{"id":449,"date":"2009-12-01T12:38:58","date_gmt":"2009-12-01T11:38:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.neschle.de\/index.php\/au-aufschrei\/au-aufschrei-42\/"},"modified":"2020-06-18T17:44:21","modified_gmt":"2020-06-18T16:44:21","slug":"au-aufschrei-42","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/au-aufschrei\/au-aufschrei-42\/","title":{"rendered":"Au &hellip; Aufschrei 42"},"content":{"rendered":"<header>\n<h2 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #4f81bd\">Entlassung wegen Eselei?<\/span><\/strong><\/h2>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Compliance: Herrschaft von Form und Bagatelle statt Inhalt und Bedeutung.<\/strong><\/p>\n<\/header>\n<p style=\"text-align: left;\">Neschle sch\u00e4mt sich. Wenn er Vorlesungen h\u00e4lt, kommt er fast immer mit Folienstiften nach Hause. Einmal im Monat wird es (ihm) dann aber zu bunt. Er packt alle Stifte zusammen, um sie wieder im Schreibtisch in der Uni zu deponieren. Doch zu sp\u00e4t!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Br\u00f6tchen-Bagatellen, Wurstzipfel-Wegnahme, Strom-Stehlen f\u00fcr das private Handy und die bekannte Pfandgutschein-Pferpfehlung: Alles wurde j\u00fcngst als Grund f\u00fcr eine Entlassung dargestellt. Wozu soll da Neschles \u201eFilzen\u201c von Folienstiften f\u00fchren?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Geht es nach den Presseberichten, m\u00fcsste Neschle gleich mehrfach im Monat entlassen werden. Da hilft nicht, dass er von den Stiften zu Hause keinen Gebrauch macht. Auch nicht, dass er sie zur\u00fcckbringt. Geklaut ist geklaut, ob bewusst oder unbewusst. Da kann nicht einmal entlasten, dass Neschle privaten Aufwand t\u00e4tigt, um Arbeiten f\u00fcr seinen Arbeitgeber zu erledigen. Dabei ist er freiwillig so dumm!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Presse klagt derweil die Unternehmungen an, Mitarbeiter <span style=\"text-decoration: underline;\"><em>wegen<\/em><\/span> geringwertiger Pfandgutscheine oder belegter Br\u00f6tchen zu entlassen: Wird man demn\u00e4chst sogar wegen der Bet\u00e4tigung des Abzugs auf der Betriebstoilette hinausgeworfen, wenn man das Wasser nicht mitbringt? Wehe man stiehlt k\u00fcnftig etwas von der beruflichen Arbeitszeit mit einem privaten Satz \u00fcber die Fu\u00dfballspiele am Wochenende!?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Der wichtigste Vorwurf: <em>grobe Unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit:<\/em> Mitarbeiter, die der Unternehmung zum Teil \u00fcber Jahrzehnte treu gedient haben, werden <em>wegen<\/em> winziger Bagatellen restlebenslang in die W\u00fcste geschickt. Journalisten und Leser glauben das jedenfalls oder wollen das gern glauben. Sie unterstellen den Managern \u00f6ffentlich Unmoral und heimlich komplette Verbl\u00f6dung. <em>Denn welcher halbwegs f\u00e4hige Kopf entl\u00e4sst Leute, die er f\u00fcr den Unternehmenserfolg braucht wegen solcher Lappalien?<\/em> \u2013 Niemand! Au\u00dfer er sei komplett verbl\u00f6det und zugleich ein moralischer Teufel, ein unterirdischer Mensch. \u2013 Ist das denn die deutsche Managerrealit\u00e4t? \u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u00dcberlegen wir mal und billigen wir den Managern einfach mal ein Wenig Geist zu und sogar ein klitzekleines Ma\u00df an Moral. Dann wird klar:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>Solche Bagatellen und Lappalien sind nie und nimmer Ursache oder Grund f\u00fcr die Entlassung guter Mitarbeiter. <\/em>Dann w\u00fcrde sich eine Unternehmung auf Dauer selbst den gr\u00f6\u00dften Schaden zuf\u00fcgen? Von halbwegs dem Nebel der Bl\u00f6dheit und der H\u00f6lle teuflischer Unmoral entronnenen Managern wird eine K\u00fcndigung also um Himmelswillen nicht <span style=\"text-decoration: underline;\"><em><strong>wegen(!)