{"id":1555,"date":"2021-01-24T11:43:04","date_gmt":"2021-01-24T10:43:04","guid":{"rendered":"https:\/\/neschle.de\/?p=1555"},"modified":"2021-01-25T18:25:05","modified_gmt":"2021-01-25T17:25:05","slug":"1555","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/au-aufschrei\/1555\/","title":{"rendered":"Au &hellip; Aufschrei 75"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><span style=\"color:#4f81bd\" class=\"tadv-color\"><strong>Steward(s)*Esses,<\/strong> <strong>B\u00c3\u00bcrger*Innenmeister*Innen<\/strong> <strong>und die \u00e2\u20ac\u017eenglische Botschaft\u00e2\u20ac\u0153<\/strong><\/span><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>S(ch)aust\u00c3\u00bccke des Genderns und seine Ausmister*Innen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Niemand schreibt in den angels\u00c3\u00a4chsischen L\u00c3\u00a4ndern \u00e2\u20ac\u017eSteward(s)*Desses\u00e2\u20ac\u0153 oder \u00c3\u201ehnliches, obwohl \u00e2\u20ac\u017eStewardess\u00e2\u20ac\u0153 als eine der wenigen weiblichen Sprachformen in der englischen Sprache \u00c3\u00bcberlebt hat. Der Rest ist \u00e2\u20ac\u201c anders als in der deutschen Sprache \u00e2\u20ac\u201c nach und nach dahingeschieden, zugunsten dessen, was \u00e2\u20ac\u017egenerisches Maskulinum\u00e2\u20ac\u0153 genannt wird. Dahingeschieden durch nat\u00c3\u00bcrlichen Sprachgebrauch, ohne Anweisung durch ein W\u00c3\u00b6rterbuch. Heute stellen englische W\u00c3\u00b6rterb\u00c3\u00bccher weibliche Formen wie \u00e2\u20ac\u017eteacheress\u00e2\u20ac\u0153 oder \u00e2\u20ac\u017epupiless\u00e2\u20ac\u0153 als \u00c3\u00bcberholt, antiquiert oder archaisch dar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im neuen Online-Duden ist das umgekehrt. Da feiern weibliche Sprachformen fr\u00c3\u00b6hliche Urst\u00c3\u00a4nde und da wird die geschlechtsneutrale Berufsbezeichnung \u00e2\u20ac\u017eLehrer\u00e2\u20ac\u0153 zu einer rein m\u00c3\u00a4nnlichen Bezeichnung umetikettiert, so wie 12.000 andere Personen- und Berufsbezeichnungen. Damit wird das generische Maskulinum faktisch beseitigt. K\u00c3\u00bcnftig ist deshalb nicht nur die \u00e2\u20ac\u017eweibliche Lehrerin\u00e2\u20ac\u0153 ein Pleonasmus, sondern auch der \u00e2\u20ac\u017em\u00c3\u00a4nnliche Lehrer\u00e2\u20ac\u0153. Anders als zuvor sind \u00e2\u20ac\u017eLehrer\u00e2\u20ac\u0153 fortan nur noch m\u00c3\u00a4nnlich. Das ist Neschle sogar einen zweiten Aufschrei wert (siehe Aufschrei 74).<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das generische Maskulinum, das sich in England \u00c3\u00bcber Jahrhunderte von unten her durchgesetzt hat, soll in Deutschland nun per Richtlinienanspruch eines W\u00c3\u00b6rterbuchs von oben her abgeschafft werden. Folglich wird es sie nicht mehr geben: \u00e2\u20ac\u017eLehrer\u00e2\u20ac\u0153 als Sammelbezeichnung f\u00c3\u00bcr alle, die dem Lehrerberuf nachgehen, seien sie m\u00c3\u00a4nnlich, weiblich oder divers. Alle waren hier inkludiert, von welcher sexuellen Identit\u00c3\u00a4t auch immer, weil sprachlicher Genus und realer Sexus nicht identisch sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Bezeichnung \u00e2\u20ac\u017egenerisches Maskulinum\u00e2\u20ac\u0153 ist allerdings ein Fluch, denn sie weckt feministische Aversionen. Da hilft nicht einmal, dass alle Berufsbezeichnungen im Plural den weiblichen Artikel \u00e2\u20ac\u017edie\u00e2\u20ac\u0153 vorgeschaltet haben. \u00e2\u20ac\u017eDie\u00e2\u20ac\u0153 Lehrer lie\u00c3\u0178e sich so als Ausgleich verstehen f\u00c3\u00bcr die fehlende weibliche Pluralendung \u00e2\u20ac\u017e-innen\u00e2\u20ac\u0153. Beim Gendern wird aber am \u00e2\u20ac\u017edie\u00e2\u20ac\u0153 nicht ger\u00c3\u00bcttelt, Da hei\u00c3\u0178t es weiterhin \u00e2\u20ac\u017eDIE Lehrer*Innen. \u00e2\u20ac\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seit Jahrhunderten haben auch wir in Deutschland das geschlechtsneutrale generische Maskulinum benutzt, um gemischtgeschlechtliche Gruppen zusammenzufassen Vielleicht taten wir das wie in England deshalb, weil M\u00c3\u00a4nner einst in diesen Gruppen in der \u00c3\u0153berzahl waren, vielleicht aber auch nur wegen der sprachlichen K\u00c3\u00bcrze. Trotzdem umfassten \u00e2\u20ac\u017eM\u00c3\u00b6rder\u00e2\u20ac\u0153 als Gruppe immer schon die \u00e2\u20ac\u017eM\u00c3\u00b6rderinnen\u00e2\u20ac\u0153.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Engl\u00c3\u00a4nder*Innen haben sich, anders als die Deutschen fast bei allen Berufsgruppen f\u00c3\u00bcr die maskuline Sprachform entschieden und sich von den weiblichen Endungen verabschiedet. Und wenn ich gerade \u00e2\u20ac\u017edie Deutschen\u00e2\u20ac\u0153 (generisches Maskulinum) schrieb, waren das alle Deutschen: m\u00c3\u00a4nnlich, weiblich oder divers. Werde ich da k\u00c3\u00bcnftig \u00e2\u20ac\u017eDeutsch*Innen\u00e2\u20ac\u0153 sagen m\u00c3\u00bcssen?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Vergleich zu den zarten deutschen Endungen \u00e2\u20ac\u017e-in\u00e2\u20ac\u0153 und \u00e2\u20ac\u017e-innen\u00e2\u20ac\u0153 klingen die englischen Endungen \u00e2\u20ac\u017e-ess\u00e2\u20ac\u0153 und \u00e2\u20ac\u017e-esses\u00e2\u20ac\u0153 allerdings so, wie das oft der deutschen Sprache zugeschrieben wird: hart und stressig. Vielleicht hat das den Engl\u00c3\u00a4nderinnen den Verzicht auf die weiblichen Bezeichnungen erleichtert. Es mag aber auch eine Rolle gespielt haben, dass es f\u00c3\u00bcr \u00e2\u20ac\u017eder, die, das\u00e2\u20ac\u0153 oder \u00e2\u20ac\u017eeiner, eine, eines\u00e2\u20ac\u0153 ohnehin nur ein einziges \u00e2\u20ac\u017ethe\u00e2\u20ac\u0153 oder \u00e2\u20ac\u017ea(n)\u00e2\u20ac\u0153 gab und gibt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nat\u00c3\u00bcrlich existierten im Englischen auch die \u00e2\u20ac\u017eprofessoress\u00e2\u20ac\u0153 (Professorin) als weibliche Form und die \u00e2\u20ac\u017eprofessoresses\u00e2\u20ac\u0153 (Professorinnen) in der Mehrzahl. Das englische W\u00c3\u00b6rterbuch schreibt jedoch \u00c3\u00bcber diese \u00e2\u20ac\u017eprofessoress\u00e2\u20ac\u0153: \u00e2\u20ac\u017eold-fashioned or derogatory \u00e2\u20ac\u201c a female professor\u00e2\u20ac\u0153. Offenbar gelten die weiblichen Formen dort nicht nur als altmodisch, sondern sogar als abwertend. Kein Wunder also, dass diese Form dort kaum noch jemand verwendet, weder m\u00c3\u00a4nnliche noch weibliche Personen noch Diverse.