{"id":1383,"date":"2020-12-23T09:54:12","date_gmt":"2020-12-23T08:54:12","guid":{"rendered":"https:\/\/neschle.de\/?p=1383"},"modified":"2020-12-24T11:38:18","modified_gmt":"2020-12-24T10:38:18","slug":"leon-neschle-90","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/leon-neschle-90\/","title":{"rendered":"Leon Neschle 90"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong><span style=\"color:#4f81bd\" class=\"tadv-color\">Die Erbs\u00c3\u00bcnden des Liberalismus &#8211; Essay in neun Teilen und sieben S\u00c3\u00bcnden<\/span><\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Teil 6<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>\u00e2\u20ac\u017eNeo-Feudalismus ist Realit\u00c3\u00a4t und reale Gefahr in liberalen Gesellschaften. In nicht-liberalen Gesellschaften ist Feudalismus ein fester Bestandteil des politischen Systems.&#8220;<\/em> (Neschle)<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die f\u00c3\u00bcnfte Erbs\u00c3\u00bcnde: (Neo-)Feudalismus statt (Neo-)Liberalismus<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die f\u00c3\u00bcnfte Erbs\u00c3\u00bcnde kann eigentlich keine S\u00c3\u00bcnde aus der Genetik des Liberalismus sein. Denn es war der Liberalismus, der den Feudalismus zu Fall gebracht hat. Feudalismus zeigt sich viel st\u00c3\u00a4rker in L\u00c3\u00a4ndern, an denen Aufkl\u00c3\u00a4rung und Liberalismus vorbeigegangen sind: etwa bei Familienclans der Regierenden in Nordkorea, in der T\u00c3\u00bcrkei oder in der arabischen Gesellschaft. Feudale Strukturen in liberalen Gesellschaften sind ein Grund zum Sch\u00c3\u00a4men und zur Selbstkritik bei den Liberalen. Doch diesen Grund gibt es mehr oder weniger in allen liberalen Gesellschaften.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Liberale haben im Kampf gegen den Feudalismus zu fr\u00c3\u00bch eine Kehrtwende vollzogen, gerade in Deutschland. Die National-Liberalen verb\u00c3\u00bcndeten sich mit den deutschen F\u00c3\u00bcrsten gegen Frankreich und \u00c3\u00bcbten damit den Schulterschluss mit dem Feudalismus. Zwar haben b\u00c3\u00bcrgerliche Liberale in westlichen Demokratien die Machterhaltungsinstrumente des (Land-)Adels<a href=\"applewebdata:\/\/B172DA20-5BDA-4338-9B6B-0B29083F3840#_ftn1\"><sup>[1]<\/sup><\/a>&nbsp;zerst\u00c3\u00b6rt, es blieben aber Reste feudaler Strukturen. Zudem erlaubte oder f\u00c3\u00b6rderte der Liberalismus die Entstehung eines \u00e2\u20ac\u017eGeldadels\u00e2\u20ac\u0153, der zur Sicherung seiner Macht auf eine Refeudalisierung unter neuem Vorzeichen hinarbeitete: Geld ersetzte Land als Basis der Macht.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Geldadel \u00c3\u00bcbernahm oft das Gebaren des (Land-)Adels, was sich \u00c3\u00a4u\u00c3\u0178erlich etwa in der Villa H\u00c3\u00bcgel der Krupp-Dynastie zeigt. Und die Liste des \u00e2\u20ac\u017eGeldadels\u00e2\u20ac\u0153, der sich nach dem Geld zus\u00c3\u00a4tzlich um einen \u00e2\u20ac\u017eechten\u00e2\u20ac\u0153 Adelstitel bem\u00c3\u00bchte, ist ellenlang: \u00e2\u20ac\u017e<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Boch_(Adelsgeschlecht)\">von Boch<\/a>,&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Krupp_(Familie)\">Krupp von Bohlen und Halbach<\/a>,&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Albert_von_Metzler_(Bankier,_1839)\">von Metzler<\/a>,&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Peter_Arnold_Mumm\">von Mumm<\/a>,&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Opel_(Familie)\">von Opel<\/a>,&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Rothschild_(Familie)\">von Rothschild<\/a>,&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Siemens_(Adelsgeschlecht)\">von Siemens<\/a>,&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Stumm_(Montanunternehmer)\">von Stumm<\/a>,&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Heinrich_Thyssen\">Thyssen-Bornemisza de K\u00c3\u00a1szon<\/a>&nbsp;usw.\u00e2\u20ac\u0153<a href=\"applewebdata:\/\/B172DA20-5BDA-4338-9B6B-0B29083F3840#_ftn2\"><sup>[2]<\/sup><\/a>. Das bezeugt auch \u00c3\u00a4u\u00c3\u0178erlich den Versuch des Geldadels, Feudalstrukturen zu revitalisieren. Ein wenig f\u00c3\u00bchlt man sich dabei an George Orwells \u00e2\u20ac\u017eFarm der Tiere\u00e2\u20ac\u0153 (\u00e2\u20ac\u017eAnimal Farm\u00e2\u20ac\u0153) erinnert, wo die Tiere mit den Schweinen an der Spitze die Herrschaftsstrukturen wiederherstellen, die sie durch Putsch gegen den Farmer beseitigt hatten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Obwohl der Adelstitel nach der liberalen Erneuerung nur noch Namenszusatz war, diente er dem arrivierten Unternehmer dazu, sich durch Schichtung von seiner bisherigen Herkunft abzuheben. Und geht es nach Kritikern des Liberalismus versucht ein \u00e2\u20ac\u017eliberaler Geldadel\u00e2\u20ac\u0153 noch heute die Perpetuierung seiner Macht und die Wiederbelebung einer St\u00c3\u00a4ndegesellschaft<a href=\"applewebdata:\/\/B172DA20-5BDA-4338-9B6B-0B29083F3840#_ftn3\"><sup>[3]<\/sup><\/a>. Diese Kritik ist nicht leicht von der Hand zu weisen:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die \u00c3\u00bcberw\u00c3\u00a4ltigende Mehrheit der Eliten von heute sind Kinder der Eliten von gestern<a href=\"applewebdata:\/\/B172DA20-5BDA-4338-9B6B-0B29083F3840#_ftn4\"><sup>[4]<\/sup><\/a>: \u00e2\u20ac\u017eDie Herkunft als zentraler Faktor sozialer Ungleichheit ist keineswegs \u00c3\u00bcberwunden. Verm\u00c3\u00b6gen, Anerkennung, Bildung und Macht werden heute noch innerhalb von abgegrenzten sozialen Gruppen, Seilschaften und Familien vererbt\u00e2\u20ac\u0153.<a href=\"applewebdata:\/\/B172DA20-5BDA-4338-9B6B-0B29083F3840#_ftn5\"><sup>[5]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der neue Feudalismus steht wie der alte gegen das, wof\u00c3\u00bcr der Liberalismus einst angetreten ist: die Freiheit der anderen, eine offene und durchl\u00c3\u00a4ssige Gesellschaft und die Gleichheit der Startchancen. Daher stellt Widmann mit Recht die Frage, ob Liberalismus und Demokratie von ihren eigenen Eliten zerst\u00c3\u00b6rt werden?