{"id":194,"date":"2007-08-29T11:12:10","date_gmt":"2007-08-29T10:12:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.neschle.de\/index.php\/blog\/neschle-depeschle-12\/"},"modified":"2020-06-20T12:49:48","modified_gmt":"2020-06-20T11:49:48","slug":"neschle-depeschle-12","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/neschle-depeschle-12\/","title":{"rendered":"Neschle-Depeschle 12"},"content":{"rendered":"<header>\n<h2 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #4f81bd;\">Machma datt M\u00e4h ei!<\/span><\/strong><\/h2>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Neschle-Depeschle-Neschle-Depeschle-Neschle-Depeschle<\/strong><br \/>\n<strong>F\u00fcr den kleinen Hunger zwischendurch: Der schnelle Einwurf in den Strafraum<\/strong><\/p>\n<p><em>Slang is a poor man\u2019s poetry.\u00a0<\/em>(John Moore)<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u201eMachma datt M\u00e4h ei!\u201c Diesen \u201eTitelsatz der Liebe\u201c sagte eine Mutter im Ruhrgebiet zu ihrer kleinen Tochter am Tag der Loveparade in Essen. Die hochdeutsche \u00dcbersetzung lautet: \u201eStreichle bitte mal das Schaf!\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">In diesem Essay geht es um Sprache und die Liebe dazu, genauer um die im Ruhrgebiet und die Liebe dazu, zur Sprache und zum Ruhrgebiet nat\u00fcrlich. \u2013 <!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Was hat das mit der Loveparade zu tun? \u2013 Neschle muss einen groben Fehler gestehen. Er hatte der Love Parade in Essen keine Chance einger\u00e4umt. Er hatte sie als \u201eEntsorgungsfall\u201c betrachtet (<a href=\"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-23-30-woche-2007\/\">Neschle 23<\/a>). Er und seine Trend-Scouts haben sich get\u00e4uscht. Er wurde durch 1,2 Millionen Besucher widerlegt. Liebesparaden und Liebesparodien sind offenbar immer \u201ain\u2019. \u201eAll you need is love!\u201c wussten die Beatles. Und die Sache mit der Parade wurde schon 1932 gekl\u00e4rt. Da hie\u00df es in einem Song:<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\u201eI love a parade, the tramping of feet,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">I love every beat I hear of a drum.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">I love a parade, when I hear a band<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">I just want to stand and cheer as they come.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">That rat-a tat-tat, the blare of a horn.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">That rat-a tat-tat \u2026\u201d.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Hier galt allerdings die Liebe der Parade und nicht die Parade der Liebe. Das ist anders bei der Dream Academy. Die widerlegt die Skepsis von Neschle direkt:<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\u201eOh the love parade is on<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Even against all odds.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">It\u2019ll go on forever<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">The love parade\u201d.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Also kurz und schlecht: Neschle lag falsch! Gegen seine Vorhersage und \u201eagainst all odds\u201c geht die \u201eParade der Liebe\u201c weiter. Daher schreibt Neschle als S\u00fchne noch eine Hommage an das Ruhrgebiet, genauer an die Sprache des Ruhrgebiets, bevor er sich f\u00fcr acht Wochen vom \u201eGesch\u00e4ft\u201c zur\u00fcckziehen muss. Neschle weekly gibt es so lange nicht, vielleicht aber mal ein Depeschle oder einen Aufschrei.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>1. Kalamit\u00e4ten-Kasuistik \u2013 Die Sache mitten eahsten bis vieahten Fall!<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Der gemeine Ruhrgebietler kommt \u201eauss\u2019m Pott\u201c. Er hei\u00dft daher Pottie und kennt auf alle F\u00e4lle andere grammatikalische F\u00e4lle als der Hoch(nasen)deutsche. Kommen wir zun\u00e4chst zu dem, was fehlt, um danach das Bereichernde deutlicher hervorzuheben.