{"id":181,"date":"2007-08-03T15:22:35","date_gmt":"2007-08-03T14:22:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-24-31-woche-2007\/"},"modified":"2020-06-21T11:22:58","modified_gmt":"2020-06-21T10:22:58","slug":"leon-neschle-24-31-woche-2007","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-24-31-woche-2007\/","title":{"rendered":"Leon Neschle 24 (31. Woche 2007)"},"content":{"rendered":"<header>\n<h2 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #4f81bd\">Die Eruption der B\u00fcrokrater!<\/span><\/strong><\/h2>\n<\/header>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>Man waltet nicht und plant nicht! Man ver-waltet und ver-plant und man wird es!&nbsp;<\/em>(\u201eAus dem Leben eines B\u00fcrokratlings\u201c, von Neschle selbst)<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Neschles Vater (89) kam neulich zu ihm und fragte, ob Neschle ihm seinen Rentenbescheid erkl\u00e4ren k\u00f6nne. Neschle f\u00fchlte sich an Helmut Schmidt erinnert, der vor etlichen Jahren bestritt, seine Stromrechnung verstehen zu k\u00f6nnen.<!--more--> Denn trotz intensiver Betrachtung des Rentenbescheides wollte Neschle kein Licht aufgehen. Der Bescheid war in der Fremdsprache \u201eSchwelldeutsch mit B\u00fcrokratenkryptographie\u201c abgefasst und das Zustandekommen der Zahlen war f\u00fcr Neschle nicht nachvollziehbar. Nachvollziehbar war aber, dass sein Vater den Bescheid weder verstehen noch auf Richtigkeit pr\u00fcfen konnte. Das \u00e4nderte freilich nichts daran, dass nun wiederum sein Vater an Neschles Intelligenz zweifelte. Da n\u00fctzte Neschle auch nicht seine arrogante Bemerkung, man k\u00f6nne f\u00fcr Eruptionen moderner B\u00fcrokrater auch <i><u>zu<\/u><\/i> intelligent sein. Es l\u00e4sst sich eben nicht jede Dummheit begreifen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Neschle zeigte den Rentenbescheid seines Vaters daraufhin mehreren Leuten, die ihm f\u00fcr ihr gut m\u00f6bliertes Oberst\u00fcbchen und ein wenig Vertrautheit mit den Hirnen von B\u00fcrokratern bekannt waren und noch sind. <i>Doch keinem<\/i> gelang es, den Bescheid restlos zu entziffern! Wie aber soll man pr\u00fcfen, was man nicht versteht? Antwort: Man soll es ja gar nicht! Man soll es hinnehmen, zum \u00c4rmelschoner noch mal!<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>A. B\u00fcrokrater, wenn es unklar und wenn es klar ist.<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">F\u00fcr den, der pr\u00fcfen will, gilt: Er muss hinrennen zu den Beh\u00f6rden, Zeit und Arbeit aufwenden, um das zu erledigen, was eigentlich Aufgabe der abgabenfinanzierten Dienstleister w\u00e4re: die Dienstleistung \u201everst\u00e4ndlich\u201c machen! Oder er muss einfach glauben! Dieses treue und einfache \u201eGlauben\u201c der B\u00fcrger scheint f\u00fcr B\u00fcrokratlinge selbstverst\u00e4ndlich. Ihre Interpretation von \u201eTreu und Glauben\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Bei technischen Gegenst\u00e4nden fragt man ja auch nicht, warum und wie sie funktionieren. Sie m\u00fcssen es nur tun: funktionieren! Also warum \u2013 um Gottes willen \u2013 will jemand die Leistung staatlicher Dienstleister verstehen? Sie m\u00fcssen funktionieren! Wie der B\u00fcrger! Der muss nicht pr\u00fcfen k\u00f6nnen! Dann n\u00f6rgelt er rum, findet Fehler und hat statt Achtung vor der Obrigkeit nur noch Vierung vor ihr, also gerade noch die H\u00e4lfte Achtung.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Doch es gibt bedeutende Unterschiede zu technischen Gegenst\u00e4nden! Die Garantiezeit zum Beispiel. Bei technischen Gegenst\u00e4nden kann man sich noch sehr lange beschweren, wenn sie nicht funktionieren, die Einspruchsfrist dagegen \u2026!? Bei Technik gibt es Produkthaftung, bei B\u00fcrokratern allenfalls Sesselhaftung!