{"id":408,"date":"2009-03-02T09:47:21","date_gmt":"2009-03-02T08:47:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-54-10-woche-2009\/"},"modified":"2020-06-20T15:54:55","modified_gmt":"2020-06-20T14:54:55","slug":"leon-neschle-54-10-woche-2009","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-54-10-woche-2009\/","title":{"rendered":"Leon neschle 54 (10. Woche 2009)"},"content":{"rendered":"<header>\n<h2 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #4f81bd\">Das ADIDAS-Prinzip und die Main-Stream Lemminge<\/span><\/strong><\/h2>\n<\/header>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>Wo een Hund an pisst, pisst se aal an. Un wende Baum kaputt goat.&nbsp;<\/em>(meine Oma)<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>\u201eFastenzeitstimmung\u201c klingt fast wie \u201eFast-Endzeitstimmung\u201c.&nbsp;<\/em><i>(ich selbst)<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Der Herdentrieb ist ein wichtiger Verst\u00e4rker der Finanzkrise. Nun aber, bei deren Bek\u00e4mpfung, wei\u00df die aufgescheuchte Herde nicht, in welche Richtung sie laufen soll. W\u00e4hrend die einen mehr ausgeben, fahren die anderen Sparkurs. Herdenpanik?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Es klingt seltsam: Der Herdentrieb hat uns in die Finanzkrise gef\u00fchrt. In der Krise brauchen wir ihn, um wieder herauszukommen. Doch jetzt scheint er auszubleiben!?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Der Herdentrieb hat merkw\u00fcrdige Wirkungen. Er hebt und senkt zugleich das Risiko der Herde in Abh\u00e4ngigkeit davon, wohin die Herde zieht. Wenn dieser Trieb f\u00fcr das menschliche Tun gilt, muss der Mensch im Denken den Herdentrieb vermeiden. Sonst besteht h\u00f6chste Gefahr f\u00fcr die Herde. Doch wo man hinsieht: \u00dcberall werden Kampagnen gefahren, denen die Herdentiere hinterherlaufen, und \u00fcberall gilt das <i>Adidas-Prinzip: Anders denken ist das Aller-Schlimmste!<\/i><\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>A. Von Rudeln und Herdenpanik<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Meine H\u00fcndin Lucy macht es wie die W\u00f6lfe. Sie bildet bestenfalls Rudel, obwohl bei Rudelbildung meist wenig Bildung im Spiel ist, wie man vom Fu\u00dfball wei\u00df. Ein Rudel macht allenfalls einen Raubzug, eine Herde macht gleich einen Feldzug. Das klingt harmloser, ist aber schlimmer. Oder die Herde dreht durch und stampft in einer Stampede alles kurz und klein. Ich zi-Tiere da mal aus Wikepedia:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eUnter einer <i>Stampede<\/i> oder <i>Herdenpanik<\/i> versteht man einen spontanen Zusammenschluss von (meist wilden) <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tiere\">Tieren<\/a>, der pl\u00f6tzlich zusammen zu laufen beginnt, ohne einen erkennbaren Grund oder eine eindeutige Richtung. Diese Zusammenschl\u00fcsse bestehen allerdings oft nicht nur aus Tieren einer Art, sondern auch aus verschiedenen Tierarten, wie z. B. <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Zebra\">Zebras<\/a> und <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gnus\">Gnus<\/a>.<\/p>\n<p>Eine gro\u00dfe <i>Stampede<\/i> ist in der Lage, alles in ihrem Weg zu zerst\u00f6ren. Bei <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Nutztier\">Nutztieren<\/a> versuchen die Halter, die sich bewegende Herde hinter sich selbst herlaufen zu lassen, so dass die Tiere sich lediglich im Kreis bewegen, anstatt sich selbst zu gef\u00e4hrden oder gar zu t\u00f6ten, z. B. durch das Laufen \u00fcber eine Klippe oder in einen Fluss. Auch <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Mensch\">Menschen<\/a>, <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Eigentum\">Eigentum<\/a> und <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Siedlung\">Siedlungen<\/a> k\u00f6nnen so gesch\u00fctzt werden.