{"id":191,"date":"2007-08-17T11:47:37","date_gmt":"2007-08-17T10:47:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-26-33-woche-2007\/"},"modified":"2020-06-21T11:19:16","modified_gmt":"2020-06-21T10:19:16","slug":"leon-neschle-26-33-woche-2007","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-26-33-woche-2007\/","title":{"rendered":"Leon Neschle 26 (33. Woche 2007)"},"content":{"rendered":"<header>\n<h2 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #4f81bd\">Kuriose Kapitalfehler ums Kapital (I)<\/span><\/strong><\/h2>\n<\/header>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>Die meisten Glaubenslehrer verteidigen ihre S\u00e4tze, nicht weil sie von der Wahrheit derselben \u00fcberzeugt sind, sondern weil sie die Wahrheit derselben einmal behauptet haben.&nbsp;<\/em>(Georg Christoph Lichtenberg)<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wissenschaftler sind Rechthaber und Rechthaben kann man nicht delegieren. Man \u201emuss\u201c es leider zum Gl\u00fcck selbst tun das Rechthaben, so gern man es auch m\u00f6chte! Daher bleibt Neschle bei den drei folgenden kapitalen Fehlern aus der Finanzwirtschaftslehre gar nichts anderes \u00fcbrig als dabei selbst Rechthaber zu sein.<!--more--> Zwei Kapitalfehler sind Gegenstand dieses Teils, der dickste Klops wird aber erst in Teil II verbraten.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>A. Sie haben Recht, aber es n\u00fctzt nichts! Ihnen nicht und \u00fcberhaupt!<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Immerhin kann ein Wissenschaftler dilettieren bei seinem Rechthaben. Sogar freiwillig! Das musste Neschle als junger Wissenschaftler erfahren, als er einen \u00e4lteren Kollegen von einem Fehler in dessen Werk \u00fcberzeugen konnte. Dessen Reaktion hat Neschle damals umgehauen und ihn am Ethos der Wissenschaft (ver)zweifeln lassen: \u201eDas kann ich aber im Buch nicht \u00e4ndern. Gerade diese Argumentation hat in der Rezension der Erstauflage das h\u00f6chste Lob erhalten.\u201c Viele Jahre danach dasselbe bei einem anderen Kollegen bei einem anderen Fehler: Er k\u00f6nne seinen Fehler leider nicht beseitigen, ohne dass er eine gro\u00dfe Zahl seiner \u201egl\u00e4ubigen\u201c Fans verliere. Gerade mit diesem Fehler habe er bei diesen Fans Furore gemacht.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Auf solche kl\u00e4glichen Geistes-Gesch\u00f6pfe k\u00f6nnte ein Kritiker mit aller Sprachgewalt einschlagen, \u00e4ndern w\u00fcrde sich deshalb nichts. Auch in der Wissenschaft gilt: Manche Leute h\u00f6ren nicht eher, bis man ihnen die Ohren abschneidet. Und selbst wenn sie die Botschaft h\u00f6ren und der Glaube nicht fehlt, scheint es auch hier besser zu sein, mit der Masse zu irren als allein Recht zu haben. Es \u201emenschelt\u201c dort eben bis zum armseligen Erbarmen! Ein Fehler wird als Kratzer am Ego empfunden, den man wie die Kratzer eines handgreiflichen Ehestreits oder einer wilden Wirtshausschl\u00e4gerei zu verbergen sucht. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Daher muss man selbst bei Wissenschaftlern den Drang zum Rechthaben relativieren. Es reicht v\u00f6llig aus, wenn sie von der Richtigkeit einer Behauptung einmal \u00fcberzeugt <i>waren<\/i>. Das kann in Gemeinschaft allerdings zur l\u00e4cherlichen Lemmingparade werden: Sind (fast) alle dieser Wissenschafts-Spezies auf dem Holzweg, w\u00e4chst sich das zu einer Phalanx von Holzk\u00f6pfen aus, die sich jeder noch so einfachen und durchsichtigen Wahrheit knorrig in den Weg stellt. Eine bornierte Bretterbarrikade vor haltlosen Hirngespinsten verhindert deren Aufl\u00f6sung.