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Unverst\u00e4ndliche B\u00fcrokraterei n\u00f6tigt sich auch deshalb immer h\u00e4ufiger auf. Als fl\u00e4chendeckende Idiotie. Dienstleistungsmonopolisten vom Stromanbieter bis zur Rentenversicherung leisten sie sich ungestraft. Vom Finanzamt ganz zu schweigen. Steuerbescheide k\u00f6nnen nur noch Spezialisten pr\u00fcfen, obwohl die Finanz\u00e4mter sie nicht vern\u00fcnftig ausstellen k\u00f6nnen. Bei einer Fehlerquote von 25% (!!!) ist der Normalb\u00fcrger ohne echte Pr\u00fcfm\u00f6glichkeit!!!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Vielleicht ist das auch der Grund daf\u00fcr, diese Bescheide nicht nachpr\u00fcfbar abzufassen. Wer nicht pr\u00fcfen kann, kann keine Fehler finden. So erscheint diese Fehlerquote nur bei einer Untersuchung durch Spezialisten, aber die Masse der Steuerb\u00fcrger nimmt auch falsche Bescheide hin. Weil sie gar nicht anders kann! Denn sie versteht die nicht! Zum Gl\u00fcck f\u00fcr den B\u00fcrokratling! Gefickt eingesch\u00e4delt! Das senkt auch die B\u00fcrokratiekosten. Wie viel Einspr\u00fcche g\u00e4be es sonst wohl, mit wie viel B\u00fcrokratie?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Man stelle sich diese Fehlerquote bei privaten Dienstleistungen vor oder in der industriellen Produktion! Den Unternehmungen w\u00fcrde von den Kunden l\u00e4ngst die Gefolgschaft verweigert. Doch bei der Finanzverwaltung kann man nicht k\u00fcndigen, so gern man das auch t\u00e4te. Man ist der Steuer ja nicht beigetreten, sie kam \u00fcber einen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wo wir schon bei der Steuer sind: Manchmal gibt es sogar B\u00fcrokratieprobleme mit dem Finanzamt, wenn alles klar scheint. Da bekommt Neschle einen Bescheid \u00fcber eine Steuernachzahlung und als ob das nicht schon Belastung genug ist, wird ihm ein tolles B\u00fcrokratiest\u00fcck beschert. Anfangs war das freilich nicht einmal zu erkennen: \u201eBitte <i><u>\u00fcberweisen<\/u><\/i> Sie \u2026 !\u201c stand da schlicht auf dem Nachforderungsbescheid. Das scheint deutlich, wenn dann auch noch Betrag und Frist angegeben sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Nun ist f\u00fcr Neschle die deutsche Sprache m\u00e4chtig und er ihr nur bedingt. Aber was \u201e\u00fcberweisen\u201c hei\u00dft, glaubte er zu wissen. Also verlangt, getan! Das Geld war sogar einen Tag <i>vor<\/i> dem kritischen Termin beim Finanzamt. Also besser als gefordert? \u2013 Offenbar nicht! Denn das Finanzamt buchte denselben Betrag zwei Tage sp\u00e4ter noch einmal ab, also einen Tag nach dem kritischen Termin.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Nun k\u00f6nnte man denken, das Finanzamt h\u00e4tte den Fehler bemerkt und z\u00fcgig zur\u00fcck\u00fcberwiesen. Falsch! Das Finanzamt hat nat\u00fcrlich keinen Fehler gemacht, sondern Neschle. Der hatte dem Finanzamt vor Jahren die Abbuchung seiner gew\u00f6hnlichen Steuerschulden erlaubt. Ohne diese Erlaubnis w\u00e4re es nie so gekommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Trotzdem wirft sich Neschle mutig in den B\u00fcrokrater. Er fragt nach beim Finanzamt: Warum das Formular mit dem klaren Hinweis \u201e\u00fcberweisen Sie!\u201c, wenn das Finanzamt abbuchen will? \u2013 Antwort des FA: Weil das ein <i>Standardformular<\/i> ist, das man nicht so ernst nehmen soll! (Da machen die ihr Formular-Sp\u00e4\u00dfchen mit einem! Feixen herum!) \u2013 Aber warum verfeinert man den Standard nicht und l\u00e4sst bei Abbuchungserlaubnis den Hinweis \u201e\u00fcberweisen Sie!