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Immer wieder h\u00c3\u00b6rte ich auch in Deutschland, wie Studentinnen sich selbst \u00e2\u20ac\u017eStudent\u00e2\u20ac\u0153 nennen oder von \u00e2\u20ac\u017eStudenten\u00e2\u20ac\u0153 sprechen und sich dabei selbst einschlie\u00c3\u0178en, und wie Mitarbeiterinnen sich als \u00e2\u20ac\u017eMitarbeiter\u00e2\u20ac\u0153 bezeichnen. Auch in der Gender\u00c3\u00a4ra! Die meisten w\u00c3\u00a4hlen allerdings die noch lebendige weibliche Form, so wie meine Kolleginnen. Die sind f\u00c3\u00bcr sich und andere meist \u00e2\u20ac\u017eProfessorinnen\u00e2\u20ac\u0153 und nicht \u00e2\u20ac\u017eProfessoren\u00e2\u20ac\u0153.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das brachte mich auf den Gedanken, darauf zu achten, welcher Typ von Frau es ist, der sich im englischen Stil \u00e2\u20ac\u017eStudent\u00e2\u20ac\u0153 nennt. Da hatte ich naive Vorurteile:&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1. Es handelt sich um einen eher \u00e2\u20ac\u017em\u00c3\u00a4nnlichen Typ\u00e2\u20ac\u0153 von Frau.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">2. Dieser Typ ist erst&nbsp;<em>auf der Suche<\/em>&nbsp;nach Emanzipation und Selbstbewusstsein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Beide Hypothesen wurden widerlegt:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1. Frauen, die sich \u00e2\u20ac\u017eStudent\u00e2\u20ac\u0153 nannten, waren oft sogar besonders feminin. Meine Vermutung: Sie sehen keinen Grund darin, sich selbst und anderen st\u00c3\u00a4ndig zu versichern, dass sie weiblich sind. Sie wissen es und alle anderen k\u00c3\u00b6nnen es sehen. Und vielleicht waren sie zus\u00c3\u00a4tzlich angels\u00c3\u00a4chsisch \u00e2\u20ac\u017ekontaminiert\u00e2\u20ac\u0153.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">2. Diese Frauen sind nicht auf der\u00c2\u00a0<em>Suche<\/em>\u00c2\u00a0nach Selbstbewusstsein. Im Gegenteil: Gerade sie haben hohes Selbstbewusstsein. Es mag daher sein, dass sich englische Frauen eher emanzipiert haben als deutsche und deshalb weniger Vorbehalte haben, sich als \u00e2\u20ac\u017eteacher\u00e2\u20ac\u0153 \u00e2\u20ac\u017epupil\u00e2\u20ac\u0153 oder \u00e2\u20ac\u017eprofessor\u00e2\u20ac\u0153 zu bezeichnen, also das generische Maskulinum zu verwenden. Dazu passt, dass es bei der weiblichen Sprachform im Englischen eine Ausnahme gibt: Indien. Da kommt z.B. die \u00e2\u20ac\u017eteacheress\u00e2\u20ac\u0153 noch h\u00c3\u00a4ufig vor. Aber geradein Indien ist es mit der weiblichen Emanzipation noch nicht so weit her.