{"id":378,"date":"2009-02-03T10:56:51","date_gmt":"2009-02-03T09:56:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-50-6-woche-2009\/"},"modified":"2020-06-20T16:05:29","modified_gmt":"2020-06-20T15:05:29","slug":"leon-neschle-50-6-woche-2009","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-50-6-woche-2009\/","title":{"rendered":"Leon Neschle 50 (6. Woche 2009)"},"content":{"rendered":"<header>\n<h2 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #4f81bd\">Eure Exzellenz? \u2013 Das ist nicht meine Exzellenz!<\/span><\/strong><\/h2>\n<\/header>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>Was der Exzellenzinitiative deutscher Universit\u00e4ten am meisten fehlt, ist die Exzellenz dieser Initiative.&nbsp;<\/em>(Neschle)<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Der aktuelle Leitspruch deutscher Universit\u00e4ten ist: \u201eWir wollen fortan absolut exzellent werden und k\u00fcnftig nur noch <i>ex<\/i>-Elend sein!\u201c Je mehr man hierzulande so denkt, umso mehr wird getan, um diese Exzellenz zu verhindern. Und das auch noch mit <i>keinen<\/i> Mitteln, jedenfalls nicht mit solchen, die mit einer amerikanischen Vorzeigehochschule vergleichbar w\u00e4ren. Was Harvard w\u00e4hrend der Subprime-Krise an Verm\u00f6genswerten verloren haben soll, n\u00e4mlich etwa 8 Mrd. Euro, kann keine deutsche Hochschule verlieren, weil sie nicht einmal ann\u00e4hernd so viel hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Daher ist an deutschen Hochschulen seit einiger Zeit der Kampf um \u201eDrittmittel\u201c ausgerufen, um Geld, das \u201ePrivate\u201c den Universit\u00e4ten f\u00fcr Forschung und Lehre zur Verf\u00fcgung stellen (\u201esollen\u201c). Zudem f\u00f6rdert nun auch der Staat<i> ausgesuchte Hochschulen<\/i>, falls diese die von ihm vorgegebenen G\u00fcte-Kriterien der \u201eExzellenz\u201c erf\u00fcllen. \u2013<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ach Du meine G\u00fcte! Welche G\u00fcte-Kriterien denn? Die bedeutendsten Erfindungen wurden doch von Forschern au\u00dferhalb der kollektiven Sackgasse ihrer Artgenossen gemacht. Von schr\u00e4g gestylten Quer-Denkern! Und selbst wenn man \u201erichtige\u201c G\u00fcte-Kriterien h\u00e4tte, ist die derzeitige Initiative \u2026 .<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>A. Der falsche Ansatz und gar nicht so exzellent<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Obwohl es erkl\u00e4rtes Ziel ist, die deutsche Forschung und Lehre wieder zur internationalen Nummer 1 zu machen, wird nicht direkt \u201eForschung (und Lehre)\u201c gef\u00f6rdert. Gef\u00f6rdert werden dagegen <i>ganze \u201eExzellenz-Hochschulen\u201c<\/i> mit allen daran und darin herumh\u00e4ngenden Fachbereichen, Lehrst\u00fchlen und Lehrkr\u00e4ften.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Das ist der Fehler Nummer 1. Denn: Jede Hochschule hat st\u00e4rkere Fachbereiche oder Fakult\u00e4ten <i>und<\/i> schw\u00e4chere. Der Bezug auf die Hochschule insgesamt verw\u00e4ssert den Wettbewerb der Fachbereiche untereinander und ihr Streben nach nationaler und internationaler Reputation.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Von der universit\u00e4tsbezogenen Art der \u201eExzellenzf\u00f6rderung\u201c profitieren n\u00e4mlich auch schwache Fachbereiche, wenn \u00fcber deren gesamte Hochschule nur einmal das \u201eExzellenzurteil\u201c aufgrund ihrer wirklich exzellenten Fachbereiche verh\u00e4ngt wurde. Auch die schwachen Fachbereiche sonnen sich im warmen Regen (sehr sch\u00f6nes Bild!) zus\u00e4tzlicher \u00f6ffentlichen Finanzen. Wenn und weil sie an einer nicht f\u00fcr exzellent erkl\u00e4rten Universit\u00e4t t\u00e4tig sind, bleiben Stars dieser Fachrichtung und deren Fakult\u00e4ten derweil vom Geldsegen unbedacht.