{"id":16,"date":"2007-03-14T14:09:26","date_gmt":"2007-03-14T12:09:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.neschle.de\/wordpress\/?p=16"},"modified":"2020-06-21T16:13:36","modified_gmt":"2020-06-21T15:13:36","slug":"leon-neschle-6-13-woche-2007","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-6-13-woche-2007\/","title":{"rendered":"Leon Neschle 6 (13. Woche 2007)"},"content":{"rendered":"<header>\n<h2 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #4f81bd\">Rechtschreiben ist gut, Rechtlesen ist besser!<\/span><\/strong><\/h2>\n<\/header>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>Der eine hat die falsche Rechtschreibung und der andere die rechte Falschschreibung.&nbsp;<\/em>(Georg Christoph Lichtenberg)<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Niemand hat den Begriff \u201eExperte\u201c st\u00e4rker besudelt als die Philologen, die uns die \u201eRechtschreibreform\u201c zugemutet haben. Im Ruhrgebiet wusste man es immer.<!--more--> Da ruft man: \u201eDu bist mir vielleicht ein Experte!\u201c, und meint: \u201eDu hast aber auch gar keine Ahnung, keinen blassen Schimmer!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Dabei hat Philologie rein sprachlich etwas mit \u201eLiebe zum Wort\u201c zu tun, die wiederum mit \u201eLiebhaberei\u201c (dem steuerlichen Wort f\u00fcr \u201eHobby\u201c), die von einem \u201eAmateur\u201c (von amare = lieben), also einem \u201eLiebhaber\u201c, betrieben wird. Doch was ist das f\u00fcr ein Liebhaber, der seine W\u00f6rter und damit die ganze Sprache \u201ekaputtliebt\u201c?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Vor diesen \u201eamateurhaften Experten\u201c, die nun auch keine Contradictio in adjecto mehr sind, versucht Neschle schon seit langem die deutsche Sprache in Schutz zu nehmen. Denn Neschle liebt sie wirklich! Daher hat er an diesem Essay schon einige Zeit geschrieben und es immer wieder verschlimmb\u00f6sert, wenn \u00c4nderungen der \u00c4nderungen der Reform neu eingepatschworkt wurden. Derzeit wei\u00df Neschle selbst nicht mehr genau, was nach Meinung dieser Experten richtig sein soll. Es interessiert ihn auch nicht mehr! Deutlicher: Es geht ihm am A\u2026 vorbei! Er h\u00e4lt es da mit Lichtenberg: <i>\u201eIch mag immer den Mann lieber, der so schreibt, wie es Mode werden kann, als den, der so schreibt, wie es Mode ist<\/i>.<i>\u201c<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Neschle hasst seitdem den Begriff \u201eExperte\u201c. Neulich hat ihn ein Kollege ganz unbefangen so genannt. Da gab Neschle zur\u00fcck: \u201eLieber Kollege, nennen sie mich nie wieder einen \u201eExperten\u201c! Das fasse ich als Beleidigung auf!\u201c Daher sind die folgenden Zeilen auch aus der Sicht eines echten Liebhabers der Spruchkultur geschrieben. Diese Kultur sollte sich lebendig entwickeln (d\u00fcrfen), statt der \u201eVergewaltigung\u201c durch Sprachdiktatoren und \u2013dompteure anheim zu fallen. &#8211; Und so, liebe Gemeinde, fange ich dann an:<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>A. Schreibe, lese: allgemein verst\u00e4ndlich oder allgemeinverst\u00e4ndlich?<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Es gibt Restaurants, die werben mit der Aussage: \u201e<i>Hier kocht der Chef!\u201c<\/i> Entscheidender aber w\u00e4re zu behaupten: <i>\u201eHier isst der Chef!\u201c<\/i> Fr\u00fcher bedeutete das n\u00e4mlich automatisch: \u201eTraue nie einem d\u00fcnnen Koch!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die deutschen Rechtschreibreformer sollte man fragen, ob sie eigentlich den von ihnen an- und zugerichteten Schreibsalat auch selber lesen wollen. Es scheint zumindest nicht so! Sonst w\u00e4re ihr Schreibsalat wenigstens gut angerichtet, jedenfalls in ihren Augen. Doch ist dieser Schreibsalat f\u00fcr andere \u00fcberhaupt genie\u00dfbar?