{"id":324,"date":"2008-06-03T15:20:41","date_gmt":"2008-06-03T14:20:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-45-23-woche-2007\/"},"modified":"2020-06-20T16:18:11","modified_gmt":"2020-06-20T15:18:11","slug":"leon-neschle-45-23-woche-2007","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-45-23-woche-2007\/","title":{"rendered":"Leon Neschle 45 (23. Woche 2007)"},"content":{"rendered":"<header>\n<h2 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #4f81bd\">Allein der Scharfsinn ist willkommen, doch es will nur Schafsinn kommen<\/span><\/strong><\/h2>\n<\/header>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>Prosodie verlass uns nie!&nbsp;<\/em>(fordert Neschles bester Bekannter)<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Neschle stellt immer wieder fest: Nur wer musikalisch ist, findet auch den Ton in einer fremden Sprache. Nur wer die Musik beim Sprechen sp\u00fcrt, h\u00f6rt sich so an, wie sich ein Einheimischer anh\u00f6ren k\u00f6nnte. Das gilt nicht nur f\u00fcr tonale Sprachen wie Mandarin, in dem der Ton bei einzelnen Silben auch die Bedeutung macht. Musik ist wie die Mathematik eine Welt-Sprache, doch jede Sprache ist auch Musik.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Frage \u201eWas willst Du denn schon wieder?\u201c scheint im Deutschen schriftlich klar formuliert. Und doch wird gesprochen (oder gesungen) aus ihr etwas v\u00f6llig anderes je nachdem, welche Sprachmusik man hineinsteckt. \u201eProsodie\u201c oder \u201eProsodik\u201c nennt man diese Sprachmusik, \u201eprosodisch\u201c ihren Ausdruck. Der Duden definiert \u201eProsodie\u201c hochgestochen als \u201eLehre von der metrisch-rhythmischen Behandlung der Sprache\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wie kommt Neschle auf solch ein Thema? Per Zufall, denn er hatte neulich einen Dissertationsentwurf auf dem Tisch, in dem Prosodie eine wichtige Rolle spielte.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Neschle verachtet unsere Rechtschreibreformer zutiefst, weil sie die Prosodie missachteten, die Sprachmusik verga\u00dfen. Mit Prosodie aber orientieren wir uns im Alltag, k\u00f6nnen Gemeintes von nicht Gemeintem unterscheiden und manchmal auch Gemeines von nicht Gemeinem. Welch ein Unterschied zwischen dem entt\u00e4uschten \u201eKeiner macht mich mehr <b>an<\/b>\u201c (Be<b>to<\/b>nung fett!) und dem begeisterten \u201eKeiner macht mich <b>mehr<\/b> an\u201c (aus der Werbung!)! Der schriftliche Satz \u201eKeiner macht mich mehr an\u201c erlaubt uns noch keinen Einblick in das Gemeinte, denn es fehlt die Sprachmusik.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wo wir Sprachmusik schriftlich ausdr\u00fccken k\u00f6nnen, sollten wir es tun! Allein um der Verst\u00e4ndigung wegen. Mit der Zusammen- und Getrenntschreibung ist uns eine M\u00f6glichkeit dazu gegeben. Es h\u00f6rt sich anders an, wenn man sagt: \u201eDer Sieger war vom Start bis zum <i>Ziel <b>f\u00fchrend<\/b><\/i>\u201c oder \u201eDie Argumentation der Verfasserin war nicht <b>z<i>iel<\/i><\/b><i>f\u00fchrend<\/i>\u201c. Oder \u201eDamit wir uns nicht zu nahe kommen, wollen wir uns auseinander <b>set<\/b>zen\u201c versus \u201eWir sollten Freunde sein und uns nicht dauernd ausein<b>ander<\/b>setzen\u201c. Auch prosodisch verschiedene W\u00f6rter <b>gleich<\/b>zuschreiben (nicht \u201egleich zu <b>schrei<\/b>ben\u201c, weil es nicht sofort sein muss), vergr\u00f6\u00dfert die L\u00fccke zwischen m\u00fcndlichem und schriftlichem Ausdruck, l\u00e4sst das Gemeinte unklarer werden und beeintr\u00e4chtigt die Funktion der Schriftsprache f\u00fcr den Leser.