{"id":458,"date":"2009-12-04T09:44:43","date_gmt":"2009-12-04T08:44:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-58-49-woche-2009\/"},"modified":"2020-06-20T15:12:10","modified_gmt":"2020-06-20T14:12:10","slug":"leon-neschle-58-49-woche-2009","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-58-49-woche-2009\/","title":{"rendered":"Leon Neschle 58 (49. Woche 2009)"},"content":{"rendered":"<header>\n<h2 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #4f81bd\">Entsch\u00e4digungslose Enteignungen \u2013Gern geleugnet, oft benutzt. Aber auch gebraucht?<\/span><\/strong><\/h2>\n<\/header>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>Au\u00dfer dem Milit\u00e4r- und dem Zivilflughafen gibt es den Zuvielflughafen und der ist auch ein Fluchhafen.<\/em> (Neschle)<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Unsere wirtschaftliche Entwicklung beruht anscheinend oder auch nur scheinbar darauf, dass viele Menschen zugunsten anderer enteignet werden. Ihnen wird eine latente \u201eEntwicklungssteuer\u201c auf ihr Verm\u00f6gen oder ihr Einkommen auferlegt, obwohl es dazu weder ein Steuergesetz gibt noch einen vollstreckbaren Titel. Doch keiner will das wahrhaben, erst recht kein Politiker. Denn das st\u00f6rt die \u201eZukunftsprojekte\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Schon in der Industriellen Revolution hat der Rhein nicht nur Fische verloren, sondern der Fischer am Rhein auch seine Einkommensquelle. Und der Wert seines Verm\u00f6gens floss mit den toten Fischen den Rhein hinunter. Zugunsten der Chemieunternehmungen stromaufw\u00e4rts. Entsch\u00e4digungslos!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Obwohl wir uns moralisch fortentwickelt zu haben glauben, gilt heute immer noch dasselbe: Kaum jemand macht sich einen Kopf darum, ob durch politische Ma\u00dfnahmen Leute benachteiligt werden; ob ihre Gesundheit beeintr\u00e4chtigt und ihr Verm\u00f6gen vermindert wird, nur damit andere Vorteile haben, ohne daf\u00fcr zahlen zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u201eExterne Effekte\u201c seien das, hei\u00dft es in der Volkswirtschaftslehre lapidar: positive, wenn jemand dadurch ein Vorteil zufliegt (\u201ewindfall profits\u201c), negative, wenn er Nachteile in Kauf nehmen muss (\u201ewindfall losses\u201c). Wem ein Vorteil zufliegt, der schweigt oder leugnet ihn. Wer einen Nachteil hat, zahlt verdeckte \u201eSondersteuern\u201c bis hin zur Enteignung.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Doch unsere Rechtordnung erfasst diesen Nachteil zugunsten des Vorteils anderer gar nicht als \u201eSteuern\u201c. Der Benachteiligte wird daher gar nicht als heimlicher Steuerzahler wahrgenommen, obwohl sein Verm\u00f6gen durch einen Akt staatlichen Zwangs gek\u00fcrzt wurde. Es gilt vielmehr als selbstverst\u00e4ndlich, dass er sich f\u00fcr den \u201eFortschritt\u201c eine entsch\u00e4digungslose Enteignung gefallen l\u00e4sst. Tut er das nicht, muss er sich von denen, die profitieren, sogar als Egoist beschimpfen lassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Neschle erz\u00e4hlt dazu einmal die \u201esch\u00f6ne\u201c Geschichte des Milit\u00e4rflughafens Weeze am Niederrhein, der zu einem Zivilflughafen werden sollte, aber tats\u00e4chlich ein Zuvielflughafen oder Fluchhafen ist..