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Der zweite Fall, der Genitiv, \u201eis anne Ruhr voll unbekannt\u201c<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a>. Daf\u00fcr \u201egibbet\u201c zwei alternative Ausdrucksm\u00f6glichkeiten. Aus \u201emeines Vaters Auto\u201c wird \u201emein Vatter sein Auto\u201c oder \u201edatt Auto von mein Vatter\u201c. Hier ist auf jeden Fall \u201evon mei<span style=\"text-decoration: underline;\"><em><strong>n <\/strong><\/em><\/span>Vatter\u201c zu sagen. Denn \u201evon\u201c regiert den vierten, nicht den dritten Fall. W\u00fcrde jemand \u201evon mein<strong>em<\/strong> Vater\u201c oder auch nur \u201evon me<strong>im<\/strong> Vatter\u201c sagen, g\u00e4lte er als hochn\u00e4siger Fatzke. Oder er w\u00e4re \u201eWeltmeister\u201c oder \u201eExperte\u201c, beides f\u00fcr besessene Besserwisser reserviert. Solche Leute machen viel Wind \u201emit <em>ihr<\/em> kurzett H\u00e4md\u201c, nicht \u201emit ihrem\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Das bringt Neschle ganz zwanglos zum dritten Fall, den es in der Ruhrgebietsgrammatik ebenfalls nicht gibt, jedenfalls nicht so wie im Hochdeutschen. Selbst hinter \u201emit\u201c steht der vierte Fall. Im Ergebnis gibt es also nur zwei F\u00e4lle, den ersten und den vierten. Das erkl\u00e4rt sich mit einer Geschichte \u201eauss\u2019m P\u00fctt\u201c (aus dem Bergwerk):<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Der Steiger erh\u00e4lt unter Tage einen Kontrollbesuch vom Bergassessor. Da h\u00f6rt der Bergassessor wie der Steiger zum Hauer sagt: <em>\u201eDu Eggon, wenne komms, komm mitti (mit die) Wagens!&#8220;\u00a0<\/em>(Ein alter Witz! Heute hei\u00dft der Hauer anders!)<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Akad\u00e4mlich wie der Bergassessor ist, sagt er zum Steiger: \u201eIch bin es ja schon gewohnt, dass sich hier alle Leute duzen, doch warum sprechen Sie mit Ihrem Hauer denn falsches Deutsch.\u201c \u201eMein lieber Herr Bergassessor, datt is ganz einfach. <em>Wenn ich dem sage \u201akomm mit den Wagen\u2019, dann kommt der nur mit einem!\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Besonderheiten gibt es f\u00fcr einige Verh\u00e4ltnisw\u00f6rter. Das belegt ein anderer Klassiker der Reviersprache: &#8222;Und ich sach noch f\u00fcr die Frau: \u201aGipp datt Kind kein Fisch!\u2019. Und watt macht die Frau? Gippt datt Kind Fisch! Und watt hattatt Kind? \u2026 Schuppen!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Im Hochdeutschen sagt man etwas \u201e(zu) der Frau\u201c, im Ruhrgebiet \u201e(f\u00fcr) die Frau\u201c. Dabei ist \u201e<span style=\"text-decoration: underline;\"><em>die<\/em><\/span> Frau\u201c immer die eigene Ehefrau, die hier im Akkusativ \u201edas eigene Kind\u201c den Fisch verabreicht. Eine x-beliebige Frau w\u00e4re etwa \u201eeine Olle\u201c, was keinesfalls mit \u201e(m)eine Alte\u201c \u00fcbersetzt wird, ebenso nicht die \u201eAlsche\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Es sieht also auf den ersten Blick so aus, als w\u00fcrden wir auf der Suche nach dem dritten Fall an der Ruhr nicht f\u00fcndig. Der Dativ scheint daher den Hilfeschrei \u201eRettet den Dativ!\u201c wert. Doch weit gefehlt! Wir m\u00fcssen nur woanders suchen:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Es spricht f\u00fcr das Zielbewusstsein des Potties, dass er den dritten Fall sozusagen als \u201eEdel-Fall\u201c exklusiv f\u00fcr Aussagen verwendet, bei denen es auf den Endpunkt einer Handlung ankommt, wenn etwa eine Freveltat ver\u00fcbt wird, z.B. \u201eNich a<strong>m<\/strong> Auto packen!\u201c \u201eDenkse am Dativ, denkse also immer am Ergebnis! Leida auchma am negativen.\u201c Man klopft also nie \u201ean die T\u00fcr\u201c, sondern immer \u201ean der T\u00fcr\u201c, was \u00fcbrigens auch im Hochdeutschen geht, aber da wird in der Regel das \u201eKlopfen an die T\u00fcr\u201c vorgezogen. Im Pott f\u00e4llt man nur \u201emitti (mit die) T\u00fcr i<em>m<\/em> Schloss\u201c. Denn in dem Schloss hat der Riegel sein Ziel, seine endg\u00fcltige Bestimmung gefunden.