{"id":317,"date":"2008-05-13T08:33:55","date_gmt":"2008-05-13T07:33:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-42-19-20-woche-2008\/"},"modified":"2020-06-21T10:31:59","modified_gmt":"2020-06-21T09:31:59","slug":"leon-neschle-42-19-20-woche-2008","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-42-19-20-woche-2008\/","title":{"rendered":"Leon Neschle 42 (19-20. Woche 2008)"},"content":{"rendered":"<header>\n<h2 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #4f81bd\">Das M\u00e4rchen von den gl\u00e4sernen Taschen<\/span><\/strong><\/h2>\n<\/header>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>Wir d\u00fcrfen jetzt nur nicht den Sand in den Kopf stecken.&nbsp;<\/em>(Lothar Matth\u00e4us)<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wenn alles offen wird, wird alles gut. Wenn wir erst im Glashaus sitzen, kann niemand mehr mit Steinen werfen. Wenn alle gl\u00e4serne Taschen haben, wird die Entlohnung gerecht. Die Gro\u00dfen werden weniger verdienen, die Kleinen mehr. Niemand kann vor anderen verstecken, was er verdient. Jeder kann und darf auch bei jedem dar\u00fcber urteilen, so oft und viel er will. Er kann sagen, ob jemand etwas nicht verdient, obwohl er es tut, weil ihm ein anderer das <i>unverst\u00e4ndlicherweise<\/i> zahlt. Das schafft Frieden an der Verteilungsfront! Das ist ge- und erlebte Demokratie!?<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">So dachten das diejenigen, die daf\u00fcr pl\u00e4dierten, Managergeh\u00e4lter kompromisslos aufzudecken. Die <i>Denk-<\/i>Sozialen, die man von <i>Tat-<\/i>Sozialen unterscheiden muss, malten sich aus: Man muss die Mangement-Geh\u00e4lter aus der Grauzone des Halbwissens herauszerren. Dann werde man sie unter \u00f6ffentlicher Kontrolle haben und die Geldgier im Zaum halten, weil die nun f\u00fcr jedermann sichtbar werde.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Das Gegenteil ist eingetreten. Die Denk-Sozialen haben wieder einmal allein auf ihre gute Absicht gesetzt, ohne die Folgen zu bedenken. Denn die gl\u00e4sernen Taschen haben den Stoff geliefert, der die Gier entfachte: die Information \u00fcber das Gehalt der anderen. Das erz\u00e4hlt nun das \u201eWahre M\u00e4rchen von den gl\u00e4sernen Taschen\u201c.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>A. Die gl\u00e4sernen Taschen und der Beginn der Gehaltsspirale<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Es war einmal ein Manager. Der hielt sich selbst und die meisten seiner Zunft f\u00fcr rechtschaffen, denn er war ein ordentlicher Kaufmann. Der Manager verdiente gutes Geld, f\u00fcr das ihn manche beneideten, ohne dass sie wirklich wussten, was er verdiente. Seine Taschen blieben dem Blick der Menschen verborgen, auch dem der anderen Manager. Nur der uners\u00e4ttliche Fiscus fasste ihm zuweilen hinein. Das mochte der Manager nicht, weil danach immer eine Menge fehlte.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Eines Tages meinten der K\u00f6nig und seine Minister, es w\u00e4re sch\u00f6n, wenn alle Manager dem Volke offen zeigten, was sie mit ihrer Arbeit verdienten. Er erlie\u00df einen Erlass, in dem es keinem Manager erlassen wurde, vor dem Volk die Hosen herunterzulassen. Von nun an sollten alle Manager gl\u00e4serne Taschen haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Das Volk war neugierig auf den Inhalt der Taschen, auch wenn es die eigenen Taschen gern bedeckt hielt. Viele wollten das Wort \u201eWas Du nicht willst, das man Dir tu, das f\u00fcg auch keinem anderen zu!\u201c nicht auf sich, sondern nur auf andere anwenden. Die nannte man \u201esozial\u201c, weil sie immer nur an die anderen dachten.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Nun konnte jeder sehen, was die Top-Leiter einsackten. Mit ihren gl\u00e4sernen Hosens\u00e4cken standen sie f\u00fcr alle sichtbar an der Spitze der Einkommensleiter des K\u00f6nigreichs. Nur ein paar Spielm\u00e4nner und Ballartisten, deren Zaubereien die Menschen erfreuten, verdienten mehr. Die durften ihre Taschen zugekn\u00f6pft halten. Doch die Spatzen des K\u00f6nigreichs pfiffen deren Inhalt von den D\u00e4chern.