{"id":303,"date":"2008-04-17T07:25:34","date_gmt":"2008-04-17T06:25:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-40-17-woche-2008\/"},"modified":"2020-06-21T10:35:56","modified_gmt":"2020-06-21T09:35:56","slug":"leon-neschle-40-17-woche-2008","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-40-17-woche-2008\/","title":{"rendered":"Leon Neschle 40 (17. Woche 2008)"},"content":{"rendered":"<header>\n<h2 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #4f81bd\">Gro\u00dfe Architekten \u201everbauen\u201c sich in Denkm\u00e4lern<\/span><\/strong><\/h2>\n<\/header>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>The neurotic builds castles in the air, the psychotic lives in them, and the psychiatrist collects the rent.&nbsp;<\/em>(Anonymous)<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Zu dem obigen Spruch gibt es eine Steigerung: Es gibt Neurotiker, die d\u00fcrfen ihre \u201eSchl\u00f6sser\u201c auch auf der Erde bauen. Daf\u00fcr lassen sie sich von anderen Neurotikern bewundern und die Psychiater gehen leer aus. Der Kern ihrer Neurosen ist: Geb\u00e4ude m\u00fcssen ein Denkmal setzen, f\u00fcr den Bauherrn oder besser noch f\u00fcr den Architekten selbst. Sie d\u00fcrfen sich aber auf keinen Fall bewohnen oder nutzen lassen. Bauwerke werden nur dann wirklich ber\u00fchmt, wenn sie faktisch zu nichts zu gebrauchen sind. Das haben schon die Cheops-Pyramide oder der Koloss von Rhodos gezeigt. Auf diese Einsicht kann man wirklich bauen. Nur Br\u00fccken sind davon irgendwie ausgenommen, sonst w\u00e4ren es ja keine Br\u00fccken.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Doch solche denkmaligen Geb\u00e4ude d\u00fcrfen nicht alle! 98 Prozent aller Architekten w\u00fcrden daf\u00fcr abgestraft. Gut ein Prozent der Architekten darf dem neurotischen Bauherrn ein Denkmal setzen, meistens eines mit dem klotzigen Auftritt eines \u201eRockefeller Centers\u201c oder \u201eTrump Towers\u201c. Nur weniger als einem Prozent der Architekten ist es verg\u00f6nnt, sich selbst ein Denkmal zu setzen. Dann ist es so, als redete man vom \u201eMichelangelo-Denkmal\u201c, selbst wenn es David oder die Pieta darstellte, oder vom \u201eSchinkel-Bau\u201c, selbst wenn es eigentlich Schloss Dingsda w\u00e4re.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">In einem mittlerweile weltweit bekannten modernen Architekten-Denkmal hatte Neschles Alter Ego j\u00fcngst die Ehre, unterrichten zu d\u00fcrfen. Passenderweise diente der Bau zeitgleich als Filmkulisse. Wim Wenders und Campino (\u201eTote Hose\u201c Nr. 1) drehten dort ihr Ding ab und riefen mit ihrem Requisitenqualm sogar die \u00f6rtliche Feuerwehr auf den Plan.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Neschle nennt den Bau mal nicht direkt. Aber er berichtet von seiner praktischen Verwendung als \u201eLehrgeb\u00e4ude\u201c. Oder besser: Er erz\u00e4hlt von einer praktischen Verschwendung von Baumaterial und Investitionskosten an ein schon international bekanntes \u201eLehrgeb\u00e4ude\u201c, das eher als \u201eLeergeb\u00e4ude\u201c taugt. Doch erst mal holt er aus! Wie ein Boxer beim rechten Haken oder wie ein G\u00e4rtner beim Rechen und Harken.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>A. Drei Ebenen des Unterrichts \u2013 von unten, von oben oder eben eben.<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Von den R\u00e4umlichkeiten in seiner Universit\u00e4t kann Neschle kaum R\u00fchmliches berichten. Soweit sie \u00fcberhaupt f\u00fcr den Lehrbetrieb taugen, sind es die \u00fcblichen H\u00f6rs\u00e4le mit steil ansteigenden Stufen, bei denen der Vortragende sich von den Studierenden direkt in die Karten schauen l\u00e4sst. Gut ist daran, dass die Studenten auf die Lehrenden herabschauen k\u00f6nnen, wenn der vorne seine Edutainment-Show abzieht.