{"id":326,"date":"2008-06-05T10:09:26","date_gmt":"2008-06-05T09:09:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.neschle.de\/index.php\/au-aufschrei\/au-aufschrei-28\/"},"modified":"2020-06-18T18:25:05","modified_gmt":"2020-06-18T17:25:05","slug":"au-aufschrei-28","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/au-aufschrei\/au-aufschrei-28\/","title":{"rendered":"Au &#8230; Aufschrei 28"},"content":{"rendered":"<header>\n<h2 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #4f81bd\">Brite kann sich mit Deutschen nicht abfinden. Er wird abgefunden.<\/span><\/strong><\/h2>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Zu viele Deutsche, zu viele Handt\u00fccher! Doch wer rettet uns vor Briten oder Russen?<\/strong><\/p>\n<\/header>\n<p style=\"text-align: left;\">Weil ein Brite im Urlaub auf der griechischen Insel Kos zu viele Deutsche traf, musste ein Reiseveranstalter ihm 1.000 Euro erstatten. Wegen \u201everdorbener Ferien\u201c! Alle Sportkurse und sogar die Fernsehprogramme seien deutsch gewesen und seine Tochter habe im \u201eKids Club\u201c (Moment! Das ist doch englisch!?) nichts verstanden. Da sieht man mal, wie es Rentnern ergeht, die hierzulande fr\u00fcher nur \u201eBahnhof\u201c verstanden und heute \u201eStehsch\u00f6n\u201c (\u201eStation\u201c) h\u00f6ren (siehe <a href=\"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/neschle-depeschle-7\/\">Neschle-Depeschle 7<\/a>). Oder die sich fragen, auf welches \u00d6rtchen sie gehen sollen, wenn von \u201eLok\u00e4sch\u00f6n\u201c (\u201eLocation\u201c) die Rede ist?! 1.000 Euro Rente pro Monat zus\u00e4tzlich allein daf\u00fcr?!<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Briten kann man aber nicht zumuten, was Briten und ihre Nach\u00e4ffer der ganzen Welt zumuten. Man kann von ihnen nicht verlangen, sich im Ausland einer anderen Sprache zu bedienen oder es zumindest mal versuchen. In deutschen Unternehmungen ist es schon fast selbstverst\u00e4ndlich, ins Englische zu wechseln, wenn sich nur ein Angelsachse im Raum befindet. Da stottern die Deutschen herum, w\u00e4hrend sich die angelnden Sachsen am\u00fcsieren und die \u201eSprachnachteile\u201c der deutschen Radebrecher f\u00fcr \u201egute\u201c Vertr\u00e4ge nutzen, die nat\u00fcrlich in Englisch abgefasst sind. Eine Sprache sprechen ist aber wie Skifahren: Man kann es zwar auch sp\u00e4ter erlernen, aber die Alpenkinder fahren einem zeitlebens weg, weil sie es gelernt haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Neschle h\u00f6rte neulich von einer deutschen Hauptversammlung, bei der ein einziger Amerikaner von hunderten Deutschen forderte, auf der Versammlung englisch zu sprechen, damit er dieser Versammlung besser folgen k\u00f6nne. Sein Antrag wurde erstaunlicherweise sogar abgelehnt. Ob auch er nun 1.000 Euro fordern darf?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Nun sagte der klagende Brite, er sei kein Rassist (Sind Deutsche eine Rasse?) und wolle auch in kein Hotel, in dem es nur Engl\u00e4nder gibt. Das geht Neschle genau so: Schon beim Fr\u00fchst\u00fcck den Anblick von entbl\u00f6\u00dften M\u00e4nnerw\u00e4nsten mit krebsroten Verbrennungen zweiten Grades unter sommersprossigem Gesicht als h\u00e4tte der wei\u00df-rote Fettklo\u00df in die Kacke geblasen? Das ist Neschle dann doch zuwider, zumal ihm der Anblick sp\u00e4ter mitten in der Stadt noch mehrfach begegnet, wobei die Hitze weiteren Tribut fordert: die Dose Bier in der Hand und Schwei\u00dfn\u00e4sse bis in die Fernfahrerritze, unter der sich ein N\u00e4ssekeil auf der niedrig h\u00e4ngenden H\u00fcfthose im Verlauf der Kimme abzeichnet.