{"id":222,"date":"2007-11-28T10:06:43","date_gmt":"2007-11-28T09:06:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-32-47-woche-2007\/"},"modified":"2020-06-21T11:06:17","modified_gmt":"2020-06-21T10:06:17","slug":"leon-neschle-32-47-woche-2007","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-32-47-woche-2007\/","title":{"rendered":"Leon Neschle 32 (47. Woche 2007)"},"content":{"rendered":"<header>\n<h2 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #4f81bd\">Zwei-Master, Drei-Master, Vier-Master segeln im rosaroten Bildungs-Mehr.<\/span><\/strong><\/h2>\n<\/header>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>Ick heff mol een Hamborger <b>Vier-Master <\/b>(sprich: Mah-ster) sehn, to my hooday, de Master (Original: Masten) so scheep as den Schipper sien Been, to my hooday, hooday, ho \u2013 ho \u2013 ho \u2013 ho! Blow boys blow for Californio there is plenty of gold so I am told on the banks of Sacramento&nbsp;<\/em>(Volkslied; \u201cMaster\u201d ist eine alte Bezeichung f\u00fcr \u201cKapit\u00e4n\u201d)<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ginge es nach deutschen Bildungspolitikern, dann sollten sich 80 Prozent aller Studenten mit dem Bachelor-Abschluss begn\u00fcgen. Denn das soll der massenhaft arbeitsmarktf\u00e4hige Abschluss sein! Nur 20% der Studenten sind f\u00fcr den weiterf\u00fchrenden Master-Abschluss vorgesehen (<a href=\"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/5\/\">Leon Neschle 1<\/a>).<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Doch darum scheren sich weder Wirtschaft, noch Absolventen, noch (Fach-)Hoch-schulen. Im Gegenteil: Es gibt sogar den Trend zum mehrfachen Master. So entstehen Zwei-Master, Drei-Master oder Vier-Master, der Bildungspolitik zum Trotz. Die segeln frisch und \u201eunbillig\u201c aufgetakelt durch das rosarote Bildungs-Mehr nach Bologna. Dazu werden immer neue Master-Studieng\u00e4nge aufgelegt mit den skurrilsten Ausrichtungen. Wie beim Hamburger Vier-Master spielen auch \u201eGoldgr\u00e4ber\u201c und Drang in die USA eine wichtige Rolle, wie schon bei der Titel-Amerikanisierung.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>A. Irgendetwas l\u00e4uft da schief, der Master ist konsekutiv!<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Wenn man etwas neu macht oder gnadenlos abkupfert, was woanders eher schlecht als recht funktioniert, sollte man eigene Vorbedingungen und Tradition nicht au\u00dfer Acht lassen. Nicht auf jeden Topf passt jeder Deckel, auch nicht einer aus Bologna. Und der Topf ist die Ausgangslage in Deutschland:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Fachhochschulen boten hierzulande mit ihrem Kurzzeitstudiengang im Grunde schon das Bachelor-Modell. Sie waren auch bereits st\u00e4rker verschult als die Universit\u00e4ten. Den Unterschied im Bachelor-Modell machen daher fast allein zwei Dinge:<\/p>\n<ol style=\"text-align: left;\">\n<li>Die durch \u201eWork Loads\u201c strikt vorgegebenen Zeitmuster beim Bachelor, die allerdings durch Einr\u00e4umen von Vor- und Nachbereitung f\u00fcr die Veranstaltungen doch wieder beliebig gestaltbar sind.<\/li>\n<li>Die von Sp\u00f6ttern \u201eMesser-und-Gabelkurse\u201c genannten Zwangsprisen an \u201eAllgemeinbildung\u201c und \u201eSchl\u00fcsselqualifikationen\u201c, die im Studienablauf absolviert und auf die Leistung angerechnet werden m\u00fcssen. Von Pr\u00e4sentationstechniken und Sprachen bis hin zu Rhetorik oder Geschichte erh\u00f6hen sie vor allem die Bedeutung der Geisteswissenschaften, wirken als internes Besch\u00e4ftigungsprogramm f\u00fcr deren Vertreter, nat\u00fcrlich auch an den Universit\u00e4ten.