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die langen Sitzreihen st\u00f6ren allerdings, weil die Studierenden zuerst immer die R\u00e4nder besetzen und die Versp\u00e4teten sich an ihnen vorbei dr\u00e4ngeln m\u00fcssen. Das wird begleitet vom Rhythmus der Klapp(er)tische und von der knarzenden Musik schlecht ge\u00f6lter Sitzscharniere, dass man eine G\u00e4nsehautentz\u00fcndung kriegt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Diese Musik erklingt auch, wenn die Studenten, die in der Mitte sitzen, aus irgendeinem Grund die Vorlesung fr\u00fcher verlassen. Beliebt ist das vor allem bei prall gef\u00fcllten Vorlesungsr\u00e4umen zwischen 11.35 Uhr und 11.40 Uhr, f\u00fcnf bis zehn Minuten bevor die Vorlesung zu Ende ist. Der dreiste Student hat dann n\u00e4mlich einen Vorteil: Er ist vor dem gesamten Pulk in der Mensa und kann sich daher z\u00fcgiger abf\u00fcttern lassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Und nat\u00fcrlich gibt es diese Kl\u00e4nge auch, wenn Vorlesungen nach einer Pause wieder aufgenommen werden. Da ist es an der Uni wie im Theater ein ungeschriebenes Gesetz, dass Leute, die in der Mitte sitzen, stets sp\u00e4ter kommen als die am Rand. Und dann fangen die sportlichen \u00dcbungen wieder an, begleitet von den Quietschet\u00f6nen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Neben diesen insgesamt noch recht ordentlichen H\u00f6rs\u00e4len gibt es auch Katastrophenr\u00e4ume in Neschles Uni. Die fangen meist mit \u201eAu\u201c an und enden so \u201elala\u201c. Sie hei\u00dfen Aula. Darin thront der Dozent \u00fcber den Studierenden, die stundenlang im \u201eRasiersitz\u201c verharren wie bei einem alten Barbier: den Kopf nach oben, den Hals gestreckt, falls sie noch aufpassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">So h\u00e4lt das nat\u00fcrlich niemand lange durch und daher sinken die K\u00f6pfe im Laufe der erm\u00fcdenden Veranstaltung langsam herunter, bis sie auf der vom engen Sitz zusammengedr\u00fcckten Brust zu liegen kommen. Dann sieht der Dozent nur noch die Nacken seiner Zu<i>sitzer<\/i>, denn Zu<i>h\u00f6rer<\/i> sind sie nicht mehr. Der Dozent kann bestenfalls vermuten, die Studenten schreiben nun flei\u00dfig auf, was sie im ersten Teil des Edutainments noch gesehen haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Aber vom zweiten Teil bekommen sie optisch nichts mehr mit. Wie denn auch, wenn sich ihr Blick nicht mehr auf Folien oder Tafel erhebt. Also kann der Dozent auch getrost davon ausgehen: Sein Publikum schl\u00e4ft!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Von oben sehen die gebeugten R\u00fccken aus, als w\u00fcrde sich ein r\u00f6misches Heer durch eine waagerechte Wand von Schilden gegen den Einschlag feindlicher Wurfspie\u00dfe sch\u00fctzen. Die Wurfspie\u00dfe sind in diesem Fall nichts anderes als die Argumente des Dozenten. Wer \u201etierische\u201c Vergleiche liebt, kann sich in den einzelnen Reihen auch die Schuppenringe eines G\u00fcrteltieres vorstellen, an denen faktisch alles abprallt, dessen sich der Dozent ent\u00e4u\u00dfert. <i>Wenn in solchen Aulen der Dozent hoch \u00fcber diesem R\u00fcckenpanzer steht, wird die Redewendung verst\u00e4ndlich: Er hat \u00fcber die K\u00f6pfe seines Publikums hinweggeredet. <\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Daher mag eine solche Aula f\u00fcr Festveranstaltungen tauglich sein mit Festrednern, die sich festreden. F\u00fcr den Unterricht sind sie denkbar schlecht geeignet. Dennoch findet man sie nicht nur an den \u00f6ffentlichen Hochschulen. Da ist ohnehin klar: <i>Im \u00d6ffentlichen Dienst darf man nicht bestechen, schon gar nicht durch gute Ideen f\u00fcr die Gestaltung von Vorlesungsr\u00e4umen. \u2013<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Auch eine private Hochschule begr\u00fcndete die Einrichtung solcher \u201eAulen\u201c als \u201eH\u00f6rs\u00e4le\u201c damit, dass das Geb\u00e4ude dadurch vielf\u00e4ltiger und flexibler nutzbar sei. Falls die Nachfrage nach ihren Leistungen einmal nachlasse und das Geb\u00e4ude anderweitig nutzbar gemacht werden m\u00fcsse, etwa f\u00fcr ein Autohaus. Jahre von Lehr- und Lernqualen an einem studienfeindlichen Ort werden daf\u00fcr aber in Kauf genommen. Und die abwechselnde Halsstreckung und R\u00fcckenverbiegung der Studierenden bis der Arzt kommt. \u2013<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Dann aber gibt es an Neschles Uni noch die kleineren R\u00e4ume, die wie Klassenr\u00e4ume einer Schule aussehen. Der Dozent steht dort ganz demokratisch auf derselben Ebene wie die Studenten. Sch\u00f6n also?