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Das aber ist nur einer der Gr\u00fcnde, warum sich Irrt\u00fcmer in einer Wissenschaft so hartn\u00e4ckig halten und die Wissenschaft sich erst mit dem Hinwegsterben der alten Wissenschaftler entwickelt. Ein anderer Grund sind die Grundlagen. Genauer gesagt: Diejenigen, die fehlen! Im Denken! Auch bei vielen Wissenschaftlern! Um solche grundlegenden Dinge geht es hier. Und um deren Folgen in K\u00f6pfen von \u00d6konomen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Neschle selbst hat diese Kapitalfehler in seinem Studium \u00fcber sich ergehen lassen d\u00fcrfen, aber niemals an sie geglaubt und denen nicht, die sie verbreiteten oder gar verbreiterten.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>B. Teurer Lieferantenkredit: Kleiner Denkfehler mit gro\u00dfen Folgen!<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Einer der peinlichsten Fehler, der sich seit Jahren durch alle finanzwirtschaftlichen Lehrb\u00fccher und alle IHK-Pr\u00fcfungen zieht, ist die Halbwahrheit vom teuren Lieferantenkredit. Diese \u201eEinsicht\u201c ist einfach und daher so beliebt. Doch sie ist auch einfach falsch! Die \u201efalsche Wahrheit\u201c erkl\u00e4rt man den gl\u00e4ubigen Studierenden so:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Nehmen wir an, die Zahlungsbedingung eines Lieferantenkredits lautet wie folgt:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Zahlen Sie 980 \u20ac innerhalb von 10 Tagen oder in 30 Tagen 1.000 \u20ac!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Differenz von 20 \u20ac f\u00fcr zwanzig Tage Kredit (30 Tage \u2013 10 Tage) wird als der Kreditzins des Kunden angesehen. 20 \u20ac auf 20 Tage macht grob gerechnet 360 \u20ac auf 360 Tage und damit etwa 36%. Die genauere Rechnung bezieht den Zins auf den Netto-Kaufpreis und kommt zu 36,73%, der effektive Jahreszins mit unterj\u00e4hriger Verzinsung betr\u00e4gt sogar 43,86%. So kann man sch\u00f6n rechnen und trifft mit dem Kopf direkt auf den Nagel, aber nicht den Nagel auf den Kopf.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wenn der Kunde in der Praxis nochmals um 20 Tage sp\u00e4ter ohne Einwand des Lieferanten zahlt, sind wir in der ein wenig sch\u00f6nenden Grobpeilung immer noch bei einem stattlichen Zins von 18%. \u2013 Warum zahlen Kunden solche Wucherzinsen? Diese Begr\u00fcndungen schlagen uns von allen Seiten der Lehrb\u00fccher entgegen:<\/p>\n<ol style=\"text-align: left;\">\n<li>Weil der Kredit ohne Formalit\u00e4ten bewilligt wird. Aha, keine Bearbeitungsgeb\u00fchr! Die wird indirekt im Zins bezahlt.<\/li>\n<li>Weil die Anforderungen an die pers\u00f6nliche Kreditw\u00fcrdigkeit gering sind wegen des \u201everl\u00e4ngerten Eigentumsvorbehalts\u201c des Lieferanten. So, so?! Warum denn bei solcher Sicherheit f\u00fcr den Kreditgeber ein hoher Risikoaufschlag?<\/li>\n<li>Weil der Kunde in einer finanziellen Lage ist, in der er den Lieferantenkredit annehmen <i>muss<\/i>. Oho! Also kurz vor der Liquidit\u00e4tskrise? Na, da ist der Risikoaufschlag wohl eher begr\u00fcndet. Aber ob ein solch hoher Zins hilft, die Krise zu bew\u00e4ltigen?<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: left;\">Im letzten Fall kann man bei 36% Kreditzins wohl schon von \u201eerpresserischem Wucher\u201c sprechen, wenn mit dem verl\u00e4ngerten Eigentumsvorbehalt auch noch das Risiko f\u00fcr den Lieferanten gering ist. Bei Zinss\u00e4tzen von 36% l\u00e4ge man aber in jedem Fall in eklatanter Weise \u00fcber den \u00fcblichen Marktzinsen. Dann w\u00e4re eigentlich jeder Lieferantenkredit sittenwidriger Wucher und ein Fall f\u00fcr den Staatsanwalt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">So wie oben dargestellt, steht