{"id":37,"date":"2007-04-18T14:23:46","date_gmt":"2007-04-18T12:23:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.neschle.de\/wordpress\/?p=37"},"modified":"2020-06-21T16:05:14","modified_gmt":"2020-06-21T15:05:14","slug":"leon-neschle-10-17-woche-2007","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-10-17-woche-2007\/","title":{"rendered":"Leon Neschle 10 (17. Woche 2007)"},"content":{"rendered":"<header>\n<h2 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #4f81bd\">Gleicher Lohn f\u00fcr ungleiche Arbeit? Oder: Was die Bibel lehrt.<\/span><\/strong><\/h2>\n<\/header>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>In such examples \u2026 as \u2018equal pay for equal work\u2019, even one of the stars in the subjectivist firmament, Professor Hayek, lost his way.&nbsp;<\/em>(James McGill Buchanan)<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Gerecht ist vor allem eines: Gleicher Lohn f\u00fcr gleiche Arbeit.<!--more--> Das ist den meisten von uns klar. Nur wenn uns <i>das<\/i> klar ist, ist uns gerade <i>nicht<\/i> klar, wie eine Marktwirtschaft funktioniert und was deren tragendes Gerechtigkeitsprinzip ist. Man kann nicht die Marktwirtschaft akzeptieren und gleichzeitig gleichen Lohn f\u00fcr gleiche Arbeit einfordern. Das macht uns erstaunlicherweise die Bibel klar:<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>A. Geh der Gerechtigkeit aus dem Weg! Sie ist blind.<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Jetzt wird\u2019s fromm! Du meine G\u00fcte! Soll man hier auch noch Bibeltexte lesen? Gemach, gemach! Trotz orientalischer Ausschweifungen bringt es die Bibel manchmal auf den Punkt. Vor allem in Gleichnissen. Eines davon zeigt ganz unerwartet, wie Marktwirtschaft funktioniert und warum viele Leute damit Verst\u00e4ndnisprobleme haben. Jedenfalls wenn Neschle die Bibel in seiner vulg\u00e4ren laizistischen Deutung f\u00fcr sich vereinnahmt:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Haben wir Mut. Tun wir etwas, was heute beinahe ungew\u00f6hnlich ist. Lesen wir im Evangelium des Matth\u00e4us 20, 1 \u201315. In der Einheits\u00fcbersetzung nat\u00fcrlich, dass keine sich benachteiligt f\u00fchlt:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i><sup>1<\/sup><\/i><i>Denn mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Gutsbesitzer, der fr\u00fch am Morgen sein Haus verlie\u00df, um Arbeiter f\u00fcr seinen Weinberg anzuwerben. <sup>2<\/sup>Er einigte sich mit den Arbeitern auf einen Denar f\u00fcr den Tag und schickte sie in seinen Weinberg. <sup>3<\/sup>Um die dritte Stunde ging er wieder auf den Markt und sah andere dastehen, die keine Arbeit hatten. <sup>4<\/sup>Er sagte zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg! Ich werde Euch geben, was recht ist. <sup>5<\/sup>Und sie gingen. Um die sechste und um die neunte Stunde ging der Gutsherr wieder auf den Markt und machte es ebenso. <sup>6<\/sup>Als er um die elfte Stunde noch einmal hinging, traf er wieder einige, die dort herumstanden. Er sagte zu ihnen: Was steht ihr hier den ganzen Tag unt\u00e4tig herum? <sup>7<\/sup>Sie antworteten: Niemand hat uns angeworben. Da sagte er zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg! <\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i><sup>8<\/sup><\/i><i>Als es nun Abend geworden war, sagte der Besitzer des Weinbergs zu seinem Verwalter: Ruf die Arbeiter und zahl ihnen den Lohn aus, angefangen bei den letzten, bis hin zu den ersten. <sup>9<\/sup>Da kamen die M\u00e4nner, die er um die elfte Stunde angeworben hatte, und jeder erhielt einen Denar. <sup>10<\/sup>Als dann die ersten an der Reihe waren, glaubten sie mehr zu bekommen. Aber auch sie erhielten nur einen Denar.