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wir werden in diesem Essay einiges davon verkosten k\u00f6nnen und feststellen: Man hat sich bem\u00fcht, einiges an der Zubereitung zu \u00e4ndern, ganz selten sogar zu erleichtern. Doch man hat vergessen, Kostproben zu nehmen. So ist vieles ungenie\u00dfbar geworden, was man uns mit der Rechtschreibreform vorgesetzt hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">In diesem Essay geht es also um Recht-Schreibung und mehr. Um alles, was darin und daran Recht (oder recht?) ist oder nicht: Bei dem Hin und Her und dem, was heute alles gleich g\u00fcltig sein soll, wird Rechtschreibung vielen allerdings immer gleichg\u00fcltiger. Und der Duden-Verlag hat l\u00e4ngst andere Interessen als die Vereinheitlichung der deutschen Rechtschreibung. Daher fragen immer weniger: Was wei\u00df Du-denn? Das hat der Konrad \u201eWas-wei\u00df-Duden\u201c nicht verdient, dass sein Werk immer mehr seinem Geburtshaus \u00e4hnelt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Letzteres, das \u201eHaus Duden\u201c in Wesel, ist heute ein Hotel. Neschle will gar nicht das Hotel tadeln. Bei dem ist es normal, dass \u00f6fter die G\u00e4ste wechseln und sich h\u00e4ufig mehrere in einem Zimmer befinden. Aber bei den Stichw\u00f6rtern im Duden? Da, ja da, da wirkt das ein wenig gest\u00f6rt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Mit der ersten Rechtschreibreform wurde versucht, aber wirklich <i>nur versucht,<\/i> etwas <i>genau<\/i> zu tun, was man besser gar nicht getan h\u00e4tte. Jedenfalls nicht aus \u00f6konomischer Sicht. <i>Es zeigt sich, dass \u00f6konomisches Denken f\u00fcr eine Rechtschreibreform heilsam sein kann. Der \u00d6konom lehnt sie n\u00e4mlich ab! Genauer: Er funktioniert sie zur Rechtlesereform um.<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Schon Goethe, der ein guter \u00d6konom war<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a>, kam es auf den Leser an. Ihm war die Rechtschreibung ziemlich wurscht. Weil er selten selber schrieb, sondern diktierte. Da hatte der Schreiber das Problem und Goethe sich davon entledigt. Doch wer hat heute noch Schreiber?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wenn einer schreibt, lesen das gew\u00f6hnlich wesentlich mehr Leute. Wer schreibt, bietet eine Botschaft an. Von ihm sollte man verlangen, dass er sich anstrengt. Seine Botschaft sollte er so gestalten, dass sie von den Lesern ohne M\u00fche aufgenommen werden kann. Das liegt in Interesse von Empf\u00e4nger und Sender.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Rechtschreibreform hat sich zum Ziel gesetzt, den Sendern ihre Arbeit zu erleichtern, nicht den Empf\u00e4ngern. Eine Rechtlesereform war es nicht. Weder dem Ziel nach, noch der Wirkung. Im Gegenteil! Den Lesern wurde die Arbeit erschwert, guten Schreibern ein Gutteil ihrer Ausdrucksm\u00f6glichkeiten genommen. Aus Gr\u00fcnden sozialer Versimpelung f\u00fcr den schlechten Schreiberling! Der konnte schon fr\u00fcher <i>gut schreiben<\/i> und <i>gutschreiben<\/i> nicht auseinanderhalten und er hat nie verstanden, dass <i>sch\u00f6nrechnen<\/i> gerade nicht <i>sch\u00f6n rechnen<\/i> ist. Sein Unverst\u00e4ndnis sollte er nun durch diese Reform perfektionieren d\u00fcrfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Sprachfeinheiten sind zwar nicht allgemein gebr\u00e4uchlich und erst recht nicht <i>allgemeingebr\u00e4uchlich<\/i> oder <i>allgemeinverst\u00e4ndlich<\/i>. Nach der ersten Rechtschreibreform d\u00fcrften wir sie gar nicht mehr gebrauchen. Wir schrieben nur noch <i>allgemein verst\u00e4ndlich<\/i>. Das ist mir nicht allgemein, also im Allgemeinen, verst\u00e4ndlich, aber im Besonderen ist es vielen vielleicht sogar so unklar, dass es nicht mehr <i>allgemeinverst\u00e4ndlich<\/i> ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Mit dem generellen Zwang zur Getrenntschreibung verschwindet der Lexikoneintrag f\u00fcr <i>allgemeinverst\u00e4ndlich<\/i>. So wird das Gef\u00fchl f\u00fcr die Sprachnuancen fl\u00f6tengehen, weil es k\u00fcnftig nur noch <i>fl\u00f6ten gehen <\/i>sollte: Kommt die <i>allein stehende<\/i> Frau auf mich zu, habe ich Halluzinationen. Wie soll sie auch auf mich zukommen, wenn sie allein steht. Bei der <i>alleinstehenden<\/i> Frau komme ich in die Wirklichkeit zur\u00fcck. Da bin ich wieder Frauenversteher. Wer allein steht, muss stehen bleiben, sonst w\u00fcrde er n\u00e4mlich das Stehen bleiben lassen. Dann macht mein Geist nicht mehr mit. Wenn aber mein Geist stillsteht, hei\u00dft das nicht, dass mein Geist still steht, sondern dass er laut aufschreit.