{"id":241,"date":"2008-02-06T18:16:12","date_gmt":"2008-02-06T17:16:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-33-6-woche-2008\/"},"modified":"2020-06-21T11:03:20","modified_gmt":"2020-06-21T10:03:20","slug":"leon-neschle-33-6-woche-2008","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-33-6-woche-2008\/","title":{"rendered":"Leon Neschle 33 (6. Woche 2008)"},"content":{"rendered":"<header>\n<h2 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #4f81bd\">Sublime Subprime: untererst, hinteroberst oder einfach schlecht?<\/span><\/strong><\/h2>\n<\/header>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>Die Leute da drau\u00dfen, die interessiert das gar nicht. Die fragen blo\u00df: \u201eWer macht das weg?&#8220;<\/em>&nbsp;(Dieter Nuhr)<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Herr Neschle, Sie als Experte k\u00f6nnen sicher sagen, was die Ursache der Bankenkrise ist! \u2013 Sie sollten nicht mit einer Beleidigung beginnen! \u2013 Welche Beleidigung? \u2013 Sie haben \u201aExperte\u2019 gesagt! \u2013 Wie h\u00e4tten Sie es lieber? \u2013 Allenfalls \u201aKenner\u2019! \u2013 Also gut: Sie als \u201aKenner\u2019 wissen sicher, was die Ursache der Bankenkrise ist! \u2013 Das m\u00fcssen Sie einen Experten fragen! \u2013 Gerade haben Sie doch gesagt, sie sind kein Experte. \u2013 Eben! \u2013 Was m\u00fcsste ich <i><u>Sie<\/u><\/i> denn fragen? \u2013 Was die Ursachen der Bankenkrise sind! \u2013 Habe ich doch! \u2013 Nein! Sie haben nach etwas gefragt, was nur \u201aExperten\u2019 kennen: <i><u>die<\/u><\/i> Ursache!\u201c \u2013 Und was kennen \u201aKenner\u2019? \u2013 Kenner kennen nur <i><u>die<\/u><\/i> Ursache<i><u>n<\/u><\/i>! \u2013 Und warum? \u2013 Weil es nur f\u00fcr \u201aExperten\u2019 <i><u>die eine<\/u><\/i> Ursache gibt! \u2013 Vielleicht sind Sie gar kein Experte? \u2013 Sag ich doch! \u2013 Dann sollte ich jemand anders fragen! \u2013 Einen Experten! Oder die Frage \u00e4ndern?! \u2013 Nein! Danke f\u00fcr das Interview!<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">So w\u00fcrde wohl Neschle ein Interview zur Bankenkrise machen. Aber zum Gl\u00fcck will keiner was von ihm wissen. Die fragen immer sein Alter Ego. Der ist wesentlich geduldiger. Neschle ist immer gleich so baisse (oder b\u00f6se?), wenn man ihn nach <i><u>der<\/u><\/i> Ursache f\u00fcr die Krise fragt. Er ist eben kein Experte.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>A. Von Ursachenforschern und unerforschten Ursachen<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">F\u00fcr die Experten scheint <i><u>die<\/u><\/i> Ursache der Bankenkrise ausgemacht. Es sind die vielen kleinen insolventen amerikanischen H\u00e4uslebauer. Die bringen die Bankgeb\u00e4ude weltweit ins Schwanken. Unsere Experten haben darin <i><u>die<\/u><\/i> wahre Ursache gefunden und nennen sie \u201esubprime\u201c, was nicht \u201ehinterletzt\u201c bedeutet, sondern nur \u201euntererst\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u201eUntererst\u201c scheint jedoch nur die \u201epolitisch korrekte\u201c Umschreibung f\u00fcr die hinterletzten Schuldner mit den hinterletzten H\u00e4usern in der hinterletzten amerikanischen Pr\u00e4rie, die den hinterletzten amerikanischen Banken ihre hinterletzten Sicherheiten angeboten haben, nachdem sie deren hinterletzte Kreditzusagen abr\u00e4umten. Die hinterletzten H\u00e4uslebauer haben also Schuld an der \u201eUnterersten-Krise\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Das ist sie: Die Expertenursache f\u00fcr die Bankenkrise weltweit! \u2013 Neschle ist zwar kein Experte, aber es erinnert ihn an den Studenten, der um Noten feilscht und behauptet: \u201e<i><u>Nur<\/u><\/i> wegen <i><u>Ihrer<\/u> <\/i>Klausur bin ich durchgefallen!