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Der Pottie legt dabei seine Ziele deutlicher offen, als n\u00f6tig und in anderen Teilen der Republik \u00fcblich. Im Supermarkt sagt man im Rest der Republik \u201eDarf ich bitte mal vorbei?\u201c oder \u201eK\u00f6nnen Sie mich bitte durchlassen!\u201c. F\u00fcr das Ruhrgebiet w\u00e4re das zu ungenau. Hier wird selbst Wildfremden das eigene Ziel mitgeteilt, etwa so: \u201eDaaf ichma am Zucker?\u201c oder \u201eKannich ma ebent anne Kondome?\u201c Apropos Kondome:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Bei Aussagen wie \u201eKomm Du <strong>im<\/strong> Bett!\u201c kann man streiten, ob dies der Endpunkt der Handlung sein <em>muss<\/em>. Denn diese Aufforderung beschreibt im Pott allenfalls den Anfang einer Handlung, die im Hochdeutschen mit anderer Bedeutung im selben Satz gipfelt: <strong>\u201eKomm<\/strong> Du im Bett!\u201c, \u00fcblicherweise gut f\u00fcnf Minuten sp\u00e4ter.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Neschle verzichtet hier auf tiefergehende Explikationen unterhalb der G\u00fcrtellinie. Auch den Warnhinweis \u201eNich am <em>B\u00e4ah<\/em> (B\u00e4r) packen!\u201c wird er nicht erl\u00e4utern.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Tja, und dann die Frage: \u201eQuo vadis?\u201c \u2013 \u201eWat hei\u00dft datt?\u201c \u2013 \u201e<strong>Wo<\/strong> geh\u00dfe?\u201c \u2013 Nat\u00fcrlich muss auch die zielorientierte Frage \u201e<strong>im<\/strong> Dativ\u201c. \u201eWohin?\u201c ist schlicht unbekannt, kommt im reinen Dialekt nicht vor. Doch auch dieser Dialekt ger\u00e4t unter Einfluss der Globalisierung in Gefahr. Das zeigt ein Beispiel, das nach einem \u201eRuhrpottogramm\u201c von Kurt K\u00fcther gestaltet wurde:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u201eEggon, wo geh\u00dfe? \u2013 Ich geh\u2019 auf Schalke. \u2013 Eggon, et hei\u00dft nicht \u201eauf Schalke\u201c, et hei\u00dft \u201enach Schalke\u201c! \u2013 Else, nach Schalke geh noch auf ein Biaaken (Bierchen) bei den Heinz inne Kneipe \u201eDatt Betreute Trinken\u201c. \u2013 Eggon, et hei\u00dft nicht \u201ebei den Heinz\u201c, et hei\u00dft \u201enach den Heinz\u201c! \u2013 Nee, nach den Heinz setz ich mich <em>im<\/em> Auto und fahr <em>zu<\/em> Haus nach Bottrop.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Aus dieser Unterredung erkennt man, dass Potties von ihrer Au\u00dfenwelt mittlerweile \u201aglobalsprachlich\u2019 verunsichert werden. Zudem werden manche Verh\u00e4ltnisw\u00f6rter nach subjektivem Empfinden eingesetzt, sagen also etwas \u00fcber den Seelenzustand. Sagt jemand \u201eIch geh\u2019 <strong>nach<\/strong> die Tante Matta!\u201c, f\u00fchlt er sich \u00f6rtlich oder seelisch weit von Tante Martha entfernt. Geht er dagegen \u201e<strong>bei<\/strong> die Tante Matta\u201c, so w\u00e4hnt er sich ihr \u00f6rtlich oder seelisch sehr nah.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">So snobisch reserviert wie der dritte Fall ist der vierte Fall nicht. \u00dcber die beschriebenen F\u00e4lle hinaus wird der vierte Fall n\u00e4mlich als Anredefall verwendet, als Vokativ: \u201eHallo, liebe<em><span style=\"text-decoration: underline;\"><strong>n<\/strong> <\/span><\/em>Kolleg<strong>e<\/strong>!\u201c, hier allerdings ohne das \u201en\u201c beim Substantiv, was ihn als echten Vokativ ausweist. Auch bei Aussagen wie \u201eBissen aame<em><span style=\"text-decoration: underline;\"><strong>n<\/strong><\/span><\/em> Jung<strong>e<\/strong>\u201c (Du bist ein armer Junge.) wird das deutlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Doch was geschieht, wenn das Adjektiv fehlt? Wenn Du \u201eeinen Kenner w\u00e4rs\u201c, w\u00fcsstest Du es. \u2013 \u201eNa, Du Naseweisen! Hasset geschnallt? \u2013 Ich glaubet nich!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u00dcber den ersten Fall gibt es nicht viel zu sagen, au\u00dfer dass er in der Anrede durch den Vokativ, \u201eein verst\u00fcmmelten Akkusativ\u201c, ersetzt wird, manchmal auch dar\u00fcber hinaus. \u201eDen wichtigsten is also den vierten Fall, den mit den Akku.