{"id":244,"date":"2008-02-12T18:20:14","date_gmt":"2008-02-12T17:20:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-34-7-woche-2008\/"},"modified":"2020-06-21T11:06:52","modified_gmt":"2020-06-21T10:06:52","slug":"leon-neschle-34-7-woche-2008","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-34-7-woche-2008\/","title":{"rendered":"Leon Neschle 34 (7. Woche 2008)"},"content":{"rendered":"<header>\n<h2 style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #4f81bd\"><strong>Eine kleine Philosophie der Haus-, Seminar-, Fach-, (Fall)Studien-, Bachelor-, Master-, Diplom- und Doktorarbeit<\/strong><\/span><\/h2>\n<\/header>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>The problem is all inside your head she said to me, the answer is easy if you take it logically&nbsp;<\/em>(Paul Simon)<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">J\u00e4hrlich wandern etliche Haus-, Seminar-, Bachelor-, Master-, Diplom- und Doktorarbeiten \u00fcber den Schreibtisch von Neschles Alter Ego. Dazu jede Menge Fallstudien, \u201eCase Studies\u201c wie die Wichtigtuer der Jetztzeit sagen. \u00dcber die Jahre hat sich bei ihm daher neben Lachen von Weinen und zwischen Lachen und Weinen dar\u00fcber ein umfassendes Wissen angesammelt. Nicht nur \u00fcber die darin abgehandelten Inhalte, sondern auch \u00fcber die Themenwahl, stilistische Fragen und dar\u00fcber, was die \u201ePhilosophie\u201c solcher Arbeiten ist.<!--more--><\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>A. Die filigrane \u201ePhilosophie\u201c der Themenwahl<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Bekommt man sein Thema vorgegeben, scheint dieses Kapitel ohne Bedeutung. \u2013 Ist es aber nicht! Es kann wichtig sein zu wissen, was der Vorgebende (zumal wenn er der Beurteiler ist!) mit dem Thema beabsichtigt, was <i>ihn<\/i> also bei <i>seiner<\/i> Themenwahl getrieben hat. Das bestimmt seine Erwartungen an und in die Arbeit. Entt\u00e4uschte Erwartungen enden aber in schlechten Beurteilungen (Wie war ich Schatz?!).<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Also: Auch hier ist die Frage nach der Themenwahl und ihrer Begr\u00fcndung wichtig! Da muss man sich den Kopf des Dozenten machen! Nachfragen, wenn man glaubt, das nicht zu schaffen! Welcher Student kann sich schon in das jahrelang angekr\u00e4nkelte Gehirn eines Professors versetzen? Manchmal kann der das nicht mal selber, weswegen zwei Professoren auch mindestens drei Meinungen haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Kann der Student sein Thema selbst w\u00e4hlen, ist dieses Kapitel allerdings ungleich wichtiger. Dabei gibt es zwei Grundans\u00e4tze:<\/p>\n<ol style=\"text-align: left;\">\n<li>Auswahl nach vorhandenem Potential unter der Pr\u00e4misse, dass eines da ist, ein Potenzial, oder dass man jemanden findet, der eines hat. Ziel: Schwierigkeiten oder Fehler vermeiden.<\/li>\n<li>Auswahl nach angestrebtem Potential, was immer geht, selbst wenn man noch keines hat, ein Potenzial, aber was eben das Streben voraussetzt. Ziel: Herausforderungen suchen, M\u00e4ngel in Kauf nehmen.<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: left;\">Folgt ein Kandidat dem Verhaltensmuster 1, \u201e(Current) Resource Based View\u201c, st\u00fctzt er seine Arbeit schon auf vorhandene (Kern-)Kompetenzen bei sich oder anderen. <i>Er betrachtet die Arbeit <u>nicht<\/u> als Herausforderung (,) an sich selbst (,) durch die Auseinandersetzung mit der Thematik neue Kompetenzen zu entwickeln.<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Im Extremfall l\u00e4uft das auf das Abkupfern fremder Quellen hinaus. Dadurch wird diese ressourcenbasierte \u201eSicherheitsstrategie\u201c allerdings zum Vabanquespiel. Stellt der Pr\u00fcfer den Ideenklau fest, zwingt ihn das zum Urteil \u201emangelhaft\u201c. Bei nachtr\u00e4glicher Feststellung wird selbst bei einem \u201esehr gut\u201c der schon \u201e<i>verliehene<\/i>\u201c Titel wieder entzogen, von weitergehenden Ma\u00dfnahmen ganz abgesehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Nicht ge\u00e4chtet \u2013 doch kaum geachtet \u2013 ist dagegen folgendes Vorgehen: Man w\u00e4hlt ein Problem, \u00fcber das es aktuell ein umfangreiche Diskussion in einem wissenschaftlichen Themenheft gibt, bei dem vielleicht sogar \u201eStimmen aus der Praxis\u201c erg\u00e4nzt sind. Dadurch hat man eine solide Grundlage f\u00fcr seine Arbeit. Wenn man auf dem Gebiet schon eine solide Vorkenntnis hat, l\u00e4sst sich gut und sicher darauf bauen. Ambiti\u00f6s und bumforzin\u00f6s (\u201etoll\u201c