{"id":1555,"date":"2021-01-24T11:43:04","date_gmt":"2021-01-24T10:43:04","guid":{"rendered":"https:\/\/neschle.de\/?p=1555"},"modified":"2021-01-25T18:25:05","modified_gmt":"2021-01-25T17:25:05","slug":"1555","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/au-aufschrei\/1555\/","title":{"rendered":"Au &hellip; Aufschrei 75"},"content":{"rendered":"\n<h2><span style=\"color:#4f81bd\" class=\"tadv-color\"><strong>Steward(s)*Esses,<\/strong> <strong>B\u00fcrger*Innenmeister*Innen<\/strong> <strong>und die \u201eenglische Botschaft\u201c<\/strong><\/span><\/h2>\n\n\n\n<p><strong>S(ch)aust\u00fccke des Genderns und seine Ausmister*Innen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Niemand schreibt in den angels\u00e4chsischen L\u00e4ndern \u201eSteward(s)*Desses\u201c oder \u00c4hnliches, obwohl \u201eStewardess\u201c als eine der wenigen weiblichen Sprachformen in der englischen Sprache \u00fcberlebt hat. Der Rest ist \u2013 anders als in der deutschen Sprache \u2013 nach und nach dahingeschieden, zugunsten dessen, was \u201egenerisches Maskulinum\u201c genannt wird. Dahingeschieden durch nat\u00fcrlichen Sprachgebrauch, ohne Anweisung durch ein W\u00f6rterbuch. Heute stellen englische W\u00f6rterb\u00fccher weibliche Formen wie \u201eteacheress\u201c oder \u201epupiless\u201c als \u00fcberholt, antiquiert oder archaisch dar.<\/p>\n\n\n\n<p>Im neuen Online-Duden ist das umgekehrt. Da feiern weibliche Sprachformen fr\u00f6hliche Urst\u00e4nde und da wird die geschlechtsneutrale Berufsbezeichnung \u201eLehrer\u201c zu einer rein m\u00e4nnlichen Bezeichnung umetikettiert, so wie 12.000 andere Personen- und Berufsbezeichnungen. Damit wird das generische Maskulinum faktisch beseitigt. K\u00fcnftig ist deshalb nicht nur die \u201eweibliche Lehrerin\u201c ein Pleonasmus, sondern auch der \u201em\u00e4nnliche Lehrer\u201c. Anders als zuvor sind \u201eLehrer\u201c fortan nur noch m\u00e4nnlich. Das ist Neschle sogar einen zweiten Aufschrei wert (siehe Aufschrei 74).<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Das generische Maskulinum, das sich in England \u00fcber Jahrhunderte von unten her durchgesetzt hat, soll in Deutschland nun per Richtlinienanspruch eines W\u00f6rterbuchs von oben her abgeschafft werden. Folglich wird es sie nicht mehr geben: \u201eLehrer\u201c als Sammelbezeichnung f\u00fcr alle, die dem Lehrerberuf nachgehen, seien sie m\u00e4nnlich, weiblich oder divers. Alle waren hier inkludiert, von welcher sexuellen Identit\u00e4t auch immer, weil sprachlicher Genus und realer Sexus nicht identisch sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Bezeichnung \u201egenerisches Maskulinum\u201c ist allerdings ein Fluch, denn sie weckt feministische Aversionen. Da hilft nicht einmal, dass alle Berufsbezeichnungen im Plural den weiblichen Artikel \u201edie\u201c vorgeschaltet haben. \u201eDie\u201c Lehrer lie\u00dfe sich so als Ausgleich verstehen f\u00fcr die fehlende weibliche Pluralendung \u201e-innen\u201c. Beim Gendern wird aber am \u201edie\u201c nicht ger\u00fcttelt, Da hei\u00dft es weiterhin \u201eDIE Lehrer*Innen. \u2013<\/p>\n\n\n\n<p>Seit Jahrhunderten haben auch wir in Deutschland das geschlechtsneutrale generische Maskulinum benutzt, um gemischtgeschlechtliche Gruppen zusammenzufassen Vielleicht taten wir das wie in England deshalb, weil M\u00e4nner einst in diesen Gruppen in der \u00dcberzahl waren, vielleicht aber auch nur wegen der sprachlichen K\u00fcrze. Trotzdem umfassten \u201eM\u00f6rder\u201c als Gruppe immer schon die \u201eM\u00f6rderinnen\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Engl\u00e4nder*Innen haben sich, anders als die Deutschen fast bei allen Berufsgruppen f\u00fcr die maskuline Sprachform entschieden und sich von den weiblichen Endungen verabschiedet. Und wenn ich gerade \u201edie Deutschen\u201c (generisches Maskulinum) schrieb, waren das alle Deutschen: m\u00e4nnlich, weiblich oder divers. Werde ich da k\u00fcnftig \u201eDeutsch*Innen\u201c sagen m\u00fcssen?<\/p>\n\n\n\n<p>Im Vergleich zu den zarten deutschen Endungen \u201e-in\u201c und \u201e-innen\u201c klingen die englischen Endungen \u201e-ess\u201c und \u201e-esses\u201c allerdings so, wie das oft der deutschen Sprache zugeschrieben wird: hart und stressig. Vielleicht hat das den Engl\u00e4nderinnen den Verzicht auf die weiblichen Bezeichnungen erleichtert. Es mag aber auch eine Rolle gespielt haben, dass es f\u00fcr \u201eder, die, das\u201c oder \u201eeiner, eine, eines\u201c ohnehin nur ein einziges \u201ethe\u201c oder \u201ea(n)\u201c gab und gibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich existierten im Englischen auch die \u201eprofessoress\u201c (Professorin) als weibliche Form und die \u201eprofessoresses\u201c (Professorinnen) in der Mehrzahl. Das englische W\u00f6rterbuch schreibt jedoch \u00fcber diese \u201eprofessoress\u201c: \u201eold-fashioned or derogatory \u2013 a female professor\u201c. Offenbar gelten die weiblichen Formen dort nicht nur als altmodisch, sondern sogar als abwertend. Kein Wunder also, dass diese Form dort kaum noch jemand verwendet, weder m\u00e4nnliche noch weibliche Personen noch Diverse.<\/p>\n\n\n\n<p>Immer wieder h\u00f6rte ich auch in Deutschland, wie Studentinnen sich selbst \u201eStudent\u201c nennen oder von \u201eStudenten\u201c sprechen und sich dabei selbst einschlie\u00dfen, und wie Mitarbeiterinnen sich als \u201eMitarbeiter\u201c bezeichnen. Auch in der Gender\u00e4ra! Die meisten w\u00e4hlen allerdings die noch lebendige weibliche Form, so wie meine Kolleginnen. Die sind f\u00fcr sich und andere meist \u201eProfessorinnen\u201c und nicht \u201eProfessoren\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Das brachte mich auf den Gedanken, darauf zu achten, welcher Typ von Frau es ist, der sich im englischen Stil \u201eStudent\u201c nennt. Da hatte ich naive Vorurteile:&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>1. Es handelt sich um einen eher \u201em\u00e4nnlichen Typ\u201c von Frau.<\/p>\n\n\n\n<p>2. Dieser Typ ist erst&nbsp;<em>auf der Suche<\/em>&nbsp;nach Emanzipation und Selbstbewusstsein.<\/p>\n\n\n\n<p>Beide Hypothesen wurden widerlegt:<\/p>\n\n\n\n<p>1. Frauen, die sich \u201eStudent\u201c nannten, waren oft sogar besonders feminin. Meine Vermutung: Sie sehen keinen Grund darin, sich selbst und anderen st\u00e4ndig zu versichern, dass sie weiblich sind. Sie wissen es und alle anderen k\u00f6nnen es sehen. Und vielleicht waren sie zus\u00e4tzlich angels\u00e4chsisch \u201ekontaminiert\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>2. Diese Frauen sind nicht auf der\u00a0<em>Suche<\/em>\u00a0nach Selbstbewusstsein. Im Gegenteil: Gerade sie haben hohes Selbstbewusstsein. Es mag daher sein, dass sich englische Frauen eher emanzipiert haben als deutsche und deshalb weniger Vorbehalte haben, sich als \u201eteacher\u201c \u201epupil\u201c oder \u201eprofessor\u201c zu bezeichnen, also das generische Maskulinum zu verwenden. Dazu passt, dass es bei der weiblichen Sprachform im Englischen eine Ausnahme gibt: Indien. Da kommt z.B. die \u201eteacheress\u201c noch h\u00e4ufig vor. Aber geradein Indien ist es mit der weiblichen Emanzipation noch nicht so weit her.