{"id":404,"date":"2009-02-22T21:46:11","date_gmt":"2009-02-22T20:46:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-53-9-woche-2009\/"},"modified":"2020-06-20T15:57:27","modified_gmt":"2020-06-20T14:57:27","slug":"leon-neschle-53-9-woche-2009","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-53-9-woche-2009\/","title":{"rendered":"Leon Neschle 53 (9. Woche 2009)"},"content":{"rendered":"<header>\n<h2 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #4f81bd\">Ein zentraler Rat f\u00fcr den Zentralrat<\/span><\/strong><\/h2>\n<\/header>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>\u201eHey Jude, don\u2019t make it bad&#8220;&nbsp;<\/em>(The Beatles aus dem Song \u201eHey Jude\u201c, der gar nicht von einem Juden handelt.)<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Der Zentralrat der Juden hat mal wieder kritisiert: Ex-Kanzler Gerhard Schr\u00f6der scharf. Wegen seines Treffens mit dem iranischen Pr\u00e4sidenten Ahmadinedschad in dieser Woche. &#8222;Herr Schr\u00f6der f\u00fcgt dem Ansehen der Bundesregierung und der Bundesrepublik Deutschland schweren Schaden zu&#8220;, sagte dessen Generalsekret\u00e4r Stephan J. Kramer. Schr\u00f6der st\u00e4rke mit seinem Besuch das Regime und den Diktator. F\u00fcr diesen <i>Diktator<\/i> sei er Aufwertung und Unterst\u00fctzung f\u00fcr seinen <i>Wahlkampf<\/i>. \u2013<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Mit Verlaub, Herr Kramer: Irgendwie vermischen Sie da die politischen Systeme. Welcher Diktator f\u00fchrt einen ernstzunehmenden Wahlkampf, in dem er Unterst\u00fctzung braucht? Und dann auch noch die von unserm Gerd, der jetzt selber von der St\u00fctze lebt! \u2013 Herr Kramer, Sie haben sich schon fr\u00fcher solche Fehleinsch\u00e4tzungen erlaubt und Leute f\u00fcr etwas beschuldigt, was die weder gedacht, gewollt noch getan hatten. Wo liegt da der Sinn? Identifiziert sich ihr Zentralrat eigentlich mit ihren Aussagen?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ich h\u00f6rte neulich im Radio ein Interview mit einer Rabbinerin und war erstaunt, dass die genau so dachte wie Neschle. Sie wollte raus aus der \u00dcberempfindlichkeit und Reizbarkeit, mit der Juden in Deutschland \u201eoffiziell\u201c auf alle Themen reagieren, die Israel oder das Judentum angehen. Weg von dem schlechten Gewissen, das sie selbst Gutwilligen einreden, und von den Tabus mit dem diese Themen belegt sind. Und sie hatte den Wunsch, nicht immer auf diese Themen reduziert zu werden. Neschle kann das gut verstehen. Aber auch ihr Zentralrat?<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>A. Tanzt Schr\u00f6der auf der Achse des B\u00f6sen?<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Schr\u00f6der traf zwar am Samstag mit Ahmadinedschad zusammen. Doch auch ein Treffen mit Ex-Pr\u00e4sident Mohammed Chatami ist vorgesehen. Der will bei der Wahl <i>gegen<\/i> Ahmadinedschad antreten. \u2013 Also, Herr Kramer, \u00f6ffnen Sie doch mal das andere Auge: Unterst\u00fctzt Schr\u00f6der damit nicht die Opposition im Iran? Pflegt er damit nicht sogar die ersten Triebe einer Demokratisierung? Man kann doch nicht immer nur die halbe Welt betrachten, um miese Mutma\u00dfungen zu best\u00e4tigen, Herr Kramer!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Schr\u00f6der hat den Iran aufgefordert, der Iran solle das Angebot von Barack Obama zur Aufnahme eines Dialogs annehmen. Auch k\u00f6nne der Iran eine positive Rolle in Afghanistan spielen bei der Unterst\u00fctzung der Regierung in Kabul und im Kampf gegen den Drogenhandel. Was ist daran verwerflich, was gegen die Interessen des Judentums oder Israels gerichtet?