{"id":33,"date":"2007-04-04T14:20:40","date_gmt":"2007-04-04T12:20:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.neschle.de\/wordpress\/?p=33"},"modified":"2020-06-21T16:07:04","modified_gmt":"2020-06-21T15:07:04","slug":"leon-neschle-9-16-woche-2007","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-9-16-woche-2007\/","title":{"rendered":"Leon Neschle 9 (16. Woche 2007)"},"content":{"rendered":"<header>\n<h2 style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #4f81bd\"><strong>Hurenhochzeit und Friedhofsg\u00e4rtner-<\/strong><br \/>\n<strong>prinzip.<\/strong><\/span><\/h2>\n<\/header>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>There are only two classes in society: those who get more than they earn, and those, who earn more than they get.&nbsp;<\/em>(Holbrook Jackson)<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Scheidung von Daimler und Chrysler liegt in der Luft.<!--more--> Dadurch ist ein Essay wieder aktuell geworden, das Neschle schon in der warmen Sonne des Sp\u00e4tjuli 2005 schrieb. Da deutete schon alles auf eine Ehekrise hin. Viel schlimmer noch: Die beiden h\u00e4tten aus Neschles Sicht nie heiraten d\u00fcrfen! Neschle hat das schon bei Verk\u00fcndung der Hochzeit in seinen Vorlesungen gesagt. Aber auf ihn h\u00f6rt ja keiner! Er bekommt ja nicht viel Geld daf\u00fcr. Schauen wir mal, was Neschle damals schrieb:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>\u201eWenn gro\u00dfe M\u00e4nner gehen, melden sich die Kleingeister\u201c. <\/i>So kommentierte Ulrich Wickert in den Tagesthemen der ARD kritische Stimmen zu J\u00fcrgen E. Schrempp bei dessen Abdankung als Chef von DaimlerChrysler am 28. Juli 2005.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">War J\u00fcrgen Schrempp der Mann, f\u00fcr den Wickert ihn und f\u00fcr den er sich selbst ausgab? War er <i>die<\/i> F\u00fchrungs-Konifere unter den Holzk\u00f6pfen? Oder ein \u00fcbersch\u00e4tzter \u201aHalbleiter\u2019 mit dem Selbstbewusstsein des Alpha Plus-Tiers?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Meldeten sich die erb\u00e4rmlichen <i>Kleingeister<\/i> erst beim Sturz? Oder hatte der \u201agro\u00dfe Mann\u2019 Schrempp nur <i>die Konsequenzen<\/i> aus ihren Dauermeldungen gezogen? &#8211; So war es doch! Unpassender als Wickert kann man daher kaum kommentieren.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>A. Wie Daimler den Chrysler fra\u00df. Oder umgekehrt.<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Doktor J\u00fcrgen Schrempp, Weltmann von Daimler, wollte noch gr\u00f6\u00dfer werden. Er kaufte Chrysler. Es versuchte ihn und er sich auch \u00fcber Mitsubishi auf dem asiatischen Markt. Nun war Daimler Qualit\u00e4tsf\u00fchrer in Deutschland, vor dem Schrempp-Test, und Chrysler hatte die Silberne Rostbeule und das Schmutzige Schlusslicht f\u00fcr schlechte Qualit\u00e4t in den USA errungen. Und Mitsubshi? Da gab es in Asien auch andere Verd\u00e4chtige f\u00fcr Qualit\u00e4tsf\u00fchrerschaft.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Qualit\u00e4tsf\u00fchrer und Schlusslicht fusionieren!? Da f\u00fchlen sich die J\u00fcngeren an <i>Pretty Woman<\/i> erinnert, die \u00c4lteren an <i>My Fair Lady<\/i>. Da kommt ein M\u00e4dchen vom Strich oder aus der Gosse und soll ein vorzeigbares Gesch\u00f6pf in der \u201eGesellschaft\u201c werden. Beides sind M\u00e4rchen, so wie es sie schon fr\u00fcher gab, wo der gestiefelte Kater seinen Trampel-M\u00fcllersohn zum Grafen machte. M\u00e4rchen beschreiben das Unglaubliche, das Wunderbare. Pretty Woman und die Fair Lady r\u00fchren das Publikum, weil es trotz vieler Hindernisse gelingt, die M\u00e4del zu \u201aexquisitieren\u2019. Doch was hat das mit Realit\u00e4t zu tun? So viel wie eine Zeitungsente. Fast nichts, aber man h\u00f6rt es gern!