{"id":152,"date":"2007-06-25T10:41:49","date_gmt":"2007-06-25T09:41:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-18-25-woche-2007\/"},"modified":"2020-06-21T12:54:11","modified_gmt":"2020-06-21T11:54:11","slug":"leon-neschle-18-25-woche-2007","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-18-25-woche-2007\/","title":{"rendered":"Leon Neschle 18 (25. Woche 2007)"},"content":{"rendered":"<header>\n<h2 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #4f81bd\">Welche Gerechtigkeit darf es denn sein?<\/span><\/strong><\/h2>\n<\/header>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>Jeder liebt die Gerechtigkeit \u2013 auf Kosten anderer! Ansonsten ist Gerechtigkeit nur schwer zu ertragen!&nbsp;<\/em>(Neschles bester Bekannter)<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Fast jede Religion, jede Ideologie, jede Reliologie oder Ideoligion kennt <i>ihre eigene<\/i> Gerechtigkeit. Das ist dann <b><i><u>die<\/u><\/i><\/b> Gerechtigkeit f\u00fcr alle und ihre Verfechter wissen <i>sich<\/i> <i>allein <\/i>als Inhaber des Schl\u00fcssels dazu.<!--more--> Dabei haben sie mit <i><u>ihrer<\/u><\/i> Gerechtigkeit nur eine von vielen Gerechtigkeiten gew\u00e4hlt, die \u201eim Handel sind\u201c. Doch f\u00fcr sie ist <i>ihre <\/i>die \u201eeinzig wahre Gerechtigkeit\u201c unter all den \u201eL\u00fcgen-(Un)Gerechtigkeiten\u201c. <i><u>Ihre<\/u><\/i> Gerechtigkeit wollen sie durchzusetzen, daf\u00fcr lohnt es sich zu k\u00e4mpfen, mit welchen Mitteln auch immer. Auf dem Markt f\u00fcr Gerechtigkeit sind sie Angebotsmonopolisten, so glauben sie und so wollen sie alle glauben machen!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Doch wehe uns, wenn das Gerechtigkeits-Monopol da ist! Dann hamas (bayerisch f\u00fcr: \u201edann haben wir es\u201c) aktuell und alle. Es l\u00e4uft nur noch <i>ein<\/i> Programm auf allen Rechnern. Alle Menschen sind von dessen zentraler Entwicklung abh\u00e4ngig! Gegen diese \u201eGerechtigkeit\u201c waren sogar die alten Ungerechtigkeiten harmlos: \u201eSummum ius, summa iniuria!\u201c Neschles befreite \u00dcbersetzung: \u201eWenn nur <i>eine<\/i> Gerechtigkeit herrscht, herrscht die Ungerechtigkeit.\u201c \u2013<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Neschle las k\u00fcrzlich eine Buchbesprechung zu \u201eMaximum \u2013 wie der Papst Deutschland ver\u00e4ndert\u201c. Die Rezensentin zitierte aus dem Werk den Satz:<i> \u201eWer den Frieden will, muss f\u00fcr Gerechtigkeit k\u00e4mpfen!\u201c<\/i>. F\u00fcr Neschle stellten sich da zwei Fragen:<\/p>\n<ol style=\"text-align: left;\">\n<li>F\u00fcr <i><u>welche<\/u><\/i> Gerechtigkeit? Und:<\/li>\n<li>Ist es nicht umgekehrt? <i>Wer f\u00fcr <u>die<\/u> eine Gerechtigkeit k\u00e4mpft, will keinen Frieden, bis <u>diese<\/u> Gerechtigkeit den Kampf gewonnen hat! Danach wollen die anderen keinen Frieden mehr, die <u>diese<\/u> Gerechtigkeit nicht wollen und die nicht eher ruhen, bis sich am Ende <u>ihre<\/u> Gerechtigkeit durchgesetzt hat. <\/i><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Wurden nicht viele Kriege im Namen <b><u>der<\/u><\/b><\/i> Gerechtigkeit gef\u00fchrt und war es am Ende nicht nur <i><u>irgendeine<\/u> der vielen Gerechtigkeiten, von denen nur ihr Anbieter verk\u00fcndete, sie sei die einzig richtige, wahre, gute, gottgewollte.<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Doch gibt es <i><u>die<\/u><\/i> Gerechtigkeit oder ein fast un\u00fcberschaubares Angebot von Gerechtigkeiten bis hin zu Deiner und meiner Gerechtigkeit? Ist es nicht dummes Geschw\u00e4tz zu behaupten, man k\u00e4mpfe f\u00fcr <i><u>die<\/u><\/i> Gerechtigkeit, wie immer sie hei\u00dft: \u201esoziale\u201c, \u201eg\u00f6ttliche\u201c oder \u201eLeistungs-Gerechtigkeit\u201c?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Und ein Kampf f\u00fcr diese Gerechtigkeit: Ist der gerecht? Oder enth\u00e4lt er als \u201eheiliger Krieg\u201c nicht bereits den Widerspruch in sich selbst? <i>Ist jeder \u201eKampf f\u00fcr die Gerechtigkeit\u201c nicht schon deshalb ein Aberwitz, weil es allzu viele Gerechtigkeiten gibt?<\/i><\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><b>A. Im Kaufhaus der Gerechtigkeiten! Die Auswahl ist gro\u00df, die Einfalt auch!<\/b><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Ein Kaufhaus hat mindestens zwei \u201eAbteilungen\u201c: Food und Non-Food. Im Trend liegt das <i>Category-Management<\/i>, das diese Trennung aufhebt. Fr\u00fcher standen die Grill-W\u00fcrstchen bei den anderen W\u00fcrstchen, das Grillbesteck fand sich bei den Haushaltswaren und die Holzkohle beim Heimwerkerbedarf. Heute f\u00fchrt man die Grillbedarf-Category zusammen am Point of Sale, wo der Client seine needs convenient abfetchen kann. All das gibt es auch im Kaufhaus der Gerechtigkeiten:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Im \u201eKaufhaus der Gerechtigkeiten\u201c gibt es zwei gro\u00dfe Abteilungen mit vielen Einzelprodukten. Und es gibt Category-Management, z.B. unter dem Stichwort \u201eSoziale Gerechtigkeit\u201c. Derzeit nachdr\u00fccklich promoted: \u201eGeschlechter-Gerechtigkeit\u201c mit dem neuesten Angebot von der Gr\u00fcnen-Woche: <i>\u201eSteuersenkung nur f\u00fcr Frauen\u201c<\/i>. Da dies ein sch\u00f6nes neues Gerechtigkeitsprodukt ist, widmen wir ihm hier, jetzt, gleich, dann und wann ein paar liebevolle Zeilen!