{"id":289,"date":"2008-03-06T09:47:13","date_gmt":"2008-03-06T08:47:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-36-9-woche-2008\/"},"modified":"2020-06-21T10:53:00","modified_gmt":"2020-06-21T09:53:00","slug":"leon-neschle-36-9-woche-2008","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-36-9-woche-2008\/","title":{"rendered":"Leon Neschle 36 (9. Woche 2008)"},"content":{"rendered":"<header>\n<h2 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #4f81bd\">The American Gift: Fat Food, Fast Food oder doch nur fast Food?<\/span><\/strong><\/h2>\n<\/header>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>I\u2019m on a seafood diet &#8211; I see food, I eat it.&nbsp;<\/em>(Dolly Parton, Country-Dickva)<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Am 29. Januar 2008 in und vor der Mensa auf dem Essener Campus: Eine ausgehungerte Schlange steht Schlange. Hunderte von StudentInnen! Streikt das Mensapersonal? Gibt es nur <i>ein<\/i> Men\u00fc? Ist die Mahlzeit kostenlos? \u2013 Nichts von alledem! Man bezahlt auch heute den normalen Preis. Alle Essensausgaben sind ge\u00f6ffnet. Es gibt wie immer eine Auswahl von drei Men\u00fcs plus zwei B\u00fcffets, an denen es etwas mehr kostet, und ein Restaurant, wo es noch ein wenig teurer ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Doch die Essens-Ausgaben in Essens Mensa wirken verlassen. Bis auf eine! Bei der zieht sich ein mehrere Dekameter langer Menschenwurm bis vor den Eingang. Da stehen sie an f\u00fcr \u2026 einen Cheeseburger!? Einen wie vom Burger K\u00f6nig oder den Donald-Stuben. Nur schmeckt der wahrscheinlich nicht genau so (gut).<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Neschle zw\u00e4ngt sich vorbei an der studentischen Schlange und nimmt ohne Wartezeit vom Gem\u00fcse-B\u00fcffet. Seine Mitarbeiter essen Kohlroulade, direkt serviert. Der Rest ihres Mensa-Tisches ist jedoch okkupiert von opulenter Burger-\u201eKultur\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Der dicken, warmen Pressfleischscheibe, k\u00e4se\u00fcberschmolzen im sesambesprenkelten Weichbr\u00f6tchen, r\u00fccken die StudentInnen mit Messer und Gabel zu Leibe. Mit dem Besteck! Aus Metall! Das ist dann doch anders als in den USA!<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>A. Kindergeburtstag bei Donaldisten, Burger K\u00f6nigen und anderen fast Fudern!<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Neschle war neulich im Land der kaum begrenzten Unm\u00f6glichkeiten. Er liebt die Amerikaner f\u00fcr so vieles: f\u00fcr ihr positives Denken und den geringen Neidfaktor. Miesmacherei, simples Habenwollen ohne pers\u00f6nlichen Einsatz, ohne G\u00f6nnertum gibt es <i>dort<\/i> selten. Man freut sich mit am Erfolg der anderen. Der Amerikaner schleppt nicht an der Traglast von Bedenken, was versehentlich auch mal R\u00fccksichtslosigkeit wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Und er ist so umwerfend provinziell, dass er \u00fcberall auf diesem Planeten die Frage nach seiner Herkunft mit \u201eOh, I\u2019m from Georgia\u201c beantwortet. Dabei denkt er nicht im Traum daran, dass dies auch \u201eGeorgien\u201c sein k\u00f6nnte. Sein Bundesstaat ist einzigartig auf der Welt. Daher kommt er nie aus den USA! Allenfalls unter Vereinnahmung des Kontinents \u201cfrom America\u201d. Sonst aus Alabama, Mississippi oder California, bei gr\u00f6\u00dferen St\u00e4dten setzt er deren weltweite Bekanntheit voraus: \u201eI\u2019m from Atlanta\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Man stelle sich den Deutschen vor, der im fernen Australien sagt, er komme aus \u201eNordrhein-Westfalen\u201c, \u201eNiedersachsen\u201c oder \u201eK\u00f6ln\u201c! Denn dem US-Amerikaner kommt es nicht in den Sinn, sich der Landessprache anzupassen! Dieser Transatlantiker tut das v\u00f6llig schmerzfrei. Ihm hat man erz\u00e4hlt, sein puritanischer Provinzialismus sei \u201einternational\u201c. Deutsche glauben ihm das sogar. Doch wie kann ein Land <i>nicht<\/i> provinziell sein, in dem kaum jemand eine Fremdsprache beherrscht?