<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><b>A. <\/b><b>Von Groschengr\u00e4bern zu Eurokatakomben, vom Schwimm-B\u00e4d der Gemeinde zum Fluchhafen des Kreises<\/b><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Wer heutzutage als Kreis etwas von sich h\u00e4lt, l\u00e4sst Flugzeuge \u00fcber dem Kreisgebiet kreisen. Der Ehrgeiz der Gemeinden, aus immer knapperen Steuermitteln ein Schwimmbad bezuschussen zu k\u00f6nnen, ist abgel\u00f6st durch den eitlen Eifer der Kreise, einen \u201eInternationalen Flughafen\u201c subventionieren zu d\u00fcrfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Auch der Kreis Kleve, dessen Bewohner fr\u00fcher sogar \u201eClever\u201c hie\u00dfen, brauchte daher <i>seinen<\/i> Flughafen. Er nahm dazu den als Altlast von den Briten \u00fcbernommenen Milit\u00e4rflughafen Laarbruch in Weeze her, der allerdings (noch immer) ohne Anbindung ans Schienen- und mit schlechter Anbindung ans Stra\u00dfennetz ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Obwohl die Politiker des Kreises gar nichts anderes vorhatten, als diesen Flughafen zu zivilisieren, heuchelten sie zun\u00e4chst Alternativen: von der Ansiedlung einer Hochschule bis hin zur Auskiesung. Von Anfang an hatte keine dieser Alternativen eine faire Chance, obwohl die Hochschule die soldatischen Unterk\u00fcnfte f\u00fcr Studenten h\u00e4tte nutzen k\u00f6nnen und die Auskiesung anstelle umstrittener Auskiesungs-Projekte h\u00e4tte treten k\u00f6nnen. Ein \u201einternationaler\u201c Flughafen im Kreis hatte weit himmlischere Anziehung als das Wolkenkuckucksheim einer Hochschule oder das Dreckloch einer Kiesgrube, selbst wenn diese am Ende einen malerischen See abgegeben h\u00e4tte, der sogar gemeinsam mit dem Hochschulprojekt an diesem Standort h\u00e4tte verwirklicht werden k\u00f6nnen. Doch was ist das gegen eine \u201eStar-Alliance\u201c der Kreis-Politiker?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Das zuvor auf Gehei\u00df der Politik erstellte \u201eRegionale Entwicklungskonzept NiederRhein\u201c war von nun an f\u00fcr den Papierkorb. In diesem Konzept wurde noch die M\u00e4r verbreitet, der NiederRhein sei das \u201eGrenzland der Kontraste\u201c, in dem das blaue Band des Rheins die Trennlinie zwischen industrialisiertem Osten (Duisburg und Kreis Wesel) und dem naturnahen Kreis Kleve bildet. Denn mit der <i>Kon<\/i>version des Milit\u00e4r- in den Zuvielflughafen kam zugleich die <i>Per<\/i>version dieses Entwicklungskonzepts. Die r\u00fcckte den Kreis Kleve an die Industriegebiete heran und vorbei war es mit den Kontrasten zwischen demLogistikstandort Duisburg und einem l\u00e4ndlichen Niederrhein. Der Kreis Kleve sah sich mit dem Flughafen nun als Teil einer Logistikregion. Aber was k\u00fcmmern Entwicklungskonzepte von gestern oder was das Geschw\u00e4tz von vorgestern, wenn die Segnungen eines internationalen Flughafens winken?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Gegen den Flughafen bildete sich jedoch eine B\u00fcrgerinitiative, die sich anfangs dummerweise fast allein auf den Flugl\u00e4rm konzentrierte und das in ihrem Namen zum Ausdruck brachte. Dabei waren zugleich merkliche Verm\u00f6genssch\u00e4den an den Immobilien in den vom L\u00e4rm betroffenen Gebieten zu beobachten. Verm\u00f6gens- und Gesundheitssch\u00e4digung und Minderung der Lebensqualit\u00e4t gehen dabei Hand in Hand und betreffen dieselben Leute. Die Bef\u00fcrworter des Flughafens hetzten jedoch, es gehe der Initiative und den Betroffenen ohnehin <i>nur<\/i> um Geld. Weil der L\u00e4rm, den sie zum Gl\u00fcck nicht ertragen mussten, nat\u00fcrlich zu vernachl\u00e4ssigen sei, sei er nur vorgesch\u00fctzt, um die Politik zu erpressen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Genau das fanden die potenziellen Immobilienk\u00e4ufer nicht. Denn die Preise f\u00fcr Immobilien in den betroffenen Gemeinden sanken, weil die K\u00e4ufer mehr Schmerzensgeld f\u00fcr den L\u00e4rm oder besseren Schallschutz wollten. Und das kostet die jetzigen Eigent\u00fcmer eben Verm\u00f6gen und wirkt wie eine latente Verm\u00f6gensteuer. Und es gibt bis heute niemanden, der bereit ist, ihnen diesen Verm\u00f6gensschaden zu erstatten oder die heimlichen Steuerzahlungen an anderer Stelle zu kompensieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u201eDie wollen doch nur Geld!