{"id":215,"date":"2007-11-15T09:28:44","date_gmt":"2007-11-15T08:28:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-30-45-woche-2007\/"},"modified":"2020-06-21T11:10:19","modified_gmt":"2020-06-21T10:10:19","slug":"leon-neschle-30-45-woche-2007","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-30-45-woche-2007\/","title":{"rendered":"Leon Neschle 30 (45. Woche 2007)"},"content":{"rendered":"<header>\n<h2 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #4f81bd\">Wer versteht Harrys Marko-Witz?<\/span><\/strong><\/h2>\n<\/header>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>Es ist gewiss besser, eine Sache gar nicht studiert zu haben als oberfl\u00e4chlich. Denn der blo\u00dfe gesunde Menschenverstand, wenn er eine Sache beurteilen will, schie\u00dft nicht so sehr fehl als die halbe Gelehrsamkeit.&nbsp;<\/em>(Georg Christoph Lichtenberg)<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Es gibt Menschen, die treten in Fettn\u00e4pfchen. Und es gibt Menschen, die stellen sogar die Fettn\u00e4pfchen auf, in die sie hintreten. Wenn sie das zwar wissen, aber so tun, als w\u00fcssten sie es nicht, nennt man sie Clowns oder Ententrainer, ups!: Entertainer nat\u00fcrlich. Dar\u00fcber lacht man. Wissen sie das nicht, tun aber trotzdem so, als w\u00fcssten sie es, hei\u00dfen sie Wissenschaftler oder Manager, schlimmstenfalls sogar Vorst\u00e4nde. Da ist es dann tragisch, und den meisten ist zum Weinen zumute.<!--more--> Dar\u00fcber zu lachen ist nicht gut: Wegen der Reputation und bei Managern auch wegen des vielen Geldes. Das bekommen die vor allem daf\u00fcr, dass sie auf dem Weg zu den gro\u00dfen Futtertr\u00f6gen die Fettn\u00e4pfchen vermeiden und allenfalls andere dort hineintreten lassen. Treten sie selbst mal rein, kriegen sie das Geld trotzdem. Dann war es ein Pech und h\u00e4tte jedem passieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Fettn\u00e4pfchen sind nicht so leicht zu erkennen und auch Futtertr\u00f6ge nicht. Deshalb kann nicht jeder Manager werden \u2013 oder Wissenschaftler. Mit Halbwissen kann man das aber schon. Das ist so weit verbreitet, dass es kaum jemand als \u201eHalbwissen\u201c erkennt. Doch gef\u00e4hrlich ist es schon. Wenn Fettn\u00e4pfchen aufgestellt werden, die man selbst nicht erkennt. Oder um es mit Alf zu sagen: \u201eWas nicht kaputt ist, kann man auch nicht reparieren!\u201c Oder war es: \u201eWas man nicht reparieren kann, ist auch nicht kaputt!\u201c Und wenn es doch kaputt ist?<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>A. Wer hat den Harry Marko-Witz nicht verstanden?<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Um die Antwort gleich zu sagen: die allermeisten. Und wer gibt an und damit an, den Marko-Witz verstanden zu haben: die allermeisten. Was ist die Folge: Sie wissen nicht, dass sie es nicht wissen. Was ist das Ergebnis? \u201eHalbwissen\u201c! Wie w\u00fcrde man das auf Neudeutsch beurteilen? \u201eOne, who doesn\u2019t know anything and knows, that he doesn\u2019t know anything, knows more than one, who doesn\u2019t know anything, and doesn\u2019t know, that he doesn\u2019t know anything.\u201d Daher wei\u00df der Halbwissende weniger als der Unwissende. Ein gef\u00e4hrliches Durchlaufstadium in der Ausbildung!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Sehen wir uns doch einmal die Betroffenen an, die sich \u201ehalbwissend\u201c nat\u00fcrlich nicht als solche betrachten, weil sie gar nicht wissen, dass sie betroffen sind, was Neschle wiederum betroffen macht:<\/p>\n<ol style=\"text-align: left;\">\n<li>Die Wissenschaftler. Denen hat der Harry den Marko-Witz zuerst erz\u00e4hlt.