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Meinen Sie, Herr Kramer, das wirklich ernst, Schr\u00f6der &#8222;w\u00fcrde im Sinne der Menschenrechte besser auf das Treffen verzichten&#8220;? Ist den Menschenrechten besser gedient, wenn man darauf verzichtet, die Missachtung der Menschenrechte zu thematisieren. W\u00e4re das richtig, sollten wir vielleicht auch die Bew\u00e4hrungshilfe streichen und jeglichen Versuch zur Resozialisierung! Was rechtfertigt, denn ihr Misstrauen gegen Schr\u00f6der, was dessen Absichten und den Gespr\u00e4chsinhalt angeht? Warum immer nur Negatives vermuten, wenn es um die eigene Sache geht? Warum selbst die Freunde des Judentums und Israels st\u00e4ndig in den Hintern treten?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Und warum sagen Sie nicht, dass Schr\u00f6der den iranischen Pr\u00e4sidenten f\u00fcr dessen Bemerkungen gegen das Existenzrecht Israels und die Leugnung des Holocaust kritisiert hat? Und das keinesfalls halbherzig: &#8222;Der Holocaust ist eine historische Tatsache und es macht keinen Sinn, dieses einmalige Verbrechen zu leugnen&#8220;. Das hat er denen im Iran gesagt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Was Sie da wieder wollen, ist mir nicht verst\u00e4ndlich, Herr Kramer. Aber ich habe Sie schon fr\u00fcher nicht verstanden. Ich hatte da noch einen alten Neschle in der Kiste, den ich nun als Teil dieses neuen hervorzaubere, um Sie als Wiederholungst\u00e4ter zu entlarven. Damals habe ich gedacht, vielleicht ist dieses Eisen zu hei\u00df f\u00fcr Deinen Blog, Leon. Aber jetzt reicht es mir einfach!<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>B. Warum so sinnlos gegen Sinn?<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Ein Vers aus dem Beatles-Song \u201eHey Jude\u201c lautet in der deutschen \u00dcbersetzung: \u201eNimm einen traurigen Song <i>und mache ihn besser<\/i>!\u201c (\u201eTake a sad song and make it better!\u201c) Merkw\u00fcrdigerweise machte der Herr Kramer mit dem Einschreiten gegen \u00c4u\u00dferungen des Pr\u00e4sidenten des M\u00fcnchener Ifo-Instituts Professor Dr. Hans-Werner Sinn im Oktober 2008 das Gegenteil, ein ohnehin trauriges Ding noch trauriger.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Sinn sagte damals im Interview mit dem Berliner Tagesspiegel:<i> \u201eAuch in der Weltwirtschaftskrise von 1929 wollte niemand an einen anonymen Systemfehler glauben. Damals hat es in Deutschland die Juden getroffen, heute sind es die Manager.&#8220;<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Auch ein Sinn kann Unsinn machen. Unsinn ist es in Deutschland, das Wort \u201eJude\u201c in den Mund zu nehmen und (sich) nicht (zu)gleich an den \u201eHolocaust\u201c zu erinnern. Das ist traurig und nicht \u201epolitisch korrekt\u201c. Das wei\u00df hierzulande jeder, Herr Sinn. \u2013<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die gezielte Vernichtungskampagne gegen Juden im \u201eDritten Reich\u201c als \u201eHolocaust\u201c zu bezeichnen, ist dagegen \u201epolitisch korrekt\u201c! Obwohl das f\u00fcr <i>deutsche <\/i>Ohren fast verharmlosend klingt, weil viele das Wort gar nicht verstehen. \u201eHolocaust\u201c statt klarer Worte f\u00fcr die geplante Vernichtung von Juden wie \u201esystematischer Massenmord\u201c oder \u201eplanm\u00e4\u00dfige Massenvernichtung\u201c erschwert hierzulande eher das Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die menschenverachtende Grausamkeit dieser perfiden Untaten. Dummerweise ist es aber \u201ekorrekt\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u201eJude\u201c und \u201eHolocaust\u201c sind siamesische Sprachzwillinge geworden und d\u00fcrfen nie allein vorkommen. Dabei darf auch nie der Eindruck vermittelt werden, der \u201eHolocaust\u201c werde mit anderen Verbrechen oder blo\u00dfen Vergehen verglichen. Schon ein angedeuteter Vergleich ist verfehlt. Auf das Ergebnis wird da nicht gewartet.