\u201c Mit solchem Spruch von Flughafenbef\u00fcrwortern wurde die Erstattungs-Forderung als moralisch abgr\u00fcndig und zugleich als illegitim abgestempelt. So als m\u00fcsse sich jeder selbstverst\u00e4ndlich den Eingriff in sein Verm\u00f6gen gefallen lassen, wenn sich nur die Mehrheit daf\u00fcr entscheidet. Die Bef\u00fcrworter agierten zudem hinterh\u00e4ltig, indem sie die B\u00fcrgerinitiative von Maulw\u00fcrfen unterwandern lie\u00dfen. Das jedenfalls glauben heute die Vertreter der Initiative, denn einige Mitglieder sorgten gezielt f\u00fcr deren Spaltung. Am Ende gab der Flughafen 600.000 Euro aus, um die Initiative ruhig zu stellen. Man h\u00f6rte zudem von weitaus h\u00f6heren, geheimen Sonderzahlungen an die mutma\u00dflichen Maulw\u00fcrfe.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Jedes Mitglied der Initiative bekam 5.000 Euro und musste daf\u00fcr eine Verzichtserkl\u00e4rung unterschreiben. Aus verschiedenen Gr\u00fcnden blieb jedoch den Mitgliedern gar nichts anderes \u00fcbrig, sonst w\u00e4ren sie leer ausgegangen. <i>Wer nicht in der Initiative war, aber dennoch von L\u00e4rm und Verm\u00f6gensminderung betroffen ist, bekam gar nichts.<\/i> Das Ziel war also nicht die \u201eEntsch\u00e4digung von Betroffenen\u201c, sondern allein das \u201eEind\u00e4mmen des politischen Widerstands\u201c. Das gibt einen sch\u00f6nen Einblick in die \u201emoralischen Werte\u201c, welche die hiesi- und heutige Politik leiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Dass der Flughafen Niederrhein-Weeze oder <i>D\u00fcsseldorf<\/i>-Niederrhein, wie ihn Ryanair gern zur Irref\u00fchrung seiner Passagiere nennt, von Subventionen lebt, dass die Steuern daf\u00fcr der gebeutelte Mittelstand des Kreises aufbringen muss, dass die Profiteure vor allem in Holland, im Ruhrgebiet und bei Ryanair in Irland sitzen, st\u00f6rt die Kreispolitik nicht. Sie hat ihr Prestigeobjekt wie so viele andere Kreise in Deutschland auch. Sogar Frau Merkel war schon zweimal da. Sie besuchte Ronald Pofalla, der aus Weeze stammt und vielleicht bald \u201ePo-Faller\u201c genannt wird, wenn er sich mit dem Projekt Zuvielflughafen mitsamt seinem Hintern in die Nesseln setzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Den Gegnern des Flughafens wird derweil sogar vorgeworfen, sie h\u00e4tten kein Mitgef\u00fchl mit denen, die vom L\u00e4rm der Flugh\u00e4fen D\u00fcsseldorf und K\u00f6ln betroffen seien. Schlie\u00dflich w\u00fcrde der Zuvielflughafen Niederrhein einiges von dem Verkehr dort auf sich ziehen. Dass beide Flugh\u00e4fen, D\u00fcsseldorf und K\u00f6ln, zugleich um mehr Verkehr buhlen, um wirtschaftlich zu sein, wird dabei freilich unterschlagen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Nun ist L\u00e4rm nichts anderes als Ger\u00e4uschm\u00fcll. M\u00fcll f\u00e4llt am meisten in einer sauberen Gegend auf oder wenn er kreuz und quer \u00fcber die Landschaft verteilt liegt, wie Neschle das einmal in einem s\u00fcdafrikanischen Homeland gesehen hat. Daher f\u00e4hrt man M\u00fcll normalerweise auf dicke Haufen. Warum aber sollte das bei Ger\u00e4uschm\u00fcll anders sein? Soll man den Ger\u00e4uschm\u00fcll gleichm\u00e4\u00dfiger \u00fcber die Landschaft verteilen, damit alle gleich betroffen sind? Nicht!? Aber genau das wird bei den Zuvielflugh\u00e4fen getan.