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wie bei allen Produkten spielt auch hier der \u201eKundennutzen\u201c die wichtigste Rolle. H\u00f6ren wir dazu die Kundin Gertrud Traud, Chefvolkswirtin der Landesbank Hessen-Th\u00fcringen: <i>\u201eIch finde es richtig, die Steuern f\u00fcr Frauen zu senken. Das ist ein cleverer Ansatz, der zu mehr Gleichberechtigung f\u00fchrt. Nat\u00fcrlich w\u00fcrde ich mich auch \u00fcber mehr netto freuen\u201c.<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ja, liebe Frau Traud, wer nicht? Darauf kommt es allein an bei der Gerechtigkeit: <i><u>den Kundennutzen<\/u><\/i>. <i>Nur was einem selbst n\u00fctzt, kann man als \u201egerecht\u201c empfinden.<\/i> Gerechtigkeit muss \u201emehr netto\u201c in die <i>eigene<\/i> Kasse sp\u00fclen, nur dann ist es eine gerechte Gerechtigkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Dass aber diese \u201eSteuerverg\u00fcnstigung\u201c ein \u201ecleverer Ansatz\u201c sein soll! Frau Traud!? Da macht sich Neschle Sorgen um ihre Phantasie. Mit Steuern gesellschaftliche Ziele anzusteuern, hat sp\u00e4testens seit der Bartsteuer Peter des Gro\u00dfen einen langen Rasputin (<a href=\"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-15-22-woche-2007\/\">Leon Neschle 15<\/a>).<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Neschle k\u00f6nnte sich vorstellen, Menschen ohne Schwei\u00dff\u00fc\u00dfe steuerlich zu beg\u00fcnstigen. Schwei\u00dff\u00fc\u00dfe stinken seinem N\u00e4schen n\u00e4mlich gewaltig. Alternativ k\u00e4men Steuerverg\u00fcnstigungen f\u00fcr Medikamente gegen Schwei\u00dff\u00fc\u00dfe in Frage. Das w\u00e4re aus Neschles Sicht gerecht besteuert, wenn auch recht bescheuert, aber nur genau so!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Doch gehen wir durch das Grundsortiment, ehe wir uns allzu sehr in das anmutige Neuprodukt der \u201egek\u00fcrzten Damensteuer\u201c verlieben und uns an den alten Schaustellertrick \u201eDame ohne Unterleib\u201c erinnern!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Im Kaufhaus der Gerechtigkeiten ist fast alles \u201eals gerecht\u201c zu haben, vom Grundbedarf bis zum modischen Accessoire mit der Halbwertszeit einer Pressemeldung. Die beiden gro\u00dfen Abteilungen umfassen:<\/p>\n<ol style=\"text-align: left;\">\n<li>\u201eSportliche Gerechtigkeiten\u201c, die jedes Ergebnis als gerecht anerkennen, wenn die Spielregeln f\u00fcr dessen Zustandekommen gerecht waren. \u201eDer gerechte Weg ist hier das Ziel!\u201c und das Leben ein Gesellschaftsspiel!<\/li>\n<li>\u201eNicht-sportliche Gerechtigkeiten\u201c, die das Ergebnis nach einem vorgegebenen Ma\u00dfstab beurteilen und es nur als \u201egerecht\u201c akzeptieren, wenn es diesem Ma\u00dfstab entspricht. \u201eDas gerechte Ziel ist hier der Weg!\u201c und das Leben besteht aus pflichtgem\u00e4\u00dfem Verwirklichen des vorbestimmten Ergebnisses. Ein Gesellschaftsspiel macht hier keinen Spa\u00df mehr.<\/li>\n<\/ol>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><b>B. Gerechte Regeln f\u00fcr das Gesellschaftsspiel: der \u201esportliche\u201c Ansatz!<\/b><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Beginnen wir bei den \u201eSportartikeln\u201c. Im Angebot sind hier verschiedene Regeln f\u00fcr das Gesellschaftsspiel: Wer darf wann und wo mitspielen? Was geschieht bei Fouls? Wer darf in den Spielverlauf eingreifen? Und, und, und \u2026., von verbotenen Monopolstellungen bis zur unlauteren Werbung.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Diese Regeln richten sich vor allem darauf, den Spielfluss m\u00f6glichst wenig zu st\u00f6ren und das Spiel in Gang zu halten bei allen Bem\u00fchungen, gleichzeitig die Fairness der Spieler zu \u00fcberpr\u00fcfen und Regelverst\u00f6\u00dfe zu ahnden.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>\u201eSportliche Gerechtigkeiten\u201c erg\u00e4ben keinen Sinn, w\u00fcrde man mit den \u201egerechten\u201e Spielregeln am Ende nicht auch die Ergebnisse \u201eals gerecht\u201c anerkennen.<\/i> Das Gesellschaftsspiel w\u00fcrde keinem Spa\u00df machen, wenn alle Ergebnisse im Vorhinein festgelegt oder manipuliert w\u00e4ren: Am \u201egr\u00fcnen Tisch\u201c fixiert von einem Verfechter nichtsportlicher Gerechtigkeit, der nur zufrieden ist, wenn er <i><u>sein<\/u><\/i> Ergebnis erreicht. Wie sagte Werner Hansch: \u201eNicht der Beste soll gewinnen, sondern immer nur Schalke!\u201c Doch damit w\u00e4ren wir schon bei der \u201eunsportlichen Gerechtigkeit\u201c. Da braucht man nicht mehr zu spielen, weil das \u201egerechte Ergebnis\u201c schon vorher feststeht. Nat\u00fcrlich w\u00e4ren auch \u201egerechte Spielregeln\u201c entbehrlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Dagegen flexibeln <i>Marktwirtschaft und Demokratie<\/i> mit dem \u201esportlichen Gerechtigkeitsverst\u00e4ndnis\u201c <i><u>bei nicht festgelegtem Ergebnis<\/u><\/i>. <i>Beide sind Gesellschaftsspiele nach gerechten Regeln.