{"id":1538,"date":"2021-01-18T18:35:44","date_gmt":"2021-01-18T17:35:44","guid":{"rendered":"https:\/\/neschle.de\/?p=1538"},"modified":"2021-01-18T18:43:08","modified_gmt":"2021-01-18T17:43:08","slug":"1538","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/au-aufschrei\/1538\/","title":{"rendered":"Au &hellip; Aufschrei 74"},"content":{"rendered":"\n<h2><strong><span style=\"color:#4f81bd\" class=\"tadv-color\">Dem Volk aufs Maul hauen: Sexualisierung der Sprache als moralisches Ideal<\/span><\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p><strong>Gendas, Gender, Gendie \u2013<\/strong> <strong>Oder: Was wei\u00df Duden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Martin Luther wollte bei der \u00dcbersetzung der Bibel in die deutsche Sprache \u201edem Volk aufs Maul schauen\u201c und dass wir \u201edeutsch miteinander reden\u201c. Das ging nicht ohne Vereinheitlichung. So schuf er in Deutschlands mittlerem Osten unter m\u00e4chtiger Vitalisierung und metaphorischer Visualisierung der S\u00e4chsischen Kanzleisprache mit Anleihen aus vielen deutschen Landen unsere \u201eMuttersprache\u201c (von \u201emodersprake\u201c).<\/p>\n\n\n\n<p>Konrad Duden aus Wesel lieferte von Westen her die formale Vereinheitlichung und hatte damit noch genug zu \u201ethun\u201c. Von dieser Tradition hat sich der Duden nun verabschiedet. Er beseitigt online 12.000 Mal das generische Maskulinum, indem er Personen- und Berufsbezeichnungen zu rein m\u00e4nnlichen Begriffen erkl\u00e4rt und schlie\u00dft sich damit dem \u201egeschlechtergerechten Gebrauch\u201c der Sprache durch die akademischen Genderaktivist*Innen an. Statt dem \u201eVolk aufs Maul zu schauen\u201c, versucht der Duden, \u201edem Volk aufs Maul zu hauen\u201c. Wer fortan das generische Maskulinum nicht schm\u00e4ht und wer nicht gendert, spricht von nun an falsches Deutsch.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Da ist es schon ein fataler \u201eGendefekt\u201c, dass ausgerechnet bei \u201eGender\u201c, der m\u00e4nnliche Artikel \u201eder\u201c am \u201eGen\u201c klebt. Schlie\u00dflich dient Gendern ja dazu, das generische Maskulinum zu vernichten und durch sexuell konnotierte W\u00f6rter oder Neusch\u00f6pfungen zu ersetzen. Es geht nicht mehr um eine stilistisch korrekte Sprache, sondern um politisch-moralische Korrektheit, um eine verordnete Sexual-Governance:<\/p>\n\n\n\n<p>Wie arglos und asexuell war bisher doch meine Sprache, wenn ich sagte \u201eIch gehe mal eben zum B\u00e4cker.\u201c Da dachte ich nur an die B\u00e4ckerei und die Br\u00f6tchen, die ich zum Fr\u00fchst\u00fcck wollte, aber nicht an die Leute dort, die sich in ihrer sexuellen Identit\u00e4t divers, m\u00e4nnlich oder weiblich f\u00fchlten. Es war mir egal, ob mich der B\u00e4cker, die B\u00e4ckerin oder jemand anderes bediente. Ich ging einfach \u201ezum B\u00e4cker\u201c. Mein rein sachliches Interesse am Br\u00f6tchenholen und mein mangelndes Interesse an der geschlechtlichen Identit\u00e4t der Mitarbeiter sind jedoch sch\u00e4ndlich aus Sicht der Genderaktivist*Innen. Sie werfen mir sogar vor, ich habe unbewusst schon immer gegendert, aber einseitig und falsch. \u201eDenn auch Texte, in denen f\u00fcr alle Personengruppen die m\u00e4nnliche Form benutzt wird, sind \u201agegendert\u2018 nur halt: m\u00e4nnlich\u201c<a href=\"applewebdata:\/\/E0AD7BEB-2443-4A39-8F76-1707BE58AB47#_ftn1\"><sup>[1]<\/sup><\/a>, behauptet Margarete Stokowski vom Spiegel und unterstellt damit mir und meinem Satz \u201eIch gehe mal eben zu B\u00e4cker\u201c klammheimliches Gendern.