{"id":436,"date":"2009-11-19T17:16:00","date_gmt":"2009-11-19T16:16:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.neschle.de\/index.php\/essays\/leon-neschle-56-47-woche-2009\/"},"modified":"2020-06-20T15:16:59","modified_gmt":"2020-06-20T14:16:59","slug":"leon-neschle-56-47-woche-2009","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-56-47-woche-2009\/","title":{"rendered":"Leon Neschle 56 (47. Woche 2009)"},"content":{"rendered":"<header>\n<h2 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #4f81bd\">Die Bologna-Bl\u00f6den: Verschulung der Lehre, Leere durch Verschulung.<\/span><\/strong><\/h2>\n<\/header>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>Es gibt einen Unterschied zwischen Bildung und Ausbildung, der nicht nur Einbildung ist.<\/em> (Leon Neschle)<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Mit <a href=\"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/5\/\">Leon Neschle 1<\/a> \u201e<i>Bachelor und Master: Gesellen und Meister f\u00fcr die akademischen Z\u00fcnfte\u201c<\/i> hat dieser Blog im Februar 2007 angefangen<i>. Das war kein Zufall! <\/i>Neschle war in Sorge um die akademische Bildung in Deutschland. Mit <a href=\"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-32-47-woche-2007\/\">Leon Neschle 32<\/a> <i>\u201eZwei-Master, Drei-Master, Vier-Master segeln im rosaroten Bildungs-Mehr\u201c<\/i> hat er Ende 2007 nachgelegt, um weitere Ausw\u00fcchse des Mehrfach-Masterns und des Bachelorismus anzuprangern. Fast drei Jahre hat es gedauert, bis sich in Studentenprotesten vieles davon wiederfindet. Studenten und Professoren haben auszubaden, was bornierte und nun auch blamierte Bildungspolitiker ihnen auferlegt haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wie sich Bologna-Bl\u00f6dheit auswirkt (aber auch wie man sie bek\u00e4mpfen kann), konnte Neschles Alter Ego auf einem Seminar \u00fcber \u201eManagerverg\u00fctung und Managerhaftung\u201c erfahren, das er am letzten Wochenende (Freitag bis Sonntag) mit einem Sponsor aus der Praxis an einem ausw\u00e4rtigen Tagungsort abhielt:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Obwohl Kost und Logis f\u00fcr alle Studenten frei waren und sich die Studenten auf intensive Kontakte zu Praktikern, Professor und Mitarbeitern freuen konnten, taten sie das im Vorhinein nicht. Die Motivation zur Teilnahme an dieser Sonderveranstaltung war nahe Null. Trotz Wochenende war der gef\u00fchlte Zeitdruck bei den Studierenden hoch. Einige schrieben bald wieder Klausuren, andere lie\u00dfen auf dem Seminar von Daheimgebliebenen per SMS \u00fcber ihre Noten bei bereits gelaufenen Klausuren unterrichten: Mitten im Semester!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Am Ende war die Resonanz zu diesem Seminar jedoch \u00fcberw\u00e4ltigend. \u00dcberw\u00e4ltigend gut! Studierende versicherten, dass ihnen \u00fcber das Feed-Back von Wissenschaft und Praxis so viel \u201eBildung\u201c zukam wie sonst noch nie im Bachelor-Studium. Dort hatten sie bislang von Klausur zu Klausur gelebt ohne ein echtes Feed-Back.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Das zum Teil \u00fcberbordende Lob f\u00fcr seine Veranstaltung hat Neschle aber nicht nur geschmeichelt. Es hat ihm auch das beklemmende Gef\u00fchl vermittelt, dass er Recht hatte mit <a href=\"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/5\/\">Leon Neschle 1<\/a> und <a href=\"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-32-47-woche-2007\/\">32<\/a>. Heute empfinden sich dadurch die Studierenden als die Bologna-Bl\u00f6den, weil sie Bologna-verbl\u00f6det wurden.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die wahren Bologna-Bl\u00f6den sind jedoch die Bildungspolitiker, denn sie waren augenscheinlich schon vorher verbl\u00f6det. Schon nach kurzen Protesten der Studenten versichern sie daher, die so hochgelobten Bachelor-Studieng\u00e4nge sofort wieder reformieren zu wollen. Ein erster Vorschlag aus Bielefeld: <i>Studienzeiten verl\u00e4ngern! <\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Von der gleichzeitigen Verringerung der Studiengeb\u00fchren ist dagegen nicht die Rede. Dabei geben Studierende dieser Gesellschaft \u00fcber unser progressives Steuerrecht schon lange zur\u00fcck, was sie die einst gekostet haben, sofern das Studium ihnen \u201eetwas gebracht hat\u201c. So haben die Studierenden noch immer den Zwang, innerhalb der Studienzeiten bleiben zu m\u00fcssen, wegen der Studiengeb\u00fchren jedoch mehr hinzuverdienen zu m\u00fcssen. Selbst wenn die Einhaltung der Studienzeiten und die Studiengeb\u00fchren f\u00fcr sich genommen ihre Berechtigung h\u00e4tten: Gleichzeitig eingef\u00fchrt erweisen sie sich als Regulierungsfehler. Die Folgen lassen vermuten, dass dies sogar f\u00fcr das ganze Bachelor- und Masterstudium gilt.