\u201c weg? \u2013 Antwort FA: Man muss doch wissen, ob man die Abbuchung erlaubt hat! (Gedacht: Ich kann nicht das Formular \u00e4ndern oder mich um eine \u00c4nderung k\u00fcmmern!) \u2013 Aber nur f\u00fcr normale Steuerschulden! Woher soll ich wissen, dass das Finanzamt das bei Nachzahlungen nicht anders macht? Und warum wurde zwei Tage nach Eingang des Geldes noch abgebucht? \u2013 Antwort FA: Das liegt am System! Das gibt die Information \u00fcber die \u00dcberweisung erst 5 (in Worten \u201ef\u00fcnf\u201c!?) Tage sp\u00e4ter an uns (die Abbuchungsstelle im Finanzamt) weiter. Da war die Abbuchung schon automatisch ausgef\u00fchrt. W\u00e4re das Geld schon f\u00fcnf Tage vor Ende der Frist eingegangen, w\u00e4re das nicht passiert. \u2013 Aber warum dann diese Frist? Und Zinsen, \u00dcberweisungskosten? \u2013 Antwort FA: Keine Erstattung! Denn es liegt kein Fehler des Finanzamts vor! Beim n\u00e4chsten Mal eben nicht \u00fcberweisen, auch wenn das Formular dazu auffordert!???! \u2013 Was geschieht, wenn Neschle k\u00fcnftig einen \u00dcberweisungshinweis missachtet, der ernst gemeint ist? \u2013 Antwort FA: Dann muss er Verzugszinsen zahlen! \u2013 Ja, herzlichen Dank!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Vor Zorn wollte Neschle dem Finanzamt die Abbuchungserlaubnis entziehen. Aber die ist in der Hand Kundiger sogar ein Beitrag zum Abbau von B\u00fcrokratie. Da soll man die Hoffnung nicht aufgeben, dass auch mal das Finanzamt kundig wird. Zudem kann man der Unf\u00e4higkeit etwas Positives abgewinnen: Gegen unentwegten, ungehemmten und ubiquit\u00e4ren B\u00fcrokratismus sch\u00fctzen am Ende nur noch Unf\u00e4higkeit und Ineffizienz der B\u00fcrokratlinge und der B\u00fcrokratie selbst.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Und Neschle muss gestehen, auch er versteht noch immer nicht: F\u00fcr ihn hei\u00dft \u201e\u00fcberweisen\u201c schlicht \u201e\u00fcberweisen\u201c! Kann man da nicht f\u00fcr ihn und \u00e4hnlich d\u00e4mliche Finanzknechte die Formulare verfeinern und das draufschreiben, was man haben oder machen will, \u00fcberweisen oder abbuchen? Offenbar nicht, weil sich keiner um die Servicequalit\u00e4t k\u00fcmmert. Der B\u00fcrger dient dem Staat, doch umgekehrt?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Seit Jahren wird nun angeblich der Kampf gegen diese B\u00fcrokratie gef\u00fchrt. Moralisch! Seit Jahren beh\u00e4lt die B\u00fcrokratie faktisch die Oberhand. Denn bislang gibt es weder eine Kontrolle, um festzustellen, ob und wann die B\u00fcrokraterei nachl\u00e4sst, noch irgendeine brauchbare Idee, wie man ihr Nachwachsen schon im Keim ersticken kann. Es fehlt ein B\u00fcrokratie-Controlling verbunden mit einer politischen Bewegung, das Ende der B\u00fcrokraterei einzul\u00e4uten.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>B. Erster grober Vorschlag: Der \u201eNettoregulierungs-Index\u201c.<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">J\u00e4hrlich \u00fcberfallen vor allem EG und Bundesregierung die B\u00fcrger mit neuen Gesetzen und Verordnungen. Bei genauem Hinsehen sind es allerdings meist \u00c4nderungen bereits existierender Regelungen oder \u00c4nderungen von \u00c4nderungen von \u00c4nderungen, die in immer gr\u00f6\u00dferer Zahl bei B\u00fcrger und B\u00fcrokraten einschlagen und immer gr\u00f6\u00dfere B\u00fcrokrater hinterlassen. Patchwork Law Construction nach der Devise: Wir \u00e4ndern selbst die \u00c4nderungen! Viele davon sind Zeugnisse einer immer schlampigeren Regulierungsarbeit, die zwangsl\u00e4ufige Folge vorhergehender Schlampigkeiten ist. Denn eine steigende Undurchsichtigkeit der Gesamtgesetzgebung macht weitere Gesetzespannen wahrscheinlicher und manchmal sogar unvermeidlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wenn und weil es in diesem Lande kaum mehr m\u00f6glich ist, eine Unternehmung zu gr\u00fcnden, ohne gegen geltendes Recht zu versto\u00dfen, dann ist von gesetzgeberischer Seite bald das erreicht, was eingefleischte Sozialisten schon immer wussten: Jeder Unternehmer ist ein Verbrecher! Und wenn er es nicht ist, wird er dazu gemacht. Man braucht eben nur die (un)passenden Gesetze.