{"id":332,"date":"2008-06-19T08:54:03","date_gmt":"2008-06-19T07:54:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-46-24-woche-2008\/"},"modified":"2020-06-20T16:15:52","modified_gmt":"2020-06-20T15:15:52","slug":"leon-neschle-46-24-woche-2008","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-46-24-woche-2008\/","title":{"rendered":"Leon Neschle 46 (24. Woche 2008)"},"content":{"rendered":"<header>\n<h2 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #4f81bd\">Die M\u00e4rkte sind besoffen, ekstatisch und erratisch.<\/span><\/strong><\/h2>\n<\/header>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>Informationen sind schnell. Wahrheit braucht Zeit.&nbsp;<\/em>(unbekannter Schlaumeier)<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">In der Informationsgesellschaft scheinen die weltweiten M\u00e4rkte schlechter zu funktionieren. Die Preisausschl\u00e4ge sind ekstatischer und erratischer. Die M\u00e4rkte schwanken von einem Extrem ins andere, als seien sie besoffen. Die Milchpreise, f\u00fcr die Bauern j\u00fcngst auf die Stra\u00dfe gingen, sind nur ein Indiz. Folgenreicher sind die Preisspr\u00fcnge auf den Energiem\u00e4rkten. Vorbei sind die Zeiten, wo sich die Tankstellenpreise im Monat mal um einen oder zwei Pfennige bewegten. Heute springen sie t\u00e4glich fast zehnmal so hoch oder tief. Wie kommt das?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Weil die Marktteilnehmer immer hektischer reagieren. Weil die Basis ihrer <i>Re<\/i>aktion w\u00fcste Spekulation ist. Scheininformation, die ihre Grundlage nicht in fundamentalen Faktoren hat, sondern nur im vermuteten Mehr-Wissen anderer. Diese Information ist schneller als die Wahrheit. Man agiert nicht mehr danach, was man f\u00fcr richtig h\u00e4lt, sondern <i>re<\/i>agiert abh\u00e4ngig von dem, was andere tun. Dabei hat man die stille Vermutung, die k\u00f6nnten mehr wissen als man selbst und ihre \u201eInsiderkenntnisse\u201c zu Gold machen. Bei eigenem Unwissen lautet das Motto: Folge dem vermeintlich Schlauen und das so schnell wie m\u00f6glich! Automatisch und mit unreflektierten Reflexen.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">So bilden sich, in Baisse wie Hausse, polon\u00e4senartig Lemming-Kolonnen aus, die von sich selbst besoffen nur deshalb in die eine oder andere Richtung marschieren, weil die anderen es tun, ohne zu wissen, warum sie es tun. Das wei\u00df dann auch kein anderer mehr, kann es nicht mehr prognostizieren. Man spekuliert darauf, dass die Vorausgehenden schon ihre Gr\u00fcnde haben m\u00fcssen. Und man verliert meist nicht, falls man schnell handelt und sich dieser Polon\u00e4se des Schmalsinns sofort wieder anschlie\u00dft, wenn diese kehrt macht und weiterl\u00e4uft. <i>Aus welchen Gr\u00fcnden auch immer! <\/i>So verarbeitet das Preissystem als wichtigstes Informationssystem einer Marktwirtschaft nicht mehr die fundamentalen Kenntnisse und Erwartungen der Marktteilnehmer, sondern allein ihre \u00c4ngste vom Rest des Marktes abgeh\u00e4ngt zu werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Denn bei dieser Wirtschaftspolon\u00e4se besoffener Spekulanten gewinnt immer der, der beim Richtungswechsel unter den ersten ist. Wer hinten dran h\u00e4ngt, der verliert. Bei diesen Wirtschaftslemmingen erleiden also nicht die ersten den Tod, sondern die letzten bei\u00dfen die Hunde. Dann fallen diejenigen weg, die so besoffen sind, dass sie die Tuchf\u00fchlung zur Polon\u00e4se verlieren. Weil sie deren Kehrtwendungen zu langsam folgen, werden sie abgesch\u00fcttelt. \u2013<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Allerdings nur, solange die Polon\u00e4se weitergeht. Denn auch die \u201eF\u00fchrer\u201c der Polon\u00e4se k\u00f6nnen dumm dastehen, aber nur wenn die anderen pl\u00f6tzlich nicht mehr mitmachen und sie deshalb eigentlich gar keine F\u00fchrer mehr sind. \u2013 Aber ist denn nun alles falsch mit der Marktwirtschaft und ihrem Marktinformationssystem der Preise?