f\u00fcr Nicht-Ruhrgebietler) ist diese Themenwahl nicht. Dazu ist sie zu stark r\u00fcckw\u00e4rts orientiert an dem, was bereits da ist. Der engagierte Blick in die Glaskugel der eigenen glorreichen Zukunft fehlt. \u2013<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die kontr\u00e4re Philosophie bei der Themenwahl begreift die Arbeit als Ma\u00dfnahme der eigenen Qualifizierung mit Blick auf eine <i>angestrebte<\/i> F\u00e4higkeit. Die Arbeit wird nicht in die bestehende Welt gedr\u00fcckt, sondern man l\u00e4sst sich von und mit seiner Arbeit in eine neue Zukunfts-Welt ziehen, betritt Neuland, wie es in den \u00fcblichen Gutachterfloskeln hei\u00dft. Welches Land das ist, h\u00e4ngt davon ab, wie stark der einzelne au\u00dfen- oder marktgesteuert ist. Bei einer reinen Marktsteuerung w\u00e4hlt der Student ein Thema, das etwa beim von ihm gerade durchgef\u00fchrten Praktikum, en vogue ist, unabh\u00e4ngig davon, ob er selbst dieses Thema innerlich tr\u00e4gt und ob es ihm Potential f\u00fcr die Zukunft gibt. Dieser \u201e(Current) Market Based View\u201c ist einer nachhaltigen Entwicklung von Pers\u00f6nlichkeit und F\u00e4higkeiten ebenfalls nicht zutr\u00e4glich.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Da w\u00e4re es besser, man begibt sich mit seiner Arbeit auf ein Gebiet, das Synergien mit einer <i><u>k\u00fcnftig<\/u><\/i> angestrebten T\u00e4tigkeit aufweist. Bei der Themenwahl sollten sowohl die k\u00fcnftige Nachfrage nach der Thematik leitend sein als auch die eigene Freude und Begeisterung daran. So verbindet man die Entwicklung des pers\u00f6nlichen Potentials mit der Entwicklung des k\u00fcnftigen (Arbeitsmarkt-)Potentials und vers\u00f6hnt \u201e(Emerging) Market Based View\u201c und \u201e(Developing) Resource Based View\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die \u201ereinen\u201c Vertreter von Market- und Resource Based View haben sich weidlich mit Wortwatscheln beworfen. Die einen standen auf dem Standpunkt, ich mache immer, was der Kunde will, egal ob ich es kann. Die anderen meinten eher, ich tue immer, was ich kann, und kann auch, was ich tue; der Kunde wird es irgendwann m\u00f6gen wollen k\u00f6nnen m\u00fcssen. Nach der einen Methode l\u00e4sst man sich ins ungeliebte Dschungel-Camp verziehen hat aber 7 Millionen (!?) Zuschauer, nach der anderen Methode spricht man Theater und H\u00f6rs\u00e4le leer. Angesichts dieser Alternativen ist die Vers\u00f6hnung beider Ans\u00e4tze doch mal ein positiver Versuch!<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>B. Die eigenst\u00e4ndige Themenwahl<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Da kommen die Kandidaten an mit ihrem Thema. Das geht ungef\u00e4hr so: \u201eIch will was \u00fcber \u201eRating\u201c schreiben!\u201c Statt \u201eRating\u201c kann man auch \u201eR\u00fcckstellungen\u201c, \u201eBalanced Scorecard\u201c oder sonst etwas einsetzen. Der gemeine Student h\u00e4lt das schon f\u00fcr ein \u201eThema\u201c. \u2013 Es ist aber keines! Jedenfalls keines f\u00fcr solche Arbeiten. Die verlangen keine Ausz\u00fcge aus Lehrb\u00fcchern und reine Darstellungen \u00fcber \u201eRating\u201c oder sonst etwas. Es sind keine \u00dcbersichtsartikel, sondern Arbeiten, die <i>ein Problem unter der Anwendung von Theorie<\/i> behandeln sollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Um es am Beispiel zu demonstrieren. \u201eK\u00f6ln\u201c ist kein Thema f\u00fcr solche Arbeiten, sondern eine Stadt oder der Gegenstand einer Betrachtung im Rahmen eines Themas. Themen aber k\u00f6nnten sein: \u201eRhein\u00fcberflutungen im Stadtgebiet von K\u00f6ln \u2013 Ursachen und Folgen\u201c oder \u201eErfahrungen eines schwulen Leichtmatrosen auf dem Christopher sein Stra\u00dfentag in K\u00f6ln\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Warum ist \u201eK\u00f6ln\u201c ebenso wie \u201eRating\u201c <i><u>kein<\/u><\/i> Thema? \u2013 Weil die Problemperspektive fehlt! Hie\u00dfe das Thema \u201eK\u00f6ln\u201c k\u00f6nnte man genau so schreiben: \u201eAlles, was man \u00fcber K\u00f6ln wissen k\u00f6nnen sollte!\u201c Das finge mit der Fl\u00f6ns (Blutwurst) an und endete noch nicht beim Kl\u00fcngel, der k\u00f6lsch-mafi\u00f6sen Auspr\u00e4gung von \u201eManus manum lavat\u201c (\u201eEine Hand w\u00e4scht die andere.\u201c), gerade wenn es dabei auch mal um Abfall geht.