{"id":310,"date":"2008-04-25T15:08:47","date_gmt":"2008-04-25T14:08:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.neschle.de\/index.php\/blog\/neschle-depeschle-17\/"},"modified":"2020-06-20T12:46:11","modified_gmt":"2020-06-20T11:46:11","slug":"neschle-depeschle-17","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/neschle-depeschle-17\/","title":{"rendered":"Neschle-Depeschle 17"},"content":{"rendered":"<header>\n<h2 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #4f81bd;\">Der \u201eFall\u201c von Hagen ist nicht der \u201eFall\u201c der D\u00fcsseldorfer Hypothekenbank. Doch etwas ist gemein an ihnen!<\/span><\/strong><\/h2>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Neschle-Depeschle-Neschle-Depeschle-Neschle-Depeschle<\/strong><br \/>\n<strong>F\u00fcr den kleinen Hunger zwischendurch: Der schnelle Einwurf in den Strafraum<\/strong><\/p>\n<\/header>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>The only way to avoid mistakes is to gain experience. The only way to gain experience is to make mistakes.\u00a0<\/em>(unbekannter Schlauberger)<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Bei den Nibelungen ermordete Hagen einstmals den Siggi aus Xanten, obwohl der vorher einen Drachen get\u00f6tet und sich in dessen Blut verpanzert hatte wie ein Mistk\u00e4fer. Man sagt auch: \u201eSiegfried fiel von der Hand Hagens von Tronje\u201c. Obwohl der Siggi nie drauf gewesen ist, auf der Hand vom Hagen. Anno dunnemals war Hagen jedenfalls obenauf. Doch schon damals war eine Gemeinheit damit verbunden.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Heute nun f\u00fchlt sich Hagen selbst gemein behandelt: von der Deutschen Bank. Die Stadt will mit der Deutschen Bank nicht l\u00e4nger Schweinchen auf der Leiter spielen und sich durch den Spread Ladder Swap ausnehmen lassen (Depeschle <a href=\"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/neschle-depeschle-5\/\">5<\/a> und <a href=\"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/neschle-depeschle-9\/\">9<\/a>). Daher nun der Prozess vor dem Landgericht in Wuppertal.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Zeitgleich mit dem Beginn dieses Prozesses wurde die Schieflage der D\u00fcsseldorfer Hypothekenbank bekannt, die ihr Gesch\u00e4ft bislang zu 93 Prozent auf Staatskredite gr\u00fcndete und nur zu 7 Prozent auf Hypothekenkredite. Mitten in der aufsteigenden Subprime-Krise gab diese Bank jedoch bekannt, mit frischen 150 Millionen Euro Eigenkapital einen Strategiewechsel vorzunehmen. K\u00fcnftig wolle sie zu 25 Prozent ins Immobiliengesch\u00e4ft einsteigen. \u2013 Wie bitte? Ins Immobiliengesch\u00e4ft? Einsteigen? Jetzt? \u2013 Wohlgemerkt: Die Subprime-Krise ist eine Krise, die ihren Ausgangspunkt bei der Immobilienfinanzierung nahm, wenn auch in den USA.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Auf den ersten Blick scheinen beide zeitgleich ablaufenden Dinge, der Prozess der Stadt Hagen und die Schieflage der D\u00fcsseldorfer Hypothekenbank, nichts miteinander zu tun zu haben. Aber das ist nur scheinbar so. Denn die D\u00fcsseldorfer Hypothekenbank hatte bei der Staatsfinanzierung schon lange und deutlich vorher das Gesch\u00e4fts-Modell der Deutschen Bank mit einem kleinen, aber feinen Unterschied: Das Risiko, das die Deutsche Bank auf die Stadt Hagen \u00fcbertrug, trug die D\u00fcsseldorfer Hypothekenbank selbst. Und es ist weder Lug noch Trug, dass sie nun genau damit und deswegen Probleme hat.