{"id":486,"date":"2010-01-17T22:51:29","date_gmt":"2010-01-17T21:51:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-64-3-woche-2010\/"},"modified":"2020-06-20T15:02:11","modified_gmt":"2020-06-20T14:02:11","slug":"leon-neschle-64-3-woche-2010","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-64-3-woche-2010\/","title":{"rendered":"Leon Neschle 64 (3. Woche 2010)"},"content":{"rendered":"<header>\n<h2 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #4f81bd\">Kunden, Leser, B\u00fcrger, Adressaten: Selten Mittelpunkt, aber immer Mittel. Punkt!<\/span><\/strong><\/h2>\n<\/header>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>Der Wurm muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler.<\/em> (Alte Vertriebsweisheit)<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Auch wenn manche die alte Vertriebsweisheit von Wurm, Fisch und Angler vor sich hertragen: \u201eKUNDENNUTZEN\u201c wird zwar gro\u00dfgeschrieben, aber nicht immer wirklich hochgehalten: <sup>!<b>KUNDENNUTZEN!<\/b><\/sup>. Und selbst der gro\u00dfgeschriebene \u201eKUNDENNUTZEN\u201c bedeutet nicht, dass man alles tut, was der Kunde will, und vor allem nicht, dass man nur das tut, was der Kunde will. Denn:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Jede nachhaltige Beziehung erlahmt, wenn der Kunde nicht auch mal positiv \u00fcberrascht wird mit etwas, von dem er vorher gar nicht wusste, dass er es wollte, weil er z.B. noch nicht einmal wissen konnte, dass er es \u00fcberhaupt wollen konnte. Nur mit positiven \u00dcberraschungen wird der Kunde zum Fan und die Kundenbeziehung wird nachhaltig spannend statt einzuschlafen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ja, ja, Neschle wei\u00df: Das ist nichts Neues! Das kennt jeder Marketing-Experte. Ja er wei\u00df es und wird mitten im Ehetrott von seiner Frau mit dem Scheidungswunsch konfrontiert. Er konnte sie halt nicht zu seinem Fan machen, weil er es an positiven \u00dcberraschungen im \u201eKundendienst\u201c fehlen lie\u00df. Deshalb also die negative \u00dcberraschung von seiner \u201eKundin\u201c. Schluss! Aus! Ende der \u201eKundenbeziehung\u201c wegen fehlendem \u00dcberraschungsnutzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Aber was schelte ich denn Unternehmungen bei der Behandlung ihrer Kunden oder Ehepartner. Die versuchen die Welt wenigstens ein wenig mit den Augen ihres Kunden bzw. ihres Partners zu sehen. Es geht ja schlimmer! Manche machen nur so vor sich hin und nehmen trotzdem an, die anderen werden es annehmen. So wie im Folgenden bei Lesern, B\u00fcrgern und angeblichen \u201eAdressaten der Rechnungslegung\u201c.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><b>A. Das Rechtschreibproblem ohne den Leser<\/b><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Thema Rechtschreibreform: Olle Kamellen. Eben! Schon bei Neschle 6 umfassend lachhaft behandelt. Gerade deshalb aber ein gutes Beispiel, dass allein der Schreiber als Sender und nicht der Leser als Empf\u00e4nger einer Botschaft eine Rolle spielt: In den Augen der Rechtschreibreformer muss der B\u00fccher-Wurm dem Schreiber schmecken, nicht dem Leser. Die Reformer meinen, es komme beim Austausch von Informationen vor allem auf den Sender und dessen T\u00e4tigkeit an, nicht auf den \u201eEmpf\u00e4ngernutzen\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Doch meist will der Sender etwas beim Empf\u00e4nger bewirken, ihn angeln und einfangen. Das zeigt uns: Der Empf\u00e4nger (Leser, Zuschauer) ist der Fisch, der Sender (Schreiber, Programmgestalter) ist der Angler. Und der Wurm? Der steckt vor allem im Denken der Recht<i>schreib<\/i>-Reformer, als B\u00fccher-Wurm oder Band-Wurm, Band f\u00fcr Band, von Alpha bis Omega!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die gesamte Recht<i>schreib<\/i>reform hie\u00dfe nicht so, sondern Recht<i>lese<\/i>reform, h\u00e4tte irgendwer der grundgescheite(rte)n Reformer die Probleme des Lesers, seinen Geschmack und sein Verst\u00e4ndnis im Auge gehabt. Es kam jedoch vor allem darauf an, sich dem sinkenden Bildungsniveau der Schreiber anzupassen und etwas \u201espektakul\u00e4r\u201c Neues zu schaffen, etwa die Regel \u201eTrenne nie \u201ast\u2018, denn es tut ihm weh!