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Jedes Thema besteht also aus Betrachtungsobjekt und Betrachtungsweise. Letztere definiert den Problemfokus, den Scheinwerfer in dessen Licht man das Objekt oder den Gegenstand betrachtet. Damit wird zugleich festgelegt, was man ausblendet, wovon man abstrahiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Das l\u00e4sst sich gut am Beispiel der Landkarte sehen, die Neschle schon mal als Metapher f\u00fcr die verbesserte Orientierung durch eine Theorie herangezogen hat (<a href=\"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-21-28-woche-2007\/\">Leon Neschle 21<\/a>). \u201eK\u00f6ln\u201c w\u00fcrde hier nur den Betrachtungsgegenstand, den Kartenausschnitt, bestimmen. Der Orientierungszweck w\u00fcrde erst durch die Art der Karte vorgegeben: \u201eHistorische St\u00e4tten\u201c, \u201eRestaurantf\u00fchrer\u201c, \u201eRadwanderkarte\u201c, \u201ePark and Ride\u201c, \u201eBesitzverh\u00e4ltnisse\u201c, \u201eHundespazierg\u00e4nge\u201c, \u201eRouten der Schul- und Veedels-Karnevalsz\u00fcge\u201c etc. .<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Also liebe Studies: Kommt Ihr k\u00fcnftig mit einem \u201eThema\u201c zu Neschles Alter Ego, dann achtet darauf, dass es eines ist. \u201eRating\u201c ist keines! Aber \u201eDer Vergleich von externen und internen Ratings bei mittelst\u00e4ndischen Unternehmungen\u201c ist ebenso eines wie \u201eDie Prognosequalit\u00e4t externer Ratings bei Insolvenzen multinationaler Unternehmungen\u201c, etc., etc., etc. Zum <i>angeblichen<\/i> Thema \u201eRating\u201c gibt es also durch die spezifische Betrachtungsweise beliebig viele <i>echte <\/i>\u201eThemen\u201c, die alle denselben Gegenstand behandeln, aber jeweils andere Fragen stellen und andere Aspekte hervorheben. Sonst k\u00f6nnte auch niemand die x-te Dissertation \u00fcber \u201eUnternehmensbewertung\u201c schreiben.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Hier sei an die Philosophie der Themenwahl erinnert: Ein ideales Thema ist das nur, wenn sich der Studierende damit zugleich auf einem Feld fit macht, das er f\u00fcr ertragreich h\u00e4lt (wie immer er die Ertr\u00e4ge f\u00fcr sich selbst definiert!) und das er k\u00fcnftig zu beackern denkt. Nur dann lohnt es sich, in ein solches Thema zu investieren. Denn eine solche Arbeit verlangt die Investition von Zeit und M\u00fche. Daf\u00fcr sollte man seinen eigenen Business-Plan f\u00fcr seine Pers\u00f6nlichkeitsentwicklung schon im Kopf haben.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>C. Oh mein Gott! Die Gliederung!? Formales, Anfang und Ende!<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Was unter \u201eGliederung\u201c gemeinerweise geboten wird, ist im ersten Anlauf meist eine Katastrophe. Das f\u00e4ngt im Formalen an, und (ver-)endet in der Struktur. Zum Formalen nur drei Bemerkungen:<\/p>\n<ol style=\"text-align: left;\">\n<li>Die Logik gebietet es: Auf einen Gliederungspunkt \u201e1.\u201c muss mindestens ein Punkt \u201e2.\u201c folgen. Jede zweite Gliederung, die man Neschles Alter Ego anbietet oder antut, hat aber einen Obergliederungspunkt, unter dem nur ein einziger \u201eUntergliederungspunkt\u201c vorkommt, der genau deshalb keiner ist. Denn er untergliedert ja gar nicht. Warum da nicht eine der \u00dcberschriften sparen?<\/li>\n<li>Die \u00c4sthetik gebietet es: Bei allen Gliederungspunkten ist zumindest auf einer Gliederungsstufe der Stil beizubehalten! Verwendet man den \u201eFragenstil\u201c f\u00fcr die Untergliederung, dann bei allen Unterpunkten dieser Stufe. Der wilde Wechsel zwischen Fragen, S\u00e4tzen und einzelnen W\u00f6rtern, Verwendung von bestimmten oder unbestimmten Artikeln oder eben nicht kommt bei Kulturmenschen nicht gut! Hier ein b\u00f6ses Beispiel, obwohl es inhaltlich durchaus gut ist, weil es sich an ein Modell (der Boston Consulting Group) anlehnt \u2013 ein empfehlenswertes Vorgehen gerade f\u00fcr niedrige Gliederungsstufen:1.1.1 In der Einf\u00fchrungsphase (\u201eQuestion Marks\u201c)1.1.2 Die Rising Stars (stark <i>wachsender <\/i>Absatz)1.1.3 K\u00f6nnen die \u201eCash Cows\u201c (Melkk\u00fche) Nachfolgeprodukte finanzieren?1.1.4 Poor Dogs \u2013 Produkte, die man vom Markt nehmen sollte!?\n<p>Das ist geschmacklich grundgr\u00e4uslich und olmgrottenoberfaul! Doch so tief gleiten Studies manchmal bei der Gliederung!<\/li>\n<li>Ein Punkt 3.1.2.4.5.2.1.3.3.2 macht es schwer, die Gliederungsstufe wiederzufinden: \u201eWas behandeln Sie unter Punkt Dreimilliardenhundertvierundzwan\u00adzigmillionenf\u00fcnfhunderteinundzwanzigtausenddreihundertzweiunddrei\u00dfig?