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Es zeugt auch nicht von Vertrauen in die Musikalit\u00e4t der Schreiber, ganz abgesehen davon, dass Rechtschreibung ohnehin aus der Sicht des Lesers gestaltet werden sollte (<a href=\"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-6-13-woche-2007\/\">Neschle 6<\/a>). Das w\u00e4re fast dasselbe, als w\u00fcrde man die Zeichensetzung verbieten, mit der man in der Prosodie der S\u00e4tze Zeichen setzen kann.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>A. Der Ton macht auch die Sprachmusik!<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">\u201eWas willst Du denn schon wieder?\u201c war unser Ausgangspunkt. Obwohl es immer ein Fragesatz bleibt, sind verschiedenste Auspr\u00e4gungen m\u00f6glich. Nachfolgend einige prosodische Beispiele:<\/p>\n<ul style=\"text-align: left;\">\n<li>&#8222;Was <b>willst<\/b> Du denn schon wieder?\u201c: Nun komm nicht dauernd an, etwas zu wollen!<\/li>\n<li>&#8222;Was willst <b>Du<\/b> denn schon wieder?\u201c: Es ist immer derselbe, der mich st\u00f6rt, indem er etwas von mir will: Du!<\/li>\n<li>&#8222;Was willst Du denn&nbsp;<b>schon<\/b> wieder?\u201c Du hast doch gerade etwas bekommen. Ein wenig uners\u00e4ttlich (falls es das geben kann: <i>wenig<\/i> uners\u00e4ttlich) bist Du schon.<\/li>\n<li>&#8222;<b>Was<\/b>, willst Du denn schon <b>wieder<\/b>?\u201c Das ist ja v\u00f6llig unglaublich, dass Du schon wieder willst und kannst. \u2013<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: left;\">Im letzten Fall unterst\u00fctzt das Komma die Sprechpause nach dem erstaunten Ausruf, der eigentlich zwei Fragen trennt: \u201eWas?\u201c und \u201eWillst Du denn schon wieder?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Bis auf das Komma fehlen uns hier schriftliche Unterscheidungsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr das m\u00fcndlich Gemeinte, vom ungeliebten Fettdruck und unbeliebten Umschreibungen abgesehen: \u201e\u2019Was willst Du denn schon wieder?\u2019, fragte sie mit starker Betonung auf dem \u201aDu\u2019\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Das Komma zeigt uns an, dass an dieser Stelle die Stimme absinkt. Das kann fatale Folgen f\u00fcr die Bedeutung haben. Ein sch\u00f6nes Beispiel daf\u00fcr ist bei <a href=\"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-6-13-woche-2007\/\">Neschle 6<\/a> in einer Fu\u00dfnote versteckt. Es wird Zeit, es von diesem Fu\u00df(noten)geruch zu befreien:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u201eDu hast den sch\u00f6nsten Hintern weit und breit\u201c scheint eine klare und durchaus schmeichelhafte Ansage zu sein. Aber nicht, wenn man die Stimme am Ende des Hinterns absinken l\u00e4sst. Das verbreitert n\u00e4mlich den Hintern und verbreitet nicht unbedingt seinen untadeligen Ruf. Dann wird daraus schriftlich: \u201eDu hast den sch\u00f6nsten Hintern<b><i>,<\/i><\/b> weit und breit.\u201c Das ist entweder eine sp\u00f6ttische Bemerkung oder das Bekenntnis zu einer besonderen Vorliebe, wenn man dabei m\u00fcndlich wie folgt betont: \u201eDu hast den <b>sch\u00f6n<\/b>sten Hintern, weit und breit\u201c. Die Sprachmusik entscheidet eben manchmal beim gesprochenen Wort, ein winziges Komma beim geschriebenen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ein \u00e4hnliches Beispiel mit Zeichensetzung ist: \u201eFlei\u00dfig war sie<b>,<\/b> nicht ohne Bedauern sehen wir sie scheiden.\u201c Darin zeigt sich ein dezentes Lob im Zeugnis einer Mitarbeiterin. Das Gegenteil wird aber daraus, wenn man die Stimme ein Wort sp\u00e4ter senkt. Schriftlich deutet das wieder das Komma an: \u201eFlei\u00dfig war sie nicht<b>,<\/b> ohne Bedauern sehen wir sie scheiden.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Der Autobauer Ford hatte den Werbespruch \u201eFord. Besser ankommen.\u201c Damit war gemeint, man k\u00e4me im Ford besser (erholter, entspannter) an als nach der Fahrt im Zug oder in irgendeinem anderen Auto. Doch Sprachmusikbanausen verstanden den Spruch anders. Im schriftlichen Ausdruck etwa so: \u201eFord? (Nein!) Besser ankommen!