{"id":328,"date":"2008-06-10T08:32:12","date_gmt":"2008-06-10T07:32:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.neschle.de\/index.php\/blog\/neschle-depeschle-18\/"},"modified":"2020-06-19T19:17:00","modified_gmt":"2020-06-19T18:17:00","slug":"neschle-depeschle-18","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/neschle-depeschle-18\/","title":{"rendered":"Neschle-Depeschle 18"},"content":{"rendered":"<header>\n<h2 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #4f81bd\">2:0 \u2013 Ja do san olle Klagen furt!<\/span><\/strong><\/h2>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Neschle-Depeschle-Neschle-Depeschle-Neschle-Depeschle<\/strong><br \/>\n<strong>F\u00fcr den kleinen Hunger zwischendurch: Der schnelle Einwurf in den Strafraum<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Wenn man ein 0:2 kassiert, dann ist ein 1:1 nicht mehr m\u00f6glich.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>(Aleksander Ristic, ohne Kenntnis der polnischen Niederlage)<\/strong><\/p>\n<\/header>\n<p style=\"text-align: left;\">Neschle ist in Klagenfurt. Am Freitag und Samstag vor dem Spiel Deutschland \u2013 Polen am Sonntag hatten die Deutschen da noch alles in der Hand. Vor allem die deutsche Polizei. Die ist mit 500 weiblichen und m\u00e4nnlichen \u201eSicherheitskr\u00e4ften\u201c anger\u00fcckt und dominiert das Stra\u00dfenbild mehr als alle Fans. Die meisten Klagenfurter sind schon zu Hause geblieben.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Am Sonntag, den 8. Juni 2008, dann das Spiel Deutschland gegen Polen. Pl\u00f6tzlich wimmelt es \u00fcberall von Polen hier. So wie in Wien von Kroaten. Als h\u00e4tten die sich abgesprochen, dominieren sie die Fan-Meilen und das Stadion im Verh\u00e4ltnis 2:1. Doppelt so viele Polen wie Deutsche in Klagenfurt, doppelt so viele Kroaten wie \u00d6sterreicher in Wien. Was ein \u201eHeimspiel\u201c werden sollte, wird ein Ausw\u00e4rtsspiel: f\u00fcr die Deutschen in Klagenfurt am W\u00f6rthersee, sogar f\u00fcr die \u00d6sterreicher in Wien, \u201eihrer\u201c Hauptstadt, die f\u00fcr kurze Zeit die kroatische wird. Ein Ausw\u00e4rtsspiel im eigenen Land. Das kann man so nicht einmal finden, wenn irgendwo in Deutschland die deutsche Nationalelf gegen die t\u00fcrkische spielt.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Es geht auf dem Ticket-Markt dieser Europameisterschaft offenbar zu wie beim Eurovision Song Contest: Da wird ge- und verschoben mit allen Karten, was das Zeug h\u00e4lt. Da fragt man sich, welch abge<em>kartetes<\/em> Spiel von der UEFA oder sogar mit der UEFA getrieben wird. Wie kann das sein? Zahlen die armen Polen pl\u00f6tzlich die h\u00f6heren Schwarzmarktpreise? Werden die Karten-Kontingente hemmungslos zugunsten der kleinen L\u00e4nder verteilt, die dann im Osten wiederum unter sich schieben und handeln. Genau wie beim europ\u00e4ischen Schnulzen-Wettstreit, wo kein westliches Land mehr eine Chance hat unabh\u00e4ngig von der Qualit\u00e4t der Songs (<a href=\"https:\/\/neschle.de\/index.php\/au-aufschrei\/au-aufschrei-5\/\">Aufschrei 5<\/a>)<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Hier in Klagenfurt streuen \u00d6sterreicher das Ger\u00fccht, die Polen h\u00e4tten ihr Kontingent f\u00fcr Wien an die Kroaten verkauft und die Kroaten f\u00fcr Klagenfurt an die Polen. Polen reisen hier aber auch mit Autos an, die ein deutsches Kennzeichen tragen. Jetzt werden alle sagen: Gerade in Deutschland geklaut und zu wenig Zeit, das Kennzeichen zu wechseln! \u2013 Aber es sieht eher danach aus, als h\u00e4tten polnische Arbeiter in Deutschland auch eine Menge vom deutschen Kartenkontingent weggekauft. Denn selbst mitten im vermeintlich rein deutschen Hardcore-Fanblock sitzen viele Polen, w\u00e4hrend die rot-wei\u00dfe Front der Polen keinerlei deutschen Enklaven aufweist. Die steht da wie eine Mauer ohne fremde Einschl\u00fcsse. So bilden die Schals der Polen w\u00e4hrend ihrer Nationalhymne eine einzige rot-wei\u00dfe Wand.