{"id":208,"date":"2007-11-07T11:42:13","date_gmt":"2007-11-07T10:42:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-29-44-woche-2007\/"},"modified":"2020-06-21T11:12:22","modified_gmt":"2020-06-21T10:12:22","slug":"leon-neschle-29-44-woche-2007","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-29-44-woche-2007\/","title":{"rendered":"Leon Neschle 29 (44. Woche 2007)"},"content":{"rendered":"<header>\n<h2 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #4f81bd\">Stadtwettjammer II: Die Klage vor Gericht.<\/span><\/strong><\/h2>\n<\/header>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>Quot capita tot sensus. So viele K\u00c3\u00b6pfe, so viele Meinungen.&nbsp;<\/em>(Vulgus Latinus, der gemeine Lateiner mit den vielen Spr\u00c3\u00bcchen!)<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Da liest Neschle in seiner Fr\u00c3\u00bchst\u00c3\u00bcckszeitung \u00e2\u20ac\u017eRheinische Post\u00e2\u20ac\u0153 am Samstag, den 27. Oktober 2007, auf der Seite E3: \u00e2\u20ac\u017eNach Zinswetten droht die Klagewelle\u00e2\u20ac\u0153. Geklagt haben die Gemeinden schon vorher: \u00c3\u00bcber ihre hohen \u00e2\u20ac\u017eVerluste\u00e2\u20ac\u0153 und die \u00e2\u20ac\u017eb\u00c3\u00b6sen Banken\u00e2\u20ac\u0153, die ihnen durch \u00e2\u20ac\u017eFalschberatung\u00e2\u20ac\u0153 Zinsderivate der unterschiedlichsten Form \u00e2\u20ac\u017eaufgeschwatzt\u00e2\u20ac\u0153 haben. Bislang haben die Gemeinden einfach so geklagt. Laut!<!--more--> Jetzt gehen sie mit ihrer Klage vor Gericht (\u00e2\u20ac\u017eStadtwettjammer <u>II<\/u>\u00e2\u20ac\u0153). Nach Naumburg (erfolgreich!) und W\u00c3\u00bcrzburg nun Neuss. Also. Im Westen was Neuss! Andere d\u00c3\u00bcrften folgen, als Spitze des Eisbergs, bei dem es nicht gelang, einen Vergleich zwischen Bank und Stadt zu schlie\u00c3\u0178en, wie bei etwa 70 Prozent aller Streitf\u00c3\u00a4lle dieser Art. Neschle geben diese Klagen Gelegenheit, ein paar Dinge zu (er-) kl\u00c3\u00a4ren.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>A. Die d\u00c3\u00bcmmsten K\u00c3\u00a4lber suchen sich den Metzger selber!<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Ein Wirtschaftspr\u00c3\u00bcfer, der eine Unternehmung ber\u00c3\u00a4t, darf ebenso wenig wie die Gesellschaft, f\u00c3\u00bcr die er t\u00c3\u00a4tig ist, die Unternehmung zugleich pr\u00c3\u00bcfen. Interessenkollision! Wenn diese Kollision nicht schon da ist, droht sie zumindest. Das reicht f\u00c3\u00bcr die vorsorgliche organisatorische Regelung.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Von solchen Dingen scheint man in blau\u00c3\u00a4ugigen Stadtverwaltungen nie etwas geh\u00c3\u00b6rt zu haben. Denn die Stadt Neuss und andere St\u00c3\u00a4dte haben just mit <i>derselben<\/i> Bank, mit der sie einen Swap-Vertrag machten oder von der sie sich ihn vermitteln lie\u00c3\u0178en, zus\u00c3\u00a4tzlich einen Beratervertrag abgeschlossen. Dieser Vertrag wurde laut Pressemeldung im Falle von Neuss sogar mit einer erheblichen Summe <i>gesondert bezahlt<\/i>. Da kommt es Neschle gewaltig hoch und gleich auf doppelte Weise:<\/p>\n<ol style=\"text-align: left;\">\n<li>Soweit es sich um Produkt- und Verkaufsberatung handelt, wird Beratung durch das Gesch\u00c3\u00a4ft selbst bezahlt. Neschle plant z.B., sich einen neuen Rasenm\u00c3\u00a4her zu kaufen und er ist sich durchaus noch nicht sicher, f\u00c3\u00bcr welchen er sich entscheiden wird. Man stelle sich vor, er geht in den Baumarkt und vor Beginn des Verkaufsgespr\u00c3\u00a4chs schlie\u00c3\u0178t er einen Beratervertrag mit einem der dortigen Angestellten ab! Diesem muss er daf\u00c3\u00bcr ein deftiges Honorar zahlen und danach nat\u00c3\u00bcrlich noch den Kaufpreis f\u00c3\u00bcr den Rasenm\u00c3\u00a4her.