\u201c Darauf nennt Neschle meist zwei weitere Ursachen, die auch daf\u00fcr in Frage kommen:<\/p>\n<ol style=\"text-align: left;\" type=\"a\">\n<li>Sie haben nicht gut genug f\u00fcr die Klausur gelernt, was wiederum und immer auch die tieferen Ursachen daf\u00fcr waren. Vielleicht haben Sie ja Ihre Zeit dabei durchaus sinnvoll ver(sch)wendet.<\/li>\n<li>Sie haben auch in anderen F\u00e4chern schlechte Klausuren geschrieben und es vers\u00e4umt, sich im Rahmen der Gesamtpr\u00fcfung einen \u201eAusgleich\u201c zu verschaffen. Warum sollte da gerade ich etwas \u00e4ndern, falls mir nicht gerade ein Fehler unterlaufen ist?<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: left;\">Andere Ursachen, ohne die es gar nicht dazu gekommen w\u00e4re, erw\u00e4hnt Neschle erst gar nicht: z.B. dass es \u00fcberhaupt ein Notensystem gibt, bei dem man durchfallen kann. Schlie\u00dflich k\u00f6nnte man aus der Universit\u00e4t eine Walldorf-Schule oder einen Streichelzoo machen. Oder dass Neschle mit seinen Fragen zuf\u00e4llig in einen Bildungskrater dieses Studenten getroffen hat, obwohl der \u2013 wie \u00fcbrigens jeder Student \u2013 alle gerade in dieser Klausur nichtgestellten Frage auf h\u00f6chstem Niveau h\u00e4tte beantworten k\u00f6nnen. Die letzte Klausur etwa h\u00e4tte er mit \u201e1\u201c geschrieben. <i>Nu<\/i>r diese jetzige!? Und <i>allein die<\/i> versaut ihm nun die Pr\u00fcfung und sein ganzes Leben. Da muss Neschle was machen! Und weil das bei jedem Studenten so ist, muss Schluss sein mit der Examensdiarrh\u00f6: Ohne Durchfall durchs ganze Leben!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Oder fragen wir, warum der FC Schalke 04 im letzten Jahr nicht Deutscher Meister wurde. Die Experten aus L\u00fcdenscheid-Nord sagen gerne, weil der BVB Schalke geschlagen hat. Und um die M\u00e4chtigkeit des Tigerentenclubs zu demonstrieren, sagen diese Experten: <i><u>Nur wir<\/u><\/i> haben verhindert, dass Schalke 2007 Meister wurde!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Man k\u00f6nnte freilich jedes verlorene Spiel herausgreifen oder unentschiedene Spiele, wie das in Wolfsburg; den Trainer und dessen Methoden verantwortlich machen, den Vorstand und dessen Personalpolitik!? Oder \u2013 immer gern genommen \u2013 den Schiedsrichter, etwa beim Spiel in Bochum. Vielleicht k\u00e4me man sogar auf den Mannschaftsarzt, der den \u2013 warum auch immer \u2013 entscheidenden Spieler nicht fit machte. Doch Welt und Experten wollen immer <i><u>eine<\/u><\/i> Ursache, sie wollen nur eine (Ur-)Sache, die \u201eSchuld ist\u201c und kriegen sofort Komplexe bei Ursachenkomplexen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Dabei hat Kabarettist Dieter Nuhr, ehemals Essener Student, die Problematik der Expertenursache beschrieben: Ein Mann springt aus dem zehnten Stock eines Wohnhauses. Fragt man, warum der Mann da runter fiel, sagt der Physiker als Experte: \u201eWegen der Schwerkraft!\u201c Das stimmt zwar, erkl\u00e4rt aber doch nicht alles. Und die Leute fragen nicht einmal warum. Die fragen blo\u00df: Wer macht das weg?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Fragen wir also zun\u00e4chst mal, was die Leute interessiert: <i>Wer macht das weg?<\/i> Wir alle, die wir Bankkunden sind oder Steuerzahler. Doch bevor sich die Selbstmordattent\u00e4ter aufmachen, um sich daf\u00fcr an kleinen insolventen amerikanischen Hypothekenschuldnern zu r\u00e4chen, sollten wir mal nach anderen Ursachen fragen!