<\/i> Bei der \u201e<i><u>sozialen<\/u><\/i> Marktwirtschaft\u201c werden am Ende die Ergebnisse ein wenig korrigiert. Sollte das Ergebnis allzu klar ausfallen, wird es moderater umgestaltet. Aus einem 9:0 wird durch Umverteilung ein 7:2 gemacht, weil es ja noch weitere spannende Spiele geben soll. Beim Golf gibt es daf\u00fcr das Handikap!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">So etwas gibt es auch in der Demokratie. Da nennt es sich \u201eMinderheitenschutz\u201c. Trotz hohen Sieges verpflichtet man die Mehrheit, ihren Sieg im politischen Spiel nicht gnadenlos auszukosten. Minderheitenschutz geh\u00f6rt zu den \u201egerechten Regeln\u201c der Gesellschaft, obwohl politische Mehrheiten dazu neigen, ihn zu ignorieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">In dieser Abteilung gibt es unterschiedlichste Gerechtigkeitsregeln schon bei der Zulassung zum Spiel: Ab welchen Alter (16, 18, 21) gilt das aktive (passive) Wahlrecht f\u00fcr welche Gremien? D\u00fcrfen M\u00e4nner noch w\u00e4hlen oder mit \u00fcber 80 noch gew\u00e4hlt werden? <i>Sollten wir schon Nichtgeborene teilnehmen lassen \u00fcber Ombudsleute, die als ihre Anw\u00e4lte auftreten (<a href=\"https:\/\/neschle.de\/index.php\/au-aufschrei\/au-aufschrei-10\/\">Aufschrei 10<\/a>).<\/i> Warum sollen nur <i>gro\u00dfe<\/i> Kapitalgesellschaften mitbestimmt sein oder warum soll es \u00fcberhaupt Mitbestimmung geben, wenn die Rechte der Besch\u00e4ftigten in Arbeitsvertr\u00e4gen geregelt sind? Was ist mit dem Staatseinfluss auf Investitionen?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Fragen \u00fcber Fragen; <i>jede Antwort ergibt eine \u201eandere Gerechtigkeit\u201c.<\/i> So wird es heute in den meisten L\u00e4ndern nicht mehr als \u201egerecht\u201c angesehen, Frauen das Wahlrecht zu versagen; bald ist das vielleicht auch so bei den Regeln, unter denen Niedrigl\u00f6hne (<a href=\"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-16-23-woche-2007\/\">Leon Neschle 16<\/a>) und Top-Geh\u00e4lter (<a href=\"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-9-16-woche-2007\/\">Leon Neschle 9<\/a>) zustande kommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Was aber ist, wenn sich die Regeln \u00e4ndern und Vertr\u00e4ge schon geschrieben sind oder jemand sogar schon mit Aktionen begonnen hat? Kann er darauf vertrauen, dass die Regeln, unter denen er ins Spiel ging, G\u00fcltigkeit haben, bis das Ergebnis eintritt? Oder muss er auf Vertrauensschutz verzichten? K\u00f6nnen Neuregelungen sogar r\u00fcckwirkend gelten, so dass er nachtr\u00e4glich ins Unrecht gesetzt wird?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ohne klare Auswahlprinzipien kann man nur willk\u00fcrlich zwischen den Trillionen von Gerechtigkeiten und Ungerechtigkeiten w\u00e4hlen. Dass uns heute daf\u00fcr die Auswahlprinzipien ausgegangen sind, zeigt der fesche Vorschlag der \u201eknappen Damenbesteuerung\u201c. Aber wir waren ja noch nicht bei den \u201eNichtsportlichen Gerechtigkeiten\u201c. Dahin geh\u00f6rt dieser Vorschlag und dahin kommen wir nun.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><b>C. Gerechtigkeit als vorherbestimmtes Ergebnis: der b\u00fcrokratische Ansatz.<\/b><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Im \u201enichtsportlichen\u201c Bereich h\u00e4lt man nichts von Unsicherheit und Flexibilit\u00e4t der Ergebnisse. Man will Gerechtigkeit von einem feststehenden Ergebnis her schon am gr\u00fcnen Tisch planen. Dabei gibt es drei \u201eklassische\u201c Bereiche:<\/p>\n<ol style=\"text-align: left;\">\n<li>Jedem nach seiner Leistung!<\/li>\n<li>Jedem nach seinem Bedarf!<\/li>\n<li>Jedem so, dass er mehr oder minder sanft gezwungen ist, ein \u201ekollektiv erw\u00fcnschtes\u201c Ergebnis herzustellen! Das ist auch der Grundgedanke einer \u201egef\u00e4lligen Damenbesteuerung\u201c.<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: left;\">Im ergebnisbezogenen Gerechtigkeitsverst\u00e4ndnis vegetieren Zentralverwaltungswirtschaft und ideologische Diktatur ganz unspielerisch, aber voll b\u00fcrokratisch dahin. Alle Aktivit\u00e4ten werden in den Dienst des \u201egerechten Ergebnisses\u201c gestellt. Menschen beteiligen sich, weil sie ihre <i>ideologische Pflicht<\/i> erf\u00fcllen wollen (die Parteig\u00e4nger) oder sollen und m\u00fcssen. <i>F\u00fcr ein Gesellschaftsspiel mit offenem Ausgang gibt es hier keine Toleranz.<\/i> Die liefe dem Primat \u201egerechter Ergebnisse\u201c zuwider.