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Aus unerfindlichen Gr\u00fcnden haben die Architekten in Neschles Universit\u00e4t geglaubt, solche R\u00e4umlichkeiten br\u00e4uchten keine Fenster und kein Tageslicht. So bekommt man beim Unterricht das Gef\u00fchl einer Kellerassel selbst in der siebten Etage. Von schleichender Klaustrophobie geplagte Mitmenschen k\u00f6nnen das schon gar nicht ab. So bleiben beim Unterricht die T\u00fcren auf und man \u00f6ffnet sich auf diese Weise den Einfl\u00fcssen seiner Umwelt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Jeder, der arglos pfeifend den Gang hinabgleitet, st\u00f6rt den Unterricht, vom Klackern der steiler Divaabs\u00e4tze ganz zu schweigen. Das schl\u00e4gt stets ein wie der Hufschlag eines \u00fcber das Pflaster von Wien klappernden Fiaker-Pferdes. Frauen, die nicht durch besondere Gr\u00f6\u00dfe auffallen, machen auf diese Weise mit Ger\u00e4uschen auf sich aufmerksam: \u201eAchtung M\u00e4nner. Hier kommt eine Frau, die will von Euch beachtliche Beachtung! Aber nicht Glotzen! Das ist nicht gut! Richtig gucken lernen!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Der eine oder die andere lugt mal kurz durch die T\u00fcr w\u00e4hrend des Unterrichts in den offenen Klassenraum, zeigt \u201eFratze\u201c, um nach seinem Coming-In (\u201eJens war da!\u201c) mit schnellen Schritten wieder auf dem langen Gang zu verhallen. Doch er war da! Und er hatte die Aufmerksamkeit seiner Kommilitonen. Hat es geschafft, vom Dozenten abzulenken.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Alle Dozenten meiden diese R\u00e4ume, soweit sie k\u00f6nnen. Frei sind in der Raumplanung daher immer nur <i>diese<\/i> R\u00e4ume. So bieten sie wenigstens Platz f\u00fcr private Treffen der Studenten und f\u00fcr gegenseitige Nachhilfe.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>B. Unterrichten im Architekten-Denkmal \u2013 Ein L\u00e4uterungsbericht<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">An diese architektonische Fehlleistung f\u00fchlte sich Neschles Alter Ego erinnert, als er Unterricht erteilte in dem schon genannten, weltweit bekannten Baudenkmal. Zwar drang dort genug Tageslicht durch ein \u201egro\u00dfes\u201c Schaufenster ein, aber dazwischen lag ein breiter Gang, der wiederum durch noch ein breites Au\u00dfenfenster beleuchtet war. Auf dem Gang flanierten hier von Zeit zu Zeit Besucher des Denkmals am Schaufenster der Edutainment-Show vorbei, blieben stehen und betrachteten neugierig die Inszenierung im Klassenraum vor ihnen. So als w\u00e4re es ein Happening, mit dem rein k\u00fcnstlerische Zwecke verfolgt w\u00fcrden. Nat\u00fcrlich machen sie dabei ihre Faxen. Zu viel Respekt vor moderner Kunst ist schlie\u00dflich nicht angebracht. Denn anders als bei klassischer Kunst f\u00fchlt man sich da immer selbst als ein K\u00fcnstler.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Nat\u00fcrlich muss die T\u00fcr des Raums aufbleiben. Die ist nat\u00fcrlich im R\u00fccken des Dozenten, was schon seit der Steinzeit den gemeinen Menschen verunsichert und regelm\u00e4\u00dfig auch jeden Dozenten. Die T\u00fcr muss aufstehen, weil sonst sp\u00e4testens nach einer Viertelstunde die Atmosph\u00e4re in diesem Raum so unertr\u00e4glich w\u00fcrde, dass Stundenten und Dozent glaubten, sie m\u00fcssten ersticken.