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Linke und Rechte sind sich vor allem in einem Punkt einig: Ihr gemeinsamer Feind ist die Elite. Diese Elite tut viel, um dieses Feindbild zu rechtfertigen. Sie predigt liberale Tugenden und Werte, lebt jedoch oft neofeudale. Statt \u00e2\u20ac\u017esch\u00c3\u00b6pferischer Zerst\u00c3\u00b6rung\u00e2\u20ac\u0153 im Sinne von Schumpeter macht sie alles, um ihren privilegierten Status vor einer solchen Zerst\u00c3\u00b6rung zu bewahren. Sie blockiert und entdynamisiert die Gesellschaft, operativ und strategisch. Bildung ist dabei einer ihrer wichtigsten Hebel. Die USA bieten sogar ein Musterbeispiel f\u00c3\u00bcr den privilegierten Zugang der Elite zur Bildung<a href=\"applewebdata:\/\/B172DA20-5BDA-4338-9B6B-0B29083F3840#_ftn6\"><sup>[6]<\/sup><\/a>:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Nutzung der Reputation exklusiver privater Schulen und Elite-Universit\u00c3\u00a4ten soll bei Nachkommen reicher Eltern f\u00c3\u00bcr einen bevorzugten Berufsstart sorgen und damit f\u00c3\u00bcr die Erhaltung von Geld und Macht der Familiendynastie. Man examiniert auf den Kaderschmieden der Ivy League-Universit\u00c3\u00a4ten und besorgt sich mit seinem Geld einen unangemessen hohen Bildungsrang. Weil das in der Elite alle so machen, ist man sich dort nach dem Studium in Alumni-Netzwerken verbunden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit der Zugeh\u00c3\u00b6rigkeit zu diesen Netzwerken sichert man den beruflichen Aufstieg auch f\u00c3\u00bcr die schw\u00c3\u00a4cheren Mitglieder der reichen Familien. Das Wichtigste aber: Entscheidend ist nicht die pers\u00c3\u00b6nliche&nbsp;<em>Leistung<\/em>&nbsp;des Einzelnen im Studium. Sie wird zwar durch Noten belegt, aber im simpel ausgedruckten und weitgehend missachteten Zeugnis auf normalem Schreibpapier. Was z\u00c3\u00a4hlt ist die&nbsp;<em>Herkunft<\/em>&nbsp;des Absolventen aus einer (Elite-)Universit\u00c3\u00a4t, geadelt dokumentiert durch eine aufwendig gestaltete und gerahmte Bachelor- oder Master-Urkunde.&nbsp;<em>Die individuelle Qualit\u00c3\u00a4t der eigenen Bildungsleistung der Absolventen tritt damit weit hinter die Bedeutung der Reputation der Ausbildungsst\u00c3\u00a4tte zur\u00c3\u00bcck.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Warum ist das so? Das angels\u00c3\u00a4chsische Wort \u00e2\u20ac\u017e<em>E<\/em>-ducation\u00e2\u20ac\u0153 bedeutet nicht \u00e2\u20ac\u017eBildung\u00e2\u20ac\u0153, sondern \u00e2\u20ac\u017e<em>Aus<\/em>-Bildung\u00e2\u20ac\u0153. Mit \u00e2\u20ac\u017eBildung\u00e2\u20ac\u0153, die durch Eigen-Leistung der&nbsp;<em>Studierenden<\/em>&nbsp;(studere = sich bem\u00c3\u00bchen) w\u00c3\u00a4chst, hat diese Vorstellung wenig zu tun:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Im&nbsp;<em>Bildungs<\/em>system z\u00c3\u00a4hlen vor allem die Studierenden und ihre Leistung. Der Lehrende unterst\u00c3\u00bctzt freilich deren Entwicklung wie ein G\u00c3\u00a4rtner. Er d\u00c3\u00bcngt und beschneidet, doch er l\u00c3\u00a4sst aus eigener Kraft wachsen. Das Zeugnis ist wichtiger, denn es zeugt von der&nbsp;<em>eigenen Leistung<\/em>&nbsp;der Studierenden. Die Urkunde wird eigentlich gar nicht ben\u00c3\u00b6tigt.<\/li><li>Im&nbsp;<em>Ausbildungs<\/em>system dominiert die Kaderschmiede. Da kommt alles auf den Ausbilder an. Der formt seine Rohlinge wie ein Schmied, er macht etwas mit und aus ihnen je nach \u00e2\u20ac\u017eAusgangsmaterial\u00e2\u20ac\u0153. Die Urkunde ist wichtiger, denn sie \u00c3\u00bcbertr\u00c3\u00a4gt die Reputation der Kaderschmiede. Der Abschluss und sein Ort sind wesentlich, das Zeugnis \u00c3\u00bcber die individuelle Leistung ist unbedeutend.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00c3\u00a4hrend \u00e2\u20ac\u017eBildung\u00e2\u20ac\u0153 auf Selbstinitiative der Studierenden beruht und nach nachfrageinduzierten Inhalten ruft, liefert \u00e2\u20ac\u017eAus-Bildung\u00e2\u20ac\u0153 angebotsorientierten Schul(ungs)stoff durch die Ausbilder. Die passenden Titel in einem Ausbildungssystem stammen daher aus dem ausbildenden Handwerk: \u00e2\u20ac\u017eBachelor\u00e2\u20ac\u0153 (Geselle) und \u00e2\u20ac\u017eMaster\u00e2\u20ac\u0153 (Meister).&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese&nbsp;<em>Aus<\/em>bildungstitel haben nach dem Bologna-Prozess<a href=\"applewebdata:\/\/B172DA20-5BDA-4338-9B6B-0B29083F3840#_ftn7\"><sup>[7]<\/sup><\/a>&nbsp;in Europa den&nbsp;<em>Bildungs<\/em>abschluss \u00e2\u20ac\u017eDiplom\u00e2\u20ac\u0153 ersetzt und mit ihm das Bildungsideal Kontinentaleuropas symbolisch zu Grabe getragen. So hat man f\u00c3\u00bcr Europa nicht nur den Gedanken eines Bildungsprozesses mit selbstverantwortlichen Studierenden aus den Augen verloren, sondern auch den Boden f\u00c3\u00bcr ein neo-feudales Ausbildungssystem bereitet und Tendenzen zur Schichtung der Gesellschaft verst\u00c3\u00a4rkt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Z\u00c3\u00a4hlt die Reputation der Kaderschmiede viel mehr als die eigene Bildungs-Leistung, zeigt sich auch hier das Ergebnis:&nbsp;<em>Schwache Absolventen privater Elite-Universit\u00c3\u00a4ten stehen besser da als hervorragende Absolventen staatlicher Wald- und Wiesenhochschulen.<\/em>&nbsp;Die \u00e2\u20ac\u017eLeistungsgesellschaft\u00e2\u20ac\u0153 wird zur faulen Ausrede: F\u00c3\u00bcr den sozialen Status ist die Reputation ihrer Uni entscheidend, nicht die eigene Leistung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In die Reputation der Elite-Universit\u00c3\u00a4ten kann und muss man sich jedoch einkaufen, um seine Zugeh\u00c3\u00b6rigkeit zum (Aus-)Bildungsadel zu sichern. Je teurer, je besser, was keinesfalls auch f\u00c3\u00bcr die Inhalte der Ausbildung gelten muss. So kann die Elite des Landes ihre schwachen Mitglieder besser positionieren als starke Empork\u00c3\u00b6mmlinge aus der Unterschicht. Das aber ist nichts anderes als (Aus-)Bildungsfeudalismus, der auf die Feudalisierung der Gesamtgesellschaft hinwirkt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00c3\u201ermere Schichten werden in die Bildungsknechtschaft gezwungen, bei der sie ein Leben lang zahlen, um an \u00c3\u00a4hnlichen Privilegien teilzuhaben. In der Regel haben sie kaum eine Chance, an einer der teuren Elite-Universit\u00c3\u00a4ten zu studieren. Die sehen f\u00c3\u00bcr Begabte zwar Ausnahmen vor; denn allein Reputationseink\u00c3\u00a4ufer k\u00c3\u00b6nnen den Ruf der Elite-Universit\u00c3\u00a4t auf Dauer nicht erhalten, trotz aller Ma\u00c3\u0178nahmen im Hochschulmarketing, einschlie\u00c3\u0178lich der Testimonials ber\u00c3\u00bchmter Absolventen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die historische Reputation kann nachhaltig nur durch herausragende Forschungsleistungen bewahrt werden. Die sagen zwar wenig \u00c3\u00bcber die Qualit\u00c3\u00a4t der Lehre und damit \u00c3\u00bcber die der Ausbildung, trotzdem findet eine Image\u00c3\u00bcbertragung statt: bessere Forschung gleich bessere Lehre. Jeder, der an einer Hochschule gearbeitet hat, wei\u00c3\u0178, dass das&nbsp;<em>so<\/em>&nbsp;nicht stimmt. Das Ergebnis ist der (un-)sch\u00c3\u00b6ne Schein, der reiche Schwachmaten im Lichte der \u00c3\u2013ffentlichkeit besser dastehen l\u00c3\u00a4sst als arme Begabte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Begabtenf\u00c3\u00b6rderung der Elite-Unis ist nur das Feigenblatt auf dem feudalen \u00e2\u20ac\u017eBildungssystem\u00e2\u20ac\u0153 des amerikanischen Geldadels, dass zum \u00e2\u20ac\u017eAusbildungssystem\u00e2\u20ac\u0153 pervertiert ist. Dieses System ist ein Schlag gegen die offene Bildungsgesellschaft, die es allen F\u00c3\u00a4higen erm\u00c3\u00b6glicht aufzusteigen, mit gleichen Chancen und nach ihrer individuellen Leistung. Das hindert die neofeudale Elite freilich nicht daran, sich selbst aufgrund der Ausbildung an Elite-Universit\u00c3\u00a4ten auch \u00c3\u00bcberlegene Leistungen zuzuschreiben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Geldadel in den USA ist heute \u00c3\u00bcberwiegend republikanisch und verwendet \u00e2\u20ac\u017eliberal\u00e2\u20ac\u0153 gern als Schimpfwort, das in unmittelbarer N\u00c3\u00a4he von \u00e2\u20ac\u017ekommunistisch\u00e2\u20ac\u0153 liegt. Bei seiner neofeudalen Haltung ist das verst\u00c3\u00a4ndlich. Denn der Liberalismus ist antifeudal und steht f\u00c3\u00bcr eine offene Gesellschaft. Der Geldadel in Europa h\u00c3\u00a4lt es dagegen politisch oft mit den Liberalen, gleich welcher Partei. Ihnen verdankt er sowohl seinen Ursprung als auch seine heutigen Gestaltungsm\u00c3\u00b6glichkeiten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch auch dieser europ\u00c3\u00a4ische Geldadel will mit den&nbsp;<em>anti<\/em>feudalen Prinzipien des Liberalismus meist nicht viel zu tun haben. Mit Worten verteidigt er \u00e2\u20ac\u017efairen Wettbewerb\u00e2\u20ac\u0153, die Taten sprechen aber allzu oft von neofeudaler Machterhaltung. Liberale haben einst gegen den Feudalismus des Landadels gek\u00c3\u00a4mpft. Doch in ihren eigenen Reihen ist es nie zum Befreiungskampf gegen den Neo-Feudalismus und die neue St\u00c3\u00a4ndegesellschaft gekommen.&nbsp;<em>Mit der \u00e2\u20ac\u017eFreiheit des Einzelnen\u00e2\u20ac\u0153 war aber im Liberalismus nie die Freiheit gemeint, die Freiheit anderer zu behindern oder einzuschr\u00c3\u00a4nken oder sich auch nur selbst mehr Freiheiten herauszunehmen als andere. Freiheit ist gekoppelt mit sozialer Verantwortung f\u00c3\u00bcr die Freiheit der anderen und damit f\u00c3\u00bcr eine offene Gesellschaft.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese soziale Verantwortung schlie\u00c3\u0178t die pers\u00c3\u00b6nliche Haftung ein. Das haben die Neoliberalen der Freiburger Schule besonders betont. Weil es keine pers\u00c3\u00b6nliche Haftung f\u00c3\u00bcr das Vorstandshandeln bei der Aktiengesellschaft gibt, haben Vorst\u00c3\u00a4nde ihrer Gesellschaft schweren Schaden zugef\u00c3\u00bcgt und wurden daf\u00c3\u00bcr noch mit enormen Abfindungen bedacht statt pers\u00c3\u00b6nlich daf\u00c3\u00bcr zu haften. Die Aktiengesellschaft ist aus dieser Sicht eine Fehlkonstruktion, die f\u00c3\u00bcr Vieles verantwortlich ist, was fr\u00c3\u00bcher dem Kapitalismus und heute dem Neo-Liberalismus zugeschrieben wird: f\u00c3\u00bcr verantwortungsloses Handeln und die Vermachtung der Marktstrukturen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00c3\u00bcr das Risiko, dass Vorst\u00c3\u00a4nde von Aktiengesellschaften zu Lasten von Besch\u00c3\u00a4ftigten und Aktion\u00c3\u00a4ren eingehen, werden sie zwar zus\u00c3\u00a4tzlich belohnt, aber nie bestraft. Von der Chance profitieren sie, das Risiko tragen die anderen. Die h\u00c3\u00b6chsten Angestellten gro\u00c3\u0178er Aktiengesellschaften z\u00c3\u00a4hlen heute zum Geldadel, obwohl sie anders als der klassische Unternehmer kein finanzielles Risiko tragen m\u00c3\u00bcssen. Und \u00e2\u20ac\u017eEinmal Vorstand, immer Vorstand\u00e2\u20ac\u0153 hei\u00c3\u0178t es intern im Netzwerke der Vorst\u00c3\u00a4nde.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ihre Verg\u00c3\u00bctung nimmt die Form einer j\u00c3\u00a4hrlichen Apanage an, Leistung und Verg\u00c3\u00bctung sind entkoppelt, obwohl seitenlange Verg\u00c3\u00bctungsberichte vom Gegenteil k\u00c3\u00bcnden sollen.&nbsp;<em>Das Beste aus drei Welten<\/em>&nbsp;ist gerade gut genug: An die Stelle des risikobehafteten Unternehmereinkommens tritt das risikolose Gehalt eines Angestellten, hinzu kommen die Gewinnbeteiligung eines Unternehmers, jedoch ohne dessen Verlustbeteiligung, und die Sicherheit von exorbitanten Betriebspensionen wie bei Beamten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ordoliberale akzeptieren das nicht. Da sie jedoch auf Aktien als Finanzierungsinstrument nicht verzichten wollen, bleibt die Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA), bei der die Vorst\u00c3\u00a4nde als Komplement\u00c3\u00a4re ins pers\u00c3\u00b6nliche Risiko gehen&nbsp;<em>m\u00c3\u00bcssen<\/em>. Nicht ein hoher Gewinn als solcher wird als Problem betrachtet, sondern ein nicht-unternehmerischer und damit risikoloser Gewinn. Den will man verhindern oder ansonsten rigoros absch\u00c3\u00b6pfen.<a href=\"applewebdata:\/\/B172DA20-5BDA-4338-9B6B-0B29083F3840#_ftn8\"><sup>[8]<\/sup><\/a>&nbsp;Die typische Gesellschaftsform der Ordoliberalen ist dennoch nicht die KGaA, sondern die Genossenschaft: Die ist auf Selbsthilfe angelegt und weist jedem \u00e2\u20ac\u017eGenossen\u00e2\u20ac\u0153 unabh\u00c3\u00a4ngig von der Einlage dasselbe Stimmrecht zu.<a href=\"applewebdata:\/\/B172DA20-5BDA-4338-9B6B-0B29083F3840#_ftn9\"><sup>[9]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch ist der reale Liberalismus abweichend von seiner antifeudalen Ideologie nicht trotzdem D\u00c3\u00bcnger f\u00c3\u00bcr einen Neo-Feudalismus? Auf Geld statt auf Land als Machtbasis und mit anderen Privilegien? \u00e2\u20ac\u201c Im real gelebten Liberalismus w\u00c3\u00a4re das der schlimmste Widerspruch, den sich Liberale leisten, aber nach ihrer Philosophie weder leisten k\u00c3\u00b6nnen noch d\u00c3\u00bcrften.