es fast durchg\u00e4ngig in den Lehrb\u00fcchern und der angehende Kaufmann muss bei der IHK-Pr\u00fcfung so antworten, um einen Haken an seine L\u00f6sung zu bekommen. Doch die L\u00f6sung selbst hat einen Haken und zwar einen ganz krummen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Doch die gef\u00e4hrlichsten Unwahrheiten sind Wahrheiten, m\u00e4\u00dfig entstellt. Ganz so falsch ist die obige Rechnung n\u00e4mlich nicht, falls die genannten Fristen wirklich eingehalten werden. Gro\u00dfkunden haben jedoch h\u00e4ufig l\u00e4ngere Skontofristen als die kleinen. Sie w\u00fcrden dann niedrigere Zinsen als die Kleinen zahlen, <i><u>wenn<\/u><\/i> sie die Zinsen zahlen <i><u>w\u00fcrden<\/u><\/i>. Tun sie aber nicht! Ihr Interesse gilt vor allem dem Hinausschieben des Beginns der Skontofrist. Nehmen wir einmal an, aldi Gro\u00dfkunden h\u00e4tten im Unterschied zum ersten Beispiel diese Vereinbarung mit dem Lieferanten geschlossen:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wir zahlen 980 \u20ac innerhalb von 40 Tagen und 1.000 \u20ac innerhalb von 60 Tagen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Nach der Logik der Lehrbuchberechnung w\u00fcrde sich hierdurch nichts \u00e4ndern und wir k\u00e4men immer noch zum selben Ergebnis, grob also: 2% auf eine Kreditdauer von 20 Tagen (60 Tage \u2013 40 Tage) macht 36% auf 360 Tage. (Wir wollen hier lieber ungef\u00e4hr richtig rechnen als genau falsch! Denn diese Rechnung braucht niemand!)<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Aber jetzt hat der Kunde das Geld <u>mit Skontoabzug<\/u> 30 Tage l\u00e4nger!<\/i> Ist das ohne Bedeutung? Nach der Logik der Lehrbuchrechnungen ja, doch f\u00fcr den Kreditgeber sicher nicht, denn er muss diesen Betrag 30 Tage l\u00e4nger vorfinanzieren, bevor er zu seinem Geld kommt. Dennoch tun unsere Lehrb\u00fccher so, als seien die ersten 10 Tage im ersten Beispiel bzw. 40 Tage im ver\u00e4nderten Beispiel ohne Bedeutung f\u00fcr die H\u00f6he der Zinsbelastung und daf\u00fcr, wer sie eigentlich tr\u00e4gt. Wo liegt der Fehler? \u2013 Ganz simpel und anf\u00e4ngerhaft: <i>Der Fehler liegt im Fehlurteil \u00fcber den Beginn des Kredits.<\/i> <i>Die Lehrb\u00fccher starten den Kredit erst mit dem ersten Tag des Skontoverlustes.<\/i> Doch:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ein Kredit beginnt schon, wenn eine Seite die Leistung erbracht hat. Das ist der erste Tag <i>der Lieferung<\/i>. Was kostet aber der Kredit in den Tagen vor Beginn des Skontoabzugsverbots? <i>Nichts! \u00dcberhaupt gar nie nichts! N\u00fcsse!<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Nun liegt es am Kunden, ob er mit dem Kredit sogar <i>\u201enegative Kosten\u201c<\/i> erwirtschaften kann! Das ist f\u00fcr ihn etwas sehr Positives, so wie beim Arzt, wenn der \u201enegativ\u201e sagt. Verkauft er gleich am ersten Tag der Lieferung die Ware mit 50% Aufschlag auf den Brutto-Preis, so hat er 1.500 \u20ac, die er noch 9 Tage (oder 39 Tage) zur Finanzierung einsetzen kann. Ohne Lieferung und Verkauf der Ware h\u00e4tte er nichts. <i>Nun lautet die Frage nicht mehr: \u201eWas kostet der Lieferantenkredit?\u201c Sie lautet: \u201eWas bringt er?