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>A. Ganze Bildungswelten liegen zwischen Diplom- und Bachelorarbeit<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Spielen wir M\u00e4uschen und h\u00f6ren, was vor etwa 14 Tagen in einem Gespr\u00e4ch unter Professoren \u00fcber die Bachelor-Arbeit gesagt wurde (oder \u201agesargt\u2018 wurde):<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">N.: \u201eWelche Erfahrungen haben Sie mit Bachelorarbeiten gemacht, Herr Kollege? Hm, ich meine im Vergleich zu Diplomarbeiten.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">E.: \u201eIm Durchschnitt sind sie <i>weniger<\/i> inhaltsreich. Zum \u201aAusgleich\u2018 (L\u00e4cheln!) haben sie <i>mehr<\/i> formale Fehler. Sie sind auch seltener eigenst\u00e4ndig und innovativ.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">N.: \u201eWoran liegt das Ihrer Meinung nach?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">E.: \u201eDie Leute, die sie schreiben, sind ein bis zwei Jahre j\u00fcnger. Das macht was aus.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">N.: \u201eAber doch nicht beim Mangel an Phantasie?!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">E.: \u201eDas liegt an etwas anderem: Die Leute kommen vor lauter Klausurenstress nicht mehr zum eigenst\u00e4ndigen Denken. Sie k\u00f6nnen ihre Pers\u00f6nlichkeit und ihr Selbstbewusstsein vor lauter Paukerei nicht mehr entwickeln.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">N.: \u201eAber das ist doch Wahnsinn in einer Welt, wo wir gerade selbst\u00e4ndiges unternehmerisches Denken brauchen; wo selbst der Angestellte \u201aIntrapreneur\u2018 sein muss.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">E.: \u201eJa, aber dieser Wahnsinn ist Folge eines Urteils, das im rein indiziengef\u00fchrten \u201eBologna-Prozess\u201c \u00fcber die deutsche Universit\u00e4t gef\u00e4llt wurde. Die H\u00f6chststrafe: Fortf\u00fchrung der Schulzeit und der Methoden der Schule in der \u201epraxisorientierten\u201c \u201aAusbildung zum Gesellen oder Meister\u2018. Die Zeiten akademischer Freiheit sind vorbei, weil sie oft genug zur akademischen Freizeit wurde.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">N. \u201eAber diese Freiheit war doch nicht nur Freiheit von etwas, sondern auch Freiheit <i>zu<\/i> etwas: zur selbst\u00e4ndigen souver\u00e4nen Entwicklung der Pers\u00f6nlichkeit. Aus Diplomarbeiten schaute diese Pers\u00f6nlichkeit noch heraus, in Bachelorarbeiten schaut sie nur noch hinein. Was soll denn \u201apraxisorientierte Ausbildung\u201c mit reinem Paukwissen hei\u00dfen? Sollen das unsere F\u00fchrungskr\u00e4fte von morgen werden?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">E.: \u201eSie sagen es, Herr Kollege. Aber das will keiner mehr wissen. Das Urteil ist gesprochen und wird vollstreckt. Bologna ist heute \u00fcberall. Es ist wie bei der Rechtschreibreform: Wir haben uns zu sp\u00e4t und zu wenig heftig dagegen gewehrt. Hier wie dort hielten wir es nicht f\u00fcr m\u00f6glich, dass \u201aExperten\u2018 so einen Unsinn verzapfen.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">N.: \u201eSie taten es doch, die Experten!!! So m\u00fcssen wir damit nun leben!?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">E.: \u201eEben! Aber wollen wir das? Wo bleibt denn unsere Motivation, wenn die der Studenten sich auf reines Pauken reduziert.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Zwei Wochen nach diesem Gespr\u00e4ch blockieren Studierende das Auditorium Maximum von Neschles Universit\u00e4t und fordern die Abschaffung von Bachelor- und Masterabschl\u00fcssen. Vorlesungen im Audimax fallen aus.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>B. Der Niedergang des sozialen Lebens in der Universit\u00e4t<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Neschle stellt immer st\u00e4rker fest, auf jedem Fest: Die Studenten bleiben aus, die Studentinnen erst recht. Noch st\u00e4rker merken das nur die Studentengemeinden, die schon seit l\u00e4ngerem unter Schrumpfung litten. Die Umstellung auf Bachelor und Master gekoppelt mit Studiengeb\u00fchren sorgte geradezu f\u00fcr einen Einbruch bei den Besucherzahlen von Gottesdiensten und Gemeinschaftsfeiern.