<\/p>\n\n\n\n<p>Hierzulande geht die sprachliche Emanzipation durch Gendern den gegenteiligen Weg. \u00dcberall, wo es m\u00f6glich scheint, wird die weibliche Sprachform eingeflochten. Die Endungen \u201e-in\u201c und \u201e-innen\u201c sind bei Genderaktivist*Innen obligatorisch. Im Unterschied zum Englischen werden weibliche Sprachformen nicht nur erhalten, sondern beinahe zelebriert als zentrales Sprachelement der Gleichberechtigung.<\/p>\n\n\n\n<p>Absurderweise wird das Gendern also dadurch unterst\u00fctzt, dass in der deutschen Sprache im Unterschied zum Englischen die weibliche Sprachform erhalten blieb. Die deutsche Sprache ist heute viel weiblicher als die englische. Das erst macht Gendern m\u00f6glich, l\u00e4sst es modern erscheinen, nicht antiquiert und \u00fcberholt wie in England.<\/p>\n\n\n\n<p>Ist das Englische aber nun durch das Fehlen der \u201eteacheress\u201c und anderer weiblicher Sprachformen weniger emanzipatorisch als das Deutsche? Das sehen nicht einmal Genderaktivist*Innen so. Aber die Frauen in England tun doch das Gegenteil: Sie verzichten auf die weibliche Sprachform und heben sie nicht hervor.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Verzicht auf die weibliche Sprachform k\u00f6nnte auch im Deutschen das Gendern \u00fcberfl\u00fcssig machen. Wie in England g\u00e4be es dann m\u00e4nnliche, weibliche \u201eLehrer\u201c, inkludiert solche mit diverser sexueller Identit\u00e4t. Dies w\u00fcrde dazu f\u00fchren, dass die sprachliche Asymmetrie aufgehoben w\u00fcrde, welche die Existenz einer weiblichen Sprachform neben dem generischen Maskulinum erzeugt. Denn w\u00e4hrend \u201eweibliche Lehrerin\u201c ein Pleonasmus ist wie ein \u201ewei\u00dfer Schimmel\u201c, war das bei einem \u201em\u00e4nnlichen Lehrer\u201c bislang nicht der Fall. Denn die Bezeichnung \u201eLehrer\u201c umfasst im generischen Maskulinum alle geschlechtlichen Identit\u00e4ten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Diese jahrhundertealte Sprach\u00fcbung will der Duden nun kraft seiner angema\u00dften Deutungshoheit au\u00dfer Kraft setzen. Fortan soll ein \u201cLehrer\u201c, anders als ein \u201eteacher\u201c, nur noch ein&nbsp;<em>m\u00e4nnlicher<\/em>&nbsp;Vertreter dieses Berufsstandes sein. Auf den ersten Blick scheint das sogar klarer und einfacher, schafft aber Zusatzprobleme bei der Zusammenfassung von Gruppen. Will man Menschen anderer sexueller Identit\u00e4t einschlie\u00dfen, landet man damit unweigerlich beim Gendern&nbsp;<em>mit Stern(!)<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine geschlechtsneutrale Bezeichnung eines Berufsstandes gibt es in der bipolaren Sprachwelt nicht mehr. Durch Leugnung eines geschlechtsneutralen Sammelbegriffs ist eine bipolare Sprachst\u00f6rung entstanden. Menschen mit alternativen sexuellen Orientierungen werden in der bipolaren Welt \u201eFrau \u2013 Mann\u201c nicht mehr inkludiert. Erst der Stern (oder was auch immer) und eine Sprechpause soll diese aus der sprachlichen Verbannung zur\u00fcckholen, in die sie durch die Beseitigung des generischen Maskulinums geschickt wurden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Weder das mit dem Stern veredelte Sprachloch noch die Sprechpause als Moment