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Es geht weniger schlimm und dennoch mit gravierenden Folgen wie bei folgendem Beispiel: Ein Unternehmer wurde aus \u00e4sthetischen Gr\u00fcnden von seiner Gemeinde verpflichtet, seine angeblich \u201eh\u00e4ssliche\u201c, doch mit Baugenehmigung und ohne weitere Auflage erstellte Lagerhalle nachtr\u00e4glich mit einer dichten Baumreihe zu verkleiden, sie faktisch dahinter zu verstecken. Er tat es widerwillig, doch gro\u00dfe B\u00e4ume sind sehr, sehr teuer! Nach der Baumdekoration meldete sich ein Landwirt, dessen angrenzender Acker nun von den von der Gemeinde erzwungenen B\u00e4umen beschattet wurde und klagte auf Entsch\u00e4digung gegen den Unternehmer. Als dieser zahlen musste und die Gemeinde sich den Schuh nicht anzog, verlie\u00df er dieses Land mitsamt seiner Unternehmung.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Jahrelang verlangten Hygienevorschriften in Restaurantk\u00fcchen auch glatte Fliesen, Sicherheitsvorschriften dagegen angeraute. Was die eine Beh\u00f6rde verbot, verlangte die andere. Um so etwas k\u00fcnftig zu vermeiden, hat Neschle zwei Vorschl\u00e4ge:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">1. Widersprechen sich Regulierungen im Ergebnis, ist <i>keine<\/i> davon anzuwenden, bis eine eindeutige L\u00f6sung gefunden ist. Eine widerspruchsfreie L\u00f6sung muss der Gesetzgeber innerhalb eines halben Jahres nach Entdeckung der Widerspr\u00fcche anbieten. Ansonsten erkl\u00e4rt sich der Staat bereit, s\u00e4mtliche Folgekosten zu \u00fcbernehmen. (Un)Verantwortliche Politiker und (un)beteiligte, unt\u00e4tige Beamte haften im Rahmen gegebener Verantwortlichkeiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">2. Zur Mengenbegrenzung der Regulierungen verpflichten sich Bundesregierung und Landesregierungen, neue Regulierungen erst dann zu erlassen, wenn zuvor 2% <i>mehr<\/i> (!) alte Gesetze und Verordnungen beseitigt wurden. Zur Kontrolle k\u00f6nnte man einen \u201eNettoregulierungs-Index\u201c einf\u00fchren. Der w\u00fcrde derzeit \u201eInflation\u201c messen. Doch \u201eDeflation\u201c w\u00e4re das Ziel und der Weg! Und man w\u00fcrde sie messen!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Man wird in beiden F\u00e4llen eine Menge Einwendungen finden, z.B. weil letztlich nur der <i>Inhalt <\/i>der Regulierungen \u00fcber ein mehr oder weniger an B\u00fcrokratie entscheidet. Aber eines unterscheidet diese Ans\u00e4tze von dem, was man derzeit mit Blick auf den B\u00fcrokratieabbau sieht: Es w\u00fcrde nicht nur geschw\u00e4tzt, sondern gehandelt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Neschle k\u00f6nnte n\u00e4mlich mehrere Beispiele bringen, bei denen heute von B\u00fcrokratieabbau geredet und zugleich B\u00fcrokratie aufgebaut wird. Hinzu kommen neue B\u00fcrokrater, in denen Geld und Arbeitszeit verschwinden, vom Geldw\u00e4sche- bis zum Anti-Diskriminierungsgesetz, von dem gerade diejenigen b\u00fcrokratisch diskriminiert werden, die dieses Gesetz zur Anwendung bringen sollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Um die Sache mit der B\u00fcrokratie aber wirklich in den Griff zu bekommen, m\u00fcsste man tiefer ansetzen. Bei der Entstehung der Gesetze und Verordnungen und der Ber\u00fccksichtigung ihrer b\u00fcrokratischen Folgen im Gesetzgebungsprozess.