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Leute staunten ob der f\u00fcrstlichen Geh\u00e4lter. Keiner aber war anfangs entsetzt, manche nur ein wenig neidisch. Doch das waren Leute, die den Nachbarn um sein Blumenbeet beneideten, aber selbst nie zum Spaten griffen. Die Neugier der Menschen war befriedigt. Sie wandten sich ihren Gesch\u00e4ften zu, so wie der K\u00f6nig und seine Minister. Die waren \u00fcberzeugt, die gl\u00e4sernen Taschen w\u00fcrden die Manager f\u00fcr alle Zukunft hindern, sich die Taschen vollzustopfen. \u2013 Und doch kam es anders:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Nun wusste der Manager der Kreis AG, was die Manager der Kreuz -, Quadrat-, Stern-, Oval- und Raute AG verdienten. Was er aber sah, \u00e4rgerte ihn ma\u00dflos. Bei der Quadrat AG etwa lief bei weitem nicht alles so rund wie in seiner Kreis AG und deren Ums\u00e4tze waren niedriger. Dennoch verdienten deren Manager mehr.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">So ging er, um sich Rat zu holen bei seinem Aufsichtsrat. \u201eWas ist schon die Quadrat AG im Vergleich zur Kreis AG?\u201c, meinte der Aufsichtsrat. Daher sollten die Manager der Kreis AG k\u00fcnftig mehr verdienen als die der Quadrat AG.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Gesagt, getan! Das Gehalt bei der Kreis AG stieg mit Schwung \u00fcber das der Quadrat AG. Wegen der gl\u00e4sernen Taschen merkten das nun alle Manager, auch die der Quadrat AG. Die sagten zu sich: \u201eFr\u00fcher haben wir mehr verdient. Wir haben mehr Arbeitnehmer und tragen eine h\u00f6here Verantwortung. Wir machen auch mehr Gewinn als die Kreis AG mit ihrem h\u00f6heren Umsatz.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Sie trugen ihr Anliegen nun vor ihren Aufsichtsrat, der in solidarischer Eintracht mit der Quadrat AG stand. Nat\u00fcrlich hielt er sie f\u00fcr besser als die Kreis AG. W\u00e4hlte man nur die \u201erichtigen\u201c Kennzahlen, konnte man das auch beweisen. So hatte der Aufsichtsrat der Quadrat AG ein Einsehen und hob aus Gr\u00fcnden des Ansehens seiner selbst und der Quadrat AG das Gehalt seiner Top-Manager wieder \u00fcber das der Kreis AG. Da auch dieses h\u00f6here Einkommen in die gl\u00e4sernen Taschen gef\u00fcllt wurde, konnten es wieder alle sehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Einige Manager kamen sogar auf den Gedanken, \u00fcber das eigene K\u00f6nigreich hinaus zu schauen. Da gab es ein K\u00f6nigreich, das einstmals reicher war als das eigene. Da verdienten die Manager noch mehr, ohne dass sie es verdient h\u00e4tten. Das wollte man bei den Managern des K\u00f6nigreichs nun auch.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">In dem anderen K\u00f6nigreich trugen sogar alle freiwillig gl\u00e4serne Taschen, besonders die erfolgreichen Manager. Sie wollten beweisen, dass sie zu den Auserw\u00e4hlten geh\u00f6rten. Die wahre Einkommensverteilung wurde nach ihrer Meinung n\u00e4mlich im Himmel beschlossen. Also entschied Gott selbst dar\u00fcber. Da konnte nicht mal der K\u00f6nig etwas dran \u00e4ndern. Wer noch auserw\u00e4hlter erscheinen wollte als die schon Auserw\u00e4hlten, der musste daf\u00fcr sorgen, dass er noch mehr verdiente. Denn das konnte er nur mit Gottes Hilfe. Auf diese Weise motiviert und \u00fcber gl\u00e4serne Taschen informiert schraubten und schraubten sie dort an der Gehaltsspirale.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Manager im eigenen K\u00f6nigreich brauchten diese Motive nicht. Sie dachten nur \u201eMehr ist besser!\u201c Wer mehr verdiente, war bedeutender. Ein neues Gesellschaftsspiel war geboren: \u201eTaler, Taler, Du musst rollen!