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">F\u00fcr den normal Begabten gilt: Ein Mann von Welt sollte nicht versuchen, eine Prostituierte zu heiraten und in seine Welt zu entf\u00fchren, erst recht keine vom Stra\u00dfenstrich. Doch jede ist Verallgemeinerung falsch, selbst diese. Um das mit der neuen Welt des Stra\u00dfenm\u00e4dels hinzukriegen, muss man aber ein ganz Gro\u00dfer sein oder sich als ein solcher erweisen. Aus gutem Grund heiratet der Mittelm\u00e4\u00dfige immer in seinen Kreisen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Das lernt man in der dritten Anf\u00e4ngerstunde im strategischen Marketing. Ausnahmen gibt es nur f\u00fcr das Genie und den K\u00fcnstler in einer Person, f\u00fcr den die normalen Regeln oder Regeln \u00fcberhaupt niemals gelten. Der bringt selbst solche Fusionen zum Erfolg. <i>Der Simple sieht den Einzelfall, der Mittelm\u00e4\u00dfige die Regel und das Genie die Ausnahmen.<\/i> Ausnahmetalent Schrempp?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Fusion wird zum Misserfolg. Chrysler ist immer noch hinten in der Qualit\u00e4tsstatistik und Daimler strebte diese Position in Deutschland und weltweit offensichtlich an, mit dem smarten Smart im Schrempptau. Als dann Schrempp nur noch Fehler machte, nannte man das <i>seinen Stil<\/i>.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Was lernen wir daraus? Schrempp ist kein Genie, hielt sich aber vermutlich f\u00fcr eines. Er hat im Marketing-Unterricht nicht aufgepasst, was f\u00fcr Mittelm\u00e4\u00dfige gilt, weil er es nicht auf sich bezog. Selber nicht aufpassen und dann die Ausbildung deutscher Universit\u00e4ten schremppen? Wie hei\u00dft es schon in der Bibel: Du siehst eher den Scheibenwischer in den Augen des anderen als die Sto\u00dfstange vor Deinem eigenen<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Als Unternehmer w\u00e4re der Schrempp jetzt ein armer Mann.<\/i> Als er am 28. Juli 2005 das Handtuch warf, stieg der B\u00f6rsenwert seines Konzerns innerhalb eines Tages um 3,7 Milliarden Euro. So viel plus die Zinsen, hatte die B\u00f6rse erwartet, w\u00fcrde er seinen Konzern noch kosten, wenn er im Amt bliebe. Was er den Konzern schon vorher gekostet hat, geht daraus nicht hervor. \u00dcber ausgelassene Kurssteigerungen bei anderer Konzernpolitik kann man nur spekulieren. \u2013<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Und die Moral von der Geschicht? <i>Wer beabsichtigt, den Staat oder die Unternehmungen ungestraft um Milliardenbetr\u00e4ge zu sch\u00e4digen, sollte keinen Bankraub begehen, sondern Vorstandsvorsitzender einer AG oder Politiker werden. Unternehmer dagegen nicht, denn da haftet er! \u201aManagerhaftung\u2019 oder \u201apolitische Haftung\u2019 d\u00fcrften dagegen nur in Anf\u00fchrungszeichen geschrieben werden, denn \u201aanf\u00fchren\u2019 will man damit das bl\u00f6de Volk. <\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ein Unternehmer h\u00e4tte dies als pers\u00f6nlichen Verlust zu tragen, Schrempp hat dagegen f\u00fcr seine Fehler, so viel Geld bekommen, dass er unterm Strich sehr viel reicher geworden ist. Das \u00e4rgert viele und Neschle kann sie gut verstehen. Doch nicht in einem Punkt:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Viele schreiben diesen Mangel der Marktwirtschaft zu. Zu Unrecht! <i>F\u00fcr die unversch\u00e4mten Geh\u00e4lter der Vorst\u00e4nde, vor allem aber f\u00fcr deren mangelnde Erfolgsabh\u00e4ngigkeit, schreibt nicht die Marktwirtschaft verantwortlich, sondern die Aushebelung ihrer Wirkungsmechanismen. Die Marktwirtschaft lebt seit Jahren damit, dass sie f\u00fcr diese M\u00e4ngel verantwortlich gemacht wird. Sie hat das geduldig ertragen und sogar \u00fcberlebt. Das ist St\u00e4rke, nicht Schw\u00e4che!