<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i><sup>11<\/sup><\/i><i>Da begannen sie \u00fcber den Gutsherrn zu murren <sup>12<\/sup>und sagten: Diese letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, und du hast sie uns gleichgestellt; wir aber haben den ganzen Tag \u00fcber die Last der Arbeit und die Hitze ertragen. <sup>13<\/sup>Da erwiderte er einem von ihnen: Mein Freund, Dir geschieht kein Unrecht. Hast du nicht einen Denar mit mir vereinbart? <sup>14<\/sup>Nimm dein Geld und geh! Ich will dem letzten ebensoviel geben wie dir. <sup>15<\/sup>Darf ich mit dem, was mir geh\u00f6rt, nicht tun, was ich will? Oder bist Du neidisch, weil ich (zu den anderen) g\u00fctig bin? <\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Schockierend der Versto\u00df gegen den f\u00fcr viele Menschen unumst\u00f6\u00dflichen Grundsatz: \u201eGleicher Lohn f\u00fcr gleiche Arbeit\u201c! Selbst Friedrich von Hayek, der gewaltige Vor- und Nach-Denker der Marktwirtschaft, hatte einst <i>Gleichen Lohn f\u00fcr gleiche Arbeit! <\/i>gefordert. Stattdessen hier \u201eGleicher Lohn f\u00fcr ungleiche Arbeit\u201c und damit auch \u201eUngleicher Lohn f\u00fcr gleiche Arbeit\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Doch wie viel Bestand hat die Forderung <i>Gleicher Lohn f\u00fcr gleiche Arbeit<\/i>? Hat die Bibel mehr von Marktwirtschaft verstanden als von Hayek? In diesem Punkt ja!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ich gehe doch auch nicht morgen zu meiner Bank und fordere aus Gerechtigkeitsgr\u00fcnden<i> gleiche Zinsen f\u00fcr gleiches Geld.<\/i> Leider habe ich meinen Hypothekenvertrag f\u00fcr f\u00fcnf Jahre abgeschlossen. Die Zinsen sind gesunken. Andere zahlen weniger. Das will ich jetzt auch! Oder was mache ich, wenn die Bank bei gestiegenen Zinsen auf den Vertrag trillern m\u00f6chte und nun h\u00f6here Zinsen verlangt. Ich pfeife darauf und zeige ihr den Vogel!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u00dcber <i>Gleiche Zinsen f\u00fcr gleiches Geld<\/i> versteht man vielleicht besser, <i>warum das mit dem gleichen Geld f\u00fcr gleiche Arbeit eine Schnapsidee ist in einer Marktwirtschaft. Weil es Vertr\u00e4ge gibt mit Laufzeiten und weil beide Vertragspartner sich daran halten m\u00fcssen, egal wie sich die \u00f6konomischen Verh\u00e4ltnisse \u00e4ndern. <\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Nur wenn man auf Vertragstreue pfeifen oder die \u00f6konomischen Verh\u00e4ltnisse ein f\u00fcr allemal zementieren will, kann man die Forderung <i>Gleicher Lohn f\u00fcr gleiche Arbeit<\/i> verwirklichen. Keiner will jedoch auf Vertragtreue und wirtschaftliche Entwicklung verzichten. Dennoch bef\u00fcrworten viele die Forderung von Hayeks; bei einer spontanen Testfrage sogar mehr als die H\u00e4lfte meiner Studenten. Wie sieht das erst in der Gesamtgesellschaft aus? G\u00e4be es noch Marktwirtschaft, wenn wir wirklich gleichen Lohn f\u00fcr gleiche Arbeit h\u00e4tten? G\u00e4be es noch Vertrauen und eine wirtschaftliche Entwicklung, wenn es kein Vertrauen mehr in Vertr\u00e4ge g\u00e4be? \u2013<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Drei marktwirtschaftliche Grunds\u00e4tze sind in obigem Bibeltext zu entdecken:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">1. Erkenne die Ergebnisse eines freiwilligen Austausches an! Du hast diesen Vertr\u00e4gen zugestimmt. Wie andere Vertr\u00e4ge ausgehen, ist nicht Deine Sache, sondern die anderer Vertragsparteien.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">2. Erkenne die Freiheit im Umgang mit dem Privateigentum anderer Menschen an! Nur so kannst Du auch recht sicher sein, dass sie nicht Dir in die Verwendung Deines Eigentums hereinreden. Freiheit kann man nicht haben, wenn man sie anderen nicht gibt!