<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>A. Ist das der Tod der M\u00e4rkte? Ist das der sp\u00e4te Sieg der Zentralverwaltungswirtschaft?<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">In den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts hatte Neschle die Zeitschrift <i>Soviet Studies<\/i> durchgesehen. Die enthielt russische Quellen ins Englische \u00fcbersetzt. In einigen ging es darum, wie der Sozialismus durch zentrale Verarbeitung aller im Lande verf\u00fcgbaren Informationen den Westen \u00fcberholen k\u00f6nne. Dieser Wettbewerb mit einer \u201ekr\u00e4nkelnden\u201c Marktwirtschaft nach au\u00dfen war augenscheinlich noch wichtiger als der \u201esozialistische\u201c nach innen zwischen den Betrieben und Kolchosen. Lustigerweise wurde betont, dass der zu \u00fcberholende Westen ohnehin am Abgrund stehe.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">In Moskau sollte eine Art Super-GAG (Gr\u00f6\u00dfter Auszudenkender General-Computer)<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> alle Wirtschaftsdaten des Landes sammeln und verarbeiten. Durch Terminals hingen alle Produktionsst\u00e4tten an diesem Zentralcomputer. Der sah aus wie ein Riesenkrake mit unterschiedlich langen Armen in die einzelnen Betriebe und mit einem superfetten Zentralgehirn. Das sollte genau Verschwendungen verhindern, die man in der Marktwirtschaft erkannt hatte:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Warum Autos, Computer oder Waschmaschinen an verschiedenen Orten, in verschiedenen Betrieben unabh\u00e4ngig entwickeln und ein Geheimnis um die Konstruktion machen? Dieses Wissen konnte man zumindest virtuell zusammenf\u00fcgen, es konzentrieren. Der dezentrale marktwirtschaftliche Wettbewerb war dagegen ineffizient. Es war eine Verschwendung geistiger Ressourcen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Konzentrierte man die Ideen der Produktionsst\u00e4tten an einer Stelle, unterblieben \u00fcberfl\u00fcssige Parallelentwicklungen. Die Entwicklungszeit w\u00fcrde abgek\u00fcrzt und die Qualit\u00e4t der Produkte \u00fcbertr\u00e4fe in absehbarer Zeit die im Westen. In Raumfahrt und Sport zeigte sich, wie erfolgreich man sein konnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Doch man hatte ein klitzekleines Problem mit dem Informationsinput: Es gab keine Anreize f\u00fcr Menschen und Institutionen am Ende der Tentakel des Riesenkrakencomputers, aktuelle und richtige Informationen an das Zentralgehirn zu melden. Schon gar nicht daf\u00fcr, sich von pers\u00f6nlichen Informationsvorspr\u00fcngen zu trennen. Im Gegenteil: Man wurde gelobt, falls man Standards \u00fcbertraf, die man zuvor mit Falschinformationen nach unten gedr\u00fcckt hatte und die Informationen \u00fcber seine wahre Leistungsf\u00e4higkeit f\u00fcr sich behielt. Statt allein nach Taten zu urteilen, glaubte man Worten und Zahlen auf Papier. Nach diesem durch Fehlinformationen potenzierten Irrtum steuerte man die Real-Wirtschaft. Dabei ist Planung schon ohne solche Anreize nur das Ersetzen des Zufalls durch den Irrtum.