\u201c Doktor Stratmann, der Kabarettist aus Bottrop\/Essen, (be)treibt gerade diese Sprachfigur [bis] zum Exzess. Den folgenden Klassiker findet man aber sowohl \u201ein \u00e4asten\u201c (ersten) als auch \u201ein vieaten\u201c (vierten) Fall: \u201eWen h\u00f6rt datt Fahrrad vor T\u00fcr? (Wem geh\u00f6rt das Fahrrad vor der T\u00fcr?)\u2013 Mich!\u201c Oder: \u201eWer h\u00f6rt der Fahrrad vor T\u00fcr? \u2013 Ich!\u201c \u201eDialektisch korrekt\u201c ist nur das erste.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>2. Leztet Jaa im Herbst, wo allet am reifen fing \u2026<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Verlaufsform des Ruhrgebiets hat sich \u00fcber das Revier hinaus im Hochdeutschen verlaufen. Heute ist sie sogar in der Tagesschau oder beim Wetterbericht m\u00f6glich, wo es schon mal den ganzen Tag \u201eam regnen\u201c ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Meist wird sie mit der englischen \u201e-ing\u201c-Form verglichen, aber auch in anderen Sprachen findet man betonte Verl\u00e4ufe. Italien kennt sogar unterschiedliche Substantive f\u00fcr den Abend (sera) und dessen Verlauf (serata). Doch ehe wir uns au\u00dferhalb des Reviers verlaufen, \u201efangen wir mit Karacho am r\u00fcckkehren im Revier\u201c (Man beachte den zielgerichteten Dativ!).<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">In solchen Extremformen ist die Verlaufsform nach wie vor eine Spezialit\u00e4t des Reviers, vor allem wenn man etwas anf\u00e4ngt, was l\u00e4ngere \u00dcbung werden soll: \u201eKumma gezz f\u00e4ngt der K\u00f6ttel am laufen!\u201c (Schau bitte mal, das kleine Kind beginnt zu laufen!). \u201eJa, da fang ich abba am staunen!\u201c (Ja, da beginne ich zu staunen!) Oder: \u201eWollterse nich m\u00e4ah am \u00fchm bringen!\u201c (Wollt Ihr sie nicht veranlassen, mehr zu \u00fcben?). Da findet man auch verschraubte Konstrukte: \u201eDen Heinz, den bringt jede Uaa widda am richtig gehen.\u201c (Der Heinz bringt jede Uhr wieder dazu, richtig zu gehen.)<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Verlaufsform hat ihre Dom\u00e4ne freilich da, wenn man schon an einer Sache dran ist und gedenkt, sie fortzuf\u00fchren: \u201eWatt is, bisse schon dran am schreim?\u201c (Was ist los? Bist Du schon beim Schreiben?). Oder: \u201eIch bin mich schonn die ganze Zeit am \u00fcbbalegen, ob iah datt wiahklich am denken seid\u201c. (Ich \u00fcberlege mir schon die ganze Zeit, ob Ihr das wirklich denkt.)<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">In \u201ehy\u00e4nischen\u201c (hygienischen) Zusammenh\u00e4ngen liest sich das so: \u201eH\u00f6mma, wennze da die ganze Zeit am baan biss, hassedo blo\u00df \u2019n Kniest vonne Quanten als Ring ummen Hals. (H\u00f6r mal, wenn Du dort die ganze Zeit badest, hast Du doch nur den Schmutz von den F\u00fc\u00dfen als Ring um den Hals.) Und muss jemand eine vielk\u00f6pfige Familie durchf\u00fcttern, hei\u00dft es: \u201eDen Eahnst, datt issen Aamen. Der muss vier Blagens am kacken halten.\u201c (Ernst ist zu bedauern. Er muss vier Kinder versorgen).<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Doch selbst der Start ins Aufh\u00f6ren wird als Verlauf begriffen: \u201eWillze gezz schonn am aufh\u00f6ren fangen?\u201c (Willst Du jetzt schon anfangen aufzuh\u00f6ren?). \u201eJa samma, will den Neschle datt au machen? Wie willer denn dann die Leute allet am verstehen bringen vonne Sprache in Pott?\u201c Keine Sorge, Neschle schreibt noch ein wenig weiter. Aber ein Ruhrgebietssprachprofi kann man nat\u00fcrlich nach so kurzen Artikeln nicht werden.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>3. Hauptsachen und Haupts\u00e4tze<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Aus Diplom- und Doktorarbeiten ist Neschle akademischen Sprachhorror gr\u00f6\u00dfter Ung\u00fcte gewohnt. Eine der schwersten Stilkrankheiten ist darin die k\u00fcnstliche Schaffung von Nebens\u00e4tzen, um auf diese Weise die Bedeutung der eigenen Aussage unfreiwillig herabzusenken: \u201eAn dieser Stelle ist noch zu bemerken, dass diese Instrumente kombiniert eingesetzt werden m\u00fcssen.