i>Es ist etwas anderes, eine Bildungsinstitution f\u00fcr 5% eines Jahrgangs zu sein oder eine Ausbildungsinstitution f\u00fcr 50%.<\/i> Dies zwingt zur Verschulung oder zu Alternativformen wie Abend- und Fernstudium. Wir k\u00f6nnen es uns als Gesellschaft nicht leisten, wenn Studentinnen in den kreativsten Jahren ihres Lebens f\u00fcr 5 Euro pro Stunde im Sonnenstudio jobben und Studenten Taxi fahren, ihre Studienzeit um 50% verl\u00e4ngern oder g\u00e4nzlich scheitern. Das ist ein Verlust an Humanverm\u00f6gen, den dieses rohstoffarme Land<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a> auf Dauer nicht verkraftet. Selbst wenn man auf diese Weise Au\u00dfenminister werden kann!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Nichts kann aber das eigenst\u00e4ndige Denken ersetzen, auch nicht das stupide Nachempfinden amerikanischer Verh\u00e4ltnisse. Schafsinn und Herdentrieb sind eben nicht dasselbe wie Scharfsinn und Selbstdenken. Bis unsere Universit\u00e4ten Harvard &amp; Co mit deren eigenen Waffen schlagen k\u00f6nnen, vergehen sicher Jahrzehnte. Zu unterschiedlich sind allein die finanziellen Ausgangsbedingungen. Schon deshalb sollte man andere Waffen w\u00e4hlen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Im Wettbewerb ist es kein guter Rat, die Konkurrenz nachzuahmen. Wie will man den \u00fcberholen, in dessen Fu\u00dfstapfen man tritt?. Auch im Wettbewerb der Hochschulen gilt: Anders denken als die Konkurrenten und Recht behalten. Oder heute so denken, wie die anderen erst morgen denken werden. Das sind die \u201eRezepte\u201c! Sie bauen auf Scharfsinn und nicht auf den Schafsinn des Hinterherrennens. Dem Schafsinn folgen wir mit Leidbild Bachelor und Master, statt mit Scharfsinn das Leitbild Diplom zur \u201eSpitze der Bewegung\u201c zu machen. Zu dieser Party h\u00e4tte man eben nicht gehen sollen, um wirklich im Mittelpunkt stehen zu k\u00f6nnen!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Trotzdem gilt auch f\u00fcr das Kind im Brunnen:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Tu etwas, werde etwas! Nicht wegen, sondern trotz Geselle und Meister! <\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Nun hat das Land Geselle, Meister,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">der Ami sagt uns, darauf \u2026.er.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">W\u00e4r\u2019n mit \u201eDiplom\u201c wir noch betitelt,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">da h\u00e4tt\u2019 er nicht so viel gekrittelt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Der Deutsche schie\u00dft ein Eigentor<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">(oder: Der Deutsche ist sein eigen\u2019 Tor)<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">mit Master und mit Bachelor.<\/p>\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\">\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Blast (engl.), heftiger Windsto\u00df, Tuten. Aber auch: Pesthauch, Fluch, Brand und Verdorren.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Universitas lebte einst von der Vielzahl der F\u00e4cher und Studieng\u00e4nge und von dem Blick \u00fcber den Tellerrand, den sie hungrigen Studenten erm\u00f6glichte. Heute nennt sich auch Singularitas Universitas. Welch ein Einfall! Welch eine Einfalt! Da ist das Studium Generale gar nicht m\u00f6glich, das die staatlichen Hochschulen heute den Studenten sogar vorschreiben.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Wie kann das eigentlich sein? H\u00e4tte man wirklich ein gutes Bildungssystem, m\u00fcsste man nicht importieren, sondern w\u00fcrde exportieren: im gro\u00dfen Stil.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Ein deutscher Student wird an einer US-Universit\u00e4t von Mitstudenten gefragt, ob es in Deutschland Linksverkehr gibt und ob Englisch nicht seine Muttersprache ist (Kein verstecktes Kompliment!). Mehr als achtzig Prozent der Kommilitonen sind in ihrem Leben nie weiter als hundert Meilen um ihren Geburtsort im amerikanischen S\u00fcdstaat hinausgekommen. &#8211; Ein amerikanischer Rechtsprofessor wundert sich, dass eine Jury in der amerikanischen Form in Deutschland nicht existiert. Er fragt beim deutschen Studenten nach, was denn bei Todesurteilen gemacht werde.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Ein Praxisbeispiel dazu: Vor etwa vier Jahren erregte ein Student der Universit\u00e4t Essen auf einem internationalen Absolventenkongress helles Erstaunen, als er durch eine \u00fcberzeugende L\u00f6sung eines schwierigen und hochaktuellen Problems die versammelte Gemeinschaft der internationalen Elite-Studenten d\u00fcpierte. Als er seine Alma Mater nannte, gab es ungl\u00e4ubige Blicke und laute Ausrufe. Man hatte erwartet, er werde den Namen einer amerikanischen, englischen oder franz\u00f6sischen Elite-Schmiede nennen. Auf die Frage, wo er so etwas denn gelernt h\u00e4tte, sagte er: \u201eBei meinem Professor in Essen!\u201c Der Student ist heute Vorstandsassistent eines gro\u00dfen internationalen Konzerns.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Das gilt vor allem, wenn eigene Studenten befragt werden. Wer Geld f\u00fcr die Universit\u00e4tsausbildung bezahlt, hat eine besondere Identifikation mit ihr. Elitebewusstsein und Corporate Identity machen den Rest. Man ist wer! Dagegen ist kein Hund zu einer solchen Nestbeschmutzung f\u00e4hig wie die Studenten \u00f6ffentlicher Hochschulen. Was f\u00fcr H\u00f6rs\u00e4le und Flure gilt, gilt auch f\u00fcr die Bereitschaft, verbalen Schmutz \u00fcber die eigene Alma Mater auszugie\u00dfen. So schie\u00dft man Eigentore gegen die Reputation des eigenen Abschlusses. So etwas passiert bei den Privaten niemals.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Ein Ressource, die immer wichtiger wird, ist allerdings vorhanden: Wasser!<\/p>\n<p><a title=\"PDF-Datei\" href=\"http:\/\/www.neschle.de\/download-manager.php?id=41\">PDF-Datei<\/a><br \/>\nThis post was downloaded by  1549  people until now.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bachelor und Master: Gesellen und Meister f\u00fcr die akademischen Z\u00fcnfte Wenn man im Mittelpunkt einer Party stehen will, darf man nicht hingehen.&nbsp;(Audrey Hepburn) Das ist der akademische Trend: Weg vom Diplom, hin zu Geselle und Meister. Die Gesellen und Meister kommen aus Bologna, dem gro\u00dfen Bruder von Pisa, sprechen sich aber englisch aus: \u201eBachelor and &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/5\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eLeon Neschle 1 (8. 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