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>A. Das einfache Gesch\u00e4ftsmodell \u201ebesonderer\u201c Hypothekenbanken<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Der mediensscheue, im pers\u00f6nlichen Umgang sehr angenehme, umtriebige, aber bescheidene Wiesbadener Anwalt Dr. Wolfgang Schuppli hatte die Idee, Hypothekenbanken zu gr\u00fcnden, die sich fast allein auf das Gesch\u00e4ft der Staatsfinanzierung st\u00fcrzten und st\u00fctzten. Deren Gesch\u00e4ftsmodell wurde etwa bei der Hypothekenbank in Essen und bei der D\u00fcsseldorfer Hypothekenbank umgesetzt. Es ist im Grunde recht einfach:<\/p>\n<ol style=\"text-align: left;\">\n<li>Verabschiedet Euch aus dem Klein-Klein-Gesch\u00e4ft der Immobilienfinanzierung so weit es geht, obwohl Ihr \u201eHypothekenbank\u201c hei\u00dft! Macht das Volumengesch\u00e4ft der Staatsfinanzierung! Die Marge klein, das Volumen hoch! Dazu reicht vergleichsweise wenig Personal und eine Bank ohne Schalter.<\/li>\n<li>Bietet dem deutschen Staat in Form von Bund, L\u00e4nder und Gemeinden Kredite, die g\u00fcnstiger sind als der Marktzinssatz f\u00fcr die entsprechende Laufzeit! Werft den Staatsdienern ein paar Basispunkte Zinsverg\u00fcnstigung (1 Basispunkt = 1 Hundertstel Prozent) vor die Nase und erspart ihnen die Aufwand mit der Vermarktung von Bundesschatzbriefen und \u00e4hnlichem Zeugs!<\/li>\n<li>Refinanziert diese Staatskredite international \u00fcber erstklassig geratete Pfandbriefe (AAA), die eine deutlich k\u00fcrzere Laufzeit als die Staats-Kredite haben und daher bei der vorherrschenden normalen Zinsstruktur weit niedrigere Zinsen kosten! Nutzt diesen Spread auch f\u00fcr die eigene Gewinnerzielung!<\/li>\n<li>\u201eThink Big!\u201c und spielt den fetten Trump(f) auf mit \u201eJumbo-Pfandbriefen\u201c und einem Ausgabebetrag von \u00fcber einer Milliarde Euro pro Pfandbrief! Auf internationalen Roadshows werbt um Vertrauen f\u00fcr den deutschen Pfandbrief und scheut Euch nicht, daf\u00fcr auch Leute wie Helmut Kohl einzusetzen, die ihre internationale Reputation f\u00fcr Euch in die Waagschale werfen. Das bringt Vertrauen. Vertrauen aber bringt Sicherheitserwartungen und die bringen ein paar Basispunkte Zinsabschlag zu Euren Gunsten, die man den internationalen Anlegern dann zumuten kann. Also macht Vertrauen zu Geld!<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: left;\">Dieses Vertrauen ist nun jedoch gef\u00e4hrdet. Daher auch das dezente Eingreifen der Regulierungsbeh\u00f6rde (BAFin) und des Einlagensicherungsfonds. Man f\u00fcrchtet nicht zu Unrecht um den Ruf des Pfandbriefes als Refinanzierungsinstrument, nachdem es an der Verbriefungsfront international schlimm gewittert hat und niemand mehr \u201eVerbriefung\u201c in CDOs oder CLOs mag. (Kritische Stimmen sagen: Die Spekulanten h\u00e4tten sich nur deshalb mit Riesensummen auf die internationalen Agrarm\u00e4rkte gest\u00fcrzt, wo sie jetzt ihr Unheil anrichten und zu den eklatanten Preissteigerungen f\u00fchren.)<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Sache des Herrn Dr. Schuppli funktionierte aber \u00fcber Jahre und brachte seinen Hypothekenbanken j\u00e4hrlich ansteigende Gewinne. Die wurden mit einer sehr geringen Zahl von Besch\u00e4ftigten erzielt, so dass der Vorstandsvorsitzende der Hypothekenbank in Essen, Hubert Schulte-Kemper, jedes Jahr mit allem Recht und Stolz erkl\u00e4ren konnte: \u201eUnsere Bank ist eine der effizientesten auf der ganzen Welt.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">F\u00fcr die Stadt Essen hatte das den Vorteil, dass die Bank zugleich ein eindruckvoller Steuerzahler war, der Hunderttausende an Steuergeldern pro Mitarbeiter brachte. Eine seltsame Kennzahl, doch von Herrn Schulte-Kemper gerne gebracht, weil sie den Nutzen der Bank f\u00fcr die Allgemeinheit repr\u00e4sentieren sollte. \u2013<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Doch dann kam die Ver\u00e4nderung: Die bestand vor allem darin, dass der Spread zwischen kurzfristigen und langfristigen Zinsen immer kleiner wurde. Die Bank aber hatte langfristige Kreditzusagen an staatliche Institutionen gemacht, die sie mehrfach hintereinander refinanzieren musste. Man erkennt das bei solchen Banken leicht daran, dass das Refinanzierungsvolumen durch die neu ausgegebenen Pfandbriefe immer ein Mehrfaches