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Aber diese Unterstellung ist grundfalsch. Denn sie fu\u00dft auf der Verwechselung von Genus und Sexus. Das(!) sprachliche Genus sagt n\u00e4mlich meist nur zuf\u00e4llig etwas \u00fcber den realen Sexus. Das Schlachtross, der Gaul und die M\u00e4hre k\u00f6nnen Hengst, Stute oder Wallach sein oder irgendwas dazwischen, Hauptsache Pferd. Bei Personen oder Personengruppen ist das nicht anders.<\/p>\n\n\n\n<p>Personengruppen werden in der deutschen Sprache im Plural gef\u00fchrt. Der hat immer den weiblichen Artikel, \u201e<em>die<\/em>&nbsp;B\u00e4cker\u201c ebenso wie \u201e<em>die<\/em>&nbsp;B\u00e4ckerinnen\u201c. Aber &#8222;die F\u00fchrungskraft\u201c ist nicht zwangsl\u00e4ufig weiblich, \u201eder Lehrling\u201c keinesfalls nur m\u00e4nnlich und \u201edas Nachwuchstalent\u201c nur selten divers. Meine ich ausnahmsweise nur \u201edie m\u00e4nnlichen B\u00e4cker\u201c, muss ich das genauso sagen. Erst dann w\u00e4re mein Text m\u00e4nnlich gegendert, denn das generische Maskulinum \u201eB\u00e4cker\u201c ist geschlechtsneutral. \u201e\u2018W<em>eibliche\u2018<\/em>&nbsp;B\u00e4ckerinnen\u201c sind daher Folge mangelnden Sprachverst\u00e4ndnisses. Aber dieser Mangel soll \u00fcber das Gendern ja ohnehin Allgemeingut werden. Und Leute wie Frau Stokowski wollen mir sogar zu verstehen geben, dass ich, vielleicht ohne es zu wissen, tief in meinem Inneren auch ein Sexist bin. Denn:<\/p>\n\n\n\n<p>Was ich immer f\u00fcr \u201easexuell\u201c hielt, war nur mein Krypto-Sexismus. Ich MUSS erkennen, wie \u201esexistisch\u201c ich bin, wenn ich \u201ezum B\u00e4cker\u201c gehe statt zur \u201eB\u00e4cker*in\u201c oder \u201ezur B\u00e4ckerei\u201c. Zum Gl\u00fcck f\u00fcr meine k\u00fcnftige moralische Integrit\u00e4t gibt es Leute wie sie, die mir helfen wollen, meine verborgene Sucht nach m\u00e4nnlichem Sexismus abzulegen. Die Antwort:&nbsp;<em>Ich soll meinen latenten und punktuellen Sexismus in einen offenen und allumfassenden Sexismus verwandeln und ihn sprachlich jederzeit anwenden, egal ob es um Sex geht oder nicht.<\/em>&nbsp;K\u00fcnftig geht es n\u00e4mlich \u00fcberall und immer um Sex und die sexuelle Identit\u00e4t von Personen.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese L\u00f6sung, vermeintlich Gleiches mit Gleichem zu bek\u00e4mpfen, ist aus anderen Bereichen bekannt, z.B. aus der Hom\u00f6opathie oder vom Impfen. Da verwendet man jedoch ultrafeine Dosen, so dass eher der Vergleich mit einem Gegenfeuer passt. Aber auch der hinkt. Das Gegenfeuer zieht nur eine Schneise, die das andere Feuer nicht \u00fcberspringen soll, wobei hier sogar umstritten ist, ob es das andere Feuer \u00fcberhaupt gibt. Beim Gendern soll jedoch der gesamte Wald angesteckt, die gesamte Sprache sexualisiert werden, was feiner ausgedr\u00fcckt \u201egeschlechtersensibler gemacht\u201c hei\u00dft. Bin ich also nur ein Sexmuffel, wenn ich mich dagegen wehre?