{"id":36,"date":"2007-04-10T14:22:45","date_gmt":"2007-04-10T12:22:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.neschle.de\/wordpress\/?p=36"},"modified":"2020-06-20T11:56:02","modified_gmt":"2020-06-20T10:56:02","slug":"neschle-depeschle-9","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/neschle-depeschle-9\/","title":{"rendered":"Neschle-Depeschle 9"},"content":{"rendered":"<header>\n<h2 style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #4f81bd\"><strong>Mein Gott, welch ein Schalk!<\/strong><br \/>\n<strong>Stadtwetten einmal anders!<\/strong><\/span><\/h2>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Neschle-Depeschle-Neschle-Depeschle-Neschle-Depeschle-Neschle-Depeschle<\/strong><br \/>\n<strong>F\u00fcr den kleinen Hunger zwischendurch: Der schnelle Einwurf in den Strafraum<\/strong><\/p>\n<\/header>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>Ich sehe einen positiven Trend. Tiefer kann es nicht mehr gehen.&nbsp;<\/em>(Olaf Thon)<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Erst wetten, dann wettern! Das was das Motto einiger St\u00e4dte.<!--more--> Aber hat das Wetten seine Berechtigung? Und das Wettern danach? &#8211;<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Da will der Neschle sich um eine genaue Aussage bei einem heiklen Thema dr\u00fccken und dann das: Ein wenig genauer m\u00f6chte man sie schon kennen als in <a href=\"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/neschle-depeschle-5\/\">Depeschle 5<\/a> geschildert, die \u201eStadtwetten\u201c auf die Zinsstruktur. Auf kaltem Wege hat man Neschle dies zugetragen. Der hei\u00dfe Weg des Kommentars zu seinen w\u00f6chentlichen Essays und den sporadischen Depeschles ist offenbar noch nicht beliebt genug!?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Neschle wird daher die Vertragstruktur eines CMS Spread Ladder Swaps erkl\u00e4ren und die Tatsache, dass die Bank bei diesem Roulette ein fast sicherer Sieger ist, weil ihr wesentliches Risiko vom wettenden Vertragspartner \u201aStadt\u2019 getragen wird. Die Gemeinde fungiert und funktioniert hierdurch als \u201eGewinnversicherer\u201c der Bank!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Neschle geht bei seiner Erkl\u00e4rung in zwei Schritten vor und schlie\u00dft den \u201aVersicherungsfall\u2019 zun\u00e4chst aus. Ein Swap (sprich: Swopp) besteht n\u00e4mlich aus einem \u201aGrundgesch\u00e4ft\u2019 und einem Gegengesch\u00e4ft. Das Grundgesch\u00e4ft ist das sichere <em>f\u00fcr die Gemeinde(!<\/em><i>)<\/i>. Mit dem Grundgesch\u00e4ft bekommt die Gemeinde feste und niedrigere Zinszahlungen angeboten als bisher. Wer w\u00fcrde da nicht zugreifen!?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Politische Begleitmusik liefert dazu z.B. das Finanzministerium von Rheinland-Pfalz: Die \u00f6ffentliche Hand k\u00f6nne durch Derivate \u201eihr Zinsmanagement <em>unabh\u00e4ngig von den Zuf\u00e4lligkeiten des Kapitalmarktes <\/em>planvoll gestalten\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Beim Grundgesch\u00e4ft des CMS Spread Ladder Swap sieht das auch so aus. Das Gegengesch\u00e4ft zeigt aber: <em>Insgesamt wird das Zinsmanagement der Bank (!) von den Zuf\u00e4lligkeiten des Kapitalmarktes unabh\u00e4ngiger.<\/em> Die St\u00e4dte garantieren dies, indem sie ihr eigenes Handeln davon <em>abh\u00e4ngiger<\/em> (!) machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Als Vorbild und Beispiel f\u00fcr andere Kommunen gilt etwa die Stadt Salzgitter, die &#8211; solange alles gut ging \u2013 mehrfacher Preistr\u00e4ger war mit demselben Grundmodell, mit dem nun Hagen und Neuss auf die Nase fielen. \u201eGeld sparen mit einfachen Mitteln ist m\u00f6glich!