{"id":208,"date":"2007-11-07T11:42:13","date_gmt":"2007-11-07T10:42:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-29-44-woche-2007\/"},"modified":"2020-06-21T11:12:22","modified_gmt":"2020-06-21T10:12:22","slug":"leon-neschle-29-44-woche-2007","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-29-44-woche-2007\/","title":{"rendered":"Leon Neschle 29 (44. Woche 2007)"},"content":{"rendered":"<header>\n<h2 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #4f81bd\">Stadtwettjammer II: Die Klage vor Gericht.<\/span><\/strong><\/h2>\n<\/header>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>Quot capita tot sensus. So viele K\u00f6pfe, so viele Meinungen.&nbsp;<\/em>(Vulgus Latinus, der gemeine Lateiner mit den vielen Spr\u00fcchen!)<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Da liest Neschle in seiner Fr\u00fchst\u00fcckszeitung \u201eRheinische Post\u201c am Samstag, den 27. Oktober 2007, auf der Seite E3: \u201eNach Zinswetten droht die Klagewelle\u201c. Geklagt haben die Gemeinden schon vorher: \u00fcber ihre hohen \u201eVerluste\u201c und die \u201eb\u00f6sen Banken\u201c, die ihnen durch \u201eFalschberatung\u201c Zinsderivate der unterschiedlichsten Form \u201eaufgeschwatzt\u201c haben. Bislang haben die Gemeinden einfach so geklagt. Laut!<!--more--> Jetzt gehen sie mit ihrer Klage vor Gericht (\u201eStadtwettjammer <u>II<\/u>\u201c). Nach Naumburg (erfolgreich!) und W\u00fcrzburg nun Neuss. Also. Im Westen was Neuss! Andere d\u00fcrften folgen, als Spitze des Eisbergs, bei dem es nicht gelang, einen Vergleich zwischen Bank und Stadt zu schlie\u00dfen, wie bei etwa 70 Prozent aller Streitf\u00e4lle dieser Art. Neschle geben diese Klagen Gelegenheit, ein paar Dinge zu (er-) kl\u00e4ren.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>A. Die d\u00fcmmsten K\u00e4lber suchen sich den Metzger selber!<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Ein Wirtschaftspr\u00fcfer, der eine Unternehmung ber\u00e4t, darf ebenso wenig wie die Gesellschaft, f\u00fcr die er t\u00e4tig ist, die Unternehmung zugleich pr\u00fcfen. Interessenkollision! Wenn diese Kollision nicht schon da ist, droht sie zumindest. Das reicht f\u00fcr die vorsorgliche organisatorische Regelung.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Von solchen Dingen scheint man in blau\u00e4ugigen Stadtverwaltungen nie etwas geh\u00f6rt zu haben. Denn die Stadt Neuss und andere St\u00e4dte haben just mit <i>derselben<\/i> Bank, mit der sie einen Swap-Vertrag machten oder von der sie sich ihn vermitteln lie\u00dfen, zus\u00e4tzlich einen Beratervertrag abgeschlossen. Dieser Vertrag wurde laut Pressemeldung im Falle von Neuss sogar mit einer erheblichen Summe <i>gesondert bezahlt<\/i>. Da kommt es Neschle gewaltig hoch und gleich auf doppelte Weise:<\/p>\n<ol style=\"text-align: left;\">\n<li>Soweit es sich um Produkt- und Verkaufsberatung handelt, wird Beratung durch das Gesch\u00e4ft selbst bezahlt. Neschle plant z.B., sich einen neuen Rasenm\u00e4her zu kaufen und er ist sich durchaus noch nicht sicher, f\u00fcr welchen er sich entscheiden wird. Man stelle sich vor, er geht in den Baumarkt und vor Beginn des Verkaufsgespr\u00e4chs schlie\u00dft er einen Beratervertrag mit einem der dortigen Angestellten ab! Diesem muss er daf\u00fcr ein deftiges Honorar zahlen und danach nat\u00fcrlich noch den Kaufpreis f\u00fcr den Rasenm\u00e4her.<\/li>\n<li>Soweit es um kaufvorbereitende Beratung geht, <i>wei\u00df jeder Idiot, dass diese Beratung <u>nicht vom Verk\u00e4ufer selbst<\/u> stammen sollte,<\/i> sondern von einer unabh\u00e4ngigen Institution. Unsere Stadtverwaltungen (nicht nur die in Neuss!) aber offensichtlich nicht! Die Hausfrau liest bei gr\u00f6\u00dferen Anschaffungen etwa einen Test der \u201eStiftung Warentest\u201c oder geht zur Verbraucherberatungsstelle. Diese Beratungsstelle sch\u00f6pft ihre Existenzberechtigung gerade und nur aus ihrer \u201eUnabh\u00e4ngigkeit\u201c von den kontrahierenden Parteien, insbesondere vom Leistungsanbieter oder Leistungsvermittler.