\u201c abzuschaffen. Denn die kann sich kein Schreiber merken. Oder?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Bei allen wichtigen Fragen wird vor allem der Leser von der Reform im Stich gelassen. Nur gut dass die Zusammen- und Getrenntschreibung mittlerweile re-reformiert wurde. Neschles Lieblingssatz der Leserverarschung will er seinen Lesern nun doch nicht vorenthalten, zumal er von der Deutschen Presseagentur stammt, damit der <i>Leser<\/i> behalte, was f\u00fcr ihn einmal herauskam bei der <i><u>Schreib<\/u><\/i>reform:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><b><i>Bombay setzt im Kampf gegen Menschen jagende Leoparden auf Schweine.<\/i><\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wird hier gegen Menschen gek\u00e4mpft? Mit jagenden Leoparden? Auf Schweinen? Setzt Bombay (Wer ist denn das?) die jagenden Leoparden in einen Sattel? Auf Schweinen? Mitten im Kampf gegen Menschen? Wer bei\u00dft wen? Leoparden die Menschen oder die Schweine? Oder die Schweine gar die Leoparden? Oder die Schweine am Ende sogar den Leser?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Das ist es! <i>Dank der Rechtschreibreform bei\u00dfen die Schweine den Leser!<\/i> Denn vor der Reform h\u00e4tte jeder Leser den Satz verstehen k\u00f6nnen: \u201eBombay setzt im Kampf gegen menschenjagende Leoparden auf Schweine\u201c. Hoffentlich jagen die Leoparden jetzt die Schreibreformer, die sich dem Rechtlesen verweigern und denen die Leser offenbar egal dabei sind. Und das, obwohl ein Schreiber h\u00e4ufig tausende von Lesern hat: Der eine Schreiber ist ihnen dennoch wichtiger. Nur er braucht ihre Aufmerksamkeit, nur f\u00fcr ihn ist die Reform. Und der Leser guckt sprichw\u00f6rtlich in die R\u00f6hre. Das hei\u00dft: Er schaut sich wegen der Rechtschreibreform lieber alte Fernsehprogramme an als neue B\u00fccher.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><b>B. \u00d6ffentliche und private Partnerschaft ohne den B\u00fcrger<\/b><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Neschles Alter Ego hat sich neulich einige Zeit mit PPP befasst. PPP, so k\u00fcrzt man international Public Private Partnership ab (deutsch: \u00d6PP). Weil hier, im Unterschied zu Joint Ventures (das sind keine Abenteuer mit Joints!), nicht allein private Unternehmen zusammenarbeiten, sind PPP so etwas wie Joint Ventures f\u00fcr Heteros, eben \u00f6ffentliche <i>und<\/i> private Institutionen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Nach mehr als drei\u00dfig Aufs\u00e4tzen von Praktikern zum Thema \u201ePPP\u201c stellte er fest:<\/p>\n<ol style=\"text-align: left;\">\n<li>In \u00fcber 95% aller Beschreibungen \u00fcber PPP-Projekte ging es nur um zwei Fragen: Finanzierung und\/oder Kostensenkung. Ebenso viele Projekte waren Hoch- oder Tiefbauprojekte, meist kommunaler Art.<\/li>\n<li>In den restlichen 5%, vor allen bei EDV-Projekten der \u00d6ffentlichen Hand, ging es darum, die Verwaltungsleistung technisch \u201eup to date\u201c zu halten.<\/li>\n<li>In keiner einzigen Projektbeschreibung kam der B\u00fcrger vor, f\u00fcr den die ganze \u00f6ffentliche Show angeblich veranstaltet wird und der sie ja auch finanziert. Daher wurde erst recht in keiner einzigen Beschreibung nach dem Nutzen des B\u00fcrgers gefragt, den er von einem dieser PPP-Projekte haben sollte, und nat\u00fcrlich auch nicht, ob eines dieser Projekte seinen Nutzen verbesserte, etwa durch eine Qualit\u00e4tsverbesserung bei den Leistungen, die nun z.B. p\u00fcnktlicher und\/oder vollst\u00e4ndiger erstellt werden (k\u00f6nnten).