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Zudem sollte Neschle den Eindruck korrigieren, dass es nur kleine Schuldner sind, die im abgek\u00fchlten US-Immobilienmarkt erfrieren. Die Deutsche Bank hat j\u00fcngst Probleme, vom Milliard\u00e4r Macklowe 5,8 Milliarden Euro zu erhalten. Auch der hatte sich mit B\u00fcro-Immobilien verspekuliert. Neschle wundert das nicht. Er hat mit eigenen Augen gesehen, wie und was ein anderer Immobilien-Tycoon in Miami Beach gebaut hat. Dieser Tycoon behauptet von sich selbst, alle Tr\u00fcmpfe in der Hand zu haben und nur \u201egro\u00df zu denken\u201c, obwohl er hier offenbar nicht einmal gro\u00df nachgedacht hat:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">In Miami Beach stehen etliche neue Wolkenkratzer direkt am Strand, den sie schon ab der Mittagszeit beschatten. Dieser Strand ist in der Breite vorgegeben und k\u00f6nnte die Bewohner dieser Hochh\u00e4user niemals aufnehmen, w\u00fcrde auch nur ein Drittel davon gleichzeitig den Strand aufzusuchen. Die ohnehin gut frequentierten Zufahrtsstra\u00dfen wurden nicht angepasst, die zus\u00e4tzlichen 30- bis 40.000 Urlauber auf engstem Raum aufzunehmen. Neschle bedauert schon heute die Kreditgeber, obwohl die Wolkenkratzer erst in K\u00fcrze bewohnt sein werden. Wer gigantische Kredite bekommt, darf offenbar auch gigantische Fehler machen. Daf\u00fcr sammeln ja solche Leute Jasager um sich herum. Und die erzeugen die Lemming-Effekte.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>B. Ihrer Ursachen sind drei und die Notenbank dabei \u2013 mindestens!<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Wie gesagt: Die Zahlungsunf\u00e4higkeit kleiner amerikanischer H\u00e4uslebauer ist <b><i><u>die<\/u><\/i><\/b> Ursache f\u00fcr die Subprime-Krise des weltweiten Bankensystems: Das wollen uns Legendenonkel und M\u00e4rchentanten erz\u00e4hlen. Wenn das so ist, trifft weder Gesch\u00e4ftsbanken noch Notenbanken irgendeine Schuld. Die internationale Verflechtung des Bankensystems scheint zudem so eng, dass sich das zwangsl\u00e4ufig auch in Deutschland bemerkbar macht. Wirft jemand in Spanien eine Zigarettenkippe weg und die entz\u00fcndet den Pinienwald, kann sich das schlie\u00dflich auf das Weltklima auswirken.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Doch irgendwie ist Neschle mit dieser Erkl\u00e4rung nicht zufrieden. So eng wie das Weltklima h\u00e4ngen die Banken nun doch nicht zusammen. Dazwischen liegen menschliche Entscheidungen und damit etwas Gemachtes und Machbares. Entscheidungsgewalt hatten da auch die betroffenen deutschen Banken. Und so wenig wie die Schwerkraft den Fall des Mannes vom Dach allein und zufriedenstellend erkl\u00e4rt, so wenig tut das auch der Ausfall der amerikanischen Hauskredite bei den Auswirkungen der Subprime-Krise in Deutschland.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Also hinterfragt Neschle die Sache mal. Aber er ist nat\u00fcrlich kein Experte. Dazu kennt er zu viele Ursachen und dennoch fehlen ihm zu viele Daten. Er wei\u00df z.B. nicht, wie hoch der Anteil welcher Kreditderivate ist. Das verr\u00e4t ihm auch keiner. Doch immerhin muss Neschle niemanden sch\u00fctzen. Das verhindert, dass er nur eine \u201eunbelastende\u201c Ursache bei der Frage nach dem \u201eWarum\u201c finden muss:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Als die amerikanischen Banken in der von der US-Notenbank \u201everh\u00e4ngten\u201c Niedrigzinsphase bei guten Konjunkturaussichten die hinterletzten H\u00e4uslebauer mit ihren professionell animierten und animierenden