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hierzulande geht die sprachliche Emanzipation durch Gendern den gegenteiligen Weg. \u00c3\u0153berall, wo es m\u00c3\u00b6glich scheint, wird die weibliche Sprachform eingeflochten. Die Endungen \u00e2\u20ac\u017e-in\u00e2\u20ac\u0153 und \u00e2\u20ac\u017e-innen\u00e2\u20ac\u0153 sind bei Genderaktivist*Innen obligatorisch. Im Unterschied zum Englischen werden weibliche Sprachformen nicht nur erhalten, sondern beinahe zelebriert als zentrales Sprachelement der Gleichberechtigung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Absurderweise wird das Gendern also dadurch unterst\u00c3\u00bctzt, dass in der deutschen Sprache im Unterschied zum Englischen die weibliche Sprachform erhalten blieb. Die deutsche Sprache ist heute viel weiblicher als die englische. Das erst macht Gendern m\u00c3\u00b6glich, l\u00c3\u00a4sst es modern erscheinen, nicht antiquiert und \u00c3\u00bcberholt wie in England.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ist das Englische aber nun durch das Fehlen der \u00e2\u20ac\u017eteacheress\u00e2\u20ac\u0153 und anderer weiblicher Sprachformen weniger emanzipatorisch als das Deutsche? Das sehen nicht einmal Genderaktivist*Innen so. Aber die Frauen in England tun doch das Gegenteil: Sie verzichten auf die weibliche Sprachform und heben sie nicht hervor.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Verzicht auf die weibliche Sprachform k\u00c3\u00b6nnte auch im Deutschen das Gendern \u00c3\u00bcberfl\u00c3\u00bcssig machen. Wie in England g\u00c3\u00a4be es dann m\u00c3\u00a4nnliche, weibliche \u00e2\u20ac\u017eLehrer\u00e2\u20ac\u0153, inkludiert solche mit diverser sexueller Identit\u00c3\u00a4t. Dies w\u00c3\u00bcrde dazu f\u00c3\u00bchren, dass die sprachliche Asymmetrie aufgehoben w\u00c3\u00bcrde, welche die Existenz einer weiblichen Sprachform neben dem generischen Maskulinum erzeugt. Denn w\u00c3\u00a4hrend \u00e2\u20ac\u017eweibliche Lehrerin\u00e2\u20ac\u0153 ein Pleonasmus ist wie ein \u00e2\u20ac\u017ewei\u00c3\u0178er Schimmel\u00e2\u20ac\u0153, war das bei einem \u00e2\u20ac\u017em\u00c3\u00a4nnlichen Lehrer\u00e2\u20ac\u0153 bislang nicht der Fall. Denn die Bezeichnung \u00e2\u20ac\u017eLehrer\u00e2\u20ac\u0153 umfasst im generischen Maskulinum alle geschlechtlichen Identit\u00c3\u00a4ten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese jahrhundertealte Sprach\u00c3\u00bcbung will der Duden nun kraft seiner angema\u00c3\u0178ten Deutungshoheit au\u00c3\u0178er Kraft setzen. Fortan soll ein \u00e2\u20ac\u0153Lehrer\u00e2\u20ac\u0153, anders als ein \u00e2\u20ac\u017eteacher\u00e2\u20ac\u0153, nur noch ein&nbsp;<em>m\u00c3\u00a4nnlicher<\/em>&nbsp;Vertreter dieses Berufsstandes sein. Auf den ersten Blick scheint das sogar klarer und einfacher, schafft aber Zusatzprobleme bei der Zusammenfassung von Gruppen. Will man Menschen anderer sexueller Identit\u00c3\u00a4t einschlie\u00c3\u0178en, landet man damit unweigerlich beim Gendern&nbsp;<em>mit Stern(!)<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine geschlechtsneutrale Bezeichnung eines Berufsstandes gibt es in der bipolaren Sprachwelt nicht mehr. Durch Leugnung eines geschlechtsneutralen Sammelbegriffs ist eine bipolare Sprachst\u00c3\u00b6rung entstanden. Menschen mit alternativen sexuellen Orientierungen werden in der bipolaren Welt \u00e2\u20ac\u017eFrau \u00e2\u20ac\u201c Mann\u00e2\u20ac\u0153 nicht mehr inkludiert. Erst der Stern (oder was auch immer) und eine Sprechpause soll diese aus der sprachlichen Verbannung zur\u00c3\u00bcckholen, in die sie durch die Beseitigung des