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">3. Neid oder Missgunst sind keine beachtenswerten Motive!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Der Kern dieses Gleichnisses beschreibt den grundst\u00e4ndigen Konflikt der Marktwirtschaft. Den zwischen der Anerkennung des freien und freiwilligen Tausches und der Anerkennung der Tausch-Ergebnisse. Zwischen der Akzeptanz des Verfahrens und seiner Resultate. Zwischen Verfahrens- und Ergebnisgerechtigkeit. <\/i><\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>B. Gerechtigkeit ist nicht nur eine Frage des Ergebnisses.<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Eine Unterscheidung zwischen einer verfahrensbezogenen kommutativen (ausgleichenden) Gerechtigkeit und einer ergebnisbezogenen distributiven (austeilenden) Gerechtigkeit geht zur\u00fcck auf die Nikomachische Ethik des Aristoteles. Deren merkw\u00fcrdige Diktion zeugt davon, dass manche \u00dcbersetzer meinen, Altert\u00fcmliches in altert\u00fcmlicher Sprache schildern zu m\u00fcssen. Dem Verst\u00e4ndnis f\u00fcr den Inhalt ist das nur bedingt zutr\u00e4glich. Dennoch wage ich keine Textver\u00e4nderung. Ich bin halt Deutscher und Wissenschaftler. Daher gilt: Lieber genau falsch als ungef\u00e4hr richtig! Hier die entscheidende Stelle aus Buch 5, Kapitel 5:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u201eVon der partikul\u00e4ren Gerechtigkeit aber und den ihr entsprechenden Rechten ist eine Art die, die sich bezieht auf die Zuerteilung von Ehre oder Geld oder anderen G\u00fctern, die unter die Staatsangeh\u00f6rigen zur Verteilung gelangen k\u00f6nnen [distributive Gerechtigkeit] \u2026; eine andere ist die, die den Verkehr der Einzelnen untereinander regelt. Die letztere hat zwei Teile. Es gibt n\u00e4mlich einen freiwilligen Verkehr [kommutative Gerechtigkeit] und einen unfreiwilligen [kompensatorische Gerechtigkeit].\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die heute von vielen Politikern eingeforderte <i>soziale Gerechtigkeit<\/i> ist distributive Gerechtigkeit, zumindest ein Teil davon. Aristoteles erkennt das zentrale Problem dieser distributiven Gerechtigkeit. Sie beruhe auf einem subjektiven Urteil \u00fcber die W\u00fcrdigkeit (Buch 5, Kapitel 6):<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u201eVielmehr kommen Zank und Streit eben daher, dass entweder Gleiche nicht Gleiches oder Nicht-Gleiche Gleiches bekommen und genie\u00dfen. Das ergibt sich auch aus dem Moment der W\u00fcrdigkeit. Denn darin, dass eine gewisse W\u00fcrdigkeit das Richtma\u00df der distributiven Gerechtigkeit sein m\u00fcsse, stimmt man allgemein \u00fcberein, nur versteht nicht jedermann unter W\u00fcrdigkeit dasselbe, \u2026 .\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Hier benennt Aristoteles das Kernproblem jeder Variante der distributiven oder sozialen Gerechtigkeit. Da jeder etwas anderes darunter versteht oder verstehen will, fordert diese Form der Gerechtigkeit eine Festlegung, die sicher nicht von allen geteilt wird. Sie unterwirft damit Andersdenkende Zw\u00e4ngen. Aristoteles verlangt bei dieser distributiven Gerechtigkeit allerdings noch eine <i>proportionale<\/i> Zuteilung gem\u00e4\u00df dem gew\u00e4hlten W\u00fcrdigkeitsma\u00dfstab, also eine strikt lineare Funktion ohne Sockelbetrag.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Hieraus kann man aber nicht auf einen einzigen proportionalen Steuersatz schlie\u00dfen. Die Gesamtbeziehung zum Staat soll sich proportional zu einem W\u00fcrdigkeitsma\u00df verhalten. Darin sind alle Sach- und Geldleistungen des Staates an den Staatsb\u00fcrger einbegriffen und alles was der Staatsb\u00fcrger f\u00fcr den Staat leisten muss. Selbst das Ausf\u00fcllen der Steuererkl\u00e4rung oder der Umgang mit Steuerpr\u00fcfern.