<\/li>\n<li>Soweit es um kaufvorbereitende Beratung geht, <i>wei\u00c3\u0178 jeder Idiot, dass diese Beratung <u>nicht vom Verk\u00c3\u00a4ufer selbst<\/u> stammen sollte,<\/i> sondern von einer unabh\u00c3\u00a4ngigen Institution. Unsere Stadtverwaltungen (nicht nur die in Neuss!) aber offensichtlich nicht! Die Hausfrau liest bei gr\u00c3\u00b6\u00c3\u0178eren Anschaffungen etwa einen Test der \u00e2\u20ac\u017eStiftung Warentest\u00e2\u20ac\u0153 oder geht zur Verbraucherberatungsstelle. Diese Beratungsstelle sch\u00c3\u00b6pft ihre Existenzberechtigung gerade und nur aus ihrer \u00e2\u20ac\u017eUnabh\u00c3\u00a4ngigkeit\u00e2\u20ac\u0153 von den kontrahierenden Parteien, insbesondere vom Leistungsanbieter oder Leistungsvermittler.<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: left;\">Wie also kommt eine Stadt wie Neuss dazu, sich gegen die Zahlung eines erheblichen Entgelts <i>von derselben<\/i> Bank, vielleicht sogar <i>von denselben Leuten<\/i> beraten zu lassen, mit denen der Vertrag geschlossen werden soll? Dabei ist es v\u00c3\u00b6llig gleichg\u00c3\u00bcltig, ob die Bank selbst der \u00e2\u20ac\u017eWettpartner\u00e2\u20ac\u0153 ist oder ob sie nur einen solchen vermittelt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Schauen wir mal auf das Beraterhonorar, das auf jeden Fall verloren ist, selbst wenn bei den Zinsverlusten vor Gericht ein Ausgleich durchgesetzt werden kann. Es ist sogar dann verloren, wenn die Gemeinde mit dem Derivategesch\u00c3\u00a4ft erfolgreich gewesen w\u00c3\u00a4re. Neschle zitiert w\u00c3\u00b6rtlich aus der Rheinischen Post, weil er es gar nicht glauben kann:<\/p>\n<blockquote><p>\u00e2\u20ac\u017eDer Stadt Neuss drohen nun Verluste in H\u00c3\u00b6he von elf Millionen Euro, wie K\u00c3\u00a4mmerer Frank Gensler berichtet. Dabei habe die Stadt extra einen Beratervertrag mit der \u00e2\u20ac\u00a6 Bank abgeschlossen, um die Risiken eines solchen Swap-Gesch\u00c3\u00a4fts zu minimieren. 240.000 Euro seien f\u00c3\u00bcr diese Leistung geflossen.\u00e2\u20ac\u0153<\/p><\/blockquote>\n<p style=\"text-align: left;\">Mein lieber Herr Gensler, liebe Steuerzahler:<\/p>\n<ol style=\"text-align: left;\">\n<li>Wer ein risikobehaftetes Gesch\u00c3\u00a4ft abschlie\u00c3\u0178en und gleichzeitig Risiken minimieren will, der muss mit dem Klammerbeutel gepudert sein. Das geht nicht, schon wegen der Logik, besser: wegen der hier fehlenden. Neschle hat schon berichtet (<a href=\"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/neschle-depeschle-9\/\">Depeschle 9<\/a>), dass bei CMS Spread Ladder Swap, aber auch bei anderen Konstruktionen exotischer Zinsderivate im Zusammenhang mit der Gemeindefinanzierung (beliebt sind auch solche, die am Dreimonats-Euribor festmachen!), <i>die Gemeinde der Bank das Zinsrisiko