\u201c<\/i> Hier kommt es darauf an, wie und worin der Betrag investiert wird oder welchen anderen Kredit er ersetzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Diese Betrachtung vertr\u00e4gt sich nicht mehr mit der M\u00e4r vom teuren Lieferantenkredit. Es soll n\u00e4mlich gro\u00dfe Unternehmungen geben, die \u00fcber diese Art der Finanzierung ihrer Ums\u00e4tze mehr Geld verdienen als \u00fcber ihre Investitionen im Kerngesch\u00e4ft. Mit Skontofristen von 60 und mehr Tagen und einem rasanten Kapitalumschlag. Kaum sind die Waren da, sind sie schon mit Gewinn verkauft! Doch dieser Gewinn aus dem Ver\u00e4u\u00dferungsgesch\u00e4ft ist nach Abzug aller Vermarktungskosten sogar geringer als das, was die Unternehmung \u00fcber seine Finanzierung mit Lieferantenkrediten und die verzinsliche Anlage des Umsatzes abz\u00fcglich der Vermarktungskosten verdient. Am Ende zahlt sie immer so p\u00fcnktlich, dass der Abzug des Skontos nie in Gefahr ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Und was bringt man den armen Studenten bei<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a>? Meist leider immer noch dasselbe wie Neschle selbst in seinem Studium. Doch Neschle hat die offizielle Version schon damals nicht geglaubt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Aber wie kommt es, dass solche Elementarfehler sich \u00fcber Jahrzehnte und quer \u00fcber das gesamte Schrifttum halten? Neschle findet nur eine Erkl\u00e4rung: Lieferantenkredite gelten wissenschaftlich als unsexy. Dar\u00fcber denkt keiner richtig nach. Sexy ist aber durchaus, was Praktiker, die dar\u00fcber nachgedacht haben, mit ihrem besseren Wissen anfangen. Merke: Die ungeschminkte Wahrheit kann manchmal lieblicher sein als die geschminkte, vor allem wenn die Schminke fette alte Theaterschminke ist, welche die Wissenschaft der Wahrheit auflegt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Diese Schminke ist besonders fett und tiefenwirksam beim n\u00e4chsten \u201eKapitalfehler\u201c aus dem finanzwirtschaftlichen Lehrbuchschrifttum. Der ist nicht ganz so h\u00e4ufig zu finden, weil die meisten Lehrb\u00fccher gedanklich gar nicht so tief ansetzen.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>C. \u201eWiderlegung\u201c des Minimumprinzips: Pflaumenminimal ist nicht kostenminimal.<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Der Leser f\u00fchle sich nicht angepflaumt, aber nun geht es um Pflaumenkuchen. Am Beispiel des Pflaumenkuchens wurde n\u00e4mlich erkl\u00e4rt, dass die beiden Fassungen des Rational- oder Wirtschaftlichkeitsprinzips nicht gleichwertig seien. Bei gegebenen Mitteln ein Maximum anzustreben (Maximalprinzip) sei sinnig, ein gegebenes Ziel mit einem Minimum an Mitteln zu erreichen (Minimalprinzip) sei dagegen un-sinnig.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Neschles Alter Ego hat schon in seiner Studentenzeit vergebens mit dem Erfinder des Pflaumenbeispiels diskutiert. Damals wurde er daf\u00fcr zus\u00e4tzlich noch mit anderen Exempeln als dem Pflaumenbeispiel angepflaumt, etwa so: \u201eDas Minimumprinzip ist falsch. Denn seit wann lohnt es sich mit einem <i>Minimum<\/i> an Zeitaufwand zum Bahnhof zu rasen, um dort 20 Minuten auf den Zug zu warten?\u201c Doch der Altego war damit nicht schlag fertig, sondern schlagfertig und schalkfettig antwortete er: \u201eDas Maximumprinzip ist falsch. Denn seit wann lohnt es sich, so etwas mit einem <i>Maximum<\/i> an Geschwindigkeit zu tun?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Gibt man ein \u201efalsches Ziel\u201c vor, \u201em\u00f6glichst schnell\u201c statt \u201em\u00f6glichst p\u00fcnktlich\u201c am Bahnhof zu sein, darf man sich nicht wundern, dass sogar gerade ein effizienter Mitteleinsatz besonders dazu beitr\u00e4gt, das richtige Ziel effektiv zu verfehlen. Doch Neschle konnte sagen, was er wollte; das Pflaumenbeispiel blieb im Lehrbuch (Mit Klammerzus\u00e4tzen von Neschle):<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u201eEine Gro\u00dfb\u00e4ckerei will 1.000 St\u00fcck Pflaumenkuchen backen. Nach dem Rationalprinzip in der Minimumformulierung w\u00fcrden wir \u2026 sagen: Diejenige