\u201c, ist man da geneigt zu fragen.Gliederungspunkte, die nur eine Viertelseite einnehmen, sollte man vermeiden. Der Text sollte ohnehin in sich gegliedert sein. Bei langen Arbeiten kann man der \u00dcbersichtlichkeit halber auch <i>zwei <\/i>Gliederungen vorschalten, Grob- und Feingliederung. Man kann die Hauptteile unabh\u00e4ngig von der weiteren Untergliederung mit \u201eTeil A\u201c etc. \u00fcberschreiben. Man erspart sich und dem Leser dadurch schon eine Ziffernl\u00e4nge. \u2013<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: left;\">Damit zum Aufbau! Der \u201eklassische\u201c Aufbau einer solchen Arbeit besteht aus einem Anfangsteil, einem Hauptteil und einem Schlussteil:<\/p>\n<ol style=\"text-align: left;\">\n<li>Der Anfangsteil ist meist mit \u201eEinleitung\u201c, \u201eEinf\u00fchrung\u201c oder \u201eProblemstellung\u201c \u00fcberschrieben. Diese \u00dcberschriften sagen nichts \u00fcber den Inhalt, sondern nur \u00fcber die Funktion dieses Teils. So ist das auch beim Schlussteil, der mit \u201eErgebnis\u201c (\u201eFazit\u201c), \u201eZusammenfassung\u201c oder \u201eAusblick\u201c bezeichnet wird, oder mit einer Kombination \u201eErgebnis und Ausblick\u201c bzw. \u201eZusammenfassung und Ausblick\u201c. Aus diesen \u201eFunktions\u00fcberschriften\u201c erf\u00e4hrt der Leser nichts \u00fcber den spezifischen Inhalt. Diese \u00dcberschriften finden sich so in fast jeder Arbeit.\u00dcberschriebe man die Kapitel des <i><u>Hauptteils<\/u><\/i> in vergleichbarer Weise, w\u00fcrden die \u00dcberschriften z.B. lauten: \u201eAusgangslage\u201c, \u201eM\u00f6glichkeiten der Ver\u00e4nderung\u201c, \u201eAuswahl einer Ma\u00dfnahme\u201c, \u201eWirkungen und Nebenwirkungen der gew\u00e4hlten Ma\u00dfnahme\u201c. Hier sind solche \u00dcberschriften allerdings strikt verp\u00f6nt. Die \u00dcberschriften sollen hier deutlich machen, mit welchen Inhalten sich die Kapitel besch\u00e4ftigen. Das gilt auch f\u00fcr die beliebten \u201eTheoretische(n) Grundlagen\u201c oder \u201eDefinitionen\u201c, selbst wenn weltlich abgedrehte Akad\u00e4mliche das anders empfehlen: So \u00fcberschriebene Kapitel geh\u00f6ren <i><u>nicht<\/u><\/i> in den Hauptteil.Warum ist das so? Was ist der Unterschied zu Anfangs- und Schlussteil? \u2013 Der Hauptteil befasst sich mit dem gestellten Problem, Anfang und Schluss mit der Arbeit. Im Hauptteil geht es darum, dass der Hund vier Beine hat, bei Anfang und Schluss darum, dass der \u201eHund\u201c vier Buchstaben hat. Der Hauptteil handelt von der Realit\u00e4t, Anfang und Schluss reden vom eigenen Geschreibsel dar\u00fcber. Daher geh\u00f6rt auch nichts in den Anfangsteil, was zur eigentlichen Sachanalyse geh\u00f6rt und der Schlussteil sollte (vom \u201eAusblick\u201c abgesehen) keine neue Analyse zur Sache liefern, sondern \u00fcber das bereits Geschriebene referieren. Nicht nur, um \u00e4ltere Gutachter mit nachlassenden Kurzzeitged\u00e4chtnis daran zu erinnern, was sie gerade noch gelesen haben.<\/li>\n<li>Im Zeitalter des Information-Overload gibt es \u201eMangel im \u00dcberfluss\u201c. Wir werden zugesch\u00fcttet mit Informationen und empfinden trotzdem oder gerade deshalb einen Mangel an <i>geeigneten<\/i> Informationen. Trash und Spam \u00fcberfluten die Welt. Daher kommt Anfang und Schluss einer Arbeit eine hohe Bedeutung zu. Beim Krimi ist es der Klappentext, der ihn Bestseller oder Ladenh\u00fcter werden l\u00e4sst. Es sind die ersten S\u00e4tze, die entscheiden, ob man weiterliest.Da jedoch immer mehr Leute mit dem Lesen am Ende der Arbeit beginnen, ehe sie sich auf Hintergr\u00fcnde oder schwierige Ableitungen einlassen, hat man bei Zeitschriftenaufs\u00e4tzen und Business-Pl\u00e4nen die \u201eklassische\u201c Reihenfolge ver\u00e4ndert und die \u201eSummary\u201c an den Anfang gestellt. Doch noch verwendet man dieses Muster nicht f\u00fcr die anderen Arbeiten.Aufgrund des Leseverhaltens empfiehlt es sich, Anfangs- und Schluss-Teil besondere \u201eliterarische\u201c Aufmerksamkeit zu widmen. Geht man mit einer solchen Arbeit an die \u00d6ffentlichkeit, ist hier mindestens der doppelte Formulierungsaufwand n\u00f6tig wie im Hauptteil. Denn nur dar\u00fcber bekommt man beim Leser den \u201eFu\u00df in die T\u00fcr\u201c. Ohne diesen \u201eFu\u00df\u201c bringt man ihn gar nicht bis zum Hauptteil, falls der Leser nicht bedauernswerter- und zwangsweise zum Lesen verdonnert ist, wie Neschles Alter Ego, dem sein \u201eArbeitsleid\u201c daf\u00fcr \u00fcber sein Professorengehalt manchmal nur d\u00fcrftig entgolten wird<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a>.