{"id":42,"date":"2007-05-02T14:26:53","date_gmt":"2007-05-02T12:26:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.neschle.de\/wordpress\/?p=42"},"modified":"2020-06-20T11:47:48","modified_gmt":"2020-06-20T10:47:48","slug":"neschle-depeschle-10","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/neschle-depeschle-10\/","title":{"rendered":"Neschle-Depeschle 10"},"content":{"rendered":"<header>\n<h2 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #4f81bd\">Take OPM, Use OPI, and Make IPO!<\/span><\/strong><\/h2>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Neschle-Depeschle-Neschle-Depeschle-Neschle-Depeschle-Neschle-Depeschle <\/strong><br \/>\n<strong>F\u00fcr den kleinen Hunger zwischendurch: Der schnelle Einwurf in den Strafraum<\/strong><\/p>\n<\/header>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>Money never starts an idea; it is the idea that starts the money.&nbsp;<\/em>(William John Cameron)<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Nimm anderer Leute Geld (OPM = Other People\u2019s Money), nutze anderer Leute Ideen (OPI = Other People\u2019s Ideas) und mach\u2019 den B\u00f6rsengang (IPO = Initial Public Offering)!<!--more--> Dar\u00fcber geht es hier darunter.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Dass Ideen Geld machen und nicht umgekehrt, ist richtig. Aber es sind nicht einfach Ideen, sondern Meta-Ideen: <em>Die Ideen zur wirtschaftlichen Verwertung von Ideen. <\/em>Nicht die Idee wird belohnt, sondern ihre Umsetzung! Ihre pekuni\u00e4re Verfl\u00fcssigung.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ideen gibt es genug! Alles war schon einmal da, aber vielleicht nicht in dieser Kombination! Also geht es mit OPI. Auch Geld ist genug da. Der Markt der Venture Capital-Gesellschaften ist davon \u00fcberschwemmt. Also bekommt man OPM. Was also fehlt? Es fehlen Leute mit Wissen, wie vorhandenes Wissen (OPI) vermarktet wird, die zugleich das Vertrauen derjenigen haben, die das OPM liefern. Die sind zwar im Besitz von Geld, denen fehlen aber zwei Ideen: Produktideen und Vermarktungsideen. Und es fehlt Ihnen das Vertrauen, dass jeder mit ihrem Geld verantwortlich umgeht. Bei der Knappheit der Leute, die OPM erhalten, um dann mit OPI den IPO zu machen, kann es kaum verwundern, dass diese damit gut verdienen. Manchmal werden f\u00fcr ihren Kapitaleinsatz exorbitante Renditen errechnet. Doch ist das richtig?<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>A. Wahnsinnsrenditen bei innovativen Firmen?<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Taucht man in die Welt der Start-ups ein, sind 300%, 500% ja sogar 1000% Rendite keine Seltenheit. Jedenfalls wenn man darauf schaut, was und womit diese angeben. Das relativiert sich freilich im Portfolio des Business Angels oder der Venture Capital-Gesellschaft, in dem es h\u00e4ufig auch Komplettversager gibt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Jeder aber, der den Kapitalmarkt nur f\u00fcr halbwegs effizient h\u00e4lt, kann solche Renditen wie die obigen nicht verstehen. Und er hat Recht damit, denn sie lassen sich nicht erkl\u00e4ren! Auf einem effizienten Markt lassen sich keine \u00dcberrenditen erzielen. Verdient wird dort immer nur der risikofreie Grundzinssatz zuz\u00fcglich eines Risikozuschlags, der hier immer ein \u201ekorrekter Preis\u201c f\u00fcr das tats\u00e4chliche Risiko ist. Insoweit gibt es auf einem solchen Markt keinerlei \u00dcberbezahlung f\u00fcr \u00fcbernommene Risiken.