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Irgendwie konnte man auch schon riechen, dass dieser Raum keine gute Akustik hatte. Trotzdem hatte man ihn mit einer \u00fcberdimensionalen Lautsprecheranlage ausgestattet. Alles schmeckte hier nach Action-Kino, wo es ja ebenfalls immer zu laut ist. Und nach irgendeinem Kunst-Stoff im grauen(vollen) Bodenbelag. Kunst-Stoff schien hier auch der Stoff zu sein, mit aus dem die Kunst gemacht und mit dem die Kunst bedacht wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die autistischen Besucherschlangen der Besucher dieses Denkmals machten derweil drau\u00dfen vor dem Sichtfenster \u201eihr Ding\u201c und k\u00fcmmerten sich nicht weiter um die Kunstaktion hinter dem Schaufenster. Sie taten so, als w\u00e4ren <i>wir<\/i> nicht da. Und genau darum konnten wir nicht mehr so tun, als w\u00e4ren <i>sie<\/i> nicht da. <i>Sie<\/i> jedenfalls wurden nicht gest\u00f6rt. Doch konzentrierter Unterricht war unter diesen Bedingungen nicht m\u00f6glich. Aber so ist es halt, wenn zugunsten eines Denkmals der Architekturkunst die Funktion eines Geb\u00e4udes auf der Strecke bleibt. Das ist ja auch bei vielen Unternehmungen so.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>C. R\u00e4ume, in denen Unternehmen was unternehmen wollen<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">In Mittelpunkt jeder Unternehmung muss das Business stehen. Aber das braucht Ausdruck. Visionen, Missionen und Philosophie der Unternehmung sollen Innen- und Au\u00dfenstehenden deutlich werden, gezielt und nicht zuf\u00e4llig auf sie Eindruck machen. Architektur und Kunst von und in Unternehmungen sind dagegen meist Ausdruck von Visionen und Vorstellungen der Architekten und K\u00fcnstler. Sie sind keine \u201eZeichensetzung\u201c der Unternehmungen selbst, kein Ausdruck der Unternehmungspers\u00f6nlichkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Architekten wollen sich mit ihren imposanten Gesch\u00e4ftsbauten h\u00e4ufig Denkm\u00e4ler ihres Schaffens setzen. Folgerichtig planen sie ihre Geb\u00e4ude von au\u00dfen nach innen. Sie zw\u00e4ngen die Unternehmungen in das Korsett der Au\u00dfenhaut, ohne gro\u00dfe R\u00fccksicht auf den Ablauf der internen Unternehmungsprozesse und die Entwicklung des Business. Innen sind die Gesch\u00e4ftsr\u00e4ume mit Kunst auch nur \u201edekoriert\u201c, im Normalfall zuf\u00e4llig und beliebig zusammengetragen, weil einer im Vorstand Sammler ist, im besten Fall nachtr\u00e4glich passend zur Philosophie der Unternehmung gew\u00e4hlt. Auch in dieser Kunst haben sich aber vor allem die K\u00fcnstler selbst ausgedr\u00fcckt. Sie dr\u00fccken nicht Visionen, Missionen und Philosophie der Unternehmung aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Der Fit zwischen Kunst und \u201eCorporate Identity\u201c als dem \u201eSelbstverst\u00e4ndnis\u201c der Unternehmung oder dem \u201eCorporate Image\u201c als dem von ihr angestrebten Fremdbild wird auf diese Weise immerhin durch die Auswahl der Werke hergestellt. Dies jedoch nur dann, wenn diese Auswahl nicht von anderen Motiven beherrscht wird: etwa von der vermeintlichen Wertentwicklung der Kunst, von der sozialen Unterst\u00fctzung des K\u00fcnstlers, vom pers\u00f6nlichen Geschmack des Entscheidungstr\u00e4gers oder \u2013 besonders beliebt \u2013 von der Risikominimierung des Entscheiders durch Wahl eines \u201ebekannten\u201c K\u00fcnstlers, was ihn vor interner und externer Kritik immunisieren soll.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Aber gegen <i>eine<\/i> gezielte Fundamentalkritik ist der auch dann nicht gefeit. Denn zugunsten von Corporate Identity und Corporate Image geht es deutlich besser: <i>Ausgangspunkt f\u00fcr Konzeption und Produktion von Business-Kunst und Business-Bauten k\u00f6nnten n\u00e4mlich von Vornherein Philosophie und Visionen der Unternehmung sein.<\/i> Mit dem Ziel ihrer Vermittlung k\u00f6nnten Architektur und Kunst von Anfang an gestaltet werden. Erst dann bleibt es nicht zuf\u00e4llig, wie Architektur und Kunst den Mitarbeitern die Corporate Identity und Au\u00dfenstehenden das Corporate Image vermitteln.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Geb\u00e4ude m\u00fcssen dann von Innen nach Au\u00dfen entwickelt werden. Das Business selbst und seine Entwicklung bestimmen dann die interne Anordnung und Ausgestaltung der R\u00e4ume. Die Au\u00dfenhaut des Geb\u00e4udes wird der inneren Gestaltung angepasst, nicht umgekehrt. Sie ist das Kleid, nicht das Korsett f\u00fcr das Gesch\u00e4ft der Unternehmung. Wahre Sch\u00f6nheit kommt hier von Innen!