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Viele Liberale verweigern hier den Blick in den Spiegel und sehen sie doch hinein, breiten sie den Mantel des Schweigens und der Scham dar\u00c3\u00bcber. Statt sich intern damit auseinanderzusetzen, \u00c3\u00bcberlassen sie es ihren Gegnern, das Problem \u00e2\u20ac\u017eNeofeudalismus\u00e2\u20ac\u0153 zu benennen und dessen Geburtshilfe durch den Liberalismus blo\u00c3\u0178zustellen<a href=\"applewebdata:\/\/B172DA20-5BDA-4338-9B6B-0B29083F3840#_ftn10\"><sup>[10]<\/sup><\/a>&nbsp;und verlieren dadurch die Deutungshoheit und erlauben ihren Kritikern, den Feudalismus in nichtliberalen Gesellschaftsordnungen zu kaschieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach Ansicht von Clemens Schneider besteht sogar die \u00e2\u20ac\u017eeigentliche Herausforderung f\u00c3\u00bcr den Liberalismus\u00e2\u20ac\u0153 darin, \u00e2\u20ac\u017edenjenigen das Handwerk zu legen, die sich als Liberale ausgeben, aber dabei in ihrem Denken, Reden und Tun an dessen Grundfesten r\u00c3\u00bctteln.\u00e2\u20ac\u0153<a href=\"applewebdata:\/\/B172DA20-5BDA-4338-9B6B-0B29083F3840#_ftn11\"><sup>[11]<\/sup><\/a>&nbsp;Das tun sie dadurch, dass sie zwar Deregulierung und Zur\u00c3\u00bcckdr\u00c3\u00a4ngung der Staatsmacht fordern, bei privater Machtentfaltung aber asymmetrisch reagieren: Nat\u00c3\u00bcrlich investiert man gern in ein Unternehmen, dem es gelingen kann, seine Branche zu monopolisieren und die Marktkontrolle au\u00c3\u0178er Kraft zu setzen.<a href=\"applewebdata:\/\/B172DA20-5BDA-4338-9B6B-0B29083F3840#_ftn12\"><sup>[12]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als Akt der Selbstreinigung ist der Kampf gegen solche Tendenzen l\u00c3\u00a4ngst \u00c3\u00bcberf\u00c3\u00a4llig. Sein Ausbleiben macht den Liberalismus widerspr\u00c3\u00bcchlich zwischen Realbild und Ideologie. Es macht ihn angreifbar und raubt ihm seine Glaubw\u00c3\u00bcrdigkeit. \u00e2\u20ac\u017eDer Liberalismus ist (hier) sein eigener Feind\u00e2\u20ac\u0153.<a href=\"applewebdata:\/\/B172DA20-5BDA-4338-9B6B-0B29083F3840#_ftn13\"><sup>[13]<\/sup><\/a>&nbsp;Denn gegen den Neo-Feudalismus gelten noch dieselben Argumente, die Liberale einst im Kampf gegen den Feudalismus ins Feld f\u00c3\u00bchrten. Auch der Geldadel verschafft den Seinen mit Clan- und Clubmentalit\u00c3\u00a4t und Abschottung vor der Konkurrenz Wettbewerbsvorteile, auf subtilere Weise als der Landadel. Er tr\u00c3\u00a4gt damit zur Verhinderung der Gleichheit der Lebenschancen bei, zur Erstarrung der dynamischen Gesellschaft und zur Beseitigung der offenen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der ausbleibende Kampf gegen das interne Gew\u00c3\u00a4chs des \u00e2\u20ac\u017ekapitalistischen Neo-Feudalismus\u00e2\u20ac\u0153 tr\u00c3\u00a4gt den Liberalen von linker Seite den Vorwurf ein, den Neofeudalismus sogar&nbsp;<em>aktiv<\/em>&nbsp;zu unterst\u00c3\u00bctzen. Dabei werden nicht nur neofeudale Instrumente und Strukturen des Geldadels angegriffen, sondern der Neoliberalismus selbst, obwohl dessen&nbsp;<em>Ideologie<\/em>&nbsp;mit der neofeudalen Praxis des Geldadels unvereinbar ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Land und Geld sind in einer historischen Reihe bislang die letzten Machtbasen, die fr\u00c3\u00bcher und heute eine Gefahr f\u00c3\u00bcr die Freiheit (und Sicherheit) anderer darstellen. M\u00c3\u00b6gen es davor noch die Verf\u00c3\u00bcgung \u00c3\u00bcber \u00c3\u00bcberlegene Werkzeuge oder Waffen gewesen sein, derzeit erscheint eine andere Gefahr f\u00c3\u00bcr die liberale Gesellschaft gr\u00c3\u00b6\u00c3\u0178er:&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">L\u00c3\u00a4ngst ist das Informationszeitalter angebrochen und vom Besitz und Missbrauch von Informationen, nicht mehr von Land oder Geld, geht die gr\u00c3\u00b6\u00c3\u0178te Gefahr f\u00c3\u00bcr die Freiheit aus. Die gef\u00c3\u00a4hrlichsten T\u00c3\u00a4ter sind nicht einmal Google, Facebook und Co, sondern autorit\u00c3\u00a4re Staaten, allen voran die Volksrepublik China. Die Nordkoreaner k\u00c3\u00b6nnten sie noch \u00c3\u00bcbertreffen, sobald sie technisch dazu in der Lage sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch halten wir fest: Der reale Liberalismus hat antiliberales Gebaren des Geldadels in den eigenen Reihen erm\u00c3\u00b6glicht, es zwar immer ideologisch, aber nur selten praktisch bek\u00c3\u00a4mpft. Dabei sind der Kategorische Imperativ, Verantwortung und pers\u00c3\u00b6nliche Haftung Eckpfeiler des Liberalismus. An denen s\u00c3\u00a4gen auch solche, die sich selbst \u00e2\u20ac\u017eliberal\u00e2\u20ac\u0153 nennen, weil sie es sch\u00c3\u00b6n finden, sich von anderen nichts sagen zu lassen. Doch der blo\u00c3\u0178e Schutz vor der Einmischung anderer ist nicht einmal der halbe Liberalismus, weil da zumindest die Freiheit der anderen ist, von der F\u00c3\u00b6rderung aktiver Freiheit zur Teilhabe am demokratischen und marktlichen Prozess ganz zu schweigen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer aber meint, der Keim des Geldadels und dessen Hang zum Feudalismus gehe&nbsp;<em>besonders leicht und oft im Liberalismus<\/em>&nbsp;auf, der hat die rasante Explosion von Oligarchen aus einem einst sozialistischen System in Russland \u00c3\u00bcbersehen. Hier sind in einer Geschwindigkeit neue und unkontrollierte Machtzentren entstanden, wie das bei vorheriger ideologischer Reinheit von Kommunismus und Sozialismus nie m\u00c3\u00b6glich sein d\u00c3\u00bcrfte. Schweigen m\u00c3\u00bcsste man auch von der politischen Nomenklatura und der Kaderpolitik sozialistischer Staaten, die im Stil von Familienclans organisiert ist, besonders ausgepr\u00c3\u00a4gt in Nordkorea, aber schon bei Mao oder Honecker und jeweiliger Gattin. Und nat\u00c3\u00bcrlich schottet sich die politische Elite dort in f\u00c3\u00bcr sie reservierten Gebieten strikt vom Rest der Bev\u00c3\u00b6lkerung ab, ob im Alltag oder im Urlaub.<a href=\"applewebdata:\/\/B172DA20-5BDA-4338-9B6B-0B29083F3840#_ftn14\"><sup>[14]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der t\u00c3\u00bcrkische Herrscherclan um Erdo\u00c7\u00a7an ist im Wesentlichen ein Familienbetrieb, der sich nachhaltig am Volksverm\u00c3\u00b6gen bereichert. Das ist \u00e2\u20ac\u017emoderner\u00e2\u20ac\u0153 Feudalismus in Reinkultur, der den Neo-Feudalismus in der liberalen Gesellschaft weit \u00c3\u00bcbertrifft.&nbsp;<em>Daher ist der Liberalismus zwar eine, aber keineswegs die gr\u00c3\u00b6\u00c3\u0178te und fruchtbarste Brutst\u00c3\u00a4tte f\u00c3\u00bcr (Neo-)Feudalismus.