<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Schrempp war kein Unternehmer. Er war Manager, der mit dem Geld anderer arbeitete. So wie M\u00fcnteferings \u201aHeuschrecken\u2019, nur anders. Manche \u201aHeuschrecken\u2019 machen kranke Unternehmungen gesund, um sie zu verkaufen. Manager wie Schrempp machen gesunde krank, so dass \u201aHeuschrecken\u2019 etwas haben, das sie kaufen und gesund machen k\u00f6nnen. Das nennt sich moderner Wirtschaftskreislauf.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Einer der bedeutendsten Kreisl\u00e4ufer war der J\u00fcrgen. Er hatte einen Freund, den Hilmar. Kopper hie\u00df der. Im Aufsichtsrat (dem von J\u00fcrgen und Hilmar) war der Hilmar Chef. Aktion\u00e4re klagten da schon lange (an)<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a>: \u201eDer Laden stinkt vom Kopp her und den J\u00fcrgen k\u00f6nnt ich w\u00fcrgen!\u201c &#8211;<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Daimler brauchte vermeintlich an seinen Autos nicht mehr viel zu tun. Vor allem die E-Klasse war eh klasse. Dachten die! Aber das gilt heute selbst f\u00fcr Taxifahrer nicht mehr. Die m\u00f6gen Daimler immer weniger. Und Kulanz bei Daimler? Bis vor einiger Zeit Fehlanzeige! Ein Daimler geht ja nicht kaputt. War fr\u00fcher auch so! Aber heute? Ja, wenn der Bonze Daimler die Nutte Chrysler heiratet: Wie sollen da die Kinder ungeschoren bleiben?<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>B. Friedhofsg\u00e4rtnerprinzip: Wer mehr unter sich hat, verdient mehr.<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Deutsche Unternehmungen und der deutsche Fiskus halten es f\u00fcr normal, dass Manager gro\u00dfer Unternehmungen mehr verdienen als die kleiner. Sie haben die gr\u00f6\u00dfere Verantwortung. Das ist dasselbe Prinzip wie in der \u00f6ffentlichen Verwaltung, wo die Leiter gr\u00f6\u00dferer Dienststellen in h\u00f6here Besoldungsgruppen einsortiert sind als die kleinerer. So kommt es, dass ein Manager einer Gro\u00dfunternehmung trotz Gewinn<b><i>v<\/i><\/b>er- oder Verlusterwirtschaftung mit einem Millionengehalt nach Hause geht, w\u00e4hrend wesentlich niedrigere Betr\u00e4ge bei einer hochprofitablen GmbH als unangemessenes Gehalt angesehen werden, um sie dann nachtr\u00e4glich dem Gewinn zuzurechnen und Gewerbe- und K\u00f6rperschaftsteuer zu unterwerfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Machen wir ein kleines, aber feines Beispiel mit realem Hintergrund: Ein fesches Garagentrio hatte das Leben im Untergrund satt und beschloss, zur Verwertung einer Computerspielidee mit 25.000 Euro eine GmbH zu gr\u00fcnden. Ein B\u00fcro wurde gemietet, eine Sekret\u00e4rin halbtags eingestellt. Alle drei wurden Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer, also gab es nur H\u00e4uptlinge und keine Indianer. Sie genehmigten sich nur ein bescheidenes Gehalt von 20.000 Euro pro Jahr. Der Gesamtaufwand lag noch unter einer Million. Das Spiel wurde so erfolgreich, dass die kleine H\u00e4uptlingsschar am Jahresende auf sieben Millionen Euro Gewinn schauen durfte. Bei dieser Sachlage stockte sie das Gesch\u00e4ftsf\u00fchrergehalt auf zwei Millionen Euro pro Jahr auf, so dass der GmbH ein Gewinn von einer Million Euro verblieb.