\u201c. Dabei schraubten Manager gegenseitig die Geh\u00e4lter hoch, immer mit Blick auf die gl\u00e4sernen Taschen der anderen. Und sogar der meistverdienenste Meistverdiener unter den Top-VIPern hatte das Gef\u00fchl, ein Besserverdiener k\u00f6nne daherkommen und seine Position gef\u00e4hrden. Deshalb sollten auch bei ihm haltlose Gehaltserh\u00f6hungen vorgenommen werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Der Aufsichtsrat hatte meist Verst\u00e4ndnis: Schlie\u00dflich ging es hier um Ruf und Bedeutung der Firma. Welch tiefer Fall, wenn man nicht mehr die h\u00f6chsten Geh\u00e4lter zahlte! Dann wurde doch von den Leuten sofort unterstellt, dass man sie nicht mehr zahlen <i><u>konnte<\/u><\/i>. Das aber zerrte am Image und brachte einem die H\u00e4me der Konkurrenz. Nachwuchskr\u00e4fte w\u00fcrden einen Bogen dann um die Firma machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Das Ansehen der Firma musste der Aufsichtsrat sch\u00fctzen. Da galt es, die Position der Firma bei den Managergeh\u00e4ltern zu wahren. Wer am besten zahlte, der konnte sich das auch leisten, weil er schlicht der Beste war oder zumindest so scheinen wollte. Das war die Botschaft!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Was waren das ruhige Zeiten an der Gehaltsfront als niemand genau wusste, was der andere Top-Manager verdiente und es die \u00d6ffentlichkeit nicht sehen konnte! Da brauchte man sich um seinen Ruf keine Gedanken zu machen. Jetzt aber konnte jedermann jederzeit im Gehalts-Ranking sehen, was f\u00fcr eine Flasche man war, verglichen mit Managern der Konkurrenz. Das war peinlich, sehr peinlich. Dagegen musste man etwas tun!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Das fiel leicht. Schlie\u00dflich kannte man ja die Sackgesichter bei der Konkurrenz. Die kochten nicht nur mit Wasser, sondern auch mit unsauberem. Da war man klar besser und hatte deshalb sein h\u00f6heres Gehalt redlich verdient. Was sollten Aufsichtsrat und Arbeitnehmer denken, wenn man sich hier nicht durchsetzte? So gingen die Manager also hin, forderten mehr, bekamen mehr. Auch die anderen gingen hin, forderten mehr, bekamen mehr. Das erregte die ersten und l\u00f6ckte wider ihren Stachel. So wucherten die Geh\u00e4lter wie einst der S\u00fc\u00dfe Brei (Doch das ist ein anderes M\u00e4rchen!).<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Leute sahen das mit Staunen und erregten sich \u00fcber die nunmehr prallen F\u00fcllungen der gl\u00e4sernen Taschen. Die aber waren das Ergebnis der von ihnen selbst gewollten Politik der gl\u00e4sernen Taschen. Doch das erkannten sie nicht, schon weil sie sich nicht selbst die Schuld daran geben wollten, sondern den Managern.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">So str\u00f6mte der gelbe Geifer der Gier aus den gl\u00e4sernen Taschen in die Welt des Managements. Der nagende Neid ergoss sich daraus \u00fcber die Herolde des K\u00f6nigs, die Moritatens\u00e4nger und die gemeinen Leute des K\u00f6nigreiches. Und wenn der Neid uns nicht gefressen hat, dann n\u00f6rgeln wir noch heute.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>B. Sage nun ja keine(r): Man konnte es nicht wissen.<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Verstehen konnten unsere Politiker diese Zusammenh\u00e4nge offenbar nicht, obwohl sie die Gehaltsdimensionen in den USA kannten, wo Glastaschen Tradition sind. Sie k\u00f6nnen noch heute nicht die richtigen Folgen daraus ziehen. So kommen einige auf die Schnapsidee, die Geh\u00e4lter der Manager nach oben hin zu deckeln, um damit genau den Schaden zu begrenzen, den die von ihnen selbst verordneten gl\u00e4sernen Taschen angerichtet haben (<a href=\"https:\/\/neschle.de\/index.php\/au-aufschrei\/au-aufschrei-27\/\">Aufschrei 27<\/a>).<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Sie vergessen dabei, das Management st\u00e4rker in die finanzielle Verantwortung zu nehmen. Denn heute k\u00f6nnen auch Versager \u00fcber das Wunder der Option an ihrem eigenen Versagen verdienen, wenn sie die Unternehmung verlassen (<a href=\"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-39-14-16-woche-2008\/\">Neschle 39<\/a>).