Marketing-Aktivisten von der Notwendigkeit weiterer Hauskredite \u00fcberzeugten, ahnte niemand etwas vom sp\u00e4teren Konjunktureinbruch und der sp\u00e4teren Zinserh\u00f6hung. Weil der Amerikaner immer auf Gutgehen gestimmt ist und getrimmt wird, war Friede, Freude, Eierkuchen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Hier hat Neschle schon vier Ursachen f\u00fcr die Ausweitung der Hypothekenkredite, ohne die es die sublimen Folgewirkungen der Subprime-Krise nie gegeben h\u00e4tte:<\/p>\n<ol style=\"text-align: left;\" type=\"a\">\n<li>die zun\u00e4chst niedrigen Zinss\u00e4tze der US-Notenbank;<\/li>\n<li>die zun\u00e4chst guten US-Konjunkturdaten;<\/li>\n<li>die Grundhappiness des gemeinen Amerikaners, der b\u00f6se Zeiten oder Baisse-Zeiten smilend aus seinem Gehirn verdr\u00e4ngt<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a>;<\/li>\n<li>die Marketing-Methoden der US-Gesch\u00e4ftsbanken, auch diejenigen mit Krediten bedr\u00e4ngten und sp\u00e4ter bedr\u00fcckten, die nur untererste<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Sicherheiten bieten konnten. Dabei ist \u201euntererst\u201c (subprime) eben der \u201epolitisch korrekte\u201c Ausdruck f\u00fcr \u201eSch\u2026-Sicherheiten\u201c (Und das ist die politisch korrekte Schreibweise daf\u00fcr!). Das missverstehen freilich viele, die nicht durch die L\u00fcgensprache politischer Korrektheit hindurchsehen (<a href=\"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-13-20-woche-2007\/\">Neschle 13<\/a>).<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: left;\">Die aggressiven Marketing-Methoden der Gesch\u00e4ftsbanken werden gest\u00fctzt durch ein beuteabh\u00e4ngiges Entlohnungssystem, das die Gier der Vertriebsmitarbeiter anspricht und zum kollektiven Sturz der gesamten Meute auf die einmal erkannte Beute f\u00fchrt. T\u00e4glich gr\u00fc\u00dft da wieder der Lemming! Erweist sich die Beute dann als aber vergiftet, gibt es kotz\u00fcble Gef\u00fchle bei den einen und letale Wirkungen bei anderen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wer aber bringt das Gift in die Sache, nachdem nun mal die unterersten Hypotheken an die Hinterletzten verkauft sind. Die Konjunkturverschlechterung \u00fcberrascht die happinessgepolten Amerikaner schon genug, wobei die intensiv verbreitete und verbreiterte Kreditkartenillusion ihr \u00dcbriges tut. Da setzt die US-Notenbank eine Zinserh\u00f6hung drauf. Weil die be\u00e4ngstigend angstfreien Amerikaner die Zinsstrukturkurve nutzen, finanzieren sie ihr Haus meist kurzfristig variabel. L\u00e4ngerfristige Zinsfestschreibungen sind nicht popul\u00e4r. So schl\u00e4gt die Zinserh\u00f6hung ohne gro\u00dfe Verz\u00f6gerung beim Schuldner zu und ein bei den amerikanischen Gesch\u00e4ftsbanken. Zinserh\u00f6hung und Konjunkturerschlaffung senken zugleich die Immobilienpreise und machen die Verwertung der \u201eSicherheiten\u201c schwieriger.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Doch warum wirkt das nicht nur dort? Warum hinterl\u00e4sst die Krise ihre Krater auch in Deutschland? Das erkl\u00e4rt sich ungef\u00e4hr so wie die M\u00fclltransporte aus Neapel in die deutschen M\u00fcll-Verbrennungsanlagen. Hier geht es nur um Banken als deutsche Geldverbrennungsanlagen und um als Wertstoff getarnten Kreditm\u00fcll aus den USA. Doch sonst ist es dasselbe.