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Eine Stunde vor dem Spiel sind schon fast alle Polen im Stadion, aber nur wenige Deutsche. Da steht es noch 9 zu 1 f\u00fcr die Polen. Auch die polnischen Spieler sind als erste auf dem Platz und werden euphorisch empfangen. Die deutschen lassen auf sich warten. Als es losgeht, machen die Polen einen H\u00f6llenl\u00e4rm. Das rhythmische Stampfen ihrer F\u00fc\u00dfe l\u00e4sst die Trib\u00fcne erzittern. Doch merkw\u00fcrdigerweise machen sie das gerade, wenn die Deutschen im Angriff sind. Ein deutscher Spieler muss das als Unterst\u00fctzung seiner eigenen Fans empfinden.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Das Scharren mit den F\u00fc\u00dfen war einst an Universit\u00e4ten der Ausdruck des Unmuts \u00fcber einen Vortrag. Hier aber klingt das Stampfen der Polen bei deutschen Angriffen wie eine Unterst\u00fctzung der falschen Partei. Da ist die Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Deutschen trotz klarer Unterzahl ihrer Anh\u00e4nger pl\u00f6tzlich eine Macht. \u2013 So unterschiedlich k\u00f6nnen kulturelle Ausdrucksformen schon innerhalb Europas sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Es gibt keinerlei Scharm\u00fctzel zwischen den Fans. Im Gegenteil: Neschle erlebt wie eine Deutsche einen polnischen Fan auf englische Weise fotografiert: mit nacktem Oberk\u00f6rper. Polnische und deutsche Fans lassen sich Arm in Arm ablichten. Als vers\u00f6hnlich wird schon zur Halbzeit empfunden, dass Lukas Podolski das 1:0 geschossen hat. Das ist ja einer von ihnen. Also eigentlich f\u00fchrt sogar Polen 1:0, auch wenn da irgendetwas in der Geschichte falsch gelaufen ist. Das ist fast wie eine Eigentor: Schicksalhaft und nicht zu vermeiden.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">In der Pause steht pl\u00f6tzlich jemand neben Neschle. Er selbst ist es jedenfalls nicht, denn hier im Stadion gibt es nur alkoholfreies Bier, auch wenn vor allem einige Polen den Eindruck machen, bereits gut betankt zu sein: mit bierfreiem Alkohol, also Wodka und \u00e4hnlichem Zeugs. Neben Neschle steht einer, der ruft in die unteren R\u00e4nge: \u201eSascha!\u201c. Neschle, der \u00fcber eine viel lautere Stimme verf\u00fcgt als dieser Piepser neben ihm, sagt: \u201eDu musst lauter rufen! So etwa: SASCHA!\u201c Pl\u00f6tzlich sieht Neschle auf dem Deutschland Trikot seines Nachbarn gro\u00df die Aufschrift \u201ePOCHER\u201c. Der spielt doch gar nicht f\u00fcr Deutschland. Ist das ein Hochstapler, der sich mit Oliver Pochers Namen schm\u00fcckt? Nee, das ist der Oliver wirklich selbst und in eigener Person. Pl\u00f6tzlich dr\u00e4ngen sich M\u00e4dels dazwischen und posieren mit Olli Pocher als Kracher vor ihrer Billigkamera und vor dem Foto-Handy. Da macht der Pocher sogar Werbung mit seinem eigenen Namen, damit ihn wirklich jeder erkennt. Nur der Neschle ist zu doof daf\u00fcr- Richtige Stars sind fr\u00fcher eben dezenter aufgetreten und nur deren Kopien haben sich solche Aufschriften geleistet. Aber die Zeiten \u00e4ndern sich eben, nur wir manchmal nicht in ihnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Das Spiel geht weiter und neue polnische Hoffnung keimt. Die Polen kennen viel mehr gemeinsame Lieder als die Deutschen und zeigen mehr Aktivit\u00e4ten im Fan-Block. Aber es sind Dinge, die man schon immer kennt. \u00dcbergro\u00dfe Trikots werden \u00fcber die K\u00f6pfe durchgereicht und \u00fcbliche Fu\u00dfballsongs gesungen. Einen Song stimmen sogar beide Blocks gemeinsam an, wenn auch mit unterschiedlichem Text: \u201eGo West!