\u201c Statt einfach zu schreiben \u201eDiese Instrumente sind kombiniert einzusetzen.\u201c, geht es offenbar nur mit dem Vorsatz \u201eAn dieser Stelle ist noch zu bemerken!\u201c. Der sagt uns nun das Haupts\u00e4chliche:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Das Wichtigste ist nun: Der Verfasser sp\u00fcrt einen Zwang zur geistigen Entsorgung. Der bringt ihn dazu, den im Nebensatz folgenden Gedanken gerade hier abzusondern. \u2013 Doch, so fragt sich der Leser besorgt: Warum <em><span style=\"text-decoration: underline;\">ist<\/span><\/em> das denn auch \u201enoch zu bemerken\u201c? Woher kommt der Zwang dazu? Und warum gerade <em>an dieser Stelle<\/em>? Warum ihn der Zwang an dieser Stelle bef\u00e4llt, sagt der Verfasser n\u00e4mlich nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Solche und \u00e4hnliche F\u00e4lle gibt es in akademischen Arbeiten zu Dutzenden. Dabei geht die Aufmerksamkeit f\u00fcr den Inhalt verloren. Warum wird die Sache nicht einfach erw\u00e4hnt, ohne dem Leser ausdr\u00fccklich mitzuteilen, dass der Verfasser meint, sie genau an dieser Stelle mitteilen zu m\u00fcssen? Das wei\u00df der Leser n\u00e4mlich schon dadurch, dass der Verfasser die Sache an dieser Stelle tats\u00e4chlich erw\u00e4hnt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Solche Nebensatzkreationen stehen im krassen Gegensatz zum revierdeutschen. Sprachgebrauch, der strikt \u201ehauptsatzfixiert\u201c ist und jedes \u201eGes\u00fclze\u201c unterl\u00e4sst. Der Pottie schafft es sogar umgekehrt aus Nebens\u00e4tzen Haupts\u00e4tze zu machen. Vor allen \u201eweil\u201c und \u201edenn\u201c meidet er wie der S\u00e4ufer alkoholfreies Bier (Der trinkt lieber \u201ebierfreien Alkohol\u201c.) Das funktioniert durch das W\u00f6rtchen \u201eja\u201c im folgenden Hauptsatz (Kurz gesprochen, nicht \u201ejaaa\u201c!). Also:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u201eIch habe die beste Arbeit geschrieben, denn ich war am besten vorbereitet und hatte die meisten Punkte.\u201c \u2013 Pottisch: \u201eIch happ die beste Aabeit. Ich war ja am besten voahbereitet und hatte (ja) die meisten Punkte.\u201c Oder:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u201eDerjenige, der ihr das gesagt hat, lag falsch, weil er vom Thema wenig verstand.\u201c \u2013 Anne Ruah: \u201eDeah (Der) die dat gesacht hat, waa falsch. Hatte <em>ja<\/em> keine Ahnung.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Auf diese Weise in (zum Teil verst\u00fcmmelte) Haupts\u00e4tze verwandelt, erfahren Begr\u00fcndungen sprachliche Bedeutungsanhebung. Das w\u00e4re was f\u00fcr die Wissenschaft.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>4. Sprachliche Feinkost: Kleine Spezialit\u00e4ten als Resteessen.<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">1. Kommen wir als erstes zur Aussprache. Ein vorangestelltes \u201er\u201c wie in \u201eSprache\u201c wird auch wie ein \u201er\u201c gesprochen, doch nicht ein nachgestelltes. Die Unterschiede zum Hochdeutschen erlebte Neschle schon in der Schule, als einer seiner Mitsch\u00fcler sich beim Lehrer mit \u201eKiahsch\u201c vorstellte. Der sagte: \u201eDu hei\u00dft nicht \u201aKiaaahsch\u2019, Du hei\u00dft \u201eK\u00fcrrsch\u201c. Das hielt der Lehrer offenbar f\u00fcr dialektisch \u00fcberlegen, aber der Sch\u00fcler hie\u00df wirklich \u201eKirsch\u201c. Dem kleinen Neschle machte das damals deutlich, dass andere Dialekte auch nicht besser sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Sache mit dem \u201er\u201c kann problematisch werden, wenn wir etwa das \u201eM\u00e4h\u201c aus dem Titel in Erwachsenensprache \u00fcbersetzen. Da hei\u00dft es \u201eSchaaf\u201c, aber \u201escharf\u201c hei\u00dft auch \u201eschaaf\u201c. Bezeichnet man also jemanden als \u201eschaafsinnig\u201c, kommt es auf sein Selbstbewusstsein an, wie die Botschaft bei ihm ankommt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">2. Der gemeine Pottie betont einige Dinge \u00fcberdeutlich, vor allem Mehrzahl und Vergangenheit. Die Mehrzahl wird vor allem bei Endungens mit \u201en\u201c oder \u201er\u201c durch ein angeh\u00e4ngtes \u201es\u201c unzweideutig markiert: \u201eSch\u00fclers, Wagens, Nagers, Scheibens, \u2026\u201c sind Beispiele daf\u00fcr.