<\/li>\n<li>Die Manager. Die haben vom Witz geh\u00f6rt, glaubten ihn verstanden zu haben. Dann machten sie das, was sie glaubten, das Harry erz\u00e4hlt zu haben schien. Ihre Unternehmungen kostete das Millionen; sie verdienten damit Millionen. So hatte jeder was davon.<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: left;\">Schauen wir, was die Manager verstanden hatten:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Harry hatte seine Geschichte auf angels\u00e4chsisch verbreitet. Angelsachsen erz\u00e4hlen bei heiklen und delikaten Sachen komische Geschichten. Sex zum Beispiel erkl\u00e4ren sie mit den \u201eBirds and Bees\u201c. Neschles Vermutung, es ginge dabei ums \u201eV\u00f6geln von Bienen\u201c, erwies sich nicht als stichhaltig. Da reden die ganz trocken \u00fcber Best\u00e4ubung, als w\u00e4re das auch nur ann\u00e4hernd realistisch! Aber es ist steril und das passt zum Angelsachsen, der menschliche Ber\u00fchrung gern meidet<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Bei Harry geht es um Risiko und die Geschichte von Grandma: \u201eDon\u2019t put all your eggs in one basket!\u201c Weil es sich aber nicht um rohe, sondern um goldene Eier handelt und die Anrechtscheine auf Hennen, die solche Eier legen, sagt Harry nicht \u201eBasket\u201c, sondern \u201ePortefeuille\u201c oder \u201ePortfolio\u201c. Amerikaner von heute sind nicht mehr so zimperlich. Werfen die unterschiedliche Papiere in einen Topf, reden sie von \u201eBasket\u201c. Wenn die was wert sind, ist es aber nicht der \u201eWaste Paper Basket\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Manager haben die Sache mit dem Basket so interpretiert, als solle man nicht nur Eier auf verschiedene K\u00f6rbe verteilen, sondern in einen Korb au\u00dfer Eiern jede Menge anderes Zeug hineinstopfen. Etwa \u00c4pfel und Birnen. Dieses Prinzip nannten sie \u201eDiversifikation\u201c, ehe sie erkannten, dass das gar nicht immer gut ist. Da sprachen sie pl\u00f6tzlich von \u201eDi-wors(e)i-fication\u201c, machten das Prinzip schlecht und gingen ansatzlos \u00fcber zum \u201eCore Business\u201c. In Deutschland war es das \u201eKerngesch\u00e4ft\u201c, was vermutlich am vielen Kernobst lag, das mittlerweile im Eierkorb lag. Dann hie\u00df es pl\u00f6tzlich von Andrew Carnegie: \u201ePut all good eggs in one basket and then watch that basket!\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Bevor es soweit war, interpretierten Vorst\u00e4nde die witzige Botschaft von Harry so, wie die alten Bauern. Die haben sich vor der EU nie auf nur <i>ein<\/i> landwirtschaftliches Erzeugnis konzentriert, sondern hatten neben der Schweinezucht auch Milchwirtschaft, Getreide- und Gem\u00fcseanbau. So konnten ihnen die im \u201eSchweinezyklus\u201c abschmierenden Preise wenig anhaben. Sie hatten ja noch die anderen Erzeugnisse im K\u00f6rbchen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Das wollten die Vorst\u00e4nde auch und kauften zum Teil noch bis in die neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts zu den Gesch\u00e4ften, die sie bisher betrieben andere hinzu. Man konnte ja nie wissen! Das Risiko wartete um die Ecke und schlug erbarmungslos zu, wenn man nicht vorgesorgt hatte. Lie\u00dfen sich also Eier schlecht vermarkten, hatte man ja noch \u00c4pfel und Birnen!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Man hatte davon jedoch so wenig Ahnung, dass man \u00f6fter sogar \u00c4pfel mit Birnen verwechselte. Besch\u00e4ftigte man sich allerdings intensiver mit dem Kernobst, dann gerieten die Eier aus dem Blickfeld. War es fr\u00fcher das Marktrisiko der Eierpreise, so war es nun das hausgemachte Risiko, weder gute Eier noch akzeptables Kernobst produzieren zu k\u00f6nnen. Das hausgemachte Risiko wird aber zum Markrisiko, sobald die K\u00e4ufer etwas merken. Dieses Risiko fehlender \u201eMarktgerechtigkeit\u201c der Erzeugnisse kann sogar gr\u00f6\u00dfer werden als das urspr\u00fcngliche mit den Eiern. Dann also doch nur (gute) Eier in den Korb \u201eand then watch that basket\u201c? Oder nur das Kerngesch\u00e4ft mit \u00c4pfeln und Birnen???