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><b>B. <\/b><b>Wir sind Partei: Gegen allgemeine Erbschaft- und Verm\u00f6gensteuer, aber f\u00fcr spezielle Zwangsabgaben<\/b><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Es ist schon erstaunlich, wer sich besonders stark f\u00fcr den Zuvielflughafen Weeze macht, aber keinerlei Gedanken darauf verschwendet, was mit den Bewohnern des Kreises geschieht, die unmittelbar Nachteile davon haben: durch L\u00e4rm, Umweltbelastungen und Verm\u00f6gensverluste. Bei den Parteien sind das alle, bis auf die Gr\u00fcnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Anfangs erschienen 2.000 neue Arbeitspl\u00e4tze schon nach einem Jahr am Horizont. Da war die Politik noch besoffen von ihren W\u00fcnschen und sah weit mehr als doppelt und im Zeitraffer. Nach mehreren Jahren ist nun nicht einmal die H\u00e4lfte davon Realit\u00e4t, selbst wenn man die Arbeitspl\u00e4tze hinzuz\u00e4hlte, die nur f\u00fcr die Folgenbeseitigung da sind: Polizisten f\u00fcr die erh\u00f6hte Kriminalit\u00e4t oder (Nerven-)\u00c4rzte f\u00fcr die Gesundheitsfolgen. Viele Arbeitspl\u00e4tze sind zudem mit Holl\u00e4ndern besetzt, subventioniert durch deutsche Steuergelder.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Der damalige Kreisdirektor als oberster Schaumschl\u00e4ger wurde f\u00fcr seine gezielt \u00fcberzogene \u201ePrognose\u201c nie zur Verantwortung gezogen. Die Politik war damit zufrieden, dass das Projekt Fluchhafen zustande kam, mit welchen Wahnvorstellungen auch immer. Irref\u00fchrung durch eine irre F\u00fchrung: F\u00fcr den Traum vom Fliegen ab Weeze gab man alles. So dachte man im Kreis! (Oh, feiner Doppelsinn!)<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Derweil gingen bereits mehr Arbeitspl\u00e4tze im Kreis durch Insolvenzen verloren als durch den Zuvielflughafen neu geschaffen wurden. Deren Erhaltung h\u00e4tte einen Bruchteil der Flughafensubventionen gekostet. Aber mit den gescheiterten Mittelst\u00e4ndlern gab es keine Gnade, auch nicht bei den Finanz\u00e4mtern, die ihnen das Geld auch f\u00fcr solche Projekte noch auf dem Sterbebett aus der Tasche zogen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Auch die Verm\u00f6gensverluste der \u00dcberflogenen r\u00fchrten niemand in der Politik und niemand r\u00fchrte sich f\u00fcr sie. Besonders bei CDU und FDP ist das verwunderlich. Denn die wehren sich vehement gegen jegliche Verm\u00f6gensteuer. Doch was sind die Verm\u00f6gensverluste der \u00dcberflogenen in der Konsequenz anderes als eine besondere Verm\u00f6gensteuer allein f\u00fcr sie, also f\u00fcr alle, die in der Ein- oder Ausflugschneise des Flughafens liegen. Allen, die \u00fcber den Flughafen einen verk\u00fcrzten Zugang zu nationalen und internationalen Flugzielen haben, wird dagegen etwas geschenkt, ohne dass sie besonders daf\u00fcr zahlen m\u00fcssen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ja sicher, das ist so seit alters her, dass die einen von solch \u00f6ffentlichen Projekten belastet werden und die anderen profitieren. Aber muss es f\u00fcr immer so bleiben? Kann es nicht dazu kommen, dass diejenigen, die profitieren, denen einen Ausgleich zahlen, die Nachteile haben? <i>Muss<\/i> das nicht sogar so sein, damit man entscheiden kann, ob aus solchen Projekten unterm Strich \u00fcberhaupt gesamtwirtschaftliche Vorteile entstehen? W\u00e4re die Summe der Profite aus einer \u00f6ffentlichen Einrichtung geringer als die Summe der Sch\u00e4den, die ein solches Projekt anrichtet, warum sollte man es dann realisieren und dazu noch mit Steuermitteln? Dann h\u00e4tte man in der Tat einen \u201eZuvielflughafen\u201c?