<\/p>\n<p>Im <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Englische_Sprache\">englischen<\/a> Sprachgebrauch bezeichnet der Begriff <i>Stampede<\/i> auch die <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Massenpanik\">Massenpanik<\/a> einer Menschenmenge.\u201c<\/p>\n<p>(Danke Wikipedia!)<\/p><\/blockquote>\n<p style=\"text-align: left;\">Ohne erkennbaren Grund, ohne eindeutige Richtung. Nur laufen, laufen, laufen. Und dabei auf nichts achten. Nur treten, treten, treten. Und welche L\u00f6sung wird uns da aus dem tierischen Bereich angeboten? Lassen wir die Herde im Kreis laufen, um Menschen, Siedlungen und Eigentum zu sch\u00fctzen!? \u2013 Im Kreis l\u00e4uft die Herde doch derzeit sowieso, doch nichts wird dabei gesch\u00fctzt. Im Gegenteil! Denn dieser Kreislauf f\u00fchrt \u00fcber unser Terrain! Und einige laufen dem Kreis entgegen. Deshalb gibt es sogar gef\u00e4hrliche Zusammenst\u00f6\u00dfe.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Eine Panik bek\u00e4mpft man am besten dadurch, dass man nicht panisch ist, sondern ruhig und gesittet dem Ausweg zustr\u00f6mt. V\u00f6llig falsch w\u00e4re es, wenn einige oder gar viele dem Strom der Auswegsuchenden entgegenlaufen. Trotzdem tun das derzeit viele. <i>Die einen raten zum Ausgeben und tun das auch, die anderen verordnen sich und anderen einen strengen Sparkurs. <\/i>Angela sch\u00fcttet das Geld aus und man wei\u00df nicht, ob es ein F\u00fcllhorn des Guten oder die B\u00fcchse der Pandora ist. Dagegen werden Kurzarbeitsschichten gefahren und Lohnerh\u00f6hungen verschoben, womit weniger Geld da ist, das man ausgeben kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">F\u00fcr die Sparkursfanatiker scheint zu sprechen, dass mit den Mehrausgaben Angelas eine Krise bek\u00e4mpft wird, die selbst durch kreditfinanzierte Mehrausgaben verursacht wurde. Kurzsichtige Amerikaner haben nicht gesehen, dass sie auf lange Sicht \u00fcber ihre Verh\u00e4ltnisse leben. Dasselbe tut ihr Staat schon lange! Und was tun wir jetzt?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Obama predigt nun die Hoffnung, das Letzte, was einst aus Pandoras B\u00fcchse kam, um seine Herde aus der Panik zu kriegen, alle hinter ihm vereint. Bei seinem \u201eYes, we can!\u201c hat er jedoch vergessen, die Herde in die richtige Richtung zu leiten. Denn der Amerikaner versteht unter der von Obama gepredigten R\u00fcckbesinnung auf amerikanische Tugenden: Wir k\u00f6nnen so weitermachen wie bisher, <i>nur mit noch mehr amerikanischer Tradition<\/i>. Das hei\u00dft bei Rambo, immer wieder aufstehen. Immer wieder sagen \u201eEs geht <i>doch<\/i>!\u201c oder \u201eEs <i>geht<\/i> doch!\u201c. Und dann drauf im selben Stil, nur noch h\u00e4rter gegen sich und andere.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Aber Obama hat etwas vergessen! Sein zweiter Wahlspruch \u201eChange!\u201c ist mit seinem Amtsantritt untergegangen, so als sei schon damit genug Ver\u00e4nderung im Land der nun begrenzten Unm\u00f6glichkeiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Sein kompletter Wahlspruch m\u00fcsste lauten: \u201e<i>Yes, we can <u>change<\/u>!<\/i>\u201c Doch genau das bleibt abzuwarten. Denn Obama wird jetzt sogar von der konservativen Opposition beklatscht, weil vom \u201eChange\u201c nur noch <i>in dem Sinne<\/i> die Rede ist, dass Amerikaner wieder \u201eamerikanischer\u201c werden m\u00fcssen. So wie sie es waren, als es ihnen noch besser ging, am besten so wie in der Pionierzeit, nur dass sie jetzt den Indianern das Land nicht mehr wegnehmen m\u00fcssen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Falsch! Wir haben andere Zeiten! Und das Klima macht nicht vor New Orleans und Kalifornien halt. Selbst wenn der Ruf \u201eYes, we can!