\u201c Also: \u201eFord fahren? Um Gottes willen! Da w\u00e4re es doch besser anzukommen\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Irgendwann erfrischt es jeden. Bei Ford merkte man etwas und \u00e4nderte die Werbung. (So wie bei Douglas, nachdem man begriffen hatte, was die Leute verstanden, wenn man warb mit \u201eCome in and find out!\u201c Die dachten meist \u201eKomm herein und finde wieder heraus!\u201c. Das h\u00e4tte auch Werbung f\u00fcr einen Irrgarten sein k\u00f6nnen.)<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">In manchen F\u00e4llen fehlen uns sogar die M\u00f6glichkeiten, das Gemeinte durch Zeichensetzung zu verdeutlichen. Dann geht es nur noch mit Betonung, wie in der Antwort auf die folgende Beschimpfung: \u201eSie sind der gr\u00f6\u00dfte Idiot, den ich kenne!\u201c<i> <\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die erste Antwort ist plump und belehrend: \u201eSie ver<b>ges<\/b>sen sich.\u201c Das hat schon immer ein Oberlehrer zum anderen gesagt. Die zweite Antwort zeugt von unvergleichlich mehr Witz und verlangt etwas Intelligenz vom Zuh\u00f6rer: \u201eSie vergessen <b>sich<\/b>.\u201c Mit dieser Antwort macht man den Beleidiger zum gr\u00f6\u00dften Idioten, w\u00e4hrend man selbst \u2013 durchaus noch bescheiden \u2013 nur in die Rolle des zweitgr\u00f6\u00dften schl\u00fcpft. Ein solcher Return w\u00fcrde beim Tennis den Aufschl\u00e4ger verdattert zur\u00fccklassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Solche Beispiele finden sich auch und gerade in ganz allt\u00e4glichen S\u00e4tzen. Das folgende Beispiel habe ich von einem lieben Freund \u201egeliehen\u201c, der mir deshalb hoffentlich nicht b\u00f6se ist. Immerhin k\u00f6nnte ihn das ehren, wenngleich ich hier aus Gr\u00fcnden der Vereinfachung auf die komplette und formal richtige prosodische Darstellung verzichte (Man m\u00f6ge mir das nachsehen! Dies ist kein Artikel f\u00fcr Fachleute.) :<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">1) \u201eWas hast Du ge<b>macht<\/b>?\u201c Ohne deutliche Stimmenanhebung gesprochen, ist die Frage rein informativ ohne negativen Beiklang. Sie zeugt von Interesse f\u00fcr den anderen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">2) Was hast Du ge<b>MACHT<\/b>? Mit einer \u00fcberkr\u00e4ftigen Stimmenanhebung klingt pl\u00f6tzlich mit \u201eDu Ungl\u00fccksrabe!\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">3) <b>WAS <\/b>hast Du ge<b>ma<\/b>cht? Das klingt nach: \u201eIch glaub\u2018, ich h\u00f6r\u2018 nicht richtig: Was hast Du gemacht?\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">4) Was hast <b>Du<\/b> gemacht? Hier meint der Sprecher: \u201eIch will nicht wissen, was die anderen taten. Ich will wissen, was Du gemacht hast?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">5) \u201eWas <b>hast<\/b> Du gemacht!\u201c als verk\u00fcrzter Ausrufesatz arbeitet schriftlich schon mit dem Einsatz eines anderen Zeichens. So macht derselbe Text den direkten Vorwurf: \u201eWas hast Du nur angestellt!&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">W\u00fcrden wir nicht am Klang feststellen, was gemeint ist, w\u00e4ren wir aufgeschmissen. So wie der v\u00f6llig unmusikalische Autofahrer, dessen Navigationsger\u00e4t durch eine weibliche Stimme zu ihm sagte: \u201eNach dreihundert Metern links halten!\u201c. Das tat er wie gehei\u00dfen und verursachte jede Menge Auffahrunf\u00e4lle, weil er mitten im Autobahnkreuz auf der linken Seite stehenblieb (Ich schreibe nicht \u201estehen blieb\u201c, denn er sa\u00df ja im Auto!). Seine navigatorische Beigeordnete hatte gesagt: \u201eNach dreihundert Metern <b>links<\/b> halten!\u201c. Er aber folgte dem Befehl: Nach dreihundert Metern links <b>hal<\/b>ten!