<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Fragen wir am Ende noch nach der Moral von der Geschichte:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">In der Gesellschaft werden Dinge nicht durch die Wirklichkeit ver\u00e4ndert, sondern durch das, was die Leute, richtig oder falsch, \u00fcber die Wirklichkeit denken. Informationen lenken unser Denken. Ob und wie sie die Wirklichkeit ver\u00e4ndern, h\u00e4ngt davon ab, ob sie \u00fcberhaupt in Handlungen umgesetzt werden, wer sie zu welchem Zweck umsetzt und wie er sie umsetzt bzw. umsetzen kann und darf.<\/p>\n<ol style=\"text-align: left;\">\n<li>Die meisten Informationen, die von unserer ausufernden B\u00fcrokratie und schwatzhaften Presse erzeugt werden, fristen ihr trostloses Dasein auf Datenfriedh\u00f6fen, von denen das Internet der gr\u00f6\u00dfte und internationalste ist. Nur einige Nekrophile pflegen dauernden Umgang mit den Datenfriedh\u00f6fen. Manche Journalisten graben selbst untote Informations-Zombies ans Tageslicht.Die Totenruhe der Informationen \u00fcber Managergeh\u00e4lter wird neuerdings empfindlich gest\u00f6rt, seitdem die aus dem beschaulichen Dasein eines intimen Kleinfriedhofs und die Mitte des Zentralfriedhofs verschoben wurden. Sie bekommen dort \u00fcberproportional von viel Besuch von Managern. Die Informationen aus den gl\u00e4sernen Taschen befriedigen vor allem das Interesse der Manager. Politiker, Presse und \u00d6ffentlichkeit stehen weit hinten an, selbst wenn sich neuerdings immer mehr daf\u00fcr interessieren. Doch sie kommen zu sp\u00e4t, sind weniger beharrlich und intensiv, haben viel weniger Eigeninteresse. So richtig n\u00fctzt diese Information n\u00e4mlich nur den Managern selbst.<\/li>\n<li>Die Presse braucht Informationen, um Sensationen zu verbreiten, sich moralisch zu ereifern und zu erh\u00f6hen \u00fcber die Gier der Management-Elite. Damit f\u00fcttert sie, wie mit anderen Negativmeldungen, das Bed\u00fcrfnis der Leute, sich eher moralisch \u00fcber andere (hinweg) zu setzen als Gutes von ihnen zu h\u00f6ren und sich dabei kleiner zu f\u00fchlen.Politiker brauchen die Informationen, um Vorschl\u00e4ge \u00fcber Gehaltsbegrenzungen zu machen. Die werden dann umgegangen, fordern wieder neue Regelungen, die wieder umgangen werden, was weitere Regelungen erfordert, die \u2026. . So haben sie immer Arbeit, k\u00f6nnen \u00fcber Managergeh\u00e4lter schimpfen und trotzdem die eigenen Di\u00e4ten erh\u00f6hen.All das sind \u201einteressante\u201c Fragen. Doch was sind die im Vergleich zu dem Interesse, das die Manager selbst an diesen Informationen haben? Sie k\u00f6nnen bei weitem das meiste mit diesen neuen Informationen anfangen, f\u00fcr sich selbst, f\u00fcr ihre eigenen Interessen.\n<p>Sie bekommen durch diese Informationen die \u201eVergleichsma\u00dfst\u00e4be\u201c, wie Benchmarks fr\u00fcher hie\u00dfen, an denen sie ihr eigenes Gehalt hochziehen k\u00f6nnen. Argumente finden sich immer, ebenso wie eine Auswahl von Kennzahlen, die begr\u00fcnden, warum Manager anderer Unternehmungen zu Unrecht mehr verdienen. Da man darauf keinen Einfluss hat, kann man das Unrecht leider nicht dadurch beseitigen, dass man deren Gehalt senkt. Was bleibt also noch als das eigene zu erh\u00f6hen?<\/p>\n<p>Dabei hatten es die Politiker mit den gl\u00e4sernen Taschen ganz anders gemeint. \u201eGut gemeint\u201c und nicht \u201eschlecht\u201c ist bekanntlich das Gegenteil von \u201egut\u201c. Freiwillig h\u00e4tte in Deutschland, anderes als in den USA, kaum einer der Manager diese Informationen herausger\u00fcckt. Zwar hat jeder Interesse an Daten der anderen, zugleich will er sich aber nicht selbst auf den Pr\u00fcfstand stellen. Wie bei einer Peep-Show sind die meisten lieber Zuschauer als Showstars. Aber wo alle die Hosen runter haben, kann man auch vergleichen. Manche Frauen w\u00fcrden sagen, auf typisch m\u00e4nnliche Weise.<\/li>\n<li>Unser Rechtsystem verbietet den Managern nicht, ihre neuen Informationen umzusetzen. <i>Wie<\/i> sie das tun, mit welcher Selbstverst\u00e4ndlichkeit, welch geringem Fingerspitzengef\u00fchl, das erregt die Leute mehr als die Tatsache, dass sie es tun. Doch wer in eigener Sache schlechte Unternehmenspolitik macht, kann es in anderen Dingen durchaus besser machen. Ein Sprichwort schreibt schlie\u00dflich dem Schumacher selbst die schlechtesten Schuhe zu.