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Behauptung, die Marktwirtschaft erbringe leistungsgerechte Ergebnisse, ist Nonsens. Sie vermengt beide Gerechtigkeitsprinzipien. Marktwirtschaftliche Erfolge k\u00f6nnen auch auf \u201ereinem Gl\u00fcck\u201c beruhen, selbst wenn dies auf Dauer nur der T\u00fcchtige hat. Die Marktwirtschaft zu bef\u00fcrworten, hei\u00dft Ja zum Gesellschaftsspiel, Ja zur Freiheit, Ja zur Flexibilit\u00e4t, aber auch Ja zum Risiko. Hier werden konkrete Ergebnisse nur angestrebt, wenn sie \u201egerechte Bedingungen\u201c f\u00fcr die Spielteilnahme betreffen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die \u201esoziale Gerechtigkeit\u201c geh\u00f6rt jedoch in die \u201eunsportliche\u201c Abteilung, <i>da sie auf Ergebnisse und nicht auf gleiche Spielchancen zielt<\/i>, wie etwa das Golf-Handicap. Weil der Markt und die Marktwirtschaft nicht die erw\u00fcnschte \u201eBedarfsgerechtigkeit\u201c hervorzaubern, wird man sie ausschalten m\u00fcssen und damit zugleich deren Flexibilit\u00e4t und Unsicherheit. Auch die Demokratie k\u00f6nnte \u00fcberraschende Ergebnisse bringen, die vorgefertigten Ergebnisvorstellungen zuwiderlaufen. Daher!?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wie sagte j\u00fcngst ein deutscher Politiker: \u201eDemokratischer Sozialismus\u201c: das ist wie ein \u201evegetarischer Schlachthof\u201c. Da liegt er leider nicht ganz falsch! Denn die spielregelbezogene Gerechtigkeit der Demokratie und die ergebnisbezogene des Sozialismus bei\u00dfen sich wie zwei eigenwillige Stuten. Hier die flexible und offene Form, bei der nur die \u201egerechten\u201c Spielregeln stehen; dort die vordeterminierte und geschlossene Form, bei der Gerechtigkeit im vorgegebenen Ergebnis gesehen wird. \u2013<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die ersten beiden F\u00e4cher in dieser Abteilung, Leistungs- und Bedarfsgerechtigkeit, verlangen nach Ma\u00dfst\u00e4ben, an denen wir Leistung oder Bedarf messen. Wenn zwei mit gleicher Leistung\/gleichem Bedarf dasselbe erhalten oder zahlen sollen, muss man festlegen, was \u201egleiche Leistung\u201c\/\u201egleicher Bedarf\u201c ist. Ein Beispiel zur Leistung:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Erweitert man den Steuerbegriff \u00fcber Geldleistungen an den Staat hinaus auf \u201egeldwerte\u201c Arbeitsleistungen, vom B\u00fcrokratismus bei der Steuererhebung bis zum Wehr- oder Ersatzdienst, hat das Folgen f\u00fcr die Beurteilung \u201esteuerlicher Gerechtigkeit\u201c: Durch Wehr- oder Ersatzdienst sind nun viele M\u00e4nner h\u00f6her besteuert als Frauen. Vor allem fr\u00fcher schlug das zu Buche, wenn sie erst 18 Monate sp\u00e4ter ihre Berufsarbeit aufnehmen konnten. Wer diesen \u201eBlutzoll\u201c in Form von Hand- und Spanndiensten f\u00fcr den Staat <i>nicht<\/i> leistet, m\u00fcsste aus dieser Sicht z.B. h\u00f6here Steuern abf\u00fchren, damit der Leistungsgerechtigkeit gen\u00fcge getan ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wie bemisst man nun Leistungen, nach denen man \u201egerecht\u201c entlohnen oder \u201esteuerlich belasten\u201c will? Nach dem Marktpreis (Den gibt es bei durchg\u00e4ngiger Anwendung dieses Gerechtigkeitsprinzips gar nicht mehr!), nach \u201egesellschaftlich determinierten Werten\u201c, wer immer diese festlegt? Bemisst man die Leistung absolut oder relativ, nach Alter, Geschlecht, Gesundheitszustand? Was geschieht, wenn jemand etwas geschenkt bekommt? Oder ist es eine Leistung, die Gunst des Schenkers zu erringen? Was ist mit Erbschaften? Darf es die noch geben oder erbt alles der Staat? <i>Der Staat ist ohnehin der einzige, der die Ma\u00dfst\u00e4be f\u00fcr Leistung oder Bedarf verbindlich und aus dieser Sicht zugleich \u201egerecht\u201c festlegen k\u00f6nnte.<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Hier gibt es eine F\u00fclle von Kriterien, die der eine f\u00fcr gerecht, der andere f\u00fcr ungerecht h\u00e4lt! Wo also ist <b><i><u>die<\/u><\/i><\/b> Gerechtigkeit? Neschle kann nur <i>seine<\/i> Gerechtigkeit benennen, was <i>er<\/i> f\u00fcr Leistung h\u00e4lt oder nicht. F\u00fcr<i> ihn<\/i> sind \u201edie Ersten\u201c meist \u00fcberbezahlt. Presseunterst\u00fctzt, denn dort werden Helden und Heldenmythen der Neuzeit gemacht, geformt und popularisiert, um dann zerst\u00f6rt, verformt und entpopularisiert zu werden. Britney Spears und Jan Ullrich lassen gr\u00fc\u00dfen. Die vermeintlich besten Fu\u00dfballer, Rennfahrer, K\u00fcnstler, die Vorstandsmitglieder \u2013 \u201edie besten Manager\u201c? \u2013 erhalten relativ zu viel. Verdienen Top-Manager das Zwanzigfache derjenigen, die auf der n\u00e4chsten Stufe stehen, oder mehr als das Zweihundertfache ihrer Arbeiter, ist ihre Entlohnungsfunktion recht \u201eprogressiv\u201c. Meist zu progressiv sagt Neschle und er ist sicher, dass hier der Markt au\u00dfer Kraft ist, solange das \u201ePers\u00f6nlichkeitsmonopol\u201c der Stars gut vermarktet wird. \u2013 Das klingt nur wie ein Widerspruch!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ein \u00e4lterer Herr fragte Neschle einmal: <i>\u201eWenn ein Wein doppelt so viel kostet, schmeckt er dann auch doppelt so gut? Und wenn er nicht doppelt so gut schmeckt, warum kostet er dann doppelt so viel?\u201c<\/i> Und wenn einer zweihundert Mal so viel verdient, leistet er auch dann zweihundert Mal mehr?