generischen Maskulinums geschickt wurden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Weder das mit dem Stern veredelte Sprachloch noch die Sprechpause als Moment der Sprachlosigkeit (\u00c3\u00bcber die besondere geschlechtliche Identit\u00c3\u00a4t?!) scheinen eine respektvolle Art zu sein, mit alternativen sexuellen Identit\u00c3\u00a4ten umzugehen. Das steht in krassem Gegensatz zu dem Trara, das vor allem linke Genderaktivist*Innen um diesen Personenkreis machen. Erst werden die \u00e2\u20ac\u017eDiversen\u00e2\u20ac\u0153 durch die bipolare Spaltung in Frau und Mann ignoriert und exkludiert, dann sollen sie mit dem Gendersternchen und kurzer Sprachlosigkeit wieder aufgenommen werden, begleitet vom Tamtam moralinhaltiger Gleichheits-Propaganda. Dabei waren Diverse im Begriff \u00e2\u20ac\u017eLehrer\u00e2\u20ac\u0153 immer schon enthalten, freilich nicht mit der jetzigen Aufmerksamkeit. Aber daf\u00c3\u00bcr h\u00c3\u00a4tte sich allein das reale Sozialverst\u00c3\u00a4ndnis \u00c3\u00a4ndern m\u00c3\u00bcssen. Das gen\u00c3\u00bcgt, um den Begriff \u00e2\u20ac\u017eLehrer\u00e2\u20ac\u0153 nach Extension und Intension neu zu verstehen. So ist das mit allen Begriffen, weil sich die Zeiten \u00c3\u00a4ndern und wir uns in ihnen. Daher schlie\u00c3\u0178t etwa der Begriff \u00e2\u20ac\u017eGeld\u00e2\u20ac\u0153 heute eine Vielzahl an Bezahlm\u00c3\u00b6glichkeiten ein, an die vor ein paar Jahren noch niemand gedacht h\u00c3\u00a4tte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was aber spricht dann noch f\u00c3\u00bcr Gendern (nat\u00c3\u00bcrlich nur mit Sternchen!), wenn man dasselbe Ergebnis h\u00c3\u00a4tte, w\u00c3\u00bcrde man der \u00c3\u0153bung folgen, die sich in der englischen Sprache durchgesetzt hat? Gibt es Vorteile au\u00c3\u0178er der nachhaltigen Gehirnw\u00c3\u00a4sche, dass es Menschen mit unterschiedlichen geschlechtlichen Identit\u00c3\u00a4ten gibt? Ein Beispiel f\u00c3\u00bcr&nbsp;&nbsp;das gendertypische Stakkato:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00e2\u20ac\u017eBeim Treffen der Innenminister*Innen und der Au\u00c3\u0178enminister*Innen waren auch die Kanzler*Innen und Pr\u00c3\u00a4sident*Innen anwesend. Es wurde beschlossen, den Frauenanteil unter den Minister*Innen zu erh\u00c3\u00b6hen.\u00e2\u20ac\u0153<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Durch permanente Wiederholung der Multi-Sexualit\u00c3\u00a4t wird das Selbstverst\u00c3\u00a4ndliche zum Wesentlichen, das gebetsm\u00c3\u00bchlenartig repetiert wird und wichtige Sprachbotschaften in den Hintergrund dr\u00c3\u00a4ngt. Und h\u00c3\u00a4tte fr\u00c3\u00bcher jemand geh\u00c3\u00b6rt, divers\/frau\/man wolle den Frauenanteil unter den \u00e2\u20ac\u017eMinisterinnen\u00e2\u20ac\u0153 erh\u00c3\u00b6hen, h\u00c3\u00a4tte man\/frau\/divers gesagt, dass es mehr als 100 Prozent gar nicht gibt. Daher muss frau\/man\/divers die gendertypische Sprechpause schon sehr sicher setzen und h\u00c3\u00b6ren k\u00c3\u00b6nnen. Denn es k\u00c3\u00b6nnte ja einmal nur von \u00e2\u20ac\u017eMinisterinnen\u00e2\u20ac\u0153 die Rede sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch da entsteht ein weiteres Problem. Sind diese Ministerinnen alle weiblich oder umfasst der Begriff \u00e2\u20ac\u017eMinisterin\u00e2\u20ac\u0153 auch alle, die sich so nennen. In der bipolaren Welt sind Intersexuelle oder sonstige Diverse eigentlich ausgeschlossen. Und laut Duden ist ihnen der Begriff \u00e2\u20ac\u017eLehrer\u00e2\u20ac\u0153 ebenfalls verwehrt. Um den zu verwenden oder sich so nennen zu lassen, reicht es k\u00c3\u00bcnftig nicht einmal aus, sich m\u00c3\u00a4nnlich zu f\u00c3\u00bchlen. Sie m\u00c3\u00bcssen es auch wirklich sein in dieser sch\u00c3\u00b6nen neuen bipolaren Sprachwelt!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ob Gendern ein Vorteil ist, kann daher ernstlich bezweifelt werden. Denn wer in einem gegenderten Text dutzende Male daran erinnert wird, dass es Menschen mit verschiedenen sexuellen Orientierungen gibt, darf sich mit Recht fragen, ob der\/die\/das(?) Verfasser*In meint, seine\/ihre Leser*Innen h\u00c3\u00a4tten das auch beim x-ten Mal noch nicht verstanden. Und die st\u00c3\u00a4ndigen Sprachpausen f\u00c3\u00bcr die Sternchen muten beim H\u00c3\u00b6ren an, als seien die Sprecher*Innen von einer Autobahn immer mal wieder auf Kopfsteinpflaster geraten. Dauernd stoppt und holpert es:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders komplex wird es bei Menschen wie \u00e2\u20ac\u017eB\u00c3\u00bcrgermeistern\u00e2\u20ac\u0153, wenn Genderaktivist*Innen meinen, Leser*Innen oder Zuh\u00c3\u00b6rer*Innen\u00e2\u20ac\u0153 unbedingt und immer wieder die aufregende Neuheit(!?) mitteilen zu m\u00c3\u00bcssen, dass weder die B\u00c3\u00bcrger noch die Meister immer m\u00c3\u00a4nnlich sein m\u00c3\u00bcssen. Das f\u00c3\u00bchrt zu \u00e2\u20ac\u017eB\u00c3\u00bcrger*Innenmeister*Innen\u00e2\u20ac\u0153. Oder um \u00e2\u20ac\u017eInnenmeister\u00e2\u20ac\u0153 zu vermeiden zu einer weiteren Sprechpause \u00e2\u20ac\u017eB\u00c3\u00bcrger*Innen-Meister*Innen\u00e2\u20ac\u0153: also zu drei Sprechpausen in einem einzelnen Wort. Dabei lie\u00c3\u0178e sich jede dieser Sprechpausen vermeiden, w\u00c3\u00bcrde man dem englischen Beispiel folgen, die weiblichen Formen abschaffen und \u00e2\u20ac\u017eB\u00c3\u00bcrgermeister\u00e2\u20ac\u0153 als geschlechtsneutrale Form akzeptieren, sowohl f\u00c3\u00bcr die \u00e2\u20ac\u017eB\u00c3\u00bcrger*Innen\u00e2\u20ac\u0153 als auch f\u00c3\u00bcr die \u00e2\u20ac\u017eMeister*Innen\u00e2\u20ac\u0153.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber wer kann da (noch) etwas tun? M\u00c3\u00a4nner k\u00c3\u00b6nnen es kaum. Schon wenn sie es anregen, so wie ich mit diesem Text, setzen sie sich dem Verdacht aus, sie wollten eine maskuline Sprachherrschaft aufrechterhalten. Und auch wenn das generische Maskulinum zwei entscheidende Vorteile hat: Es ist k\u00c3\u00bcrzer und hat eine lange Sprachtradition. Es hat einen wichtigen Nachteil: Es ist identisch mit der m\u00c3\u00a4nnlichen Bezeichnung und es zeigt sich, dass es f\u00c3\u00bcr viele unverst\u00c3\u00a4ndige Menschen \u00e2\u20ac\u017em\u00c3\u00a4nnlich\u00e2\u20ac\u0153 konnotiert ist. Es wird also nicht von allen Menschen als das verstanden, was es sprachlich ist: geschlechtsneutrales Genus und eben nicht Sexus. Genau diese Unverst\u00c3\u00a4ndigen werden zu Grund und Ma\u00c3\u0178stab des Genderns gemacht. Und dieses Unverst\u00c3\u00a4ndnis wird als so nachhaltig angesehen, dass man es st\u00c3\u00a4ndig mit repetierten Geschlechtsbotschaften beschie\u00c3\u0178en muss.