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wie bekommt man es denn hin, Kreditm\u00fcll als recyclebaren Kreditwertstoff zu verkaufen, der sich am Ende doch wieder nur als Kreditm\u00fcll erweist und den Geldverbrennungsanlagen zugef\u00fchrt wird? Da gibt es zwei Methoden:<\/p>\n<ol style=\"text-align: left;\" type=\"a\">\n<li>Die eine Methode extrahiert die Gefahrstoffe aus dem Kreditm\u00fcll und verkauft sie separat. Diese \u201eGefahrstoffe\u201c sind die \u201eKreditderivate\u201c, in denen sich das Risiko konzentriert. Der K\u00e4ufer solcher ist dann vielleicht nominell noch eine Bank, der Funktion nach aber Versicherungsgesellschaft.<\/li>\n<li>Die andere Methode r\u00fchrt alle belasteten Stoffe ohne Abtrennung der Gefahrstoffe in einen Pool ein, verbundelt Kleinkredite zu einem \u201eLos\u201c von beachtlicher Losgr\u00f6\u00dfe (Eine sch\u00f6ne Doppeldeutigkeit hat hier das Wort \u201eLos\u201c!). An diesem Pool partizipiert man durch den Kauf von Anteilsscheinen im Guten wie im B\u00f6sen. Diese Anteilsscheine hei\u00dfen pikanterweise \u201eSecurities\u201c und auch noch \u201eAsset Backed Securities\u201c, was einen wohl in Sicherheit wiegen soll. Ihre Geburt nennt man \u201eSecuritization\u201c, was viel weniger sicher auch \u201eVerbriefung\u201c genannt wird. Wegen des merk- und nun denkw\u00fcrdigen Risikos sollte man zu diesen Wert-Lospapieren \u201eSe-Curiosities\u201c sagen.<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: left;\">Selbst Kredit-Unrat wird zu Kredit-Rat durch gesch\u00f6ntes Kredit-Rating. Und dadurch dass man den M\u00fcll immer neu zusammenstellt, neu verpackt und weiterverkauft. Am Ende gilt selbst reiner M\u00fcll als Wertstoff, wenn ihn vorher nur gen\u00fcgend andere schon gekauft haben. Das ist der Vertrauensbeweis: So viele biedere Bankiers k\u00f6nnen sich nicht irren. Dass es der Schwarze Peter sein k\u00f6nnte, der herumgeht wie Falschgeld, auf die Idee kommt man nicht so leicht. Schlie\u00dflich kommt ja \u201eKredit\u201c von \u201eGlauben und Vertrauen\u201c. Bei <i>Kredit<\/i>-Instituten ist Vertrauen der Anfang von allem, weil sie niemals andere Kreditinstitute betr\u00fcgen w\u00fcrden. Oder nun doch auch mal das Ende davon?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Im Banken-System kommt es zu erstaunlich wenig Klagen dar\u00fcber, dass eine Bank die andere \u00fcber den Leisten zieht. Auch das kann mehrere Ursachen haben:<\/p>\n<ol style=\"text-align: left;\" type=\"a\">\n<li>Das passiert fast nie in diesem vertrauensvollen und vornehmen Gesch\u00e4ft, schon weil nicht sein kann, was nicht sein darf.<\/li>\n<li>Man m\u00f6chte nicht, dass so etwas bekannt wird, weil man entweder f\u00fcrchtet, die eigene Inkompetenz zu beweisen, wenn man betrogen wurde (Das ist das Wichtigste!). Oder weil es Auswirkungen auf den Gesamt-Rest-Kredit haben k\u00f6nnte, den das heutige Kreditwesen noch hat: Auf den ist es jedoch langfristig angewiesen und wenn wir ehrlich sind: Wir alle!<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: left;\">Auch der Glaube an die Wertstoff-Pr\u00fcfstellen, die Rating-Agenturen, spielt dabei eine Rolle. Die kann man offenbar markowitzig t\u00e4uschen, indem man immer mehr Risiken zum gr\u00f6\u00dferen Portfolio-Losen \u201everbundelt\u201c. Selbst das schlechteste Risiko ist scheinbar keines mehr, wenn man es mit einem gegenl\u00e4ufigen Risiko zugleich verkauft.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Richtig, wenn \u2026 ! Wenn dieses Risiko \u00fcberhaupt wegdiversifizierbar ist und von ihm nicht das gesamte Portfolio betroffen ist. Gegen US-Konjunktur und die dortige Notenbankpolitik hilft n\u00e4mlich aller US-Markowitz nicht. Die machten die Risiken, welche den Kreditwertstoffpreis auf den von Kreditm\u00fcll senkten. Die amerikanischen Rating-Agenturen, denen man ohnehin ein viel \u201eHeimatliebe\u201c vorwirft, m\u00fcssen sich wohl sagen lassen, den Markowitz bei der Bewertung solcher Risiken zu \u00fcbersch\u00e4tzen und mehr Risiko wegzureden<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> als sich tats\u00e4chlich wegdiversifizieren l\u00e4sst.