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Diese Risikozuschl\u00e4ge im Zinssatz sind bei Start-ups sehr hoch. Aber bei halbwegs effizientem Kapitalmarkt sind Zuschl\u00e4ge von mehreren hundert Prozent selbst dort sehr unwahrscheinlich. Das bedeutet entweder,<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">&#8211; dass es ein extrem ineffizienter, intransparenter und eben kein effizienter Kapitalmarkt ist, auf dem diese Renditen erzielt werden und \/oder<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">&#8211; dass ein Denkfehler bei der Berechnung dieser Renditen gemacht wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Es stimmt beides. Die Intransparenz des Marktes erlaubt in Ausnahmef\u00e4llen sicher auch extrem hohe Renditen. Mag sein, dass auf diese Weise <em>\u00dcberrenditen<\/em> von 20, 50, ja 100 Prozent erkl\u00e4rbar werden. Aber damit mit sind wir noch nicht beim Kern. Selbst dann bleibt n\u00e4mlich eine Erkl\u00e4rungsl\u00fccke zu einigen exorbitant hohen Renditen. Wie diese geschlossen werden kann, zeigt der abstruse Nachweis, dass gerade Arbeitnehmer extrem hohe \u201eKapitalrenditen\u201c erzielen.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>B. Extremrenditen bei Arbeitnehmern!? Was z\u00e4hlt der Z\u00e4hler, was nennt der Nenner?<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Ist der Z\u00e4hler gro\u00df, der Nenner klein, gibt es hohe Quotienten. Auch ein hoher Zins ist ein solch hoher Quotient und im obigen Fall hei\u00dft er nicht zu Unrecht \u201egro\u00dfer Bruch\u201c. Das erkl\u00e4rt sich, wenn man einen Arbeitnehmer betrachtet und f\u00fcr seine T\u00e4tigkeit eine Rendite errechnet:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Nehmen wir einen Arbeitnehmer, der 32.000 \u20ac\/Jahr verdient. Dabei investiert er nur Fahrtkosten von 2.000 \u20ac j\u00e4hrlich in seine T\u00e4tigkeit. Wie hoch ist die Rendite seiner Investition?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Zun\u00e4chst einmal m\u00fcssen wir den \u00dcberschuss errechnen, also die Tilgungssumme von 2.000 \u20ac f\u00fcr den Kapitaleinsatz vom Bruttoertrag abziehen. Macht 30.000 \u20ac. Dieser Netto\u00fcberschuss ist auf den Kapitaleinsatz von 2.000 \u20ac zu beziehen. Ergebnis: (30.000 \/ 2.000) = 1.500 Prozent. Eine wahrhaft k\u00f6nigliche Rendite. Ein Wucherzins! Warum da noch Leute ihr Kapital woanders anlegen?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Moment mal, sagt hier der Neschle-Leser! Der Arbeiter setzt ja haupts\u00e4chlich seine Arbeitkraft ein. Macht es da Sinn, eine solche Kennzahl zu bilden und den Kapitaleinsatz in den Nenner zu setzen? Oben stehen doch faktisch nur Ertr\u00e4ge seiner Arbeitskraft. Dann kommen nat\u00fcrlich solch absurd hohen Renditen zustande.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Aber wer sagt, dass nicht dieselbe Absurdit\u00e4t der Berechnung von Extremrenditen bei Start-ups zugrunde liegt? Niemand! Und doch tut alle Welt so, als seien hier alle Ertr\u00e4ge im Z\u00e4hler allein dem Einsatz des Kapitals zu verdanken. Als seien es echte Kapitalrenditen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Das w\u00e4re sicher der Fall bei \u201estupid money\u201c, wenn (beinahe) blo\u00dfes Geld investiert wird und wenig Arbeitskraft eingesetzt wird. Beim klassischen Bankkredit ist das der Fall, obgleich selbst der nicht v\u00f6llig \u201estupid\u201c ist, sondern auch Einsatz von Arbeitskraft verlangt, von der Vertragsgestaltung bis zur \u00dcberwachung der Zinszahlungs- und Tilgungsaktivit\u00e4ten. Manchmal wird daf\u00fcr ein separater \u201eArbeitspreis\u201c als Geb\u00fchr erhoben, h\u00e4ufig ist aber auch das Arbeitsentgelt Teil der Zinszahlungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">In deutlich extremerer Weise ist Arbeitsentgelt Ertragsbestandteil beim \u201eSmart Capital\u201c. Hier verbindet sich die Kapitalhergabe mit der Einbindung in Netzwerke, der Beschaffung von Erstauftr\u00e4gen und unternehmerischer Beratung. Genau diese Art von Kapital erhalten die Start-ups. Trennt man hier nicht zwischen den Ertr\u00e4gen der Faktoren Arbeit und Kapital, geschieht dasselbe wie bei der Berechnung der Rendite f\u00fcr den Arbeitnehmer. Auch hier f\u00e4llt die Rendite extrem hoch aus, weil zus\u00e4tzlich Arbeitsertr\u00e4ge in den Z\u00e4hler eingingen, der Arbeitseinsatz im Nenner jedoch unber\u00fccksichtigt bleibt. &#8211; Was w\u00e4re zu tun, um ein realistischeres Bild zu erhalten?<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>C. Kann man trennen, was untrennbar ist? Vom Aberwitz der Kennzahlitis.<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Sinnvolle Kennzahlen verlangen, dass Z\u00e4hler und Nenner nicht nur in einer formalen mathematischen Beziehung zu einander stehen. Gefordert wird zus\u00e4tzlich \u201e\u00f6konomischer Sinn\u201c. Daher sollte hier eine Inputgr\u00f6\u00dfe im Nenner stehen und ein Brutto- oder Nettooutput im Z\u00e4hler. Output und Input sollten sich dabei entsprechen:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Betrifft der Output im Z\u00e4hler Ertr\u00e4ge eines Faktors, der sich nicht als Input im Nenner wiederfindet, verliert die Kennzahl ihren Sinn, soweit man beim Renditevergleich nicht von der Konstanz der ungenannten Inputgr\u00f6\u00dfen ausgehen kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Beim Vergleich von \u201estupid money\u201c und \u201esmart capital\u201c ist aber gerade der Einsatz des Faktors Arbeit sehr unterschiedlich. Im Nenner w\u00fcrden also v\u00f6llig unterschiedliche Kombinationen der Einsatzfaktoren Kapital und Arbeit stehen. Das gilt auch f\u00fcr die Ertr\u00e4ge im Z\u00e4hler, die beim \u201esmart capital\u201c zum gro\u00dfen, meist sogar zum gr\u00f6\u00dften Teil dem Faktor Arbeit zugerechnet werden m\u00fcssen. Ein Renditevergleich mit \u201estupid money\u201c w\u00e4re daher nur sinnvoll, w\u00fcrde der Nenner auch den Arbeitsinput enthalten oder k\u00f6nnte man den Arbeitsertrag im Z\u00e4hler herausrechnen. Beides ist nicht ohne T\u00fccken:<\/p>\n<ol style=\"text-align: left;\">\n<li>Die Hinzuf\u00fcgung des Arbeitseinsatzes im Nenner erfordert dessen Bewertung. Das Ergebnis w\u00e4re eine Kennzahl, welche nach Abzug des Arbeitseinsatzes im Z\u00e4hler<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> die Nettoertr\u00e4ge beider Produktionsfaktoren ins Verh\u00e4ltnis zum gesamten Faktorinput beider Faktoren setzt. Eine Verzinsung im klassischen Sinn ist das nicht mehr. Die setzt n\u00e4mlich voraus, dass das eingesetzte Geld \u201evollkommen stupid\u201c ist oder beim Zinsvergleich zumindest \u201e\u00fcberall gleich stupid\u201c. Es ist eine kombinierte Faktorproduktivit\u00e4t von Arbeit und Kapital.<\/li>\n<li>Den auf den Faktor Arbeit entfallenden Ertrag im Z\u00e4hler herauszurechnen, ist ebenso problematisch. Unterstellt wird (wie unter 1.), dass sich die Ertr\u00e4ge beider Produktionsfaktoren additiv verhalten. Sind die Beziehungen zwischen den Faktoren jedoch synergetisch, w\u00e4re eine solche Annahme nicht zul\u00e4ssig, unabh\u00e4ngig von den Bewertungsschwierigkeiten im Einzelnen.