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch w\u00c3\u00bcrden sich immer mehr Frauen dazu entschlie\u00c3\u0178en, dem englischen Beispiel zu folgen und sich fortan als \u00e2\u20ac\u017eLehrer\u00e2\u20ac\u0153, \u00e2\u20ac\u017eSch\u00c3\u00bcler\u00e2\u20ac\u0153, \u00e2\u20ac\u017eProfessor\u00e2\u20ac\u0153, Spieler\u00e2\u20ac\u0153, \u00e2\u20ac\u017eFu\u00c3\u0178baller\u00e2\u20ac\u0153, \u00e2\u20ac\u017eM\u00c3\u00b6rder\u00e2\u20ac\u0153&nbsp;&nbsp;bezeichnen und w\u00c3\u00bcrde die Presse es ihnen gleichtun, w\u00c3\u00a4re dieses Problem rasch gel\u00c3\u00b6st. Es w\u00c3\u00bcrde Platz, M\u00c3\u00bche, Zeit sparen und permanente sexualisierte Aufmerksamkeit er\u00c3\u00bcbrigen, welche die Genderaktivist*innen von uns verlangen und f\u00c3\u00bcr die nun der neue Online-Duden seine Unterst\u00c3\u00bctzung anbietet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Denn der neue Online-Duden ignoriert nicht nur die \u00e2\u20ac\u017eenglische Botschaft\u00e2\u20ac\u0153, er torpediert auch die \u00e2\u20ac\u017eenglische L\u00c3\u00b6sung\u00e2\u20ac\u0153, indem er sich auf den \u00e2\u20ac\u017eLehrer\u00e2\u20ac\u0153 als \u00e2\u20ac\u017em\u00c3\u00a4nnliche Person\u00e2\u20ac\u0153 festlegt. Damit schlie\u00c3\u0178t er zusammen mit der \u00e2\u20ac\u017eLehrerin\u00e2\u20ac\u0153 als \u00e2\u20ac\u017eweibliche Person\u00e2\u20ac\u0153 alle Menschen mit anderer geschlechtlicher Identit\u00c3\u00a4t aus, die sich bislang als \u00e2\u20ac\u017eLehrer\u00e2\u20ac\u0153 oder \u00e2\u20ac\u017eLehrerin\u00e2\u20ac\u0153 bezeichnet haben. Man l\u00c3\u00b6scht das generische Maskulinum aus, weil es unverst\u00c3\u00a4ndige Menschen falsch verstehen, statt dar\u00c3\u00bcber aufzukl\u00c3\u00a4ren, dass diese Sprachform ein Vehikel von Emanzipation und Inklusion aller geschlechtlichen Identit\u00c3\u00a4ten ist, wie uns das englische Vorbild zeigt. Und in England klappt das ja! Oder?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich w\u00c3\u00bcrde mir daher w\u00c3\u00bcnschen, dass mehr und mehr Frauen zu der Einsicht kommen, sich als \u00e2\u20ac\u017eLehrer\u00e2\u20ac\u0153, Sch\u00c3\u00bcler\u00e2\u20ac\u0153, \u00e2\u20ac\u017eStudent\u00e2\u20ac\u0153, \u00e2\u20ac\u017eRichter\u00e2\u20ac\u0153, \u00e2\u20ac\u017eKanzler\u00e2\u20ac\u0153 zu bezeichnen und die Presse dem folgt. Schlie\u00c3\u0178lich sagt der Satz \u00e2\u20ac\u017eAngela Merkel ist&nbsp;<em>die beste Kanzlerin<\/em>, die wir je hatten\u00e2\u20ac\u0153 viel weniger als \u00e2\u20ac\u017eAngela Merkel ist&nbsp;<em>der beste Kanzler<\/em>, den wir je hatten\u00e2\u20ac\u0153. Gegendert w\u00c3\u00bcrde der zweite Satz lauten: \u00e2\u20ac\u017eAngela Merkel ist die beste Kanzler*In, die wir je hatten\u00e2\u20ac\u0153!? Aber ist das wirklich emanzipatorischer, als wenn sie \u00e2\u20ac\u017eder beste Kanzler\u00e2\u20ac\u0153 war? Wohl kaum!