der Sprachlosigkeit (\u00fcber die besondere geschlechtliche Identit\u00e4t?!) scheinen eine respektvolle Art zu sein, mit alternativen sexuellen Identit\u00e4ten umzugehen. Das steht in krassem Gegensatz zu dem Trara, das vor allem linke Genderaktivist*Innen um diesen Personenkreis machen. Erst werden die \u201eDiversen\u201c durch die bipolare Spaltung in Frau und Mann ignoriert und exkludiert, dann sollen sie mit dem Gendersternchen und kurzer Sprachlosigkeit wieder aufgenommen werden, begleitet vom Tamtam moralinhaltiger Gleichheits-Propaganda. Dabei waren Diverse im Begriff \u201eLehrer\u201c immer schon enthalten, freilich nicht mit der jetzigen Aufmerksamkeit. Aber daf\u00fcr h\u00e4tte sich allein das reale Sozialverst\u00e4ndnis \u00e4ndern m\u00fcssen. Das gen\u00fcgt, um den Begriff \u201eLehrer\u201c nach Extension und Intension neu zu verstehen. So ist das mit allen Begriffen, weil sich die Zeiten \u00e4ndern und wir uns in ihnen. Daher schlie\u00dft etwa der Begriff \u201eGeld\u201c heute eine Vielzahl an Bezahlm\u00f6glichkeiten ein, an die vor ein paar Jahren noch niemand gedacht h\u00e4tte.<\/p>\n\n\n\n<p>Was aber spricht dann noch f\u00fcr Gendern (nat\u00fcrlich nur mit Sternchen!), wenn man dasselbe Ergebnis h\u00e4tte, w\u00fcrde man der \u00dcbung folgen, die sich in der englischen Sprache durchgesetzt hat? Gibt es Vorteile au\u00dfer der nachhaltigen Gehirnw\u00e4sche, dass es Menschen mit unterschiedlichen geschlechtlichen Identit\u00e4ten gibt? Ein Beispiel f\u00fcr&nbsp;&nbsp;das gendertypische Stakkato:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eBeim Treffen der Innenminister*Innen und der Au\u00dfenminister*Innen waren auch die Kanzler*Innen und Pr\u00e4sident*Innen anwesend. Es wurde beschlossen, den Frauenanteil unter den Minister*Innen zu erh\u00f6hen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Durch permanente Wiederholung der Multi-Sexualit\u00e4t wird das Selbstverst\u00e4ndliche zum Wesentlichen, das gebetsm\u00fchlenartig repetiert wird und wichtige Sprachbotschaften in den Hintergrund dr\u00e4ngt. Und h\u00e4tte fr\u00fcher jemand geh\u00f6rt, divers\/frau\/man wolle den Frauenanteil unter den \u201eMinisterinnen\u201c erh\u00f6hen, h\u00e4tte man\/frau\/divers gesagt, dass es mehr als 100 Prozent gar nicht gibt. Daher muss frau\/man\/divers die gendertypische Sprechpause schon sehr sicher setzen und h\u00f6ren k\u00f6nnen. Denn es k\u00f6nnte ja einmal nur von \u201eMinisterinnen\u201c die Rede sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch da entsteht ein weiteres Problem. Sind diese Ministerinnen alle weiblich oder umfasst der Begriff \u201eMinisterin\u201c auch alle, die sich so nennen. In der bipolaren Welt sind Intersexuelle oder sonstige Diverse eigentlich ausgeschlossen. Und laut Duden ist ihnen der Begriff \u201eLehrer\u201c ebenfalls verwehrt. Um den zu verwenden oder sich so nennen zu lassen, reicht es k\u00fcnftig nicht einmal aus, sich m\u00e4nnlich zu f\u00fchlen. Sie m\u00fcssen es auch wirklich sein in dieser sch\u00f6nen neuen bipolaren Sprachwelt!