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Um diejenigen zu abzufinden, die unter seinem Bau Nachteile haben, m\u00fcsste man Ertr\u00e4ge bei denen holen, die profitieren. Dazu braucht man intelligente Konzepte, die den Flughafen zwingen, die Flughafennutzer zur Kasse zu bitten, um die Gesch\u00e4digten zu entsch\u00e4digen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Stattdessen wollen die politischen Parteien im Kreis Kleve, allen voran die FDP, die \u00dcberflogenen noch st\u00e4rker belasten. Sie wollen den Zuvielflughafen Niederrhein, der nicht so recht profitabel ist, zu einem Nacht- und Frachtflughafen ausbauen. Trotz fehlender Anbindung ans Schienennetz und einer lausigen ans Stra\u00dfennetz! Statt die Flugh\u00e4fen besser auszulasten, die beides schon haben, baut man hier neu und aus. Das schafft Arbeitspl\u00e4tze! Mit diesem Totschlagargument k\u00f6nnte man aber sogar begr\u00fcnden, am ganzen Niederrhein L\u00f6cher zu buddeln, die man danach wieder zuschaufelt. Hinter dem Wunsch \u201eArbeitspl\u00e4tze zu schaffen\u201c geht eben der Sinn der Arbeit als solcher baden. Zuvielflughafen eben!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ausweitung und Ausbau sollen wieder geschehen, ohne den zus\u00e4tzlichen Flurschaden zu bezahlen, der sich im \u00dcberfluggebiet ergibt. Das Sinken der Immobilienwerte, in dem sich auch die gesundheitlichen Beeintr\u00e4chtigungen, der Verlust an Lebensqualit\u00e4t (etwa die ausfallende Gartenbenutzung im Sommer) und die notwendigen Vor- und Nachsorgema\u00dfnahmen wirtschaftlich widerspiegeln, wirkt wieder wie eine zus\u00e4tzliche Sondersteuer auf das Immobilienverm\u00f6gen. Dazu braucht man weder ein Steuergesetz noch einen vollstreckbaren Titel in dieser Republik, \u201ezum Gl\u00fcck\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Von dieser Sondersteuer werden Leute getroffen, die sich ihr Verm\u00f6gen mit harter Arbeit angespart haben. Die Politik hat keinerlei Skrupel, sie f\u00fcr Vorteile anderer zur Kasse zu bitten. Dabei sind einige unverschuldet in derselben Lage wie bei der Subprime-Krise in den USA: Da der Wert ihres Hauses gesunken ist, k\u00f6nnen sie keine weiteren Kredite aufnehmen und sind gezwungen, ihr Haus zu verkaufen, sobald ein gr\u00f6\u00dferer Schaden auftritt. Dieser Verkauf kann aber nach der Belastung durch den neuen Flughafen nur zu einem niedrigeren Preis verwirklicht werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Dieselben Parteien, die eine Verm\u00f6gensteuer ablehnen und bei der Erbschaftsteuer auf \u201eunverdientes\u201c Verm\u00f6gen nur ma\u00dfvoll zulangen, finden \u00fcberhaupt nichts dabei, den \u00dcberflogenen solche Verm\u00f6genssch\u00e4den zuzumuten. In keiner ihrer machtvollen Forderungen nach mehr Nacht-, Fracht- und damit auch Krachflug werden die Betroffenen erw\u00e4hnt oder gar bedacht. Fertige Konzepte f\u00fcr Nacht- und Frachtflug gibt es, aber keine f\u00fcr die Entsch\u00e4digung der Betroffenen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Da es sich auch um ein \u00f6ffentliches und nicht um ein rein privatwirtschaftliches Projekt handelt, m\u00fcsste zudem dar\u00fcber nachgedacht werden, welche Folgen Aus- und Aufbau f\u00fcr die naheliegenden Flugh\u00e4fen D\u00fcsseldorf, K\u00f6ln, M\u00f6nchengladbach oder Dortmund haben. Die f\u00fchlen sich derzeit zu wenig ausgelastet. Und weil das Betreiben eines Flughafens eine stark fixkostenlastige Angelegenheit ist, w\u00fcrden daher Nacht- und Frachtflug aus Weeze weiter zu Lasten ihrer Wirtschaftlichkeit gehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Doch der Blick der vereinsmeierischen Kreispolitiker fokussiert sich allein auf den engen Horizont ihres Kreises. Da stellt man fest, dass sich der Zuvielflughafen Niederrhein in Weeze zur Eurokatakombe des Kreises entwickelt, wenn man selbst nicht mehr Verkehr auf die Landebahn bringt, welche das Schwimmb\u00e4d als Groschengrab der Gemeinden weit in den Schatten stellt. Es ist so, als sp\u00fclte man das Geld durch ein Flughafen-WC (sprich: Weeze) hinunter.