<\/li>\n<li>Der \u201eklassische\u201c Anfang enth\u00e4lt drei Bestandteile:\n<ol type=\"a\">\n<li>Das Problem, mit dem sich die Arbeit befasst. Damit wird der Leser \u201eangef\u00fcttert\u201c: Wirf alles weg, was Du bis heute gelesen hast, und befasse Dich nur mit einem: Mit dieser (tollen) Arbeit! &#8211; Hier sagt der Verfasser, dass sein Thema wichtig, aktuell und spannend ist, seine L\u00f6sung umwerfend innovativ und schl\u00fcssig. In aller Bescheidenheit nat\u00fcrlich und \u201ezwischen den Zeilen\u201c. Niemals ausdr\u00fccklich und aufdringlich! \u201eNeugier auf etwas Gutes wecken!\u201c, das ist hier die Devise.<\/li>\n<li>Das Ziel, mit dem der Verfasser seine Untersuchung durchf\u00fchrt. Ohne diese Zielangabe ist der Leser orientierungslos, hat falsche Erwartungen oder macht sich unerf\u00fcllbare Hoffnungen. Er muss und wird sich dann sein Ziel selber basteln. Das ist nicht zwingend dasselbe Ziel, das der Verfasser im Auge hatte. \u201eZiel verfehlt\u201c hei\u00dft aber f\u00fcr den Leser im Extremfall \u201emangelhaft\u201c, auch wenn es nicht das Ziel des Verfassers war. Doch wie soll der Leser das wissen, wenn der Verfasser \u00fcber sein Ziel romanhaft schweigt und mit dem Zielen darauf einfach loslegt.Doch eine solche Arbeit ist h\u00e4ufig eine Reise ins Ungewisse, deren tats\u00e4chliches Ziel der Schreiber erst am Ende der Reise kennt. Wer sein Reiseziel schon zu Beginn nennt, sollte daher am Ende seine \u201eEinleitung\u201c oder \u201eProblemstellung\u201c noch einmal auf das \u201etats\u00e4chlich erreichte Ziel\u201c nachjustieren. Nur so werden Irritationen beim Leser vermieden: Ich plante zwar zun\u00e4chst, ich wolle nach Rom, bin aber (leider) in Leipzig angekommen. Das sage ich dem Leser aber nicht. Da unterscheide ich Forschungs- und Darstellungsweise. Ich korrigiere am Ende meinen Plan und sage dem Leser: Ich will mit dieser Arbei nach Leipzig. Leipzig ist soooo reizvoll.Das Ziel ist immer das <i>Sach<\/i>ziel der Arbeit. Pers\u00f6nliche Ziele und Motive, der eigene Antrieb f\u00fcr die Wahl des Themas haben in der Einleitung nichts zu suchen, so wenig wie das \u201eMaking of\u201c beim eigentlichen Film. Da mag man allenfalls ein \u201eVorwort\u201c hinzuf\u00fcgen, was allerdings bei \u201ehausinternen\u201c wissenschaftlichen Arbeiten ungebr\u00e4uchlich ist. Und da manche Beurteiler sich von Geb\u00e4uchen nur schwer trennen m\u00f6gen, ist eher davon abzuraten: Pers\u00f6nliche Ziele und Motive beh\u00e4lt man also f\u00fcr sich. Schweigen ist da Gold!<\/li>\n<li>Hat man das Ziel genannt, sollte man dem Leser auch mitteilen, auf welchem Weg man dieses Ziel zu erreichen gedenkt. Meistens wird das als \u201eGang der Untersuchung\u201c bezeichnet. Das ist nichts anderes als eine (hoffentlich schl\u00fcssige) Beschreibung der Grobgliederung. Hierbei gibt es kaum Stolperfallen, es sei denn die Gliederung des Hauptteils ist nicht stimmig, die \u201eStory\u201c nicht rund.<\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<li>Der k\u00fcrzeste Schluss ist das \u201eFazit\u201c, \u201eErgebnis(se)\u201c oder \u201eResult(s)\u201c. Je k\u00fcrzer die Arbeit, umso eher empfiehlt sich dieser kurze und auch f\u00fcr den Leser schmerzlose Schluss. Beendet man bereits den Hauptteil mit dem Ergebnis, sollte man es allerdings nicht sofort danach wiederholen. Dann hilft ein \u201eAusblick\u201c: \u201eHinterm Horizont geht\u2019s weiter\u201c, sang einst Udo Lindenberg. \u201eErgebnis und Ausblick\u201c lassen sich auch zu einem l\u00e4ngeren Schlusskapitel verbinden.Koppelt man eine \u201eZusammenfassung\u201c oder ein \u201eRes\u00fcmee\u201c mit einem \u201eAusblick\u201c, hat man die l\u00e4ngste Form f\u00fcr einen Schluss. Die ist gew\u00f6hnlich nur f\u00fcr sehr lange Arbeiten nicht ungew\u00f6hnlich. Eine \u201eZusammenfassung\u201c res\u00fcmiert nicht nur das \u201eErgebnis\u201c, sondern auch den Weg dorthin, insbesondere die dabei angewandten Methoden. Damit sollte man bei kurzen Arbeiten das Kurzzeitged\u00e4chtnis des Lesers jedoch nicht beleidigen.<\/li>\n<\/ol>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>D. Hauptsache \u201eHauptteil\u201c: Hier wird das Grauen vielfach Realit\u00e4t!<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Wie es bei B\u00fcchern H\u00f6rb\u00fccher oder Filme gibt, so hat man bei schriftlichen Arbeiten Vortr\u00e4ge, die in ihrer Struktur der Arbeit entsprechen. Neschle beginnt daher mal, didaktisch miserabel, mit Vortr\u00e4gen, die didaktisch miserabel sind: Die grausigsten Beispiele f\u00fcr Vortr\u00e4ge er- und \u00fcberlebte Neschle bei Kurzvortr\u00e4gen als Pr\u00fcfer im Rahmen der Pr\u00fcfung zum Wirtschaftspr\u00fcfer. Diese Vortr\u00e4ge gehen immer so:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Egal, wie das Thema lautet: Der Vortragende beginnt mit Definitionen der Begriffe im Titel. Dann bedauert er mit gro\u00dfer pers\u00f6nlicher Verwunderung: \u201eEs gibt leider keine allgemeine und einheitliche Definition des Begriffes!