{"id":350,"date":"2008-08-04T14:27:25","date_gmt":"2008-08-04T13:27:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.neschle.de\/index.php\/au-aufschrei\/au-aufschrei-36\/"},"modified":"2020-06-18T17:58:46","modified_gmt":"2020-06-18T16:58:46","slug":"au-aufschrei-36","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/au-aufschrei\/au-aufschrei-36\/","title":{"rendered":"Au &#8230; Aufschrei 36"},"content":{"rendered":"<header>\n<h2 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #4f81bd\">Mit Kreativit\u00e4t zum (Miss-)Erfolg<\/span><\/strong><\/h2>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Mehr Kreativit\u00e4t? Nein! Wiedererkennung durch Selbstkopie: Das ist es!<\/strong><\/p>\n<\/header>\n<p style=\"text-align: left;\">&#8222;Mit Kreativit\u00e4t zum Unternehmenserfolg&#8220; stand beim Querdenker-Club von Xing. \u2013 Was hat diese \u00dcberschrift selbst, au\u00dfer der Kreativit\u00e4t darin, mit \u201eQuerdenken\u201c zu tun? Nichts! Wer glaubt nicht, dass er seinen Erfolg seiner Kreativit\u00e4t zu verdanken hat? Keiner jedenfalls in den \u201ekreativen Berufen\u201c. Fast jeder der wenigen Erfolgreichen dort denkt, Kreativit\u00e4t sei seine Erfolgsquelle. Auch in der Wissenschaft und Wirtschaft denkt man meist so. Doch beinahe das Gegenteil stimmt:<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">In der Wirtschaft waren die Erfolgreichsten meist die Kopisten. In der Industriellen Revolution haben die Deutschen die Engl\u00e4nder kopiert. Das japanische und das chinesische Wirtschaftswunder beruhen auf Kopien, die intensiv und beharrlich umgesetzt wurden. Aber was bitte ist daran \u201ekreativ\u201c, au\u00dfer die Aus- und Benutzung anderer als Ideengeber? Man verdient ja nicht an kreativen Ideen, sondern an deren konsequenter und wirtschaftlicher Umsetzung.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Kreativen laufen immer vor dem Mainstream her, sonst w\u00e4ren sie es ja gar nicht: kreativ. Sie sind da, bevor der unkreative Rest (verzeihe mir, oh gro\u00dfer Beuys, jeder Mensch ist ein K\u00fcnstler) \u00fcberhaupt in die Puschen kommt. Die Kreativen verpassen das wirtschaftliche &#8222;Window of Opportunities&#8220;, weil die Masse, der sie ihre kreativen Ideen verkaufen wollen oder m\u00fcssen, noch gar nicht so weit ist, diese zu begreifen. Sie kommen zu fr\u00fch f\u00fcr ihre Zeitgenossen. Oder sind ganz neben der Kapp! Von denen will ich aber hier nicht reden.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Weil die hier gemeinten Kreativen zu fr\u00fch f\u00fcr den Mainstream kommen, werden sie h\u00e4ufig posthum bekannte &#8222;K\u00fcnstler&#8220;. Aber wie ist das bei den anderen, die schon zu Lebzeiten ber\u00fchmt waren? Waren Miro, Chagall oder Picasso kreativ? \u2013 Hat man ein Werk von ihnen betrachtet, kann man fast alle anderen identifizieren. Ihr ein extrem hoher Wiedererkennungsfaktor macht diese Werke und deren Erfolg aus. Oder nehmen wir doch her, wen wir wollen. Es muss ja nicht immer nur die \u201egro\u00dfe\u201c und \u201ehehre\u201c Kunst sein: Otmar Alt, Schlote oder den Tetsche aus dem Stern. Oder in der Musik: Bach, Mozart, Beethoven. Von mir aus auch die Rolling Stones, Eric Clapton, Mark Knopfler. Seine Identit\u00e4t immer neu beweisen, das ist es. Aber durch immer wieder neue Kreativit\u00e4t davon abweichen? Das ist es nicht, was den Erfolg ausmacht.