abnimmt<\/i>. <i><u>Wollte die Gemeinde ihr Zinsrisiko minimieren, m\u00c3\u00bcsste es genau umgekehrt sein! <\/u><\/i><\/li>\n<li>240.000 Euro, ich wiederhole 240.000 Euro, ich wiederhole nochmals 240.000 Euro f\u00c3\u00bcr eine solche Beratung von einer \u00e2\u20ac\u017einteressierten Partei\u00e2\u20ac\u0153? Da w\u00c3\u00bcrde nicht nur der Bund der Steuerzahler fordern, dass derjenige, der solche Vertr\u00c3\u00a4ge schlie\u00c3\u0178t, aus dem Dienst entfernt wird. Unterschl\u00c3\u00a4gt einer 100 Euro, fliegt er raus. F\u00c3\u00bcr die (grob) fahrl\u00c3\u00a4ssige Verschwendung von 240.000 Euro?<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: left;\">Neschle ist umso mehr entsetzt, als sich solche Gemeinden schon 3.000 Euro f\u00c3\u00bcr einen zweist\u00c3\u00bcndigen Vortrag eines Professors \u00c3\u00bcber die Risiken von Derivaten bei Gemeindekrediten zieren, der daf\u00c3\u00bcr gut eine Woche lang recherchiert, um alle g\u00c3\u00a4ngigen Erscheinungsformen abzudecken und die Sache transparent zu machen. Aber 240.000 Euro f\u00c3\u00bcr Bankangestellte, die vor kurzem noch \u00e2\u20ac\u017eKlippsch\u00c3\u00bcler\u00e2\u20ac\u0153 dieses Professors waren? Mit Tagess\u00c3\u00a4tzen, die ein Mehrfaches \u00c3\u00bcber dem des Professors liegen. Kein Problem! Die haben durch Besch\u00c3\u00a4ftigung bei der Bank enorm dazugelernt. Vor allem, wenn sie von der Bank kommen, die den Vertrag abschlie\u00c3\u0178t. Dann kennen sie ja alle Tricks und Risiken und \u00e2\u20ac\u201c sie verraten sie nat\u00c3\u00bcrlich auch. Ja sischer datt!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">F\u00c3\u00bcr 240.000 Euro lie\u00c3\u0178en sich ein Professor und drei Assistenten faktisch ein ganzes Jahr besch\u00c3\u00a4ftigen! Ein ganzes Jahr Beratung \u00c3\u00bcber Derivate? Da w\u00c3\u00a4re jeder in der Stadtverwaltung, nicht nur der K\u00c3\u00a4mmerer und seine Leute, bei Derivaten fit wie ein Turnschuh, ja fit wie ein Dattelaffe. Solche Entscheidungen, wie sie in vielen St\u00c3\u00a4dten gefallen sind, w\u00c3\u00a4ren dann undenkbar. Vor allem w\u00c3\u00bcsste man ganz platt, dass man ein Risiko nicht senken kann, indem man es erh\u00c3\u00b6ht. Und dass man am Kapitalmarkt nicht zugleich Zinsen sparen und das Risiko senken kann. Da ist der Kapitalmarkt echt \u00e2\u20ac\u017eunsozial\u00e2\u20ac\u0153! \u00e2\u20ac\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Am Tag vor der Zeitungsmeldung fiel Neschle auch das Angebot eines Seminarveranstalters in die H\u00c3\u00a4nde. 1.780 Euro f\u00c3\u00bcr ein knapp zweit\u00c3\u00a4giges Seminar \u00c3\u00bcber Derivate. Zw\u00c3\u00b6lf Stunden reine Information! An der Uni gibt es mit Vorlesung und \u00c3\u0153bungen die dreifache Dosis zu denselben Themen in nur einer Vorlesung eines Semesters. Und da reden wir \u00c3\u00bcber Studiengeb\u00c3\u00bchren!?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Und f\u00c3\u00bcr 240.000 Euro Beratungshonorar h\u00c3\u00a4tte es mehr als die 130-fache Dosis dieses Seminars geben m\u00c3\u00bcssen. Mein lieber Scholli! Das ist \u00e2\u20ac\u2122ne Menge Holz! F\u00c3\u00bcr 240.000 Euro bildet Neschles Alter Ego im Crash Kurs von einem halben Jahr mindestens sechs Leute zu perfekten Derivatekennern aus und sich selbst gleich mit, denn man lernt auf diesem Gebiet nie aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">In Neuss scheint man dieses Motto dagegen anders zu verstehen: \u00e2\u20ac\u017eMan lernt nie. \u00e2\u20ac\u201c Aus!