des Neugesch\u00e4fts bei den Krediten betr\u00e4gt. Denn auch die Altkredite m\u00fcssen ja mit neuem Geld nachgef\u00fcttert werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Doch die Refinanzierungen wurden immer teurer. Die kurzfristigen Zinsen n\u00e4herten sich durch ihre Erh\u00f6hung immer st\u00e4rker dem zugesagten langfristigen Zins an. Da blieb weniger Platz, um die Aufwendungen der Bank f\u00fcr den Gesch\u00e4ftsbereich unterzubringen, Personal. Miete etc.. Wo sollte da noch ein Gewinn herkommen? Und manchmal schien sich bei dieser perversen Zinsentwicklung das Ganze sogar ins Inverse zu verlagern. Kurzfristige Zinsen waren zum Teil h\u00f6her als die langfristigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die D\u00fcsseldorfer Hypothekenbank behauptete zwar, das Jahr 2007 mit einer \u201eSchwarzen Null\u201c abgeschnitten zu haben. Doch so macht man das im dezenten Bankgesch\u00e4ft halt. Denn im ersten Quartal des neuen Jahres konnte nur noch die H\u00e4lfte des dort geplanten Neugesch\u00e4fts gemacht werden. Die \u201eRote Null\u201c hatte sich l\u00e4ngst abgezeichnet, eine Sonderpr\u00fcfung war bereits anberaumt und die Einlagensicherung als Bankenfeuerwehr war alarmiert. Die aber kommt meist erst dann, wenn es schon tiefrot gl\u00fcht. Sie sch\u00f6pft bei ihrer Rettungsaktion aus einem tiefen Feuerwehrteich, der zuvor von den Banken angelegt und gespeist wurde. (Da kommen immerhin keine Steuergelder zum Einsatz!)<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Das Gesch\u00e4ftsmodell der D\u00fcsseldorfer Hypothekenbank war unter den ge\u00e4nderten Bedingungen einer zunehmend invertierenden Zinsstruktur gescheitert (Kurzfristige Zinsen steigen st\u00e4rker als langfristige bis sie am Ende sogar h\u00f6her sind). Zudem floss die Hoffnung auf stetig wachsende Staatskredite mit dem sprudelnden Quell explodierender Steuereinnahmen dahin, so dass neben der Preiskomponente (zu hohe Refinanzierungskosten bei gegebenem Absatzzins) auch die Mengenkomponente erheblich einbrach. Der Strategiewechsel in letzter Sekunde und dann noch auf das Gebiet der Immobilienfinanzierung kam viel zu sp\u00e4t. Die war n\u00e4mlich gerade dabei, in den USA ihren guten Leumund zu verlieren,. Und darin hatte man Konkurrenz, die bereits l\u00e4nger und besser im Gesch\u00e4ft war.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Was aber hat das Ganze nun mit dem Prozess der Stadt Hagen zu tun? Nun: Es ist im Grunde dasselbe Risiko, an dem die D\u00fcsseldorfer Hypothekenbank einzugehen drohte, wie das Risiko, das die Zahlungen der Stadt Hagen an die Deutsche Bank verursachte. Der Unterschied ist klein, aber oho! Im ersten Fall trug die D\u00fcsseldorfer Bank das Risiko, im zweiten Fall der Kreditnehmer Hagen, unabh\u00e4ngig davon, ob die Deutsche Bank das Gesch\u00e4ft vermakelt oder im eigenen Namen abgeschlossen hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Das Risiko des geschrumpften Spreads tr\u00e4gt die D\u00fcsseldorfer Hypothekenbank direkt \u00fcber ihre Finanzierungsweise (langfristige Kredite kurzfristig refinanzieren). Die Hagener tragen dieses Risiko indirekt, weil sie die variable Zinsposition gew\u00e4hlt haben und damit ihre Stadt dem Risiko (und der Chance) der Kapitalm\u00e4rkte ausgesetzt haben. Die Stadt Hagen verdient bei hohem Spread, sie zahlt aber einen Ausgleich bei niedrigem Spread, also in dem Fall, in dem es bei der Bank nicht mehr funktioniert, langfristige Kredite gewinnbringend mit kurzfristigen Geldaufnahmen zu unterf\u00fcttern.