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Da kann Neschle nur sagen: Das kann niemand sagen! \u2013 Und h\u00e4tte ein anderer es nicht billiger gemacht! Vielleicht! Aber w\u00e4re es dasselbe gewesen? Welche Leistung ist \u00fcberhaupt einem Top-Manager zuzurechnen? Da gibt es unl\u00f6sbare Probleme und Neschle plaudert dazu mal aus dem Leben:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ein Wirtschaftspr\u00fcfer erkl\u00e4rte Neschle, er spreche so lange mit den Mandanten, bis die davon \u00fcberzeugt seien, seine Ideen w\u00e4ren ihre eigenen. Nat\u00fcrlich \u201eschreibe er dabei Stunden\u201c, aber nur so sei die Umsetzung <i>seiner <\/i>Ideen zum Wohle des Mandanten gew\u00e4hrleistet. Pr\u00e4sentiere er seine L\u00f6sung sofort auf einem Silbertablett, sei die Sache f\u00fcr den Mandanten zwar zun\u00e4chst billiger, aber seine L\u00f6sung w\u00fcrde nicht oder nicht so umgesetzt wie unter der von ihm vermittelten Illusion, die L\u00f6sung sei tats\u00e4chlich vom Mandanten selbst gekommen. Am Ende kommt es dem Mandanten sogar zugute, dass er ein h\u00f6heres Beratungshonorar zahlen musste.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Kurz darauf hatte Neschle selbst dieses Erlebnis: Er war von einem Unternehmer zum Mittagessen eingeladen. Dessen Unternehmen war in der Krise. Neschle stellte gezielte und zum Teil auch suggestive Fragen dazu und wies in die Richtung der L\u00f6sung. Die L\u00f6sung selbst benannte der Unternehmer mit seinen Antworten. Er sanierte dann das Unternehmen und verkaufte seine Beteiligung f\u00fcr einen Millionenbetrag.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Neschle ist sicher: Dieser Unternehmer ist heute noch fest davon \u00fcberzeugt, die L\u00f6sung selbst gefunden zu haben. Er hat \u201eseine\u201c L\u00f6sung umgesetzt und das Tor gemacht. Neschle als Passgeber ist vergessen und durch seine \u201eDummheit\u201c zum Tor gemacht. Immerhin hatte Neschle sein Essen kostenlos, f\u00fcr seinen Gespr\u00e4chspartner war es jedoch Millionen wert. Neschle hat mit keinem Cent am Ergebnis partizipiert. Er kann daf\u00fcr nichts einfordern, weil er sein \u201egeistiges Eigentum\u201c mit seinen Fragen gezielt und freiwillig abgegeben hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Es geht Neschle nicht um Larmoyanz \u00fcber die eigene \u201eDummheit\u201c \u2013 das ist abgehakt \u2013, sondern darum, <i>wie schwer Leistungstrennung ist und die individuelle Zuweisung bei Gemeinschaftsprodukten<\/i>. Da ist es m\u00f6glich, dass einer die \u201eeigentliche\u201c Leistung erbringt, der andere kassiert. Nichts ist leichter \u201egestohlen\u201c als Informationen. Manchmal bemerkt der Dieb den Diebstahl nicht einmal selbst, so selbstverst\u00e4ndlich ist Ideendiebstahl, so schnell gehen gute Ideen in unser Eigentum \u00fcber. Doch auch sonst ist <i>Leistungstrennung<\/i> schwierig:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Eine Unternehmung strich Stellen in Sechser-Teams ihres Au\u00dfendienstes und stellte diese neu zusammen. Leistungsma\u00dfstab war der Wert der beschafften Auftr\u00e4ge. Die neuen Teams zeigten jedoch einen starken Leistungsabfall. Der Grund:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">In den alten Teams hatten sich Spezialisten gebildet. Neben \u201eKnipsern\u201c, die den Auftrag \u201eschrieben\u201c und das Tor machten, gab es Leute, die ihn anbahnten, die Bedingungen aus- oder die Reklamationen bearbeiteten. Diese Leute wurden entlassen, weil die Leistung allein in den beschafften Auftr\u00e4gen gemessen wurde. Das war so, als w\u00fcrden allein die Torj\u00e4ger das Spiel entscheiden. Dass dies anders war, merkte man erst, als man die neuen Teams nur aus Torj\u00e4gern bildete, ohne Torwart, Verteidiger oder Spielmacher, und damit die eigene Vorstellung von \u201eLeistungsgerechtigkeit\u201c ad absurdum f\u00fchrte. Denn Misserfolg stellte sich zwangsl\u00e4ufig ein! \u2013<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Und wie ist es bei Bedarfsgerechtigkeit? Ist jeder Jeck anders wie nach dem ersten Hauptsatz des K\u00f6lschen Karnevals, dann ist jeder Bedarf individuell und zeitbedingt. Wie soll da eine generelle Zuteilungsregel \u201eJedem nach seinem Bedarf!\u201c verwirklicht werden? Bei Grundbed\u00fcrfnissen geht das vielleicht noch! Das ist ja auch das einzige, wozu die sozialistischen Zuteilungsstaaten in der Lage waren. Aber von da an?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die 68er erk\u00fchnten sich sogar die \u201ewahren Bed\u00fcrfnisse\u201c der Menschen zu kennen, die Bed\u00fcrfnisse jenseits des Zerrspiegels politischer Propaganda und Werbung der kapitalistischen Unternehmungen, von denen die Menschen verdummt wurden. Sie verstiegen sich sogar zu der Hybris, sie w\u00fcrden den Menschen beibringen, was \u201esie <i>wirklich<\/i> wollten\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ombudsleute sollten Verbraucherbed\u00fcrfnisse im Aufsichtsrat der Unternehmungen artikulieren oder das, was sie daf\u00fcr hielten. Das war der 68er-Weg zu \u201emehr\u201c Gerechtigkeit. Heute lachen dar\u00fcber die \u00e4ltesten H\u00fchner, damals nicht einmal die j\u00fcngsten!