\u201c Wie auch, wenn nicht einmal unter \u201eMann\u201c oder \u201eFrau\u201c immer dasselbe verstanden wird, und selbst da, wo kalte Klarheit zu herrschen schien, \u201egef\u00fchlte K\u00e4lte\u201c mit Wind und Feuchtigkeit der gemessenen Temperatur hinzugef\u00fcgt wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Begriffe sind \u2013 das ist so schwer nicht zu begreifen \u2013 Werkzeuge. Man stelle sich die \u00fcberraschte Diagnose vor: F\u00fcr Schmiede-, Maurer- und Bastelarbeiten hat sich leider kein Einheitshammer durchgesetzt. Erstaunlich dass die Kniereflexe nicht einem Vorschlaghammer getestet werden und das H\u00e4mmerchen des Arztes nicht f\u00fcr Abbrucharbeiten benutzt wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">F\u00e4ngt jemand mit Begriffen an, ist es also, als stelle jemand zun\u00e4chst seine Werkzeuge vor, ehe es klar ist, mit welcher Frage er sich befasst. Dennoch ist dieses Gebaren kotzbeliebt. F\u00e4ngt man dagegen mit seinem Problem an, so wird auch verst\u00e4ndlich, warum man dem gerade mit dieser Begriffsfassung zu Leibe r\u00fcckt, warum sich ein Werkzeug <i><u>in dieser Form<\/u><\/i> f\u00fcr die Probleml\u00f6sung eignet.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Lautet der \u201eR\u00fcckstellungen f\u00fcr Entsorgung von Atomm\u00fcll\u201c, werden immer erst \u201eR\u00fcckstellungen\u201c, \u201eEntsorgung\u201c und \u201eAtomm\u00fcll\u201c der Reihe nach definiert. Das ist, so scheint es, ein \u201esch\u00f6ner\u201c Anfang; damit ist man auf der sicheren Seite!? Ob die Zuh\u00f6rer tausende Male geh\u00f6rt haben, was eine \u201eR\u00fcckstellung\u201c ist: darauf nehmen die Vortragenden freilich keine R\u00fccksicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Warum und wann das Problem wichtig ist, was Ziel der Ausf\u00fchrungen sein soll: das verschweigen sie dagegen sogar bis zum Ende ihres m\u00fcden Referates. So kommt w\u00e4hrend des ganzen Referates nicht zum Ausdruck, was das Besondere gerade an <i>diesen <\/i>R\u00fcckstellungen sein k\u00f6nnte. Der Pr\u00fcfer fragt sich dann verzweifelt, warum er dieses Thema \u00fcberhaupt gestellt hat. Das geht ihm so bei <i><u>allen<\/u><\/i> Themen. Der Einheitscocktail der anf\u00e4nglichen Definitis, den augenscheinlich die Repetitoren den Pr\u00fcflingen verabreicht haben, deckt alles Spannende mit fadem scheinakademischem Definitionsgrau(ens)schleier zu. \u2013 Aber Definitionen m\u00fcssen sein! Ja, klar! Doch warum muss man sie zu Beginn alle auf einen gro\u00dfen Haufen werfen, um einige davon erst im letzten dritten Drittel zu verwenden? Warum sie bringen, ehe \u00fcberhaupt klar ist, was der Witz des Themas und des Vortrags dazu ist? Da kann noch niemand absch\u00e4tzen, ob und wie die Begriffe f\u00fcr das Problem taugen!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Beginnen wir die Geschichte mal von vorn. Und \u2013 dieses Mal ist es kein Witz \u2013nehmen wir uns ein Beispiel an: \u201eKommt ein Mann zum Arzt \u2026\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Kommt ein Mann zum Arzt, wei\u00df der Arzt, dass sein Patient <i>ein Problem<\/i> hat. Daher wird er zun\u00e4chst versuchen, dieses Problem in seinen Symptomen zu erkennen und danach dessen Ursachen zu analysieren. Dann wird er zwischen Heilmitteln w\u00e4hlen und sich f\u00fcr eines entscheiden, dessen Wirkung beim Patienten er nachhaltig beobachtet. Bevor der Arzt den Patienten gr\u00fcndlich untersucht hat, wird er, falls er keinen Sprung in der Sch\u00fcssel hat, zwei Dinge niemals tun:<\/p>\n<ol style=\"text-align: left;\">\n<li>Er wird seinem Patienten <i><u>nicht<\/u><\/i> zun\u00e4chst <i>alle<\/i> seine Instrumente und Mittel zeigen und erkl\u00e4ren, die er bei der Untersuchung benutzen will oder die er zur Heilung verwenden will, falls er \u00fcberhaupt schon ohne genaue Untersuchung eine Vorstellung von der Krankheit haben kann. Nur die Dinge, die er <i>gerade<\/i> f\u00fcr die <i>erste<\/i> Untersuchung vorbereitet, wird er dem Patienten darlegen.<\/li>\n<li>Er wird nicht vor der Diagnose die Heilverfahren erl\u00e4utern, weil weder er noch der Patient deren Sinn verstehen k\u00f6nnen vor einer sorgf\u00e4ltigen Diagnose.