<\/em>&nbsp;Es mangelt ihm n\u00c3\u00a4mlich in der Regel an der ausgepr\u00c3\u00a4gten Vetternwirtschaft, die fast alle nicht-liberalen Feudalsysteme kennzeichnet, auch wenn Trump mit seiner Familie zu versuchen scheint, diese zu errichten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine neue, h\u00c3\u00b6chst widerspr\u00c3\u00bcchliche Form des Neo-Feudalismus entsteht derzeit fast unbemerkt auf der Basis des Neo-Marxismus und seiner \u00e2\u20ac\u017emodernen\u00e2\u20ac\u0153 Definition der \u00e2\u20ac\u017eAusbeutung\u00e2\u20ac\u0153: Waren es fr\u00c3\u00bcher Kapitalisten die Unterdr\u00c3\u00bccker, sind es heute die \u00e2\u20ac\u017ewei\u00c3\u0178en alten M\u00c3\u00a4nner\u00e2\u20ac\u0153. Die Unterdr\u00c3\u00bcckten sind nicht mehr die Mitglieder der Arbeiterklasse, die so wie einst ohnehin kaum mehr existiert, sondern diverse Minderheiten mit&nbsp;<em>unterschiedlicher<\/em>&nbsp;Opferqualit\u00c3\u00a4t.<a href=\"applewebdata:\/\/B172DA20-5BDA-4338-9B6B-0B29083F3840#_ftn15\"><sup>[15]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Opferqualit\u00c3\u00a4t richtet sich nach dem Grad der Diskriminierung und Unterdr\u00c3\u00bcckung. Sie geht einher mit moralischer Autorit\u00c3\u00a4t und quasi-rechtlichen Anspr\u00c3\u00bcchen. Die sind Ausgangspunkt einer moralischen Schichtung der Gesellschaft, einer \u00e2\u20ac\u017emoralischen St\u00c3\u00a4ndeordnung\u00e2\u20ac\u0153. Sie unterscheidet nur nach \u00c3\u00a4u\u00c3\u0178eren(!) Diskriminierungsmerkmalen, mit denen sich die \u00e2\u20ac\u017eOpferw\u00c3\u00bcrde\u00e2\u20ac\u0153 f\u00c3\u00bcr jeden ganz einfach bestimmen l\u00c3\u00a4sst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus dieser Schichtung kann man nicht ausbrechen, weil sie an&nbsp;<em>pers\u00c3\u00b6nlichen<\/em>&nbsp;Merkmalen festmacht: Man ist eben alt oder jung, schwarz oder wei\u00c3\u0178, Frau oder Mann, hetero- oder homosexuell oder irgendetwas Drittes oder Viertes, ohne dass man etwas daran tun kann. Mit den meisten Merkmalen der moralischen Qualit\u00c3\u00a4t, au\u00c3\u0178er dem Alter und bedingt auch der Religion, wird man geboren. Doch angeborene Merkmale sind genau die Merkmale des Feudalismus und der St\u00c3\u00a4ndegesellschaft. Die hat der Liberalismus bek\u00c3\u00a4mpft und nun wird die liberale Gesellschaft von links mit einer neuen \u00e2\u20ac\u017emoralischen\u00e2\u20ac\u0153 St\u00c3\u00a4ndeordnung bek\u00c3\u00a4mpft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Form der Geschlechterquote ist diese neo-feudalistische Politik hierzulande sogar regierungsf\u00c3\u00a4hig geworden, ohne dass man den Eindruck hat, deren neo-feudalistischer Inhalt und seine neo-marxistischen Urspr\u00c3\u00bcnge seien in das Bewusstsein ihrer Bef\u00c3\u00bcrworter gelangt. Dabei geht die Quotengesellschaft weit \u00c3\u00bcber den Minderheitenschutz hinaus, den schon die Ur-Liberalen auf ihre Fahnen geschrieben hatten. Aus der simplen Tatsache Minderheit zu sein, leitet man moralische und rechtliche Anspr\u00c3\u00bcche gegen\u00c3\u00bcber der Mehrheit ab. Daf\u00c3\u00bcr reicht in der Regel die statistische Minderheit, bei Frauen sogar eine gef\u00c3\u00bchlte:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\" type=\"1\"><li>Man betrachtet Diskriminierung als Unterdr\u00c3\u00bcckung, tut es aber selbst, wenn man die plakativen \u00e2\u20ac\u017eUnterdr\u00c3\u00bccker\u00e2\u20ac\u0153 im Auge hat: alte wei\u00c3\u0178e M\u00c3\u00a4nner. Man merkt den US-Import, weil \u00e2\u20ac\u017ewei\u00c3\u0178e\u00e2\u20ac\u0153 in Deutschland wenig Diskriminierungsrelevanz hat. Das wird begr\u00c3\u00bcndet mit dem \u00e2\u20ac\u017e<em>weltweiten<\/em>&nbsp;Kampf gegen die Unterdr\u00c3\u00bccker\u00e2\u20ac\u0153. Doch weltweit gesehen lauert eher eine \u00e2\u20ac\u017egelbe Gefahr\u00e2\u20ac\u0153. Der wei\u00c3\u0178e alte Mann geh\u00c3\u00b6rt dort zu einer der Minderheiten. Die Diskriminierung durch diese Ideologie selbst m\u00c3\u00bcsste ihn daher zu einem schutzw\u00c3\u00bcrdigen Subjekt machen.<\/li><li>Man postuliert Unterdr\u00c3\u00bcckung aufgrund der statistischen Tatsache, dass da eine Minderheit ist, die sich in der Regel selbst als Minderheit definiert. Daf\u00c3\u00bcr fordert man nicht nur Schutzrechte, sondern eine zumindest gleichberechtigte Repr\u00c3\u00a4sentation mit der Mehrheit, in der Regel sogar eine h\u00c3\u00b6here Repr\u00c3\u00a4sentanz. Wegen der h\u00c3\u00b6heren moralischen Qualit\u00c3\u00a4t der Minderheit! Das sind typische Rechte, die auch autorit\u00c3\u00a4re Ideologien f\u00c3\u00bcr ihre Anh\u00c3\u00a4nger einfordern. Allein schon die h\u00c3\u00b6here moralische Qualit\u00c3\u00a4t und Erkenntnisf\u00c3\u00a4higkeit gibt ihnen das Recht, \u00c3\u00bcber andere zu entscheiden, \u00c3\u00bcber deren Sprache und Leben. Mehrheitsrechte, f\u00c3\u00bcr die der Liberalismus einst gek\u00c3\u00a4mpft hat, werden auf diese Weise abgeschafft. Die Mehrheit hat jede moralische Qualit\u00c3\u00a4t verwirkt, allein dadurch, dass sie Mehrheitsrechte aus\u00c3\u00bcben und Minderheiten unterdr\u00c3\u00bccken&nbsp;<em>k\u00c3\u00b6nnte(!)<\/em>.<\/li><li>F\u00c3\u00bcr die moralische Qualit\u00c3\u00a4t sammelt man Opferpunkte, auch wenn man als Frau nur zu einer \u00e2\u20ac\u017egef\u00c3\u00bchlten\u00e2\u20ac\u0153 Minderheit geh\u00c3\u00b6rt. Es gen\u00c3\u00bcgt das Selbstverst\u00c3\u00a4ndnis als \u00e2\u20ac\u017eunterdr\u00c3\u00bcckte Minderheit\u00e2\u20ac\u0153. Die am st\u00c3\u00a4rksten Unterdr\u00c3\u00bcckten haben die h\u00c3\u00b6chsten moralischen Anspr\u00c3\u00bcche und Rechte. Sie geh\u00c3\u00b6ren in der Regel zur kleinsten Minderheit.<\/li><li>Die Opferpunkte werden nach hierarchisch festgelegten Rangfolgen vergeben: \u00e2\u20ac\u017eFrau ist besser als Mann. Nichtweiss ist besser als weiss. Homosexuell ist besser als heterosexuell. Transsexuell wiederum ist besser als homosexuell.\u00e2\u20ac\u0153<a href=\"applewebdata:\/\/B172DA20-5BDA-4338-9B6B-0B29083F3840#_ftn16\"><sup>[16]<\/sup><\/a>&nbsp;Diese Opferpunkte lassen sich intersektional addieren. Das schafft jedoch Probleme, wenn zwei Personen mit etwa gleich hohen Opferpunkten zu vergleichen sind, etwa eine homosexuelle wei\u00c3\u0178e Frau und ein transsexueller schwarzer Mann.