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Junge Amerikaner sind beim Gang in die Welt (die meisten bewegen sich ihr Leben lang in ihrem Bundesstaat) verbl\u00fcfft, dass auf Frontseiten internationaler Tageszeitungen \u00fcber amerikanische Vorwahlen berichtet wird. Das kennen sie so nicht. Tageszeitungen in den USA machen fast nur mit inneramerikanischen Themen auf.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Da kommt es vor, dass amerikanische Pr\u00e4sidentschaftsbewerber(!) nicht wissen, wer in Deutschland Bundeskanzlerin ist und Putin als \u201ePr\u00e4sident\u201c der Bundesrepublik Deutschland durchgeht. So ist er eben der <i>\u201eAmi\u201c<\/i><a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"><i><b>[1]<\/b><\/i><\/a>, wie ihn der Franzose liebevoll nennte, reservierte er dieses Wort nicht f\u00fcr einen anderen Zweck.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Grauen bef\u00e4llt den sensiblen Mitteleurop\u00e4er allerdings beim US-amerikanischen Essen und Trinken, bei den Gebr\u00e4uchen der t\u00e4glichen Atzung in Fast Food Ketten und selbst in gehobenen Restaurants. Da zeigt sich die Verwandtschaft des Amis zu den Briten: \u201eBritain is the only country in the world where food is more dangerous than sex\u201c, meint Jackie Mason. So sind die Briten nicht allein!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Briten sind die Europ\u00e4er, die \u201eThe American Gift\u201c Fast Food am liebsten (an)nehmen, w\u00e4hrend es Franzosen am heftigsten ablehnen, trotz der obligatorischen <i>French<\/i> Fries<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> in den Schnellfress-Ensembles. Deutsche essen Fast Food vorwiegend wegen der Zeiteffizienz, machen aber daraus keine Lebenseinstellung. Sie bef\u00e4llt sogar ein schlechtes Gewissen beim Besuch der Schnellfress-Ketten.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">So sagt es eine Studie aus 2007. Diese Studie kennen die Essener Studenten offenbar nicht, die Studie kennt aber auch nicht die Essener Studenten. Und sie hat \u00fcbersehen, dass der Fast Food-Umsatz in den USA (auf hohem Niveau) stagniert, w\u00e4hrend er in Deutschland 2007 noch um 5 Prozent stieg. \u2013<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Neschle hat es gesehen: Das amerikanische Original. In Tupelo, Mississippi, dem Geburtsort von Elvis! Da verfiel er selbst im Fresss\u00fcndenpfuhl einer amerikanischen Ausfallstra\u00dfe der Versuchung und suchte eine Donaldstube in einer Art Fressgarage heim. Im Nebenraum war Kindergeburtstag. F\u00fcr jedes Kind eine \u00fcbergro\u00dfe Fresst\u00fcte, wie sie bei uns nur der Nikolaus bringt (Santa Claus all year?). Verteilt wurde sie von den Eltern. Von denen wog niemand unter gef\u00fchlten 150 Kilo, die Frauen inklusive. Vielleicht m\u00fcsste es da ja sogar \u201eFat Food\u201c hei\u00dfen und im Wort \u201eFast Food\u201c ist ein \u201eEss\u201c zuviel? Zu viel \u201eEssen\u201c ist da sowieso.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die fetten \u201eDonaldistInnen\u201c zw\u00e4ngten sich in die St\u00fchle, um dem gem\u00fctlichen Treiben ihrer auch schon verfetteten Brut anstrengungsfrei und Burger mampfend zuzusehen. Schon das Setzen war ein Akt: Die Unterh\u00fcftspeckfalte kam zuerst oberhalb der Seitenlehnen zu liegen, ehe sie durchflutschte, um sich beiderseits der Sitzfl\u00e4che zu ergie\u00dfen. Neschle hatte M\u00fche, seinen McRib nicht hervorzuw\u00fcrgen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Als eine Frau sich erhob, um als Mitglied der erschlaffen Eingreiftruppe den Geburtstagsmampf des korpulenten Kinderkaders entsorgungstechnisch zu begleiten, schleppte sie ihren Stuhl ein St\u00fcck weit mit. So schnell war die Speckfalte nicht wieder <i>\u00fcber<\/i> den Seitenlehnen. Praktisch ihre K\u00f6rperf\u00fclle! So kann man St\u00fchle tragen, ohne die H\u00e4nde einzusetzen. Hygienisch zudem: Die Lehnen bleiben frei von Burgerschmiere. Und wenn nicht, werden sie beim Hinsetzen von Speckfalten automatisch saubergerollt.