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Nicht so klar ist das Verst\u00e4ndnis kommutativer Gerechtigkeit bei freiwilligen Gesch\u00e4ften. Doch eins ist deutlich: Erleidet einer Schaden aus einem unfreiwilligen Gesch\u00e4ft, muss er gestellt werden, wie er ohne das Gesch\u00e4ft gestellt gewesen w\u00e4re. Sein Verlust muss kompensiert werden durch den Gewinner (Buch 5, Kapitel 7):<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u201eSo ist denn dieses Recht eine Mitte zwischen einem nicht auf freiem Willen beruhenden Gewinn und Verlust, also dies, dass man vor wie nach das Gleiche hat.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Thomas von Aquin kn\u00fcpft in der Summa Theologica (quaestio 61 \u2013 66) an Aristoteles an und verlangt unter der \u00dcberschrift <i>Kann Raub geschehen ohne S\u00fcnde?<\/i>, dass sich der Staat bei der Besteuerung an Regeln der <i>austeilenden (distributiven) Gerechtigkeit<\/i> h\u00e4lt. Diese Form der Gerechtigkeit betrifft das Verh\u00e4ltnis zwischen rechtlich \u00fcbergeordnetem Staat und seinen B\u00fcrgern. Daneben unterscheidet er bei Gleichgestellten die ausgleichende <i>(kommutative) Gerechtigkeit<\/i> f\u00fcr freiwillige Handlungen und die <i>korrektive (kompensatorische) Gerechtigkeit <\/i>f\u00fcr unfreiwillige Handlungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Man k\u00f6nnte jedoch einen anderen Schnitt legen, der am Ergebnisbezug des Gerechtigkeitsideals festmacht: Distributive und die kompensatorische Gerechtigkeit sind endzustandsorientiert. Der Unterschied besteht im angestrebten Endzustand. W\u00e4hrend kompensatorische Gerechtigkeit den Zustand vor einer unfreiwilligen Handlung wiederherstellen will, geht es bei der distributiven Gerechtigkeit um eine Ver\u00e4nderung des Zustands, um eine Zuteilung nach einem wie immer gearteten W\u00fcrdigkeitsma\u00df.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Kommutative Gerechtigkeit unterscheidet sich von diesen Gerechtigkeitsformen, weil sie allein auf das gerechte Verfahren abstellt. So wie der Herr im Weinberg im Gleichnis bei Matth\u00e4us. Da ist jedes Ergebnis gerecht, das unter als gerecht anerkannten Verfahrensregeln zustande kommt.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>C. Marktwirtschaft und Demokratie: Spiele nach \u201agerechten\u2019 Regeln.<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Anerkennung aller Ergebnisse gerechter Verfahren ist nicht nur das Kennzeichen der Marktwirtschaft, sondern auch das der Demokratie. Man kann hier im Unterschied zu <i>Endzustandsgerechtigkeit<\/i> von <i>Verfahrensgerechtigkeit <\/i>sprechen:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">1. Das bedeutet f\u00fcr die Marktwirtschaft: Ein im freiwilligen Vertrag zustande gekommenes Ergebnis ist von den Vertragsparteien zu akzeptieren. Es ist auch vom Staat zu billigen! Allerdings nur, wenn von dem Vertrag keine unfreiwilligen Belastungen auf Dritte \u00fcbergehen. Das w\u00e4re ein Fall f\u00fcr die kompensatorische Gerechtigkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Warum also hier die soziale Gerechtigkeit draufsetzen und unter Verweis darauf die Ergebnisse korrigieren? M\u00fcsste man dann nicht behaupten die Ergebnisse freiwilligen Marktaustausches f\u00fchrten zu <i>sozialer Ungerechtigkeit<\/i>, selbst wenn man die Regeln des Tausches als gerecht akzeptiert hat?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Bei Anerkennung marktwirtschaftlicher Vertr\u00e4ge ist Umverteilung anders zu begr\u00fcnden: als Vorbedingung der Chancengleichheit oder als ethisch moralische Verpflichtung und gesellschaftlicher (=sozialer) Konsens, jedem ein menschenw\u00fcrdiges Leben zu erm\u00f6glichen, falls er nicht mitspielen kann. <i>Aber Umverteilung kann nicht begr\u00fcndet werden als Korrektur eines sozial ungerechten Ergebnisses des freiwilligen marktwirtschaftlichen Tausches.