<\/li><li>Der neo-marxistische Gehalt der Quotenpolitik und der Hang zur Vergesellschaftung privater Institutionen wird deutlich, wo die Statistik der Gesellschaft insgesamt auf eine private Organisation \u00c3\u00bcbertragen wird, die ganz andere Gr\u00c3\u00b6\u00c3\u0178enverh\u00c3\u00a4ltnisse kennt: Auf der Generalversammlung einer Genossenschaft, die etwa 10% weiblicher Mitglieder hatte, wurde eine 50%ige Vertretung von Frauen im Aufsichtsrat gefordert. Abgesehen davon, dass es im konkreten Fall nicht genug Frauen gab, die eine Wahl angenommen h\u00c3\u00a4tten: Hiermit wird die private Genossenschaft ideologisch \u00e2\u20ac\u017evergesellschaftet\u00e2\u20ac\u0153 durch Anwendung einer gesamtgesellschaftlichen Quote, die ihrer privatwirtschaftlichen Realit\u00c3\u00a4t widerspricht. Der neo-feudale Ansatz der Quotierung zeigt sich unabh\u00c3\u00a4ngig von der H\u00c3\u00b6he der Quote sogar schon darin, dass die Quotierung eine st\u00c3\u00a4ndeartige Klassifizierung voraussetzt.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die neue Linke und der Feminismus liefern hiermit das Musterbeispiel f\u00c3\u00bcr einen neo-feudalistischen Ansatz. Doch all das macht den Vorwurf der Linken an den Liberalismus nicht hinf\u00c3\u00a4llig. Die Liberalen haben dem neu entstandenen Feudalismus des Geldadels nie gen\u00c3\u00bcgend Aufmerksamkeit geschenkt und die liberalen Prinzipien der Verantwortung und Machtkontrolle bei ihm nur unzureichend zur Geltung gebracht. Doch \u00e2\u20ac\u017edie gef\u00c3\u00a4hrlichsten Unwahrheiten sind Wahrheiten m\u00c3\u00a4\u00c3\u0178ig entstellt\u00e2\u20ac\u0153 (Lichtenberg). Denn hier unterschl\u00c3\u00a4gt die Linke den Feudalismus in allen realen Erscheinungsformen des Sozialismus. Der geht um einiges weiter. (Neo-)Feudalismus ist keineswegs Spezifikum realer Systeme des Liberalismus, wie es von linker Seite gern behauptet wird. Im Gegenteil! Die neue Linke tr\u00c3\u00a4gt sogar selbst zu einer Refeudalisierung bei, nach kruden \u00e2\u20ac\u017emoralischen\u00e2\u20ac\u0153 Kategorien von Opferqualit\u00c3\u00a4t.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und wie sieht sieht der antifeudalistische Gegenentwurf der alten Linken aus? Im alten APO-Jargon: \u00e2\u20ac\u017eKein Privileg mehr f\u00c3\u00bcr niemanden!\u00e2\u20ac\u0153 Die Alt-Linken Stegemann und Wagenknecht dr\u00c3\u00bccken das in dem Bedauern aus,&nbsp;<em>\u00e2\u20ac\u017edass nicht alle die gleichen Privilegien genie\u00c3\u0178en\u00e2\u20ac\u0153<\/em>.<a href=\"applewebdata:\/\/B172DA20-5BDA-4338-9B6B-0B29083F3840#_ftn17\"><sup>[17]<\/sup><\/a>&nbsp;Dahinter steht offenbar der Anspruch, dass 1.&nbsp;<em>alle die gleichen<\/em>&nbsp;Privilegien genie\u00c3\u0178en sollen. Dabei wird unterstellt, dass 2. objektiv bestimmbar ist, was ein Privileg ist, und es niemanden gibt, der auf ein solches Privileg pfeift oder es als B\u00c3\u00bcrde empfindet, und dass 3. alle Privilegien gleichm\u00c3\u00a4\u00c3\u0178ig verteilbar sind:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\" type=\"1\"><li>Die Forderung&nbsp;<em>nach gleichen Privilegien f\u00c3\u00bcr alle<\/em>, ist schon deshalb abstrus, weil das Wort \u00e2\u20ac\u017ePrivileg\u00e2\u20ac\u0153 auf ein&nbsp;<em>Sonder<\/em>recht abstellt, das keines mehr ist, wenn es alle h\u00c3\u00a4tten. Doch selbst der sprachliche Unsinn \u00e2\u20ac\u017egleiche Privilegien f\u00c3\u00bcr alle\u00e2\u20ac\u0153 hindert offenbar nicht daran, eine solche Forderung zu stellen. Diese Gleichheits-Utopie stellt also die Forderung:&nbsp;<em>Alle<\/em>&nbsp;sollen die gr\u00c3\u00b6\u00c3\u0178ten, meisten, sch\u00c3\u00b6nsten H\u00c3\u00a4user, Autos oder \u00e2\u20ac\u017eWas-auch-immer\u00e2\u20ac\u0153 haben. Das aber ist schon faktisch unm\u00c3\u00b6glich, selbst wenn man Eigentum leugnete oder zum Diebstahl erkl\u00c3\u00a4rte. Da sich auch die aktuelle Nutzung von G\u00c3\u00bctern, Dienstleistungen und Informationen sowie eine zeitlich vor- oder nachrangige Nutzung als \u00e2\u20ac\u017ePrivileg\u00e2\u20ac\u0153 begreifen lassen, m\u00c3\u00bcsste auch hier auf Gleichheit geachtet werden. Alles muss es f\u00c3\u00bcr alle geben und das gleichzeitig. Da wird Ideologie zur Idiotie.<\/li><li>Was objektiv als \u00e2\u20ac\u017ePrivileg\u00e2\u20ac\u0153 identifiziert ist und existiert, muss&nbsp;<em>allen<\/em>&nbsp;zustehen, denn&nbsp;<em>jeder<\/em>&nbsp;will es haben, weil es sonst kein Privileg w\u00c3\u00a4re. Diese \u00e2\u20ac\u017eobjektive Bed\u00c3\u00bcrfnis\u00e2\u20ac\u0153 ist Kern der Zuteilungsmentalit\u00c3\u00a4t in jedem sozialistischen Obrigkeitsstaat:&nbsp;<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Fakt ist: Jeder will das Blumenbeet. Doch liefert man den Spaten dazu, sieht die Sache oft<em>&nbsp;<\/em>ganzanders aus. Existiert daher&nbsp;<em>das<\/em>&nbsp;Privileg des Blumenbeets noch, wenn dieses Privileg t\u00c3\u00a4glich neu erarbeitet werden muss? Ganz zu schweigen von Diogenes, dem alles Eigentum nichts war als eine Last und damit das Gegenteil eines Privilegs.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Warum verzichten Meghan und Harry auf die \u00e2\u20ac\u017eobjektiven\u00e2\u20ac\u0153 Privilegien des britischen K\u00c3\u00b6nigshauses? Spricht das nicht f\u00c3\u00bcr individuell unterschiedliche Auffassungen von dem, was ein \u00e2\u20ac\u017ePrivileg\u00e2\u20ac\u0153 ist. F\u00c3\u00bcr manchen Dirigenten dieser Welt mag es ein gro\u00c3\u0178es Privileg sein, die Wiener Philharmoniker zu dirigieren. F\u00c3\u00bcr mich w\u00c3\u00a4re es&nbsp;<em>kein<\/em>&nbsp;Privileg und ich warne davor, zu hoffen oder zu w\u00c3\u00bcnschen, dass&nbsp;<em>alle<\/em>dieses Privileg genie\u00c3\u0178en sollten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ist nicht jedes Privileg so individuell, dass man Ideologen das Recht entziehen sollte, Privilegien nach sozialistischem Einheitsgeschmack zuzuteilen? Aus liberalem Respekt vor dem Individuum sollte man keinem ein solches Recht gew\u00c3\u00a4hren. Doch was ist, wenn sich einige dieses Recht einfach nehmen, weil (nur) sie angeblich wissen, was ein Privileg ist? Dann herrscht die Diktatur vermeintlicher Besserwisser, die nicht gut genug sind, um bescheiden zu sein.<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\" type=\"1\" start=\"3\"><li>Wer ohne geistige und k\u00c3\u00b6rperliche Behinderung geboren wurde, ist privilegiert. Wer mehrsprachig aufwuchs und \u00c3\u00bcber seine Familie den Zugang zu den verschiedensten Welten der Bildung erhalten hat, ist privilegiert. Wer eine Begabung f\u00c3\u00bcr Kunst oder Musik hat, ist privilegiert, solange die Mitglieder der Gesellschaft diese Musik und Kunst sch\u00c3\u00a4tzen. Wer Talent zum Fu\u00c3\u0178ballspielen hat, ist heute privilegiert, auch wenn die Gr\u00c3\u00bcnder des Liberalismus davon nichts geahnt haben.