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Doch: Wo ein Hund dran pisst, da pissen bekanntlich alle dran (Daher ist ja auch die erste Million die schwerste!). Der staatlich-warme finanzielle Exzellenzregen wird begleitet von einem Exzellenzsegen, weil allein das Etikett \u201eExzellenz-Hochschule\u201c die Finanzierung mit Drittmitteln auch dort erleichtert, wo sich fachbereichlich oder fakultativ gar nicht so \u00fcppige Exzellenz findet.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Nun wollen jedoch die (noch) nicht f\u00fcr exzellent erkl\u00e4rten Hochschulen insgesamt aufholen. Die guten Fachbereiche br\u00e4uchten das eigentlich nicht, weil sie ohnehin schon \u201eexzellenter\u201c sind als ihre Br\u00fcder an den Exzellenzhochschulen. Die schlechten werden es dagegen kaum k\u00f6nnen, weil denjenigen gegeben wird, die ohnehin schon einen Vorsprung haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Exzellenz-Hochschulen sind daher eine Schwachsinnsidee im Kampf um internationale Reputation: <i>Qualit\u00e4tsf\u00fchrerschaft in der ganzen Breite einer Universit\u00e4t anzustreben ist vermessen und f\u00fchrt zu einer ma\u00dflosen Verschwendung der Kr\u00e4fte. Zur Verzettelung! <\/i>Wenn man klein und zur\u00fcckgeblieben ist, dann muss man sich kleine Nischen suchen und die ausbauen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Doch was soll man f\u00f6rdern, wenn nicht gesamte \u201eExzellenz-Hochschulen\u201c? <i>Der Fachbereich bzw. die Fakult\u00e4t ist<\/i> zwar <i>f\u00fcr die Lehre die richtige F\u00f6rdereinheit<\/i>, aber doch nicht f\u00fcr die Forschung. Auf die Forschung alle richtet sich aber in der Regel das tr\u00fcbe Auge der Exzellenzw\u00e4chter: Nicht der exzellente <i>Lehr<\/i>stuhl steht im Vordergrund, sondern der exzellente <i>Forschungs<\/i>stuhl; nicht die Lehrkraft, sondern die Forschungskraft.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Diese Forschungskraft b\u00fcndelt sich jedoch vielfach in universit\u00e4ts\u00fcbergreifenden Gruppen. Viele dieser Forschergruppen machen also vor den Grenzen ihrer Fakult\u00e4t nicht halt. Sie kooperieren \u00fcber den Rahmen ihrer Hochschule hinaus. Bei einigen \u201eOrchideenf\u00e4chern\u201c geht das sogar gar nicht anders, weil der Lehrbedarf mangels studentischer Masse an einer einzelnen Hochschule viel zu gering ist, um aus den dortigen Hochschullehrern auch ein respektables Forschungszentrum zu formen. Die heutige Hochschulf\u00f6rderung bringt hier nur Streuverluste. Die Gie\u00dfkanne symbolisiert deren verschwenderisches F\u00f6rderprinzip.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Es w\u00e4re daher sinnvoll, anstelle ganzer \u201eExzellenz-Universit\u00e4ten\u201c direkt solche Gruppen zu f\u00f6rdern. H\u00e4ufig ist es dabei aber nicht das Geld, sondern die Arbeitsbedingungen, die nach Verbesserung rufen oder auch schon mal schreien. Vor diesem Hintergrund ist die Ausrufung von \u201eExzellenz-Universit\u00e4ten\u201c zum Zwecke der Forschungsf\u00f6rderung nichts anderes als organisierter Schwachsinn und alles andere als \u201eexzellent\u201c. Es ist schlicht dumm und eine Verschwendung von Steuer-Geldern oder wie es der \u00d6konom milde formuliert: \u201eeine ineffiziente Allokation\u201c staatlicher Mittel.