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>C. Das \u00dcbel an der Wurzel: der Gesetzgebungsprozess!<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Als erstmals ein <i>Jahressteuergesetz<\/i> alle Steuerrechts\u00e4nderungen eines Jahres unthematisch zusammenfasste, war es um Vernunft im Steuerwesen und der Steuerwesen deutscher Genese geschehen. Von nun an lie\u00df sich der Flei\u00df des Gesetzgebers dadurch messen, wie viele Textseiten zwischen zwei Buchdeckeln lagen. Diesen Flei\u00df mussten die Ministerialbeamten durch immer fettere Jahressteuergesetze unter Beweis stellen. Denn Beamte stehen in Deutschland immer unter Druck, Flei\u00df zu zeigen, um das Klischee vom faulen Staatsdiener zu widerlegen. Gerade darin liegt jedoch das Problem!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Flei\u00df ist eine Eigenschaft, deren Gef\u00e4hrlichkeit meist untersch\u00e4tzt wird. Gepaart mit Intelligenz ist Flei\u00df ein Segen, mit Dummheit ein Fluch. Wer dumm ist, sollte faul sein d\u00fcrfen, ja man m\u00fcsste ihn sogar dazu zwingen. Dann macht er nichts kaputt. Das Schlimmste ist, wenn er etwas besonders flei\u00dfig und genau macht, was man gar nicht h\u00e4tte machen sollen.<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Intelligente Gesetzgebung fordert n\u00e4mlich, im Zweifel auf Neuregelungen zu verzichten und nicht Mengengesetze im Hoppla-Stil mit steigenden B\u00fcrokratiekosten f\u00fcr die B\u00fcrger.<\/i> Bei B\u00fcrokratiekosten ist es wie bei der Kost: Wir m\u00fcssen ohnehin zu viel davon verdauen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Doch wie soll jemand kalorienarm kochen, wenn er gar nichts von den Kalorien wei\u00df und auch nichts dar\u00fcber erf\u00e4hrt, bevor er seine Zutaten den Leuten ins Gericht mischt? <i><u>Abgeordnete entscheiden heute noch immer \u00fcber Gesetze ohne Information dar\u00fcber, wie hoch die staatlich erzwungenen B\u00fcrokratiekosten beim B\u00fcrger sind.<\/u><\/i> <i>Bei solchen gesetzlich bedingten Belastungen ist es f\u00fcr den B\u00fcrger aber egal, ob Geld an den Staat wandert, an seine B\u00fcrokraft oder an den Steuerberater. Er hat das Geld nicht mehr, weil sein Staat b\u00fcrokratische Aktivit\u00e4ten von ihm verlangt. Staatlich erzwungene B\u00fcrokratie hat daher den Charakter einer Zusatzsteuer.<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Gesamtbelastung f\u00fcr den B\u00fcrger ergibt sich daher erst durch die Zusammenfassung aller staatlichen Anspr\u00fcche, also solche auf Steuern, auf b\u00fcrokratische Hilfsarbeiten und weitere Hand- und Spanndienste wie die Wehrpflicht (<a href=\"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-15-22-woche-2007\/\">Neschle 15<\/a>). <i>Und da B\u00fcrokratiekosten alle B\u00fcrger fast gleich treffen, wirken sie wie Kopfsteuern.<\/i> Ob jemand etwa bei seiner Steuererkl\u00e4rung Ums\u00e4tze oder Aufwendungen von 5.000 oder 50.000.000 Euro nachweist, macht f\u00fcr seine B\u00fcrokratiekosten im Erhebungs- oder Pr\u00fcfungsverfahren keinen Unterschied.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Von solchen Hilfsarbeiten sind folglich kleine Unternehmen st\u00e4rker betroffen als gro\u00dfe. Man k\u00f6nnte die B\u00fcrokratiebelastung daher sogar als versteckte <i>\u201eArmensteuer\u201c<\/i> bezeichnen. Sicher aber ist es eine Wachstumsbremse f\u00fcr den Mittelstand verbunden mit dem <i>Anreiz<\/i> f\u00fcr Wachstum, weil die B\u00fcrokratiekosten dann weniger dr\u00fccken.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Trotz dieser Wirkungen gibt es wohl keine Frage, mit der die Politik einfallsfreier umgeht als mit der Frage der Senkung der B\u00fcrokratiekosten.