\u00e2\u20ac\u0153 Denn w\u00c3\u00bcrde man solche Vertr\u00c3\u00a4ge geschlossen haben, wenn man nach der 240.000 Euro teuren Beratung wirklich schlauer gewesen w\u00c3\u00a4re. Wer in Neuss versteht wohl heute etwas davon? Da w\u00c3\u00bcrde Neschle gern mal den Test machen, was diese Studiengeb\u00c3\u00bchr von 240.000 Euro so an Know-how \u00c3\u00bcber Derivate gebracht hat. Daf\u00c3\u00bcr h\u00c3\u00a4tte der K\u00c3\u00a4mmerer jedenfalls mehrere Jahre Studium der Derivate in Harvard subventionieren k\u00c3\u00b6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Der einzige Vorbehalt den Neschle gegen\u00c3\u00bcber seiner eigenen Argumentation hat: Die Zeitungsmeldung k\u00c3\u00b6nnte falsch sein. Redaktionen kommen bei solchen Themen schnell ins Schleudern. Neschles Alter Ego hat vor einiger Zeit auf Fragen derselben Redaktion geantwortet: \u00e2\u20ac\u017eIn Deutschland beherrschen allenfalls in Dutzend <i><u>K\u00c3\u00a4mmerer<\/u><\/i> das Thema \u00e2\u20ac\u0161Derivate\u00e2\u20ac\u2122\u00e2\u20ac\u0153. Auf der Titelseite der Zeitung wurden daraus h\u00c3\u00b6chstens ein Dutzend <i><u>Banker<\/u><\/i>. Einige Tage sp\u00c3\u00a4ter sprach er dar\u00c3\u00bcber am Rande einer Tagung mit einem Banker. Der sagte, das habe ihn gar nicht gest\u00c3\u00b6rt, weil es stimme. Ich solle mal auf dieser Tagung, wo fast 200 Banker versammelt sind, fragen, wer etwas von diesem Thema verstehe. Da werde man fast keinen finden. So wurde diese falsche Zeitungsmeldung pl\u00c3\u00b6tzlich wieder richtig. So wie wahrscheinlich die \u00c3\u00bcber 240.000 Euro (!!!) reines Beratungshonorar an eine Bank, die daneben ein eigenes und intensives Abschlussinteresse hatte. Rechnet man diesen Betrag in einen Zinsaufschlag um, nimmt er alleine schon der angeblichen \u00e2\u20ac\u017eSparaktion\u00e2\u20ac\u0153 viel von ihrem Reiz.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>B. \u00e2\u20ac\u017eFalsche\u00e2\u20ac\u0153 Fehler und \u00e2\u20ac\u017erichtige\u00e2\u20ac\u0153 Fehler.<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Jetzt, wo sich viele Gemeinden durch Zinsderivate hohe Verluste eingefangen haben, meckert die Presse und die Welt. Fr\u00c3\u00bcher als den Gemeinden durch Nichtstun riesige Betr\u00c3\u00a4ge durch die Lappen oder Latten gingen, hat sich niemand beschwert. Die Gewinne haben damals z.B. die Hypothekenbanken gemacht, die den Gemeinden f\u00c3\u00bcr zehn Jahre Geld liehen, das sie deutlich kurzfristiger refinanziert hatten. An dem positiven Spread bei langfristig normaler Zinsstruktur (Zinsen f\u00c3\u00bcr langfristige Gelder h\u00c3\u00b6her als f\u00c3\u00bcr kurzfristige) hat sich manche Bank eine goldene Nase verdient.