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>\u2019Alleinstehend<\/i> durfte ich noch sagen mit Betonung auf der ersten Silbe, aber nicht mehr schreiben. <i>Da waren die Reformer dem Gedanken schwer h\u00f6rig, der deutsche Mensch sei schwerh\u00f6rig und k\u00f6nne Klangunterschiede nicht in Sprache umsetzen.<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Immerhin hoffte man, dass wegen der Rechtschreibreform weniger Sch\u00fcler sitzen bleiben. Weil sie schneller mit Rechtschreiben (oder vielleicht <i>Recht schreiben<\/i>?) fertig sind, k\u00f6nnen sie eher aufstehen und sich k\u00f6rperlicher Ert\u00fcchtigung widmen. Damit sie nicht wegen einer F\u00fcnf in Sport \u201esitzenbleiben\u201c, was meine automatische Rechtschreibkorrektur noch in <b>\u201e<\/b><i>sitzen bleiben\u201c<\/i> umwandelt und mir rot unterschl\u00e4ngelt als Fehler entgegenh\u00e4lt. Das aber h\u00e4lt mein Verstand nicht aus. Daher schreibe ich es zusammen, denn ich will diesen Text nicht nur zusammenschreiben.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Man muss hier noch eine Menge richtig stellen &#8211; Oder doch besser <i>richtigstellen<\/i>, obwohl wieder rot unterschl\u00e4ngelt? &#8211; bis der Leser wei\u00df, worum es geht. Auf den kommt es schlie\u00dflich an, will eine Botschaft etwas <i>bekanntgeben<\/i> (Autokorrektur! Tschuldigung!, also <i>bekannt geben<\/i>?<i>)<\/i>. Apropos: Weil ich mich durchaus so bekannt geben will, wie ich bin, habe ich mich entscheiden, mein Pseudonym zu enttarnen und meinen Namen <i>bekanntzugeben<\/i>. Da soll ich k\u00fcnftig <i>bekannt geben<\/i> schreiben, entgegen der Sprachmusik. Macht doch Euren Dreck alleene! &#8211;<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Doch ausgerechnet am Rosenmontag 2006 k\u00fcndigt der Rat f\u00fcr deutsche Rechtschreibung, der sich seit 2004 mit diesen Sprachwitzen befasst, eine weitgehende R\u00fcckkehr zu alten Regeln an. H\u00e4tte er nicht wenigstens bis Aschermittwoch warten k\u00f6nnen? Das wird uns jede Menge Spa\u00df kosten im Umgang mit der Sprache. Welche Freude hat man doch, wenn sich selbst regelgesteuerte Juristen im Regelwerk der Rechtschreibung verirren. Wenn wir es da statt nur mit dem \u201evollmachtlosen\u201c nun mit dem \u201evoll machtlosen\u201c Vertreter zu tun haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wer eine Reform so <i>schlecht macht<\/i>, den muss man gar nicht <i>schlechtmachen<\/i>. Er macht es selber und er hat es nicht besser verdient, gerade wenn er auch noch besserverdient. Schlie\u00dflich ist man auch kein Gott, der Menschen <i>gut oder schlecht machen<\/i> k\u00f6nnte. Aber <i>schlechtmachen<\/i> kann man ihn, weil er etwas gutzumachen und gut zu machen h\u00e4tte, wenigstens in der Reform der Reform.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die erste Reform war nicht gut gemacht. Obwohl ich mir die Kritik nicht <i>leichtmachen<\/i> wollte, waren diese Beispiele <i>leicht gemacht<\/i>. Wo man auch hinliest, \u00fcberall kann man solche Beispiele bereits <i>fertig bekommen<\/i>, so dass man sie nicht m\u00fchsam <i>fertigbekommen<\/i> muss. Wie sagte ein Leserbrief im <i>Spiegel<\/i>: <i>Schreibt man liebhaben auseinander, h\u00f6rt das Liebhaben auf.<\/i> Etwas Traurigeres vermag man sich kaum vorzustellen. Da k\u00f6nnen mich die Reformer mal <i>gernhaben<\/i><i>!<\/i> Doch nicht <i>gern \u2019haben,<\/i> weil ich eben nicht auf ihrer Seite stehe.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Dabei h\u00e4tten diese Dinge Sprachexperten <i>wohl bekannt<\/i>, ja sogar <i>wohlbekannt <\/i>sein m\u00fcssen. Aber man hat nicht <i>wohl\u00fcberlegt<\/i> gehandelt, so dass mancher Leser heute <i>wohl \u00fcberlegt<\/i>, was gemeint ist mit dieser <i>nichts sagenden<\/i> oder besser: <i>nichtssagenden<\/i> Reform.