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Kaum einer lacht aber heute dar\u00fcber, wenn mit \u201egerechten\u201c Geldanreizen die merkw\u00fcrdigsten Politziele erreicht werden sollen. Ein charmantes Beispiel liefert uns Antje Hermenau, Fraktionschefin der Gr\u00fcnen in Sachsen. Typisch f\u00fcr \u201egr\u00fcne\u201c Politiker \u2013 die gibt es nicht nur bei den Gr\u00fcnen \u2013 liefert sie uns als \u201eGerechtigkeitsflittchen\u201c eine hirnlose Eintagsfliege der Gerechtigkeit. Also alles was (ge)recht ist!<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><b>D. Wer zahlt denn als Frau heute noch Steuern, wo wir viel wichtigere Probleme haben!<\/b><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Daf\u00fcr ist Frau Hermenau: <i>Steuersenkung nur f\u00fcr Frauen<\/i>. Das w\u00e4re ein \u201egro\u00dfer Beitrag zu mehr Gleichberechtigung\u201c. Dann kommt der Sack aus der Katze: \u201e<i><u>Endlich<\/u><\/i> w\u00fcrden mehr Frauen arbeiten. <i><u>Endlich<\/u><\/i> w\u00fcrden viele Frauen zum Hauptverdiener in der Familie und viele M\u00e4nner die weibliche Lebenssituation kennen lernen [die dann keine solche mehr w\u00e4re, Anmerkung: Neschle]. Dann w\u00fcrde sich auch das <i><u>Problem der Kinderbetreuung<\/u><\/i> l\u00f6sen.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Aber die allermeisten Frauen arbeiten doch schon. Wenn nicht in der \u201eLohnknechtschaft\u201c, so in der \u201eEheknechtschaft\u201c. Also geht es A.H. nur darum, mehr Frauen von der \u201eEheknechtschaft\u201c in die \u201eLohnknechtschaft\u201c zu \u00fcberf\u00fchren. Ohne sie <i>einzeln<\/i> zu fragen, ob sie das auch wollen! Es ist eben ein \u201eKollektivziel\u201c, dem A.H. nun mit der Steuerpolitik nachhelfen will.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Aber warum nur kann \u201eLohnknechtschaft\u201c f\u00fcr eine wirtschaftskritische Gr\u00fcne <i>so <\/i>sch\u00f6n sein? Und was ist mit den Frauen, die das Arbeiten in \u201eEhe- und Kindsknechtschaft\u201c vorziehen? Ihre Familien w\u00fcrden nach A.H. steuerlich benachteiligt!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Moment, das kann nicht sein! Laut A.H. gibt es nur Steuerbeg\u00fcnstigungen f\u00fcr Frauen: \u201eLieber eine positive Diskriminierung als eine negative. Wenn Frauen finanziell besser gestellt werden, ermutigt das mehr Paare, Kinder zu bekommen.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Da hat A.H. offenbar etwas Hirnspeck angesetzt. Das macht sie gedanklich unbeweglich. Neschle wei\u00df dagegen nach jahrelanger Klein(hirn)arbeit: In der \u00d6konomie kommt es auf die relativen Preise an. Positive Diskriminierung des einen ist dann zwingend negative Diskriminierung des anderen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Und das mit dem Kinderkriegen muss sie mal erkl\u00e4ren: Vor allem die Paare werden es nicht verstehen, bei denen die Frau sich der Kinderbetreuung widmen <i>will<\/i>. Doch genau das <i><u>sollte<\/u><\/i> sie nach A.H. ja <i><u>nicht<\/u><\/i> tun! Diese Frau soll sich nicht beschweren, wenn sie sich A.H. widersetzt. Die Steuer wird bei ihr so wie bei <i>den<\/i> M\u00e4nnern erzieherisch eingesetzt, die entgegen dem Willen von A.H. noch berufst\u00e4tig sind. Denn Antje ist eine strenge Grundschullehrerin mit dem Fach \u201eGesellschaftserziehung\u201c. \u2013<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Leistet eine Frau, die sich der Kinderbetreuung widmet, aber weniger f\u00fcr die Gesellschaft als ihr Mann, wenn <i>er<\/i> diese Aufgabe \u00fcbernimmt? K\u00f6nnen M\u00e4nner es besser und sind Frauen hier nur zweite Wahl? Nein?! Warum werden solche Frauen und ihre Familien dann von A.H. steuerlich diskriminiert? Weil sie nicht helfen wollen, ihre \u201e<i>Endlich<\/i>l\u00f6sung\u201c zu verwirklichen! \u2013 Keine Irritationen! A.H. ist hier Antje Hermenau.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Warum sollte es das \u201egesellschaftliche <i><u>Ziel<\/u><\/i>\u201c sein, Frauen \u201e<i>endlich<\/i>\u201c zu den Hauptverdienern zu machen? Bei den M\u00e4nnern war es noch keines, sondern nur ein gesellschaftliches Faktum mit verschiedenen Ursachen. Was also soll dieses \u201eendlich\u201c?