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Mit dem System \u201eaus Kurz mach Lang\u201c war in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts schon der Finanzjongleur M\u00fcnnemann mit seinen revolvierenden Krediten gescheitert. Neschle lernte er schon in seinem Studium, wie gef\u00e4hrlich das ist, aber auch wie ertragreich es sein kann, wenn man es eine geraume Weile durchziehen kann und die anderen nichts davon wissen oder sich nicht trauen. \u201e7M-System\u201c, glaubt sich Neschle zu erinnern, nannte es M\u00fcnnemann stolz, eine heilige Zahl mit der eigenen Initiale zu versehen. Das war bestimmt kein Versehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Dr. Wolfgang Schuppli musste diese gescheiterte Idee nur wiederbeleben und auf einen viel gr\u00f6\u00dferen Einnahmenstrom richten: den der Staatskredite. Dass dieses ver\u00e4nderte Konzept bei ver\u00e4nderter Zinsstruktur am Ende ebenso verenden musste wie das von M\u00fcnnemann, wird Herrn Dr. Schuppli (86) kaum mehr tangieren. Er ist l\u00e4ngst aus dem Gr\u00f6bsten raus und kommt auch nicht mehr rein ins Gr\u00f6bste. \u00dcber Jahre hat er mit diesem Modell \u00fcberaus gut verdient und seine Haftung ist beschr\u00e4nkt. Beschr\u00e4nkt auf viel, viel weniger als er mit der Idee bereits verdient hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Dem Leser sei gesagt: Warte ein wenig! Hat sich erst der Schleier des Vergessens ausgebreitet \u2013 und das geht im Zeitalter des Information Overloads mit seinem \u00dcberfluss an Informationsm\u00fcll und seinem Mangel an relevanter Information immer schneller \u2013 dann wird auch diese Idee wieder salonf\u00e4hig. Und Betrug ist das Ganze ja nicht. Oder? \u2013 Kundigen Marktteilnehmern sind doch die Risiken offenbar!<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>B. Ist Hagen selbst schuld oder meuchelte die Deutsche Bank die Arglose?<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Bei Siggi aus Xanten (Neschle wohnt zehn Kilometer von Xanten entfernt, da sagt er \u201eSiggi\u201c, nicht \u201eSiegfried\u201c) war es klar. Hagen meuchelte ihn, als Siggi sich einem klaren, liquiden Quell zubeugte. Bei der Stadt Hagen und ihrem vermeintlichen Meucheln durch die Deutsche Bank ist das freilich nicht so durchsichtig:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Auch die Stadt Hagen lechzte wie einst Siggi nach Liquidit\u00e4t und suchte fast s\u00fcchtig nach einem Quell. Sie fand einen liquiden, aber der war alles andere als klar. Dieser Quell der Liquidit\u00e4t war daher eigentlich l\u00e4uterungsbed\u00fcrftig und der Quell der Erkenntnis f\u00fcr die st\u00e4dtischen Entscheidungstr\u00e4ger er-l\u00e4uterungsbed\u00fcrftig. Wer aber konnte besser er-l\u00e4utern als derjenige, der auch real zur angeblich gel\u00e4uterten Quelle bat? Der kannte ja wohl am besten, was er da anbot. (Denkaufgabe f\u00fcr den Leser: Aber war er deshalb auch am ehrlichsten?!) Also lie\u00df man sich das Ganze auch von ihm erkl\u00e4ren. Die Stadt Neuss, die sich auch mit der Deutschen Bank einlie\u00df, zahlte daf\u00fcr sogar separat eine Menge Kies (<a href=\"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-29-44-woche-2007\/\">Neschle 29<\/a>).<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Dabei verfielen die Entscheidungstr\u00e4ger der Stadt Hagen offenbar dennoch der Illusion, man k\u00f6nne auf dem weltweiten Kapitalmarkt Liquidit\u00e4t haben, die <em>zugleich<\/em> billiger und besser war. Besser mit Blick auf das niedrigere Risiko f\u00fcr die Stadt Hagen. Doch statt die Stadt ein niedrigeres Risiko f\u00fcr ihre geringen Zinsen bekam, hatte sie am Ende ein h\u00f6heres zu tragen. Das ist allerdings (fast) immer so am Kapitalmarkt. Denn warum sollte einen jemand versichern und auch noch Geld daf\u00fcr zahlen: \u201eOh, hier ist die Allianz. Wir freuen uns, Sie versichern zu d\u00fcrfen. Ab sofort erhalten Sie von uns monatlich 300 Euro!