{"id":189,"date":"2007-08-16T11:56:37","date_gmt":"2007-08-16T10:56:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.neschle.de\/index.php\/au-aufschrei\/au-aufschrei-15\/"},"modified":"2020-06-18T19:16:31","modified_gmt":"2020-06-18T18:16:31","slug":"au-aufschrei-15","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/au-aufschrei\/au-aufschrei-15\/","title":{"rendered":"Au &#8230; Aufschrei 15"},"content":{"rendered":"<header>\n<h2 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #4f81bd\">M\u00fcllers Esel? Das bist Du!<\/span><\/strong><\/h2>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Das Ende von der Sperr-M\u00fcllerei:<\/strong><\/p>\n<\/header>\n<p style=\"text-align: left;\">Im Wilden Westen war es lebensgef\u00e4hrlich, jemandem einen Drink abzuschlagen. Es galt als extrem unh\u00f6flich und als Beleidigung, weil der Ausschlagende damit ein pers\u00f6nliches Geschenk verweigerte. Schon lange beleidigen deutsche Gemeinden so ihre B\u00fcrger.<!--more--> Mehrfach im Jahr, indem sie deren Geschenk ablehnen. Sie sind nach allen Seiten Ausschlagende. Jedes Mal wenn Sperrm\u00fclltag ist!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Neschle wohnt in einer beschaulichen Gemeinde nahe der niederl\u00e4ndischen Grenze. Da kann er sie beobachten am Vortag einer gro\u00dfen Sperrm\u00fcllsammelentsorgungsaktion: Karawanen von Transportern mit niederl\u00e4ndischen, polnischen und deutschen Kennzeichen (Reihenfolge nach gef\u00fchlter H\u00e4ufigkeit). Sie ziehen durch seinen Ort und durchk\u00e4mmen die Stra\u00dfen. Forschende Augen und gierige H\u00e4nde tasten sich tief hinein in Einfahrten, H\u00f6fe und G\u00e4rten. Wie lausende Affen lesen und pfl\u00fccken verwegene Verwertungsexperten das Beste aus den Sperrm\u00fcllbarrikaden heraus und laden es auf ihre bis zum Bersten gestopften Gef\u00e4hrte<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a>. Den Rest holen am n\u00e4chsten Tag die Gemeindefahrzeuge. Die zermalmen, zermahlen den M\u00fcll wahllos in riesigen Schneckenm\u00fchlen in einer brutalen, r\u00fccksichtslosen Sperrm\u00fcllerei.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Nun k\u00f6nnte man auf den ersten Blick denken: Wie sch\u00f6n! Da muss die Gemeinde nur noch den nicht verwertbaren Rest entsorgen und wir sparen M\u00fcllgeb\u00fchren. Denn die meisten Sperrm\u00fcllhaufen wurden bereits von den scharfen Blicken niederl\u00e4ndischer, polnischer und deutscher Experten analysiert, verwertungsbewertet und entsprechend entkernt. Alles Wertvolle wurde entfernt und zur Verwertung \u201everbracht\u201c, wie es im schwelldeutschen Beh\u00f6rdenton hei\u00dft!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Manchmal wird da einfach mal eine \u00f6ffentliche Sitzbank mitgenommen, wenn sie nicht fest genug im Erdboden verankert ist. Solche \u201eFehler\u201c passieren! Aber dass Wertstoffe liegengelassen werden? Nee, das wirklich nicht! Das Ansteigen der Stahl- und Schrottpreise konnte man sogar direkt am Such- und Sammelverhalten und dessen steigender Stahlfixierung ablesen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Offenbar lohnen sich f\u00fcr die pl\u00fcndernden Horden der Sperrm\u00fcllfilzer sogar weite Anfahrwege und hoher Zeitaufwand. Trotz Ebay und erh\u00f6hten Wertbewusstseins bei den B\u00fcrgern! Denn beides hat die Werthaltigkeit der Sperrm\u00fcllbarrikaden, der Kleider- und Schuhsammlungen gedr\u00fcckt. Vieles, was fr\u00fcher dorthin gewandert ist, wird heute \u00fcber Ebay entsorgt oder im \u201eMan-wei\u00df-ja-nie\u201c-Keller gehortet. Da erzielt oder erwartet man noch einen eintr\u00e4glichen \u201eSchundpreis\u201c. Was dem einen sin Uhl, ist schlie\u00dflich dem andern sin Nachtigal!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Vorbei sind die schlaraffenl\u00e4ndischen Zeiten aus der Anfangsphase der Sperrm\u00fcllexzesse am Ende der sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts, wo beschr\u00e4nkte B\u00fcrger Antikschr\u00e4nke vor die T\u00fcr stellten und im Modewahn durch furnierte M\u00f6bel aus Teak oder Mahagoni ersetzten. Einer von Neschles Mitstudenten richtete damals eine gro\u00dfe Wohnung komplett mit wertvollen Antiquit\u00e4ten vom Sperrm\u00fcll ein. Ein H\u00e4ndler bot ihm schon zu dieser Zeit mehr als 100.000 DM (!) f\u00fcr seine kostenlos erworbene Einrichtung.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Zeiten haben sich zwar ge\u00e4ndert, aber noch immer l\u00e4sst sich offenbar recht gut mit dem verdienen, was die Leute als \u201eunbrauchbar\u201c vor die T\u00fcre stellen. Nur die Gemeinden k\u00f6nnen es nicht und klagen zugleich \u00fcber Geldnot. Die meisten St\u00e4dte und Gemeinden betrachten den Sperrm\u00fcll n\u00e4mlich nicht als \u201efreiwillige Spende\u201c ihrer B\u00fcrger, sondern als \u201el\u00e4stiges Entsorgungsproblem\u201c. An dieser einseitigen Sicht verdienen Leute, welche die \u201eWerthaltigkeit\u201c mancher abgelegten Sache erkennen<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a>. Das wiederholt sich auch bei der gewerblichen Kleider- und Schuhsammlung.