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Das hat Herr Sinn also falsch gemacht. Er hat einen Vergleich gezogen zwischen \u2026 . Obwohl\u2026? Halt! \u2026 Einen solchen Vergleich hat er gar nicht gezogen, nicht <i>so<\/i>, \u00fcberhaupt nicht so, wie Sie, Herr Kramer, ihm das unterstellen und in ihrem Gefolge einige Papageien. Weil Sinn was von Mengenlehre versteht. Im Unterschied zu Ihnen? \u2013<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Vor einiger Zeit hat man im ersten Schuljahr noch mit der Mengenlehre angefangen, damit sie jedes Kind versteht: Eine kleine blaue Kugel und ein gro\u00dfer blauer W\u00fcrfel sind etwas v\u00f6llig anderes. Trotzdem geh\u00f6ren beide in Bezug auf ihr \u201eBlausein\u201c in eine Kategorie, n\u00e4mlich die der \u201eblauen Dinge\u201c. Verstanden? Gut!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Was ihre Gr\u00f6\u00dfe oder Form betrifft, sind sie nat\u00fcrlich etwas ganz anderes: \u201eKlein\u201c ist anders als \u201egro\u00df\u201c, eine \u201eKugel\u201c etwas v\u00f6llig anderes als ein \u201eW\u00fcrfel\u201c. Und eine \u201ekleine Kugel\u201c und ein \u201egro\u00dfer W\u00fcrfel\u201c haben erst recht nichts gemein. Klar?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Nein? Dann noch mal anders: Ein Mann ist etwas anderes als eine Frau. In Alter, Musikgeschmack, Sehleistung, politischer Ansicht kann er trotzdem einer Frau sehr viel \u00e4hnlicher sein als einem anderen Mann, dem er im Extrem allein in Bezug auf das \u201eMannsein\u201c \u00e4hnelt. \u201eMannsein\u201c ist hier wie \u201eBlausein\u201c, im obigen Sinne (Ich komme gerade von einem Karnevalszug. \u2013<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Dann schauen wir mal, ob wir den Sinn bei Herrn Sinn und dessen \u00c4u\u00dferung begreifen. Zitieren zun\u00e4chst die offizielle Homepage des Zentralrates: <i>\u201eDer Zentralrat der Juden in Deutschland hat den Pr\u00e4sidenten des Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, aufgefordert, sich f\u00fcr seinen Vergleich der Judenverfolgung mit der aktuellen Managerkritik zu entschuldigen\u201c.<\/i> Erinnern wir uns! Sinn hatte gesagt:<i> \u201eAuch in der Weltwirtschaftskrise von 1929 wollte niemand an einen anonymen Systemfehler glauben. Damals hat es in Deutschland die Juden getroffen, heute sind es die Manager.&#8220;<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Der Generalsekret\u00e4r des Zentralrats bezeichnete diesen \u201eVergleich\u201c(?) als \u201eemp\u00f6rend, absurd und absolut deplaziert, eine Beleidigung der Opfer.&#8220; In Kenntnis dessen, was wenige Jahre sp\u00e4ter mit den Juden passierte, sei es haneb\u00fcchen, heutige Wirtschaftsf\u00fchrer mit Juden zu vergleichen, sagte er der NRZ. \u201eMir w\u00e4re neu (f\u00fcr Sinn sind das olle Kamellen?!), dass Manager geschlagen, ermordet oder ins Konzentrationslager gesperrt w\u00fcrden&#8220;, so Kramer. Sinns Einlassung folge der Masche: \u201eWer sich unter Druck gesetzt f\u00fchlt, w\u00e4hlt Vergleiche mit den Juden, um sich unter die Opfer einreihen zu k\u00f6nnen.&#8220; \u2013 Na, ja?! Ich k\u00f6nnte mir jedenfalls etwas anderes vorstellen, als mich unter diese Opfer einzureihen!