<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Universit\u00e4ten boten mit dem Diplom vormals so etwas wie den Master, aber nie so etwas wie einen Bachelor. Ihr Studium war bei weitem nicht so reguliert, selbst wenn man vom Grundstudium absieht. Es war ein Dschungel f\u00fcr mutige Einzelk\u00e4mpfer. Das sorgte bei den Schw\u00e4cheren f\u00fcr lange Studienzeiten und viele Studienabbrecher, zumal die Leistungskontrolle erst in einer Abschlusspr\u00fcfung am Ende des Studiums bestand. In dieser \u201eGesamtpr\u00fcfung\u201c wurden die F\u00e4chergruppen (bei Neschle waren es f\u00fcnf) in mehrst\u00fcndigen Blocks abgepr\u00fcft: Egal wie viel Party die Studenten zwischendurch gemacht hatten, nur diese Abschlusspr\u00fcfung z\u00e4hlte.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">In dem Ma\u00dfe, wie bereits im Vorfeld des Bologna-Prozesses studienbegleitende Pr\u00fcfungen in den Semestern die Abschlusspr\u00fcfung abgel\u00f6st hatten, verringerten sich die Studiendauer, die Zahl der Studienabbrecher und Studentenpartys, die Zeit nach Semesteranfang f\u00fcr den Beginn der raren Rest-Partys, der Besuch auf diesen, aber auch die F\u00e4higkeiten der Studenten, Zusammenh\u00e4nge zwischen den Teilgebieten der nun einzeln und nacheinander abgepr\u00fcften Studienf\u00e4cher zu erkennen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">H\u00e4tte man die Reform hier gestoppt und auf Bachelor und Master verzichtet, h\u00e4tte man die meisten Ziele der Studienreform schon erreicht. Aber schon hier gab es die kollaterale Sch\u00e4digung der besonders F\u00e4higen, Kreativen und Motivierten. Die bedurften einer solchen Reform n\u00e4mlich nicht. Die starren Pr\u00fcfungsrhythmen behinderten sogar ihre individuelle Zeitplanung und den gezielten Aufbau ihrer Potenziale.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Doch die bildungspolitischen Ziele wollten \u201emehr\u201c(?): Sie wollten einen fr\u00fcheren praxisverwertbaren Abschluss in verwertbarer Menge <i>auch<\/i> an den Universit\u00e4ten, weil die Fachhochschulen allein diesen nicht bieten konnten. Der \u201eBachelor\u201c sollte der Abschluss f\u00fcr die Masse <i>aller<\/i> Studenten werden, auch f\u00fcr potentielle Studienabbrecher und Langzeitstudenten an den Universit\u00e4ten.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Dazu h\u00e4tte es gereicht, den Universit\u00e4ten zus\u00e4tzlich den Bachelor aufzudr\u00fccken. Heute legen aber faktisch alle Hochschulen in Deutschland Bachelor- <i>und<\/i> Masterprogramme auf, Universit\u00e4ten wie Fachhochschulen. Die Fachhochschulen erhielten dabei mit dem Master ein \u201eUpgrading\u201c: Das aber tr\u00e4gt stark dazu bei, die bildungspolitischen Ziele f\u00fcr den Bachelor zu verfehlen, wie Neschle noch zeigen wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Man k\u00f6nnte nun meinen, diese Abschlussvielfalt sei bereits durch die fr\u00fchere Gesamthochschule vorweggenommen. Diese vereinte Fachhochschul- und Universit\u00e4tsstudieng\u00e4nge und damit auch deren Abschl\u00fcsse. \u2013 Doch weit gefehlt; denn die Gesamthochschulen folgten dem Ypsilon-Modell. Das sah eine fr\u00fchzeitige Trennung von k\u00fcrzerem Diplom I (Fachhochschulabschluss, meist sechs Semester) und l\u00e4ngerem Diplom II (Universit\u00e4tsabschluss, meist acht oder neun Semester) vor. Das Ypsilon hatte also verschieden lange Enden. Formal gesehen! Denn die Regelstudienzeiten wurden meist \u00fcberschritten, beim k\u00fcrzeren Diplom I noch deutlicher als beim l\u00e4ngeren Diplom II. Es gab sogar Gesamthochschulen, da waren die \u00c4ste der Ypsilons <i>faktisch<\/i> gleichlang. Vom formal \u201ek\u00fcrzeren\u201c Diplom I blieb da nicht viel.