\u201c noch trotziger r\u00fcberkommt: Die Amerikaner m\u00fcssen nicht mehr so amerikanisch werden wie in der Pionierzeit. Im Gegenteil: sie m\u00fcssen <i>unamerikanischer<\/i> werden. Erst wenn die Herde <i>diese<\/i> Richtung nimmt, wird es vorerst vorbei sein mit der Herdenpanik, mit der sich Europa und Deutschland schlimm infiziert haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Aber bei den letzten Reden von Obama hat der sensitive H\u00f6rer gemerkt: Obama selbst hat damit ein <i>anderes<\/i> \u201eChange\u201c eingeleitet. Einen Wechsel in die konservative R\u00fcckbesinnung auf das Amerikanertum der Siedler, Farmer und Cowboys. <i>So<\/i> wird die Welt in ihrer Hoffnung auf Obama entt\u00e4uscht werden. Wird er wie nun jeder x-beliebige Bush-Verschnitt?<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>B. Unser Leben mit dem Herdentrieb<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">\u201eJeden Tag wird eine neue Sau durchs Dorf getrieben!\u201c Das ist die Empfindung, die viele heute bei den wechselnden Kampagnen haben. Was heute richtig ist, ist morgen falsch. Unser Finanzminister hat gestern noch die alte Fahrtkostenpauschale als nicht finanzierbar hingestellt. Heute meistert er das Zigfache ohne Stirnrunzeln. Woran soll der Mensch sich da orientieren? An wen und was soll er noch glauben?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Eine Bundesregierung, die gestern noch die Datenhehlerei aktiv unterst\u00fctzt hat, spielt heute heiliges Entsetzen \u00fcber zunehmende Datendiebst\u00e4hle. Sie schreit nach Datenschutz, \u201esch\u00e4ubelt\u201c aber an anderer Stelle mit Online-Durchsuchungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Doch egal, wohin es geht: <i>Immer ist alles Kampagne.<\/i> Meist das Gegenteil vom Geschw\u00e4tz von gestern. Die Presse-Kampagne spielt dabei eine wichtige Rolle. Wer da hineinger\u00e4t wird platt gemacht. Da macht die Presse ihrem Namen Ehre.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Lucy, meine H\u00fcndin, kann sich noch erinnern: Passend zur Kampfhundverordnung wurde jeden Tag zuvor ein Kind von einem Hund zerrissen, eine Frau entstellt und ein Mann verletzt. Die Presse presste solche F\u00e4lle in ihrer Kampagne gezielt heraus, dramatisierte die allermeisten davon und brachte sie gleich mehrfach mit Kommentar und Kommentar vom Kommentar. Heute h\u00f6rt man kaum mehr etwas davon. Nicht weil sich viel ver\u00e4ndert h\u00e4tte. Diejenigen, die schon fr\u00fcher gegen die ordentliche Hundehaltung versto\u00dfen haben, werden vom Gesetz gar nicht erreicht. Aber die Kampagne ist lange zu Ende. Doch irgendwann, wenn keiner mehr dran denkt, wird es wieder eine solche Kampagne geben.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wenn ich selbst von Journalisten um ein Interview gebeten werde, kann ich sicher sein, dass gerade eine Kampagne l\u00e4uft. <i>Niemand will von mir wissen, was ich selbst f\u00fcr ein wichtiges Thema halte und wo ich anders denke als der Zug der Lemminge.<\/i> Das Thema gibt immer der Journalist vor. Scheinbar! Denn irgendwie bestimmt es die Kampagne selbst, von der niemand wei\u00df, wie sie entstanden ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Das Erstaunlichste ist also nicht einmal, dass fast jede Woche (ein Tag ist da sicher zu wenig!) eine andere Sau durchs Dorf getrieben wird, sondern dass ihr jedes Mal alle hinterlaufen.