<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: left;\">Wie also kommt eine Stadt wie Neuss dazu, sich gegen die Zahlung eines erheblichen Entgelts <i>von derselben<\/i> Bank, vielleicht sogar <i>von denselben Leuten<\/i> beraten zu lassen, mit denen der Vertrag geschlossen werden soll? Dabei ist es v\u00f6llig gleichg\u00fcltig, ob die Bank selbst der \u201eWettpartner\u201c ist oder ob sie nur einen solchen vermittelt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Schauen wir mal auf das Beraterhonorar, das auf jeden Fall verloren ist, selbst wenn bei den Zinsverlusten vor Gericht ein Ausgleich durchgesetzt werden kann. Es ist sogar dann verloren, wenn die Gemeinde mit dem Derivategesch\u00e4ft erfolgreich gewesen w\u00e4re. Neschle zitiert w\u00f6rtlich aus der Rheinischen Post, weil er es gar nicht glauben kann:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eDer Stadt Neuss drohen nun Verluste in H\u00f6he von elf Millionen Euro, wie K\u00e4mmerer Frank Gensler berichtet. Dabei habe die Stadt extra einen Beratervertrag mit der \u2026 Bank abgeschlossen, um die Risiken eines solchen Swap-Gesch\u00e4fts zu minimieren. 240.000 Euro seien f\u00fcr diese Leistung geflossen.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p style=\"text-align: left;\">Mein lieber Herr Gensler, liebe Steuerzahler:<\/p>\n<ol style=\"text-align: left;\">\n<li>Wer ein risikobehaftetes Gesch\u00e4ft abschlie\u00dfen und gleichzeitig Risiken minimieren will, der muss mit dem Klammerbeutel gepudert sein. Das geht nicht, schon wegen der Logik, besser: wegen der hier fehlenden. Neschle hat schon berichtet (<a href=\"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/neschle-depeschle-9\/\">Depeschle 9<\/a>), dass bei CMS Spread Ladder Swap, aber auch bei anderen Konstruktionen exotischer Zinsderivate im Zusammenhang mit der Gemeindefinanzierung (beliebt sind auch solche, die am Dreimonats-Euribor festmachen!), <i>die Gemeinde der Bank das Zinsrisiko abnimmt<\/i>. <i><u>Wollte die Gemeinde ihr Zinsrisiko minimieren, m\u00fcsste es genau umgekehrt sein! <\/u><\/i><\/li>\n<li>240.000 Euro, ich wiederhole 240.000 Euro, ich wiederhole nochmals 240.000 Euro f\u00fcr eine solche Beratung von einer \u201einteressierten Partei\u201c? Da w\u00fcrde nicht nur der Bund der Steuerzahler fordern, dass derjenige, der solche Vertr\u00e4ge schlie\u00dft, aus dem Dienst entfernt wird. Unterschl\u00e4gt einer 100 Euro, fliegt er raus. F\u00fcr die (grob) fahrl\u00e4ssige Verschwendung von 240.000 Euro?<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: left;\">Neschle ist umso mehr entsetzt, als sich solche Gemeinden schon 3.000 Euro f\u00fcr einen zweist\u00fcndigen Vortrag eines Professors \u00fcber die Risiken von Derivaten bei Gemeindekrediten zieren, der daf\u00fcr gut eine Woche lang recherchiert, um alle g\u00e4ngigen Erscheinungsformen abzudecken und die Sache transparent zu machen. Aber 240.000 Euro f\u00fcr Bankangestellte, die vor kurzem noch \u201eKlippsch\u00fcler\u201c dieses Professors waren? Mit Tagess\u00e4tzen, die ein Mehrfaches \u00fcber dem des Professors liegen. Kein Problem! Die haben durch Besch\u00e4ftigung bei der Bank enorm dazugelernt. Vor allem, wenn sie von der Bank kommen, die den Vertrag abschlie\u00dft. Dann kennen sie ja alle Tricks und Risiken und \u2013 sie verraten sie nat\u00fcrlich auch. Ja sischer datt!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">F\u00fcr 240.000 Euro lie\u00dfen sich ein Professor und drei Assistenten faktisch ein ganzes Jahr besch\u00e4ftigen! Ein ganzes Jahr Beratung \u00fcber Derivate? Da w\u00e4re jeder in der Stadtverwaltung, nicht nur der K\u00e4mmerer und seine Leute, bei Derivaten fit wie ein Turnschuh, ja fit wie ein Dattelaffe. Solche Entscheidungen, wie sie in vielen St\u00e4dten gefallen sind, w\u00e4ren dann undenkbar. Vor allem w\u00fcsste man ganz platt, dass man ein Risiko nicht senken kann, indem man es erh\u00f6ht. Und dass man am Kapitalmarkt nicht zugleich Zinsen sparen und das Risiko senken kann. Da ist der Kapitalmarkt echt \u201eunsozial\u201c! \u2013<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Am Tag vor der Zeitungsmeldung fiel Neschle auch das Angebot eines Seminarveranstalters in die H\u00e4nde. 1.780 Euro f\u00fcr ein knapp zweit\u00e4giges Seminar \u00fcber Derivate. Zw\u00f6lf Stunden reine Information! An der Uni gibt es mit Vorlesung und \u00dcbungen die dreifache Dosis zu denselben Themen in nur einer Vorlesung eines Semesters. Und da reden wir \u00fcber Studiengeb\u00fchren!?