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Soll die Ausgestaltung der R\u00e4ume die Corporate Identity der Unternehmung atmen, dann ist bereits bei der Konzipierung des Baus eine enge Zusammenarbeit zwischen den Tr\u00e4gern der Unternehmungsphilosophie und den k\u00fcnstlerischen Gestaltern angesagt. Diese sollte freilich nicht so verstanden werden, dass den K\u00fcnstlern ins Einzelne gehende Beschr\u00e4nkungen f\u00fcr ihr Tun auferlegt werden. Vielmehr gilt es, ihnen einen Eindruck von der Unternehmungsphilosophie zu verschaffen, damit diese ihre eigenen Inspirationen mit dieser Zielrichtung wirken lassen k\u00f6nnen. Die Philosophie der Unternehmung soll k\u00fcnstlerisch dargestellt werden. Sie sollte zum ausdruck kommen, nicht allein die Philosophie, die Gef\u00fchle und Eindr\u00fccke des K\u00fcnstlers selbst.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Innere Ausgestaltung und \u00e4u\u00dfere architektonische Erscheinung bilden so eine Einheit, weil sie auf einem einheitlichen Fundament geschaffen wurden. Die Corporate Identity flie\u00dft ex ante in die Gestaltung ein und dient nicht nur als Auswahlinstrument ex post. Zwei Bespiele, die Neschles Alter Ego einmal selbst entwickelt hat:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">1. Eine Unternehmungsberatung mit starker Kundenfrequenz und erfolgsabh\u00e4ngiger Entgeltstruktur wollte folgenden Grundsatz ihren Mitarbeitern und Kunden verdeutlichen: \u201eWir haben keine Ber\u00fchrungs\u00e4ngste. Wir schaffen Win-Win-Situationen und sitzen mit unseren Kunden in einem Boot\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die k\u00fcnstlerische Umsetzung erfolgte in diesem Fall dort, wo der Kontakt zwischen Mitarbeitern und Kunden am engsten war: Am Besprechungstisch. Der war wie ein Boot gestaltet. Mit recht roh wirkenden Planken als Tischfl\u00e4che war er Blickfang im Raum. Durch seine eher schmale Ausf\u00fchrung sorgte er f\u00fcr intime Gespr\u00e4chsabst\u00e4nde. Eine Metallintarsie symbolisierte den Weg eines Mandanten vor (Schlangenlinier) und nach der Beratung (gerade Linie).<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Beinahe jeder Mandant stellte Fragen zu dem auff\u00e4lligen Tisch und erm\u00f6glichte dadurch eine ungezwungene \u00dcbermittlung der Unternehmungsphilosophie. Allein die Existenz dieses ungew\u00f6hnlichen Tisches wurde so zu einem Erfolgsfaktor. Ein Exemplar von einem B\u00fcrom\u00f6bellieferanten, das fast genau so teuer war, h\u00e4tte das niemals leisten k\u00f6nnen. Aber auch nicht ein irgendwie gearteter K\u00fcnstlertisch, der irgendwelche Vorstellungen des K\u00fcnstlers zum Ausdruck gebracht h\u00e4tte.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">2. Ein Wandobjekt in der gleichen Unternehmungsberatungsgesellschaft verdeutlichte durch Aufbau und Farbgebung Mandanten und Mitarbeitern den Grundaufbau der B\u00fcroorganisation. Der entsprach dem des menschlichen Gehirns: die Analytiker links, symbolisiert im Wandobjekt mit Zahlen in k\u00fchlem Blau, die Kreativen rechts, im Wandobjekt ausgedr\u00fcckt mit Buchstaben in emotionsstarkem Rot. Im Objekt fand sich alles vor dem Hintergrund einer wei\u00dfgrauen wolkigen \u201eGehirnmasse\u201c, in deren Mitte blauer und roter Teil verbunden waren. Die Verbindung war gekennzeichnet durch das Firmenlogo und eine Wiederholung der Erfolgssymbole, die auch in den Besprechungstisch eingearbeitet waren.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">In der B\u00fcrorealit\u00e4t zeigt sich diese Verbindung die beiden B\u00fcroteile durch einen gemeinsamen hohen Besprechungstisch mit ebenfalls bootsf\u00f6rmigem Charakter, doch nur mit Stehhilfen, um den knappen Gedankenaustausch zu f\u00f6rdern, und durch die sich direkt gegen\u00fcberliegenden Schreibtische der Teamleiter von Analytikern und Kreativen. Auch das erregte zun\u00e4chst die Ver- und dann meist die Bewunderung der Kunden. Denn die vielfach bestaunte Grundidee, das B\u00fcro der Organisation des menschlichen Gehirns nachzuempfinden, erhielt Ausdruck und Unterst\u00fctzung durch die k\u00fcnstlerische Darstellung.