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Um die Abgeschlossenheit einer Sache klar zu dokumentieren, greift der Pottie gern in die tiefste Vergangenheitskiste: \u201eIch waado eemt noch bei Kaastadt <em>gewesen<\/em>.\u201c (Ich war gerade noch bei Karstadt.). Oder: \u201eVoa zwei Minutten hatte ich den Schl\u00fcssel noch <em>gehappt<\/em>.\u201c (Vor zwei Minuten hatte ich den Schl\u00fcssel noch!)<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">3. \u201eEinmal\u201c wird zu \u201ema\u201c verk\u00fcrzt und hei\u00dft \u201eeintlich manchma nur sowatt wie \u201abitte\u2019\u201c. Vor allem bei \u201eH\u00f6mma, komma, kumma, mamma und samma\u201c also bei \u201eH\u00f6re -, komm -, schau -, mach &#8211; und sage bitte\u201c. \u201eBitte\u201c schwingt <em>automatisch<\/em> im \u201ema\u201c mit. Das wird im folgenden Beispiel klar, in dem \u201ema\u201c gleich doppelt eingesetzt wird:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u201eKomma schomma bei die Omma!\u201c Die \u00dcbersetzung lautet: \u201eKomm bitte einmal zu Deiner Gro\u00dfmutter\u201c, und nicht \u201eKomm einmal schon einmal zu Deiner Gro\u00dfmutter.\u201c Das w\u00e4re ja doppelt gemaat, wie bei der Dame, die erst ihren MA (Master of Arts) machte, dann den zweiten draufsetzte und dadurch MAMA wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Im Ruhrgebiet ist \u201eMama\u201c durch einen Klassiker ber\u00fchmt, durch den Satz mit \u201eMama\u201c und \u201ePapa\u201c: \u201eMamma die T\u00fcah auf, pah Pakete kommen!\u201c (Mache bitte die T\u00fcr auf, es kommen ein paar Pakete!). Aber auch \u201eSperma\u201c oder \u201eSpeahma\u201c kann im Pott zur Verwirrung f\u00fchren, wie in dem Satz mit \u201eBumsen\u201c, \u201eSperma\u201c und \u201eVorhaut\u201c: \u201eIch glaup et hatt gebumst. Speahma die T\u00fcah auf un\u2019 kuckma, wer da vorhaut!\u201c (Ich glaube es hat geklopft. Sperre bitte die T\u00fcr auf und schau nach, wer geklopft hat!)<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Der Leser mag nun fragen, warum es oben \u201ebei die Omma\u201c in der \u00dcbersetzung immer \u201e<em>Deiner<\/em> Gro\u00dfmutter\u201c hie\u00df, wo das Wort \u201eDeine\u201c im Original gar nicht f\u00e4llt. Wie wei\u00df Neschle also, dass es nicht irgendeine Gro\u00dfmutter ist, die da spricht?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Erkl\u00e4rung ist einfach und der Profi m\u00fcsste \u201eda schomma drauf kommen\u201c. W\u00e4re es n\u00e4mlich irgendeine Gro\u00dfmutter h\u00e4tte sie gesagt \u201eKomma schomma <span style=\"text-decoration: underline;\"><em>nach<\/em><\/span> die Omma!\u201c. Es geht \u00fcbrigens auch \u201enach der Omma\u201c, wenn man die Zielbestimmung deutlicher machen will. Und irgendein Mann w\u00fcrde dann sagen \u201eKumma! Kannze nichma <em><span style=\"text-decoration: underline;\">naach<strong>em<\/strong><\/span><\/em> Onkel kommen?\u201c (Sieh bitte her! Kannst Du mal zu mir nettem Herrn kommen?). Der wirkliche Onkel sagt dagegen: \u201eH\u00f6mma, watt sollze? Du sollz ma <em><span style=\"text-decoration: underline;\">beim<\/span><\/em> Onkel kommen!\u201c (H\u00f6re bitte, was Du sollst! Du sollst bitte zu <em>Deinem<\/em> Onkel kommen!)<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ein Satz ohne \u201ebitte\u201c enth\u00e4lt kein \u201ema\u201c, etwa \u201eMach fettich!\u201c (Mach Schlu\u00df!) statt \u201eMachma fettich!\u201c. Es sind jedoch Zwischent\u00f6ne m\u00f6glich, etwa indem der Pottie ein betontes \u201edoch\u201c in seiner \u201eSchrumpfform\u201c einschiebt: \u201eMach<span style=\"text-decoration: underline;\"><em> dom<\/em><\/span>ma fettich!\u201c Im Hochdeutschen wird im Falle solch halbh\u00f6flicher Ungeduld dagegen das \u201ebitte\u201c betont, also: \u201eKomm <span style=\"text-decoration: underline;\"><em>bitte<\/em><\/span> zu Schluss!