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Fehlinformationen wurden allerdings kategorisch geleugnet. Denn von einer sozialistischen Pers\u00f6nlichkeit wurde selbstloses Denken zum Wohle des Sozialismus erwartet. Es war \u2013 ideologisch gesehen \u2013 deren nat\u00fcrlichster Wunsch der \u201erevolution\u00e4ren Partei der alten M\u00e4nner\u201c (im Sozialismus geht das scheinbar zusammen!) in treuer sozialistischer Verbundenheit zu dienen. Da war der Gedanke an gezielte Fehlinformationen oder die Vorenthaltung individuellen Wissens ideologisch undenkbar. Wer auf die Idee kam, auf solche Gefahren hinzuweisen, war ein Verr\u00e4ter am Sozialismus, weil er den Glauben an die sozialisierende Kraft der kommunistischen Ideologie verloren hatte.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Sprache der Taten war daher vielfach eine v\u00f6llig andere als die der Planungen und Worte. Diese Widerspr\u00fcche des Sozialismus \u00fcbersah man mit steifem Blick auf die des Kapitalismus. Der machte es in dieser Hinsicht aber durchaus besser:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ein effizientes Informationssystem muss n\u00e4mlich die Taten von Menschen und Institutionen lesen lernen, nicht ihre Planungsirrt\u00fcmer auf strapazierf\u00e4higem Papier. <i>Denn allein die Taten l\u00fcgen nicht! Computer dagegen rechnen mit allem, nur nicht mit ihren Benutzern. Anstelle wissensbasierter Informationssysteme erzeugen sie ohne Bedenken und Reue wissensblasierte Informations-\u00d6deme, die nur vorgeben, brauchbare Informationen zu liefern, aber allein Zeichen des ungestillten Informations-Hungers der sozialistischen Obrigkeit sind.<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Und in der Marktwirtschaft? Auch da bedeutet warmes Wortgew\u00e4sch wenig. Wir handeln erst dann glaubhaft, wenn Geld flie\u00dft oder Arbeit eingesetzt wird<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a>. Allein Taten sprechen eine ehrliche Sprache. Sie sagen, was die Leute wirklich denken. Diese Taten liest ein marktwirtschaftliches Preissystem im Unterschied zur sozialistischen Riesenkrakenplanung, wo \u00f6konomische Fehlanreize Falschinformationen f\u00f6rdern, mit denen die Zentralplanung zugem\u00fcllt wird. Falsche Taten haben unerw\u00fcnschte reale Folgen, falsche Worte und Zahlen dagegen h\u00e4ufig erw\u00fcnschte reale Folgen. Wer l\u00fcgt, kann zuweilen real gr\u00f6\u00dferen Erfolg haben. Wer etwas Falsches <i>tut<\/i>, nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Eine idealisierte Darstellung des Preissystems sieht dabei so aus:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Niemand wird in der Marktwirtschaft zu einem Preis kaufen, der \u00fcber seinen Wertvorstellungen liegt. Niemand wird verkaufen zu einem Preis, der unter seinen Wertvorstellungen liegt. Keiner wird investieren, wenn er wei\u00df oder auch nur meint, dass sich seine Investition nicht auszahlt. Daher sind der Markt und die dort festgestellten Preise mit ihren durch Taten manifestierten Erwartungen die obersten Informationsinstanzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Nur ehrliche Erwartungen werden in den Stein rechtlich sanktionierter Vertr\u00e4ge gemei\u00dfelt, wie immer auch im Vorfeld der Vertragsanbahnung getrickst oder gelogen wurde. Bis zur Unterzeichnung des Vertrages waren es unverbindliche Worte, ohne unmittelbare Folgen. Der Vertrag legt Taten und Preise fest. Die werden zur Basis der Planung und zur Steuerungsgrundlage des marktwirtschaftlichen Systems.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Mit der Informationsqualit\u00e4t ist es dabei wie mit der G\u00fcterqualit\u00e4t. Am Anfang steht die Materialqualit\u00e4t. Aus verwesendem Fleisch und faulen Tomaten l\u00e4sst sich selbst bei bester Verarbeitung kein anst\u00e4ndiges Essen bereiten. Falsche Informationen kann man aufbereiten, aggregieren, vergleichen, kann die sch\u00f6nsten und neuesten statistischen Methoden darauf anwenden. Das Ergebnis ist immer so, wie es Goethe schon wusste: <i>Getretner Quark wird breit, nicht stark<\/i>.