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Dabei h\u00c3\u00a4tten das die Gemeinden selbst machen k\u00c3\u00b6nnen. Statt einen zehnj\u00c3\u00a4hrigen Kreditbedarf fristenkongruent auch zehnj\u00c3\u00a4hrig zu finanzieren, h\u00c3\u00a4tten sie es mit f\u00c3\u00bcnf zweij\u00c3\u00a4hrigen Krediten in Folge tun k\u00c3\u00b6nnen. (Jeder H\u00c3\u00a4uslebauer entscheidet das, wenn er die f\u00c3\u00bcnfj\u00c3\u00a4hrige der zehnj\u00c3\u00a4hrigen Hypothek vorzieht!) Das freilich mit dem zus\u00c3\u00a4tzlichen Risiko einer \u00c3\u201enderung des Zinsniveaus, die allerdings auch die Chance auf einen niedrigeren Zinssatz bietet und im Zweijahresturnus mehr Flexibilit\u00c3\u00a4t zur Vertrags\u00c3\u00a4nderung. <i>Die Nichtnutzung dieser Chancen hat damals niemand den Gemeinden angekreidet. Das war eben ein \u00e2\u20ac\u017erichtiger\u00e2\u20ac\u0153 Fehler der Kategorie: \u00e2\u20ac\u017eWer nichts macht, der kann auch nichts verkehrt machen\u00e2\u20ac\u0153.<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Doch ist das auch so in einer Welt, die sich stetig ver\u00c3\u00a4ndert? Wir leben schon l\u00c3\u00a4ngst T\u00c3\u00bcr an T\u00c3\u00bcr mit Alice, mit Alice und ihrem Wunderland. Es ist Realit\u00c3\u00a4t geworden, was es fr\u00c3\u00bcher nur in diesem M\u00c3\u00a4rchenland zu geben schien: \u00e2\u20ac\u017eNow, here, it takes all the running you can do, to keep in the same place. If you want to get somewhere else, you must run at least twice as fast as that!\u00e2\u20ac\u009d (Aus \u00e2\u20ac\u0153Alice in Wonderland\u00e2\u20ac\u009d)<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Als Gemeinden wie Haltern am See aus der Nutzung von Derivaten durchaus Vorteile hatten, gab es kaum mahnende Stimmen, die auf das Risiko solcher Derivate hinwiesen. Als Neschles Alter Ego vor Jahren vom WDR dazu interviewt wurde und auf die Gefahr dieser Instrumente in der Hand unkundiger K\u00c3\u00a4mmerer hinwies, war er ein einsamer Rufer in der W\u00c3\u00bcste und ein w\u00c3\u00bcster Rufer in der Einsamkeit. Denn zu diesem Zeitpunkt frohlockten die meisten Gemeinden noch wegen der bis dahin nie gekannten Windfall-Profits. Die K\u00c3\u00a4mmerer br\u00c3\u00bcsteten sich und erz\u00c3\u00a4hlten es herum in Gemeindekreisen. Wer als K\u00c3\u00a4mmerer etwas auf sich halte, schien in Derivaten machen zu m\u00c3\u00bcssen, legte etwa der K\u00c3\u00a4mmerer von Salzgitter seinen Kollegen nahe.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Lange war es still, bis aus der Gefahr Realit\u00c3\u00a4t wurde und sich die S\u00c3\u00bcddeutsche Zeitung und die Sendung Monitor an das damalige Interview von Neschle Alter Ego erinnerten. Jetzt hatten viele Gemeinden Wettspiele auf die Zinsstruktur veranstaltet und vielfach gegen kl\u00c3\u00bcgere oder gl\u00c3\u00bccklichere Marktpartner verloren. Jetzt, wo sie gehandelt und verloren hatten, wurde es von der Presse als \u00e2\u20ac\u017efalscher\u00e2\u20ac\u0153 Fehler gesehen. Denn aus der Sicht vieler Gemeindeutscher gilt: \u00e2\u20ac\u017eNur wer etwas macht, kann auch etwas verkehrt machen! Wer nichts tut, nicht!\u00e2\u20ac\u0153 Deshalb wird im Zweifel immer wenig getan in Germanien.