<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Aber hatte Harry in seinem Marko-Witz nicht empfohlen, m\u00f6glichst umfassend zu diversifizieren? Hatte er nicht unzweifelhaft <i>mathematisch bewiesen<\/i>, dass sich bei gleichem Erwartungswert die Risiken senken lassen, je breiter man seine \u201eClaims\u201c anlegt, m\u00f6glichst sogar <i>s\u00e4mtliche<\/i> Diversifizierungsm\u00f6glichkeiten nutzt? Das war doch gerade der Marko-Witz! Und Neschle muss gestehen: \u201eJa, das war er!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Doch Mathematik ist eine heikle Sache, wenn man deren Anwendungsbedingungen vergisst. Wir wissen genau: \u201e1 + 1 = 2\u201c. Aber wer sagt uns, dass ein Kaninchen und ein Kaninchen immer zwei Kaninchen sind? Glauben wir da so simpel dem mathematischen Modell? Oder verstehen wir \u201eintuitiv\u201c die Bedingung, dass wir eine delikate Interaktion zwischen den beiden Kaninchen ausschlie\u00dfen m\u00fcssen, von den spezifischen biologischen Vorbedingungen einmal abgesehen?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Bei den Anwendungsbedingungen kommen die Wissenschaftler ins Spiel. Die h\u00e4tten doch die Manager warnen m\u00fcssen vor dem Missverst\u00e4ndnis des Marko-Witzes. Sie haben auch Warnungen ausgesprochen. Doch diese Warnungen waren so, als h\u00e4tte man Rotk\u00e4ppchen gesagt, sie solle sich vor dem schmutzigen Fell des Wolfes in Acht nehmen und nicht vor dessen Z\u00e4hnen. Sie haben gesagt, der Marko-Witz beruhe auf einer gro\u00dfen Anzahl kritischer Pr\u00e4missen. Diese Pr\u00e4missen haben sie s\u00e4uberlich in ihren Lehrb\u00fcchern aufgef\u00fchrt. \u2013 Die wichtigste haben sie dabei vergessen. Und daran h\u00e4ngt der ganze Marko-Witz oder zumindest sein Verst\u00e4ndnis.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><b>B. Wann klemmt der Marko-Witz, wann nicht?<\/b><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Harry hat vor allem Wertpapiere in sein \u201ePortefeuille\u201c genanntes K\u00f6rbchen gepackt. Dabei ging er von einer so simplen Tatsache aus, das sie in den meisten Pr\u00e4missenkatalogen nicht einmal erw\u00e4hnt ist: <i>Die Ertr\u00e4ge und Risiken der Wertpapiere sind (vor-)gegeben. Sie k\u00f6nnen vom Mixer des Portfolios nicht (mehr) beeinflusst werden. Er kann sie nur hinnehmen und allein die vorgegebenen Wertpapiere kombinieren.<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Aber wechseln wir nun von der Ebene der Wertpapiere auf die Gesch\u00e4ftsbereiche einer Unternehmung. Hier w\u00e4re es die Bankrotterkl\u00e4rung des Managements, wenn dieses erkl\u00e4ren w\u00fcrde: <i>Auf Ertr\u00e4ge und Risiken unserer Gesch\u00e4ftsbereiche haben wir leider keinen Einfluss. Sie sind uns vorgegeben und fallen vom Himmel wie in der Welt von Harry in seinem Marko-Witz. Wir k\u00f6nnen nur schon mischen und diversifizieren.<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Manager, die diese Bankrotterkl\u00e4rung nicht unterschreiben m\u00f6gen, k\u00f6nnen sehr wohl Ertrag und Risiko ihres Gesch\u00e4ftsbereichs beeinflussen. Setzen wir voraus, dass sie dabei den Ertrag erh\u00f6hen und das Risiko vermindern, k\u00f6nnte ihr Erfolg auch davon abh\u00e4ngen, wie sehr sie sich auf die Gesch\u00e4ftsbereiche konzentrieren (\u201ewatch that basket\u201c). Auch die Marktmacht auf diesem Felde spielt eine Rolle. Skalenertr\u00e4ge und Lernkurve singen das Lied von der \u201eGr\u00f6\u00dfe\u201c \u2013 das der konzentrierten, nicht der diversifizierten.