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Durch schlechte Verarbeitung kann man gute Informationen zwar schlechter machen, aber schlechte nicht besser. Solche Informationen kann man nur aussortieren. Dennoch verbreiten noch heute etwa Leute von Attac \u2013 so wie damals die Soviet Studies \u2013 die Meinung, die blo\u00dfe Existenz von fortgeschrittenen Methoden der Informationsverarbeitung b\u00fcgle die M\u00e4ngel des sozialistischen Planungssystems weg und beweise am Ende seine \u00dcberlegenheit \u00fcber den an sozialen Widerspr\u00fcchen erstickenden Kapitalismus. Doch wer garantiert f\u00fcr den Informationsinput?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Verarbeitung der Preisinformationen und deren Aussagequalit\u00e4t in einer Marktwirtschaft k\u00f6nnen unter der Einschr\u00e4nkung von Marktfunktionen leiden, etwa durch Kartelle, Monopole, staatliche Subventionen oder diskriminierende Besteuerung. Aber auch durch den neuen Trend, gar keine fundamentale Meinung durch die eigene Marktentscheidung mehr hinzuzuf\u00fcgen, sondern sich einfach m\u00f6glichst schnell mit reflektionslosen Reflexen an jemanden anzuh\u00e4ngen, der sie zu haben scheint.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Selbst gute Material- und Verarbeitungsqualit\u00e4t n\u00fctzen zudem nicht viel, wenn das Ergebnis dem Empf\u00e4nger nicht schmeckt, wenn er meint, etwas anderes zu brauchen. Das sch\u00f6nste Steak, auf den Punkt gebraten, ekelt den Veganer an, statt ihn in Verz\u00fcckung zu versetzen. Es geht zur\u00fcck in die K\u00fcche, landet im M\u00fcll oder im Hunderachen. Bei Informationen l\u00e4sst ein solcher Mangel an Funktionsqualit\u00e4t Zahlenfriedh\u00f6fe entstehen, f\u00fcr die manchmal aufwendige<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Grabpflege betrieben wird. Darin stehen westliche Konzerne dem sozialistischen Zentralplansystem in nichts nach. Sie sind der Ballast, mit dem man an der Realit\u00e4t vorbeisegelt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Doch was ist mit den Informationen in unserem Preissystem geschehen? Da spielen Informationen ein ganz anderes Spiel als auf dem Zahlenfriedhof. Da wuseln sie nur so rum und sorgen f\u00fcr Ekstase und erratische Spr\u00fcnge.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>B. M\u00e4rkte auf Irrfahrt. Die Besoffenheit greift um sich.<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Die zwei Merks\u00e4tze f\u00fcr erfolgreiches Handeln in der Marktwirtschaft hat Neschle schon an anderer Stelle genannt: In einer Marktwirtschaft hat derjenige den gr\u00f6\u00dften Erfolg,<\/p>\n<ul style=\"text-align: left;\">\n<li>der heute (schon) so denkt wie die anderen (erst)morgen denken werden oder<\/li>\n<li>der anders denkt als die anderen und Recht beh\u00e4lt.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: left;\">Mancher fasst das zusammen unter der Devise: \u201eden Markt schlagen\u201c. Das aber bedeutet, mehr Wissen \u00fcber Zukunftsentwicklungen zu haben oder es zumindest zu vermuten als das bislang in den Marktpreisen manifestierte.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u201eTypischerweise\u201c besteht dieses Wissen aus Kenntnissen und Erwartungen \u00fcber die Entwicklung fundamentaler Faktoren bei Angebot und Nachfrage. Wer aufgrund eines solchen Wissens am Markt agiert, erh\u00f6ht das in den Preisen enthaltene Wissen und macht den Preis-\u201eMechanismus\u201c zu einem wertvollen informationshaltigen Steuerungsinstrument. Das ist auch ein positiver externer, ein sozialer Effekt. Daf\u00fcr wird er mit Gewinnen belohnt, falls er Recht hatte. Das gilt informationell betrachtet