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wer versteht schon, warum sich die Sprachgewaltigen selbst an englischen Begriffen wie <i>Standing Ovations<\/i> vergangen haben? Um unseren Sch\u00fclern die Rechtschreibung zu erleichtern? Im Englischen oder im Deutschen? <i>Standingovations <\/i>schrieben sie vor (obwohl sie die Wahl lassen und es nicht vorschreiben!) und hoffentlich niemand nach. Was ist das \u201eStan-dingo-vations\u201c? Was ein <i>dingo<\/i> ist, wei\u00df man auch au\u00dferhalb Australiens: ein wilder Hund, wie diese Reform ein dicker ist. Aber der Rest: <i>Stan<\/i> (Wo ist Olli?) oder <i>vations. <\/i>Mit C&amp;A wird aus vations wenigstens <i>vacations<\/i>. Schickt die Reformer doch in den Billig-Urlaub!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Den lachsangelnden oder lax Lachs angelnden Grizzly kennt man in Kanada. Durch die deutsche Rechtschreibung l\u00e4uft er aber als M\u00fcsli-fressender <i>Grislib\u00e4r<\/i> auf den \u00d6kolatschen der Sp\u00e4t-68er. In dieser traurigen Fase klingt es wie eine Frase: Wir haben Gl\u00fcck, es hei\u00dft nicht F\u00fc-sick. Dann w\u00e4re ich mit meiner Fillosofie am Ende. Es k\u00f6nnte mich f\u00fcsio-logisch krank machen.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>B. F\u00fcr Leser gro\u00df und klein: Lesen f\u00fcr Gro\u00df und Klein.<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Reformer sind mit der Reform auf halbem Wege <i>stehengeblieben<\/i>. Pardon: <i>stehen geblieben<\/i><a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a>. Man hat die Gro\u00df- und Kleinschreibung nicht zugunsten der erm\u00e4\u00dfigsten Kleinschreibung abgeschafft. Keine Vereinfachung f\u00fcr den Schreiber! Nach wie vor stellt die Gro\u00df- und Kleinschreibung Stolperfallen f\u00fcr ihn auf. Einige davon sind legend\u00e4r: Wie <i>jene schweizer, die deutschen boden verkaufen<\/i>. Was verkaufen die Schweizer wem? Oder<i>: Ich habe liebe genossen. Besser vereinsamt als vereinsamt. <\/i>Was ist hier was?<i> Helft den notleidenden v\u00f6geln! <\/i><i>An einer sch\u00f6nen brust l\u00e4sst sich gut liegen, wei\u00df Johann Jakob Freudenreich. Er ist br\u00e4utigam und braut zugleich<\/i>. Er braut, als Braumeister nat\u00fcrlich!<i> <\/i>Nicht als eine Braut, die mit der Hochzeit ihre <i>Erwartung<\/i> vom Gl\u00fcck hinter sich bringt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Und aus alter Zeit bekannt: <i>Fuggers wagen waren wegen der fuhrleute schneller. Diese wagen waren wegen anzuvertrauen, die andere scheuen.<\/i> Neschles Lieblingssatz ist: <i>Ich hab dich ungeheuer lieb<\/i><a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a>: Ungeheuerlich!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Doch es sind nicht diese Ausnahmen, die z\u00e4hlen. Sie sind bei weitem das schw\u00e4chste <i>Argument f\u00fcr die Beibehaltung der Gro\u00df- und Kleinschreibung. Der Inkonsequenz der Sprachreformer verdankt es der Leser, dass er weiterhin den deutschen Text schneller lesen kann als den optisch unstrukturierten angels\u00e4chsischen Text.<\/i> Es k\u00e4me auf die Probe an: Schreibe einen englischen Text nach Regeln der deutschen Gro\u00df- und Kleinschreibung! Der Leser wird ihn merklich schneller aufnehmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Neschles englische Vortragsfolien bestehen entweder fast nur aus Kleinbuchstaben oder schlimmer: nur aus Gro\u00dfbuchstaben. Eine Tortur f\u00fcr den Leser. Wie wohltuend dagegen der mit Gro\u00df- und Kleinschreibung versehene deutsche Text. Seine Struktur f\u00e4llt ins Auge. Wenn Hunderttausende einen Zeitungsartikel lesen und wenn die Gro\u00df- und Kleinschreibung deren Lesegeschwindigkeit nur um einige Prozentpunkte erh\u00f6ht, dann, ja dann m\u00fcsste man diese Rechtschreibung erfinden, falls wir sie nicht schon h\u00e4tten. Dem Schreiber macht das M\u00fche. Sicher! Aber der soll sich \u2013 verdammt noch mal, ich sag\u2019 es hier! &#8211; den Arsch aufrei\u00dfen, wenn er dem Leser dadurch die Arbeit erleichtert.