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>B. Stil und Atmosph\u00e4re bei Fa(s)t Food und den Upgrade-Restaurants<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Atmosph\u00e4re bei McDonalds und Co. ist von Pappe. Pappe beherrscht die Szene bei \u201eBechern\u201c und \u201eGeschirr\u201c. \u201eBesteck\u201c sind meist nur die eigenen H\u00e4nde. Die erfassen im \u201eDoppeldonald\u201c den Burger mit beiden H\u00e4nden schr\u00e4g von hinten, um ihn nach und nach mit viel Stopfgef\u00fchl in die mahlende Futterluke zu versenken, w\u00e4hrend die rot-wei\u00df-gelbe Sauce \u00e4u\u00dferst \u201ebeil\u00e4ufig\u201c wird. Ab und zu l\u00f6st sich ein St\u00fcck Zwiebel, Tomate oder Salzgurke und f\u00e4llt in die Pappschachtel, meist jedoch auf den Tisch, den Fu\u00dfboden oder die neuen Klamotten. Schlipse oder Blusen \u00fcber kr\u00e4ftigen Busen wirken magnetisch, aber Mann kann ja nur das Erstere wirklich vermeiden.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">An dieser Stelle k\u00f6nnte Neschle seine Erfahrungen von anderen Fast Food Ketten hinzuf\u00fcgen, die er eigentlich bis zum Erbrechen kennenlernen wollte, aber es waren und w\u00e4ren einfach zu viele. Der allgemeine Amerikaner ja kocht selten. Deshalb sind die Fressgaragen in den Streets, Avenues und Boulevards zu den Essenszeiten \u00fcberschwemmt mit lauernden Leuten auf der Futtersuche. Das hat etwas Urspr\u00fcngliches, Wildes, Animalisches trotz aller Neon-Reklame.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Fast Food hat jedoch auch immer etwas mit Pappe, verschmierten H\u00e4nden, Servietten, Schnellfra\u00df, Selbstservice, Kantinenatmosph\u00e4re und Drive through (\u201eEat in your car\u201c) zu tun. F\u00fcr Getr\u00e4nke gibt es den Refill in den leeren Becher: Drink till you die! Solange Du die Mampfzone nicht verl\u00e4sst!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Pizza gibt es mit So\u00dfe zum Eintunken der handfreundlich vorgeschnittenen Ecken. Anders als ein Burger wird sie nur mit <i>einer<\/i> Hand gegessen. Doch manche Burger-Besessenen nutzen zum Nachschieben die zweite Hand. Der Pizza-Teig f\u00fchlt sich ja auch an wie das Sesambr\u00f6tchen. Sch\u00f6n weich! Ansonsten gibt es Chicken, Chicken, Chicken, ob Kentucky Fried oder nicht. Und Burger, Burger, Burger. Die werden ein- bis dreist\u00f6ckig angeboten, h\u00e4ngen \u00fcber das Pappbr\u00f6tchen hinaus oder passen gerade rein, um die wesentlichen Unterschiede zwischen den Ketten zu nennen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Gehobene<\/i> Burgerkultur gibt es zum doppelten Preis. Da sitzt man auf gepolsterten B\u00e4nken oder St\u00fchlen. Es gibt richtiges Geschirr und Besteck, manchmal sogar \u201eGlas-Gl\u00e4ser\u201c statt Pappe oder Plastik. Man wird bedient und platziert. Fernseher laufen unentwegt ohne Ton, mit Sendungen aller Art von Nachrichten \u00fcber Football bis hin zu Soap-Operas. Neschle \u201ez\u00e4hlte\u201c in einem einzelnen Restaurant \u00fcber siebzig Fernseher. Er musste dazu nur das Ger\u00e4t mit der h\u00f6chsten Nummer suchen, denn die Ger\u00e4te waren durchnummeriert. Bis \u201e74\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die \u201eUnterst\u00fctzung\u201c durch die Bedienung ist kein Segen in diesen Restaurants. Man kann den Pappbecher nicht selbst bef\u00fcllen, wenn man Durst hat, sondern bekommt das Glas-Glas automatisch mit gechlortem Eis bis zum Anschlag. In dessen Zwischenr\u00e4ume wird das Kaltgetr\u00e4nk gef\u00fcllt. So wird das italienische Mineralwasser \u201eSan Pelegrino\u201c mit dem Chlor des Eises geimpft und serviert mit den Worten \u201eYour Sam Pell Gringo\u201c. Vielleicht hat da jemand zu viele Gringo-Western gesehen? Lecker!