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Freudlich entlarvend ist bei A.H. vor allem \u201e<i><u>das Problem<\/u><\/i> der Kinderbetreuung\u201c. Damit definiert sie Kinder \u00fcber das \u201eProblem\u201c ihrer Betreuung. \u00dcber L\u00e4stiges, nicht \u00fcber eine sch\u00f6ne \u201eAufgabe\u201c, die auch f\u00fcr Frau erstrebenswerter sein k\u00f6nnte als die \u201eLohnknechtschaft\u201c. Bei einer solchen Betrachtung wundert es Neschle nicht, dass die Deutschen auszusterben drohen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Und warum, liebe A.H. soll sich das \u201eProblem der Betreuung\u201c \u00fcber die Steuerbeg\u00fcnstigung von Frauen l\u00f6sen? \u2013 Da hat Neschle wohl die Frage falsch gestellt: <i>F\u00fcr wen<\/i> soll sich das \u201eProblem\u201c l\u00f6sen, h\u00e4tte er besser gefragt. Die \u201eAufgabe der Kinderbereuung\u201c g\u00e4be es ja nach wie vor, nur nicht f\u00fcr Frauen, welche die \u201eLohnknechtschaft\u201c vorz\u00f6gen. Das \u201eProblem der Kinderbetreuung\u201c w\u00e4re folglich nicht generell gel\u00f6st, sondern <i>nur f\u00fcr diese Frauen<\/i> \u2013 was A.H. offenbar schon reicht \u2013 und das nur scheinbar. Denn es ist dasselbe \u201eDr\u00fccken vor der Verantwortung\u201c gegen\u00fcber Kindern, das heute nicht ganz zu Unrecht vielen M\u00e4nnern vorgeworfen wird. Nur tun es nun diese Frauen (auch). So platt \u2013 so schlecht!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Warum ist dies nun eine \u201egerechte Besteuerung\u201c, obwohl sie M\u00e4nner <i>und <\/i>Frauen diskriminiert, die nicht der Berufst\u00e4tigkeit der Frau Vorrang einr\u00e4umen? Warum soll hier kein Versto\u00df gegen den Gleichheitsgrundsatz des Grundgesetzes vorliegen?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u201eGerecht\u201c soll diese \u201eSteuerverg\u00fcnstigung nur f\u00fcr berufst\u00e4tige Frauen\u201c sein, weil sie f\u00fcr A.H. ein \u201egerechtes\u201c Ergebnis bringt. Weil M\u00e4nner allzu sehr an ihrem Job h\u00e4ngen und ihn dadurch angeblich f\u00fcr Frauen versperren, sollen sie relativ h\u00e4rter besteuert werden. Dadurch bringen sie netto weniger nach Hause oder sie werden f\u00fcr ihre Arbeitgeber teurer. Das erstere schafft den privaten Anreiz, die Lohnarbeit des Mannes durch die der Frau zu ersetzen, dass zweite den Anreiz bei den Arbeitgebern, M\u00e4nnerarbeit durch Frauenarbeit auszutauschen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Auf die Idee gekommen sind zwei italienische Wirtschaftswissenschaftler Alberto Alesina und Andrea (das ist ein Mann!) Ichino. Die juristische Begleitmusik dazu spielt der Verfassungsrechtler Christian Pestalozza (klingt auch italienisch!). Der beweist uns, dass Juristen alles erkl\u00e4ren und begr\u00fcnden k\u00f6nnen und sei es noch so d\u00e4mlich: Der Gleichheitsgrundsatz fordere eben keine generelle Gleichbehandlung, sondern lasse Ungleichbehandlung zu, bis eine Benachteiligung ausgeglichen sei.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Jetzt wird es Neschle schlecht! Benachteiligt ist die oder der <i>einzelne<\/i>, die <i>pauschale <\/i>Diskriminierung \u00fcber die Steuern geht <i>\u00fcber Durchschnitte<\/i>. <i>Individuelle<\/i> Benachteiligungen kann man aber nicht mit Regeln bek\u00e4mpfen, die am Durchschnitt ansetzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Im \u00f6ffentlichen Dienst kann man heute eher von einer Benachteiligung junger M\u00e4nner sprechen. Dort haben Berufsanf\u00e4ngerinnen gr\u00f6\u00dfere Chancen als ihre m\u00e4nnlichen Pendants. Die Einstellung von Bewerberinnen geht problemlos vonstatten, w\u00e4hrend jede Einstellung eines Bewerbers einer intensiven \u201eRechtfertigung\u201c und jeder Menge B\u00fcrokram bedarf, falls es auch Bewerberinnen gibt. Manchmal schaltet sich noch die Frauenbeauftragte ein. Wer schnell einstellen m\u00f6chte, \u00c4rger und B\u00fcrokram vermeiden will, der w\u00e4hlt sogar dann die Frau, wenn sie weniger qualifiziert ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Beim Richterberuf stellen wir heute eine intensive Verweiblichung fest. Antjes Steuerbeg\u00fcnstigung f\u00fcr Frauen gilt auch dort, wo die bereits die Mehrheit im Beruf stellen, und bei Frauen, deren M\u00e4nner schon jetzt h\u00e4usliche Aufgaben und die Kinderbetreuung \u00fcbernehmen. Dort w\u00fcrde aber die Steuerbeg\u00fcnstigung keine Entscheidungswirkung mehr entfalten, sondern zum \u201eMitnahmeeffekt\u201c f\u00fchren. \u00dcber geschenkte Verg\u00fcnstigungen, f\u00fcr die sie nichts mehr tun m\u00fcssen, freuen sie sich nat\u00fcrlich besonders, wie Gertrud Traud zu Beginn dieses Essays. Sie werden dadurch nachtr\u00e4glich f\u00fcr ihr A.H.-konformes Verhalten belohnt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Sind die gew\u00e4hlten Berufe bei M\u00e4nnern und Frauen verschieden, w\u00fcrde allerdings die pauschale Beg\u00fcnstigung der Frauen zu Brancheneffekten f\u00fchren. Bei Ingenieuren und Computerfachleuten, die m\u00e4nnlich dominiert sind, k\u00e4me es zu einer Mehrbelastung, bei Richtern oder im Lehrerberuf zu einer Entlastung.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Wettbewerbsf\u00e4higkeit Deutschlands auf den Zukunftsm\u00e4rkten des Maschinenbau, der Elektrotechnik und der Software-Entwicklung w\u00fcrde darunter leiden. Denn mangels Masse w\u00fcrden sich hier gar keine Frauen finden, so dass die verbleibenden M\u00e4nner teurer w\u00fcrden. Da w\u00fcrden sich z.B. die Italiener freuen, denn endlich w\u00fcrde FIAT (B\u00f6sartiges Akronym: <b>F<\/b>\u00fcr <b>I<\/b>taliener <b>A<\/b>usreichende <b>T<\/b>echnik) international konkurrenzf\u00e4higer. Steckt dahinter nur ein Komplott von Alberto und Andrea. \u2013 Achtung Neschle-Anf\u00e4nger: Das ist ein Scherz!