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Dagegen sollte dem Schreiber von den Reformern sogar die M\u00fche abgenommen werden, <i>sie<\/i> und <i>ihnen<\/i> in der Anrede gro\u00df zu schreiben. Auch das erschwerte Lesern die Arbeit, vor allem wenn sie sie verrichten m\u00fcssen, wenn <i>sie<\/i> und <i>sie<\/i> oder <i>ihnen<\/i> und <i>ihnen<\/i> oder <i>sie<\/i> und <i>ihnen<\/i> zugleich vorkommt, aber in anderer Person. Meine Briefe und die all meiner Kollegen haben sich nicht ge\u00e4ndert. Ich \u00e4rgere mich sowieso \u00fcber das respektlose <i>sie <\/i>statt des h\u00f6flichen <i>Sie<\/i>. Geht es Ihnen oder Dir auch so?<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>C. Es lebe der Lesekund(ig)e! Der Schreiberling strenge sich an!<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Der Leser ist der Kunde des Schreibers. So gesehen w\u00e4re es konsequent, die Rechtschreibreform als <i>Rechtlesereform<\/i> zu begreifen. Einiges h\u00e4tte sich dann schnell erledigt. Das gilt f\u00fcr die Gro\u00df- und Kleinschreibung wie f\u00fcr die allermeisten Neuerungen bei der Zusammen- und Getrenntschreibung. Es ist einfach: Betrachte die Botschaft aus Sicht des Empf\u00e4ngers, den sie ansprechen und der sie verstehen soll, nicht aus Sicht des Senders, der sie produziert. Diesen Grundsatz k\u00f6nnen Sprachwissenschaftler von Betriebswirten lernen: zugunsten der Sprach\u00f6konomie. Sonst gibt es solche Ausw\u00fcchse wie bei folgender dpa-Meldung vom 29. Juni 2004.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><b><i>Bombay setzt im Kampf gegen Menschen jagende Leoparden auf Schweine.<\/i><\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Das ist absolut Neschles Lieblingssatz auf Neu-Deutsch!<\/i> Warum, werte Gemeinde, wird hier gegen Menschen gek\u00e4mpft? Mit jagenden Leoparden? Auf Schweinen? Setzt Bombay die jagenden Leoparden auf den Schweinen in den Sattel? Mitten im Kampf? Wer bei\u00dft hier wen? Leoparden die Menschen oder die Schweine? Oder die Schweine die Leoparden? Oder die Schweine am Ende sogar den Leser?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Anders als in Bombay wird hierzulande im Kampf gegen Menschen die Rechtschreibreform eingesetzt. Einem Schreiberling, dem angeblich seine Arbeit erleichtert wird, stehen Tausende oder Millionen entgegen, denen man zumutet, solchen Unsinn zu lesen und geistig zu verarbeiten. Wo bleibt die R\u00fccksicht auf den Kunden? Die Reform stinkt. Nach der Schweine bei\u00dfendem Geruch. M\u00f6gen also die Schweine bei\u00dfenden Schweinehunde noch den Letzten bei\u00dfen, der hier entgegen dieser menschenjagenden Reform nicht <i>schweinebei\u00dfenden<\/i> schreibt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Man schaut in Deutschland doch sonst so gern auf die Angelsachsen mit ihrer Weltsprache. Formt sogar handlich neue Worte dieser Sprache, wie Handy und Talkmaster. Warum sollte es einer deutschen Sprache, die ansteht, zu einem Provinzdialekt zu verkommen, besser anstehen, die Rechtschreibung zu erleichtern, als einer Sprache, die der weltweiten Verst\u00e4ndigung dient? Die Angelsachsen denken nicht im Traum daran, solch einen Unsinn zu vollziehen. Obwohl es bei Eigennamen dort sogar ganz unm\u00f6glich ist, sie richtig auszusprechen, falls man sie nicht schon einmal geh\u00f6rt hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Dort hat der Staat seine H\u00e4nde nicht im Spiel. Bei uns zieht er lang und schmutzig eine solche Re-Form durch seinen Staatseingriff, um damit anschlie\u00dfend die Muttersprache zu vergewaltigen: What a mother-fucking nonsense! Deutsche glauben fast immer an das Gute und Soziale im Staatseingriff, Engl\u00e4nder nicht. Da w\u00fcnschte man sich, dass Lichtenbergs Beobachtung endlich Realit\u00e4t w\u00fcrde: <i>Die englischen Genies gehen vor der Mode her, die deutschen hinterdrein. <\/i>Doch wir kopieren ja meist das Schlechte. &#8211;<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die englische Godmother (Patentante) meiner Tochter erkl\u00e4rte sich f\u00fcr unf\u00e4hig, mit mir \u00fcber eine Fahrtroute in S\u00fcdengland zu reden, weil sie niemals in dieser Gegend war. Sie konnte daher die Ortnamen nicht richtig aussprechen. Sicher gibt es das auch in Deutschland: Neckar-sulm nennen viele Neckars-ulm, Grevenbroich sprechen viele Grevenbreuch aus, nicht Grevenbrooch, und Coesfeld verkommt zu Z\u00f6sfeld statt Koosfeld zu bleiben. Doch kein Vergleich. Wer einmal Winchester und Worchester, Kansas und Arkansas richtig ausgesprochen hat, der wei\u00df, was ich meine.