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Sinn hat aber gar nicht gesagt, das Schicksal der Manager sei mit dem Schicksal der Juden vergleichbar. <i>Er hat gar keinen Vergleich zwischen \u201eJuden-Verfolgung\u201c und \u201eManager-Kritik\u201c gezogen.<\/i> Vielmehr hat er verdeutlicht \u2013 und das nur beispielhaft und <i>unter einem einzigen Vergleichsaspekt \u2013<\/i>, <i>dass in beiden gro\u00dfen Wirtschaftskrisen vor allem nach \u201eschuldigen Menschengruppen\u201c gesucht wurde und wird und \u2013 das war sein eigentlicher Punkt \u2013 eben nicht nach \u201eanonymen Systemfehlern\u201c<\/i>.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Sinns Vergleichsaspekt ist also nur das \u201eBlausein\u201c oder das blo\u00dfe \u201eMannsein\u201c aus der Mengenlehre. \u00dcber die sonstige Vergleichbarkeit von Juden und Managern, was deren Schicksal war und ist, ob es ebenso wie die Judenverfolgung bald eine \u201eManagerverfolgung\u201c geben wird, in denen Manager systematisch gedem\u00fctigt und get\u00f6tet werden, davon ist bei Sinn gar keine Rede. Und darauf bezieht sich sein Vergleich auch nicht!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Judenverfolgung = \u201eManagerverfolgung\u201c, das wird Sinn schlicht angedichtet von Herrn Kramer. Es ist daher v\u00f6llig daneben, Sinn wegen dieser \u00c4u\u00dferung eine \u201eBeleidigung der Opfer\u201c vorzuwerfen, in die N\u00e4he von Antisemiten zu r\u00fccken oder auch nur die \u00c4u\u00dferung in die N\u00e4he des Antisemitismus. Im Gegenteil:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Nur so wird der richtige Schuh aus Sinns \u00c4u\u00dferungen: <i>Ebenso wie es 1929 nach Sinns Ansicht <u>abwegig<\/u>(!) war, die Schuld f\u00fcr die Wirtschaftskrise den Juden zuzuschreiben, w\u00e4re es heute nach seiner Ansicht <u>falsch<\/u>, die Schuld f\u00fcr die Krise bei den Managern zu suchen.<\/i> \u2013 Man mag seine Ansicht \u00fcber die Managerverantwortung teilen, oder nicht. Aber: Wir sind hier mengentheoretisch bei einer anderen Frage, n\u00e4mlich immer noch beim \u201eBlausein\u201c. Wo ist da eine Verh\u00f6hnung der Opfer?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die w\u00e4re freilich schlimm! Doch diese Verh\u00f6hnung durch Sinn existiert nur in der Einbildung des Herrn Kramer. Der will offenbar beleidigt sein und sich selbst als Opfer feiern. Er hat nicht verstanden, dass etwas unter <i>einem<\/i> Aspekt gleich oder \u00e4hnlich sein kann, was unter anderen Aspekten und insgesamt grundverschieden ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wenngleich die Sachverhalte <i>laut Sinn<\/i> (!) bei der Zuschreibung von Schuld zu Menschengruppen und nicht zu Systemm\u00e4ngeln in beiden Wirtschaftskrisen gleich liegen, bedeutet das in gar keiner Weise, dass die betroffenen Menschengruppen ansonsten \u00c4hnlichkeiten aufweisen oder aufweisen m\u00fcssten, dass \u201eVerleumdung und Verfolgung\u201c und \u201eKritik\u201c auf einer Ebene stehen oder ihre Schicksale in irgendeiner Weise \u00e4hnlich sein m\u00fcssen. <i>Wenn ich feststelle, dass Hitler Vegetarier war und damit den Vergleich ziehe, mache ich damit doch auch nicht alle Vegetarier zu Nazis.<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Es ist n\u00e4mlich genau wie bei der kleinen blauen Kugel und dem gro\u00dfen blauen W\u00fcrfel, die nur im Blausein \u00e4hnlich sind. Es sei denn, die ideologische Verblendung unterh\u00f6hlt die logische Denkf\u00e4higkeit, wie bei Volker Beck von den Gr\u00fcnen, der von einer \u201ebeispiellosen Geschmacklosigkeit\u201c Sinns spricht und sagt: \u201eDer Vergleich zwischen Juden und Managern von Sinn ist zynisch und total daneben.\u201c W\u00e4re er, Herr Beck! Wenn es ihn so total gegeben h\u00e4tte und Sie nicht alles nachplappern w\u00fcrden!