<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Politik der gl\u00e4sernen Taschen f\u00fcr Managergeh\u00e4lter hat eine Transparenz auf den Markt gebracht, von der man vorher nur tr\u00e4umen konnte. Ich sage provokant und gegen den Strom, aber vor dem Hintergrund der Wirtschaftstheorie: <i>Durch die verbesserte Markttransparenz auf dem Markt f\u00fcr Managementleistungen werden daher dort eher heute als fr\u00fcher marktgerechte Geh\u00e4lter gezahlt.<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Statt auf sozialistische Art am Ergebnis zu feilen und das Spielergebnis am gr\u00fcnen Tisch zu korrigieren, sollte es darum gehen, die Rahmenbedingungen dieses Marktes f\u00fcr Managementleistungen zu ver\u00e4ndern, vor allem bei der pers\u00f6nlichen Haftung des Managements. \u2013 Gab sich der Manager auf diesem Markt fr\u00fcher eher bescheiden, ist er heute emp\u00f6rt, erz\u00fcrnt dar\u00fcber, welcher Pannemann unter seinen Kollegen hier wie viel mehr verdient als er, wo er selbst doch im fast nicht mehr zul\u00e4ssigen Vergleich str\u00e4flich unterbezahlt ist. Die Kollegen sind ohnehin nur Leute, die v\u00f6llig talent- und eignungsfrei dasselbe tun d\u00fcrfen wie man selbst.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wer will es Managern verwehren, ihr Gehalt nicht in Relation zum einfachen Arbeiter setzen, sondern zu dem ihrer Kollegen in anderen Unternehmungen. Man misst sich doch an Vergleichbaren im eigenen Markt oder zumindest an vergleichbar gemachten. Wer hier irgendwelche Relationen zwischen Arbeitnehmer und Managergeh\u00e4ltern in den Blickpunkt r\u00fcckt, der hat den Schuss der Marktwirtschaft nicht geh\u00f6rt. Wer wundert sich da noch, warum weder Mittel noch Prognosen stimmen. Doch wann wird man je versteh\u2019n, when will they ever learn.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Fr\u00fcher hatt\u2019 man seine Ruh,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">da waren alle Taschen zu.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Doch seit die Taschen gl\u00e4sern,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">ist\u2019s mit der Ruh gewesern.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Denn nun erregt man sich sehr leicht,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">wenn man mit anderen sich vergleicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p style=\"text-align: center;\">Wer mehr verdient, der gilt auch mehr,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">das \u00e4rgert and\u2019re manchmal sehr,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">wenn sie sich selbst f\u00fcr besser halten,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">woll\u2019n sie es sehn an den Gehalten. (na ja!)<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Weil die nun allen unterbreitet,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">wird auch zum Feilschen sehr verleitet.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p style=\"text-align: center;\">Sie sollten bremsen einst die Gier,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">doof stehen wir nun alle hier,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">erkennen es zu aller Leid,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">sie brachten uns nur Gier und Neid.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Gl\u00e4serne Taschen hab\u2019n\u2019s gemacht:<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\u201eGut\u201c ist das Gegenteil von \u201egut gedacht\u201c.<\/p>\n<p><a title=\"PDF-Datei\" href=\"http:\/\/www.neschle.de\/download-manager.php?id=102\">PDF-Datei<\/a><br \/>\nThis post was downloaded by  1181  people until now.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das M\u00e4rchen von den gl\u00e4sernen Taschen Wir d\u00fcrfen jetzt nur nicht den Sand in den Kopf stecken.&nbsp;(Lothar Matth\u00e4us) Wenn alles offen wird, wird alles gut. 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