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Nun gibt es zwischen beiden F\u00c3\u00a4llen tats\u00c3\u00a4chlich einen Unterschied. Durch Nichtstun sind den Gemeinden fr\u00c3\u00bcher riesige Betr\u00c3\u00a4ge entgangen, durch falsches Handeln sind ihnen Verluste entstanden. Das ist in der Tat nicht dasselbe, selbst wenn es um denselben Betrag geht. Einmal wurde die gesamte Summe sofort gezahlt und niemand hat gemerkt, dass man mit ein wenig mehr Risiko h\u00c3\u00a4tte sparen k\u00c3\u00b6nnen. Das andere Mal musste man bei Eintritt des Risikos nachzahlen. Netto k\u00c3\u00b6nnte das zwar dasselbe sein. Doch jeder wei\u00c3\u0178 von seiner Steuererkl\u00c3\u00a4rung, dass man lieber am Anfang mehr zahlt als am Ende nachzahlen zu m\u00c3\u00bcssen. Im letzten Fall muss was falsch gelaufen sein, sagt das psychologische Strickmuster des Gemeindeutschen, auch wenn die stille Buchhalterseele denselben Betrag aufsummiert.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>C. Der coole Trend: Bank it yourself!<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Unternehmungen wie Siemens werden schon seit l\u00c3\u00a4ngerem als \u00e2\u20ac\u017eBank mit angeschlossenem Elektrobetrieb\u00e2\u20ac\u0153 bezeichnet. Die Finanzabteilung der Unternehmungen ist l\u00c3\u00a4ngst aus der Rolle des \u00e2\u20ac\u017eTreasurers\u00e2\u20ac\u0153 heraus, der nur den Unternehmensschatz verwaltete und die Aktivit\u00c3\u00a4t an den Finanzm\u00c3\u00a4rkten seiner Bank \u00c3\u00bcberlie\u00c3\u0178. Das fing latent bereits mit der Ausgabe von Aktien und Anleihen an, wo die Bank nicht mehr \u00e2\u20ac\u017eKreditinstitut\u00e2\u20ac\u0153 war, sondern Vermittler (\u00e2\u20ac\u017eMakler\u00e2\u20ac\u0153) von verbrieften Zahlungsversprechen der Unternehmung selbst: Wertpapieren <i>der Unternehmung<\/i>.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Heute ist der Finanzmarktauftritt der Unternehmungen viel direkter. Einige haben dazu sogar aus fr\u00c3\u00bcheren Finanzabteilungen eigene Banken ausgegliedert. Dies entspricht dem allgemeinen Trend aus internen Unterst\u00c3\u00bctzungseinheiten selbst\u00c3\u00a4ndige, am Markt auftretende Institutionen zu machen. So werden aus den Aktivit\u00c3\u00a4ten der nun selbst\u00c3\u00a4ndigen Einheiten \u00e2\u20ac\u017ePrim\u00c3\u00a4re Prozesse\u00e2\u20ac\u0153 im Sinne von Porter, die ihre Leistungsma\u00c3\u0178st\u00c3\u00a4be (\u00e2\u20ac\u017eBenchmarks\u00e2\u20ac\u0153) vom Markt ableiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Mit Verz\u00c3\u00b6gerung setzt sich dieser Trend nun im \u00c3\u2013ffentlichen Bereich bei den Gebietsk\u00c3\u00b6rperschaften durch. Der Bund und die L\u00c3\u00a4nder sind hier l\u00c3\u00a4ngst aktiv und Neschle verwettet seinen Kopf gegen \u00e2\u20ac\u2122ne Erdnuss, dass es auch dort j\u00c3\u00bcngst zu Spekulationsverlusten bei Derivaten kam. Die Dummen aber sind derzeit allein die Gemeinden, bei denen das <i>bekannt<\/i> wurde. Aber die Dunkelziffer ist ja auch bekannt, sagt jedenfalls der Kabarettist Rolf Miller.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">In Zukunft wird es mehr \u00c3\u00b6ffentliche Institutionen geben, die vor diese Probleme gestellt werden. Auch die in mehr finanzielle Selbst\u00c3\u00a4ndigkeit entlassenen Universit\u00c3\u00a4ten. Werden die es besser machen? Sollte man solche Aktivit\u00c3\u00a4ten nicht schon wegen der Marktmacht gegen\u00c3\u00bcber den Banken nicht lieber b\u00c3\u00bcndeln, statt die staatliche Position \u00c3\u00bcber die Vereinzelung des finanziellen Handelns zu schw\u00c3\u00a4chen. Neschle f\u00c3\u00bcrchtet, dass schon auf diese Weise viel Geld des Steuerzahlers ohne Not privatisiert wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p style=\"text-align: center;\">In der Gemeinde sitzen Denker<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">und neuerdings auch Hobby-Banker,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">die spielen \u00e2\u20ac\u2122rum mit Derivaten,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">zahlen daf\u00c3\u00bcr hohe Raten.