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>C. Lemmingautomaten \u2013 Rattenrennen: Warum so viel Risiko im Markt ist?<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Einen geh\u00f6rigen Anteil am Markt-Risiko haben auch die Lemmingautomaten. Von denen werden bei Kurssenkungen automatisch Verkaufsorders ausgel\u00f6st, bei Kurserh\u00f6hungen automatisch Kauforders. Ganz entgegen der Philosophie, den Markt zu schlagen: Anders zu denken als die anderen und Recht zu behalten. Oder heute so zu denken, wie die anderen erst morgen denken werden. Aber Lemminge sind so! \u2013<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">So! Jetzt haben wir genug Schuld auf andere abgew\u00e4lzt, schauen wir mal auf uns selbst. Wir sehen seit biblischen Zeiten schon eher den Splitter im Auge des anderen als den Balken vor unserem eigenen. Wir Verbraucher und Anleger sind Schuld, dass so viel Risiko im Markt ist. Unsere Gier und unser wirtschaftliches Unverst\u00e4ndnis sind die Hauptursache. Da wird der Neschle beinahe zum Einursache-Experten.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Was tun wir den armen Bankern an? Wir treiben sie ins Risiko und in Rattenrennen vor uns her und sie scheinen danach zu lechzen. Banken werben damit, dass ihre Fonds im letzten Jahr eine \u201egute Performance\u201c hatten. Diese gute Performance wird an der hohen Rendite gemessen. Die hat <i><u>im Nachhinein(!)<\/u><\/i> immer den Vorteil, sicher zu sein, auch wenn <i><u>im Vorhinein<\/u><\/i> etwas anderes galt. Hohe Renditen lassen sich n\u00e4mlich auf dem Kapitalmarkt nur erzielen, wenn man im Vorhinein ein hohes Risiko geht. Bei \u201eguter Performance\u201c kann man darauf im Nachhinein lachend zur\u00fcckblicken. Gute Performance hei\u00dft auch, dass man dabei <i>trotz hohen Risikos Gl\u00fcck hatte<\/i>. Die erzielten Renditen sind im Nachhinein immer sicher. Und jeder sieht: Es geht doch! H\u00e4tte man Pech dagegen gehabt, w\u00e4re es \u201eschlechte Performance\u201c gewesen, sogar eine <i>sehr <\/i>schlechte, weil man eben f\u00fcr die gute Performance ein hohes Risiko eingehen musste.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Auf einem funktionierenden Kapitalmarkt verlangen hohe Renditen im Nachhinein ja im Vorhinein immer das Eingehen hoher Risiken, was wiederum im Nachhinein auch das Eingehen des Fonds zur Folge haben kann. Banken werben nun mit den bereits realisierten hohen Renditen, die nat\u00fcrlich sicher sind, setzen damit ihre Kunden jedoch <i><u>vor<\/u> <\/i>ein Risiko, das diese selbst nie eingehen w\u00fcrden. Kunden wollen nur hohe Renditen nicht die Risiken, die dazu im Vorhinein erforderlich sind. W\u00fcrden sie das begreifen, w\u00e4ren sie nicht so renditegeil!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Diese Geilheit erh\u00e4lt Nahrung durch die st\u00e4ndige informationelle Verf\u00fcgbarkeit der letztj\u00e4hrigen Fondsergebnisse und aller Renditevergleiche im Internet. Die erfolgreichsten Fonds ziehen dabei die Anleger auf sich wie die Sch \u2026 die Fliegen. Weniger erfolgreiche Fonds wollen daher dieselbe Sch \u2026 machen und gehen noch h\u00f6here Risiken ein, um den Abstand aufzuholen, zumal sich die Bezahlung der Fondsmanager danach richtet. \u201eTurnierverhalten\u201c nennt man dies vorsichtig und meint damit ganz brutal die Wahl zwischen \u201eTor und blutigem Torpfosten!