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Das gilt generell f\u00fcr Schreibweise und Aussprache im Englischen. Da gibt es Massen von Beispielen, die in keinem Vergleich zu \u00e4hnlichen Auff\u00e4lligkeiten in der deutschen Sprache stehen. Sicher k\u00f6nnen die Schweizer nicht einmal unterscheiden, ob man Bier in Massen oder Ma\u00dfen trinkt, weil sie das \u00df zugunsten des ss generell abgeschafft haben. Sie schreiben Dinge gleich, die man unterschiedlich spricht. Bei den Angelsachsen ist das aber viel gel\u00e4ufiger: <i>Jeans<\/i>, <i>Sean<\/i>, <i>threat. <\/i>Dreifach <i>ea<\/i>, dreifach unterschiedliche Aussprache. Auch da wo wir der gleichen Wortstamm haben: <i>equal <\/i>(<i>iquell<\/i>) und <i>equity <\/i>(<i>equity<\/i>). Oder die Aussprache \u00e4ndert sich, wenn man etwa <i>pre<\/i> (<i>pri<\/i>) und <i>face<\/i> (<i>f\u00e4iz<\/i>) zum Vorwort (<i>preface, sprich: prefiss<\/i>) zusammenf\u00fchrt? W\u00e4re hier eine Rechtschreibreform nicht notwendiger?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Engl\u00e4nder sind aber nicht so dusselig! Sie wissen, dass Sprache ein wachsendes Kulturgut ist, ein demokratisches zudem. Es l\u00e4sst sich nicht durch diktatorische Sprachbefehle verformen, vergewaltigen oder gar umbringen. Schon gar nicht durch so schlechte wie in unserer Rechtschreibreform. Hier bringt der Markt, die Feststellung von Schreibsitten, mehr als ein diktatorisches Oktroi sinnvergessener und unsinnversessener Sprachformalisten.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Nun merken es auch die Sprach-Experten: Der Vorsitzende des Rates f\u00fcr deutsche Rechtschreibung, der meist ein wenig \u00fcbersch\u00e4tzte ehemalige bayrische Kultusminister Hans Zehetmair<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a>, z\u00e4hlt zu den Schwachstellen der Reform neben der Zusammen- und Getrenntschreibung die Interpunktion, die Eindeutschung von Fremdw\u00f6rtern und die Silbentrennung.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Was bleibt da noch? <i>Wo sind die Starkstellen der Reform?<\/i> Nur Unrat beim Rat? Daher sollte man <i>Experte<\/i> wie im Ruhrgebiet als Schimpfwort verwenden: <i>Du bist mir vielleicht ein Experte<\/i><a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a>! Dreimal richtig geraten, schon ist man Sprach-Experte? Ein solcher Experte hat offenbar aufgeh\u00f6rt zu denken. Warum sollte er das auch tun? Er ist Experte! Da kann er all seine Fehler auf einem sehr engen Gebiet machen. &#8211;<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Was ist denn leichter geworden f\u00fcr den Schreiber? <i>Trenne nie st, denn es tut ihm<\/i> <i>weh<\/i>. Diesen Spruch muss heute kein Kind mehr lernen. Auch die Ursache f\u00fcr diese Trennregel gibt es nicht mehr. F\u00fcr Schriftsetzer war <i>st<\/i> ein Buchstabe bzw. eine fixe Buchstabenkombination. Schon damals hat man also die Welt vom Schreiber und dessen \u00d6konomie aus betrachtet, nicht vom Leser. Alles dient der Erleichterung richtigen Schreibens, nicht der Erleichterung richtigen Lesens und Verstehens.