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Aber ein Hotel nur mit Deutschen? Oh Gott! Dieser Brite hat Recht. Neschles Landsleute machen sich nicht nur in der Ferne extrem breit und das extrem fr\u00fch. Pl\u00e4tze reservieren durch Handtuchauflegen ist krank- und sagenhaft, aber uns\u00e4glich. Diese Un-Sitte zieht sich in jeder Form schon durch den deutschen Alltag. Ein Beispiel:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Centro Oberhausen, Fressmeile: Da geht einer erst einmal hin und blockiert einen Tisch. Die anderen bringen ihm ja etwas mit. W\u00e4hrend sie f\u00fcr ihn bestellen, weist ihr vereinzelter Tischgenosse alle ab, gerade wenn die volle Tabletts haben: \u201eHier ist besetzt!\u201c Ein Drittel aller Vierer- oder Sechser-Tische wird so \u201ereserviert\u201c durch eine einzelne Person, die weder isst noch trinkt. Und das lange, denn vor den Speisest\u00e4tten gibt es lange Schlangen. Dadurch entsteht \u2013 wie beim Handtuchauflegen \u2013 das Gef\u00fchl der \u00dcberbelegung, obwohl die Tische fast, aber eben nur fast, unbesetzt sind. Wer da nicht reserviert, macht es beim n\u00e4chsten Mal.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Dasselbe in den USA? <em>Nein! <\/em>Hier holen sich alle ihr Essen. Erst wenn sie es haben, findet sich ein Tisch, weil der zwischenzeitlich nicht zweckentfremdet und vereinzelt besetzt wird. Da sitzt einer nur dann und <em>mit<\/em> Essen und Getr\u00e4nken, wenn er schon als Single kam. Und siehe da: Es ist pl\u00f6tzlich Platz und niemand muss \u201ereservieren\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Aber wer erkl\u00e4rt das den Teutonen? Die Sache mit den Handt\u00fcchern ist sowieso hoffnungslos. Das Handtuch hilft den Deutschen, doppelt verortet zu sein und alles \u00fcberf\u00fcllt aussehen zu lassen, w\u00e4hrend sie ihren Platz haben. Neschle h\u00f6rte von einer deutschen Touristin, die schon um 6.00 Uhr <em>mehrere<\/em> Handt\u00fccher platziert hatte, zwischen denen sie viel sp\u00e4ter wechselte: an den Pool, den Strand oder in die N\u00e4he der Bar, w\u00e4hrend sie l\u00e4chelnd das Liegensuchen der anderen G\u00e4ste beobachtete.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wie w\u00e4re es in einem Hotel nur mit Russen? Da gibt es selbst im hei\u00dfen Sommer von Kos Pelze zu kaufen. Die weihnachtsbaumgeschm\u00fcckten Russinnen entnehmen das Geld daf\u00fcr b\u00fcndelweise ihren Tussen-Handtaschen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Richtig bl\u00fchen die RussInnen aber erst auf beim Essen und Trinken. Ihr gef\u00fchlter Anteil ist da doppelt so hoch wie der tats\u00e4chliche, so dass man bei 50 Prozent glaubt, es sind nur noch die Russen da. (Vielleicht hatte der Brite bei den Deutschen dasselbe Gef\u00fchl und es waren gar nicht <em>nur<\/em> Deutsche. Die verdoppeln sich ja schon durch ihre Handt\u00fccher.)<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Beim \u201erussischen B\u00fcffet\u201c sieht es so aus: Die Russen r\u00e4umen erst das gesamte B\u00fcffet tutto completto leer und stellen alle Sachen auf ihre Tische, so dass kein anderer mehr etwas davon haben kann. Neschle konnte erleben, wie eine einzige Sch\u00fcssel mit Kirschen auf dem Buffet ihren Weg auf einen russischen Kindertisch fand. Mama hatte daf\u00fcr gesorgt! Doch weil ihre Spr\u00f6sslinge auf ihrem Tisch, der sich unter den Speisen bog, andere Sachen sch\u00f6ner fanden, nahmen sie nur ganz wenige Kirschen. Der Rest der Kirschen und \u00fcberhaupt 80 Prozent aller Speisen, die zuvor vom