<\/i> Wer nicht nachdenkt, dem kann aber nichts einfallen. Neschle hat mal vorgedacht und kam zu diesem Ergebnis: Man sollte mit der Entb\u00fcrokratisierung nicht erst anfangen, wenn ein Gesetz existiert<b><i>. Will man B\u00fcrokratie ursachengerecht bek\u00e4mpfen, muss man da ansetzen, wo sie entsteht: direkt im Gesetzgebungsverfahren,<\/i><\/b> das \u00dcbel an der Wurzel fassen, beim \u201eDesign der Regulierungen\u201c beginnen. Sp\u00e4ter kann man n\u00e4mlich nur noch folgen und Symptome bek\u00e4mpfen, doch nicht mehr die Ursache:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">In der Betriebswirtschaftslehre gibt es seit langem die 80\/20-Regel. Danach werden 80 Prozent aller Produktkosten bereits mit dem \u201eDesign\u201c eines Produktes festgelegt. Nur 20 Prozent lassen sich sp\u00e4ter bei Produktion oder Vertrieb noch beeinflussen. Also geht es darum, beim Entwurf anzusetzen, nicht erst bei der Realisation:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wer ein Haus baut, entscheidet schon beim Entwurf \u00fcber 80 Prozent der Kosten:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wird es freistehend oder ein Reihenhaus,<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">verwendet man Spezialanfertigungen oder baumarktg\u00e4ngige Fenster,<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">nimmt einzeln verlegte Natursteine oder blockweise verlegten Beton etc.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Hat man sich f\u00fcr nostalgische Bullaugenfenster entschieden, weil die Vorfahren zur See fuhren, kann man zwar durch Wahl des Herstellers noch 20 Prozent sparen, aber die Kostendimension ist eine ganz andere als bei baumarktg\u00e4ngigen Normfenstern, wo sp\u00e4ter auch nur noch der 20-prozentige Spielraum besteht.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u00dcbertragen wir das mal auf die Politik im allseits als \u00fcberb\u00fcrokratisiert verunglimpften Deutschland: Will man der B\u00fcrokraterei erst zu Leibe r\u00fccken, nachdem Gesetze und Verordnungen, die Ursache f\u00fcr Papierkrieg und Beh\u00f6rdenrennen, schon existieren, dann sind bei den B\u00fcrokratiekosten nur noch maximal 20 Prozent Ersparnis drin.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>80 Prozent aller mit der Gesetzesdurchf\u00fchrung verbundenen Kosten werden n\u00e4mlich schon mit dem Gesetz selbst festgelegt. <\/i>Die Folge kann nur sein: <b><i>Bei jedem Gesetzentwurf (auch in den Aussch\u00fcssen) sollten vor der Gesetzes-Entscheidung folgende Kostensch\u00e4tzungen allen Abgeordneten bekannt sein und im sogenannten Rubrum der Gesetzesvorlage erw\u00e4hnt werden:<\/i><\/b><\/p>\n<ol style=\"text-align: left;\">\n<li>unmittelbare budget\u00e4re Kosten (Wie bisher!);<\/li>\n<li>administrative Kosten des Staates (Manchmal heute schon zus\u00e4tzlich!);<\/li>\n<li><i>B\u00fcrokratiekosten der Betroffenen (Zus\u00e4tzlich!!!! Bislang nie ber\u00fccksichtigt!!!);<\/i><\/li>\n<li><i>Folgekosten der Regulierung durch Regulierungsvermeidung, Innovationsverz\u00f6gerung etc. (Zus\u00e4tzlich! Fast nie ber\u00fccksichtigt!).<\/i><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Den Abgeordneten mit ihrer mangelhaften Informationsgrundlage kann man gar keinen Vorwurf machen, dass sie die B\u00fcrokratiebelastung des B\u00fcrgers erh\u00f6hen. Man kann ihnen jedoch sehr wohl vorwerfen, sich bislang nicht um diese Informationen gek\u00fcmmert zu haben.<\/i> Und nur darin liegt der Ansatz, B\u00fcrokratiekosten einzusch\u00e4tzen und zu vermindern. <i>Denn nicht wei\u00df, wo er hingeht, kommt m\u00f6glicherweise woanders an.