\u201c von den Pet Shop Boys. Auf Deutsch klingt das so: \u201eSteh auf, wenn Du ein Deutscher bist!\u201c Das Lied muss an diesem Abend h\u00e4ufiger auf Polnisch gesungen werden, was ein schlechtes Zeichen f\u00fcr diese Mannschaft ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Deutschen sind deutlich weniger konventionell und dennoch besser organisiert. An jedem Sitz des deutschen Fan-Blocks gibt es eine Plastikfahne. Die ist in den unteren R\u00e4ngen goldgelb, in den mittleren rot und in den oberen schwarz. Werden die Fahnen gleichzeitig geschwenkt, sieht das aus wie eine einzige riesige Flagge, die vom Wind gepeitscht wird. Da fallen selbst die polnischen Fans nicht mehr auf, die sich mitten in den deutschen Block \u201egeschummelt\u201c haben (Schlie\u00dflich spielen Podolski und Klose ja auch f\u00fcr Deutschland!). Und der Song der Deutschen klingt irgendwie origineller im faden Einerlei von \u201eAuf geht\u2019s Deutschland schie\u00dft ein Tor!\u201c. Und er sieht auch so aus, weil er dramatisch zwischen leise und laut wechselt. Leise wird in geb\u00fcckter Haltung mit h\u00e4ngenden H\u00e4nden wird \u00fcber den Zustand der Polen gesungen, laut dann aufrecht und mit hochgereckten H\u00e4nden \u00fcber den der Deutschen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Nach dem 2:0 erschlaffte der polnische Gesang und der deutsche verflachte zu \u201eSo ein Tag, so wundersch\u00f6n wie heute, so ein Tag, der d\u00fcrfte nie vergeh\u2019n\u201c. Am Ende der Partie leerten sich die polnischen R\u00e4nge dann schnell und die deutschen erwarteten den Triumphlauf der deutschen Elf. Den gab es dann auch, doch er war eher verhalten so wie Podolskis Freude nach seinen Toren. Die Spieler auf dem Rasen hatten schon vor dem Spiel Kameradschaft gezeigt, was sich allerdings nicht immer in die Zuschauerr\u00e4nge \u00fcbertrug.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Au\u00dfer der Freude \u00fcber die eigene Mannschaft kam n\u00e4mlich H\u00e4me \u00fcber den Verlust der Polen hinzu. Mit dem \u00fcblichen bl\u00f6den und h\u00e4mischen \u201eAuf Wiedersehen!\u201c hatten zwar eigentlich die polnischen Fans schon vor dem Spiel begonnen und sogar auf Deutsch. Aber die Deutschen freuten sich als souver\u00e4ne Sieger nicht nur \u00fcber den eigenen Erfolg, sondern riefen den Polen auch deren eigenes \u201eAuf Wiedersehen!\u201c hinterher. Einen, der am Boden liegt, auch noch zu treten, ist nicht die Art eines fairen Umgangs.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Nach dem Spiel ging Neschle noch in Klagenfurts Innenstadt auf den Neuen Platz vor dem Rathaus (Dort traf er, wie fast \u00fcberall auf dieser Welt, mitten im Gew\u00fchl der Stadt einen Studenten.). Auf dem Weg dorthin, den er wegen wirklich schlechter Logistik in Klagenfurt zu Fu\u00df antreten musste, sah er nur an der Messe die letzten Reste einer Randale. Ein Gef\u00e4ngniswagen mit einigen deutschen \u201eFans\u201c fuhr ab. Sp\u00e4ter h\u00f6rte Neschle, dass einige deutsche Pannem\u00e4nner die armen geschlagenen Polen \u00fcbel beleidigt und angegriffen hatten. Was soll so etwas?