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Es soll allerdings dem H\u00f6rensagen nach in Deutschland auch Gemeinden geben, die erkl\u00e4ren die Stra\u00dfenbarrikaden aus Sperrm\u00fcll zu Gemeindeeigentum und dessen \u201ePl\u00fcnderung\u201c zu Diebstahl. W\u00e4ren die Gemeinden gedanklich schon fr\u00fcher dort gewesen, h\u00e4tten sie dem B\u00fcrger so manche M\u00fcllgeb\u00fchr ersparen k\u00f6nnen, die ihn \u00fcber Geb\u00fchr an seiner sensitivsten Stelle strapaziert, seinem Geldbeutel.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Gemeinden sind zwar wirtschaftlich gesehen Konzerne. Aber ihre Leitung wird politisch bestimmt. Das ist au\u00dfer ihrer sozialen Verpflichtung ein Grund daf\u00fcr, dass sie selten \u00f6konomisch orientiert oder wirklich professionell gef\u00fchrt sind (<a href=\"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/neschle-depeschle-9\/\">Neschle Depeschle 9<\/a>). Dabei k\u00f6nnte eine \u00f6konomische Orientierung bei der Mittelbeschaffung durchaus ihrer sozialen Funktion Nachdruck geben. Das tut sie bei der Sperrm\u00fcllentsorgung in den meisten Gemeinden offenbar nicht! Da wird das Geschenk der B\u00fcrger abgelehnt und Geld hergeschenkt! Denn Sperrm\u00fcllfilzer oder Kleidersammler lehnen diese Spende nicht ab!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Aus seiner Kindheit kennt Neschle noch einen Abz\u00e4hlreim. Der ging so: \u201eIch und Du, M\u00fcllers Kuh, M\u00fcllers Esel das bist Du!\u201c Am Ende dieser Sperr-M\u00fcllerei gibt es nur einen Esel. Das ist der B\u00fcrger.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Dessen M\u00fcllgeb\u00fchren k\u00f6nnten eigentlich von seiner Spendenfreude der Sperrm\u00fcll-B\u00fcrger profitieren. Wenn, ja wenn die Gemeinde nur seine Geschenke annehmen w\u00fcrde. So gesehen ist der sperrm\u00fcllende \u201eUnrat\u201c nur die h\u00e4ssliche Verpackung, in deren Mitte man den wertvollen \u201eRat\u201c finden kann: \u201eLiebe Gemeinde! Nimm das kostenlose \u201eWertstoffgeschenk\u201c der B\u00fcrger!\u201c Auch der B\u00fcrger m\u00fcsste sich freuen, wenn die Gemeinde sein Geschenk zu seinen Gunsten nutzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Gegenw\u00e4rtig aber bewirkt die Gemeinde ein Ergebnis, bei dem Politiker sonst auf die Barrikaden gehen: Privatisierung der Gewinne und Sozialisierung der Verluste.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\n<p style=\"text-align: center;\">Sperrm\u00fclltag ist Feiertag!<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Denn manches, was ein Mensch nicht mag,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">findet nun andre Interessenten.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Ja wenn Gemeinden besser kennten,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">was B\u00fcrger ihnen hier spendieren,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">sie m\u00fcssten es sich reservieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Den M\u00fcll entsorgen sie ohnehin,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">doch steckt noch mancher Wertstoff drin,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Viel \u201eRat\u201c im \u201eUnrat\u201c ist verborgen<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">und statt nur einfach zu entsorgen,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">findet sich hier Gewinnes Quelle,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">drum sind da clevere Leut zur Stelle.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\">\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Bei diesen rostverpickelten Vehikeln dr\u00e4ngt sich nymphomanisch \u2013 also zwangsl\u00e4ufig \u2013 die T\u00dcV-Frage auf: <strong>T<\/strong>uter <strong>\u00dc<\/strong>berhaupt <strong>V<\/strong>aren? (Holl\u00e4nder \u201evaren\u201c nur auf Wasser! Sonst gehen sie mit dem Auto wie die Engl\u00e4nder. Das stammt wahrscheinlich noch aus der Zeit, als die Autos noch Schritttempo fuhren.)<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Das Finanzamt verdient dagegen sogar Geld mit dem, was die Leute \u201eabf\u00fchren\u201c!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a title=\"PDF-Datei\" href=\"http:\/\/www.neschle.de\/download-manager.php?id=64\">PDF-Datei<\/a><br \/>\nThis post was downloaded by  1201  people until now.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>M\u00fcllers Esel? Das bist Du! Das Ende von der Sperr-M\u00fcllerei: Im Wilden Westen war es lebensgef\u00e4hrlich, jemandem einen Drink abzuschlagen. Es galt als extrem unh\u00f6flich und als Beleidigung, weil der Ausschlagende damit ein pers\u00f6nliches Geschenk verweigerte. 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