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">H\u00e4lt man eine kleine Weile mit dem Essen ein, ist die gerade angelernte Lern-\u201eSchwester Oberin\u201c gleich zur Stelle, um dem Pausierenden die Essgarnitur zu entrei\u00dfen oder, im besten Fall, geschickt zu entwenden. Feine Hinweise wie das Weiteressen der Tischgenossen werden schmerzfrei ignoriert. Ein gekreuztes Besteck sowieso. Das Doggy-Bag ist aber sofort zur Hand. Es wird auch angeboten, die Reste schon mal einzupacken, w\u00e4hrend die anderen noch essen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ist die Bedienung der subjektiven Auffassung, das Essen sollte zu Ende sein, platziert sie <i>ungefragt<\/i> die Rechnung dort, wo vermutlich das Geld sitzt. Immerhin liegt meist die R\u00fcckseite dezent oben. Beim Abr\u00e4umen nimmt die Kellnerin das Besteck vom Teller und f\u00fchrt es in schwungvollem Bogen \u00fcber die Kleidung des Gastes. Dann erst kommt, anders als im Kurs \u201eKellnern f\u00fcr Anf\u00e4nger\u201c, der Teller.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">W\u00e4hrend Westeurop\u00e4er in Ruhe essen, hat sich ihr Nebentisch schon zum zweiten Mal mit dickleibigen Amerikanern bef\u00fcllt. Kein Wunder, dass die zunehmen. Man l\u00e4sst ihnen nicht einmal Zeit f\u00fcr das S\u00e4ttigungsgef\u00fchl. Die Amerikaner unterhalten sich kaum, denn dazu scheinen sie \u201ekeine Zeit\u201c zu haben. Sie starren zwischendurch nur abwechselnd auf die vielen Fernseher. Es wird geschlungen und fertig. Mit vollem Mund soll man ja nicht sprechen. Alles dient der puren Atzung.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Da man es anders gewohnt ist, wird das Besteck hier nicht immer f\u00fcr den Zweck gew\u00fcrdigt, f\u00fcr den es in Europa einst erfunden wurde. Wozu hat man uns die H\u00e4nde geschenkt? Beide nat\u00fcrlich! Da ist man froh, auf der Toilette, des \u201eRestrooms\u201c, zu lesen, dass wenigstens das Personal gesetzlich(!) verpflichtet ist, sich nach dem Besuch dort die H\u00e4nde zu waschen. Ja, wenn man das hier gesetzlich vorschreiben muss?! \u2013<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Das Vorbild bei Essen und Trinken ist Italien. Es gibt jede Menge \u201eitalienische\u201c Restaurants, die allerdings nie einen Italiener gesehen haben. Dass Italiener ihre Pizza-Ecken nicht in BBQ-So\u00dfe tauchen, nimmt man erstaunt zur Kenntnis. Ebenso die Tatsache, dass Pizza in Italien ein eher regionales Gericht war und zum Teil auch noch ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u00dcberhaupt scheint dem alten Europa eine R\u00fcckst\u00e4ndigkeit anzuhaften, die man hier immer erst \u00fcberwinden muss. Durch \u201eamerikanische Verbesserungen\u201c des Nat\u00fcrlichen! Die gelten vor allem den Getr\u00e4nken, auch wenn man hier den Push-Up-BH erfunden hat. Um dem Nat\u00fcrlichen etwas beizumengen und etwas St\u00fctze zu geben.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>C. Auch in Amerika verdurstet man eher als dass man verhungert<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Musterbeispiel f\u00fcr \u201eamerikanische Verbesserungen\u201c ist Starbucks, das einst den italienischen Kaffee in die Neue Welt bringen sollte. Hier ist das Fast Food Konzept \u00fcbertragen in die Kaffehaus-\u201eKultur\u201c: Man stellt sich in Reihe an den Tresen, um eines der unterhalb der Decke ausgeleuchteten \u201eGetr\u00e4nke\u201c auszuw\u00e4hlen. So erzieht man hier schon immer entscheidungsschwache Menschen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Da der Amerikaner auch jahrhundertealte Getr\u00e4nke nicht so lassen kann, wie sie mal waren, werden sie gnadenlos mit Zus\u00e4tzen vermixt, was ihren Preis in unversch\u00e4mte H\u00f6hen treibt. Schlie\u00dflich ist Starbucks die einzige \u201eKaffeehausgem\u00fctlichkeit\u201c, die dem Amerikaner geboten wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Der Europ\u00e4er mag zweifeln, was daran gem\u00fctlich ist, wenn man wilde Kaffee(?)-Ges\u00f6ffe, die man sich an der \u201eBar\u201c mixen lie\u00df, an blanken Tischen aus Pappbechern per Plastik-Trinkhalm in sich hineinzieht. Dabei steht auf der Trinkhalmverpackung auch noch \u201eNot Recommended For Use in Hot Beverages\u201c. Na dann: Gut Zug!