sogar gerade f\u00fcr Insiderinformationen, deren \u00c4chtung daher allein ihren als \u201eungerecht\u201c empfundenen Verteilungswirkungen geschuldet ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wer sich fr\u00fchzeitig vor dem Trend mit hei\u00dfbegehrten (Verdammte Rechtschreibkorrektur! Eben nicht\u201ehei\u00df begehrten\u201c!) Waren eindeckt, der profitiert, wenn der Trend kommt. Aber er verliert, wenn der Trend ausbleibt. So wie beim \u201ePublic Viewing\u201c der gegenw\u00e4rtigen EM in der Schweiz und \u00d6sterreich, bei der vor allem das Interesse der Bergv\u00f6lker selbst an solchen Events massiv \u00fcbersch\u00e4tzt wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Aber es gibt auch andere Informationen, die sich im Preissystem widerspiegeln, und die nichts zur Verbesserung des Preissystems als Informationssystems beitragen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Der erste Fall ist der, dass viele Menschen kollektiv aufgrund eines gezielt gestreuten Ger\u00fcchts handeln, das sich als \u201eEnte\u201c erweist. Dies hat schon Stoff f\u00fcr ganze Kinofilme gegeben, hat schon Runs auf Banken \u201ebegr\u00fcndet\u201c, die ansonsten unterblieben w\u00e4ren. Der Medienmogul Leo Kirch hat noch j\u00fcngst aus einem solchen Grund gegen einen ehemaligen Vorstand und Aufsichtsrat der Deutschen Bank geklagt. Solche Informationen erweisen sich h\u00e4ufig als \u201eself-fullfilling prophecy\u201c: <i>Sie sind zwar falsch, werden aber durch die Taten, die von ihnen ausgel\u00f6st werden, richtig gemacht.<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Der zweite Fall ist der, in dem man gar nicht mehr aufgrund von (eigenen und fremden) Fundamentalinformationen handelt, sondern nur noch auf deren marktliche Auswirkungen reagiert, indem man, sachlich v\u00f6llig blind, den Preisbewegungen folgt. Durch solche Aktivit\u00e4ten wird die Informationsfunktion der Preise unterh\u00f6hlt, weil dadurch kein neues Wissen an den Markt kommt. Die Marktteilnehmer h\u00e4ngen sich hier einfach an und folgen der Wirtschaftspolon\u00e4se.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Das ist auch der Fluch automatischer Kauf- und Verkaufsorders, die bei Preissenkungen von 2, 3, 5, 10 oder 20 Prozent <i>automatisch<\/i> und inhaltlich sinnfrei Verk\u00e4ufe von Positionen ausl\u00f6sen, im umgekehrten Fall aber auch K\u00e4ufe. Solche Automatismen wirken stets trendverst\u00e4rkend, <i>egal wohin der Trend geht<\/i> und losgel\u00f6st von seiner sachlichen Begr\u00fcndung. Sie werden besonders gerne dort eingesetzt, wo niemand mehr pers\u00f6nlich haftet. Das sind immer mehr Bereiche unserer Wirtschaft. Zumindest bez\u00fcglich seiner selbst hat unser Management etwas von Risikomanagement verstanden.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Da hinter den automatischen Orders keine geistvollen Fundamental\u00fcberlegungen stehen, erzeugen sie eine geistlose Besoffenheit der M\u00e4rkte und lassen die M\u00e4rkte erratisch schwanken. Sie sind eine Gefahr f\u00fcr den Informationsgehalt des Preissystems und eine Gefahr f\u00fcr die Marktwirtschaft selbst.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Deren Vorz\u00fcge gegen\u00fcber der Zentralverwaltungswirtschaft bestanden vor allem darin, dass ihr Preissystem die Informationen gewisserma\u00dfen erst einem \u201eL\u00fcgentest\u201c unterzog, indem es nur solche Informationen ernst nahm, nach denen der Marktteilnehmer auch handelte. Doch was, wenn die einzige \u201eInformation\u201c nur darin besteht, anderen m\u00f6glichst schnell zu folgen. Wer schnell genug dem jeweiligen Trend folgt, f\u00fcr den ist es v\u00f6llig egal, ob der Trendsetter recht hatte oder nicht, solange auch noch gen\u00fcgend weitere folgen und der Trend anh\u00e4lt. Der Erfolg gibt dem Recht, dem immer mehr folgen als vorangehen. Ja wenn, ja wenn und solange das so ist! Bis es Leute gibt, die pl\u00f6tzlich nicht mehr folgen. Dann geh\u00f6ren die Ersten zu den Letzen, die von den Hunden des Spekulationsverlustes gebissen werden. Dann wird es fast biblisch.