<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: left;\">Bleibt festzuhalten: Es ist eigentlich unm\u00f6glich, Arbeits- oder Kapitalertr\u00e4ge zu isolieren. Tut man das aber nicht, arbeitet man mit unbrauchbaren Kennzahlen. Wie das g\u00e4ngige Schrifttum. Es vergleicht n\u00e4mlich Renditen von \u201estupid money\u201c mit denen von \u201esmart capital\u201c und berechnet f\u00fcr Letzteres Renditen wie Neschle weiter oben f\u00fcr den Arbeitnehmer. Das ergibt dann v\u00f6llig abstruse Folgerungen \u00fcber riesige Kapitalrenditen f\u00fcr \u201esmart capital\u201c, die es auf einigerma\u00dfen funktionsf\u00e4higen Kapitalm\u00e4rkten gar nicht geben kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Bei der relativen Transparenz der Kapitalm\u00e4rkte ist es also unm\u00f6glich, solch exorbitante Renditen allein dem Faktor Kapital zuzuordnen. Der intransparentere Markt f\u00fcr Know-what und Know-how, dessen Ertr\u00e4ge aber dem Faktor Arbeit zugerechnet werden, bietet viel mehr M\u00f6glichkeiten f\u00fcr solche K\u00f6nigs-Ertr\u00e4ge. Die f\u00fchren dann unter dem falschen Etikett \u201eKapital-Ertr\u00e4ge\u201c zu Kaiser-Renditen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Angesichts dessen ist die alleinige steuerliche Zuordnung der Ertr\u00e4ge von \u201esmart capital\u201c zu den Kapitaleink\u00fcnften verfehlt, wenn auch vorteilhaft f\u00fcr den Investor. Denn die Steuerlast bei Arbeitsertr\u00e4gen fiele h\u00f6her aus. Doch wie will man die Ertr\u00e4ge trennen bei kombiniertem und synergetischem Einsatz beider Faktoren. Das Problem l\u00f6st sich derzeit mit blo\u00dfer Willk\u00fcr und reiner Konvention. Tradition ist aber eben oft nur Schlamperei. Mit dieser Schlamperei leben wir jeden Tag. Denn das gesamte Schrifttum schl\u00e4ft in dieser Frage. Na dann: Gute Nacht!<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p style=\"text-align: center;\">OPM und OPI,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">die sind meistens mit dabei,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">wenn Leute gro\u00dfe Chancen sehen<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">und deshalb an die B\u00f6rse gehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Dann werden sie auch richtig froh,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">gelingt Ihnen der IPO<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">(Fortsetzung:)<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Falls jetzt noch hunderte Prozent<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">der Financier sein eigen nennt,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">dann geht fast niemals diese Zahl<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">zur\u00fcck auf pures Kapital.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Denn nimmt man\u2019s hier einmal genau,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">liegt\u2019s meist am Einsatz von Know-how.<\/p>\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\">\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Der Zins ist eine Gr\u00f6\u00dfe folgender Art: [Output \u2013 Input] \/ Input. Also 100 Euro eingelegt, nach einem Jahr 103 Euro erhalten bedeutet: [103 -100] \/ 100 = 3 Prozent. Beim Fu\u00dfball w\u00e4re das die Kombination von Tordifferenz und Torverh\u00e4ltnis, also von Tor\u00fcberschuss zu \u201eToreinsatz\u201c (Input), was hier die gegenerischen Tore sind, die man quasi als Input f\u00fcr die eigene Torschie\u00dferei (Output) betrachtet. Daher ist der Arbeitsinput im Z\u00e4hler zu tilgen, wenn er in den Nenner aufgenommen wird. Im Z\u00e4hler steht dann allein der \u201e\u00dcberschuss\u201c, beim Faktor Arbeit eine merkw\u00fcrdige Idee.<\/p>\n<p><a title=\"PDF-Datei\" href=\"http:\/\/www.neschle.de\/download-manager.php?id=17\">PDF-Datei<\/a><br \/>\nThis post was downloaded by  1530  people until now.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Take OPM, Use OPI, and Make IPO! 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