<\/i> Bei der neuen w\u00f6chentlichen Sauhatz ist die vorherige dann schnell vergessen. Der Druck der Presse ist schnell und gleichzeitig, doch nie nachhaltig. Man k\u00f6nnte ein Seifenkisten-Theorem daf\u00fcr aufstellen: Ein Thema wird angeschoben, erreicht dann seine h\u00f6chste Beschleunigung und l\u00e4uft am Ende irgendwie aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Irgendeiner gibt das Startsignal und er\u00f6ffnet die Hatz. H\u00e4ufig sind die Leser dabei in Bild, vorn auf der Tittenseite, wie diese Dank der dort vorzugsweise abgedruckten Bilder hei\u00dft. Die anderen hetzen nach und heizen ein, ehe das Ganze journalistisch ausgereizt ist und dann irgendwie wieder einschl\u00e4ft, ohne dass man die Sache weiter verfolgt. Die Exklusivit\u00e4t eines Presseorgans beruht auf der Wahl von anderen Bildern und anderen Interviewpartnern sowie Eigenheiten des eigenen Kommentars.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Dabei liegen jede Menge gro\u00dfe Themen auf der Stra\u00dfe und Irrwege gibt es zuhauf. Doch solange kein Autorisierter diese Themen zur (Presse-)Kampagne erkl\u00e4rt, greift sie kein Journalist auf. Wenn der Leithammel versagt, versagt daher die ganze Herde. Schafsinn ist eben weiter verbreitet als Scharfsinn. Auch im Journalismus.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>C. Herdentrieb bei B\u00f6rse und Investments<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Der menschliche Herdentrieb ist weit verbreitet, aber bei weitem noch nicht perfektioniert. An der B\u00f6rse wird er daher durch automatische Computerhandelssysteme noch verst\u00e4rkt und verbessert. <i>Die automatischen Systeme denken nicht nach. Sie verst\u00e4rken Trends in jede Richtung, ohne zu fragen, warum ein Trend entstanden ist.<\/i> Schon eine \u201eTendenz\u201c gen\u00fcgt, den Herdentrieb zu aktivieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Mit einem Witz l\u00e4sst sich diese Situation am besten beschreiben:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ein Investment-Banker kommt an die Himmelspforte und bittet Petrus um Einlass. Der verweigert ihm diesen mit dem Hinweis, die Abteilung f\u00fcr Investment-Banker sei bereits \u00fcberf\u00fcllt (Wei\u00df der Himmel warum! Wahrscheinlich wurde sie mit Bedacht sehr, sehr klein gebaut.). Doch der Investment-Banker l\u00e4sst nicht locker: \u201eEinen Satz, lieber Petrus, lass mich meinen Kollegen bitte sagen d\u00fcrfen.\u201c Petrus ist einverstanden. So stellt sich der bekannte Investment-Banker vor seine Kollegen und verk\u00fcndet: \u201eIn der H\u00f6lle ist \u00d6l gefunden worden!\u201c Flugs geht der Zug der Lemminge in die H\u00f6lle, die Herde zieht zum Flammenherd. \u201eNun\u201c, spricht Petrus, \u201eist hier ja alles frei. Du kannst jetzt Deinen Platz im Himmel finden.\u201c \u201eJa Petrus, auch wenn Du entt\u00e4uscht bist: Es k\u00f6nnte wirklich was dran sein am Ger\u00fccht mit dem \u00d6l!\u201c Spricht\u2019s und folgt den anderen in die H\u00f6lle.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Das ist Wahnsinn, warum geht er denn in die H\u00f6lle \u2013 H\u00f6lle, H\u00f6lle, H\u00f6lle? \u2013 Das Fatale an der B\u00f6rse und bei anderen Investments ist: <i>Solange alle in die falsche Richtung gehen, profitiert man sogar davon, dass man den falschen Weg mitgeht!!!<\/i> <i>Entscheidend ist nur, dass man bei den ersten ist, die merken, dass es wieder in die andere Richtung geht. <\/i>Bei Herdenverhalten wird das Anreizsystem des Marktes pervertiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Unter Ber\u00fccksichtigung des Herdentriebs ist die B\u00f6rse nicht mehr effizient: Das w\u00fcrde es bei einem effizienten Anreizsystem nicht geben: Man hat Vorteile, wenn man schnell genug, aber wider besseres Wissen der Herde auf ihren <i>falschen<\/i> Weg folgt, vorausgesetzt, man ist bei den ersten, die merken, dass und wann die Leithammel ihren Irrtum bemerken. <i>Die effiziente Koordination am Markt durch die schnelle Verarbeitung <u>neuen<\/u> Wissens, wird