B\u00fcffet genommen und auf den eigenen Tisch gestellt wurden, wanderten in den Hotelabfall und blieben dadurch den anderen Hotelg\u00e4sten vorenthalten. \u2013<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Doch regt Euch nicht auf Ihr Deutschen! Die Russen machen beim Essen genau das, was Ihr bei den Liegen tut: Sie reservieren alles f\u00fcr sich, unabh\u00e4ngig davon, ob sie es sp\u00e4ter auch nutzen. Bei Nahrungsmitteln findet Ihr das Pfui. Aber sonst? \u2013<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Sich den eigenen Tisch vollzuladen, aber das Meiste davon in den Abfall gehen zu lassen, scheint Manie der prolligen Protzelite Russlands zu sein. Apropos volladen oder voll laden: Das tun die Russen am Abend dann mit Wodka aus Wassergl\u00e4sern. Da wird es schon sehr lustig, nur nicht f\u00fcr alle anderen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Es scheint, als seien nationale Sitten nur ertr\u00e4glich, wenn sich Nationen nicht auch noch im Ausland zusammenballen. Was die meisten Touristen im Urlaub dazu dr\u00e4ngt, am Ballermann und anderswo, geradewegs die N\u00e4he ihrer Landsleute zu suchen, die sie schon im Alltag um sich haben, ist f\u00fcr Neschle ein Geheimnis. Doch er gibt zu: Nur Engl\u00e4nder, nur Russen, nur Japaner, \u2026 : Das ist auch anstrengend. Ja sogar nur Italiener! Die reden laut und schnell und sie gebrauchen Besteck, Geschirr und H\u00e4nde immer so kreativ, dass die Tische aussehen wie Schlachtfelder mit Kr\u00fcmelw\u00fcsten zwischendrin. Ein Saustall ist da aufger\u00e4umter. Da hilft nur. Tischtuch an allen vier Enden packen und alles in den M\u00fcll.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Allein in der Mischung werden es schlie\u00dflich so viele schlechte Sitten, dass man mit dem Reden dar\u00fcber gar nicht zu Ende k\u00e4me. Dann spricht man lieber <em>mit<\/em> den fremden Leuten statt \u00fcber sie. Und so kann es ein richtig sch\u00f6ner Urlaub werden: einer <span style=\"text-decoration: underline;\"><em>von<\/em><\/span> zuhause, aber keiner <span style=\"text-decoration: underline;\"><em>wie<\/em><\/span> zuhause. Sonst br\u00e4uchte man ja keinen Urlaub!<\/p>\n<p><a title=\"PDF-Datei\" href=\"http:\/\/www.neschle.de\/download-manager.php?id=106\">PDF-Datei<\/a><br \/>\nThis post was downloaded by  1172  people until now.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Brite kann sich mit Deutschen nicht abfinden. Er wird abgefunden. Zu viele Deutsche, zu viele Handt\u00fccher! Doch wer rettet uns vor Briten oder Russen? Weil ein Brite im Urlaub auf der griechischen Insel Kos zu viele Deutsche traf, musste ein Reiseveranstalter ihm 1.000 Euro erstatten. Wegen \u201everdorbener Ferien\u201c! Alle Sportkurse und sogar die Fernsehprogramme seien &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/neschle.de\/index.php\/au-aufschrei\/au-aufschrei-28\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eAu &#8230; Aufschrei 28\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[3,4],"tags":[14,44,53],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/326"}],"collection":[{"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=326"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/326\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":810,"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/326\/revisions\/810"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=326"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=326"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=326"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}