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Nirgendwo l\u00e4sst sich das besser beobachten als im Hundertwasser Museum in Wien. Nach vielf\u00e4ltigen Experimenten fand Hundertwasser seinen Stil. Als er ihn hatte, blieb er ihm in Einfalt treu und kopierte sich nur noch selbst. \u2013 Doch ist diese &#8222;Einfalt&#8220; noch Kreativit\u00e4t? Oder gilt nicht eher: Als er noch kreativ war, hatte er keinen Erfolg! Dann entschied er sich, seine \u201eKreativit\u00e4t\u201c auf einen Stil zu beschr\u00e4nken und \u2191\u2191\u2191.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ich rate jedem K\u00fcnstler, der wirtschaftlichen Erfolg sucht, ausdr\u00fccklich davon ab, &#8222;zu kreativ&#8220; zu sein. &#8222;Suche Dir einen einpr\u00e4gsamen Stil und kopiere Dich selbst in immer neuen Variationen!&#8220; Das ist mein Rat an ihn und das wollen die Leute. Und dann suche Dir einen guten Vermarkter und hoffe auf prominente Erstk\u00e4ufer.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Diese K\u00e4ufer wollen keine K\u00fcnstler, die tausend gestalterische Ideen haben. Christo und andere ziehen, wenn sie die einmal gefunden haben, eine einzige Masche durch, m\u00f6glichst spektakul\u00e4r an unterschiedlichen Objekten. Der Besagte inszeniert z.B. den Kindergeburtstag in der Welt der Gro\u00dfen und in der Welt des Gro\u00dfen. Er wickelt gro\u00dfe Sachen in Geschenkpapier oder stellt einen Geburtstagskuchen mit ganz vielen kleinen Kerzen auf, die schon mal aus Sonnenschirmen oder sonst was bestehen k\u00f6nnen. Aber so kleine Schirmchen hatten wir als Kinder doch auch auf unserem Geburtstagskuchen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wirklich kreativ w\u00e4ren solche K\u00fcnstler erst, wenn ihnen nicht nur zig Variationen ihrer einzigen Masche einfielen, sondern auch noch zig solche Maschen, die sie auch noch realisieren. Doch dann w\u00e4ren sie nicht erfolgreich: Verzettelung der Kr\u00e4fte in der Produktion, Verlust der &#8222;Markenerkennung&#8220; im Absatz: Man gilt nicht als Experte bei der \u201eKunstproduktion\u201c und ist es wahrscheinlich auch nicht mehr bei allen Kreativtechniken, und man zeigt im Absatz kein verl\u00e4ssliches Markengesicht. Die Kunstk\u00e4ufer bezahlen den hohen Preis aber nur deshalb, weil sie sich selbst gern als Experten best\u00e4tigen und von anderen darin best\u00e4tigen lassen wollen. Wenn sie das nicht mehr k\u00f6nnen, dann ist Kunst f\u00fcr sie ohne Wert. \u2013 Nenne mir doch einer einmal einen h\u00f6chst erfolgreichen K\u00fcnstler, der in und mit unterschiedlichsten Stilrichtungen und wegen ihnen erfolgreich war! Leonardo da Vinci vielleicht. Aber sonst?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Verschont also die wirtschaftlich erfolgreichen K\u00fcnstler von wirklicher Kreativit\u00e4t! Die schadet ihrer Pers\u00f6nlichkeit zwar nicht, aber ihrem Erfolg. Denn ihre Stammkunden f\u00fchlen sich betrogen, weil sie nicht mehr das erhalten, was sie von \u201eihrem K\u00fcnstler\u201c erwarten. Er ist nicht mehr verl\u00e4sslich, nicht mehr authentisch. Und neue Stammkunden gibt es dann erst gar nicht. Oder w\u00fcrden Sie ihre Curry-Wurst bei einem kreativen Grill kaufen, bei dem sie t\u00e4glich anders schmeckt? Da k\u00f6nnten Sie sich gewaltig blamieren, falls sie eine Empfehlung f\u00fcr diesen Grill aussprechen. Und ihre Produktbeschreibung ist