\u201c verk\u00fcndete ihr Stadtk\u00e4mmerer am 22. M\u00e4rz 2006 auf der Tagung \u201eStaats- und Kommunalfinanzen\u201c an der Verwaltungshochschule in Speyer<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ist das aber sooo einfach, k\u00f6nnen es alle Gemeinden. Und obwohl hier eine Laienspielerschar gegen Profis agiert, hatten die Rechnungsh\u00f6fe lange Zeit nichts einzuwenden gegen solche Derivatgesch\u00e4fte. Es gab sogar Ermunterung dazu!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Doch ein wichtiger, wenn nicht der wichtigste Grundsatz am Kapitalmarkt ist:<em> \u201eThere is no free lunch!&#8220;<\/em>, was frei \u00fcbersetzt hei\u00dft: \u201eHier futtert keiner f\u00fcr lau!\u201c. Oder: \u201eHier ist zwar viel umsonst, aber es gibt nichts kostenlos!\u201c. Vermutet also irgendwer kostenloses Sparen, wurde nur der Preis vergessen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Dieser Preis wird bei \u201eexotischen\u201c Derivaten von der Gemeinde mit der Bank direkt ausgehandelt. Solche Derivate sind keine Konfektionsware wie B\u00f6rsenprodukte, sondern Ma\u00dfanz\u00fcge, die auf die spezifischen Bedingungen zugeschnitten werden. Umso h\u00f6her ist hier die Verantwortung des Schneiders, zumal dieser h\u00e4ufig die Gegenwette antritt <em>und<\/em> zugleich als Berater auftritt! Da kann die Handelsform dieser Derivate, OTC (\u201eover the counter\u201c), auch einmal \u201e\u00fcber den Tresen gezogen\u201c bedeuten.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Bank hat beim Grundgesch\u00e4ft des CMS Spread Ladder Swaps allerdings schon etwas f\u00fcr die Gemeinde geliefert: Einen niedrigen und festen Zins f\u00fcr Gemeindeschulden. Der ist m\u00f6glich durch die (noch) hohe Bonit\u00e4t der Gemeinden und die Fristentransformation der Bank.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>A. Aus kurz mach halblang, aus halblang lang, wenn der Preis stimmt!<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Normal ist \u201anormal\u2019 normal und normal ist \u201asuper\u2019 auch super. Doch beim CMS Spread Ladder Swap ist es f\u00fcr die Gemeinde nur super, wenn sie normal bleibt: die Zinsstruktur. \u201aNormal\u2019 nennt man eine Zinsstruktur, wenn Zinsen f\u00fcr langfristige Kredite h\u00f6her sind als f\u00fcr kurzfristige, also etwa der Zehnjahreszins h\u00f6her ist als der Zweijahreszins.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">In einer solchen Lage k\u00f6nnte nun jeder einen zehnj\u00e4hrigen Kapitalbedarf vorteilhaft mit einer Abfolge von f\u00fcnf Zweijahresvertr\u00e4gen finanzieren, ja wenn \u2026<\/p>\n<ul style=\"text-align: left;\">\n<li>sich das Zinsniveau insgesamt nicht zwischenzeitlich drastisch nach oben verschiebt, vor allem aber wenn<\/li>\n<li>die Zinsstruktur \u201anormal\u2019 bleibt und nicht pl\u00f6tzlich flach wird, also kurzfristige Kredite genau so teuer werden wie langfristige oder sogar teurer, wie bei einer inversen Zinsstruktur.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: left;\">Lange Zeit waren diese Bedingungen beinahe durchgehend erf\u00fcllt. Da h\u00e4tte eine Gemeinde nicht einmal die Dienste einer Bank bem\u00fchen m\u00fcssen. Sie h\u00e4tte sich selbst kurzfristig auf diese Weise refinanzieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Doch das ist Statistik aus dem Gestern. Entscheidungen werden im Heute f\u00fcr das Morgen getroffen. Das Morgen ist nicht immer so, wie das Gestern war. Selbst wenn \u201et\u00e4glich das Murmeltier gr\u00fc\u00dft\u201c<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a>, gibt es kleine Ver\u00e4nderungen. Habe ich gestern f\u00fcnf Euro gefunden und heute auch, kann ich ausrechnen, wie reich ich in hundert Jahren bin, wenn die Dinge ab sofort so bleiben, wie sie sind. Genau das scheinen die Gemeinden bei den Wetten auf den konstanten Spread gedacht zu haben, obwohl das Vorgestern gen\u00fcgend Hinweise darauf gab, dass es zumindest mal anders <em>war<\/em>.