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Lieber Herr Beck! Einen solchen Vergleich macht generell kein Sinn, weil der keinen Sinn macht. Insgesamt, als Ganzes und im Allgemeinen vergleicht er Juden und Manager nie und nimmer und \u00fcberhaupt gar nie nicht. Und f\u00fcr Sinns eingeschr\u00e4nkten Aspekt ist sein Vergleich m\u00f6glich, wenngleich er nichtsdestotrotz falsch sein mag. Nach Neschles Ansicht ist er es sogar. Denn nat\u00fcrlich gibt es eine (Mit-) Verantwortung der Manager, auch wenn sie einem Zug von Lemmingen gefolgt sind. Doch hier es geht nicht darum, ob Sinn Recht hat, sondern ob er den ihm vorgeworfenen Vergleich getroffen hat. Und genau das hat er nicht!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Sinn hat sich f\u00fcr seine \u00c4u\u00dferung nun \u201edummerweise\u201c entschuldigt, statt seine Aussage wie oben zu erkl\u00e4ren. Eine Erkl\u00e4rung w\u00e4re vermutlich nicht nur nutzlos gewesen, sondern h\u00e4tte seine Lage im ideologisch verkleisterten Vorhirn seiner politisch starken Kritiker verschlimmert. Er hat den karrieresicheren Weg gew\u00e4hlt, aber f\u00fcr Verwirrung und Selbstanklage gesorgt. Denn: \u201eWer sich entschuldigt, klagt sich an!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Sinn hat so seine Aussage, die gar keinen antisemitischen Kern oder eine Beleidigung der Opfer enthielt, nachtr\u00e4glich damit belastet, weil ihn Unverst\u00e4ndige mit politischer Macht dazu gezwungen haben. Dazu kann Neschle nur mit Bertrand Russell sagen: \u201eDas ist der ganze Jammer: Die Dummen sind so sicher und die Gescheiten so voller Zweifel.\u201c<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>C. Ein zentraler Rat f\u00fcr den Zentralrat?<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Es hat sich der Falsche entschuldigt.<\/i> Nicht Sinn h\u00e4tte sich entschuldigen sollen, sondern der Generalsekret\u00e4r des Zentralrates, <i>sachlich<\/i> f\u00fcr seine Unf\u00e4higkeit, <i>aspektbezogene<\/i> Vergleiche zu verstehen, <i>politisch<\/i> f\u00fcr den unbegr\u00fcndeten Verdacht des verkappten Antisemitismus in der unterstellten Beleidigung der Opfer gegen Hans-Werner Sinn, gleichg\u00fcltig ob man dessen sachliche Einsch\u00e4tzung teilt oder nicht. Und Volker Beck? Dem sei Narrenfreiheit gew\u00e4hrt. Der kann gar nicht anders.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Sinn wird \u201eVerharmlosung\u201c durch seinen Vergleich vorgeworfen. Nur bei Lesern, die nicht (mehr) denken k\u00f6nnen, mag das stimmen. Das habe ich ja gerade gezeigt. Doch wie hei\u00dft es bei \u201eHey Jude\u201c: \u201eNimm einen traurigen Song und mache ihn besser!\u201c H\u00e4tte der Zentralrat dies beherzigt, h\u00e4tte er Sinns \u201eVergleich\u201c aktiv und positiv aufgreifen k\u00f6nnen, sachlich (statt ideologisch) kritisieren und durch <i>Erweiterung<\/i>(!) der Vergleichsaspekte ad absurdum f\u00fchren k\u00f6nnen:<\/p>\n<ol style=\"text-align: left;\">\n<li>Er h\u00e4tte Sinns Gespr\u00e4chsthema <i>positiv nutzen<\/i> k\u00f6nnen, statt negativ den Bann des Obsz\u00f6nen darauf zu werfen. Sinn hat dem Zentralrat eine Steilvorlage f\u00fcr das eigene Thema geliefert, aber der versiebte seine Chance. Kl\u00e4glich! <i>Warum nicht endlich die positive F\u00f6rderung von Themen, statt deren negative Unterdr\u00fcckung doch st\u00e4ndige Tabuisierung? Man hat den Eindruck es gehe nur um die Aufstellung von Fettn\u00e4pfchen und die Beschimpfung derjenigen, die reingetappt sind. Was soll das denn bewirken au\u00dfer dass man selbst den Realit\u00e4tsbezug verliert?