immer wieder falsch. Wollen Sie das? \u2013<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Jetzt erschreckt nicht \u00fcber den Vergleich von Kunst mit Curry-Wurst! Was habt Ihr denn erwartet? In der Frage der Wirkungen von Kreativit\u00e4t geht es um die Wurst und da kann man schon mal einen solchen Vergleich bringen. \u2013<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">K\u00fcnstler erhalten ihr Geld nicht daf\u00fcr, dass sie kreativ sind, sondern daf\u00fcr, dass sie ihren <span style=\"text-decoration: underline;\"><em>Kunden<\/em><\/span> schlau wirken lassen und ihn seine Zugeh\u00f6rigkeit als J\u00fcnger seiner Gemeinde sp\u00fcren lassen. Der \u201eKunde\u201c als Betrachter kann das Kunstwerk dem K\u00fcnstler zuordnen. Toll! &#8211; Wer da als K\u00fcnstler zu kreativ ist, entt\u00e4uscht den Kunden nur, weil der ihn unter seiner neuen Maske nicht erkennt. Er erzeugt Argwohn und \u00c4rger und daf\u00fcr bezahlt man kein Geld. Ihm fehlt einfach der Stil! Styles change, style doesn\u2019t! Der Kunde vermisst \u201eOriginalit\u00e4t\u201c in dem Sinne, dass er etwas \u201ePers\u00f6nliches\u201c und \u201eAuthentisches\u201c erh\u00e4lt. Kreativit\u00e4t aber hat keinen Charakter oder ihn noch nicht gefunden. Beim Kreativen ist alles im Fluss und genau deshalb geht sein Erfolg baden. Die Leute kaufen n\u00e4mlich \u201eCharakter\u201c. Der aber ist immer \u201eirgendwo und irgendwie angekommen\u201c und nicht \u201eauf dem Weg\u201c nicht \u201eim Fluss\u201c wie die Kreativit\u00e4t.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Und bei Unternehmungen? Da gilt genau dasselbe! Wer dem Mainstream hinterherrennt hat zwar sicher keinen Erfolg. Aber auch nicht derjenige, der zu weit voranschreitet. Kreativit\u00e4t wird nur dann Unternehmenserfolg, wenn sie nicht zu gro\u00df ist und dem Denken er potenziellen Kunden nicht zu weit voraus. Nur so bilden sich starke Marken mit Wiedererkennung. Harley-Davidson sei es geknattert.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Gerne g\u00f6nne ich jedem &#8222;unendliche Kreativit\u00e4t um jeden Preis&#8220;, doch wirtschaftlich erfolgreich wird er damit nicht. Dazu muss er viel n\u00e4her &#8222;am Durchschnitt&#8220; sein. Aber &#8222;kreativ&#8220;? In Ma\u00dfen, in Ma\u00dfen, doch nur nicht in Massen. Die Gleichung &#8222;Mit Kreativit\u00e4t zum Unternehmenserfolg&#8220; geht also so nicht auf. Eher die Gegenteilige: Sei vorsichtig im Umgang mit Deiner Kreativit\u00e4t! Wenn Du einmal eine Masche gefunden hast, stricke nur noch diese. Der Kreative ist der gro\u00dfen Masse der Durchschnittsmenschen suspekt. Sie wissen nicht, was sie von ihm erwarten k\u00f6nnen und sollen.<\/p>\n<p><a title=\"PDF-Datei\" href=\"http:\/\/www.neschle.de\/download-manager.php?id=116\">PDF-Datei<\/a><br \/>\nThis post was downloaded by  1236  people until now.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit Kreativit\u00e4t zum (Miss-)Erfolg Mehr Kreativit\u00e4t? Nein! Wiedererkennung durch Selbstkopie: Das ist es! &#8222;Mit Kreativit\u00e4t zum Unternehmenserfolg&#8220; stand beim Querdenker-Club von Xing. \u2013 Was hat diese \u00dcberschrift selbst, au\u00dfer der Kreativit\u00e4t darin, mit \u201eQuerdenken\u201c zu tun? Nichts! Wer glaubt nicht, dass er seinen Erfolg seiner Kreativit\u00e4t zu verdanken hat? 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