<\/strong><\/em><\/span> einer Wurstzipfel-Wegnahme ausgesprochen. Die ist, ebenso wie andere Bagatell-\u201eDelikte\u201c, nur \u201ewillkommener\u201c Anlass. Denn schlechte Arbeitsleistungen und selbst jahrelange Arbeitsverweigerung erm\u00f6glichen in unserer Rechtsordnung kaum mehr eine Entlassung, selbst wenn die Unternehmung und andere Mitarbeiter seit Jahren Schaden genommen haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">So weit und tief zu denken, ist freilich nicht die Sache von Journalisten und Bild-Zeitungslesern. Auf die Titel- und Tittenseite des Bild(ungs-)Blattes schaffen es nur schwerste Gesch\u00fctze, auch wenn sie mit Konfetti (oder Silikon) gef\u00fcllt sind. Realismus w\u00fcrde den sch\u00f6nen Schein der \u201eSchlacht\u201c-Zeilen zerschlagen. Er w\u00fcrde zu tiefgr\u00fcndigen Fragen f\u00fchren, mit denen sich der Mensch sp\u00e4testens seit Lady Gaga nur noch ungern befasst. Man m\u00fcsste n\u00e4mlich fragen, ob nicht unser Recht selbst und der Umgang der Justiz damit zu dieser bigotten Doppelmoral f\u00fchren:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>Weil die Unternehmung aus wirklich bedeutenden Gr\u00fcnden nicht mehr entlassen kann und darf, muss sie auf einen solchen bl\u00f6den Bagatellfall warten, um die Gelegenheit beim Schopfe zu packen. Das wird den Managern von ahnungslosen oder bigotten Journalisten dann als Unmoral vorgehalten.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Es ist die Frage nach der Wertung von Entlassungsgr\u00fcnden durch das deutsche Recht. Dieses Recht geht \u201erein formal\u201c vor und unter Missachtung der materiellen Bedeutung. Im Rechtempfinden des B\u00fcrgers wird dadurch mit zweierlei Ma\u00df gemessen: Die Gro\u00dfen d\u00fcrfen sich alles leisten, die Kleinen entl\u00e4sst man schon <em>wegen<\/em> Lappalien. Dabei ist es nur die Frage, ob man die richtigen Fehler macht oder die falschen. Bei den richtigen Fehlern reichen selbst grobe Verst\u00f6\u00dfe nicht zur Entlassung, bei den falschen schon geringste Bagatellen und Lappalien.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Lappalien-Hysterie ergreift die Wirtschaft derzeit sogar in den oberen Etagen. Neschle erlebt es selbst: Er bekommt von einer Unternehmung pl\u00f6tzlich eine Freikarte f\u00fcr ein Fu\u00dfballspiel! Sch\u00f6n, aber warum? Die war zun\u00e4chst n\u00e4mlich deren Gesch\u00e4ftspartnern zugedacht! Die aber nahmen sie nicht an. Aber warum?!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Weil diese Gesch\u00e4ftspartner glauben, sie nicht mehr annehmen zu <em>d\u00fcrfen<\/em>. Bestechung?! Extreme Angst, verd\u00e4chtigt zu werden!!! Wegen der Fu\u00dfballkarte! Was k\u00f6nnte <em>deshalb<\/em> nicht alles manipuliert werden bei k\u00fcnftigen Vertr\u00e4gen. Bl\u00f6dsinn?! Es ist zum Teil sogar noch extremer, eine echte Hysterie. Darin hat selbst die Weihnachtskarte ihre Unschuld verloren:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u201eWill der Gesch\u00e4ftspartner mich dadurch beeinflussen, mich gef\u00fcgig und manipulierbar machen?\u201c M\u00f6glich w\u00e4re es immerhin!? Wehret den kleinsten Anf\u00e4ngen und lehnt auch den Empfang der Weihnachtskarten ab! Selbst den kleinsten Geschenken oder Aufmerksamkeiten traut man alles zu. Sogar die H\u00f6flichkeit wird bald wohl auf der Strecke bleiben m\u00fcssen und man wird nur noch h\u00e4ssliche und unnahbare Menschen im Au\u00dfendienst zulassen, weil alles andere nach Manipulation riecht. Attraktive Frauen und M\u00e4nner werden dann im Back-Office eingesperrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Diese Hysterie wurde wieder mal importiert. Gedankenlos! Sie tr\u00e4gt an dem Namen \u201eCompliance\u201c und ist der Wurmfortsatz \u201epolitischer Korrektheit\u201c. \u201eCompliance\u201c macht tausenden von Leuten Angst, wegen Kleinigkeiten und Kinkerlitzchen ihre Arbeit zu verlieren. Jedes vern\u00fcnftige Ma\u00df ist dabei abhanden gekommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wir stellen mit dieser \u201eCompliance\u201c immer mehr Fettn\u00e4pfchen auf, erwarten aber, dass die Wirtschaft tanzt. Das wird sie nicht tun! Und hier beginnt die Unmoral dieser neuen Moral: Sie ist der Start in die neue Welt moralinsaurer Bigotterie.<\/p>\n<p><a title=\"PDF-Datei\" href=\"http:\/\/www.neschle.de\/download-manager.php?id=143\">PDF-Datei<\/a><br \/>\nThis post was downloaded by  1109  people until now.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Entlassung wegen Eselei? Compliance: Herrschaft von Form und Bagatelle statt Inhalt und Bedeutung. Neschle sch\u00e4mt sich. 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