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Nach dem Y-Prinzip mussten spezielle Lehrveranstaltungen allein f\u00fcr den Fachhochschulstudiengang angeboten werden. Die Verzweigung des Ypsilons musste zudem fast von Beginn an erfolgen. Dekane einer Gesamthochschule verbrachten damals viel Zeit f\u00fcr den Beleg, dass an ihrem Fachbereich das Ypsilon-Modell streng realisiert wurde und <i>keinesfalls das vom Ministerium streng verp\u00f6nte \u201eKonsekutivmodell\u201c.<\/i> Neschle kann von jahrelangen Diskussionen mit seinem Ministerium genau dar\u00fcber erz\u00e4hlen, welche die Verabschiedung von Pr\u00fcfungsordnungen an seiner Gesamthochschule ebenso lange verz\u00f6gerten.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Das \u201eKonsekutivmodell\u201c h\u00e4tte n\u00e4mlich bedeutet: Erst machen <i>alle<\/i> Studenten den Fachhochschulabschluss, danach noch einige den universit\u00e4ren. Da h\u00e4tten Kurz- und Langzeitstudenten zun\u00e4chst alle Lehrveranstaltungen der Kurzzeitstudenten gemeinsam besucht. Das aber durfte damals keinesfalls sein! Genau das machen wir jedoch heute mit Bachelor und Master. Was fr\u00fcher falsch war, ist heute richtig!? Neschle muss heute also die alten Argumente des Ministeriums vergessen, denn dessen Horn tutet heute v\u00f6llig anders.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Mit dem Diplom I hatte man an der Gesamthochschule formal einen Abschluss, der dem der Fachhochschule gleichgestellt war. Man hatte damit auch als Student subjektiv das Gef\u00fchl, einen \u201eAbschluss\u201c im wahrsten Sinne des Wortes zu haben. Denn erstens war es der h\u00f6chste Abschluss, den eine Fachhochschule zu vergeben hatte, und zweitens war es das Ende dieses Zweiges des Ypsilons. Und wo finden wir einen \u201eAbschluss\u201c, wenn nicht am Ende?<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>B. Der Bachelor f\u00e4llt durch: ein Abschluss, der kein \u201eAbschluss\u201c ist.<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Der Amerikaner ist mit jeder <i>Graduierung<\/i> (\u201eGraduation\u201c) zufrieden, der Deutsche will einen <i>Abschluss<\/i>. Der Deutsche will nicht nur graduell weiterkommen, er will \u201efertig\u201c sein, zu Ende studiert haben. Ein <i>\u201eExamen\u201c <\/i>will er: mit \u201eEx\u201c und \u201eAmen\u201c!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Im Rahmen des \u201eKonsekutivmodells\u201c ist der \u201epraxisgerechte\u201c Bachelor aber nur <i><u>Vorstufe<\/u><\/i><u> zum Master<\/u>. Hat sich der Deutsche nun aufgeschwungen, Geselle (Bachelor) zu werden, will er auch Meister (Master) sein. Nur dann ist er \u201efertig\u201c. Sonst ist er nur einen Schritt weiter, nur \u201egraduell\u201c fortgeschritten oder eben \u201egraduiert\u201c. Daher will fast jeder weiter machen, sogar besonders stark, wenn er ein schlechter Bachelor war. Denn den kann er durch einen guten Master-Abschluss vergessen machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Fr\u00fcher stand der k\u00fcrzere Abschluss an Fachschulen dort am Ende aller Hochschultage und war das Ende aller Dinge. Der Bachelor von heute ist es nicht mehr. Wie aber soll man aber da den Bachelor als \u201eAbschluss\u201c empfinden? Und auch das Y-Modell ist ja nicht mehr a jour. Dennoch stellen sich Bildungspolitiker vor, dass 80 Prozent der Studierenden einen \u201eAbschluss\u201c als Abschluss akzeptieren sollen, der nirgendwo einer ist?! Weil es danach an jeder Hochschule weitergeht. Zum Master, Zwei-Master oder sogar mehr im rosaroten Bildungsmehr nach Bologna!