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Mit diesem Widerspruch soll man offenbar leben \u2013 das ist der Amerikaner ja gewohnt \u2013 oder warten, bis es \u201ekalter Kaffee\u201c ist! Aber \u201ekalter Kaffee\u201c ist es ja ohnehin, f\u00fcr den merklichen Preis von 5,95 Dollar pro Mix, die in Europa allerdings zum Teil anders und weniger k\u00fcnstlich ausfallen. Die Variante mit dem Mint-Geschmack d\u00fcrfte wohl allenfalls in England den Kaffee nach dem Z\u00e4hneputzen ersetzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Neschles \u201e\u00f6sterreichische\u201c Bekannte will sich dieser donaldistischen Kaffeehauskultur in letzter Sekunde verweigern. Da ist sie aus Klagenfurt Besseres gew\u00f6hnt. Sie bestellt einen gr\u00fcnen Tee. Mit Plastik-Deckel auf den Pappbecher, damit keiner sieht, was er trinkt. Doch irgendwie ist die Konsistenz ihres warmen Getr\u00e4nks so fest wie bei einem Smoothie, dem halbfesten Frucht-Eis-Mix. Den Deckel gelupft und nachgesehen. Oh Gott! Ein knaaatschgr\u00fcne flockige Masse ist das, was \u201egr\u00fcner Tee\u201c sein sollte. Monster-Glibber! Die Nachfrage an der Bar ergibt: Ja sicher ist ein Zusatzstoff drin! Der komme immer rein. Ungl\u00e4ubig staunt man dort nur \u00fcber den Verzicht darauf: Gr\u00fcner Tee als einfacher Teebeutel in Wasser? Das ist f\u00fcr Amerikaner nicht raffiniert genug. Das ist die Simplicit\u00e4t des alten Europas und des Rests der Welt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Kaffeebereitung geriert sich zwar mit Dampf und Zisch als italienisch, aber amerikanische Zusatzstoffe, die Geschmack und Aussehen ver\u00e4ndern sind Pflicht. Dabei sind es keinesfalls nur klassische Zusatzstoffe wie Milch und Zucker. Der Schnaps f\u00fcr einen \u201ecoretto\u201c fehlt sogar. Aber es gibt das schon erw\u00e4hnte Mint, Karamell oder Vanille. In der Zahnpasta hat Neschle nichts gegen Mint einzuwenden, aber im Kaffee? Doch Amerikaner \u201egenie\u00dfen\u201c ihren Starbucks-Kaffee mit frischem Kaugummi im Mund. Warum dann nicht auch mit Mint-Geschmack?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Neben dem Pappgef\u00e4\u00df regiert Plastik die Getr\u00e4nkewelt. Bier im Plastikbecher erh\u00e4lt man sogar in mancher Hotelbar. Nat\u00fcrlich gibt es auch Whiskey oder Rum aus dem Plastikbecher. Doch der Amerikaner trinkt den nicht pur. Er zieht den Cocktail<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> vor. Daher sind die Spirituosen regelm\u00e4\u00dfig nur von bescheidener Qualit\u00e4t. Wer merkt schon etwas von richtig guten Qualit\u00e4ten im Cocktail-Mix, zumal gechlortes Eis im Cocktail keine Seltenheit ist? Man kann eben nicht alles haben!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">In einem Viersterne-Hotel in der amerikanischen Provinz lachte man uns sogar aus, als wir f\u00fcr unser Bier (Nat\u00fcrlich mit Zusatzstoffen jenseits des deutschen Reinheitsgebots!) \u201eA glass, please!\u201c verlangten. Man trank dort nur direkt aus der Flasche. Und das, wie immer, eiskalt um den Gefrierpunkt herum.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Am Strand von Miami Beach war es besser. Da gab es auch schon mal einen Pitcher, einen Plastiktopf mit 1,89 Liter Bud Light und gechlortem Eis darin. Das ist eben das amerikanische Reinheitsgebot. Chlor dient dabei der Hygiene: <i>\u201eIt Kills All Known Germ(an)s\u201c<\/i><a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\"><i><b>[4]<\/b><\/i><\/a>.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>D. Es geht auch anderes in America<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Es gibt freilich auch Ausnahmen von dieser transatlantischen Trink- und Fresskunst. Um die zu finden, bedarf es eines kundigen einheimischen F\u00fchrers. Und nur wenige sind kundig. Na, wer sich sonst fast jeden Tag mit Fat Food zufriedengibt!?