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>B. Freiheit von Praxis als Freiheit der Wissenschaft<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Es ist noch gar nicht lange her, da wurde im Senat einer deutschen Universit\u00e4t heftige Kritik an einer geplanten Ehrenpromotion in einem Fachbereichs ge\u00fcbt. Das Vergehen, das zur Diskussion im Senat stand: Der Laudator hatte, lediglich in einem Nebensatz (!), die guten Praxiskontakte des Ehrenpromovenden gelobt. Dar\u00fcber und \u00fcber den Laudator fielen nun einige Senatoren (\u00fcbrigens s\u00e4mtlich Professoren) her und ergingen sich in den wildesten Spekulationen dar\u00fcber, dass und wie hier wohl die Freiheit der Wissenschaft durch die Praxiskontakte des potenziell zu ehrenden Professors aufs Spiel gesetzt wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Diskutanten waren nicht etwa Intimfeinde des zu Ehrenden, wie man vielleicht vermuten k\u00f6nnte. Die waren sogar von anderen Fakult\u00e4ten und nie zuvor mit ihm in Kontakt gekommen. Und die meinten das alles galleernst und politisch. Das Schlimme war, dass der Laudator dabei auch von Kollegen im Stich gelassen wurde, die Praxiskontakte durchaus als sinnvoll f\u00fcr die Wissenschaft beurteilten.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wenig sp\u00e4ter kam ein Rundschreiben des Ministeriums in NRW, in dem es um Drittmittel aus der Praxis ging. Eigentlich wollte das Ministerium zur verst\u00e4rkten Einwerbung von Drittmitteln aufrufen, doch das Schreiben klang v\u00f6llig anders. Man begann darin etwa so: Die Einwerbung von Drittmitteln aus der Praxis ist nicht automatisch und zwangsl\u00e4ufig gleichzusetzen mit einer \u201eBestechung\u201c des Wissenschaftlers durch den finanzierenden Praktiker.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wem ist da als Wissenschaftler nicht der Appetit vergangen auf Drittmittel aus der privatwirtschaftlichen Praxis, ein Gericht, das er aber nun eigentlich verst\u00e4rkt genie\u00dfen sollte? Welcher Praktiker hat bei solchen T\u00f6nen noch Lust, Wissenschaft zu finanzieren. Da kann kein Professor mehr sicher sein, sich bei einem Wechsel in der politischen Landschaft wegen seiner Praxiskontakte nicht den Vorwurf der Bestechlichkeit einzuhandeln und daf\u00fcr, damit die Freiheit der Wissenschaft mit F\u00fc\u00dfen zu treten.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Hinzu kommt, dass steuerliche Anreize f\u00fcr den Praktiker genau in die gegenteilige Richtung zielen. W\u00e4hrend der deutsche Fiskus bei zweckgerichteten Betriebsausgaben keine Probleme der Anerkennung hat, tut er sich mit \u201eSpenden\u201c sehr viel schwerer. Doch genau die lassen dem Wissenschaftler den gr\u00f6\u00dften Entscheidungsspielraum, engen die \u201eFreiheit der Wissenschaft\u201c am wenigsten ein.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Zudem gibt es f\u00fcr allzu viele Leute in der Wissenschaft: die Trennung zwischen den \u201eunsauberen\u201c Drittmitteln aus privater Hand und \u201esauberen\u201c Drittmitteln aus der Hand staatlicher Institutionen.<\/i> Zu letzteren geh\u00f6rt die deutsche Forschungsgemeinschaft, mit deren Genehmigungspraxis Neschle eigene Erfahrungen hat. J\u00fcngst konnte er diese in einem Gespr\u00e4ch mit Kollegen und einem Vertreter der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) \u201epeinlicherweise\u201c best\u00e4tigen. Dass sich hinter dieser Genehmigungspraxis der DFG die deutsche Professorenschaft selbst verbirgt, machte die Sache nicht besser:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Naiverweise dachte Neschle damals vor seiner Antragstellung, was auch der Laie \u00fcber Forschung denkt: Ein Forschungsprojekt sei etwas, bei dem man noch nicht (genau) wisse, was dabei herauskommt, sondern nur, was herauskommen <i>k\u00f6nnte<\/i>.