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Gemeinde k\u00f6nnte sich bei Finanzmarktaktivit\u00e4ten der Sparkasse als st\u00e4dtischer Hausbank bedienen. Die Sparkassen waren aber von Anfang an \u201adrau\u00dfen\u2019, in Hagen so weit, dass die Stadtk\u00e4mmerin ihre Sparkasse nicht informiert oder gefragt hatte. Da die Sparkasse nichts vom Gebaren ihrer Stadt wusste, h\u00e4tte sie <em>selbst ungebeten<\/em> keine Ratschl\u00e4ge geben und ihre andere Zinsmeinung kundtun k\u00f6nnen<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Aber egal wer es macht. Um g\u00fcnstigere Zinsen als bei fristengleicher Refinanzierung zu erhalten, muss man bei normaler Zinsstruktur auf k\u00fcrzerfristige Refinanzierungen zur\u00fcckgreifen. Verleiht eine Bank Geld an eine Gemeinde f\u00fcr f\u00fcnf Jahre <em>unter<\/em> dem derzeitigen Zinssatz f\u00fcr 5-j\u00e4hrige Kredite von z.B. 3,96% zu einem Festzinssatz von 3,46%, kann die Bank sich das nur leisten, weil die Kommune ein erstklassiger Schuldner ist, vor allem aber weil die Bank das Geld einj\u00e4hrig \u201ebilliger einkauft\u201c, sagen wir zu 2,66%. Die Bank erh\u00e4lt damit vorerst (!) eine Marge von 0,8 Prozent und die Gemeinde bekommt ihren Kredit g\u00fcnstiger als bei fristengleicher Refinanzierung. Sie hat durch das Grundgesch\u00e4ft ihre Zinsbelastung durchg\u00e4ngig um 0,5% gedr\u00fcckt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">W\u00e4re hier nun das Ende, h\u00e4tten scheinbar Bank <em>und<\/em> Gemeinde profitiert. Der Zinsunterschied von 1,30% zwischen der kurzfristigen Refinanzierung zu 2,66% und dem Kapitalmarktzins f\u00fcr f\u00fcnfj\u00e4hrige Kredite von 3,96%, w\u00e4re zwischen den Gesch\u00e4ftspartnern so aufgeteilt worden, dass die Bank 0,8% erh\u00e4lt, die Gemeinde immerhin 0,5%. Hier k\u00f6nnte sich niemand beschweren, \u2026 wenn, ja wenn nicht die Risiken von Zinsniveau und Zinsstruktur w\u00e4ren. Diese Risiken h\u00e4tte <em>nun allein die Bank(!)<\/em> zu tragen. Die Risikokosten daf\u00fcr m\u00fcssten durch die Marge der Bank abgedeckt sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Der Markt ist da derzeit anderer Meinung, denn der Spread liegt ja bei 1,30%, aber ein Teil davon wurde schon an die Gemeinde abgetreten. Auch die Bank ist anderer Auffassung. Sie macht daher ein Gegengesch\u00e4ft mit der Gemeinde, das f\u00fcr den Fall einer Verflachung der Zinsstruktur die Gemeinde ganz gemein ins Risiko setzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Bank l\u00e4sst sich damit gegen das Risiko versichern, dass es mit der billigen kurzfristigen Refinanzierung nicht klappt, weil kurz- und langfristiger Zins zu nahe aneinanderr\u00fccken. Der CMS Spread Ladder Swap ist daf\u00fcr derzeit besonders beliebt.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>B. Die Gemeinde als Versicherungsgesellschaft f\u00fcr Bankgewinne<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Weil das Modell CMS Spread <em>Ladder<\/em> Swap hei\u00dft, erinnert es Neschle an das \u201eSchweinchen auf der Leiter\u201c. Das ist ein altes Fadenspiel f\u00fcr Kinder. Mit solchen F\u00e4den hat man fr\u00fcher bei der Hausschlachtung das Schwein flach auf eine Leiter gebunden. Lag das Schwein erst einmal da, wurde ein Korn getrunken. Doch ein Schlachtfest begann erst, wenn das Schwein zerlegt war und oben an der aufgestellten Leiter allenfalls noch Reste hingen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die F\u00e4den beim Leiter-Spiel mit der Gemeinde zieht die Bank. Im Gegenzug zu den Zinseinsparungen, verpflichtet sich die Gemeinde die Fristentransformation der Bank abzusichern. Dabei zahlt sie an die Bank etwa nach folgender Zinsleiter-Formel<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a>:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">1. Jahr: 2% p.a.