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Da allerdings auch in der Wirtschaft die Akzeptanz des Bachelor-\u201eAbschlusses\u201c geringer ist als von der Politik erwartet, st\u00e4rkt das die Nachfrage der Studierenden noch weiter nach dem Abschluss, der wirklich als Abschluss gilt: dem \u201eMaster\u201c! Und er wird ja auch \u00fcberall gern angeboten, am liebsten von den Fachhochschulen und neukonstruierten \u201eBusiness Schools\u201c, die auch au\u00dferhalb der Hochschulen wachsen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Weil vor allem Berufst\u00e4tige bereit sind, f\u00fcr den Master-Abschluss zu zahlen, und die \u00f6ffentlichen Hochschulen auf dieses <i>Gesch\u00e4ft<\/i> nicht vorbereitet sind, sprie\u00dfen diese \u201eBusiness Schools\u201c wie Pilze aus dem Boden, giftige und ungiftige. Orchideenhafte Sch\u00f6pfungen erhalten politische und finanzielle Unterst\u00fctzung in einem Ma\u00dfe, das den staatlichen Hochschulen im Zuge eigener Sparma\u00dfnahmen immer fremder wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Fachhochschulen sehen im Master-Abschluss ihre Chance, mit den Universit\u00e4ten gleichzuziehen und widmen ihm deutlich mehr Energie als die Universit\u00e4ten. Neschle konnte es schon an der Gesamthochschule beobachten: Dort dr\u00e4ngten die Fachhochschullehrer so sehr in den universit\u00e4ren Bereich, dass die Fachhochschulstudieng\u00e4nge nur durch massiven Einsatz der Universit\u00e4tsprofessoren aufrecht erhalten werden konnten (<a href=\"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/5\/\">Neschle 1<\/a>). So ist er eben der Mensch! Auch der akademische.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Universit\u00e4ten sehen sich mit dem aufgezwungenen Bachelor-\u201eAbschluss\u201c in der Verteidigung. Ihr Trick, ihren Bachelor in Abgrenzung zu den Fachhochschulen nicht \u201eBachelor of <i>Arts<\/i>\u201c zu nennen, sondern \u201eBachelor of <i>Science<\/i>\u201c ist von den Fachhochschulen l\u00e4ngst durchschaut. Und niemand verbietet diesen und diversen au\u00dferuniversit\u00e4ren Business Schools, ihre Bachelor und Master selbst dann \u201e<i>of<\/i> Science\u201c zu taufen, wenn sie tats\u00e4chlich eher \u201e<i><u>off<\/u><\/i> Science\u201c sind. Und das machen sie auch! Wie mit allem anderen, was sie noch von den Universit\u00e4ten unterscheidet. So bezeichnen sich Fachhochschulen international als \u201eUniversity\u201c, wo auch das \u201eof Applied Science\u201c mal wegf\u00e4llt. In Deutschland nennen sie sich einige schlicht \u201eHochschule\u201c ohne \u201eFach\u201c, wie etwa die von und zu Krefeld am Niederrhein.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Klarheit und Durchschaubarkeit der Bildungsabschl\u00fcsse nehmen zugleich rapide ab. Von einem Master-Programm werden bestimmte Bachelor-\u201eAbschl\u00fcsse\u201c als Eintrittsvoraussetzung abgelehnt, die ein anderes problemlos anerkennt. Manche Master-Abschl\u00fcsse werden als Zugang f\u00fcr Promotionen akzeptiert, andere nicht. An jeder Hochschule jedoch andere! Der Beliebigkeit und Willk\u00fcr sind T\u00fcr und Tor ge\u00f6ffnet.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Apropos \u201eTor ge\u00f6ffnet\u201c. Nie hatten die \u201eWeltmeister im Durchwursteln\u201c mehr M\u00f6glichkeiten. Wer sich an der richtigen Stelle durchw\u00fchlt, hat gr\u00f6\u00dfte Chancen auf einen erfolgreichen Abschluss. So hat sich der Master heute selbst dem \u201eTor ge\u00f6ffnet\u201c.