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Den Unsinn der Entscheidung zur Konversion dieses Milit\u00e4rflughafens in einen Zivilflughafen will man nun durch einen zweiten noch gr\u00f6\u00dferen Unsinn beseitigen, der nicht nur den \u00dcberflogenen weitere Sondersteuern auferlegt, sondern auch die umliegenden Flugh\u00e4fen sch\u00e4digt. Dort wird man die L\u00e4rmminderung kaum sp\u00fcren, weil sie mit denselben Genehmigungen in Betrieb bleiben werden, umso mehr aber die L\u00e4rmerh\u00f6hung am Flughafen Niederrhein. Man verteilt eben den Ger\u00e4uschm\u00fcll gleichm\u00e4\u00dfiger in der Landschaft, statt ihn auf einem Haufen zu konzentrieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Politik muss sich hier zudem Gedanken machen, wie sie diese Sondersteuern auf das Verm\u00f6gen der Betroffenen neu wertet und einen Ausgleich schafft. Denn freiwillig l\u00e4sst sich keiner mehr die Zwangsenteignung gefallen. Die Politik spielt hier allerdings noch weniger mit offenen Karten als bei anderen versteckten Steuern, wie bei Kohle- oder Wasser-\u201ePfennig\u201c, bei denen allein die Bezeichnung die mangelnde Bereitschaft zeigt, dem B\u00fcrger offen entgegenzutreten.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ein B\u00fcrger aber, der sich von seinem Staat betrogen f\u00fchlt, wird nie eine passable Solidarit\u00e4t zu ihm entwickeln. B\u00fcrger sind heute weit intelligenter als fr\u00fcher, um sich durch solche Tricks betr\u00fcgen zu lassen. Ihre Politiker aber scheinen noch anders von ihnen zu denken<a href=\"#_ftn1_7053\" name=\"_ftnref1_7053\">[1]<\/a>. Sie sind nicht in einer Zeit angekommen, in der es gilt, ein intelligenteres und besser informiertes Volk zu f\u00fchren, das sich einer Verdummungspolitik nicht mehr beugt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p style=\"text-align: center;\">Jeder Kreis und jede Stadt,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">heute einen Flugplatz hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Wo kriegt man so\u2019n Ding denn her?<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Warum nicht vom Milit\u00e4r?<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Macht man eine Konversion,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">hat man den Flughafen schon.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p style=\"text-align: center;\">Politiker in Kleve fanden:<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\u201eSch\u00f6n in Weeze mal zu landen!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Doch wer \u00fcberflogen wird,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">das ein wenig anders sp\u00fcrt:<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">L\u00e4stig ist Fliegen von Weeze,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">so wie die Fliegen im WC.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p style=\"text-align: center;\">Und weil das mancher so empfindet,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">auch der Immobilienwert entschwindet.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Denn f\u00fcr ein Haus ist L\u00e4rm am Himmel<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">beim Wert so wie\u2019ne Wand mit Schimmel.