<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: left;\">Das Missachten des B\u00fcrgernutzens ist schon symptomatisch f\u00fcr b\u00fcrokratische Verwaltungen. Die neigen zur Verselbst\u00e4ndigung und sehen nur das, was sie zu ihrem Problem erkl\u00e4ren: 1. \u00dcberhaupt da zu sein. 2. F\u00fcr sich selbst da zu sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Niemand ver(sch)wendet da auch nur einen Gedanken an den Geschmack der Fische. Es geht allein um den Angler selbst und seinen Nutzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wird der B\u00fcrger also schlecht behandelt, wei\u00df er zum Trost: Das geschieht in der \u00d6ffentlichen Verwaltung nie mit Absicht, weil dort ja \u00fcberhaupt nichts im Gedanken an den B\u00fcrger geschieht. Der B\u00fcrger ist ihr schlicht egal! Au\u00dfer vielleicht bei der Steuerfahndung und der Polizei! Die k\u00fcmmern sich liebend und intensiv. Aber schon die Justiz gibt sich blind.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">In den Berichten \u00fcber PPP-Projekte kommt auch eine schlechte Behandlung des B\u00fcrgers \u00fcber das v\u00f6llige Nichtvorkommen des B\u00fcrgers nicht vor. B\u00fcrger und B\u00fcrgernutzen existieren \u00fcberhaupt und gar nicht. Sie sind nicht Mittelpunkt aller \u00dcberlegungen zur Verbesserung staatlicher Leistungen. Sie fristen nicht einmal eine Existenz am Rande.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Man kann nun argumentieren, dass von kosteng\u00fcnstigerer Leistungserstellung irgendwie ein Nutzen f\u00fcr den B\u00fcrger abf\u00e4llt. Richtig: Der Abfall des Nutzens ist f\u00fcr den B\u00fcrger da! Doch das ist nicht anders auf den M\u00fcllbergen von Kairo. An die M\u00fcllsucher denkt bei den M\u00fcllproduzenten auch niemand. Trotzdem f\u00e4llt f\u00fcr sie immer was ab. Doch es gibt da einen Unterschied: Die M\u00fcllsucher von Kairo bezahlen die M\u00fcllproduktion nicht. Die B\u00fcrger schon!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Sucht man den B\u00fcrger als Finanzier im Mittelpunkt der PPP-Projekte, wo er auch als Leistungsempf\u00e4nger hingeh\u00f6rt, dann sucht man ihn vergebens. Der B\u00fcrger ist da Mittel. Punkt! Genau wie der Leser bei der Rechtschreibreform. Oder wie der \u201eAdressat\u201c der (internationalen) Rechnungslegung von Unternehmungen.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><b>C. Die hohle Rede von \u201eAdressaten\u201c der Rechnungslegung<\/b><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">So sieht es aus und da ist auch was dran: Eigentlich interessiert sich die Betriebswirtschaftslehre nur f\u00fcr die Herstellung der Rechnungslegungsinformationen, aber nicht f\u00fcr die Frage, ob jemand etwas mit ihnen anf\u00e4ngt oder anfangen kann. Zwar werden z.B. die Akteure am Kapitalmarkt als \u201eAdressaten der Rechnungslegung\u201c bezeichnet, aber niemand interessiert sich so richtig daf\u00fcr, was sie mit den Rechnungslegungsinformationen anfangen (sollen oder k\u00f6nnen).<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Am Kapitalmarkt verzichten die Vertreter einer \u201eTechnischen Kursanalyse\u201c daher ganz auf solche Informationen. F\u00fcr sie ist es wichtiger, Kursverl\u00e4ufe lesen zu k\u00f6nnen als Jahresabschl\u00fcsse. Die Vertreter der \u201eFundamentalanalyse\u201c brauchen dagegen die Informationen, wenn sie entscheiden, nicht ein halbes Jahr fr\u00fcher oder sp\u00e4ter, und dann mindestens drei Abschl\u00fcsse, damit sich ein Kurvenverlauf nachzeichnen l\u00e4sst. Doch so steht die Information durch die Rechnungslegung nicht zu Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Vor einiger Zeit haben Vertreter der Rechnungslegung sogar das Problem der mangelnden Glaubw\u00fcrdigkeit ihrer Zahlen entdeckt. Weil sie aber alles aus der Sicht des Produzenten sehen und ihnen der Adressat egal ist, behandeln das Problem der Glaubw\u00fcrdigkeit als Frage der <i>\u201eReputation\u201c<\/i> desjenigen, der Rechnung legt, aber nicht als Problem des <i>\u201eVertrauens\u201c<\/i> des Empf\u00e4ngers der Rechnungslegung.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Auch hier z\u00e4hlt allein der Geschmack des Anglers. W\u00fcrde die Rechnungslegung aus der Sicht einiger Fische betrachtet, etwa der Kapitalmarktteilnehmer, so w\u00e4re das Urteil \u00fcber die (Internationale) Rechnungslegung drastisch anders:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Aus der Sicht der Kapitalmarktteilnehmer ist die Bedeutung von Jahresabschl\u00fcssen zur St\u00fctzung von Entscheidungen auf Finanzm\u00e4rkten im akademischen Unterricht krass \u00fcbersch\u00e4tzt. Schon Investor Relations f\u00fchren dort immer noch ein Schattendasein und Zwischenbericht und Ad hoc-Meldung spielen kaum eine Rolle.