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Doch da denken die Profis von der Deutschen Forschungsgemeinschaft offenbar ganz anders. Das blo\u00dfe \u201eForschenwollen\u201c reicht n\u00e4mlich in den vielseitigen Antr\u00e4gen der DFG nicht. Da muss man das Projekt fast fertig haben, ehe man \u00fcberhaupt daran denkt, einen Antrag stellen zu wollen, so konkret und detailliert sind die \u201eErgebnisanfragen\u201c im Fragebogen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Um diese Ergebnisfragen beantworten zu k\u00f6nnen, muss man das Projekt jedoch bereits aus anderen Mitteln finanziert haben <i>entgegen dem Antrag auf Zuweisung von Mitteln f\u00fcr <u>dieses<\/u> Projekt<\/i>. Die Realit\u00e4t der Antr\u00e4ge auf Forschungsf\u00f6rderung durch die DFG sieht dabei meist so aus:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Als Antragsteller finanzieren Sie Ihr erstes Projekt zun\u00e4chst aus anderen Mitteln, beantragen dann <i>daf\u00fcr<\/i> (!!!) erst nachtr\u00e4glich die ersten DFG-Mittel, obwohl Sie mit diesen Mitteln dann eigentlich \u2013 und <i>ungepr\u00fcft<\/i> durch die DFG !!! \u2013 (nur noch) ein Folgeprojekt finanzieren (k\u00f6nnen). F\u00fcr dieses Folgeprojekt beantragen Sie sp\u00e4ter, wenn Sie dessen Ergebnisse schon kennen, ebenfalls die Mittel nachtr\u00e4glich. Werden diese Mittel genehmigt, flie\u00dfen sie wiederum in ein weiteres nicht von der DFG gepr\u00fcftes Folgeprojekt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Werden die neuen Mittel dagegen nicht genehmigt, hat der Forscher bei Lage der Dinge die Genugtuung, das von der DFG eigentlich abgelehnte (!!!) Projekt bereits mit Mitteln DFG finanziert zu haben, die aber eigentlich f\u00fcr das vorherige, von ihr genehmigte Projekt gedacht waren. Das ist die perfide Folge dieser zeitversetzten Finanzierung. Das ist der ganz normale Wahnsinn dieser \u00f6ffentlichen Drittmittelf\u00f6rderung durch die DFG.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ein Kollege, der mir in dieser Beschreibung zustimmte, sagte mir neulich: \u201eSie kennen das doch. Warum nutzen Sie das denn nicht f\u00fcr die Gewinnung von Drittmitteln der DFG?\u201c \u2013 \u201eWeil dieses Schwachsinns-System durch diejenigen aufrecht erhalten wird, die dabei mitmachen\u201c, war meine Antwort. \u201eSo werden die Dauerl\u00fcgen \u00fcber die Verwendung der Mittel und die systembedingt finanzielle gef\u00f6rderte Durchf\u00fchrung nachtr\u00e4glich abgelehnter Forschungsprojekte nie enden.\u201c Offenbar k\u00f6nnen die meisten Wissenschaftler mit diesem heuchlerischen System aber gut leben. Und daher geht dieser Zirkus weiter, obwohl es alle wissen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Da geht es bei Drittmitteln aus der Praxis meist weniger scheinheilig zu. Dennoch werden diese Mittel im Vergleich zu \u00f6ffentlichen Mitteln von vielen Forschern als Mittel zweiter Wahl angesehen. Zum unaufrichtigen Umgang mit diesen privaten Mitteln geh\u00f6rt es auch, dass man diese Zweitrangigkeit der privaten F\u00f6rderung den Auftraggebern niemals offenbart.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Merkw\u00fcrdigerweise werden zu den eingeworbenen Drittmitteln nicht alle externen Gelder au\u00dferhalb der \u201eHochschul-Grundfinanzierung\u201c gez\u00e4hlt. Ausgenommen sind etwa Gelder, die mit der Einwerbung ganzer Professuren zu tun haben, obwohl diese Professoren nicht nur in der Forschung, sondern auch in der Lehre wirken: Einem Professor, der an der Einwerbung mehrerer Professorenstellen f\u00fcr seine Universit\u00e4t beteiligt war, hielt man dort vor, nicht gen\u00fcgend f\u00fcr die Drittmitteleinwerbung seiner Universit\u00e4t getan zu haben, obwohl jede Professorenstelle insgesamt mehr als 5 Millionen Euro f\u00fcr seine Hochschule bedeutet.