<\/i> <i>W\u00e4re dies der Fall, m\u00fcsste man an den ungerechten Regeln des Tausches arbeiten und diese \u00e4ndern.<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Jeder freiwillige Vertrag erh\u00f6ht (beim Informationsstand der Parteien) zum Vertragszeitpunkt den Wohlstand. Denn wer w\u00fcrde einen Vertrag freiwillig zu seinem Nachteil abschlie\u00dfen? Die Ma\u00dfst\u00e4be setzen die Vertragsparteien selbst. Dazu bedarf es keines externen W\u00fcrdigkeitsma\u00dfstabes wie bei der distributiven Gerechtigkeit, sondern allein der pers\u00f6nlichen Ziele und Willenserkl\u00e4rungen. Die Freiheit der Vertragspartner und die vereinbarten Ergebnisse werden anerkannt. Im Vordergrund steht die Effizienz, die Verteilung ergibt sich als Folge.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Probleme bereiten hierbei:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">a. die Feststellung, ob und wann es sich um einen \u201efreiwilligen\u201c Vertrag handelt,<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">b. die beabsichtigte Sch\u00e4digung von Dritten, die f\u00fcr diese unfreiwillig ist (z.B. durch Kartellvertr\u00e4ge),<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">c. die unbeabsichtigte Sch\u00e4digung von Dritten (z.B. durch Umweltprobleme als Vertragsfolgen), die \u201eWindfall-Losses\u201c mit sich bringt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">d. die beabsichtigte oder unbeabsichtigte Beg\u00fcnstigung von Dritten, die dort zu \u201eWindfall-Profits\u201c f\u00fchrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Im Fall d. sind zwar die Effizienzfolgen akzeptiert, denn sie bringen die Wirtschaft auf Trab, nicht immer aber die Verteilungsfolgen. Eine Umverteilung hat allerdings wiederum Effizienzfolgen. Anders als beim Kuchen-Backen beeinflusst Um-Verteilung die Gr\u00f6\u00dfe des \u201eKuchens\u201c. Denn wir haben es mit permanenten Prozessen zu tun.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Bei b. und c. gibt es negative externe Effekte, bei denen sowohl Effizienzfolgen als auch Verteilungsfolgen nicht akzeptiert werden, selbst wenn freiwillige Vertr\u00e4ge zugrunde lagen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">2. Angewendet auf die Demokratie bedeutet diese Gerechtigkeitsphilosophie: Alle nach als \u201egerecht\u201c anerkannten Entscheidungsregeln zustande gekommenen Ergebnisse sind unabh\u00e4ngig vom Endzustand als \u201egerecht\u201c zu akzeptieren. Demokratie und Marktwirtschaft entsprechen sich im verfahrensorientierten Gerechtigkeitsverst\u00e4ndnis und beide unterscheiden sich von den Formen endzustandsorientierter Gerechtigkeit, die eines Vor-Urteils \u00fcber das Ergebnis und die W\u00fcrdigkeit bed\u00fcrfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Bei der \u201eDistributiven Gerechtigkeit\u201c ist W\u00fcrdigkeitsma\u00df meist nicht die \u201eLeistung\u201c, sondern ein irgendwie festgelegtes Bed\u00fcrfnis. Doch auch die kommutative Gerechtigkeit sollte man nicht mit \u201eLeistungsgerechtigkeit\u201c gleichsetzen: Der Markt schafft keine \u201eleistungsgerechten\u201c Ergebnisse. Das Konzept der \u201eLeistungsgerechtigkeit\u201c ist ebenso endzustandsorientiert wie das Konzept der \u201eBedarfsgerechtigkeit\u201c. Nach der kommutativen Gerechtigkeit sind dagegen auch Ergebnisse als gerecht zu akzeptieren, die in erster Linie auf gl\u00fccklichen Umst\u00e4nden und nicht auf besonderen Leistungen beruhen. Es kommt allein darauf an, dass die Regeln f\u00fcr einen fairen Austausch eingehalten werden<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a>. Auf jedes quantitative Gerechtigkeitskriterium f\u00fcr Marktergebnisse wird verzichtet. Das ist bei der Leistungsgerechtigkeit ganz anders.