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Selbst in der amerikanischen Provinz fanden wir aber ein vorzeigbares Restaurant. In dem waren die Fernseher nicht in allen R\u00e4umen eingeschaltet!!! Und es gab weitab vom Meer vorz\u00fcgliches \u201eSeafood\u201c. Die \u2013 kaum zu verhindernden Eisw\u00fcrfel \u2013 in den Getr\u00e4nken waren nicht einmal gechlort.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Doch selbst da wurde in jeder Essenspause ein Abr\u00e4umversuch gestartet und die Rechnung lag bereits auf dem Tisch, bevor wir danach gefragt hatten. So wollte man offenbar den Tisch freikriegen. So ginge das sicher auch in Europa. Aber dort w\u00fcrde er ganz lange frei sein, am n\u00e4chsten Tag auch und in der n\u00e4chsten Woche und \u2026 . Hier aber geh\u00f6rt es wohl zum ganz normalen Anstand.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Doch es gibt auch \u00fcberraschend Gutes: Auf der Ebene 2 im Museum of Modern Art in New York findet man es etwas, das nicht nur \u201eitalienisch\u201c hei\u00dft, sondern tats\u00e4chlich so ist. In einem Airport Hotel in Atlanta gab es neben den \u00fcblichen Edel-Burgern vorz\u00fcgliche Speisen. Es gab ein feines Bier von einer \u00f6rtlichen Brauerei, das Bud light und Co. vergessen lie\u00df, an die man sonst allzu oft zwangserinnert wurde. Leider hatte \u201eSweet Georgia Brown\u201c, so nannte sich der Tropfen, einen Nachteil. Da hatte man jenseits des \u201eReinheitsgebots\u201c alles reingeheizt, was irgendwie trinkbar ist und schwindelig macht. Nach nur einem einzigen Glas hatten Neschle und seine Begleitung am n\u00e4chsten Tag einen Brummsch\u00e4del wie nach einem VW-Betriebsfest. Da war der Rest guter Erinnerung an das Essen in diesem Hotel gel\u00f6scht. <i><u><\/u><\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Apropos Rest! Nachdem wir den Kettenfra\u00df durch hatten, lautet unsere Erkenntnis: Das meiste, das wir dort zu essen bekamen, h\u00e4tte man besser ohne den Umweg durch unsere K\u00f6rper im Restroom entsorgt. Da ist ja immer riesig Platz f\u00fcr stabile Amerikaner und immer jede Menge Wasser in der Sch\u00fcssel!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Am Ende mal ein Gedicht und ein Foto, das selbst ein Gedicht ist. Von Neschle auf einer Stra\u00dfe in Trastevere (Rom) entdeckt. Wenn das nicht den Zusammenhang zwischen Fast Food und dem Irak-Krieg erkl\u00e4rt!? <b>Immerhin sind die Amerikaner so fair, ihr (Burger-)Touristenmen\u00fc selbst zu essen. Italiener tun das nicht!<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Was Reim und Versma\u00df bei Gedichten,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">sind Messer, Gabel bei Gerichten.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Es l\u00e4sst sich zwar mit schlechten Dichtern,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">ein gutes St\u00fcck Kultur vernichte[r]n. \ud83d\ude09<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Doch wo der Burger sich verbreite[r]t,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">da ist uns\u2019re Kultur gescheitert.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p style=\"text-align: center;\">\u201eAmerika, Du hast es besser!?<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Beidh\u00e4ndig is(s)t der Burger-Fresser.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Europe\u2019s culture he denies,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">he takes his fingers for French Fries.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Sein Cola-Becher ist aus Pappe,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">der Rest der kulturellen Schlappe.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p style=\"text-align: center;\">Wer besser speist, dem wird \u201egeservt\u201c,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">was ihn manchmal besonders nervt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Kultur ist n\u00e4mlich auch egal,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">dem angelernten Personal.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Besonders gern klaut es Besteck,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">schon vor der Mahlzeit Ende weg.