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Nun kam die Sache vor einen neunmal schlauen Steuerbeamten, der das deshalb geworden ist, weil er wirtschaftliche Sachverhalte nicht versteht und dann auch nicht besser verstehen lernt, weil ihn seine steuer- und verwaltungsjuristische Vor- und Verbildung daran hindert. F\u00fcr den war die Sache klar: Zwei Millionen f\u00fcr jeden Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer einer Dreieinhalb-Mann-GmbH mit nicht acht Millionen Umsatz: das ergibt ein Gehalt, wie es unangemessener nicht sein kann. Ein Gehalt von zwei Millionen h\u00e4tte er abgehakt, w\u00e4re es dem Manager einer gro\u00dfen DAX-Unternehmung zugesprochen worden, selbst wenn die Verlust machte. Das kennt er ja von seiner Beh\u00f6rde, je gr\u00f6\u00dfer die ist, umso mehr verdient der Leiter unabh\u00e4ngig davon, welche Leistung sie und er erbringen. Das \u00f6konomische Prinzip sagt freilich genau das Gegenteil: Wer mit geringen Mitteln gro\u00dfe Leistungen erbringt, der entspricht ihm. Nicht aber derjenige, der einen Berg kreisen l\u00e4sst f\u00fcr die Geburt eines M\u00e4usleins.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">W\u00fcrde man aber in Deutschland eine Umfrage starten, teilen vermutlich die meisten die Gedanken des Steuerbeamten. (Was merkw\u00fcrdigerweise auch bedeutet, sie w\u00e4ren \u201enicht geteilter Meinung\u201c). Doch betrachten wir die Sache \u00f6konomisch nach dem Wirtschaftlichkeitsprinzip, so w\u00e4re das pr\u00e4zise falsch.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Schauen wir nun auf den Manager eines Daxes. Der hat zwei Millionen kassiert, obwohl er lausig gewirtschaftet hat. W\u00e4re er Unternehmer, er h\u00e4tte den Verlust zu tragen. Jetzt tragen ihn geschremppte Aktion\u00e4re.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die drei GmbH-Gesellschafter haben dagegen aus dem Nichts riesige Marktwerte geschaffen. F\u00fcr diese Leistung wird ihnen die Anerkennung versagt, ihr Gehalt als unangemessen hingestellt. Nach ellenlangen Diskussionen l\u00e4sst sich der Steuerbeamte auf F\u00fcnfhunderttausend f\u00fcr jeden ein. Viereinhalbmillionen werden zur\u00fcck\u00fcberwiesen auf das GmbH-Konto und erh\u00f6hen deren Gewinn auf 5,5 Millionen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die elementare \u00f6konomische Weisheit sagt nun aber, dass ein Faktorentgelt f\u00fcr einen Produktionsfaktor geleistet wird. Neben dem Gesch\u00e4ftsf\u00fchrergehalt f\u00fcr Arbeit und der Miete f\u00fcr Boden bleibt da nur der Gewinn als \u201eVerzinsung\u201c des Eigenkapitals. Das hat sich nach der Korrektur verzweihundertzwanzigfacht. Dies entspricht einer Jahres-Rendite von<i> einundzwanzigtausendneunhundert <\/i>Prozent. Schon bei einer Million nach Abzug der urspr\u00fcnglichen Gesch\u00e4ftsf\u00fchrergeh\u00e4lter von 6 Millionen w\u00e4ren es dreitausendneunhundert Prozent gewesen. Heraus k\u00e4me schon so eine <i>\u201aunangemessene Verzinsung\u2019<\/i>.