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Aktion\u00e4re waren kl\u00fcger als ihre hochbezahlten Vorst\u00e4nde und straften diese f\u00fcr \u201eDi-wors(e)i-fizierungen\u201c mit Kursabschl\u00e4gen ab. Was die Vorst\u00e4nde auf der Konzernebene taten, konnten Aktion\u00e4re doch besser auf der Anteilseignerebene tun. Sie mussten nur Aktien von Unternehmen in ihr K\u00f6rbchen tun, die auf verschiedenen Gesch\u00e4ftsfeldern unterwegs waren. Das ging in von ihnen gew\u00fcnschten Gr\u00f6\u00dfenverh\u00e4ltnissen und Dimensionen und lie\u00df sich schnell nach ihrem Gusto \u00e4ndern. Solche Flexibilit\u00e4tsvorteile konnte die Kombination von Gesch\u00e4ftsbereichen auf der Konzernebene nicht aufweisen. Da musste der Aktion\u00e4r die eine fette Aktie der einen fetten verdaimlerten Unternehmung halten. Die Kombination im Konzern schien allerdings f\u00fcr das Management einen Vorteil zu haben: Sie machte dessen gegenw\u00e4rtigen Job sicherer.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Doch auf l\u00e4ngere Sicht wurde der Irrtum erkannt. Wer sich in vielen Gesch\u00e4ften verzettelt, der beschw\u00f6rt neue Risiken herauf. Anders als bei Harry und seinem Marko-Witz, senkte man dadurch allzu h\u00e4ufig die Ertr\u00e4ge auf einzelnen Gesch\u00e4ftsfeldern und erh\u00f6hte die Risiken. Die waren eben nicht vorgegeben wie bei Harry. Deshalb klemmte hier der Marko-Witz ganz gewaltig!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Und wie sieht es beim Portfolio von Wertpapierfonds aus? Da k\u00f6nnen ja schon aus vollumf\u00e4nglichen Gr\u00fcnden nicht alle m\u00f6glichen Anlagen enthalten sein. Bei der Auswahl der Einzelanlagen entscheiden die h\u00e4ufig tr\u00fcgerischen Erwartungen. Kann man jedoch Expertentum voraussetzen, gibt es auch hier Spezialisierungsvorteile. Die Pr\u00e4misse <i>vorgegebener<\/i>, also <i>nicht beeinflussbarer<\/i> Ertrags- und Risikodaten f\u00fcr die Einzelanlagen wird auch hier fragw\u00fcrdig. Es gibt daher kaum einen Fond, der sich nicht in irgendeiner Dimension spezialisiert (z.B. Branche, Region).<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Beziehen wir dar\u00fcber hinaus das Portfolio von Business Angeln oder Venture Capital-Gesellschaften ein, gilt das erst recht. Deren Vorteil liegt im \u201esmart capital\u201c, der kombinierten Vergabe von Kapital, Unternehmensberatung und Netzwerkeinbindung. Wer hier \u201evorgegebene Ertr\u00e4ge und Risiken\u201c annimmt, der erkl\u00e4rt die aufbauende T\u00e4tigkeit dieser \u201eStarthelfer\u201c von vornherein f\u00fcr gescheitert. So verwundert es auch nicht, dass sich die \u201eStarthelfer\u201c generell auf bestimmte Branchen in bestimmten L\u00e4ndern konzentrieren. Denn wo das Know-how oder das Know-what fehlt, verpufft jede Starthilfe. Ertr\u00e4ge bleiben zur\u00fcck, Risiken schlagen zur\u00fcck.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Nicht ganz so eng sehen das die Anlagefonds. Doch gerade die gro\u00dfen dieser Spezies beeinflussen durch ihren Marktauftritt, was bei Harry Marko-Witz vorgegeben ist: Ertrag und Risiko der Wertpapiere. Daher klemmt sogar hier der Marko-Witz, freilich viel weniger als bei der Kombination verschiedener Gesch\u00e4ftsbereiche im Konzern.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Und bei kleinen Portfolios, deren Inhaber die Welt nun wirklich so nehmen m\u00fcssen wie sie ist? Die alles essen m\u00fcssen, was auf den Tisch kommt. Da klemmt der Marko-Witz kaum noch an <i>dieser<\/i> Stelle, aber an einer anderen: Soll der Leser sich mal selbst \u00fcberlegen: Warum ist denn bei mir nicht mehr Diversifikation? Nur weil ich so doof bin und Harry so schlau?