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">2. Jahr: Vorjahreszins + 3 [1,10% &#8211; (CMS10 \u2013 CMS2)]<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u201eCMS\u201c bedeutet Constant Maturity Swap. (CMS10 \u2013 CMS2) ist die Zinsdifferenz zwischen dem 10-Jahreszins und dem 2-Jahreszins. Bei einer v\u00f6llig flachen Zinsstruktur w\u00e4re (CMS10 \u2013 CMS 2) gleich Null und die Gemeinde m\u00fcsste schon im zweiten Jahr einen Zins von 2% + 3,3% zahlen, also 5,3 %, im Gegenzug f\u00fcr ihren preisg\u00fcnstigen Kredit von 3,46%. Der Effektivzinssatz kann h\u00f6her sein, wenn die Zinsen monatlich berechnet und viertelj\u00e4hrlich gezahlt werden. Aber es kann noch \u201afetter\u2019 kommen. Es warten ja noch drei weitere Jahre \u201eSchweinchen auf der Leiter\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die weiteren Schritte auf der Leiter berechnen sich (mit dem variablen Zins f\u00fcr die v\u00f6llig flache Zinsstruktur in Klammern) so:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">3. Jahr: Vorjahreszins + 3 [0,95 \u2013 (CMS10 \u2013 CMS2)] (5,3% + 2,85% = 8,15%)<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">4. Jahr: Vorjahreszins + 3 [0,80 \u2013 (CMS10 \u2013 CMS2)] (8,15% + 2,4% = 10,55%)<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">5. Jahr. Vorjahreszins + 3 [0,65 \u2013 (CMS10 \u2013 CMS2)] (10,55% + 1,95% =12,5%).<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Andere Gestaltungen der Leiter sind je nach Verhandlungsergebnis m\u00f6glich. Das ist eben die Eigenschaft von ma\u00dfgeschneiderten OTC-Produkten.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Dieses Szenario einer Verdoppelung der einstigen Zinszahlung von 3,96% ab dem dritten Jahr und mit dem Endergebnis von 12,5% im f\u00fcnften Jahr kommt der Entwicklung der j\u00fcngsten Zeit ziemlich nahe. Mit dieser Zinsleiter w\u00e4re die Bank nicht nur gegen f\u00fcr sie ung\u00fcnstige Ver\u00e4nderungen des Spreads gut abgesichert, sondern, bei dieser H\u00f6he, auch gegen Zinsniveauerh\u00f6hungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Sollte die Zinsstruktur invers werden, also kurzfristige Kredite sogar teurer werden als langfristige, lassen sich diese Zinszahlungen der Gemeinde noch \u00fcberbieten. Der Multiplikator \u201e3\u201c sorgt dabei eben nicht f\u00fcr die \u201eUnabh\u00e4ngigkeit der Gemeinden von den Zuf\u00e4lligkeiten des Kapitalmarktes\u201c, sondern wirkt als Verst\u00e4rker. W\u00fcrde der Spread sich l\u00e4ngerfristig umkehren, so dass zweij\u00e4hrige Kredite teurer sind als zehnj\u00e4hrige, kann sich hieraus ein Horrorszenario entwickeln. Betr\u00e4gt der inverse Spread etwa 1%, dann explodiert der Zins f\u00f6rmlich: von 2% im ersten Jahr, \u00fcber 8,3% im zweiten, 14,15% im dritten, 19,55% im vierten auf 24,50% im f\u00fcnften Jahr. Die 2%-ige Verzinsung des ersten Jahres sind dann jene \u201ePeanuts\u201c, mit denen sich die Gemeinden auf die Dschungelpfade des Kapitalmarktes locken lassen, um sich dort in Lianen zu verstricken und f\u00fcr ihre Ausl\u00f6sung mit Kokosn\u00fcssen zu zahlen. F\u00fcr Peanuts!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ganz so vorteilhaft f\u00fcr die Bank sehen die meisten Vertr\u00e4ge allerdings nicht aus. F\u00fcr die Stadt Salzgitter gibt es z.B. einen Zinsdeckel bei 6,5%, der die Zinsen nach oben begrenzt. Bei flacher Zinsstruktur kann dieser Zinsdeckel erst im dritten Jahr erreicht werden, bei einem negativen Spread von 0,4% (kurzfristige Kredite um 0,4% teurer als langfristige) schon ab dem zweiten Jahr. Damit w\u00fcrde die Stadt allerdings schon ab diesem Zeitpunkt mehr als 50 Prozent ihrer bisherigen Zinszahlungen von knapp 4% <em>zus\u00e4tzlich<\/em> (!) leisten m\u00fcssen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Schrumpft der Spread allein auf noch positive 0,6%, sind also 10-Jahreskredite nur noch 0,6% teurer als 2-Jahreskredite, zahlt die Gemeinde im Beispielsfall bereits ab dem zweiten Jahr (2% + 3 x 0,5% = 3,5%) mehr an variablem Zins im Gegengesch\u00e4ft an die Bank als ihr selbst im Grundgesch\u00e4ft (Swap) als Festzins einger\u00e4umt wurde. Da der Vorjahreszins immer zur neuen Basis wird, \u00e4ndert sich das in den Folgejahren nur, wenn der Spread wieder gr\u00f6\u00dfer wird, also im dritten Jahr 0,95 \u00fcbersteigt, im vierten 0,80 und im f\u00fcnften 0,65. Bleibt der Spread bei 0,6%, steigt der Zins weiter an und es werden im dritten Jahr 4,55%, im vierten Jahr 5,15% und im f\u00fcnften 5,3%.