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Und f\u00fcr 240.000 Euro Beratungshonorar h\u00e4tte es mehr als die 130-fache Dosis dieses Seminars geben m\u00fcssen. Mein lieber Scholli! Das ist \u2019ne Menge Holz! F\u00fcr 240.000 Euro bildet Neschles Alter Ego im Crash Kurs von einem halben Jahr mindestens sechs Leute zu perfekten Derivatekennern aus und sich selbst gleich mit, denn man lernt auf diesem Gebiet nie aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">In Neuss scheint man dieses Motto dagegen anders zu verstehen: \u201eMan lernt nie. \u2013 Aus!\u201c Denn w\u00fcrde man solche Vertr\u00e4ge geschlossen haben, wenn man nach der 240.000 Euro teuren Beratung wirklich schlauer gewesen w\u00e4re. Wer in Neuss versteht wohl heute etwas davon? Da w\u00fcrde Neschle gern mal den Test machen, was diese Studiengeb\u00fchr von 240.000 Euro so an Know-how \u00fcber Derivate gebracht hat. Daf\u00fcr h\u00e4tte der K\u00e4mmerer jedenfalls mehrere Jahre Studium der Derivate in Harvard subventionieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Der einzige Vorbehalt den Neschle gegen\u00fcber seiner eigenen Argumentation hat: Die Zeitungsmeldung k\u00f6nnte falsch sein. Redaktionen kommen bei solchen Themen schnell ins Schleudern. Neschles Alter Ego hat vor einiger Zeit auf Fragen derselben Redaktion geantwortet: \u201eIn Deutschland beherrschen allenfalls in Dutzend <i><u>K\u00e4mmerer<\/u><\/i> das Thema \u201aDerivate\u2019\u201c. Auf der Titelseite der Zeitung wurden daraus h\u00f6chstens ein Dutzend <i><u>Banker<\/u><\/i>. Einige Tage sp\u00e4ter sprach er dar\u00fcber am Rande einer Tagung mit einem Banker. Der sagte, das habe ihn gar nicht gest\u00f6rt, weil es stimme. Ich solle mal auf dieser Tagung, wo fast 200 Banker versammelt sind, fragen, wer etwas von diesem Thema verstehe. Da werde man fast keinen finden. So wurde diese falsche Zeitungsmeldung pl\u00f6tzlich wieder richtig. So wie wahrscheinlich die \u00fcber 240.000 Euro (!!!) reines Beratungshonorar an eine Bank, die daneben ein eigenes und intensives Abschlussinteresse hatte. Rechnet man diesen Betrag in einen Zinsaufschlag um, nimmt er alleine schon der angeblichen \u201eSparaktion\u201c viel von ihrem Reiz.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>B. \u201eFalsche\u201c Fehler und \u201erichtige\u201c Fehler.<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Jetzt, wo sich viele Gemeinden durch Zinsderivate hohe Verluste eingefangen haben, meckert die Presse und die Welt. Fr\u00fcher als den Gemeinden durch Nichtstun riesige Betr\u00e4ge durch die Lappen oder Latten gingen, hat sich niemand beschwert. Die Gewinne haben damals z.B. die Hypothekenbanken gemacht, die den Gemeinden f\u00fcr zehn Jahre Geld liehen, das sie deutlich kurzfristiger refinanziert hatten. An dem positiven Spread bei langfristig normaler Zinsstruktur (Zinsen f\u00fcr langfristige Gelder h\u00f6her als f\u00fcr kurzfristige) hat sich manche Bank eine goldene Nase verdient.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Dabei h\u00e4tten das die Gemeinden selbst machen k\u00f6nnen. Statt einen zehnj\u00e4hrigen Kreditbedarf fristenkongruent auch zehnj\u00e4hrig zu finanzieren, h\u00e4tten sie es mit f\u00fcnf zweij\u00e4hrigen Krediten in Folge tun k\u00f6nnen. (Jeder H\u00e4uslebauer entscheidet das, wenn er die f\u00fcnfj\u00e4hrige der zehnj\u00e4hrigen Hypothek vorzieht!) Das freilich mit dem zus\u00e4tzlichen Risiko einer \u00c4nderung des Zinsniveaus, die allerdings auch die Chance auf einen niedrigeren Zinssatz bietet und im Zweijahresturnus mehr Flexibilit\u00e4t zur Vertrags\u00e4nderung. <i>Die Nichtnutzung dieser Chancen hat damals niemand den Gemeinden angekreidet. Das war eben ein \u201erichtiger\u201c Fehler der Kategorie: \u201eWer nichts macht, der kann auch nichts verkehrt machen\u201c.