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Und niemand zahlt f\u00fcr solchen Schei\u00df<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">auch noch denselben H\u00e4userpreis.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">So wirkt denn dieser Wertverlust,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">als ob Du Steuern zahlen musst.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p style=\"text-align: center;\">Und das ist wirklich ungeheuer,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">man will keine Verm\u00f6gensteuer,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">doch ist es einem schei\u00dfegal,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">und auch dazu noch ganz legal,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">wenn der \u00dcberflog\u2019ne kr\u00e4ftig blutet.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Das wird ihm einfach zugemutet.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p style=\"text-align: center;\">Die Einsicht, dass das nicht so geht,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">bei Neschle Achtundf\u00fcnfzig steht.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Es kann nicht sein, dass man erlaubt,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">dass unser Staat manche beraubt,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">und dass am Ende ist der Sieger<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">wieder allein der \u00dcberflieger.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\">\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ftnref1_7053\" name=\"_ftn1_7053\">[1]<\/a> Es zeigt sich immer wieder, dass die Politiker die Dummheit beim Volk suchen, statt sich ihrer Fehler bewusst zu sein. Schon werden erste Stimmen laut, die nach dem B\u00fcrgerentscheid der Schweizer f\u00fcr ein Minarettverbot die Dummheit der B\u00fcrger bei derart komplexen Fragen beklagen. Also nie mehr ein B\u00fcrgerentscheid!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Aber wo waren die Politiker, die heute so sprechen, vor der Wahl? Wo waren sie als es darum ging, eine solche Entscheidung zu verhindern? Da haben sie wohl nach Artikel 3 des K\u00f6lschen Grundgesetzes gedacht: \u201eEt h\u00e4tt noch immer jot jejange\u201c Doch \u201eEt es wie et es\u201c (Artikel 1) und \u201eEt k\u00fctt wie et k\u00fctt\u201c (Artikel 2). Die Schweizer haben gesagt \u201eKenne mer nit, bruche mer nit, fott domet\u201c (Artikel 6) und die Politiker m\u00fcssen nun mit dieser Dummheit fertig werden, die doch nur die Folge ihrer eigenen ist. Denn \u201eWat fott es es fott\u201c (Artikel 4). Also: \u201eWat wellste maache)?\u201c (Artikel 7).<\/p>\n<p><a title=\"PDF-Datei\" href=\"http:\/\/www.neschle.de\/download-manager.php?id=146\">PDF-Datei<\/a><br \/>\nThis post was downloaded by  1371 people until now.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Entsch\u00e4digungslose Enteignungen \u2013Gern geleugnet, oft benutzt. Aber auch gebraucht? Au\u00dfer dem Milit\u00e4r- und dem Zivilflughafen gibt es den Zuvielflughafen und der ist auch ein Fluchhafen. (Neschle) Unsere wirtschaftliche Entwicklung beruht anscheinend oder auch nur scheinbar darauf, dass viele Menschen zugunsten anderer enteignet werden. Ihnen wird eine latente \u201eEntwicklungssteuer\u201c auf ihr Verm\u00f6gen oder ihr Einkommen auferlegt, &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-58-49-woche-2009\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eLeon Neschle 58 (49. 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