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Man k\u00f6nnte dar\u00fcber lamentieren, warum es so wenige Ingenieurinnen gibt. Selbst wenn man daf\u00fcr keine Erkl\u00e4rung hat oder nicht haben will, ist das Fakt, ebenso die Tatsache, dass BWL-Frauen in der Personalwirtschaft und im Marketing in der \u00dcberzahl sind, in \u00d6konometrie, Statistik und in der Finanzwirtschaft in der Minderzahl.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ergebnis: Da in einigen Bereichen \u00fcberwiegend m\u00e4nnlich besetzte Funktionen ausgef\u00fcllt werden m\u00fcssen, die mangels Masse nicht durch Frauen ersetzbar sind, k\u00e4me es dort durch die steuerliche Benachteiligung zu Lohnsteigerungen f\u00fcr M\u00e4nner. Das w\u00e4re ergebnisbezogen wieder eine \u201eUngleichbehandlung\u201c. F\u00fcr A.H. erforderte dies einen erneuten \u201eGleichstellungseingriff\u201c, den sie durch ihren ersten Eingriff selbst provoziert hat. Gleichzeitig sinken die Geh\u00e4lter in den frauendominierten Berufen, weil sie einen Teil ihrer Steuerbeg\u00fcnstigung an die Arbeitgeber \u201e\u00fcberw\u00e4lzen\u201c w\u00fcrden. So funktioniert n\u00e4mlich der Markt, Frau Hermenau!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Beispiele daf\u00fcr gibt es mengenweise. Oder glaubt jemand, die Steuerverg\u00fcnstigungen in Ostdeutschland seien den Bauherren zugute gekommen. Im Gegenteil: Viele davon haben heute ernste Schwierigkeiten bei steigendem Leerstand und sinkenden Mieten. Die Vorteile der Bauherren haben zum gr\u00f6\u00dften Teil die Bau- und Handwerkbetriebe abgesch\u00f6pft, die ihre \u00fcberh\u00f6hten Preise durchsetzen konnten, welche bauw\u00fctigen steuerbeg\u00fcnstigten Investoren akzeptierten.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Folge: A.H. sollte mit ihrem gr\u00fcnen Verstand noch ein wenig \u00fcberlegen. Es gibt andere und bessere L\u00f6sungen f\u00fcr ihr Problem! Doch das w\u00e4re ein anderes Essay.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Noch etwas! Auch f\u00fcr ParlamentarierInnen gilt das Wort von Dieter Nuhr: \u201eWenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Klappe halten!\u201c So und jetzt tut das auch der Neschle, weil er keine Ahnung hat, wie er das solchen Leuten wie Frau Hermenau beibringen soll. Das k\u00f6nnen nur die W\u00e4hlerInnen! Neschle hat ansonsten nichts gegen Frau Hermenau. Leider! Ihm fallen da keine anderen Mittel ein.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Neschle redet jetzt mit einem Freund \u00fcber das Schweigen. Das geht!<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p style=\"text-align: center;\">Es gab um die Gerechtigkeit<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">seit alters her schon sehr viel Streit.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Ein jeder wollte nur die seine<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">und nahm den andren an die Leine.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Doch g\u00e4b\u2019 es viel Gerechtigkeiten,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">wor\u00fcber sollt man dann noch streiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Durchs Dorf gejagt wurd\u2019 manche Sau,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">dann kam auch die Frau Hermenau:<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Die wollte M\u00e4nner als Betreuer<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">der Kinder \u00fcber unsre Steuer<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">erzwingen. Doch Gerechtigkeit<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">ist das wohl kaum, es tut mir leid.<\/p>\n<p><a title=\"PDF-Datei\" href=\"http:\/\/www.neschle.de\/download-manager.php?id=1\">PDF-Datei<\/a><br \/>\nThis post was downloaded by  1317  people until now.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Welche Gerechtigkeit darf es denn sein? Jeder liebt die Gerechtigkeit \u2013 auf Kosten anderer! Ansonsten ist Gerechtigkeit nur schwer zu ertragen!&nbsp;(Neschles bester Bekannter) Fast jede Religion, jede Ideologie, jede Reliologie oder Ideoligion kennt ihre eigene Gerechtigkeit. Das ist dann die Gerechtigkeit f\u00fcr alle und ihre Verfechter wissen sich allein als Inhaber des Schl\u00fcssels dazu.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[4,6],"tags":[19,14],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/152"}],"collection":[{"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=152"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/152\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1047,"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/152\/revisions\/1047"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=152"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=152"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=152"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}