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Innerhalb der Verfahrensregeln von Marktwirtschaft und Demokratie sind Kunde und W\u00e4hler souver\u00e4n. Daher zeugt es auch von einem Missverst\u00e4ndnis dieses Systems, wenn Manager behaupten, man habe der Konkurrenz Marktanteile abgejagt, oder wenn Politiker sagen, man habe der Konkurrenzpartei W\u00e4hlerstimmen abgenommen. Oder, was noch h\u00e4ufiger ist, Journalisten so dar\u00fcber berichten, weil sie gerne den Politiker oder Manager sehen, der seine W\u00e4hler und Kunden im Griff hat. Hier gilt f\u00fcr beide aber eher die Leideform als die Tatform.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Denn es ist nicht der Manager, sondern der Kunde, welcher der Konkurrenz souver\u00e4n den Auftrag wegnimmt oder gar nicht erst gibt. Es ist der W\u00e4hler, der seine Stimme souver\u00e4n der einen Partei wegnimmt und sie der anderen gibt. Erst wenn man gedanklich hier angelangt ist, hat man sich von den letzten Spuren totalit\u00e4ren Denkens befreit und hat verstanden, was diese Systeme auszeichnet: n\u00e4mlich die Freiheit des Kunden und die Freiheit des W\u00e4hlers und deren Souver\u00e4nit\u00e4t bei der Entscheidung. Meine freie Entscheidung ist jetzt, dieses Elaborat zu beenden.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p style=\"text-align: center;\">Wenn Du frei Lohn vereinbart hast,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">passiert es, dass es Dir nicht passt,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">dass einer der viel weniger tut,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">bezahlt wird dann genau so gut.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Doch ob er gibt dieselben Taler,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">ist einzig Sache vom Bezahler!<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Na, ja! Oder?<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Mal ausnahmsweise eine Alternative:<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Wenn Leute mal nach fairen Regeln<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">gemeinsam \u2019nen Vertrag auskegeln,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">dann ist es des Vertrages Sinn,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">dass <i>jeder<\/i> zieht daraus Gewinn.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Und f\u00e4llt der Blick aufs Resultat,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">ist stets Gerechtigkeit gewahrt.<\/p>\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\">\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Gerade flattert Neschles Fr\u00fchst\u00fcckzeitung herein. Auf der Titelseite der Rheinischen Post am 27. M\u00e4rz 2007: \u201eGehalt der Top-Manager stieg um 16,9 Prozent\u201c. Ist auch das als \u201egerecht\u201c zu akzeptieren? &#8211; Nein! Schon lange nicht mehr! Marktwirtschaft und unternehmerische Verantwortung sind auf dem so genannten \u201eMarkt\u201c f\u00fcr Top-Manager ausgehebelt. Es ist ein gro\u00dfes Gehalts-Kartell ohne Zugriff des Kartellamtes. Managementfehler, die Hunderte und Tausende Arbeitnehmer ihre Jobs kosten, haben kaum Folgen f\u00fcr diejenigen, die diese Fehler verursachen. \u201aVerantwortung\u2019 z\u00e4hlt hier ebenso wenig wie in der Politik. Sie hei\u00dft nur so!<\/p>\n<p><a title=\"PDF-Datei\" href=\"http:\/\/www.neschle.de\/download-manager.php?id=21\">PDF-Datei<\/a><br \/>\nThis post was downloaded by  2209  people until now.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gleicher Lohn f\u00fcr ungleiche Arbeit? Oder: Was die Bibel lehrt. 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