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">So lange diese Passivtechnik des blinden Informationstrittbrettfahrers erfolgreich scheint, wird sie fortgef\u00fchrt. Dabei war schon die Subprime-Krise Zeichen daf\u00fcr, dass passive Informationsanh\u00e4ngerschaft und Trendfolge uns alle den Weg der Lemminge gehen lassen k\u00f6nnte. Oder den der Polon\u00e4se Blankenese: \u201eHier geht was los, da bleibt kein Auge trocken \u2026 .\u201c Hoffen wir, dass es am Ende nicht das weinende ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Glaubt man am Markt an jeden K\u00e4se,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">f\u00fchrt das zur Wirtschaftspolon\u00e4se.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Die Preise springen hoch und tief,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">das Wirtschaftsbild h\u00e4ngt pl\u00f6tzlich schief.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Man soll die nicht mehr belohnen,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">die geistesarm die anderen klonen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Am Ende geh\u2019n die auf den Leim<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">und werden so ziemlich subprime.<\/p>\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\">\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Die Bezeichnung ist nat\u00fcrlich ein GAG (Geschwind Ausgedachter Gimmick) von Neschle.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> In der N\u00e4he von Neschles Wohnort wird die Konversion eines Milit\u00e4rflughafens in einen Zivilflughafen versucht. Umliegende Gemeinden betonen mit vielen Worten die Notwendigkeit dieser Umwandlung. Doch keine war bereit, daf\u00fcr auch Leistungen zu erbringen. Was sind solche Worte wert? Sie sind reiner, ach was, \u201eunreiner\u201c Wortm\u00fcll! Erst das zahlen m\u00fcssen, l\u00e4sst ein wirtschaftliches Interesse glaubhaft werden. Und die H\u00f6he der Zahlung ist Gradmesser dieses Interesses.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Hier weigert Neschle sich, den Schwachsinn der Rechtschreibreform mitzumachen. Wer aufwendig lebt, wendet halt viel auf, er w\u00e4ndet es nicht auf. Er hat halt zu hohe Aufwendungen. Sieht Neschle den Aufwand bei unserer Rechtschreibreform, so ist ihm der viel zu aufw\u00e4ndig f\u00fcr das Ergebnis. Er k\u00f6nnte deshalb die W\u00e4nde hochgehen und so seine W\u00e4ndigkeit beweisen!<\/p>\n<p><a title=\"PDF-Datei\" href=\"http:\/\/www.neschle.de\/download-manager.php?id=109\">PDF-Datei<\/a><br \/>\nThis post was downloaded by  1169  people until now.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die M\u00e4rkte sind besoffen, ekstatisch und erratisch. Informationen sind schnell. Wahrheit braucht Zeit.&nbsp;(unbekannter Schlaumeier) In der Informationsgesellschaft scheinen die weltweiten M\u00e4rkte schlechter zu funktionieren. Die Preisausschl\u00e4ge sind ekstatischer und erratischer. Die M\u00e4rkte schwanken von einem Extrem ins andere, als seien sie besoffen. Die Milchpreise, f\u00fcr die Bauern j\u00fcngst auf die Stra\u00dfe gingen, sind nur ein &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-46-24-woche-2008\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eLeon Neschle 46 (24. 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