\u201c \u2013 Ja gleich! Ich hab noch was:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Tja und dann gab es den \u201eEggon\u201c, der eine Nachricht auf dem K\u00fcchentisch fand und \u201esoffort\u201c wusste, was zu tun war. Da stand \u201eEggon , inne 4x!\u201c, was \u201eEggon\u201c gleich richtig \u201e\u00fcbersetzte\u201c in: \u201eEggon komma inne Fiahma!\u201c (Egon komm bitte einmal in den Betrieb!). \u201eUn\u2019 wech warer auf Maloche\u201c. (Und schon war er bei der Arbeit).<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">4. Viele Bildw\u00f6rter bev\u00f6lkern die Ruhrgebietssprache: \u201eKartoffelkoma\u201c (korrekt \u201eKaatoffelkoma\u201c; M\u00fcdigkeit nach dem Mittagessen), \u201eZwiebelporsche\u201c (Einkaufswagen), \u201eEierfeile\u201c (Sportwagen mit sehr tiefgelegtem Fahrwerk), \u201eSpiegeleierbauch\u201c (dicker M\u00e4nnerbauch, bei dem der Besitzer einen Spiegel braucht, um das zu sehen, was auch der Eierfeile den Namen gab) und \u201eT\u00fcrkenkalender\u201c (f\u00fcr Adventskalender, weil man da T\u00fcrchen oder \u201aT\u00fcrken\u2019 \u00f6ffnen muss) sind nur einige Beispiele vom \u00fcberreichlich gedeckten Sprachtisch.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">5. Mit dem Duzen und der korrekten Ansprache soll diese kleine Einf\u00fchrung enden. \u00dcblicherweise wird jeder und jede \u00fcberall und sofort geduzt. Aber es ist ein anderes \u201eDu\u201c als im Hochdeutschen. Der Besuch im Ruhrgebietskaufhaus offenbart das sofort. Auch Verk\u00e4uferinnen, die sich jahrelang kennen, rufen sich etwa so: <em>\u201eFrau Koslowski komma [Du] her!&#8220;<\/em>\u00a0Entscheidend ist allein, ob das \u201eDu\u201c mit dem Vornamen oder dem Nachnamen gef\u00fchrt wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wer das verwunderlich findet, sehe auf manche amerikanische Firma hierzulande. Die macht es nur umgekehrt: \u201e<em>Ben<\/em>, kommen <em>Sie<\/em> mal her!\u201c Denn \u201eYou\u201c ist ja nicht nur \u201eDu\u201c, sondern auch \u201eIhr\u201c. Karl May hat es in seinen Wildwest-Geschichten noch so verstanden: \u201eSam Hawkins <em>Ihr<\/em> seid ein wirklich lustiger Geselle\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Es gibt allerdings noch eine Zwischenform zwischen \u201eDu\u201c und \u201eSie\u201c. Die sieht so aus: \u201eWo will<strong>er<\/strong> denn schon widda hin? Hatt<strong>er<\/strong> schon widda watt vahgessen?\u201c So spricht man, falls das \u00fcbliche \u201eDu\u201c zu vertraut klingt, man aber nicht ins hochdeutsche \u201eSie\u201c verfallen will. Doch so spricht<em> nur eine Frau!<\/em> M\u00e4nner w\u00fcrden <em>immer<\/em> \u201ewillze\u201c (willst Du) zu ihren Geschlechtsgenossen sagen. Sprechen M\u00e4nner allerdings Frauen an, so hei\u00dft es entsprechend \u201eWatt willse [will sie] denn heute?\u201c<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Bei vertrauterem Sprechen hie\u00dfe das \u201eWatt willze [Du] denn heute?\u201c und wenn man es mit Leuten von au\u00dferhalb des Potts zu tun hat oder bewusst auf Distanz bleiben will: \u201eWatt wollnse [wollen Sie] denn heute?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Neschle hat diesen Dialekt (die Poesie der armen Leute) immer geliebt und er k\u00f6nnte noch weit mehr Besonderheiten dar\u00fcber erz\u00e4hlen. Doch er verweist hier mal ausnahmsweise auf ein Buch: \u201eClaus Sprick, H\u00f6mma! Sprache im Ruhrgebiet\u201c. Das hat er fr\u00fcher schon inspirierend gefunden. Und sein Alter Ego hatte in seiner Zeit an der Universit\u00e4t Duisburg den Spitznamen \u201eDer H\u00f6mma!\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Willze den Pottslang heute noch h\u00f6ahn, musse anne Bude. An eine der noch \u00fcbrig gebliebenen Trinkhallen (multifunktionale soziokulturelle Sprachzentren), in deren Gesch\u00e4ft sich vor allem die Tankstellenshops breitgemacht haben. Dort h\u00f6rt man den Slang noch, gesprochen nicht nur von \u201eadip\u00f6sen Adilettentr\u00e4gern\u201c (\u00fcbergewichtigen Adidassandalentr\u00e4gern). Und nat\u00fcrlich aum Spielplatz un\u2019 in Streichelzoo.