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber wie bitte soll man daf\u00c3\u00bcr sorgen, dass alle die gleichen Privilegien genie\u00c3\u0178en? Dabei ist das Privileg als solches die eine Sache, sein Genuss noch eine andere. Ob jemand sein Privileg&nbsp;<em>genie\u00c3\u0178t<\/em>oder nicht, ist nur scheinbar leicht zu l\u00c3\u00b6sen:&nbsp;<em>Ein Privileg genie\u00c3\u0178t man, sonst ist es keines<\/em>. Dumm nur, dass die sozialistischen Ideologen vorher schon \u00e2\u20ac\u017eobjektiv\u00e2\u20ac\u0153 festgelegt haben, was ein Privileg ist. Das genie\u00c3\u0178t man dann per definitionem, wenn auch nicht immer wirklich: Ich habe es immer als Privileg empfunden, Kinder zu haben. Ich kenne aber Paare, die empfinden Kinder als Last und die meisten davon, haben sich bereits vorher gegen Kinder entschieden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Liberale sind dagegen der Auffassung:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\" type=\"1\"><li>Eine privilegienfreie Gesellschaft ist undenkbar und unmachbar, weil jeder Mensch pers\u00c3\u00b6nliche Eigenschaften hat, die er unterschiedlich nutzt, und weil diese Eigenschaften in den Familie und Bildungs- und Ausbildungsinstitutionen unterschiedlich gef\u00c3\u00b6rdert werden.<\/li><li>Es gibt keine objektive Sicht auf Privilegien, nur eine subjektive, in der jeder selbst entscheidet, was&nbsp;<em>f\u00c3\u00bcr ihn<\/em>&nbsp;ein Privileg ist: seine K\u00c3\u00b6rpergr\u00c3\u00b6\u00c3\u0178e, eine intakte Familie, Geld im \u00c3\u0153berfluss, \u00c3\u00bcberdurchschnittliche Bildung. Dabei kann sich die Einstufung als Privileg mit der Zeit oder mit den Gegebenheiten \u00c3\u00a4ndern.<\/li><li>Alle pers\u00c3\u00b6nlichen Vorz\u00c3\u00bcge oder sozialen Bez\u00c3\u00bcge, wie die Einbindung in eine Familie, lassen sich grunds\u00c3\u00a4tzlich nicht umverteilen. Statt auf eine privilegienfreie Gesellschaft abzuzielen, die schon wegen der genetischen Eigenschaften jedes Einzelnen undenkbar ist, darf in einer liberalen Gesellschaft jeder die Privilegien erwerben, die ihm den Aufwand daf\u00c3\u00bcr wert scheinen. Er darf sie nutzen, soweit er nicht andere in deren Erwerb und Nutzung einschr\u00c3\u00a4nkt.&nbsp;<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieses letzte Problem ist das gravierendste. Bei dessen L\u00c3\u00b6sung hat sich der real gelebte Liberalismus nicht immer mit Ruhm bekleckert. Durch Machtstrukturen, die den Erwerb von Privilegien durch andere be- oder verhindern, schaffen sich Teile der Gesellschaft Vorspr\u00c3\u00bcnge, mit denen sie die offene Gesellschaft und deren Durchl\u00c3\u00a4ssigkeit ebenso in Frage stellen wie deren Dynamik. Da Urspr\u00c3\u00bcnge dieses Problems auch bei denen liegen, die sich den Liberalen zugeh\u00c3\u00b6rig f\u00c3\u00bchlen, bleibt dem Liberalismus hier ein Selbstreinigungsprozess nicht erspart. Diese Erbs\u00c3\u00bcnde wiegt daher schwer, auch wenn sie nicht in den Genen des Liberalismus steckt, w\u00c3\u00a4chst und gedeiht sie in seinen realen Erscheinungsformen. Sie ist geboren aus der Freiheit und dem wirtschaftlichen Erfolg, den die liberale Wirtschaft mit sich bringt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Selbst wenn wir gravierendere Erscheinungsformen des Feudalismus in den sozialistischen Gesellschaftsformen finden, stellt sich f\u00c3\u00bcr Liberale doch die Frage, warum etwa in den angeblich \u00e2\u20ac\u017eliberalen\u00e2\u20ac\u0153 USA faktisch nur noch Milliard\u00c3\u00a4re Pr\u00c3\u00a4sident werden k\u00c3\u00b6nnen. Aber da ist \u00e2\u20ac\u017eLiberaler\u00e2\u20ac\u0153 ja auch oft genug nur ein Schimpfwort.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"applewebdata:\/\/B172DA20-5BDA-4338-9B6B-0B29083F3840#_ftnref1\"><sup>[1]<\/sup><\/a>&nbsp;Au\u00c3\u0178er dem \u00e2\u20ac\u017eLandadel\u00e2\u20ac\u0153 gab es zur Zeit der Entstehung des Liberalismus bereits andere Adelsformen&nbsp;vgl.&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Deutscher_Adel\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Deutscher_Adel<\/a>. (19.12.2019) Der Feudalismus ist jedoch eng mit der Lehensherrschaft und daher mit dem Landadel verbunden; vgl. z.B.&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Feudalismus\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Feudalismus<\/a>. (19.12.2019)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"applewebdata:\/\/B172DA20-5BDA-4338-9B6B-0B29083F3840#_ftnref2\"><sup>[2]<\/sup><\/a>&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Deutscher_Adel\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Deutscher_Adel<\/a>. (19.12.2019)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"applewebdata:\/\/B172DA20-5BDA-4338-9B6B-0B29083F3840#_ftnref3\"><sup>[3]<\/sup><\/a>&nbsp;Vgl. etwa Heinrich B\u00c3\u00b6ll Stiftung, N wie Neofeudalismus \u00e2\u20ac\u201c Die Wiederkehr der St\u00c3\u00a4ndegesellschaft mit Sighard Neckel,&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.boell.de\/de\/2016\/06\/14\/neofeudalismus-die-wiederkehr-der-staendegesellschaft\">https:\/\/www.boell.de\/de\/2016\/06\/14\/neofeudalismus-die-wiederkehr-der-staendegesellschaft<\/a>. (25.01.20)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"applewebdata:\/\/B172DA20-5BDA-4338-9B6B-0B29083F3840#_ftnref4\"><sup>[4]<\/sup><\/a>&nbsp;Vgl. dazu Arno Widmann, Demokratien werden von ihren Eliten zerst\u00c3\u00b6rt,&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.fr.de\/kultur\/literatur\/demokratien-werden-ihren-eliten-zerstoert-10962286.html\">https:\/\/www.fr.de\/kultur\/literatur\/demokratien-werden-ihren-eliten-zerstoert-10962286.html<\/a>. (20.01.20) N\u00c3\u00a4heres bei Michael Hartmann, Topmanager; Die Rekrutierung einer Elite, Frankfurt 1996.