\u201c. So ist es denn allein die Prosodie, die uns hier vor fatalen Irrt\u00fcmern mit schweren Unfallfolgen bewahren kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">W\u00e4hrend wir im Alltag t\u00e4glich mit der Prosodie umgehen, nahmen die Rechtschreibreformer an, sie k\u00f6nnte uns nicht vor Rechtschreibfehlern bewahren. Deshalb gestalteten sie die Zusammen- und Getrenntschreibung ohne R\u00fccksicht darauf.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>B. Prosodie und Rechtschreibung<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Zur <b>Zeit<\/b> Karls des Gro\u00dfen beherrschte nicht einmal der Kaiser die Rechtschreibung. <b>De<\/b>rzeit aber sollen es alle k\u00f6nnen. Doch zur<b>zeit<\/b> ist es umstritten, ob es nach der Prosodie nicht immer \u201ezur Zeit\u201c hei\u00dfen sollte. Denn anders als bei \u201e<b>der<\/b>zeit\u201c liegt die Betonung hier auf der zweiten Silbe.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Fr\u00fcher schreib man trotz des Bedeutungsunterschiedes wegen derselben Prosodie immer \u201ezur Zeit\u201c. Die Prosodie formte auch unsere Rechtschreibregeln. Heute soll man in einem Fall \u201ezurzeit\u201c wie \u201ederzeit\u201c schreiben. Viel h\u00e4ufiger deutet die Prosodie aber inhaltliche Unterschiede an, gerade wenn der Sachverhalt nicht so klar ist wie oben. Dann wird es gef\u00e4hrlich, bei der Rechtschreibung auf sie zu verzichten, denn dann kommt das Gemeinte nicht mehr zum Leser.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wenn wir \u2013 und damit meine ich nicht nur, vielleicht sogar gerade nicht die Verbildeten \u2013 in der Lage sind, in unserer Alltagssprache allein am Klang, an der Betonung und am Rhythmus des Sprechers solche Bedeutungsunterschiede zu erkennen, warum sollen wir dann<\/p>\n<ol style=\"text-align: left;\">\n<li>nicht in der Lage sein, viel gr\u00f6ber zu unterscheiden, ob jemand \u201eallgemein ver<b>st\u00e4nd<\/b>lich\u201c sagt oder \u201eallge<b>mein<\/b>verst\u00e4ndlich\u201c,<\/li>\n<li>darauf verzichten, diesen Unterschied auch schriftlich kenntlich zu machen, wo es die deutsche Sprache fr\u00fcher erlaubt hat.<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Reform hatte uns zun\u00e4chst dieser M\u00f6glichkeit beraubt. Aber \u201eallgemein ver<b>st\u00e4nd<\/b>lich\u201c bedeutete immer \u201eim Allgemeinen (bis auf ein paar Unverst\u00e4ndlichkeiten) verst\u00e4ndlich\u201c, w\u00e4hrend \u201eallge<b>mein<\/b>verst\u00e4ndlich\u201c immer hie\u00df \u201ef\u00fcr jeden (die Allgemeinheit) ganz und gar verst\u00e4ndlich\u201c. Die Reform der Reform hat die Schreibweise an dieser Stelle wieder auf die Varianten und Ausdrucksm\u00f6glichkeiten der alten Schreibweise zur\u00fcckgef\u00fchrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Reformer hatten entscheiden: Man soll f\u00fcr die Rechtschreibung weder fragen (m\u00fcssen), ob etwas w\u00f6rtlich oder im \u00fcbertragenen Sinn gemeint ist, ob man <i>eine offen stehende T\u00fcr<\/i> (w\u00f6rtliche Bedeutung) oder <i>einen offenstehenden Betrag <\/i>(\u00fcbertragene Bedeutung) meint. Auch die Betonung (die Prosodie) soll keine Rolle spielen: Nicht der Ton sollte mehr begr\u00fcnden, warum <i>\u201edaf\u00fcr halten\u201c (w\u00f6rtlich) <\/i>getrennt (\u201eIch werde doch nicht extra <b>da<\/b>f\u00fcr <b>hal<\/b>ten\u201c) und ein anderes <i>\u201eda<b>f\u00fcr<\/b>halten\u201c zusammengeschrieben wird. <\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Allein formalgrammatische Kriterien sollen nun bestimmend sein. Das aber erschwert die Rechtschreibung und erleichtert sie nicht. Denn nun entscheiden statt Verstand und Geh\u00f6r allein gepaukte Regeln. Die neuen Regeln verlangen sogar, dass man Verstand und Geh\u00f6r ausschaltet. Sie