durch den Herdentrieb ausgehebelt. <\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Statt neuen Wissens kommt folgende Information in die Kurse (Preise): Ohne dass ich es wei\u00df oder auch sonst irgendwie Gedanken gemacht habe, glaube ich den Leithammeln mal. Diese Zustimmung schl\u00e4gt sich in den Preisen nieder und st\u00e4rkt den von den Leithammeln ausgel\u00f6sten Trend, ohne dass wir insgesamt schlauer sind. Die eigentliche Effizienz der Marktwirtschaft liegt aber gerade in der effizienten Verarbeitung unterschiedlicher (fundamentaler) Fakteninformationen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Das Ganze zeigt Parallelen zu Modewellen. Auch dort kauft die Herde massenhaft nur bestimmte Sachen, die hip oder in sind. Die Folge: \u00dcberh\u00f6hte Preise f\u00fcr die Modeteile.<\/i> Hat sich die Modewelle aus nicht erkennbaren Gr\u00fcnden totgelaufen, brechen die Preise gerade f\u00fcr die eben noch modischen Waren in sich zusammen und liegen unter den Preisen f\u00fcr modeneutrale Ware. Wer dann bei den Letzten ist, die auf die Welle aufgesprungen sind, der hat sicher zu teuer gekauft.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Dem Herdentrieb folgend treffen auch viele VC-Gesellschaften ihre Investmententscheidungen. Folgt man einem Leitinvestor, der fr\u00fcher gro\u00dfe Erfolge und ein goldenes N\u00e4schen hatte, so macht Profit, wenn man bei den ersten ist, die mitmachen, und bei schwindendem Erfolg bei den ersten ist, die herausgehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Nachhaltigkeit kennt ein solches Herdenverhalten nicht, nur ein tierisch schnelles Rein-Raus-Spiel. Schon der nur andeutete Ausstieg eines Leitinvestors ist ein Alarmzeichen. Da braucht man nicht nach den Gr\u00fcnden fragen. Man verliert auch, ohne diese Gr\u00fcnde zu kennen, wenn man wartet: Also nichts wie raus! Da aber der Ausstieg beliebig motiviert sein kann, sterben so auch gesunde Firmen, die eine gro\u00dfe Zukunft haben k\u00f6nnten.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">So k\u00f6nnte ein Leitinvestor sein Geld nur wegen eines kurzfristigen Liquidit\u00e4tsmangels aus einer Unternehmung herausziehen, weil er ganz woanders Verluste erlitten hat und der Kurs wegen einer guten Performance gerade g\u00fcnstig ist. Aber wissen das die anderen Investoren? K\u00f6nnen sie das bei der geringen Reaktionszeit noch in Erfahrung bringen? Nein! Also ersetzt hektische Betriebsamkeit die geistige Windstille. Man folgt dem Leitinvestor, weil es das Schlimmste w\u00e4re, der Letzte zu sein. Wie sagte noch eine deutsche Bank: Vertrauen ist der Anfang von allem! Der Verlust von Vertrauen aber auch das Ende davon!<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>D. Empfehlungen f\u00fcr den nachhaltigen Erfolg<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Hallo, verehrte Hammelherde! Was kann man da machen, wenn der Schafsinn den Menschen mehr umtreibt als sein Scha<u>r<\/u>fsinn? Und wenn der hundsgemeine Schafsinn auch noch Gewinne bringt, falls die bl\u00f6dsinnigsten Schafe nur schnell genug sind? Was l\u00e4sst sich dagegen tun:<\/p>\n<ol style=\"text-align: left;\">\n<li>Man kann zur Vorsicht mahnen! Doch Leute mit erh\u00f6htem Selbstbewusstsein erreicht man damit nicht! Fr\u00f6nt man n\u00e4mlich dem Schafsinn, ist man vielleicht einmal nicht mehr schnell genug oder zuckt zu fr\u00fch. Dann geht es wie beim Billy the Kid-Verschnitt. Der bei\u00dft schlie\u00dflich ins Gras, wie es sich f\u00fcr ein Schaf auch eigentlich geh\u00f6rt.