<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><b>C. Vermarktung der unterst\u00fctzenden Leistungen \u2013 \u201eDi-wors(e)i-fizierung\u201c durch die Hintert\u00fcr?<\/b><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Fast alle Konzerne haben in den letzten Jahren den R\u00fcckweg zum Kerngesch\u00e4ft eingeschlagen, nachdem sie sich jahrelang verdaimlert hatten<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a>, und versuchen sich mit diesem auf den M\u00e4rkten breit und stark zu machen. Bis heute scheinen sie bei \u00c4pfeln, Birnen oder Kirschen geblieben zu sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Aber neue Diversifizierung macht sich breit. Dieses Mal jedoch anders. Doch auch dieses Mal schadet es der Verg\u00fctung des Vorstands nicht. Wie bei der ersten Diversifizierung macht es den Konzern gr\u00f6\u00dfer. \u201eGr\u00f6\u00dfe\u201c ist verg\u00fctungsentscheidend. Es gilt immer noch das \u201eFriedhofsg\u00e4rtnerprinzip\u201c (Leon Neschle 9; Meine Korrekturhilfe l\u00e4sst die Wortsch\u00f6pfung immer noch durchgehen!): \u201eWer mehr Leute unter sich hat, soll auch mehr verdienen.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Dieses Mal verspricht die Sache aber immerhin ertragreicher zu werden. Ausgangspunkt ist nicht das Prinzip vom Marko-Witz, sondern der Dornr\u00f6schenschlaf der \u201eUnterst\u00fctzenden Funktionen\u201c, die ein Markt-Prinz vor geraumer Zeit wachgek\u00fcsst hat. Beim Marko-Witz wurde in der divisionalen Ebene der Sparten oder Gesch\u00e4ftsbereiche diversifiziert. Die heutige Diversifizierung ist funktional und betrifft vor allem die intern unterst\u00fctzenden Dienstleistungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Dass selbst aus unterst\u00fctzenden Funktionen marktf\u00e4hige Dienstleistungen gemacht werden k\u00f6nnen, wussten die Steuerberater schon immer. Die meisten von ihnen \u00fcbernahmen das Rechnungswesen kleiner und mittlerer Betriebe. Bei gro\u00dfen Konzernen arbeitete lie\u00dfen dagegen die Abteilung \u201eRechnungswesen\u201c nur f\u00fcr den Konzern.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">So war es auch bei anderen unterst\u00fctzenden Funktionen und Abteilungen, ja lange Zeit sogar mit der Finanzabteilung, deren Leiter der \u201eSchatzmeister\u201c des Konzerns war. Als solcher \u00fcberlie\u00df er die Aktivit\u00e4ten am Kapitalmarkt seiner Hausbank. Wer heute von Siemens als \u201eBank mit angeschlossenem Elektrobetrieb\u201c spricht, dokumentiert seine Erkenntnis, dass die Dinge sich ge\u00e4ndert haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Alle T\u00e4tigkeiten, die mit konzerneigenen Immobilien zu tun hatten, wurden fr\u00fcher in einer Konzernabteilung zusammengefasst. Deren Aufgabe war es, die Immobilien f\u00fcr den Konzern zu <i>verwalten<\/i>, nicht aber im Sinne der Konzernziele zu <i>vermarkten<\/i>. Das ist heute bei den meisten Konzernen anders. Ehemalige Abteilungen betreiben als junge T\u00f6chter marktaktiv das Immobiliengesch\u00e4ft des Konzerns, das kaum mehr etwas mit der fr\u00fcheren Immobilienverwaltung f\u00fcr den Konzern zu tun hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Chemieparks vermieten Gel\u00e4nde innerhalb der alten \u201eKonzernmauern\u201c auch an Fremdfirmen, welche Dienste der Werksfeuerwehr, der Werkspolizei und die besonderen Entsorgungsfazilit\u00e4ten in Anspruch nehmen. Die sind bereit, daf\u00fcr Mietzuschl\u00e4ge zu zahlen. Anders als einige Profit-Center oder Tochtergesellschaften des Konzerns! Die werden am Profit gemessen, mussten sich hohe Mieten zurechnen lassen, obwohl sie nur bescheidene Anspr\u00fcche an die Ausstattung der Grundst\u00fccke hatten. Damit leisteten sie Quersubventionierung im Konzern. Heute haben diese Einheiten B\u00fcrogeb\u00e4ude ohne teure \u201eChemieparkausstattung\u201c, weil sie die weder brauchen, noch daf\u00fcr zahlen wollen und sei es \u00fcber den internen Verrechnungspreis.