verbieten den Menschen Denken und H\u00f6ren, machen sie zu Sklaven sinnverletzender, formalb\u00fcrokratischer \u00dcbungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Neschle macht hier Schluss. Weiteres steht in <a href=\"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-6-13-woche-2007\/\">Neschle 6<\/a> mit Lieblingsbeispiel:<i> \u201eBombay setzt im Kampf gegen Menschen jagende Leoparden auf Schweine\u201c<\/i>. Da wird der Leser mit Beispielen \u201e<b>wohl<\/b>versorgt\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Oder \u201ewohl ver<b>sorgt<\/b>\u201c? Lassen wir es bei der ersten Version. Dem Leser wird wohl be<b>kannt<\/b> sein warum, selbst wenn er kein <b>wohl<\/b>bekannter Rechtschreibreformer ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Niemals wird Neschle sich Denken und H\u00f6ren von Rechtschreibreformern verbieten lassen. Seine Sprache lebt und er wird sie leben lassen: gegen ihren formalgrammatischen Tod in den gedanken- und tonlosen Welten von Rechtschreiblingen, die den Leser und H\u00f6rer vergessen haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p style=\"text-align: center;\">Rechtschreibung kriegt man heute hin<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">ganz ohne Wortklang, ohne Sinn.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Allein nach der Grammatik Regeln<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">soll man durch W\u00f6rterseen segeln.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">So hat der Rechtschreibb\u00fcrokrat<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Musik und Geist uns ganz erspart.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p style=\"text-align: center;\">Vorn war\u2019n wir einst im Dichten, Denken,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">nun soll\u2019n wir uns das alle schenken.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Diese Reform kann echt nur lieben,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">wer geistig ist zur\u00fcckgeblieben.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p style=\"text-align: center;\">Der Scharfsinn ist nicht mehr willkommen,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">wo \u00fcber uns soll Schafsinn kommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Soll\u2019n trotten wie das liebe Vieh<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">nach neuester Orthografie.<\/p>\n<p><a title=\"PDF-Datei\" href=\"http:\/\/www.neschle.de\/download-manager.php?id=105\">PDF-Datei<\/a><br \/>\nThis post was downloaded by  1299  people until now.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Allein der Scharfsinn ist willkommen, doch es will nur Schafsinn kommen Prosodie verlass uns nie!&nbsp;(fordert Neschles bester Bekannter) Neschle stellt immer wieder fest: Nur wer musikalisch ist, findet auch den Ton in einer fremden Sprache. Nur wer die Musik beim Sprechen sp\u00fcrt, h\u00f6rt sich so an, wie sich ein Einheimischer anh\u00f6ren k\u00f6nnte. Das gilt nicht &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-45-23-woche-2007\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eLeon Neschle 45 (23. Woche 2007)\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[4,6],"tags":[50,14,52,40,12],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/324"}],"collection":[{"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=324"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/324\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1019,"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/324\/revisions\/1019"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=324"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=324"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=324"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}