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p style=\"text-align: center;\">Es ist, als steht dort in der Satzung:<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Das Mampfen dient allein der Atzung.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Wer dabei spricht und dabei lacht,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">dem wird die Rechnung gleich gebracht.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Da ist es gut, dass ungelogen,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">das Trinkgeld wird zwangseingezogen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p style=\"text-align: center;\">Denn sollt\u2019 wer diesen Service hassen,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">kann man sich kaum darauf verlassen,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">dass er bei solcher Qualit\u00e4t,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">nicht ohne Trinkgeldzahlung geht.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Wenn ich es deutlich sagen m\u00fcsste,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">dort ist die wahre Service-W\u00fcste.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p style=\"text-align: center;\">So tr\u00f6sten nur am stillen Orte<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">gesetzlich festgelegte Worte:<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Personal nicht gar zu lasch:<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Nach dem Stuhlgang H\u00e4ndewasch!<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Dann ist man doch, so will es scheinen,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">mit der Kultur wieder im Reinen.<\/p>\n<p>&nbsp; <a title=\"clip_image002.jpg\" href=\"http:\/\/www.neschle.de\/wp-content\/2008\/03\/clip_image002.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" src=\"http:\/\/www.neschle.de\/wp-content\/2008\/03\/clip_image002.jpg\" alt=\"clip_image002.jpg\"><\/a><\/p>\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\">\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Der Name \u201eAmerika\u201c ist abgeleitet von Amerigo Vespucci latinisiert Americus. Popul\u00e4r gemacht haben diesen Namen die Landkarten von Gerhard Mercator, nachdem der Kartograph Martin Waldseem\u00fcller den Kontinent nach dem falschen(!) Vornamen Vespuccis benannt hatte. Vespucci hie\u00df eigentlich \u201eAlberigo\u201c. So hat Amerika nicht nur seine Entdeckung, sondern auch seinem Namen einem Fehler zu verdanken. Da wundert sich noch einer!?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Wegen des franz\u00f6sischen Widerstandes gegen den Irak-Krieg wurden sie im amerikanischen Repr\u00e4sentantenhaus vor\u00fcbergehend \u201eFreedom Fries\u201c genannt. Die Franzosen werden allerdings von den Angelsachsen ohnehin zu Unrecht mit dieser <i>belgischen<\/i> Erfindung geschm\u00fcckt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Das m\u00e4nnliche Geschlechtsteil nennt der Engl\u00e4nder \u201eCock\u201c, der Deutsche eher \u201eTail\u201c. Beides zusammen ergibt den \u201eCock-Tail\u201c. Im Zusammenspiel ist das der lange bunte \u201eHahnenschwanz\u201c! Da kann man sich nur wundern, dass Cocktail-Kleider kurz statt lang sind und eher schwarz statt bunt. Aber das scheint besser zum bunten \u201eCock-Tail\u201c zu passen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> \u201eGerms\u201c ist keinesfalls eine abk\u00fcrzende Sprechweise f\u00fcr \u201eGerm<i>an<\/i>s\u201c, zumindest nicht bei allen Amerikanern. Denn es bedeutet \u201eKrankheitskeime\u201c!<\/p>\n<p><a title=\"PDF-Datei\" href=\"http:\/\/www.neschle.de\/download-manager.php?id=91\">PDF-Datei<\/a><br \/>\nThis post was downloaded by  1282  people until now.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>The American Gift: Fat Food, Fast Food oder doch nur fast Food? I\u2019m on a seafood diet &#8211; I see food, I eat it.&nbsp;(Dolly Parton, Country-Dickva) Am 29. 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