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Das Doppel-s beim Schnellsprechen, Esszett beim Langsamsprechen. So unterscheidet man nach wie vor Masse und Ma\u00dfe auch am Klang. Das wurde \u2013 au\u00dfer in der Schweiz &#8211; allgemeinverbindlich gemacht, nicht nur allgemein verbindlich. Doch warum allein beim Doppel-s. Auch bei Zusammen- und Getrenntschreibung h\u00f6rt man am Klang, wie es geschrieben wird: \u2019allgemeinverbindlich oder allgemein \u2019verbindlich. So viel Musik ist im Blut der Deutschen, \u00d6sterreicher und Schweizer und in der Sprache von Bach, Beethoven oder Mozart und au\u00dfer bei den Sprachexperten offenbar auch so viel Verstand, die inhaltlichen Unterschiede zu erkennen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ein paar Ungereimtheiten wurden durch die Reform beseitigt: <i>Rad fahren<\/i> und <i>Auto fahren<\/i> passen in der Tat besser zusammen. Doch es w\u00e4re auch umgekehrt gegangen: <i>radfahren<\/i> und <i>autofahren<\/i>. Auch h\u00e4tte <i>eislaufen<\/i> dazu gepasst, das man nach der Reform <i>Eis laufen<\/i> schreiben sollte. Dazu braucht es aber keine gro\u00dfe Reform, die neue Ungereimtheiten hinzuf\u00fcgt. Aus <i>aufwendig<\/i> sollte <i>aufw\u00e4ndig<\/i> werden, weil es <i>Aufwand <\/i>gibt. Aber es gibt nach wie vor auch Aufwendungen. Oh Gott!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Es ist wie bei allen Regel\u00e4nderungen: <i>Ist es nicht n\u00f6tig, eine Reform zu machen, dann ist es n\u00f6tig, keine Reform zu machen<\/i>. <i>Und wenn \u00fcberhaupt Reform, dann aus Sicht der Leser. Das ist die Botschaft betriebswirtschaftlichen Denkens. Sprach\u00f6konomie ist n\u00e4mlich wesentlich mehr als Bequemlichkeit des Schreibers<\/i>:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die r\u00fccksichtslose Beibehaltung der chinesischen Schrift mit etwa 5000 gebr\u00e4uchlichen Ideo- und Piktogrammen und mit ihren Leiden f\u00fcr den Schreiber zeugt durchaus von einer R\u00fccksicht auf den Leser und seine Lesegeschwindigkeit. Die Schriftzeichen haben den Charakter von Piktogrammen wie die Zeichen an einem Flughafen mit internationalem Publikum oder wie Verkehrszeichen. Jeder versteht Sinn und Inhalt, auch wenn er sich sprachlich anders dazu \u00e4u\u00dfert, etwa <i>Rauchen verboten!<\/i> oder <i>No Smoking!<\/i> sagt. Bei der Vielzahl der Sprachen k\u00f6nnte diese Art Schrift vermutlich schneller zu einer Verst\u00e4ndigung f\u00fchren als das Erlernen s\u00e4mtlicher Weltsprachen und ihrer Schriften. Sehen wir doch die Welt durch die Brille des Lesers! Er soll verstehen! Also weg mit dem Rechtschreiben, her mit dem Rechtlesen!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Es ist kein Wunder, dass auch hier die Gangster schneller sind als die Sprachpolizei. Wer andere t\u00e4uschen will, geht immer schon vom Leser aus. Derjenige, der im Kleingedruckten herumdruckst statt sich ehrlich und eindeutig auszudr\u00fccken. Und nat\u00fcrlich t\u00e4uscht, wer andere harmlos foppen will.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u201eVorsicht\u201c vor solchen Gaunern! Oder sollte ich sagen: \u201eAchtung\u201c vor solchen Gaunern! Das l\u00e4sst dem Respekt ein wenig Raum und der Erkenntnis, dass deren Denken vom Leser her richtiger liegt als die Schreiberorientierung unserer Reformt\u00e4ter: Es lebe der Kunde! Es lebe der Markt! Man meide den schmutzigen Eingriff des Staates und seinen Hang zur Vergewaltigung unserer Mutter Sprache! Das ist unmoralische Inzucht oder foltert die Sprache und bringt nur sprachliche Kr\u00fcppel hervor. Es lebe die Sprache, verunstaltet sie nicht, t\u00f6tet sie nicht! &#8211;<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Neschles H\u00fcndin Lucy weigert sich \u00fcbrigens seit Jahren, Lesen und Schreiben zu lernen. Er vermutet wegen der Rechtschreibreform. Dagegen h\u00f6rt sie aufmerksam zu, wenn Neschle beim Lesen der seichteren Teile von Dissertationen auch mal nebenbei ein H\u00f6rbuch h\u00f6rt (Er ist zwar ein Mann, aber wie sein begrifflich-weibliches Palindrom, das Anna Gramm-Els\u2019chen, durchaus multitasking-f\u00e4hig!).<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Lucy versteht also gut, mag sich aber mit dem ganzen \u00c4rger um den Recht-Schreibkram nicht herumschlagen. Neschle hat es schon erw\u00e4hnt: Sie ist ein kluger Hund, ja eigentlich eine Art R\u00fcdin! Weil sie au\u00dfer H\u00f6rb\u00fcchern auch gern Musik h\u00f6rt, insbesondere vom d\u00f6rflichen Musikverein, ist sie dort zahlendes Mitglied. (Das stimmt wirklich! Neschle schw\u00f6rt es!)