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>C. Mark war damals! \u2013 Heute ist Shopping mit Marks und Euro!<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">In diesem Gew\u00fchl und Durcheinander von Abschl\u00fcssen der unterschiedlichsten Inhalte und Qualit\u00e4ten gibt es zwei individuelle Probleme:<\/p>\n<ol style=\"text-align: left;\">\n<li>Wie mache ich meinen Abschluss m\u00f6glichst gut? Das ist die operative Frage. Die richtet sich auf die Noten. \u201eNoten\u201c hei\u00dfen englisch \u201eMarks\u201c. Das ist die W\u00e4hrung! Um die es geht bei der \u201eGraduierung der H\u00f6he nach\u201c.<\/li>\n<li>Wo mache ich richtigerweise meinen Abschluss? Das ist die strategische Frage. Die W\u00e4hrung wird hier immer mehr der Euro, wobei die Dollars kr\u00e4ftig, die Pfunde noch ein wenig im Spiel sind bei der \u201eGraduierung dem Grunde nach\u201c.<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: left;\">Fr\u00fcher wurde das erste Problem von schw\u00e4cheren Studenten so gel\u00f6st, dass sie die Wahl der F\u00e4cher nicht nach Neigung vornahmen, sondern nach dem Prinzip des \u201ed\u00fcnnsten Brettes\u201c. Dort leicht eingefahrene Noten erhoben sich in ihrem Zeugnis leuchtend \u00fcber die Noten aus den zwangsweise zu belegenden F\u00e4chern. Das hatte allerdings eine Nebenwirkung, wollte man bei der Berufswahl seine Neigungen sprechen lassen: Die entsprechenden F\u00e4cher waren auf dem Zeugnis nicht vertreten.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Heute ist das anders. Es gibt die internationale Anerkennung von \u201eMarks\u201c rund um den Globus, von New York bis Wladiwostok, von Sydney bis Oslo. Also kann man seine Marks da abholen, wo es die besten Wechselkurse f\u00fcrs eigene (Un-)Wissen gibt. Neschle kann dazu zwei statistische Daten liefern: 1. die Zahl der Anerkennungen von \u201eMarks\u201c ausl\u00e4ndischer Hochschulen hat sich bei ihm in den letzten f\u00fcnf Jahren etwa <i>verdrei\u00dfigfacht<\/i>; 2. diese \u201eMarks\u201c liegen im Schnitt mehr als eine Note \u00fcber den Noten, welche dieselben Studenten an der deutschen Universit\u00e4t erzielen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Der Professor kann nur pr\u00fcfen, ob sein Gebiet von der Lehre an der anderen Universit\u00e4t abgedeckt ist, aber Stil und Inhalt der Pr\u00fcfungen bleiben ihm verschlossen. Erkennt er einmal die Vergleichbarkeit der Inhalte des Lehrplans und die \u201eGleichwertigkeit\u201c des Pr\u00fcfungen an, darf er nur die \u201eMarks\u201c der meist ausl\u00e4ndischen Universit\u00e4ten mechanisch in die deutsche Note umrechnen, nach einem vorgegebenen Umrechnungsschl\u00fcssel.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Diese \u201eMarks\u201c tauchen als deutsche Noten auf dem Zeugnis auf. <i>Die deutsche Universit\u00e4t<\/i>(!) bescheinigt dem Studenten damit seine Kenntnisse. Der Student kann folglich die Reputation von Universit\u00e4t A nutzen, um sich <i>von ihr auf ihrem Zeugnis<\/i> seine Leistung an der Universit\u00e4t B bescheinigen zu lassen. Sein Entscheidungsproblem: Erbringe die Leistung da, wo es leicht ist und die \u201eMarks\u201c hoch sind; lasse dagegen die Leistung best\u00e4tigen, wo die Reputation hoch und es schwer ist, hohe \u201eMarks\u201c zu erreichen. Ein munteres Noten-Shopping, bei dem mit \u201eMarks\u201c bezahlt wird! \u2013<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Das zweite Problem der \u201eGraduierung der Grunde nach\u201c