<\/i>Der Zentralrat h\u00e4tte zeigen k\u00f6nnen, welche Unterschiede es unter Sinns Vergleichsaspekt der \u201ezugewiesenen Krisenverantwortlichkeit\u201c zwischen Juden und Managern gibt. Die Schuldzuweisung von 1929 w\u00e4re wieder Thema gewesen. Man h\u00e4tte eine der Wurzeln der perfiden Nazi-Propaganda aktiv diskutieren k\u00f6nnen. Stattdessen aber hat der Zentralrat durch seinen Generalsekret\u00e4r jegliche Erinnerung an diese absurden Dummheiten im Keim erstickt und den Mantel des Schweigens dar\u00fcber gedeckt. Statt den Schwelbrand zu \u00f6ffnen und mit dem Feuerl\u00f6scher zu bek\u00e4mpfen, hat er ihn zugedeckt, wo es heimlich weiter schwelen kann. Das ist nicht nur strategisch schlecht, es ist sogar miserabel.<\/li>\n<li>Man h\u00e4tte Sinns Vergleich auf <i>andere Aspekte<\/i> <i>ausweiten<\/i> k\u00f6nnen. Dann w\u00e4re die Sache satirisch oder sarkastisch geworden etwa so: \u201eGlaubt Sinn wirklich, den Managern drohe demn\u00e4chst wie den Juden eine systematische Massenvernichtung?\u201c \u2013 Wie? Das ist wirklich abwegig und geschmacklos! \u2026 Eben! Aber statt diese <i>satirische(!)<\/i> Frage zu stellen, wird <i><u>dieser<\/u><\/i> Vergleich Sinn von Kramer (und Volker Beck) als tats\u00e4chliche Ansicht unterstellt:<i> \u201eMir w\u00e4re neu, dass Manager geschlagen, ermordet oder ins Konzentrationslager gesperrt w\u00fcrden&#8220; (O-Ton Kramer)! <\/i>So als w\u00fcrde Sinn das <i>tats\u00e4chlich glauben<\/i>. So als h\u00e4tte Sinn nicht alle Tassen im Schrank und selbst keinen Schimmer von der Unvergleichbarkeit der beiden Gruppen in diesen Totalen. Dadurch wird Kramers Behauptung aber zur b\u00f6swilligen Unterstellung und zur Beleidigung Sinns. Und Sinn muss sich das in (verst\u00e4ndlicher) deutscher Demut gefallen und von Kramer seinen peinlichen B\u00fcckling zumuten lassen.<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: left;\">\u201eTake a sad song <i>and make it better<\/i>\u201c! Das soll die Aufforderung an den Zentralrat sein. \u201eAnd any time you feel the pain, hey Jude, refrain, don\u2019t carry the world upon your shoulder\u201c. Es gibt jedenfalls keinen Grund f\u00fcr den Zentralrat, st\u00e4ndig gezielt nach Gr\u00fcnden zu suchen, um belastet von dieser Welt und opferhaft beleidigt zu sein. Geht positiv in diese Welt sagt Euch der Neschle in der Karnevalswoche 2009!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Denn: Wer selbst seine Freunde st\u00e4ndig beargw\u00f6hnt und sie wie potentielle Feinde behandelt, wer sie laufend klammheimlich verd\u00e4chtigt und sie durch die Brille seines ideologischen Unverst\u00e4ndnisses betrachtet, sie unbedacht missversteht oder gar missverstehen will, der verlangt auf die Dauer viel. Um es am Beispiel deutlich zu machen: Schr\u00f6der und Sinn taugen nicht als S\u00fcndenb\u00f6cke von Herrn Kramer!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">In Deutschland st\u00f6\u00dft er damit auf weit mehr Unverst\u00e4ndnis auch unter seinen Freunden als das nach au\u00dfen hin erscheint. Denn fast alle Personen der \u00d6ffentlichkeit scheuen sich, bei einer Kritik des Zentralrates selbst Sinns Schicksal zu erleiden. Auch ich habe lange gez\u00f6gert, diesen Blog zu ver\u00f6ffentlichen:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Neschle f\u00e4nde es gut, wenn der Zentralrat die Gr\u00f6\u00dfe h\u00e4tte, sich nachtr\u00e4glich bei Herrn Sinn und nun bei Herrn Schr\u00f6der zu entschuldigen f\u00fcr die \u00fcberzogene Reaktion seines Generalsekret\u00e4rs und dessen Zumutungen, Sinn solle sich f\u00fcr etwas entschuldigen, <i>was er so weder gesagt noch beabsichtigt hat<\/i>, und Schr\u00f6der f\u00fcr etwas, was er gar nicht (so) getan hat. Doch diese Gr\u00f6\u00dfe wird der Zentralrat nicht haben und auch nicht das Verst\u00e4ndnis. Leider!