<\/p>\n\n\n\n<p>Dass ich mich zu wenig f\u00fcr Sex interessiere, kann kaum jemand von mir sagen, am wenigsten ich selbst. Zu meinem 50sten Geburtstag hat ein K\u00fcnstler eine Radierung von mir angefertigt und mir darin \u201eSex\u201c mitten auf die Stirn geschrieben. In j\u00fcngeren Jahren war mir dieses Interesse eher zu viel, zweitweise sogar l\u00e4stig. Es hat mich genervt, denn es hat mich oft von wichtigeren Dingen abgelenkt und abgehalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Ablenkung will man mir nun f\u00fcr auch meinen Sprachgebrauch verordnen. Die \u201eGeschlechtersensibilisierung\u201c soll h\u00f6chsten Stellenwert erhalten, selbst wenn ich, zum Teufel noch mal, nicht an Sex denke oder denken will. Jetzt soll ich auch da noch an Sex denken, wo ich nie daran gedacht habe: beim Br\u00f6tchenholen. Man droht mich sogar sprachlich auszugrenzen (\u201eauszududen\u201c), falls ich das nicht tue.<\/p>\n\n\n\n<p>Korrektes Gendern verlangt allerdings: Ich muss mir \u00fcber die geschlechtliche Identit\u00e4t dessen, von dem ich Br\u00f6tchen kaufen will, schon vor dem Br\u00f6tchenkauf klar werden. Wenn ich \u201eich gehe mal zum B\u00e4cker\u201c sage,&nbsp;<em>muss<\/em>&nbsp;es ein Mann sein, bei der \u201eB\u00e4ckerin\u201c eine Frau und bei intersexuellen oder diversen Identit\u00e4ten bin ich ohne Hilfe \u00fcberfordert. Das scheint nicht nur mir so zu gehen, sondern allen Gender*Innen. Was aber macht dann es\/frau\/man, um diese sexuelle Identit\u00e4t zu benennen?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr intersexuelle oder diverse Identit\u00e4ten steht bislang kein Fragezeichen \u201e?\u201c der Ratlosigkeit zur Vef\u00fcgung, sondern Doppelpunkt oder Stern. Der Stern ist in Wirklichkeit aber ein Schwarzes Loch, das alles aufsaugen soll, was sich weder m\u00e4nnlich noch weiblich f\u00fchlt. In der gesprochenen Sprache wird das Schwarze Loch durch ein anderes Loch ersetzt, die (kurze) Sprechpause, die hoffentlich jeder h\u00f6rt.<\/p>\n\n\n\n<p>Da w\u00e4re doch ein Fragezeichen weniger diskriminierend als so ein Loch. Dieses Fragezeichen k\u00f6nnte man umkehren, damit es wie im Spanischen vorab ank\u00fcndigt, dass es\/frau\/man am Ende des Wortes die Stimme heben muss, also etwa \u201eB\u00e4cker\u00bfIn\u201c. Das muss man \u00fcben wie das Loch. Bei gutem Gender-Willen geht das. Oder? \ud83d\ude09<\/p>\n\n\n\n<p>Um diesem Problem aus dem Wege zu gehen, k\u00f6nnte ich sagen, \u201eich gehe zur B\u00e4ckerei\u201c. Aber da steht er, der \u201eB\u00e4cker\u201c, jetzt neben dem \u201eEi\u201c. Die konsequente L\u00f6sung w\u00e4re \u201eB\u00e4cker*Inei\u201c (Sprechpause) oder \u201eB\u00e4cker\u00bfInei\u201c (fragende Stimmhebung). Man sollte aber bedenken, dass es schon \u201eDIE B\u00e4ckerei\u201c hei\u00dft, worin bereits eine weibliche Komponente vorkommt: Doch wo bringt man das Diverse