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Richtung, die der Duden nun eingeschlagen hat, ist daher ein Sprachungl\u00c3\u00bcck. Der Duden hat damit zudem den einfachen Weg verbaut, den uns die englische Sprache vorgibt. Wer in aller Welt soll oder kann die deutsche Sprache k\u00c3\u00bcnftig noch lernen wollen, wenn sie dereinst durchgegendert ist und uns t\u00c3\u00a4glich hunderte Male vor Augen f\u00c3\u00bchrt, dass Menschen unterschiedliche geschlechtliche Identit\u00c3\u00a4ten haben k\u00c3\u00b6nnen. Schlimmer noch: Menschen, die das Gendern (noch) nicht perfekt beherrschen, setzen sich dem Verdacht geschlechtlicher Diskriminierung aus und werden von selbstgerechten Genderaktivist*Innen ins moralische Abseits gestellt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer dem aus dem Wege gehen will, kann sich der englischen Vokabeln bedienen. Dort ist das generische Maskulinum sprachnormal. Obwohl ich ansonsten die Anglifizierung unserer Sprache meide, w\u00c3\u00bcrde ich dies dem Gendern vorziehen: Statt \u00e2\u20ac\u017eSch\u00c3\u00bcler*Innen und Lehrer*Innen sind in den Klassen\u00e2\u20ac\u0153 w\u00c3\u00bcrde ich fortan lieber schreiben \u00e2\u20ac\u017ePupils und Teachers sind in den Klassen\u00e2\u20ac\u0153.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So verwende ich das generische Maskulinum, ohne mich dem Vorwurf sexueller Diskriminierung auszusetzen. Ich frage mich nur: Warum soll dasselbe generische Maskulinum f\u00c3\u00bcr die sexuelle Emanzipation etwas anderes bedeuten, nur weil es englisch benannt ist, nur weil es dort die weiblichen Sprachformen (fast) nicht mehr gibt?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00c3\u00bcr jeden, der unsere Sprache liebt, ist Gendern daher grob fahrl\u00c3\u00a4ssiger Sprachmissbrauch durch moralisierende Besserwisser*Innen, aber Schlechtermacher*Innen. Gendern ist \u00c3\u00bcberfl\u00c3\u00bcssiger Sprachmist. Er geh\u00c3\u00b6rt nachhaltig ausgemistet. Diese Arbeit m\u00c3\u00bcssen vor allem Frauen tun, allen voran die Lehrer und Professoren unter ihnen. Und das in Deutschland, \u00c3\u2013sterreich, der Deutschschweiz und in S\u00c3\u00bcdtirol.<\/p>\n\n\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"font-size: =;\"><a href=\"http:\/\/www.neschle.de\/download-manager.php?id=253\">PDF-Datei<\/a><span style=\"font-size: small;\"><br \/>This post was downloaded by <!--downloads(253)-->people until now.<\/span><\/span><\/p>\n<p>&#8211;&gt;<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Steward(s)*Esses, B\u00c3\u00bcrger*Innenmeister*Innen und die \u00e2\u20ac\u017eenglische Botschaft\u00e2\u20ac\u0153 S(ch)aust\u00c3\u00bccke des Genderns und seine Ausmister*Innen Niemand schreibt in den angels\u00c3\u00a4chsischen L\u00c3\u00a4ndern \u00e2\u20ac\u017eSteward(s)*Desses\u00e2\u20ac\u0153 oder \u00c3\u201ehnliches, obwohl \u00e2\u20ac\u017eStewardess\u00e2\u20ac\u0153 als eine der wenigen weiblichen Sprachformen in der englischen Sprache \u00c3\u00bcberlebt hat. 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