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Was war fr\u00fcher los auf den Campusfesten. Und heute? Nichts mehr! Schn\u00f6de, bl\u00f6de \u00d6de! Selbst wenn Professoren rocken, kann niemand die Studenten locken. Und der Rest vom Fest ist nur Hetze und Unruhe:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Studie: \u201eIch muss noch \u2026 , ich kann nicht mehr lange bleiben. Schlafen muss ich auch mal! N\u00e4chste Woche schreibe ich zwei Klausuren. Von zw\u00f6lf in diesem Semester. Plus Seminar. Geht nicht anders!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Externer: \u201eAber es ist doch mitten im Semester!?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Studie: \u201eDer Prof blockt. Er macht zwei Vorlesungen bis zur Mitte des Semesters und dann die Klausuren. Die anderen beiden bis zum Ende und nochmal die Klausuren. Das entzerrt. Die Studis und Assis wollen das so.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Externer: \u201eAber das setzt permanent unter Druck. Der Mensch hat doch auch mal Zeiten, wo er in sich gehen muss, in der Hoffnung einer ist da, den er bilden kann. Die wahre St\u00e4rke kommt von innen. Wie soll man die entwickeln, wenn man st\u00e4ndig \u00e4u\u00dferen Zw\u00e4ngen gen\u00fcgen muss.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Studie: \u201eEs wollen ja alle eine gute \u201a<i>Aus<\/i>bildung\u2018. Da ist die eigene Bildung nur noch Einbildung.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Externer: \u201eAber so geht doch der soziale Kontakt baden. Die Studies werden zu asozialen Wesen, die sich st\u00e4ndig nur Wissensmengen in die hohle Birne schaufeln.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Studie: \u201eSo ist es. Aber was soll <i>ich<\/i> da machen? Hinterher sagen sie dann alle: Das haben wir aber nicht gewollt.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">So spielte sich ein Gespr\u00e4ch zwischen einem Studenten und einem (\u00e4lteren) externen Besucher ab, der nach l\u00e4ngerer Abstinenz mal wieder ein Campusfest besuchte und sich dabei an seine eigene Studienzeit erinnerte.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Diese Arbeitsversessenheit vieler Studies kann sich heute sogar bis zur Br\u00fcskierung Au\u00dfenstehender steigern. Und das geht so:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Neschles Alter Ego sorgte mal wieder daf\u00fcr, dass ein Seminar (nicht das oben genannte) von einem G\u00f6nner aus der Praxis begleitet und gesponsert wurde. Bei der Bereitschaft zu einem solchen Sponsoring ist ja nicht selten eine Spur Nostalgie und Erinnerung an das eigene Studium im Spiel. Die mag den Sponsor trotz zaghafter Warnungen dazu gebracht haben, f\u00fcr \u00fcber 40 Seminarteilnehmer am Ende des Seminars ein Fest zu veranstalten. F\u00fcr reichlich Speisen und Getr\u00e4nke war gesorgt, die Stimmung war gut. Doch in dem zu gro\u00df geratenen Saal verloren sich weniger als die H\u00e4lfte der Seminarteilnehmer. Der Rest hatte neben dem Seminar zugleich Klausurvorbereitungen oder sch\u00fctzte sie vor, mitten im Semester.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">So warteten die Speisen am Buffet auf den Verzehr. Doch obwohl die Anwesenden m\u00e4chtig zulangten: Der Gro\u00dfteil des Buffets gammelte den ganzen Abend vor sich hin. Dass der Abend dennoch zum Erfolg wurde, lag an den Anwesenden.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Doch der Sponsor wird sein langes Gesicht bei der Feststellung der Ab- und Anwesenheitsquote so schnell nicht vergessen. F\u00fcr derart hirnvernagelte Paukstudenten wird er wohl nichts mehr \u00fcbrig haben. Und ehrlich gesagt: Neschle versteht das. Selbst Neschles Alter Ego war geschockt von der hohen Ausfallquote und peinlich ber\u00fchrt, zumal seine Hiwis die L\u00fccken nur unzureichend f\u00fcllen konnten. So \u201easozial\u201c gingen die Studies mit ihrem Sponsor um, die sich im Ego-Trip ihres Bachelor-Studiums verfangen hatten?!