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Der Kostenstellenverwalter ist tot und es lebt der ertragsorientierte Intrapreneur. Der aber braucht eine andere Ausbildungsqualifikation (siehe Leon Neschle 12).<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Was aber ist der Unterschied gegen\u00fcber der alten Diversifikation? Was nach au\u00dfen ausschaut wie ein neues Gesch\u00e4ftsfeld, ist intern ein altbekanntes. Es wird nur anders und mit Marktbezug gef\u00fchrt. Das verbessert anscheinend nur die Nutzung vorhandener Potentiale. Doch eigentlich ist es auch ein anderes Gesch\u00e4ft, wie jeder Makler best\u00e4tigen kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wird diese neue \u201eDiversifikation\u201c \u00fcber Funktionen statt \u00fcber Sparten erfolgreich sein? Neschle gibt ihr durchaus gr\u00f6\u00dfere Chancen. Aber es ist wie immer in der Geschichte: Wenn all die Marktaktivit\u00e4ten fr\u00fcherer Unterst\u00fctzungseinheiten vom Rechnungswesen bis zur Immobilienverwaltung Erfolg haben, ist das der erste Schritt in den Misserfolg. Man stelle sich dazu nur vor, Deutschland h\u00e4tte den Zweiten Weltkrieg gewonnen! Dieses Land w\u00e4re unregierbar!<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Der Marko-Witz ist nicht zum Lachen,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">denn manche die Portfolios machen,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">wissen nicht wie\u2019s funktioniert,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">sind vom Ergebnis irritiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Die Annahme, die will es so,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">fest sind Ergebnis, Risiko.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Kann man jedoch hier Einfluss nehmen,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">dann muss der Marko-Witz sich sch\u00e4men.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Das Kerngesch\u00e4ft k\u00f6nnt mehr erreichen<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">als Kombinierung von ungleichen<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Gesch\u00e4ften, wo man kaum versteht,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">wie\u2019s eine oder and\u2019re geht.<\/p>\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\">\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Es gibt eine Reihe empirischer Untersuchungen von Psychologen dar\u00fcber, wie oft sich Menschen beim Gespr\u00e4ch ber\u00fchren. W\u00e4hrend sich da etwa die Mexikaner besonders (be-)r\u00fchrend um ihre Mitmenschen k\u00fcmmern, gibt es in London und New York nicht einen Touch. Das ist wahrscheinlich \u201epolitisch unkorrekt\u201c und schon so etwas wie ein sexueller \u00dcbergriff, jedenfalls der Versuch dazu.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> \u201eVerdaimlern\u201c ist das deutsche Synonym f\u00fcr \u201eDiwors(e)ification\u201c. Ich verdaimlere, du verdaimlerst, \u2026.<\/p>\n<p><a title=\"PDF-Datei\" href=\"http:\/\/www.neschle.de\/download-manager.php?id=74\">PDF-Datei<\/a><br \/>\nThis post was downloaded by  1303  people until now.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer versteht Harrys Marko-Witz? Es ist gewiss besser, eine Sache gar nicht studiert zu haben als oberfl\u00e4chlich. 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