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Weitet man die Perspektive auf alle in Lehrb\u00fcchern genannten \u201eAdressaten der Rechnungslegung\u201c (Anteilseigner, Gl\u00e4ubiger, Arbeitnehmer, Kunden, Lieferanten, Staat, Gesellschaft, \u2026) aus, waren schon Umwelt- und Sozialbilanzen die geheime Erkl\u00e4rung der Unf\u00e4higkeit der Rechnungslegung, den gesamten Informationsbedarf dieser Adressaten nur durch einen finanziellen Jahresabschluss zu befriedigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die umgekehrte Sicht \u201evom Empf\u00e4nger auf die Rechnungslegung\u201c statt \u201evon der Rechnungslegung auf den Adressaten\u201c macht deutlich, dass die Rechnungslegung viele Felder gar nicht beackert (hat), auf denen Entscheidungstr\u00e4ger der Wirtschaft als Informationsempf\u00e4nger ihre Informationsfr\u00fcchte sammeln.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Daher wirkt die Gro\u00dfveranstaltung \u201eIAS\/IFRS\/US-GAAP\u201c um die Internationalisierung der Rechnungslegung wie eine Gro\u00dfk\u00fcche, die mit einer Riesenbelegschaft nur f\u00fcr eine kleine Handvoll hungriger Esser kocht, ohne nach deren Leibgericht zu fragen. Viele Gerichte werden zudem so gekocht, dass vor allem etwas f\u00fcr die Restaurantmanager abf\u00e4llt. Weil das so gut ist, nennt man diese Bonbons Boni. Dabei werden die K\u00f6che \u201evor Herd\u201c von einem Heer besserwisserischer internationaler Berater begleitet und von staatlichen Zuchtmeistern kontrolliert, die ihnen laufend in die immer raffiniertere Suppe spucken. Eine beachtliche Zahl von Restauranttestern begleitet das Kochen wissenschaftlich, h\u00e4lt den Blick jedoch fest auf verfeinerte Rezepte und den Kochvorgang gerichtet statt auf W\u00fcnsche der Essensg\u00e4ste.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Diese G\u00e4ste wissen immer weniger, was die Speisen enthalten und was sie davon halten sollen. Daher lehnen sie diese auch immer h\u00e4ufiger ab, weil sie nicht ausschlie\u00dfen k\u00f6nnen, dass sie sich daran den Magen verderben. Der Restaurantbesitzer und die G\u00e4ste zahlen derweil den horrenden Preis f\u00fcr Speisen, die sie gar nicht haben wollten. Hinzu kommen die Kosten f\u00fcr die Kontrolle, die sicher irgendwie im Men\u00fcpreis niederschlagen. Das Ganze m\u00fcndet in eine gigantische \u00dcberproduktion und Verschwendung, von der ein gro\u00dfer Teil nicht einmal fachgerecht entsorgt wird, sondern Tische und G\u00e4nge blockiert und den Blick auf wirklich erw\u00fcnschte Speisen versperrt. Beim Angebot w\u00e4re da weniger mehr und sage nur keiner, dass viele K\u00f6che nicht den Brei verderben.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Der teuer gefertigte Informationsm\u00fcll leidet dabei nur unter einem einzigen Mangel: Niemanden interessiert wirklich, was der Empf\u00e4nger braucht und wie er mit den Informationen umgeht. Alle Blicke sind auf eine umfangreichere, genauere, besser kontrollierte Produktion gerichtet. Und obwohl die Empf\u00e4nger das fast ungenie\u00dfbare Informationsprodukt immer h\u00e4ufiger stehen lassen, auch weil es sich nicht mehr ver-stehen l\u00e4sst, wird flei\u00dfig weiterproduziert und die Produktionstechnik verfeinert.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Man k\u00f6nnte einwenden, dass auch technische Produkte, die kein Anwender in ihrer Funktion versteht, allgemeine Akzeptanz finden. Doch der Leser stelle sich ein Luxusauto vor, bei dem der Hersteller beim Bordcomputer monatlich \u00c4nderungen der Bedienelemente und der Bediensoftware vornimmt und der Fahrer fast t\u00e4glich (von) deren Versagen erf\u00e4hrt. Das erg\u00e4be einen Vertrauensverlust, von dem sich die Nachfrage nach diesem Auto allenfalls langsam, vielleicht gar nicht mehr erholte.