<\/p>\n\n\n\n<p>Ob Gendern ein Vorteil ist, kann daher ernstlich bezweifelt werden. Denn wer in einem gegenderten Text dutzende Male daran erinnert wird, dass es Menschen mit verschiedenen sexuellen Orientierungen gibt, darf sich mit Recht fragen, ob der\/die\/das(?) Verfasser*In meint, seine\/ihre Leser*Innen h\u00e4tten das auch beim x-ten Mal noch nicht verstanden. Und die st\u00e4ndigen Sprachpausen f\u00fcr die Sternchen muten beim H\u00f6ren an, als seien die Sprecher*Innen von einer Autobahn immer mal wieder auf Kopfsteinpflaster geraten. Dauernd stoppt und holpert es:<\/p>\n\n\n\n<p>Besonders komplex wird es bei Menschen wie \u201eB\u00fcrgermeistern\u201c, wenn Genderaktivist*Innen meinen, Leser*Innen oder Zuh\u00f6rer*Innen\u201c unbedingt und immer wieder die aufregende Neuheit(!?) mitteilen zu m\u00fcssen, dass weder die B\u00fcrger noch die Meister immer m\u00e4nnlich sein m\u00fcssen. Das f\u00fchrt zu \u201eB\u00fcrger*Innenmeister*Innen\u201c. Oder um \u201eInnenmeister\u201c zu vermeiden zu einer weiteren Sprechpause \u201eB\u00fcrger*Innen-Meister*Innen\u201c: also zu drei Sprechpausen in einem einzelnen Wort. Dabei lie\u00dfe sich jede dieser Sprechpausen vermeiden, w\u00fcrde man dem englischen Beispiel folgen, die weiblichen Formen abschaffen und \u201eB\u00fcrgermeister\u201c als geschlechtsneutrale Form akzeptieren, sowohl f\u00fcr die \u201eB\u00fcrger*Innen\u201c als auch f\u00fcr die \u201eMeister*Innen\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber wer kann da (noch) etwas tun? M\u00e4nner k\u00f6nnen es kaum. Schon wenn sie es anregen, so wie ich mit diesem Text, setzen sie sich dem Verdacht aus, sie wollten eine maskuline Sprachherrschaft aufrechterhalten. Und auch wenn das generische Maskulinum zwei entscheidende Vorteile hat: Es ist k\u00fcrzer und hat eine lange Sprachtradition. Es hat einen wichtigen Nachteil: Es ist identisch mit der m\u00e4nnlichen Bezeichnung und es zeigt sich, dass es f\u00fcr viele unverst\u00e4ndige Menschen \u201em\u00e4nnlich\u201c konnotiert ist. Es wird also nicht von allen Menschen als das verstanden, was es sprachlich ist: geschlechtsneutrales Genus und eben nicht Sexus. Genau diese Unverst\u00e4ndigen werden zu Grund und Ma\u00dfstab des Genderns gemacht. Und dieses Unverst\u00e4ndnis wird als so nachhaltig angesehen, dass man es st\u00e4ndig mit repetierten Geschlechtsbotschaften beschie\u00dfen muss.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch w\u00fcrden sich immer mehr Frauen dazu entschlie\u00dfen, dem englischen Beispiel zu folgen und sich fortan als \u201eLehrer\u201c, \u201eSch\u00fcler\u201c, \u201eProfessor\u201c, Spieler\u201c, \u201eFu\u00dfballer\u201c, \u201eM\u00f6rder\u201c&nbsp;&nbsp;bezeichnen und w\u00fcrde die Presse es ihnen gleichtun, w\u00e4re dieses Problem rasch gel\u00f6st. Es w\u00fcrde Platz, M\u00fche, Zeit sparen und permanente sexualisierte Aufmerksamkeit er\u00fcbrigen, welche die Genderaktivist*innen von uns verlangen und f\u00fcr die nun der neue Online-Duden seine Unterst\u00fctzung anbietet.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn der neue Online-Duden ignoriert nicht nur die \u201eenglische Botschaft\u201c, er torpediert auch die \u201eenglische L\u00f6sung\u201c, indem er sich auf den \u201eLehrer\u201c als \u201em\u00e4nnliche Person\u201c festlegt. Damit schlie\u00dft er zusammen mit der \u201eLehrerin\u201c als \u201eweibliche Person\u201c alle Menschen mit anderer geschlechtlicher Identit\u00e4t aus, die sich bislang als \u201eLehrer\u201c oder \u201eLehrerin\u201c bezeichnet haben. Man l\u00f6scht das generische Maskulinum aus, weil es unverst\u00e4ndige Menschen falsch verstehen, statt dar\u00fcber aufzukl\u00e4ren, dass diese Sprachform ein Vehikel von Emanzipation und Inklusion aller geschlechtlichen Identit\u00e4ten ist, wie uns das englische Vorbild zeigt. Und in England klappt das ja! Oder?