unter? Im Ei? Daran wird man beim Gendern noch hart arbeiten m\u00fcssen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Gendern steckt noch in der Gr\u00fcndungsphase, soll aber bald den Markt erobern, wie seine Gr\u00fcnder*Innen verlauten lassen. Vielleicht wird es bis dahin wegen der Geschlechtergerechtigkeit in \u201eGenderdiedas\u201c oder \u201eGendiedasder\u201c umbenannt. \u2013<\/p>\n\n\n\n<p>Ich war meiner Zeit voraus, als ich vor Jahren zu meinen Kindern sagte: \u201eFragt mal Eure Mutterin!\u201c (\u201eMutter*In\u201c?). Heute will es mir nicht einmal gelingen, beim Gang \u201ezum B\u00e4cker\u201c eine sexuelle Vorstellung zu entwickeln. Die aber brauche ich unbedingt, um korrekt zu gendern. Ohne permanente sexuelle Konnotation kann ich nicht mehr korrekt sprechen. Dazu wird mich der Duden bald zwingen wollen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist nicht nur Diskriminierung aller Asexuellen, sondern auch aller Umst\u00e4nde, wo ich keine sexuellen Gef\u00fchle entwickle oder entwickeln will. Ich stelle mir gerade vor, welche Verd\u00e4chtigungen ich bei meiner Frau ausl\u00f6se, wenn ich k\u00fcnftig sage: \u201eIch gehe mal zur B\u00e4cker*In\u201c. Wird sie die Sprechpause h\u00f6ren (wollen)? Und ist, wenn die Person m\u00e4nnlich, intersexuell oder divers ist, \u201eZUR B\u00e4cker*In\u201c nicht falsch? \u201eZu der B\u00e4ckerin\u201c kann ich doch nur gehen, wenn die Person weiblich ist. Sonst stimmt der Artikel nicht. Bei konsequentem Gendern m\u00fcsste es in alphabetischer Reihenfolge daher wohl hei\u00dfen: \u201eIch gehe mal eben zu das, der, die B\u00e4cker*in!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist ein Problem, f\u00fcr das mir der Duden noch keine L\u00f6sung bietet. Daher muss ich Heinz Erhardt recht geben, wenn er rhetorisch fragt: \u201eWas wei\u00df Duden?\u201c Der Duden hat n\u00e4mlich \u00e4hnlich wie die M\u00fctter- und V\u00e4ter*Innen der Rechtschreibreform gar keine Ahnung von dem, was er da tut. Was die Rechtschreibreformer damals zusammen geschrieben und zusammengeschrieben haben, hat mehr Probleme geschaffen als gel\u00f6st, gerade in der Zusammen- und Getrenntschreibung. Davon wurden wir am Ende nicht weitergebildet, sondern blieben nicht weiter gebildet zur\u00fcck. Und war Recht-SCHREIBUNG \u00fcberhaupt der richtige Ansatz? Kommt es bei einer Sprache nicht vor allem auf LESER und H\u00d6RER an, nicht auf Schreiber oder Sprecher?<\/p>\n\n\n\n<p>Daher habe ich eine (nicht repr\u00e4sentative) Umfrage im Bekanntenkreis gestartet, ob jemand bei \u201eich gehe zum B\u00e4cker\u201c versteht, dass ich beim Br\u00f6tchenholen nur einen m\u00e4nnlichen B\u00e4cker sehen will. Gerade bei meinem B\u00e4cker kam niemand auf diese Idee, auch nicht ich selbst: \u201eDer ist immer in der Backstube\u201c, hie\u00df es. Und wenn ich mit \u201eB\u00e4cker\u201c die Kette im Supermarkt meine, sind da nur Frauen. Da gehe ich erst recht \u201ezum B\u00e4cker\u201c. Denn da gibt es keine B\u00e4ckerei mehr, zu der ich gehen k\u00f6nnte. \u2013<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Diskussion \u00fcber die