<\/li>\n<li>Man kann automatisierte Nichtdenker verdammen oder verbieten! B\u00f6rsensysteme, die geistlos und automatisch beliebigen Trends folgen, zerst\u00f6ren mit dem eingebauten Herdentriebsyndrom den Marktmechanismus. Sie schaffen k\u00fcnstlich und grundlos Blasen und Tiefpunkte. Wenn der Marktmechanismus effizient arbeiten soll, muss er den wertvollen Informationen der Fundamentaldaten folgen, muss er das in der Volkswirtschaft zu jeder Zeit vorhandene Wissen verarbeiten. Reine Trendfolger f\u00fchren das System ad absurdum, schaffen st\u00e4ndige kampagnenartige \u00dcbertreibungen. Sie zerst\u00f6ren die marktwirtschaftliche Wissensverarbeitung.<\/li>\n<li>Menschlichen Herdentieren und Nichtdenkern sind 20% selbstdenkende Au\u00dfenseiter beizumengen! Die denken nicht daran, der Herde zu folgen, wenn sie die keine fundamentalen Gr\u00fcnde daf\u00fcr kennen oder sie nicht verstehen. Angesichts der Zunahme und Automatisierung des Herdentriebs werden aber schon diese 20% schwer zu finden sein. Doch wir brauchen sie dringender denn je! Sonst zerst\u00f6rt sich dieses System selbst.<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: left;\">Der Herdentrieb hat die Welt fest im Griff. L\u00e4uft eine menschliche Herde erst einmal, hei\u00dft sie \u201eBewegung\u201c. Dann brauchen wir Menschen, die gegen den Strom schwimmen und zur Quelle finden. Denn sobald eine \u201eBewegung\u201c da ist, wird das Gehirn jedes einzelnen Herdenmenschen ausgeschaltet.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Um aus der gegenw\u00e4rtigen Krise herauszukommen, die l\u00e4ngst ihr drittes Stadium erreicht hat (1. Subprime-Krise; 2. Finanzkrise; 3. Wirtschaftskrise; 4. Sozialkrise?), w\u00e4re es allerdings gar nicht so schlecht, wenn wir bei m\u00f6glichst vielen Herdenmenschen das Gehirn ausschalten. Hoffen m\u00fcssen wir inst\u00e4ndig, es sind nicht die Falschen! <i>Denn wo uns der Herdentrieb hingef\u00fchrt hat, kann nur er uns herausf\u00fchren.<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Also Schluss mit den Widerspr\u00fcchen, wo die einen sparen und die anderen ausgeben. Derzeit m\u00fcssen wir alle ausgeben, sagt zumindest Herr Keynes, dem diese Herde schon lange nicht mehr geglaubt hat. Doch in dieser neuen Kampagne f\u00fchrt er die Herde an. Hoffen wir, dass er sie nicht \u201eanf\u00fchrt\u201c. Wir Deutschen haben uns oft von einem Anf\u00fchrer einfach anf\u00fchren lassen. Da steht der Gr\u00f6faz nicht einmal allein da! \u2013<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Es lebt auf dieser Erden hier,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">sogar der Mensch als Herdentier.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Weil an der B\u00f6rse sich\u2019s rentiert,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">hat man\u2019s dort automatisiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Gefolgt wird blitzschnell jedem Trend,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">selbst wenn man nicht die Gr\u00fcnde kennt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p style=\"text-align: center;\">So schafft man Blasen, die dann platzen,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">und uns das Leben hier verpatzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Wer ohne Ahnung sich entscheidet,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">der Preise Leitstern uns verleidet,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Information soll\u2019n die enthalten!<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Doch wie, wenn nur die Schafe walten?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a title=\"PDF-Datei\" href=\"http:\/\/www.neschle.de\/download-manager.php?id=135\">PDF-Datei<\/a><br \/>\nThis post was downloaded by  1470  people until now.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das ADIDAS-Prinzip und die Main-Stream Lemminge Wo een Hund an pisst, pisst se aal an. 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