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Beim Fu\u00dfball wechselt die zur\u00fcckliegende Mannschaft St\u00fcrmer ein und entbl\u00f6\u00dft ihre Verteidigung, um das Spiel letztlich noch zu gewinnen oder mit fliegenden Fahnen unterzugehen. \u2013 Na und, sagt da der Leser: Die F\u00fchrenden bringen dagegen zus\u00e4tzliche Verteidiger, um ihren Vorsprung zu sichern. So bleibt am Ende das Risikoniveau im Durchschnitt gleich. \u2013 Nee, sagt Neschle. <i>Diese<\/i> Verteidigung hinkt und mit ihr auch das Beispiel. Auf dem Kapitalmarkt spielen in jedem Match allenfalls f\u00fcnf, die sich bei fortgeschrittener Renditegeilheit als Sieger f\u00fchlen d\u00fcrfen, gegen mindestens zehnmal so viele, die man als Verlierer einstuft. Diese aber bringen eher St\u00fcrmer und vergessen, dass Fu\u00dfballspiele auf Dauer aus einer guten Verteidigung heraus gewonnen werden. Wie sagt doch Huub Stevens: \u201eDie Null muss stehen!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Auch wir Anleger sind also beteiligt an der Schaffung der neuen riskanten Bankenwelt. Wir schaffen die Lemmingparaden und die Rattenrennen selbst, erfreuen uns aber auf Dauer nicht daran.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Auf das dumme Wort \u201eSubprime\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">gibt\u2019s im Deutschen keinen Reim.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\u201eUntererst\u201c, was soll das hei\u00dfen?<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Soll der Teufel darauf sch \u2026 !<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\u00dcbersetzt man es nur recht,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">hei\u00dft es doch ganz einfach \u201eschlecht\u201c.<\/p>\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\">\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Der ber\u00fchmte \u00d6konom Kenneth John Galbraith hat dar\u00fcber seinen Roman \u201eBaisse\u201c geschrieben, in dem er zeigt, wie man durch Gegenspekulation gegen die amerikanische Gutf\u00fchlmanie viel Geld verdienen kann. Anders denken als die anderen und Recht behalten, ist wie immer das Rezept.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Vor dem Wort \u201euntererste\u201c versagt meine Autokorrektur und will mich dauernd zur \u00c4nderung verf\u00fchren, obwohl \u201esubprime\u201c genau das hei\u00dft.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Eigentlich \u201ewegzuraten\u201c, also \u201ewegzur\u00e4hten\u201c! Aber wer soll das richtig lesen! \u201eWalken\u201c machte man fr\u00fcher mit der W\u00e4sche und den H\u00e4nden, heute mit Schuhen und F\u00fc\u00dfen und schon spricht man es \u201euuohken\u201c. Watt doof!<\/p>\n<p><a title=\"PDF-Datei\" href=\"http:\/\/www.neschle.de\/download-manager.php?id=83\">PDF-Datei<\/a><br \/>\nThis post was downloaded by  1147  people until now.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sublime Subprime: untererst, hinteroberst oder einfach schlecht? Die Leute da drau\u00dfen, die interessiert das gar nicht. Die fragen blo\u00df: \u201eWer macht das weg?&#8220;&nbsp;(Dieter Nuhr) Herr Neschle, Sie als Experte k\u00f6nnen sicher sagen, was die Ursache der Bankenkrise ist! \u2013 Sie sollten nicht mit einer Beleidigung beginnen! \u2013 Welche Beleidigung? \u2013 Sie haben \u201aExperte\u2019 gesagt! \u2013 &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-33-6-woche-2008\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eLeon Neschle 33 (6. 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