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Der Bank flie\u00dfen also dann h\u00f6here Ertr\u00e4ge aus dem Gegengesch\u00e4ft zu, wenn sie beim Grundgesch\u00e4ft keine oder niedrigere Transformationsertr\u00e4ge erzielt. Steigt der Spread profitiert zwar auch die Gemeinde, f\u00fcr die Bank ist das aber die Situation, in der sie gemeinhin auch die h\u00f6heren Transformationsertr\u00e4ge erzielt. Insgesamt ist das Swap-Gesch\u00e4ft also eher eine Versicherung f\u00fcr die \u201eZinskonjunktur\u201c der Bank.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Eine Bankerin dr\u00fcckte es im Interview \u201eZinsrisiken aktiv managen\u201c der \u201ebdp aktuell\u201c so aus: Es gehe bei den Gemeinden \u201eim Kern um die Erwartung, dass sich die Steilheit der Zinskurve innerhalb der n\u00e4chsten 5 Jahre nicht deutlich verringern wird. \u2026 Die H\u00f6he der eventuellen Belastungen (f\u00fcr die Gemeinde) kann nicht bestimmt werden.\u201c Hier managt also eher die Bank ihre Zinsrisiken aktiv als die Gemeinde.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">In Bezug auf die Beibehaltung der Steilheit der Zinskurve d\u00fcrfte die Bank (wie Neschle auch) durchaus andere Erwartungen gehabt haben als die wettende Gemeinde.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Bei der unbegrenzten \u201eEventualit\u00e4t der Belastung\u201c fragt sich, wie das mit der Aussage \u00fcbereinstimmen kann, die \u00f6ffentliche Hand k\u00f6nne mittels des Einsatzes von Derivaten \u201eihr Zinsmanagement unabh\u00e4ngig von den Zuf\u00e4lligkeiten des Kapitalmarktes planvoll gestalten\u201c(s.o.). Denn eine inverse Zinsstruktur ohne Zinsdeckel bedeutet hierbei ein unbeschr\u00e4nktes Risiko f\u00fcr die Gemeinde.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Aber noch einmal: \u201eThere is no free lunch!\u201c Auch den Zinsdeckel muss die Gemeinde bezahlen, z.B. \u00fcber einen ung\u00fcnstigeren Zinssatz im Grundgesch\u00e4ft. Kein Risiko wird ohne \u201eVersicherungsbeitrag\u201c von anderen \u00fcbernommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Das Grundgesch\u00e4ft zum Festzinssatz gaukelt zwar Freiheit von \u201eZuf\u00e4lligkeiten des Kapitalmarktes\u201c vor, aber das Gegengesch\u00e4ft sorgt genau f\u00fcr das Gegenteil: eine leiterartig verst\u00e4rkte Abh\u00e4ngigkeit. Gewinnt die Bank mit ihrer Zinsprognose gegen die \u201eLaiengemeinde\u201c, ist \u201eSchweinchen auf der Leiter\u201c angesagt. Die Bank hat alle F\u00e4den in der Hand. Ist die Gemeinde erst oben an der Leiter angebunden, kann ausnahmslos ausgenommen werden. Schlachtfest! Es sind nicht nur die d\u00fcmmsten K\u00e4lber, die sich ihre Metzger selber suchen. Manchmal gibt es daf\u00fcr auch \u201eSchweinchen auf der Leiter\u201c des CMS Spread Swaps. Doch damit kann Neschle eigentlich nichts Neuss Hagen &#8211; \u2019tschuldigung, Neschle muss erst diese hei\u00dfe Kartoffel herunterschlucken &#8211; nichts Neues sagen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>Um es \u00fcberraschend, aber unmissverst\u00e4ndlich zu sagen:<\/em> Dies ist <em>keine Kritik <\/em>an den Banken. Die handeln nur in ihrem Interesse. Es ist Kritik an der Blau\u00e4ugigkeit vieler K\u00e4mmerer, die meinen, sie k\u00f6nnten ohne Risiko leichtes Geld f\u00fcr ihre Gemeinden verdienen. Und es ist Kritik an gesetzlichen Strukturen, die es solchen K\u00e4mmerern erlauben, ohne geistige Waffen in den ungleichen Kampf am Kapitalmarkt zu ziehen. Schlie\u00dflich ist es Kritik an den Rechnungsh\u00f6fen und an politischen Kr\u00e4ften, die sie sogar dazu ermuntern, mit Steuergeldern zu zocken.