l\u00f6st sich eher \u00fcber Euro und Dollar. Es wird es n\u00e4mlich immer wichtiger, dass man sein Zeugnis von der \u201erichtigen\u201c Stelle hat. Da ist es wie beim Fu\u00dfballspiel: Fr\u00fcher kam es dort darauf an, dass man von seinem Platz das Spiel gut einsah. Heute vor allem darauf, ob man es vom Stehplatz in der Nordkurve verfolgt oder aus der VIP-Lounge. Dabei ist es v\u00f6llig gleichg\u00fcltig, ob man das Spiel von der VIP-Lounge auch besser wahrnimmt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Was will uns Neschle damit sagen? Ist man einmal in der VIP-Lounge von Harvard, gilt man auch mit weniger Kenntnissen und Einsichten mehr als der Absolvent einer Wald- und Wiesen-Universit\u00e4t:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Eine amerikanische Studentin berichtete Neschle, in Harvard werde von einer ihrer fr\u00fcheren Dozentinnen derselbe Marketing-Kurs angeboten wie an ihrer eigenen Universit\u00e4t in Texas. Gegen eine Absolventin von dort h\u00e4tte sie aber trotz gleicher Inhalte selbst bei besseren Noten von derselben Dozentin keine Chance am Arbeitsmarkt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Was mache den Unterschied, wollte Neschle wissen, obwohl er es schon wusste? Vor allem das h\u00f6here \u201eEintrittsgeld\u201c, das ihre Konkurrentin habe zahlen k\u00f6nnen. Und die Reputation von Harvard, die sich auch auf schw\u00e4chere Absolventen \u00fcbertrage. Mit \u201eLeistungsgesellschaft\u201c habe das nichts mehr zu tun. Auch nicht mit \u201eGeisteselite\u201c. Es sei im Grunde eine neue Art ausgrenzender \u201eAdelsherrschaft\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Was \u201eElite\u201c sei, bestimme nicht das Ausbildungsprogramm oder die Leistung der Studierenden, sondern fast allein die \u201eZugeh\u00f6rigkeit\u201c. Die aber werde erkauft: Wer \u201ezugeh\u00f6rig\u201c zur \u201eElite\u201c sei, lege zu 98 Prozent die Studiengeb\u00fchr fest, nur zu 2 Prozent die reine Leistung. Diese 2 Prozent definierten den k\u00fcmmerlichen Rest der amerikanischen \u201eLeistungsgesellschaft\u201c. Bessere Leistung und doch kaum eine Chance! Das gelte f\u00fcr alle, die nicht an einer \u201eElite-Universit\u00e4t\u201c studiert h\u00e4tten. Warum also nicht \u201eBachelor\u201c bleiben? \u2013 Ist das am Ende auch der deutsche Weg zum Bachelor?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Neschle wertet das mal nicht. Er \u00fcberl\u00e4sst es dem Leser, sich Gedanken \u00fcber die k\u00fcnftige Entwicklung der Bildung in Deutschland zu machen. Und dar\u00fcber, was k\u00fcnftig die T\u00fcren zu attraktiven Jobs \u00f6ffnet!<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>D. Zwei-, Drei- und Vier-Master: Volle Fahrt voraus im Bildungs-Mehr!<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Mehrere Universit\u00e4ten in Deutschland pflegten in der Zeit <i>vor<\/i> \u201eBachelor\u201c und \u201eMaster\u201c ein Austauschprogramm mit amerikanischen Universit\u00e4ten:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Nach der Zwischenpr\u00fcfung, also g\u00fcnstigstenfalls nach vier Semestern, konnten sich deutsche Studenten in ein Master-Programm der amerikanischen Partneruniversit\u00e4t einschreiben. Dieses Programm hatte einen definierten Lehrinhalt, der bei entsprechendem Arbeitseinsatz der Studierenden innerhalb eines Jahres zum Master-Abschluss f\u00fchrte.