\u201c Das wei\u00df nicht nur ein Student der Wirtschaftswissenschaften schon im ersten Semester, wenn er aufpasst oder weiterdenkt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Aber die Stadt Hagen hat nicht weitergedacht oder nicht weiter gedacht. Ihre K\u00e4mmerei spielte augenscheinlich v\u00f6llig unbedarft die Versicherungsgesellschaft f\u00fcr die Deutsche Bank oder den von dieser Bank vermittelten (unbekannten!) Swap-Partner. Versicherer ist n\u00e4mlich der, der die andere Partei von den Risiken des Kapitalmarktes abkoppelt. Das war in diesem Fall die Stadt Hagen mit ihrem <em>variablen<\/em> Zinssatz, den sie f\u00fcr einen festen eintauschte. Wenn nun der Versicherungsfall eintritt, dann muss die Versicherungsgesellschaft Stadt Hagen eben ein wenig zu viel zahlen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Warum denn kein variabler Zinssatz? \u201eVariatio delectat!\u201c ruft der Lateiner aus. \u201eVer\u00e4nderung erfreut!\u201c Ja, sicher: \u201eVariatio delectat!\u201c, aber wenn man es \u201eexpectat\u201c und damit keine unerw\u00fcnschten und unerwarteten \u00dcberraschungen erlebt. Das genau ist aber mit der Verringerung des Spreads und seinen Folgen geschehen, sagt die Stadt Hagen. Niemals h\u00e4tte man das nach den Beratungen der Deutschen Bank erwartet. Ja, hat denn die Deutsche Bank den vermakelten Vertragspartner der Stadt Hagen genau andersherum beraten oder war sie gar selbst Vertragspartner?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u201eVer\u00e4ppelung\u201c erfreut weit weniger, sagt auch die Stadt Hagen. Sie f\u00fchlt sich ver\u00e4ppelt von der Deutschen Bank. Denn das Risiko des Spreads h\u00e4tte ihr wenigstens korrekt erl\u00e4utert werden m\u00fcssen. \u2013 Haben wir doch getan, sagt da die Deutsche Bank. Doch wir k\u00f6nnen weder etwas daf\u00fcr, wenn ihr den Swap trotzdem wollt, noch etwas daf\u00fcr, wenn die Hagener nicht einmal die Grundlagen des Kapitalmarktgesch\u00e4fts verstehen. Schlie\u00dflich haben die Hagener, wie andere St\u00e4dte auch, anfangs profitiert. Haben wir da geklagt als Deutsche Bank oder unser vermakelter Vertragspartner? Nee, wir haben unsere Niederlage sportlich genommen. Nun aber kommen die Hagener in ihrer Niederlage unsportlich daher. Wetten kann man aber auch verlieren. \u201eEhrenschulden\u201c hat man fr\u00fcher gesagt. \u2013 Also: Ehrloses Hagen?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u201eWeniger Zinsen zahlen und daf\u00fcr weniger Risiko tragen\u201c, diese Annahme der Stadt Hagen l\u00e4sst dar\u00fcber nachdenken, ob deren Entscheidungstr\u00e4ger <em>\u00fcberhaupt gesch\u00e4ftsf\u00e4hig <\/em>waren am Kapitalmarkt beim Abschluss des Spread Ladder Swaps. Im Grunde waren die Entscheidungstr\u00e4ger dort wie kleine Kinder ohne Gesch\u00e4ftsf\u00e4higkeit oder schwer demenskranke Senioren, bei denen man vergessen hat, sie zu entm\u00fcndigen. In letzterem Falle erkl\u00e4rte sich auch, warum die Schulung der Deutschen Bank gar nicht wirken konnte. Die Stadt Hagen m\u00fcsste dann das vermutlich wie in Neuss (Warum sollte die Deutsche Bank in Hagen ein anderes Gesch\u00e4ftsmodell anwenden?) separat und in Mengen gezahlte Schulungshonorar herausverlangen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Hagen ist ja bei weitem nicht der einzige Fall, in dem die Deutsche Bank ihr Angebot gemacht hat. Viele St\u00e4dte haben dieses Angebot akzeptiert. Solange mit der Zinswette Gewinne gemacht wurden, hat sich auch niemand beschwert. Man erkl\u00e4rte bei den Kommunen sogar diejenigen K\u00e4mmerer zu Deppen, die noch nicht auf den neuen Zug aufgesprungen waren.