<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: left;\">Und was machen meine akad\u00e4mlichen Schreiberlinge?<\/p>\n<ol style=\"text-align: left;\">\n<li>Sie zeigen mir gleich am Anfang mit einem Sammelkapitel \u201eDefinitionen\u201c ihre s\u00e4mtlichen Mittel und Instrumente.<\/li>\n<li>Sie diskutieren gleich zu Beginn des Hauptteils im Sammel-Kapitel \u201eTheoretische Grundlagen\u201c \u00fcber die Heilverfahren, noch bevor ich \u00fcberhaupt die Besonderheit der zu behandelnden Krankheit begreifen konnte.<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: left;\">Wahrscheinlich gilt dieses Vorgehen bei manchen Leuten deshalb als ausgefeilt \u201eakademisch\u201c, weil es so gar nicht praktisch und verst\u00e4ndlich ist. Es ist einfach (und) schlecht, ob eingebildet akademisch oder nicht! \u2013 Aber was ist nun praktisch, was verst\u00e4ndlich? Klassischerweise ist es das folgende Vorgehen f\u00fcr mehr als 90 Prozent aller Arbeiten, in denen theoretische Modelle zur L\u00f6sung praktischer Probleme eingesetzt werden (vom Rest schweigt Neschle in diesem Essay):<\/p>\n<ol style=\"text-align: left;\">\n<li>Das erste Kapitel des Hauptteils liefert eine vertiefte Diagnose des Problems, untersucht das Problem nach Symptomen und Ursachen, spitzt es zu und hinterfragt die Hintergr\u00fcnde. Auch hier kann das Vorgehen des Arztes als Metapher gelten:\n<ol type=\"a\">\n<li>Die erste M\u00f6glichkeit dazu ist die Anamnese: Was ist die Geschichte des Problems? Wie ist es zu diesem Problem gekommen? Hierin k\u00f6nnen erste Ans\u00e4tze f\u00fcr eine L\u00f6sung entdeckt werden.<\/li>\n<li>Die zweite M\u00f6glichkeit ist die Analyse der Problemstruktur: Der Arzt macht dazu ein Blutbild oder eine Ultraschall-Untersuchung. Der Student \u201eentdeckt\u201c die unerw\u00fcnschten Problemsymptome und macht sich Gedanken \u00fcber die Ursachen.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Damit endet auch schon das erste Kapitel.<\/li>\n<li>Das zweite Kapitel des Hauptteils widmet sich den Heilmethoden, den Probleml\u00f6sungsvarianten, die grunds\u00e4tzlich in Frage kommen, diskutiert und vergleicht sie nach Wirkungen und Nebenwirkungen, w\u00e4gt ab, sortiert vor, so wie der Arzt zwischen verschiedenen M\u00f6glichkeiten der \u201ekonservativen\u201c Behandlung oder der Operationen entscheiden muss.Im Ausnahmefall wird er Methoden einschlie\u00dfen m\u00fcssen, die am Symptom zu kurieren. Schlie\u00dflich gibt es Symptome, die einen Patienten umbringen k\u00f6nnen: Fieber z.B. den menschlichen, Illiquidit\u00e4t den Unternehmenspatienten.F\u00fcr eine (wissenschaftlich) begr\u00fcndete Abw\u00e4gung ist es erforderlich, die Kriterien und die Wertung im Lichte offengelegter Kriterien zu begr\u00fcnden. Ist das dabei verwendete Entscheidungsmodell komplex und umfangreich, ist daf\u00fcr auch ein eigenes drittes Kapitel denkbar.<\/li>\n<li>Das dritte (vierte) Kapitel des Hauptteils analysiert schlie\u00dflich die favorisierte Heilmethode, wendet sie auf das Problem an und zeigt deren Wirkungen (und Nebenwirkungen) im Einzelnen auf. Am Ende steht die Feststellung, inwieweit das aufgezeigte Problem durch die angewandte Methode gel\u00f6st wird oder nicht. Der Arzt beobachtet hier also die Wirkung des ausgesuchten Medikaments und stellt im besten Falle die komplette Heilung fest.<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: left;\">In allen Kapiteln sind auch Definitionen und methodische Erl\u00e4uterungen angebracht, immer kurz bevor ein Begriff oder eine Methode angewandt wird. Auch hier hilft wieder die Metapher der \u00e4rztlichen Behandlung. Der gute Arzt erkl\u00e4rt seine Instrumente und erl\u00e4utert seine Methoden kurz bevor er sie auf den Patienten anwendet und immer mit Bezug zu dieser Anwendung.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Solche Problemarbeiten lassen sich mit diesem \u201eklassischen\u201c Ablauf zuverl\u00e4ssig bearbeiten. Das Problem und dessen L\u00f6sung sind hier Anfang und Ende der \u201eStory\u201c. Wie immer im Leben gelten solche Regeln jedoch nicht f\u00fcr \u201egro\u00dfe K\u00fcnstler\u201c. Bei denen hei\u00dft es \u201eBreak the Rules!