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Abba gezz machtma alle die M\u00e4h ei und geht im Bett! Also streichelt die Schafe! Neschle machtatt auch! Er geht pennen!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Und eima musset auch genuch sein mitti Bu\u00dfe. Neschle glaubt k\u00fcnftig an die Loveparade. Versprochen! Also nicht \u201eversprochen\u201c, sondern \u201ein echt\u201c so gemeint!<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Wenn man irrt, dann ist es schade,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">wie Neschle bei der Love-Parade.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Denn er dacht\u2019, sie w\u00fcrd\u2019 in Essen<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Schon begraben und vergessen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Doch der Neschle war ein Narr<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Denn Liebe lebet immerdar!<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Bu\u00dfe muss den (der, s.o.) Neschle tun,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">darum schreibt der Arme nun,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">ein Lob der Sprache im Revier<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">und liefert flugs ein Sprach-Brevier<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">vonne Spraache anne Ruah<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">die is datt Heaaz vonne Kultuah.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\" \/>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Auch im Hochdeutschen ist der Genitiv auf dem R\u00fcckzug. Bastian Sick hat das so beschrieben: \u201eDer Dativ ist dem Genitiv sein Tod\u201c und dann \u201eWir gedenken dem Genitiv\u201c. Schon nehmen sich viele Leute \u201edem Thema an\u201c und es wird nicht mehr lange dauern, da wird jemand statt \u201edes Mordes\u201c \u201edem Mord angeklagt\u201c. Auf diese Weise entledigt man sich dann \u201edem Genitiv\u201c. \u201eDem\u201c sollten wir uns sch\u00e4men. (Der Ruhrgebietler sch\u00e4mt sich immer \u201edaf\u00fcr\u201c und nie \u201edessen\u201c!)<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Die Sache ist eigentlich noch vielschichtiger, weil das auch die Ansprache f\u00fcr Kinder ist. Bei Erwachsenen ist das h\u00e4ufig mit einem bedauernden Tonfall verkn\u00fcpft. Oder es ist mit einem inneren Wunsch verbunden. Ich w\u00fcrde Dich gern duzen, wei\u00df aber nicht, ob Dir das recht ist. Nachher sagst Du noch zu mir: \u201eF\u00fcr Dich immer noch Sie!\u201c<\/p>\n<p><a title=\"PDF-Datei\" href=\"http:\/\/www.neschle.de\/download-manager.php?id=66\">PDF-Datei<\/a><br \/>\nThis post was downloaded by  1703  people until now.<\/p>\n<\/header>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Machma datt M\u00e4h ei! Neschle-Depeschle-Neschle-Depeschle-Neschle-Depeschle F\u00fcr den kleinen Hunger zwischendurch: Der schnelle Einwurf in den Strafraum Slang is a poor man\u2019s poetry.\u00a0(John Moore) \u201eMachma datt M\u00e4h ei!\u201c Diesen \u201eTitelsatz der Liebe\u201c sagte eine Mutter im Ruhrgebiet zu ihrer kleinen Tochter am Tag der Loveparade in Essen. Die hochdeutsche \u00dcbersetzung lautet: \u201eStreichle bitte mal das Schaf!\u201c. &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/neschle-depeschle-12\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eNeschle-Depeschle 12\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[4,7],"tags":[14,40],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/194"}],"collection":[{"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=194"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/194\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":952,"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/194\/revisions\/952"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=194"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=194"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=194"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}