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Als Neschles Alter Ego in einem Interview mit dem WDR in dieser Zeit bereits Vorsicht anmahnte, verk\u00fcndeten etwa die K\u00e4mmerer von Salzgitter oder Haltern am See r\u00fcckhaltlosen Optimismus. Bei ihnen klang es, als k\u00f6nne auf Dauer beides gelingen: Zinszahlungen und Zinsrisiken zu senken. Sie verbreiteten, das wei\u00df man sp\u00e4testens heute, reine \u201eEuphorie\u201c. Denn \u201eEuphorie\u201c bedeutet laut Duden: \u201esubjektives Wohlbefinden Schwerkranker, Zustand \u00fcberbetonter Heiterkeit nach Genuss von Rauschgiften u. bei gewissen Geisteskrankheiten\u201c. \u2013<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Bei der Konstruktion der Deutschen Bank verteilt sich das Spread Risiko \u201esehr sch\u00f6n\u201c auf die verschiedenen Gemeinden und Kreise. Bei der D\u00fcsseldorfer Hypothekenbank konzentriert es sich dummerweise alles in der einen Bank. Auch wenn beide F\u00e4lle scheinbar nichts miteinander zu tun haben. Hier f\u00fcgt sich zusammen, was zusammengeh\u00f6rt. Hagen sollte da etwas mitf\u00fchlend sein. Denn sonst ginge es der Deutschen Bank so wie der D\u00fcsseldorfer Hypothekenbank, wenngleich sie weniger Verdauungsprobleme damit haben d\u00fcrfte. Und warum das alles?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Nur weil die \u00f6ffentliche Hand ein paar Basispunkte weniger Schuldzinsen zahlen m\u00f6chte, als sie der Kapitalmarkt f\u00fcr die entsprechende Kreditlaufzeit vorsieht. Das aber geht nur mit Risiken, welche die Bank (\u201eFall\u201c der D\u00fcsseldorfer Hypothekenbank) oder der Kreditnehmer (\u201eFall\u201c der Stadt Hagen) selbst tr\u00e4gt. Die Ursache aber ist in beiden F\u00e4llen dieselbe, das Symptom verteilt sich anders.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p style=\"text-align: center;\">Es gibt sie noch, ja Gott sei Dank,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">die deutsche Hypothekenbank.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Beim Grundst\u00fcckskauf da hilft sie mit<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">und h\u00e4ufig auch beim Staatskredit.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Doch sprudelt mal die Steuer sehr,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">dann ist grad\u2019 dies Gesch\u00e4ft recht schwer.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p style=\"text-align: center;\">Seit Jahren kannte man sie nur<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">die ganz normale Zinsstruktur.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Doch dann hebt sich und das beh\u00e4nde<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">des Zinses Satz am kurzen Ende.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Nun ist das Zinsgebirge flach<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">und es gibt \u201eWeh!\u201c und es gibt \u201eAch!\u201c. \u2013<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p style=\"text-align: center;\">Kann man nun Geld nicht kurz mehr borgen<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">und lang den Staat damit versorgen? \u2013<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Geh\u2019n tut das. Doch fehlt Gewinn<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">und auch des Bankgewerbes Sinn.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Sind alle Zinsen beinah gleich,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">wird uns\u2019re Bank auch nicht mehr reich.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p style=\"text-align: center;\">Das Risiko muss einer tragen<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">an Bankes statt mal die Stadt Hagen?<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Da h\u00f6r\u2019 ich schon die Kicherer,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">macht sie zum Bankgewinnversicherer.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">So spottet sie jeder Beschreibung:<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Wie w\u00e4r\u2019s mal mit \u2019ner Vollabschreibung?<\/p>\n<p><a title=\"PDF-Datei\" href=\"http:\/\/www.neschle.de\/download-manager.php?id=99\">PDF-Datei<\/a><br \/>\nThis post was downloaded by  2942  people until now.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der \u201eFall\u201c von Hagen ist nicht der \u201eFall\u201c der D\u00fcsseldorfer Hypothekenbank. 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