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Der Mastertitel war also recht schnell erreicht. Wegen des Engagements deutscher Studenten schafften es auch ansonsten mittelm\u00e4\u00dfige Studenten in den USA zu einem \u201eBest in Class\u201c. Dennoch mussten sie im Durchschnitt noch zwei Jahre \u201enachsitzen\u201c, bis sie ihr Diplom von ihrer deutschen Hochschule in der Tasche hatten.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Neschle f\u00fchlt sich daher immer \u201evoll wie ne leere Flasche, aber voll\u201c, wenn er von Leuten h\u00f6rt, die den Mastertitel \u00fcber dem Diplom ansiedeln. So ging ein Bekannter von Neschle mit seinem Sohn zu einer Fachhochschule, um ihn dort zum Bachelor(!)-Studium anzumelden. Es passt zum neuen Stolz der Fachhochschulen, dass er von einem dortigen Hochschullehrer trotzdem kaum etwas \u00fcber den Bachelor und sehr viel \u00fcber das \u201e<i>neue<\/i> Master-Programm\u201c erfuhr: Nat\u00fcrlich sei \u201eder <i>neue<\/i> Master \u00fcber dem traditionellen Diplom einzuordnen. Auch \u00fcber dem der Universit\u00e4ten!\u201c Da kriegt der Neschle wirklich Pickel! \u2013<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Aber was geschieht bei einem deutschen Master mit dem partnerschaftlichen Master-Programm an amerikanischen Universit\u00e4ten. \u201eNichts\u201c, erfuhr Neschle j\u00fcngst, \u201ees wird weitergef\u00fchrt\u201c. Dann erwerbe der Student erst den amerikanischen, dann den deutschen Mastertitel. Master im Doppelpack! In diesen <i>\u201eZwei-Master-Programm\u201c<\/i> gebe es Synergien, so dass f\u00fcr beide Master-Titel nur die etwa 1,2-fache Leistung gen\u00fcge.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Einen solchen Zwei-Master kann man nur als \u201eSchoner\u201c bezeichnen. Da musste der Wirtschaftsingenieur f\u00fcr sein Doppel-Diplom schon(ungslos) mehr tun. Und manchmal bekam er daf\u00fcr nur ein einziges Diplom. K\u00fcnftig wird es allerdings mindestens ein \u201eZwei-Master\u201c sein. Wird er zudem in ein Auslandsprogramm einbezogen, ist es ein \u201eDrei-Master\u201c und ein ansehnliches \u201eLinien-Schiff\u201c. Das durchkreuzt allerdings die \u201eLinie\u201c der deutschen Bildungspolitik und ist deshalb wohl zugleich ein \u201eKreuzer\u201c. Vielleicht sogar mal als Vier-Master und nicht nur aus Hamburg! Heute kommen solch hochgem\u00e4stete Mehr-Master n\u00e4mlich auch aus Hessen oder Bayern!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Schon spekuliert Neschle auf Rabatte beim Drei- und <i>Vier<\/i>-Mastern nach dem \u201eSchoner-Prinzip\u201c. Gibt es k\u00fcnftig den Vier-Master f\u00fcr die nur <i>zwei<\/i>fache Leistung? Dann k\u00f6nnte sich jede Rabattaktion bei \u201eGeiz ist geil\u201c dahinter verstecken. Das sind Rabatte wie bei Ramschware am Rande der Cranger Kirmes: \u201eNehmen Sie diese Blume \u2013 und Sie kriegen noch diese, diese und diese obendrauf! Und alles f\u00fcr \u2026(?)\u201c Bei solchen Gew\u00e4chsen im deutschen Bildungsgarten ist Neschle nur noch (un-)billig zumute. Welch ein Wildwuchs! Welche G\u00e4rtner!<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Mastertitel, Bachelor,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">uns kam\u2019s mal amerikanisch vor.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Doch im Bologna Bildungs-Boom<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">(sprich \u201eBohm\u201c; \u00fcbersetze: \u201eWahn\u201c)<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">da opferten wir das Diplom.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Politik gibt das Verh\u00e4ltnis vor:<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Ein Master, viermal Bachelor.