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Z\u00e4hlt nicht, denn: Ein eigenes Forschungsprojekt muss man von den eingeworbenen Geldern unterhalten. Dabei kommt es allein darauf an, dass das Projekt m\u00f6glichst kostspielig ist. F\u00fcr die Universit\u00e4t ist weniger der Erfolg oder das Ergebnis von Bedeutung, sondern der f\u00fcr dieses Projekt n\u00f6tige Aufwand. Je h\u00f6her, desto besser! Das allein sind die \u201eDrittmittel\u201c. Selbst wenn dieser Aufwand in einem groben Missverh\u00e4ltnis zu den Ergebnissen stehen sollte.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>C. Das arrogante Exzellenzgetue von A-Journals<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Man kann niemanden \u00fcberholen, dem man st\u00e4ndig hinterherl\u00e4uft. In dessen tiefen Spuren man geht, st\u00e4ndig bem\u00fcht, in dessen Fu\u00dfstapfen zu treten. Das ist zumindest die Lage der deutschen Wissenschaft in Neschles Disziplin: der \u00d6konomie.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Als \u201eDrei-Variablen Weltwissen\u201c hat Neschles Kieler Kollege Joachim Wolf j\u00fcngst in der FAZ etwa die Folgen des eskalierenden und exaltierenden A-Journalismusses bezeichnet. Um in ein A-Journal zu gelangen muss der \u201eschlaue Wissenschaftler\u201c Techniken anwenden, die das Plazet einer vorwiegend amerikanischen Herausgeberschaft haben. Und die setzt allein ihre Ma\u00dfst\u00e4be, denen die europ\u00e4ischen Kollegen allzu h\u00e4ufig nicht gen\u00fcgen, weil sie nicht damit sozialisiert sind, wie Neschle ein amerikanischer Kollege halb \u00fcberheblich und halb bedauernd vor gut einem Jahr gestand.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Der wahre Skandal ist dabei: <i>\u00dcber die Besetzung deutscher Lehrst\u00fchle entscheidet mittlerweile fast allein, wie vertraut man mit dem vorwiegend amerikanischen A-Journalismus ist und wie beliebt bei den dortigen Entscheidungstr\u00e4gern.<\/i> So entscheiden letztlich vor allem amerikanische Wissenschaftler und der von ihnen gepr\u00e4gte Forschungsstil \u00fcber die Besetzung deutscher Lehrst\u00fchle und \u00fcber das, was die Lehrenden den deutschen Studenten mitgeben k\u00f6nnen.<i> <\/i>Und das ist sehr, sehr wenig, wenn man erst einmal im Stil des A-Journalismus (ent-)sozialisiert ist<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Die deutschen Hochschulen haben sich selbst die Entscheidungskompetenz genommen, \u00fcber ihren wissenschaftlichen Nachwuchs und dessen Qualit\u00e4t(en)zu bestimmen. Sie haben die Entscheidungskompetenz abgegeben an die amerikanisch dominierte Herausgeberschaft der so genannten A-Journals. <\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ich kenne nur einen Bereich, wo das \u00e4hnlich ist: das Rating. Hier haben die drei gro\u00dfen amerikanischen Rating-Gesellschaften obskure amerikanische Finanzprodukte \u201esch\u00f6ngeratet\u201c, sie dadurch \u201esch\u00f6ngeredet\u201c und der ganzen Welt als sichere AAA-Anlage aufschwatzen lassen. Das hat uns eine der gr\u00f6\u00dften Finanzkrisen beschert. Eine Wissenschaftskrise k\u00f6nnte folgen. Denn was das AAA-Rating f\u00fcr Finanzprodukte ist, ist das A-Rating derzeit f\u00fcr wissenschaftliche Journals:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Zahl der Variablen in A-Journal.f\u00e4higen Untersuchungen sinkt etwa in demselben Ausma\u00df wie die Zahl der Methodenartefakte steigt, der Scheinrealit\u00e4ten, die ihre Existenz nur der verqueren Methode des Betrachters verdanken. Man wei\u00df immer mehr \u00fcber immer weniger und am Ende erf\u00e4hrt man dort alles \u00fcber Nichts.