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Sehen wir es von der Seite der Kapitalverzinsung, w\u00e4re die Verzinsung von dreihundert Prozent au\u00dfergew\u00f6hnlich hoch. Um \u201enur\u201c darauf zu kommen, m\u00fcssten die Geh\u00e4lter der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer sogar <i>aufgestockt (!) <\/i>werden auf jeweils Zweimilliondreihunderttausend. Der Finanzbeamte hat sie aber gek\u00fcrzt! Weil die Unternehmung so klein ist, hat sie jetzt eine exorbitante Kapitalverzinsung: in Zahlen 21.900 Prozent. Das bekommt die Theorie aber nicht einmal beim st\u00e4rksten Risikozuschlag hin. Au\u00dfer vielleicht bei dem Risiko, einer solchen Steuerverwaltung zu unterliegen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wer hat jetzt so viel verdient, die Arbeit oder das Gewusst-Wo und Gewusst-Wie des Kapitaleinsatzes. Haben die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer ihr Wissen aus der Garagenzeit in diese Gesellschaft eingebracht, liegt die Antwort auf der Hand: Nat\u00fcrlich hat unser Schlauberger als Gesch\u00e4ftf\u00fchrer und Tr\u00e4ger des Hirns diese Leistung erbracht, nicht der Gesellschafter als Kapitalgeber, der er ja in Personalunion auch ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Unser Staat aber schert sich einen Dreck um derartige \u00f6konomische \u00dcberlegungen und beurteilt die Angemessenheit von Geh\u00e4ltern in der Hauptsache nach der Gr\u00f6\u00dfe der Unternehmung. Es regiert das <b><i>Friedhofsg\u00e4rtnerprinzip<\/i><\/b>: <i>Wer mehr Leute unter sich hat, verdient mehr.<\/i> Wer aber nach dem Friedhofsg\u00e4rtnerprinzip bezahlt, sollte sich dann aber auch nicht wundern, wenn den F\u00fchrenden keiner mehr zuh\u00f6rt!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Der Markt gibt freilich ein entsprechendes Signal, indem er bei gro\u00dfen Unternehmungen h\u00f6here Geh\u00e4lter bietet. Vermeintlich f\u00e4higere Manager sind nur durch ein h\u00f6heres Gehalt anzulocken. Das Problem ist jedoch: Wegen Unf\u00e4higkeit wird dieses Gehalt sp\u00e4ter nicht gesenkt. Ein Unternehmer w\u00fcrde mit Verlusten gestraft. Konsequente Marktwirtschaftler haben daher die Aktiengesellschaft geschm\u00e4ht und sich f\u00fcr die Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) ausgesprochen, bei der die leitenden Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer vollhaftende Komplement\u00e4re sind und daher bei Verlust \u201aleidende\u2019 Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer sind. Diese Marktwirtschaftler haben sich nie durchgesetzt!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">So wird der Friedhofsg\u00e4rtner weiterhin Pate stehen f\u00fcr die Managerentlohnung. Wer mehr Leute unter sich hat, soll auch mehr verdienen! Unabh\u00e4ngig von seiner Leistung. Das ist Verwaltungswirtschaft gew\u00fcrzt mit \u00f6konomischer Unvernunft! Marktwirtschaft herrscht hier gerade nicht! Das sieht man am deutlichsten darin, dass trotz angeblich 80 prozentiger Erfolgsabh\u00e4ngigkeit bei Misserfolgen die Geh\u00e4lter der Top-Manager nicht entsprechend sinken und manchmal sogar steigen, etwa bei einer sehr gro\u00dfen deutschen Telefongesellschaft in der neben anderen Verwirrungen auch die Sprachverwirrung ihre Heimat fand.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Das Friedhofsg\u00e4rtnerprinzip reizt zu Fusionen, auch da, wo sie sich f\u00fcr die Aktion\u00e4re nicht lohnen. Das ist \u2013 dann nicht mehr \u00fcberraschend \u2013 die Mehrzahl der F\u00e4lle. Verbleibende Manager haben sich nie dar\u00fcber beschwert! Ihr Gehalt steigt und ihre Altersversorgung verbessert sich. Der Rest wird gut abgefunden. Das ist der Grund, warum viele Fusionen \u00fcberhaupt nur stattfinden und in Konfusionen bei der Hauptversammlung enden.