Entwicklung der deutschen Sprache findet gegenw\u00e4rtig fast nur unter Frauen statt. W\u00fcrde ein Mann sich dazu \u00e4u\u00dfern, h\u00e4tte er die Schleimer- oder Machokarte. So ist es zum Gl\u00fcck die Sprachwissenschaftlerin Ewa Trutkowski aus Bozen<a href=\"applewebdata:\/\/E0AD7BEB-2443-4A39-8F76-1707BE58AB47#_ftn2\"><sup>[2]<\/sup><\/a>, die dem Duden und seiner Redakteurin, Kathrin Kunkel-Razum, \u201eSexualisierung der Sprache\u201c und den \u201eMissbrauch seiner Deutungshoheit\u201c vorwirft.<\/p>\n\n\n\n<p>Und ich? Ich bin nicht mehr so arglos und arschlos, mir diesen Missbrauch gefallen zu lassen. Denn Gendern nervt mich. Vor allem da, wo ich gar nicht auf die Idee komme, an Sex zu denken. Noch mehr nervt mich, die sturbl\u00f6de Dauerverwechslung von Genus und Sexus, die uns die Sexualisierung unserer Sprache beschert. Das sage ich, weil Margarete Stokowski (Fu\u00dfnote 1) behauptet, die Gegner*Innen des Genderns w\u00fcrden nur \u201ejammern\u201c und nicht ehrlich sagen, dass sie das Gendern nervt. Ich kenne nur Leute, die das nervt, und keine, die \u201ejammern\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich frage mich auch, welcher Ausl\u00e4nder diese gegenderte deutsche Sprache noch lernen soll oder will und wie. Welche(r) Simultan-\u00dcbersetzer(in) soll da noch dolmetschen? Und es stimmt nicht, was ich bei vielen Genderaktivist*Innen lese, die Englisch als Vorbild darstellen: Das Englische macht es bei der \u201eGeschlechtergerechtigkeit der Sprache\u201c nicht \u201ebesser\u201c, sondern deutlich schlechter:<\/p>\n\n\n\n<p>In der englischen \u201eMenschheit\u201c (\u201eMankind\u201c) kommt die Frau gar nicht vor, allenfalls noch das \u201eKind\u201c (Achtung: Ironie!). Dass \u201eTeacher\u201c eine geschlechtsneutrale Form sei, \u201eLehrer\u201c aber nicht, k\u00f6nnen nur sprachhistorische Ignoranten behaupten. \u201eTeacher\u201c ist n\u00e4mlich wie \u201eLehrer\u201c ein generisches Maskulinum, das wie im Deutschen auch auf Frauen angewandt wird. Aber es gibt einen Unterschied: \u201eTeacheress(e)\u201c (Lehrerin) oder \u201edoctoress\u201c (Doktorin) gab es zwar, beide sind aber fast (au\u00dfer in Indien!) aus dem Sprachgebrauch verschwunden. In W\u00f6rterb\u00fcchern werden sie \u201eantiquiert\u201c oder gar \u201earchaisch\u201c genannt. Wenn deutsche Studentinnen behaupten, sie seien \u201eStudent\u201c, oder Frauen sagen, sie seien von Beruf \u201eArzt\u201c, tun sie das, was in England schon allgemeine \u00dcbung ist. Sie verzichten auf die weibliche Sprachform und verwenden auch f\u00fcr sich selbst das generische Maskulinum.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Statt wie der Duden bei 12.000 Artikeln \u00fcber Personen- oder Berufsbezeichnungen das generische Maskulinum auszul\u00f6schen und die weibliche Sprachform hinzuzuf\u00fcgen, haben die Engl\u00e4nder auf die weibliche Sprachform fast ganz verzichtet. Nur deshalb kommt dort niemand mehr auf die Idee zu gendern: Mangels Masse und Gelegenheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus Sicht der Genderaktivist*Innnen m\u00fcsste das zu einer gesteigertern