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Einst diente Wissenschaft der Orientierung in einer komplexen Welt. Abstrakt und realit\u00e4tsfern wie eine Landkarte, doch <i>mit Praxisbezug<\/i> um der besseren Orientierung willen! Und heute? Heute wird in den A-Journals oft genug die reine Kartographie gepflegt: Permanente Methoden-Onanie als Wissenschaft an und f\u00fcr sich!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die dabei geforderte \u201eOriginalit\u00e4t\u201c sorgt f\u00fcr die Zersplitterung der Bez\u00fcge in der Wissenschaft. Wer die Beitr\u00e4ge seiner Kollegen liest und sich darauf bezieht, langweilt bereits. Wer gar die auseinanderdriftenden Teilgebiete seines Faches b\u00fcndeln will oder in einem Lehrbuch verarbeitet, wird gar nicht mehr ernst genommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Den Studenten sollen dann solche Leute die ganze Breite ihres Fachs vermitteln, die sich selbst in ihren Forschungen im A-Journalismus auf der Fl\u00e4che eines Euro zum Erdmittelpunkt aufgemacht haben, um damit erkl\u00e4ren zu k\u00f6nnen, was die Welt ist. Denn nur so konnten sie Beitr\u00e4ge im Methodendiktat der A-Journals unterbringen, nur so mittlerweile an ihren Lehrstuhl auch in Deutschland kommen. Denn der Bologna-Prozess f\u00e4llt sein vernichtendes Urteil \u00fcber alles, was anders ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Je mehr Exzellenz-Tamtam die Wissenschafts-Politik verbreiten muss, umso mehr Qualit\u00e4tsminderung versteckt sich dahinter. Bachelor und Master haben eine Qualit\u00e4ts-Katastrophe in der Ausbildung unseres Nachwuchses herbeigef\u00fchrt. Professoren kehren ihrer Universit\u00e4t deshalb schon den R\u00fccken, lange vor ihrer Emeritierung. Dass sich gerade ein Professor f\u00fcr Katholische Theologie gegen die Bologna-Heuchelei und Scheinheiligkeit wendet und deshalb seinen Job quittierte, ist nicht einmal ein Witz. Doch die Gr\u00fcnde daf\u00fcr habe ich schon in anderen Beitr\u00e4gen ausf\u00fchrlich beschrieben (<a href=\"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-32-47-woche-2007\/\">Leon Neschle 32<\/a>, <a href=\"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/5\/\">Leon Neschle 1<\/a>).<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Mit einer Frage der Wissenschaftspolitik habe ich diesen Blog er\u00f6ffnet, mit einer solchen Frage will ich ihn nun wiederbeleben.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Es ist nicht alles, was Du kenns(t),<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">schon simpel dadurch \u201eExzellenz\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Kriterien muss es strikt gen\u00fcgen,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">man hofft da sehr, dass die nicht l\u00fcgen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Doch immer flie\u00dft das meiste Geld,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">da wo betrogen wird die Welt.<\/p>\n<p><a title=\"PDF-Datei\" href=\"http:\/\/www.neschle.de\/download-manager.php?id=126\">PDF-Datei<\/a><br \/>\nThis post was downloaded by  1177 people until now.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eure Exzellenz? \u2013 Das ist nicht meine Exzellenz! 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