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"applewebdata:\/\/B172DA20-5BDA-4338-9B6B-0B29083F3840#_ftnref5\"><sup>[5]<\/sup><\/a>&nbsp;Hannes Soltau, Reich bleibt reich, arm bleibt arm \u00e2\u20ac\u201c Und die Privilegiertesten schotten sich noch immer ab,&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/gesellschaft\/reich-bleibt-reich-arm-bleibt-arm-und-die-privilegiertesten-schotten-sich-noch-immer-ab\/25372138.html\">https:\/\/www.tagesspiegel.de\/gesellschaft\/reich-bleibt-reich-arm-bleibt-arm-und-die-privilegiertesten-schotten-sich-noch-immer-ab\/25372138.html<\/a>. (28.04.2020)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"applewebdata:\/\/B172DA20-5BDA-4338-9B6B-0B29083F3840#_ftnref6\"><sup>[6]<\/sup><\/a>&nbsp;So auch Otfried H\u00c3\u00b6ffe, Kann Demokratie ohne Liberalismus funktionieren?,&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/feuilleton\/kann-demokratie-ohne-liberalismus-funktionieren-ld.1349931\">https:\/\/www.nzz.ch\/feuilleton\/kann-demokratie-ohne-liberalismus-funktionieren-ld.1349931<\/a>. (20.01.20)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"applewebdata:\/\/B172DA20-5BDA-4338-9B6B-0B29083F3840#_ftnref7\"><sup>[7]<\/sup><\/a>&nbsp;Vgl. dazu den Wikipedia-Artikel dazu,&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bologna-Prozess\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bologna-Prozess<\/a>. (03.04.20)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"applewebdata:\/\/B172DA20-5BDA-4338-9B6B-0B29083F3840#_ftnref8\"><sup>[8]<\/sup><\/a>&nbsp;Vgl. dazu den Abschnitt \u00e2\u20ac\u017eDie Neoliberalen\u00e2\u20ac\u0153 bei Dieter Schnaas, Liberalismus \u00e2\u20ac\u201c Der Sinn der Freiheit,&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.google.com\/search?client=firefox-b-d&amp;q=Dieter+Schnaas%2C+Liberalismus+%E2%80%93+Der+Sinn+der+Freiheit\">https:\/\/www.google.com\/search?client=firefox-b-d&amp;q=Dieter+Schnaas%2C+Liberalismus+%E2%80%93+Der+Sinn+der+Freiheit<\/a>. (23.03.20)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"applewebdata:\/\/B172DA20-5BDA-4338-9B6B-0B29083F3840#_ftnref9\"><sup>[9]<\/sup><\/a>&nbsp;Vgl. dazu den Abschnitt \u00e2\u20ac\u017eSozialer Liberalismus\u00e2\u20ac\u0153 im Wikipedia-Artikel \u00e2\u20ac\u017eLiberalismus\u00e2\u20ac\u0153,&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Liberalismus\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Liberalismus<\/a>. (21.03.20)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"applewebdata:\/\/B172DA20-5BDA-4338-9B6B-0B29083F3840#_ftnref10\"><sup>[10]<\/sup><\/a>&nbsp;So etwa Michael Hartmann, Die Abgehobenen &#8211; Wie die Eliten die Demokratie gef\u00c3\u00a4hrden, Frankfurt, New York 2018.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"applewebdata:\/\/B172DA20-5BDA-4338-9B6B-0B29083F3840#_ftnref11\"><sup>[11]<\/sup><\/a>&nbsp;Vgl. Clemens Schneider, Liberale m\u00c3\u00bcssen behutsam sein,&nbsp;<a href=\"https:\/\/blogs.faz.net\/whatsleft\/2015\/09\/05\/liberale-muessen-behutsam-sein-329\/\">https:\/\/blogs.faz.net\/whatsleft\/2015\/09\/05\/liberale-muessen-behutsam-sein-329\/<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"applewebdata:\/\/B172DA20-5BDA-4338-9B6B-0B29083F3840#_ftnref12\"><sup>[12]<\/sup><\/a>&nbsp;Vgl. Milosz Matuschek, Borkenk\u00c3\u00a4fer f\u00c3\u00bcr den Liberalismus,&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/meinung\/der-borkenkaefer-fuer-den-liberalismus-ld.1499923\">https:\/\/www.nzz.ch\/meinung\/der-borkenkaefer-fuer-den-liberalismus-ld.1499923<\/a>. (23.01.20)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"applewebdata:\/\/B172DA20-5BDA-4338-9B6B-0B29083F3840#_ftnref13\"><sup>[13]<\/sup><\/a>&nbsp;Thomas Straubhaar, Der Liberalismus ist sein eigener Feind,&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/article140838529\/Der-Liberalismus-ist-sein-eigener-Feind.html\">https:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/article140838529\/Der-Liberalismus-ist-sein-eigener-Feind.html<\/a>. (20.04.2020) Klammerzusatz \u00e2\u20ac\u201c R.E.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"applewebdata:\/\/B172DA20-5BDA-4338-9B6B-0B29083F3840#_ftnref14\"><sup>[14]<\/sup><\/a>&nbsp;Vgl. ohne Verfasser,&nbsp;Verwirrung um Nordkorea-Diktator \u00e2\u20ac\u201c US-Experten: Privatzug von Kim Jong Un gesichtet,&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.t-online.de\/nachrichten\/ausland\/internationale-politik\/id_87772066\/us-experten-privatzug-von-nordkorea-machthaber-kim-jong-un-gesichtet.html\">https:\/\/www.t-online.de\/nachrichten\/ausland\/internationale-politik\/id_87772066\/us-experten-privatzug-von-nordkorea-machthaber-kim-jong-un-gesichtet.html<\/a>. (26.04.2020)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"applewebdata:\/\/B172DA20-5BDA-4338-9B6B-0B29083F3840#_ftnref15\"><sup>[15]<\/sup><\/a>&nbsp;Vgl. dazu auch Ren\u00c3\u00a9 Scheu, Die zersplitterte Gesellschaft: Warum wir uns wie Stammeskrieger geb\u00c3\u00a4rden,&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/feuilleton\/geschlecht-sexuelle-orientierung-ethnie-der-neue-kulturkampf-ld.1539066\">https:\/\/www.nzz.ch\/feuilleton\/geschlecht-sexuelle-orientierung-ethnie-der-neue-kulturkampf-ld.1539066<\/a>. (20.08.2020)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"applewebdata:\/\/B172DA20-5BDA-4338-9B6B-0B29083F3840#_ftnref16\"><sup>[16]<\/sup><\/a>&nbsp;Ebenda. Vgl. dort auch das Folgende zu Punkt 4.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"applewebdata:\/\/B172DA20-5BDA-4338-9B6B-0B29083F3840#_ftnref17\"><sup>[17]<\/sup><\/a>&nbsp;Bernd Stegemann, Sahra Wagenknecht, Linke Sammlungsbewegung: Von linker Moral und neoliberalen Interessen,&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2018\/24\/linke-sammlungsbewegung-sahra-wagenknecht-populismus\">https:\/\/www.zeit.de\/2018\/24\/linke-sammlungsbewegung-sahra-wagenknecht-populismus<\/a>. (03.02.2020)<\/p>\n\n\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"font-size: =;\"><a href=\"http:\/\/www.neschle.de\/download-manager.php?id=234\">PDF-Datei<\/a><span style=\"font-size: small;\"><br \/>This post was downloaded by <!--downloads(234)-->people until now.<\/span><\/span><\/p>\n<p>&#8211;&gt;<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Erbs\u00c3\u00bcnden des Liberalismus &#8211; Essay in neun Teilen und sieben S\u00c3\u00bcnden Teil 6 \u00e2\u20ac\u017eNeo-Feudalismus ist Realit\u00c3\u00a4t und reale Gefahr in liberalen Gesellschaften. In nicht-liberalen Gesellschaften ist Feudalismus ein fester Bestandteil des politischen Systems.&#8220; (Neschle) Die f\u00c3\u00bcnfte Erbs\u00c3\u00bcnde: (Neo-)Feudalismus statt (Neo-)Liberalismus Die f\u00c3\u00bcnfte Erbs\u00c3\u00bcnde kann eigentlich keine S\u00c3\u00bcnde aus der Genetik des Liberalismus sein. 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