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Regel\u00e4nderungen bei den IFRS gibt es aber fast monatlich und beinahe t\u00e4glich berichtet die Wirtschaftspresse \u00fcber deren Anwendungsversagen. Der Empf\u00e4nger der Rechnungslegung f\u00fchlt sich weder informiert noch hat er Vertrauen in Zahlen und Daten. Im Gegensatz zum Eindruck, den die betriebswirtschaftliche Lehre vermittelt, kommt es n\u00e4mlich gar nicht darauf an, <i>ob die Unternehmung \u201egut\u201c informiert hat, sondern allein ob der Empf\u00e4nger sich gut und sicher informiert f\u00fchlt.<\/i> Daher gilt entgegen allem Lehrgeschwafel \u00fcber die \u201eInformationsfunktion der Rechnungslegung\u201c:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><b><i>Es gibt \u00fcberhaupt keine \u201eInformationsfunktion der Rechnungslegung\u201c ohne das Vertrauen der Empf\u00e4nger in diese Information. <\/i><\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Der Empf\u00e4nger der Rechnungslegung sollte Mittelpunkt des Denkens sein. Aber er ist halt Mittel. Punkt! Er dient dazu, den Fertigungsexperten der Rechnungslegung eine eintr\u00e4gliche Einnahmequelle zu bescheren, bei der Internationalen Rechnungslegung an erster Stelle den angels\u00e4chsischen Wirtschaftspr\u00fcfern und Anw\u00e4lten. Na, wenn das kein Grund ist, warum dieser Wurm gerade dem Angler schmecken sollte!? Guten Appetit!<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p style=\"text-align: center;\">Schmecken muss der Wurm dem Fisch,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">sonst kommt der niemals auf den Tisch,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">und es zeigt dann stets der Barsch<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">allen Anglern seinen Arsch.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Die finden dieses ganz beschissen,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">wieder hat kein Fisch gebissen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p style=\"text-align: center;\">Ob bei Flaute, ob im Sturm,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">der Angler schimpft zun\u00e4chst den Wurm.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Obwohl der handverlesen und probiert,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">hab\u2019n alle Fische sich geziert!?<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Doch am Ende der Geduld,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">steht dann fest: Der Fisch ist schuld!<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p style=\"text-align: center;\">Ein solcher Angler sucht noch heute<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">nach Jahren einen Fisch als Beute.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Was hier hilft? Ein kleiner Trick,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">versuch\u2018 es mal mit Selbstkritik:<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Die Sache ist doch zu verstehen,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">man muss mit Fisches Augen sehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p style=\"text-align: center;\">Obwohl das alles l\u00e4ngst bekannt,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">wird sich fast t\u00e4glich neu verrannt,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">bei Lesern, B\u00fcrgern, Adressaten,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">durch Sender, Schreiber, B\u00fcrokraten.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Der Sender macht zwar sein Programm,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">doch beim Empf\u00e4nger kommt\u2019s nicht an.<\/p>\n<p><a title=\"PDF-Datei\" href=\"http:\/\/www.neschle.de\/download-manager.php?id=153\">PDF-Datei<\/a><br \/>\nThis post was downloaded by  1211  people until now.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kunden, Leser, B\u00fcrger, Adressaten: Selten Mittelpunkt, aber immer Mittel. 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