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p style=\"text-align: center;\">Das macht der Ami gerne mit,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">denn Bachelor ist dort ein Schritt,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">den nennt die ganze Na-ti-on<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">ganz stolz auch Gradu-a-ti-on.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Doch selbst nach deutscher Titelwende:<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">der \u201eAbschluss\u201c kommt bei uns am Ende.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p style=\"text-align: center;\">Da gibt\u2019s den Master und davor<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">da kommt eben der Bachelor.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Und richtig zu ist erst ein Sack<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">mit Mastern gleich im Viererpack.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Die segeln durch die Bildungswelt,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">auch wenn\u2019s der Politik missf\u00e4llt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p style=\"text-align: center;\">Die Einfalt, die uns hier regiert,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">hat uns zum Bachelor verf\u00fchrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Nun will den Armen keiner wollen,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">denn gerade Fachhochschulen zollen,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">fast nur dem Master noch Respekt,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">weil \u201eUpgrading\u201c dort besser schmeckt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">So ist denn doch nicht alles K\u00e4se<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">beim Bildungsauftrieb Bolognese.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Neschle k\u00f6nnte es auch mit einer Anleihe bei Wilhelm Busch versuchen:<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Also lautet ein Beschluss,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">dass man \u201eMaster\u201c werden muss.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Das Diplom das bringt ja eh<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">keinen Mensch mehr in die H\u00f6h\u2019.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Man kann es zwar noch manchmal lesen,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">doch das ist einmal gewesen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Ja, da kann man nichts mehr machen,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">so ist es halt in Bildungssachen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Und wer kann noch von Bachelor-Ehren<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">heut\u2019 wirklich mit Vergn\u00fcgen h\u00f6ren?<\/p>\n<p><a title=\"PDF-Datei\" href=\"http:\/\/www.neschle.de\/download-manager.php?id=76\">PDF-Datei<\/a><br \/>\nThis post was downloaded by  1399  people until now.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwei-Master, Drei-Master, Vier-Master segeln im rosaroten Bildungs-Mehr. Ick heff mol een Hamborger Vier-Master (sprich: Mah-ster) sehn, to my hooday, de Master (Original: Masten) so scheep as den Schipper sien Been, to my hooday, hooday, ho \u2013 ho \u2013 ho \u2013 ho! Blow boys blow for Californio there is plenty of gold so I am told &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-32-47-woche-2007\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eLeon Neschle 32 (47. 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