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Daher werden wir mit seinen d\u00e4mlichen Tabus leben, weil sich <i>im Falle des Zentralrates<\/i> keiner in der deutschen Politik traut, das zu tun, was er bei anderen Institutionen l\u00e4ngst t\u00e4te: der fragw\u00fcrdigen Meinung eines Amtstr\u00e4gers zu widersprechen. Auch das ist ein Tabu. Doch wer es nicht bricht, l\u00e4sst den Zentralrat sehenden Auges in die Irre gehen. Dieser Zentralrat verpasst die Chancen einer <i>positiven<\/i> Beeinflussung der Diskussionen: Wo ist die Stimme, die diesen Generalsekret\u00e4r zur\u00fcckpfeift? Was ist nur aus den Erben \u201eNathans des Weisen\u201c geworden? Wer kann wollen, dass seine Freunde schweigen und nur noch die Braunen reden?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ein Gedicht gibt es nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Schlie\u00dflich kann ich mir keinen Reim auf das Verhalten des Zentralrats machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Fehlt nur, irgendein Kramer stempelt mich aufgrund dieses Blogs zum Antisemiten:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Herr, schmei\u00df Hirn vom Himmel! Und die Weisheit Nathans!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Vielleicht werde ich ja erh\u00f6rt!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Gotthold Ephraim Lessing w\u00fcrde dann im Grabe tanzen. In Braunschweig \u00fcbrigens, wo der Gr\u00f6fatz Hitler am 26.2. vor 7 x 11 (T\u00f6, t\u00f6!) Jahren \u201eeingedeutscht\u201c wurde!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Doch das w\u00fcnsche ich mir zum Schluss: \u201eBraun schweig!\u201c<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.neschle.de\/wp-content\/2009\/02\/clip-image002.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" style=\"border-width: 0px; display: inline;\" title=\"clip_image002\" src=\"http:\/\/www.neschle.de\/wp-content\/2009\/02\/clip-image002-thumb.jpg\" alt=\"clip_image002\" width=\"214\" height=\"105\" border=\"0\"><\/a><\/p>\n<p><a title=\"PDF-Datei\" href=\"http:\/\/www.neschle.de\/download-manager.php?id=133\">PDF-Datei<\/a><br \/>\nThis post was downloaded by  1088  people until now.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein zentraler Rat f\u00fcr den Zentralrat \u201eHey Jude, don\u2019t make it bad&#8220;&nbsp;(The Beatles aus dem Song \u201eHey Jude\u201c, der gar nicht von einem Juden handelt.) Der Zentralrat der Juden hat mal wieder kritisiert: Ex-Kanzler Gerhard Schr\u00f6der scharf. Wegen seines Treffens mit dem iranischen Pr\u00e4sidenten Ahmadinedschad in dieser Woche. &#8222;Herr Schr\u00f6der f\u00fcgt dem Ansehen der Bundesregierung &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-53-9-woche-2009\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eLeon Neschle 53 (9. Woche 2009)\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[4,6],"tags":[14,11],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/404"}],"collection":[{"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=404"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/404\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1008,"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/404\/revisions\/1008"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=404"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=404"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=404"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}