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Hotelbranche ist eine der wenigen Branchen, in welcher eine konsequente Ausrichtung von Architektur und Kunst auf Corporate Identity und Corporate Image bislang wohl am h\u00e4ufigsten verwirklicht wurde. Andere Dienstleistungsunternehmungen und die Industrie hinken deutlich hinterher. Dabei sind es gerade die Dienstleister, die aufgrund der Immaterialit\u00e4t ihrer Leistung einer materialisierten k\u00fcnstlerischen Darstellung ihrer Philosophie besonders bed\u00fcrfen. Diese kann bei Mitarbeitern, Kunden und anderen Stakeholdern t\u00e4glich den Bezug zur Corporate Identity herstellen, kann laufende Mahnung sein, sich an die Unternehmung gebunden zu f\u00fchlen und sich f\u00fcr sie einzusetzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Im Unterschied zu einer platten verbalen Botschaft, geht eine gute k\u00fcnstlerische Datstellung auch an die Emotionen. Ergebnis ist nicht nur ein \u00fcberzeugteres und \u00fcberzeugenderes Auftreten und Verhalten der Unternehmung nach Innen und Au\u00dfen, sondern auch die Vereinigung dezentral handelnder Mitarbeiter unter dem einheitlichen Dach einer gemeinsamen Philosophie.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Auf diese Weise werden Architektur und Kunst in den Dienst der Unternehmungsphilosophie gestellt. Das Korsett der Architektur wird ebenso abgelegt wie die ausdrucksverfehlte <i>Dekorativ<\/i>kunst, als l\u2019art pour l\u2019art oder art, poor art!<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p style=\"text-align: center;\">Der Architekt <i>verbaut<\/i> heut Stahl<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">und jede Menge Material.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Manchmal da baut er ganz von Sinnen<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">von au\u00dfen her den Bau nach innen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Und das Ergebnis der Neurose,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">das ganze Ding geht in die Hose.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p style=\"text-align: center;\">Die Au\u00dfenhaut ist nur das Kleid,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">doch manche denken nicht so weit.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">So passt sich dann der R\u00e4ume Enge<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">an an die Architektenzw\u00e4nge.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Von au\u00dfen ist der Bau zwar nett,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">doch innen drin ist er Korsett.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p style=\"text-align: center;\">Was so der Architekt \u201everwutzt\u201c,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">dann ganz allein als Denkmal nutzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Das diene hier als Denkansto\u00df:<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Wie wird man dieses Denken los?<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Denn innen liegt des Pudels Kern,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">nur dann arbeitet man da gern.<\/p>\n<p><a title=\"PDF-Datei\" href=\"http:\/\/www.neschle.de\/download-manager.php?id=97\">PDF-Datei<\/a><br \/>\nThis post was downloaded by  1164  people until now.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gro\u00dfe Architekten \u201everbauen\u201c sich in Denkm\u00e4lern The neurotic builds castles in the air, the psychotic lives in them, and the psychiatrist collects the rent.&nbsp;(Anonymous) Zu dem obigen Spruch gibt es eine Steigerung: Es gibt Neurotiker, die d\u00fcrfen ihre \u201eSchl\u00f6sser\u201c auch auf der Erde bauen. 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