<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Doch ist das auch so in einer Welt, die sich stetig ver\u00e4ndert? Wir leben schon l\u00e4ngst T\u00fcr an T\u00fcr mit Alice, mit Alice und ihrem Wunderland. Es ist Realit\u00e4t geworden, was es fr\u00fcher nur in diesem M\u00e4rchenland zu geben schien: \u201eNow, here, it takes all the running you can do, to keep in the same place. If you want to get somewhere else, you must run at least twice as fast as that!\u201d (Aus \u201cAlice in Wonderland\u201d)<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Als Gemeinden wie Haltern am See aus der Nutzung von Derivaten durchaus Vorteile hatten, gab es kaum mahnende Stimmen, die auf das Risiko solcher Derivate hinwiesen. Als Neschles Alter Ego vor Jahren vom WDR dazu interviewt wurde und auf die Gefahr dieser Instrumente in der Hand unkundiger K\u00e4mmerer hinwies, war er ein einsamer Rufer in der W\u00fcste und ein w\u00fcster Rufer in der Einsamkeit. Denn zu diesem Zeitpunkt frohlockten die meisten Gemeinden noch wegen der bis dahin nie gekannten Windfall-Profits. Die K\u00e4mmerer br\u00fcsteten sich und erz\u00e4hlten es herum in Gemeindekreisen. Wer als K\u00e4mmerer etwas auf sich halte, schien in Derivaten machen zu m\u00fcssen, legte etwa der K\u00e4mmerer von Salzgitter seinen Kollegen nahe.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Lange war es still, bis aus der Gefahr Realit\u00e4t wurde und sich die S\u00fcddeutsche Zeitung und die Sendung Monitor an das damalige Interview von Neschle Alter Ego erinnerten. Jetzt hatten viele Gemeinden Wettspiele auf die Zinsstruktur veranstaltet und vielfach gegen kl\u00fcgere oder gl\u00fccklichere Marktpartner verloren. Jetzt, wo sie gehandelt und verloren hatten, wurde es von der Presse als \u201efalscher\u201c Fehler gesehen. Denn aus der Sicht vieler Gemeindeutscher gilt: \u201eNur wer etwas macht, kann auch etwas verkehrt machen! Wer nichts tut, nicht!\u201c Deshalb wird im Zweifel immer wenig getan in Germanien.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Nun gibt es zwischen beiden F\u00e4llen tats\u00e4chlich einen Unterschied. Durch Nichtstun sind den Gemeinden fr\u00fcher riesige Betr\u00e4ge entgangen, durch falsches Handeln sind ihnen Verluste entstanden. Das ist in der Tat nicht dasselbe, selbst wenn es um denselben Betrag geht. Einmal wurde die gesamte Summe sofort gezahlt und niemand hat gemerkt, dass man mit ein wenig mehr Risiko h\u00e4tte sparen k\u00f6nnen. Das andere Mal musste man bei Eintritt des Risikos nachzahlen. Netto k\u00f6nnte das zwar dasselbe sein. Doch jeder wei\u00df von seiner Steuererkl\u00e4rung, dass man lieber am Anfang mehr zahlt als am Ende nachzahlen zu m\u00fcssen. Im letzten Fall muss was falsch gelaufen sein, sagt das psychologische Strickmuster des Gemeindeutschen, auch wenn die stille Buchhalterseele denselben Betrag aufsummiert.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>C. Der coole Trend: Bank it yourself!<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Unternehmungen wie Siemens werden schon seit l\u00e4ngerem als \u201eBank mit angeschlossenem Elektrobetrieb\u201c bezeichnet. Die Finanzabteilung der Unternehmungen ist l\u00e4ngst aus der Rolle des \u201eTreasurers\u201c heraus, der nur den Unternehmensschatz verwaltete und die Aktivit\u00e4t an den Finanzm\u00e4rkten seiner Bank \u00fcberlie\u00df. Das fing latent bereits mit der Ausgabe von Aktien und Anleihen an, wo die Bank nicht mehr \u201eKreditinstitut\u201c war, sondern Vermittler (\u201eMakler\u201c) von verbrieften Zahlungsversprechen der Unternehmung selbst: Wertpapieren <i>der Unternehmung<\/i>.