<\/p>\n\n\n\n<p>Ich w\u00fcrde mir daher w\u00fcnschen, dass mehr und mehr Frauen zu der Einsicht kommen, sich als \u201eLehrer\u201c, Sch\u00fcler\u201c, \u201eStudent\u201c, \u201eRichter\u201c, \u201eKanzler\u201c zu bezeichnen und die Presse dem folgt. Schlie\u00dflich sagt der Satz \u201eAngela Merkel ist&nbsp;<em>die beste Kanzlerin<\/em>, die wir je hatten\u201c viel weniger als \u201eAngela Merkel ist&nbsp;<em>der beste Kanzler<\/em>, den wir je hatten\u201c. Gegendert w\u00fcrde der zweite Satz lauten: \u201eAngela Merkel ist die beste Kanzler*In, die wir je hatten\u201c!? Aber ist das wirklich emanzipatorischer, als wenn sie \u201eder beste Kanzler\u201c war? Wohl kaum!<\/p>\n\n\n\n<p>Die Richtung, die der Duden nun eingeschlagen hat, ist daher ein Sprachungl\u00fcck. Der Duden hat damit zudem den einfachen Weg verbaut, den uns die englische Sprache vorgibt. Wer in aller Welt soll oder kann die deutsche Sprache k\u00fcnftig noch lernen wollen, wenn sie dereinst durchgegendert ist und uns t\u00e4glich hunderte Male vor Augen f\u00fchrt, dass Menschen unterschiedliche geschlechtliche Identit\u00e4ten haben k\u00f6nnen. Schlimmer noch: Menschen, die das Gendern (noch) nicht perfekt beherrschen, setzen sich dem Verdacht geschlechtlicher Diskriminierung aus und werden von selbstgerechten Genderaktivist*Innen ins moralische Abseits gestellt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Wer dem aus dem Wege gehen will, kann sich der englischen Vokabeln bedienen. Dort ist das generische Maskulinum sprachnormal. Obwohl ich ansonsten die Anglifizierung unserer Sprache meide, w\u00fcrde ich dies dem Gendern vorziehen: Statt \u201eSch\u00fcler*Innen und Lehrer*Innen sind in den Klassen\u201c w\u00fcrde ich fortan lieber schreiben \u201ePupils und Teachers sind in den Klassen\u201c.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>So verwende ich das generische Maskulinum, ohne mich dem Vorwurf sexueller Diskriminierung auszusetzen. Ich frage mich nur: Warum soll dasselbe generische Maskulinum f\u00fcr die sexuelle Emanzipation etwas anderes bedeuten, nur weil es englisch benannt ist, nur weil es dort die weiblichen Sprachformen (fast) nicht mehr gibt?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr jeden, der unsere Sprache liebt, ist Gendern daher grob fahrl\u00e4ssiger Sprachmissbrauch durch moralisierende Besserwisser*Innen, aber Schlechtermacher*Innen. Gendern ist \u00fcberfl\u00fcssiger Sprachmist. Er geh\u00f6rt nachhaltig ausgemistet. Diese Arbeit m\u00fcssen vor allem Frauen tun, allen voran die Lehrer und Professoren unter ihnen. Und das in Deutschland, \u00d6sterreich, der Deutschschweiz und in S\u00fcdtirol.<\/p>\n\n\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"font-size: =;\"><a href=\"http:\/\/www.neschle.de\/download-manager.php?id=253\">PDF-Datei<\/a><span style=\"font-size: small;\"><br \/>This post was downloaded by  287 people until now.<\/span><\/span><\/p>\n<p>&#8211;&gt;<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Steward(s)*Esses, B\u00fcrger*Innenmeister*Innen und die \u201eenglische Botschaft\u201c S(ch)aust\u00fccke des Genderns und seine Ausmister*Innen Niemand schreibt in den angels\u00e4chsischen L\u00e4ndern \u201eSteward(s)*Desses\u201c oder \u00c4hnliches, obwohl \u201eStewardess\u201c als eine der wenigen weiblichen Sprachformen in der englischen Sprache \u00fcberlebt hat. 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