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Bei den Polen gab es das nur auf dem Niveau der Boulevardpresse. Dort werden solche Hooligans offenbar Journalisten und d\u00fcrfen ihre Schm\u00e4hungen \u00f6ffentlich in der Presse verbreiten. In den Gef\u00e4ngniswagen kommen sie zu ihrem Gl\u00fcck nicht. Ganz im Ernst und soweit es Neschle gesehen hat: Die polnischen Fans haben sich einwandfrei verhalten, was man leider nicht von allen deutschen Fans behaupten kann. Es war also umgekehrt wie bei der Presse. Das hat die polnische \u00fcbel geschm\u00e4ht und die deutsche sich zur\u00fcckgehalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die \u00d6sterreicher haben hier in Klagenfurt fast alles im Griff. Doch organisiert wird auf die letzte Minute und bei den verkehrlichen Dingen, wie Taxis oder Busse, da bekleckern sie sich nicht gerade mit Ruhm. Da g\u00e4be es viel, sehr viel zu verbessern. Da versetzt sich keiner in die Gedanken eines Fremden. Aber das ist hier in K\u00e4rnten, wo einst Haider regierte, ohnehin nicht so \u00fcblich.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Beenhakker bring uns die K\u00f6pfe,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">alte Schlachten, olle Z\u00f6pfe.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Polens Presse spielt verr\u00fcckt,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">die deutsche ist nicht sehr entz\u00fcckt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Hatte der Deutsche da gewonnen,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">am Hooligan ist das zerronnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p style=\"text-align: center;\">Der meint genau wie Polens Presse,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">am besten ist was auf die Fresse.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Doch wenn wir uns den Sieg schon holen,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">ist Strafe es genug f\u00fcr Polen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Es zeigt sich dann als kleiner Geist,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">wer nun die Polen auch noch bei\u00dft.<\/p>\n<p><a title=\"PDF-Datei\" href=\"http:\/\/www.neschle.de\/download-manager.php?id=107\">PDF-Datei<\/a><br \/>\nThis post was downloaded by  1185 <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>2:0 \u2013 Ja do san olle Klagen furt! Neschle-Depeschle-Neschle-Depeschle-Neschle-Depeschle F\u00fcr den kleinen Hunger zwischendurch: Der schnelle Einwurf in den Strafraum Wenn man ein 0:2 kassiert, dann ist ein 1:1 nicht mehr m\u00f6glich. (Aleksander Ristic, ohne Kenntnis der polnischen Niederlage) Neschle ist in Klagenfurt. Am Freitag und Samstag vor dem Spiel Deutschland \u2013 Polen am Sonntag &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/neschle-depeschle-18\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eNeschle-Depeschle 18\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[4,7],"tags":[54,29,14],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/328"}],"collection":[{"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=328"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/328\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":892,"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/328\/revisions\/892"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=328"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=328"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=328"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}