<\/i> \u2013 Na ja, ein kleiner Scherz! \u2013 Wie soll jemand B\u00fcrokratiekosten senken, wenn er nichts \u00fcber den Einfluss seiner Entscheidungen auf diese Kosten wei\u00df.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die B\u00fcrokratie, die entsteht, weil f\u00fcr dieses Verfahren Sch\u00e4tzungen notwendig sind, steht in keinem Verh\u00e4ltnis zu dem, was dadurch vermieden werden kann. Vor allem wird der B\u00fcrger von dieser neuen B\u00fcrokratie nicht belastet. Im Gegenteil! Doch schon im Gesetzgebungsverfahren in Berlin l\u00e4sst sich nur noch wenig machen, wenn b\u00fcrokratische Vorgaben angebr\u00fcsselt kommen. Daher muss man bereits im autistischen Br\u00fcssel ansetzen. <i>Da ist aber heute schon das morgen, wovor wir gestern noch gewarnt haben!<\/i> B\u00fcrokratisch gesehen!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Rechtstraditionen in verschiedenen L\u00e4ndern und Landesteilen f\u00fchren zudem auch bei gleichen Gesetzen aus Br\u00fcssel zur unterschiedlichen Umsetzung in Europa. Was der Mensch in S\u00fcditalien oder S\u00fcdfrankreich nicht annimmt, l\u00e4sst sich auf Dauer dort nicht durchsetzen. Der preu\u00dfische Beamte in Deutschland nimmt B\u00fcrokratie dagegen gern, Vernunft jedoch nur selten an. Man hat ihm n\u00e4mlich erkl\u00e4rt, als Beamter d\u00fcrfe er nichts annehmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Nur bei der B\u00fcrokratie vergisst er das allzu gern und nimmt sie mit Freude, besonders dort, wo die preu\u00dfische Tradition den Boden daf\u00fcr bereitete. Vielleicht ist ja deshalb Steuerstudieren und Steuerprozessieren der Deutschen gro\u00dfe Leidenschaft. Mehr als f\u00fcnfzig Prozent der Steuerliteratur weltweit sollen aus Deutschland stammen. Damit bewegt sich Neschle schon an der Untergrenze der Sch\u00e4tzungen! Kann es wirklich noch perverser sein?<i>! Ja, es kann deutsch sein!<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p style=\"text-align: center;\">Seit langem folgt Gesetz Gesetz<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Begleitet von massig Geschw\u00e4tz<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">B\u00fcrokratie so abzubauen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Doch sollte man nur jenen trauen,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">die Gesetze reduzieren<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">und nicht blo\u00df neue produzieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Gesetzgeber sollten stets fragen:<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Welche Gesamtlast ist zu tragen?<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Die Last besteht nicht nur aus Zahlen,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">sondern zudem noch aus den Qualen<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">durch nervende B\u00fcrokratie<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">doch das berechnet der Staat nie.<\/p>\n<p><a title=\"PDF-Datei\" href=\"http:\/\/www.neschle.de\/download-manager.php?id=60\">PDF-Datei<\/a><br \/>\nThis post was downloaded by  1323  people until now.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Eruption der B\u00fcrokrater! Man waltet nicht und plant nicht! Man ver-waltet und ver-plant und man wird es!&nbsp;(\u201eAus dem Leben eines B\u00fcrokratlings\u201c, von Neschle selbst) Neschles Vater (89) kam neulich zu ihm und fragte, ob Neschle ihm seinen Rentenbescheid erkl\u00e4ren k\u00f6nne. Neschle f\u00fchlte sich an Helmut Schmidt erinnert, der vor etlichen Jahren bestritt, seine Stromrechnung &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-24-31-woche-2007\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eLeon Neschle 24 (31. 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