Produktionsm\u00f6glichkeit ist zu w\u00e4hlen, welche die 1.000 St\u00fcck Pflaumenkuchen mit einem Minimum an Kosten, z.B. mit einem Minimum an Pflaumen \u2026 (Achtung! Hier liegt der Clou!), produziert. Das zul\u00e4ssige Minimum des Pflaumeneinsatzes l\u00e4ge \u2026 bei 50 kg. Die B\u00e4ckerei hat aber insgesamt 100 kg Pflaumen auf Lager. \u2026 Falls die Unternehmung die pflaumenminimale Produktionsm\u00f6glichkeit verwirklicht, was geschieht dann mit den restlichen 50 kg? \u2026 Nehmen wir an, mehr Pflaumenkuchen werde nicht nachgefragt, so dass die ersparten 50 kg Pflaumen verderben w\u00fcrden. Die Kosten des Wegtransports der verdorbenen Pflaumen betr\u00fcgen (\u201eBetr\u00fcgen\u201c? Will der Autor das oder tut er es unfreiwillig? Wir werden sehen!) je kg 0,20 Mark. Hat es hier Sinn, die pflaumenminimale Produktionsm\u00f6glichkeit zu verwirklichen?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die letzte Frage ist rhetorisch und der Leser soll sie mit \u201eNein\u201c beantworten! Damit hat er auch Recht, aber nicht mit dem, was ihm gleichzeitig untergeschoben werden soll: die Ablehnung des Minimumprinzips. Der Autor dr\u00fcckt diese dann so aus:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u201eDeshalb ist die Minimumformulierung unvollst\u00e4ndig. Nur die Maximumaussage des Wirtschaftlichkeitsprinzips ergibt eine eindeutige Handlungsvorschrift. Weil nur die Maximumvorschrift allgemein g\u00fcltig ist, deshalb muss regelm\u00e4\u00dfig das Entscheidungsproblem erst \u201evollst\u00e4ndig formuliert\u201c werden, ehe eine Entscheidung getroffen werden kann.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Mit dieser Aussage hat der Verfasser nun aber mal wieder verdammt Recht, zumindest mit der Forderung, das Entscheidungsproblem vollst\u00e4ndig zu formulieren. Genau das hat er allerdings in seinem eigenen Pflaumenbeispiel nicht getan. Schauen wir uns also den Trick 17 mit Selbst\u00fcberlistung an:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Anfangs setzt der Verfasser kostenminimale und pflaumenminimale L\u00f6sung gleich. (Diese Weisheit d\u00fcrfte auch auf die Personalpolitik \u00fcbertragbar sein, aber in dem Werk geht es um Finanzwirtschaft.) Am Ende zeigt er uns jedoch das Gegenteil! Wegen der Beseitigungskosten ist die pflaumenminimale L\u00f6sung nicht die kostenminimale. Ein B\u00e4cker, der anders denkt, h\u00e4tte sich geirrt. Es war von Anfang an unsinnig, die pflaumenminimale L\u00f6sung anzupeilen. Doch das galt nicht f\u00fcr die kostenminimale L\u00f6sung. Denn die macht der Autor zu seinem eigenen Ma\u00dfstab.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Hat der Verfasser mit der Widerlegung der Sinnhaltigkeit von Pflaumenminimalit\u00e4t nun bewiesen, dass das <i>Minimumprinzip<\/i> versagt? Das behauptet er kurioserweise! Oder war es nur die Widerlegung des Entscheidungsmodells des pflaumenminimierenden B\u00e4ckers, der eigentlich sein Kosten minimieren sollte? Letzteres war es doch wohl! Denn wer zeigt, dass die pflaumen- nicht immer die kostenminimale L\u00f6sung ist, der zeigt auf keinen Fall, dass das Minimumprinzip versagt. Denn er macht das <i>Kosten<\/i>minimum bei seinem vernichtenden Urteil \u00fcber das <i>Pflaumen<\/i>minimum zum Ma\u00dfstab. Dabei wendet er selbst das Minimumprinzip an, das er zu widerlegen vorgibt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Dennoch wurde der Verfasser f\u00fcr seine originelle Verdammung des Minimumprinzips und seine \u00fcberzeugende Beweisf\u00fchrung (wahrscheinlich wurden nur \u201ePflaumen\u201c \u00fcberzeugt!?) in wissenschaftlichen Zeitschriften gelobt und damit vielfach zitiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Was aber ist der Stellenwert dieser esoterischen Elfenbeinturmdiskussion \u00fam Minimumprinzip und Maximumprinzip? Geht es da nur um die Klarheit im Denken? Ist das ein rein akademischer Streit?