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Heute ist der Finanzmarktauftritt der Unternehmungen viel direkter. Einige haben dazu sogar aus fr\u00fcheren Finanzabteilungen eigene Banken ausgegliedert. Dies entspricht dem allgemeinen Trend aus internen Unterst\u00fctzungseinheiten selbst\u00e4ndige, am Markt auftretende Institutionen zu machen. So werden aus den Aktivit\u00e4ten der nun selbst\u00e4ndigen Einheiten \u201ePrim\u00e4re Prozesse\u201c im Sinne von Porter, die ihre Leistungsma\u00dfst\u00e4be (\u201eBenchmarks\u201c) vom Markt ableiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Mit Verz\u00f6gerung setzt sich dieser Trend nun im \u00d6ffentlichen Bereich bei den Gebietsk\u00f6rperschaften durch. Der Bund und die L\u00e4nder sind hier l\u00e4ngst aktiv und Neschle verwettet seinen Kopf gegen \u2019ne Erdnuss, dass es auch dort j\u00fcngst zu Spekulationsverlusten bei Derivaten kam. Die Dummen aber sind derzeit allein die Gemeinden, bei denen das <i>bekannt<\/i> wurde. Aber die Dunkelziffer ist ja auch bekannt, sagt jedenfalls der Kabarettist Rolf Miller.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">In Zukunft wird es mehr \u00f6ffentliche Institutionen geben, die vor diese Probleme gestellt werden. Auch die in mehr finanzielle Selbst\u00e4ndigkeit entlassenen Universit\u00e4ten. Werden die es besser machen? Sollte man solche Aktivit\u00e4ten nicht schon wegen der Marktmacht gegen\u00fcber den Banken nicht lieber b\u00fcndeln, statt die staatliche Position \u00fcber die Vereinzelung des finanziellen Handelns zu schw\u00e4chen. Neschle f\u00fcrchtet, dass schon auf diese Weise viel Geld des Steuerzahlers ohne Not privatisiert wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p style=\"text-align: center;\">In der Gemeinde sitzen Denker<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">und neuerdings auch Hobby-Banker,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">die spielen \u2019rum mit Derivaten,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">zahlen daf\u00fcr hohe Raten.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Und haben sie genug verspielt,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">dann klagen sie nun ganz gezielt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p style=\"text-align: center;\">Hat fr\u00fcher jemand wild gezockt<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">und dabei \u2019nen Verlust verbockt,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">dann zahlte er in Cent und Gulden,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">denn es waren Ehrenschulden.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Und klagte er dar\u00fcber blo\u00df,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">dann war er seine Ehre los.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Und sagt\u2019 er, er h\u00e4tt\u2019 nichts gewusst,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">erkl\u00e4rte man ihn f\u00fcr bestusst.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p style=\"text-align: center;\">Wenn ich was kaufe auf der Welt,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">dann zahle ich normal kein Geld<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">f\u00fcr des Verk\u00e4ufers Werbespruch,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">der Kaufpreis ist dann schon genuch (Na ja!).<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Will ich mehr Sicherheit beim Deal,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">hilft nur der Rat <i><u>von anderen<\/u><\/i> viel.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Zahl\u2019 ich daf\u00fcr noch ein paar Schleifen,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">mein Gott, dann k\u00f6nnt\u2019 man\u2019s noch begreifen!<\/p>\n<p><a title=\"PDF-Datei\" href=\"http:\/\/www.neschle.de\/download-manager.php?id=71\">PDF-Datei<\/a><br \/>\nThis post was downloaded by  1449  people until now.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stadtwettjammer II: Die Klage vor Gericht. 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