Notwendigkeit sprachlicher \u201eGeschlechtergerechtigkeit\u201c f\u00fchren. Denn das macht die englische Sprache in ihren Augen eigentlich noch deutlich \u201esexistischer\u201c als die deutsche. F\u00fcr Deutschland w\u00fcrde das n\u00e4mlich hei\u00dfen: Alle weiblichen Sprachformen abschaffen! Es gibt nur noch Lehrer, Student, Fu\u00dfballer, ob divers, m\u00e4nnlich oder weiblich. Die weibliche Endung \u201ein\u201c wird ebenso gel\u00f6scht wie \u201eess(e)\u201c in England.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Das k\u00f6nnten wir auch in Deutschland so machen und wir w\u00e4ren das nervige Gendern los. Aber damit t\u00e4ten wir das Gegenteil von dem, was Duden und Genderaktivist*Innen wollen: Das Weibliche hervorheben. Dieser Preis w\u00e4re sogar mir zu hoch. Das beraubte unsere Sprache n\u00e4mlich des Vorteils einer besseren Differenzierung. Doch wenn man mich mit dem Gendern weiter nervt, finde ich die Abschaffung der weiblichen Sprachform nervenschonender als das, was der Duden uns da beschert. Dann lie\u00dfe sich locker und unsexualisiert sprechen wie in England, wo es \u201ebakeress\u201c (\u201eB\u00e4ckerin\u201c) nur noch als Firmennamen gibt und jeder zum \u201ebaker\u201c (\u201eB\u00e4cker\u201c) gehen kann, welche geschlechtliche Identit\u00e4t das\/der\/die auch haben m\u00f6ge, ohne sich dem Verdacht auszusetzen, ein(e) \u201egeschlechterungerechte (r) Weiberfeind*In\u201c zu sein. Denn was es in dieser Sprache nicht mehr gibt, kann man nicht mehr sagen.<\/p>\n\n\n\n<p>Unsere Genderaktivist*Innen sind aber nicht mal in der Lage, die deutsche Sprache zu verstehen. Da kann es mit der englischen kaum besser klappen. Ihr vermeintliches Vorbild Englisch versagt schlie\u00dflich bei der \u201eGeschlechtergerechtigkeit\u201c st\u00e4rker als die deutsche Sprache. Doch von \u201eGeschlechtergerechtigkeit der Sprache\u201c kann man ohnehin nur reden, wenn man den&nbsp;<em>fundamentalen Fehler<\/em>&nbsp;des Genderns macht: Es\/frau\/man verwechselt Genus und Sexus, so wie ich am Anfang dieses Satzes.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Daher stammt die krudeste Begr\u00fcndung f\u00fcr \u201eGeschlechtergerechtigkeit der Sprache\u201c von einer Frau, die selbst zwar den Unterschied zwischen Genus und Sexus kennt, aber behauptet, die meisten anderen Menschen, vor allem viele Neub\u00fcrger, w\u00fcrden diesen Unterschied nicht kennen. Diesen Menschen sei unmissverst\u00e4ndlich bewusstzumachen (nicht \u201ebewusst zu machen\u201c!), dass es im Beruf \u201eArzt\u201c viele Frauen gebe und unter den \u201eRichtern\u201c bald mehr Richterinnen als m\u00e4nnliche Richter.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Von Intersexuellen oder Diversen sprach sie dabei nicht. Aber sie machte eindeutig Unwissenheit und Dummheit zu den entscheidenden Gr\u00fcnden f\u00fcr das Gendern. Das sind auch f\u00fcr mich wichtige Gr\u00fcnde: Wie ich selbst sagte: Bei einer Sprache, kommt es mehr auf Leser oder H\u00f6rer an als auf Schreiber oder Sprecher.