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Und haben sie genug verspielt,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">dann klagen sie nun ganz gezielt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p style=\"text-align: center;\">Hat fr\u00c3\u00bcher jemand wild gezockt<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">und dabei \u00e2\u20ac\u2122nen Verlust verbockt,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">dann zahlte er in Cent und Gulden,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">denn es waren Ehrenschulden.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Und klagte er dar\u00c3\u00bcber blo\u00c3\u0178,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">dann war er seine Ehre los.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Und sagt\u00e2\u20ac\u2122 er, er h\u00c3\u00a4tt\u00e2\u20ac\u2122 nichts gewusst,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">erkl\u00c3\u00a4rte man ihn f\u00c3\u00bcr bestusst.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p style=\"text-align: center;\">Wenn ich was kaufe auf der Welt,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">dann zahle ich normal kein Geld<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">f\u00c3\u00bcr des Verk\u00c3\u00a4ufers Werbespruch,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">der Kaufpreis ist dann schon genuch (Na ja!).<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Will ich mehr Sicherheit beim Deal,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">hilft nur der Rat <i><u>von anderen<\/u><\/i> viel.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Zahl\u00e2\u20ac\u2122 ich daf\u00c3\u00bcr noch ein paar Schleifen,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">mein Gott, dann k\u00c3\u00b6nnt\u00e2\u20ac\u2122 man\u00e2\u20ac\u2122s noch begreifen!<\/p>\n<p><a title=\"PDF-Datei\" href=\"http:\/\/www.neschle.de\/download-manager.php?id=71\">PDF-Datei<\/a><br \/>\nThis post was downloaded by <!--downloads(71)--> people until now.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stadtwettjammer II: Die Klage vor Gericht. Quot capita tot sensus. So viele K\u00c3\u00b6pfe, so viele Meinungen.&nbsp;(Vulgus Latinus, der gemeine Lateiner mit den vielen Spr\u00c3\u00bcchen!) Da liest Neschle in seiner Fr\u00c3\u00bchst\u00c3\u00bcckszeitung \u00e2\u20ac\u017eRheinische Post\u00e2\u20ac\u0153 am Samstag, den 27. Oktober 2007, auf der Seite E3: \u00e2\u20ac\u017eNach Zinswetten droht die Klagewelle\u00e2\u20ac\u0153. Geklagt haben die Gemeinden schon vorher: \u00c3\u00bcber ihre &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-29-44-woche-2007\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eLeon Neschle 29 (44. 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