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Apropos <i>enden<\/i>! Schluss jetzt! Einfach Schluss! Oder doch noch ein Osterei? Ein Zitat von Georg Christoph Lichtenberg, das auch heute noch gilt, macht man nur aus den Talern Euros und h\u00e4ngt ein paar Nullen dran:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u201eIch bin aus vielf\u00e4ltiger Erfahrung \u00fcberzeugt, dass die wichtigsten und schwersten Gesch\u00e4fte in der Welt, die der Gesellschaft den meisten Vorteil bringen , durch die sie lebt und sich erh\u00e4lt, von Leuten getan werden, die zwischen 300 und 800 oder 1000 Taler Besoldung genie\u00dfen. Zu den meisten Stellen, mit denen 20, 30, 50, 100 Taler oder 2000, 3000, 4000, 5000 Taler verbunden sind, k\u00f6nnte man nach halbj\u00e4hrigem Unterricht jeden Gassenjungen t\u00fcchtig machen, und sollte der Versuch nicht gelingen, so suche man die Schuld nicht im Mangel an Kenntnissen, sondern in der Ungeschicklichkeit, diesen Mangel mit dem geh\u00f6rigen Gesicht zu verbergen.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p style=\"text-align: center;\">Verluste man sehr gut verkraftet,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">wenn man als Manager nicht haftet.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Besonders Daxe soll\u2019n sich lohnen,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">denn trotz Verlust gibt\u2019s da Millionen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Doch Unternehmer (Aktion\u00e4r oh) wehe Dir!<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Du armes Schwein, du haftest hier.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">(Kleine Fortsetzung:)<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Des Friedhofsg\u00e4rtners Grundprinzip<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">ist Top-Managern besonders lieb.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Hab\u2019n sie da viele unter sich,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">verdienen sie sich duselig.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Dann sollte es sie auch nicht st\u00f6ren,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">wenn ihre Leute sie nicht h\u00f6ren.<\/p>\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\">\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Moderne Fassung. Fr\u00fcher war alles noch aus Holz. Auch die K\u00f6pfe. Da hie\u00df es Splitter und Balken.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Das meiste in diesem Kapitel hatte Neschle schon vor dem Abschied von Doktor J\u00fcrgen Schrempp geschrieben. Daher musste ich einige Teile von der Gegenwart in die Vergangenheit transformieren.<\/p>\n<p><a title=\"PDF-Datei\" href=\"http:\/\/www.neschle.de\/download-manager.php?id=24\">PDF-Datei<\/a><br \/>\nThis post was downloaded by  1287  people until now.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hurenhochzeit und Friedhofsg\u00e4rtner- prinzip. There are only two classes in society: those who get more than they earn, and those, who earn more than they get.&nbsp;(Holbrook Jackson) Die Scheidung von Daimler und Chrysler liegt in der Luft.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[4,6],"tags":[13,20,18],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/33"}],"collection":[{"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=33"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/33\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1057,"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/33\/revisions\/1057"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=33"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=33"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=33"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}