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ja, weitgehend! Aber es gibt einen weiteren Zusammenhang, in dem die Maximierungszielsetzung diskutiert wurde. Jahrzehntelang! Im Zusammenhang mit der \u201eAnspruchsanpassungstheorie\u201c! Da wurde meist so gefragt: Streben Unternehmer nach \u201eMaximierung\u201c oder reicht ihnen \u201eSatisfizierung\u201c? Wollen sie das Extreme oder geben sie sich mit dem \u201eAngemessenen\u201c zufrieden?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Neschle sieht das so: Nur Action bringt Satisfaction! Das ist etwas anderes als: Action bringt <i><u>nur<\/u><\/i> Satisfaction!<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Unternehmen m\u00fcssen im \u00dcberlebenskampf des Wettbewerbs immer mehr vom Guten und weniger vom Schlechten haben. Mehr als gestern oder im Vorjahr, mehr als der Branchendurchschnitt, mehr als der (Zweit-)Beste und weniger Kosten oder eine niedrigere Cost-Earnings-Ratio als in der Vergangenheit, weniger Kosten als die Konkurrenz. <i>Hier geht es im Rahmen des Benchmarkings sicher um Anspruchsanpassung, doch nicht im Sinne einer Satisfizierung durch das Angemessene. Doch auch um Maximierung dreht es sich nicht. Denn wer nicht wei\u00df, wo das Maximum liegt, der kann es nicht erreichen oder geht vielleicht sogar von ihm weg, wenn er es erreicht hat (<a href=\"https:\/\/neschle.de\/index.php\/au-aufschrei\/au-aufschrei-12\/\">Aufschrei 12<\/a>).<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Hier scheint das Minimumprinzip sogar \u00fcberlegen. Denn beim Nullfehlerprinzip lassen sich die Ergebnisse nachhalten. Doch kann man sich da sicher sein, was da ein Fehler ist und dass die Anwendung dieses Prinzips immer zielf\u00fchrend ist. Neschle kennt eine Frau, die ist so makellos, dass er sie als \u201elangweilig\u201c empfindet. Einem seiner Freunde geht es mit einem seiner Autos so. Er kann ihm keinen Charakter abgewinnen. Der Unterschied zu den hier diskutierten Fehlern ist freilich, dass deren Kaschierung nicht gegl\u00fcckt ist.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>D. Falle auf jeden Fall auf und sei es mit einem Fehler, den Du nicht erkennen l\u00e4sst!<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Beibehaltung des zweiten Fehlers war klare Absicht seines Verfassers, der damit auff\u00e4llige Kratzer an seinem wissenschaftlichen Ego vermeiden wollte. Mit Nacktfleisch oder Benimm-Skandalen kommt man in die Regenbogenpresse, mit Denkdesastern in wissenschaftliche Zeitschriften. Wichtig ist nur: Das Ergebnis f\u00e4llt auf inmitten graumausiger Ein\u00f6de wissenschaftst\u00e4glichen Einerleis! Pflaumen kann man eben anpflaumen, ist hier die pr\u00e4zisierte \u00dcbersetzung von \u201eMundus vult decipi!\u201c \u2013<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Der Student von heute sei getr\u00f6stet. Neschle konnte sich von diesen Irrt\u00fcmern l\u00f6sen. Das sei auch den Studierenden von heute geg\u00f6nnt bei den Irrt\u00fcmern, die sich Neschle leistet oder gar sein Alter Ego. M\u00f6ge aus seinen Studierenden dennoch etwas werden! Merke jedoch: Wenn alle dasselbe denken, denkt keiner mehr. Und denke daran: Alle Verallgemeinerungen sind falsch! Auch diese hier!<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p style=\"text-align: center;\">Es irrt der Mensch, solang er strebt,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">doch Neschle hat es schon erlebt,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">dass Menschen sich auch mal verirren,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">ohne sich strebend zu verwirren.