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Daf\u00fcr d\u00fcrfte vor allem der Mittelstand wenig Verst\u00e4ndnis aufbringen, zumal der Staat die Steuergelder daf\u00fcr mit immer h\u00e4rteren Bandagen einzieht und dabei erhebliche Kollateralsch\u00e4den in Kauf nimmt: von der Frustration \u00fcber ungerecht eingezogene Steuern, die allenfalls nach jahrelangen Prozessen wiedererlangt werden k\u00f6nnen, \u00fcber die Steuerflucht bis zur Arbeitsplatzvernichtung, die mit fehlgeleiteten Subventionen auf der anderen Seite nicht wettgemacht wird. Es soll dabei B\u00fcrger geben, die frustriert auch ungerecht erhobene Steuern in erheblichem Umfang zahlen, weil sie solche Prozesse meiden wollen: wegen der Ungewissheit ihres Ausgangs oder um ihre Gesundheit zu sch\u00fctzen. Auch dieser Kampf wird mit ungleichen Waffen gef\u00fchrt. Finanzbeamte arbeiten daf\u00fcr n\u00e4mlich keine einzige Stunde mehr!<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Gemeinden tun so als ob,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">sie sicher gehen mit \u2019nem Swap.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Doch leider ist das gar nicht so,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">sie tragen volles Risiko.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Und so sind sie statt sicherer<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">des Bankgewinns Ver-sicherer.<\/p>\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\">\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Dabei hat sich dieser Kommunalpolitiker nicht einmal gescheut, \u00f6ffentlich Werbung f\u00fcr das Modell einer bestimmten Bank zu machen. Das war nicht seine st\u00e4dtische Sparkasse!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Das ist eine Anspielung auf den Film \u201eUnd t\u00e4glich gr\u00fc\u00dft das Murmeltier\u201c (Original: Groundhog Day) mit seinen sich ewig, aber mit leichten Ver\u00e4nderungen wiederholenden Abl\u00e4ufen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Der FDP-Fraktionsvorsitzende Claus Thielmann hat das in einer Sondersitzung des Rates der Stadt Hagen am 8. Februar 2007 angemerkt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Die Zahlen der Zinsleiter stammen aus einem Vortrag des K\u00e4mmerers der Stadt Salzgitter f\u00fcr einen 5-j\u00e4hrigen Kommunalkredit \u00fcber 12 Mio. \u20ac vom 4. M\u00e4rz 2005 bis 4. M\u00e4rz 2010.<\/p>\n<p><a title=\"PDF-Datei\" href=\"http:\/\/www.neschle.de\/download-manager.php?id=22\">PDF-Datei<\/a><br \/>\nThis post was downloaded by  2373  people until now.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mein Gott, welch ein Schalk! Stadtwetten einmal anders! Neschle-Depeschle-Neschle-Depeschle-Neschle-Depeschle-Neschle-Depeschle F\u00fcr den kleinen Hunger zwischendurch: Der schnelle Einwurf in den Strafraum Ich sehe einen positiven Trend. Tiefer kann es nicht mehr gehen.&nbsp;(Olaf Thon) Erst wetten, dann wettern! Das was das Motto einiger St\u00e4dte.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[4,7],"tags":[25,22,21],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/36"}],"collection":[{"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=36"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/36\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":931,"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/36\/revisions\/931"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=36"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=36"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=36"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}