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Daher verspreche ich hoch und heilig:&nbsp;<em>Wenn immer ich mein Publikum f\u00fcr unf\u00e4hig halte, das generische Maskulinum zu erkennen, werde ich gendern. Im Umkehrschluss: Wenn immer ich gendere, halte ich mein Publikum f\u00fcr unf\u00e4hig.&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Doch ist das nicht auch der Grund, warum uns Gendern von akademischen Besserwisser*Innen serviert wird? Die hauen sie sich sogar selbst permanent Gegendertes gegenseitig um die Ohren. Es gibt Schriften, da liest man hunderte Male, dass es um Diverse, Frauen und M\u00e4nner geht. Ja haben ihre Leser das nicht schon beim dritten Mal begriffen? Halten die Genderaktivist*Innen sogar Ihresgleichen f\u00fcr zu doof? Oder dienen diese gebetsm\u00fchlenartigen Wiederholungen nur dazu, sich selbst einzulullen und permanent auf den Geschlechterkampf einzuschw\u00f6ren. Das ist dann aber nicht mehr die Sprache Luthers, die wir&nbsp;<em>miteinander<\/em>reden, sondern&nbsp;<em>gegeneinander<\/em>.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Das alles also bitte ohne mich!&nbsp;Oder wie die Beatles bei \u201eRevolution\u201c sangen: \u201eDon\u2019t you know that you can count me out!\u201c&nbsp;Das darf man nicht mit \u201eDu kannst mich ausz\u00e4hlen\u201c \u00fcbersetzen. Ausz\u00e4hlen sollte man die Genderaktivist*Innen und den Duden!<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/E0AD7BEB-2443-4A39-8F76-1707BE58AB47#_ftnref1\"><sup>[1]<\/sup><\/a>&nbsp;Margarete Stokowski, Gendergerechte Sprache. Auch durch Astronautinnen \u00e4ndert sich nicht alles, <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/kultur\/gendergerechte-sprache-auch-durch-astronautinnen-aendert-sich-nicht-alles-a-4d47d2de-32be-4166-8a71-d0e87729b78f.\">https:\/\/www.spiegel.de\/kultur\/gendergerechte-sprache-auch-durch-astronautinnen-aendert-sich-nicht-alles-a-4d47d2de-32be-4166-8a71-d0e87729b78f.<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/E0AD7BEB-2443-4A39-8F76-1707BE58AB47#_ftnref2\"><sup>[2]<\/sup><\/a>&nbsp;Vgl. dazu Sebastian Engelbrecht, Gendergerechter Online-Duden. Wie m\u00e4nnlich ist der Lehrer?, <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/gendergerechter-online-duden-wie-maennlich-ist-der-lehrer.691.de.html?dram:article_id=490547.\">https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/gendergerechter-online-duden-wie-maennlich-ist-der-lehrer.691.de.html?dram:article_id=490547.<\/a><\/p>\n\n\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"font-size: =;\"><a href=\"http:\/\/www.neschle.de\/download-manager.php?id=251\">PDF-Datei<\/a><span style=\"font-size: small;\"><br \/>This post was downloaded by  282 people until now.<\/span><\/span><\/p>\n<p>&#8211;&gt;<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dem Volk aufs Maul hauen: Sexualisierung der Sprache als moralisches Ideal Gendas, Gender, Gendie \u2013 Oder: Was wei\u00df Duden? Martin Luther wollte bei der \u00dcbersetzung der Bibel in die deutsche Sprache \u201edem Volk aufs Maul schauen\u201c und dass wir \u201edeutsch miteinander reden\u201c. Das ging nicht ohne Vereinheitlichung. 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