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Einfach ist der Clou und \u201ebillig\u201c,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">der Mensch irrt hier ganz schlicht freiwillig.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Und er wei\u00df in diesem Fall,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">wer ihm das glaubt, der hat \u2019nen Knall.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Denn heute er das nur behaupt<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">et, weil fr\u00fcher and\u2019re es geglaubt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Kre-iert als Unwahrheit nicht st\u00f6rte,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">weil selber er den Schuss nicht h\u00f6rte.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Doch heute kann das nur verwirren,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">drum war es damals schon kre-irren.<\/p>\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\">\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Neschles Alter Ego betont in seiner Vorlesung die Sache mit den Lieferantenkrediten offenbar sehr stark. (Alles raus, was man wei\u00df und wenn es nicht viel ist, gibt es eben Wiederholungen!) Die Folge: Ein Student kommentierte sarkastisch im Internet, das sei das Einzige, was er in der Vorlesung gelernt habe. (Es k\u00f6nnte ja auch an ihm liegen!?) Was er vielleicht nicht erkannt hat, dass auf dieser simplen Erkenntnis ganze Gesch\u00e4ftsideen fu\u00dfen. Undank ist halt der Welt Lohn! Und Unkraut j\u00e4ten oder G\u00fclle entsorgen stand noch nie in hohem Ansehen. Fiat iustitia et pereat mundus!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Wort verstellt, Sinn verstellt. Aber h\u00e4ufig denken die Leute nicht richtig hin oder erkennen gutm\u00fctig im Falschen das Gemeinte. Wie bei jenen alten Schlagertitel \u201eAlle W\u00fcnsche kann man nicht erf\u00fcllen\u201c, der richtig \u201eNicht alle W\u00fcnsche kann man erf\u00fcllen\u201c gehei\u00dfen h\u00e4tte. Doch das lie\u00df sich nicht so gut singen.<\/p>\n<p><a title=\"PDF-Datei\" href=\"http:\/\/www.neschle.de\/download-manager.php?id=65\">PDF-Datei<\/a><br \/>\nThis post was downloaded by  1383  people until now.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kuriose Kapitalfehler ums Kapital (I) Die meisten Glaubenslehrer verteidigen ihre S\u00e4tze, nicht weil sie von der Wahrheit derselben \u00fcberzeugt sind, sondern weil sie die Wahrheit derselben einmal behauptet haben.&nbsp;(Georg Christoph Lichtenberg) Wissenschaftler sind Rechthaber und Rechthaben kann man nicht delegieren. Man \u201emuss\u201c es leider zum Gl\u00fcck selbst tun das Rechthaben, so gern man es auch &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-26-33-woche-2007\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eLeon Neschle 26 (33. Woche 2007)\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[4,6],"tags":[39,28,10,18,12],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/191"}],"collection":[{"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=191"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/191\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1039,"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/191\/revisions\/1039"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=191"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=191"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=191"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}