<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p style=\"text-align: center;\">\u201eDer Produzent tut, was er kann,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">doch auf den Kunden kommt es an!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">So h\u00f6rt der \u00d6konom es t\u00e4glich,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">doch Philologen geh\u2019n uns\u00e4glich,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">vom Schreiber aus und dessen Schaffen<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">und machen aus den Lesern Affen.<\/p>\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\">\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Das hat schon zu der dickleibigen Dissertation <i>Goethes \u00f6konomisches Wissen<\/i> befl\u00fcgelt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Wenn ich so <i>krank schreibe<\/i>, wird man mich noch <i>krankschreiben<\/i>. Das ist jedoch der Versimpelung zum Opfer gefallen und geht gar nicht mehr. <i>Krankschreiben<\/i> als Substantiv noch. Daran werde ich mich krank lesen, wenn ich wahnsinnig werde, ganz krank lachen bis ich mich krankgelacht oder gekranklacht habe bis ich nicht mehr blutkreislaufe.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Neschle verzichtet auf die Akzente der Zeichensetzung: <i>Du hast den sch\u00f6nsten Hintern weit und breit<\/i> ist nicht dasselbe wie <i>Du hast den sch\u00f6nsten Hintern, weit und breit<\/i>. Und <i>Flei\u00dfig war sie, nicht ohne Bedauern sehen wir sie scheiden<\/i> ist nicht dasselbe wie <i>Flei\u00dfig war sie nicht, ohne Bedauern sehen wir sie scheiden<\/i>. Manchmal geht es gar nicht mehr schriftlich, nur noch mit Betonung: <i>Sie sind der gr\u00f6\u00dfte Idiot, den ich kenne! <\/i>Antwort 1: <i>Sie ver \u2019gessen sich. <\/i>Bessere<i> <\/i>Antwort 2: <i>Sie vergessen \u2019sich.<\/i> Oder sogar ohne besondere Betonung wie bei der fr\u00fcheren Ford-Werbung <i>Ford(?) <\/i><i>Besser ankommen! <\/i>Sicher w\u00e4re das besser als Ford zu fahren, aber die h\u00e4tten auch einen anderen Spruch w\u00e4hlen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Vgl. Die Welt vom 9. April 2005.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Sprachlich reichte eigentlich <i>Du bist<\/i><i> ein Experte!<\/i> Aber im Revier sagt man auch: <i>Ich ess mir ne Curry-Wurst mit Pommes-Schranke (Rot-Wei\u00df) und trink mir ein Bier<\/i>. Wem auch sonst<i>? Ich trinke ein Bier<\/i> reicht. Aber man spricht so. Das <i>mir <\/i>betont, dass man es (sich) richtig verdient hat, die Wurst und das Bier. Es geht auch mit <i>Dir<\/i>: <i>Trink <u>Dir<\/u> ersma ne Pulle Bier!<\/i> hei\u00dft im Unterton: <i>Du hast sie (Dir) verdient!<\/i> Manche sagen, <i>Do it yourself!<\/i> m\u00fcsste dann folgerichtig hei\u00dfen:<i> Mach es Dir selbst!<\/i> Doch wer hat sich das verdient?<\/p>\n<p><a title=\"PDF-Datei\" href=\"http:\/\/www.neschle.de\/download-manager.php?id=32\">PDF-Datei<\/a><br \/>\nThis post was downloaded by  1326  people until now.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rechtschreiben ist gut, Rechtlesen ist besser! Der eine hat die falsche Rechtschreibung und der andere die rechte Falschschreibung.&nbsp;(Georg Christoph Lichtenberg) Niemand hat den Begriff \u201eExperte\u201c st\u00e4rker besudelt als die Philologen, die uns die \u201eRechtschreibreform\u201c zugemutet haben. Im Ruhrgebiet wusste man es immer.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[4,6],"tags":[14,11,24],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16"}],"collection":[{"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=16"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1060,"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16\/revisions\/1060"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=16"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=16"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=16"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}