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Dabei gibt es seit Langem psychologische Begleitmusik, die auf die Zunahme asozialen Verhaltens hinweist, wie etwa die Hirnforscherin Susan Greenfield in einem Artikel der Welt von 7. M\u00e4rz 2009. In der zweidimensionalen Welt der Flachbildschirme vermindern sich nicht nur Realit\u00e4ts- und Risikobewusstsein, sondern auch die F\u00e4higkeit zu sozialen Kontakten. Statt dem entgegenzusteuern versch\u00e4rft die neue Studienform diese Tendenz zu asozialem Verhalten. Das wird langfristig wohl nur die Besch\u00e4ftigung der Psychiater erh\u00f6hen. Wenn die USA schon bei Bologna das Vorbild waren, wieso nicht auch da? Und korrelieren nicht auch Pisa-Platz und Selbstmordrate in Finnland ganz augenf\u00e4llig. Sind da wirklich nur die Mentalit\u00e4t eines \u201eMoll-Volkes\u201c und die dunklen Winter verantwortlich?<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>C. Zusatzqualifikationen: Lasst Orchideenf\u00e4cher aufbl\u00fchen!<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Rhetorikkurse und Pr\u00e4sentationstechniken haben Konjunktur. Bologna hat ihnen dazu verholfen. Sie ersetzen bei der Bologna-Bl\u00f6dheit die Pers\u00f6nlichkeitsbildung des alten Diploms. Die Studenten k\u00f6nnen nun wenigstens gut ausdr\u00fccken und pr\u00e4sentieren, was sie gar nicht mehr haben: Bildung. Denn alles ist gepaukt und auswendig gelernt, einschlie\u00dflich der Rhetorik und der Pr\u00e4sentation. Hier herrscht dasselbe Missverst\u00e4ndnis wie bei der Annahme, man sei durch blo\u00dfes Beherrschen der \u201eLiebes-Technik\u201c auch ein guter Liebhaber.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Fr\u00fcher mussten sich die Studenten solche Zusatzqualifikationen selbst beibringen, weil Pflicht-Vorlesungen nur das Sach- und Fachwissen ihres Studiengangs enthielten. Das galt auch f\u00fcr Sprachen. Da musste der Student selbst aktiv werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Neschle tat das zum Beispiel im Laufe seines Studiums. Das hatte zur Folge, dass er neben pr\u00fcfungsorientiertem Lernen auch eigenmotiviertes Lernen betrieb. Von dieser \u201eLast\u201c haben die Bologna-Bl\u00f6den die heutigen Studies befreit, weil sie die fr\u00fchere Eigenmotivation in Pr\u00fcfungsorientierung verwandelt haben. Zus\u00e4tzliche Eigenmotivation ist nun weder n\u00f6tig noch erw\u00fcnscht!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wie viel Motivationsporzellan allein dadurch zerschlagen wurde, ist offenbar keinem der Verantwortlichen bewusst, so dass sie sich gar nicht verantwortlich f\u00fchlen k\u00f6nnen. Allein fr\u00fchere Orchideenf\u00e4cher haben Auftrieb bekommen. Sie sahen mit der Verankerung ihrer Lehre in den Zusatzqualifikationen anderer F\u00e4cher die Chance, sich aus dem Dornr\u00f6schenschlaf an der Uni erwecken zu lassen und ihr langfristiges \u00dcberleben sicherzustellen. Doch je nach Studienfach hat die Ingenieurs \u2013 oder Wirtschaftsferne der Orchideenf\u00e4cher am Ende doch dazu gef\u00fchrt, dass die Fakult\u00e4ten die zumeist als l\u00e4stig empfundene Verpflichtung, Zusatzqualifikationen in den normalen Studiengang zu integrieren, lieber eigenen Dozenten \u00fcbertrugen.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>D. Workload: Die gr\u00f6\u00dfte Farce der Bologna-Bl\u00f6dheit nach der Akkreditierung<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Recheneinheit der Akademie Bolognese ist nicht die Zahl der Pr\u00e4senzstunden sondern die \u201eWorkload\u201c. Mit der Workload legen die Sch\u00f6pfer eines Studiengangs fest, welche Arbeitslast sich insgesamt mit den einzelnen F\u00e4chern verbinden soll. Neben der Zahl sichtbaren, an der Universit\u00e4t verbrachten Stunden, m\u00fcssen die Professoren sich anma\u00dfen, die au\u00dferhalb der Universit\u00e4t f\u00fcr Vor- und Nachbereitung ben\u00f6tigte Stundenzahl zu sch\u00e4tzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Das ist schon deshalb schwierig, weil jeder Jeck anders ist, auch der studentische. W\u00e4hrend die eine schnell begreift, hat der andere den Sachverhalt auch nach Stunden noch nicht gefressen. Daher er\u00f6ffnet diese Sch\u00e4tzung einen Spielraum zu Manipulationen. Nach Wunsch fast lassen sich vergleichbaren Lehrveranstaltungen mehr oder minder gro\u00dfe Workloads zuordnen. Gleichartigen Seminaren wird unabh\u00e4ngig von der tats\u00e4chlichen Belastung einfach die doppelte Workload zugeordnet, alles abgesegnet durch die Akkreditierungskommission. Denn nat\u00fcrlich kann man sich f\u00fcr jede Lehrveranstaltung beliebig lange vor- und nachbereiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Da sich auch die Kreditpunkte strikt nach der pauschal intendierten Workload richten (merkw\u00fcrdigerweise ist ein Multiplikator von 1,5 im Spiel!?) und die Kreditpunkte die Gewichtung der Teilnote im zusammengekleisterten, meist kaum mehr strukturierten <i>Mosaikzeugnis<\/i> von Bachelor und Master bestimmen, hat die Beliebigkeit der Workload-\u201aSch\u00e4tzungen\u2018 f\u00fcr die Studenten durchaus materielle Folgen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Und Professoren k\u00f6nnen ihr Fach nun nach Belieben wichtiger machen, wenn sie ihm bei gleicher Lehrleistung eine h\u00f6here Workload zuweisen (lassen). Dass sich die D\u00fcnnbrettbohrer zu diesen F\u00e4chern hingezogen f\u00fchlen, d\u00fcrfte dem Wissenden klar sein. Was weniger klar ist: Die Beliebigkeit der Workload-Sch\u00e4tzung erm\u00f6glicht auch: Zwei Studieng\u00e4nge mit derselben \u201eWorkload\u201c, aber deutlich unterschiedlichen Pr\u00e4senz- und Lehrstunden an der Hochschule schlie\u00dfen formal mit demselben Titel ab. Der Etikettenschwindel erlebt auf diese Weise ein Hoch, dass es zu Zeiten des Diploms nie gegeben hat. Das alles mit der Kontrolle der Akkreditierung, die es fr\u00fcher auch nicht gegeben hat, aber auch nicht zu geben brauchte.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Auf Uni-Feten ist es \u00f6de,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">es paukt nur der Bologna-Bl\u00f6de.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Der stete Blick auf seine Uhr,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">wird ihm zu st\u00e4ndigen Tortur.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Die Workload h\u00e4ngt im stets im Nacken,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">er hat noch nicht mal Zeit zum K\u2026 .<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p style=\"text-align: center;\">Sozial da ist er isoliert,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">damit er keine Zeit verliert.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Schlie\u00dflich muss er sich nun r\u00fchren,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">denn Bachelor das kost\u2019t Geb\u00fchren.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Die m\u00fcsst er eigentlich verdien\u2019n,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">doch grad sein Studium hindert ihn.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p style=\"text-align: center;\">Und wenn er kurz mal in sich geht,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">dann sieht er niemand, der da steht.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Anstelle der Pers\u00f6nlichkeit<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">versp\u00fcrt er Leere weit und breit.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Nach au\u00dfen ist er sehr versiert,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">wie man die Leere pr\u00e4sentiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p style=\"text-align: center;\">Man muss es der Rhetorik lassen,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">er kann auch gut in Phrasen fassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Doch inhaltlich ist\u2019s meistens schief,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">denn er denkt viel, doch wenig tief.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">So steht allein er in der \u00d6de<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">des Geistes, der Bologna-Bl\u00f6de.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p style=\"text-align: center;\">Ein solches Studium hat als Vater,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">doch ganz alleine den Psychiater.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Bologna, Pisa sind von Sinnen<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">und die Idole Amis, Finnen:<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Der Ami ist oft kraus im Sinn,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">der Finne mordet sich dahin.<\/p>\n<p><a title=\"PDF-Datei\" href=\"http:\/\/www.neschle.de\/download-manager.php?id=140\">PDF-Datei<\/a><br \/>\nThis post was downloaded by  1140  people until now.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Bologna-Bl\u00f6den: Verschulung der Lehre, Leere durch Verschulung. 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