\u201c. Die k\u00f6nnen auch mit dem Ergebnis beginnen und von da aus dessen Zustandekommen nachzeichnen. Aber die Zahl derjenigen, die sich f\u00fcr gro\u00dfe K\u00fcnstler halten, ist mehrfach so gro\u00df, wie die derjenigen, die gro\u00dfe K\u00fcnstler sind. Bei der gro\u00dfen Zahl ist man froh, wenn sie sich nicht den scheinakademischen Infekt der Definitis und Theoritis praecox holen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Das in akad\u00e4mlich verbildeten Arbeiten \u00fcbliche massive Instrumentenzeigen vor der eigentlichen Behandlung gibt es n\u00e4mlich sonst nur bei der mittelalterlichen Folter. Einer solchen Folter unterziehen die Autoren den Leser mit ihrer Begriffs- und Methodenhuberei in den Anfangskapiteln der Hauptteile ihrer Arbeiten unter den \u00dcberschriften \u201eDefinitionen\u201c und \u201eTheoretische Grundlagen\u201c lange bevor das Problem und der Anwendungsfall gekl\u00e4rt sind. Da wei\u00df der Leser noch gar nicht, was er damit anfangen soll, und wird schon mit sublimen Schlauheiten des Verfassers \u00fcberfallen. So etwas strapaziert seine Geduld und geh\u00f6rt abgeschafft wie die Folter.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Neschles Beitrag k\u00f6nnte folglich der Anfang sein einer neuen Amnesty academical! Doch seine Erfahrungen lassen eher Amnesie erwarten. Denn h\u00e4ufig genug hat er es schon gepredigt. Und immer immer wieder geht doch nicht die Sonne auf!<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p style=\"text-align: center;\">Arbeiten, die gibt es viele<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">in der Universit\u00e4tstretm\u00fchle.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Die bereiten viel Verdruss,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">weil man sie bestehen muss.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p style=\"text-align: center;\">Zu Beginn der Arbeitsqual<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">ist da erst die Themenwahl:<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Mancher setzt da ganz legal<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">auf sein gro\u00dfes Potenzial,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">schreibt runter ohne Ambition,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">was er kennt seit langem schon.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p style=\"text-align: center;\">Den and\u2019ren treibt der Ehrgeiz an,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">dass man damit was lernen kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Bei ihm sollen die Ambitionen<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">sich am Ende richtig lohnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Als Arbeit ist das angesagt,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">was auch am Markte sehr gefragt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Doch sollt\u2019 der Stoff dem Autor liegen,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">er sollt\u2019 sich dabei nicht verbiegen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p style=\"text-align: center;\">Ist eine gute Wahl erreicht,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">dann ist der Rest doch furchtbar leicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Nur nicht k\u00fcnstlich akad\u00e4meln<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">auf den harten Arbeitsschemeln!<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Ist die Methode konsequent,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">das Argument von selber rennt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Handfest das Fazit und der Stil,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">dann bringt meist auch der Inhalt viel.<\/p>\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\">\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Mit Abstand die meiste Arbeit machen und den meisten Frust erzeugen dabei die Marginalkommilitonen. Glatte \u201eEinser\u201c sind sehr willkommen, glatte \u201eF\u00fcnfer\u201c zwar unangenehm, aber fix \u201eerledigt\u201c.<\/p>\n<p><a title=\"PDF-Datei\" href=\"http:\/\/www.neschle.de\/download-manager.php?id=84\">PDF-Datei<\/a><br \/>\nThis post was downloaded by  1728  people until now.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine kleine Philosophie der Haus-, Seminar-, Fach-, (Fall)Studien-, Bachelor-, Master-, Diplom- und Doktorarbeit The problem is all inside your head she said to me, the answer is easy if you take it logically&nbsp;(Paul Simon) J\u00e4hrlich wandern etliche Haus-, Seminar-, Bachelor-, Master-, Diplom- und Doktorarbeiten \u00fcber den Schreibtisch von Neschles Alter Ego. Dazu jede Menge Fallstudien, &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-34-7-woche-2008\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eLeon Neschle 34 (7. 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