{"id":119,"date":"2007-06-01T21:47:41","date_gmt":"2007-06-01T20:47:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.neschle.de\/?p=119"},"modified":"2020-06-19T15:18:04","modified_gmt":"2020-06-19T14:18:04","slug":"au-aufschrei-7","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neschle.de\/index.php\/au-aufschrei\/au-aufschrei-7\/","title":{"rendered":"Au &#8230; Aufschrei 7"},"content":{"rendered":"<header>\n<h2 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #4f81bd\">Tradition ist oft nur Schlamperei!<\/span><\/strong><\/h2>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Egal, sch \u2026 egal, kostenneutral!<\/strong><\/p>\n<\/header>\n<p style=\"text-align: left;\">\u201eDie deutschen Hochschulen gelten als traditionell unterfinanziert.\u201c So beginnt die Darstellung der Situation der Hochschulen beim wissenschaftlichen Dienst des Deutschen Bundestages (Nr. 29\/7 vom 23. Mai 2007).<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>\u201eJa und\u201c, sagt Neschle, \u201ewenn so etwas schon Tradition ist, dann muss man eben mit dieser Tradition brechen!&#8220;&nbsp;<\/em>&#8211; Blutrache war auch mal Tradition unter den Germanen, Ehrenmorde sind es noch in einigen Teilen der Welt. &#8211; Doch zum Bruch dieser Tradition ist die Politik in Deutschland trotz des internationalen Wissenswettbewerbs offenbar (noch) nicht bereit. Denn man liest weiter:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u201eAus diesen Gr\u00fcnden haben Vorschl\u00e4ge viel Interesse gefunden, die auf eine <span style=\"text-decoration: underline;\"><em>kostenneutrale<\/em><\/span> St\u00e4rkung der Lehre durch \u201eEinf\u00fchrung neuer Personalkategorien\u201c abzielen, deren Schwerpunkt st\u00e4rker in der Lehre als in der Forschung liegt.\u201c Dazu werden in der Politik vor allem zwei Vorschl\u00e4ge diskutiert:<\/p>\n<ol style=\"text-align: left;\">\n<li>Lecturer: Davon sollen nach der Bildungsministerin, das ist derzeit nicht der, sondern die schavarze Schavan, bundesweit 3.000 Stellen eingerichtet werden. Kostenneutral! Wohlgemerkt: Kosten darf et nix! Gar nichts! N\u00fcsse!Wie \u201eLecturer\u201c schon sagt, schaut man bei diesem \u201eVorleser\u201c schon wieder \u201ehin\u00fcber\u201c und nimmt Ma\u00df am insgesamt eher m\u00e4\u00dfigen Bildungssystem dort (siehe <a href=\"https:\/\/neschle.de\/index.php\/blog\/5\/\">Leon Neschle 1<\/a>). Beim \u201eLecturer\u201c ist es nur \u00e4rger als bei \u201eBachelor\u201c und \u201eMaster\u201c. Was sich hinter dem in GB verbirgt, ist etwas anderes als seine deutschen Verfechter wollen, und in den USA fallen selbst M\u00e4rchentante und M\u00e4rchenonkel unter dieses Schwammwort. Doch wenn wir schon \u201eBachelor\u201c und \u201eMaster\u201c sagen statt \u201eGeselle\u201c und \u201eMeister\u201c, soll es auch hier was Englisches sein; ja wo selbst ALDI schon wirbt mit dem Angebot eines \u201eLingerie T-Shirts\u201c!\n<p>Eine Negativ-Auslese wird man vermeiden. Sicher!? Klar! Da werden sich alle intelligenten Nachwuchswissenschaftler um solche Stellen schlagen. Vor allem in den F\u00e4chern, wo man in der Wirtschaft gut verdient. Ingenieure werden hier Schlange stehen. Man wird streng nach Qualit\u00e4t ausw\u00e4hlen m\u00fcssen!? \u2013 Auf welchem Planeten lebt Neschle eigentlich?! Gibt es da nur Germanisten?<\/li>\n<li>Lehrprofessur: Oh, Gott! Was schl\u00e4gt der Wissenschaftsrat vor? Die haben wir ja schon! An der Fachhochschule, der \u201eUniversity of Applied Sciences\u201c!F\u00fchrt man den Lehrprofessor an der Uni ein, erh\u00e4lt man denselben Hochschullehrermix, mit dem bei den Nordrhein-Vandalen gerade erst die Gesamthochschulen gescheitert sind! Das ist fast noch nicht einmal Geschichte, aus der man nichts lernen will. Ein Fachbereich, eine Fakult\u00e4t: Das sind komplexe soziale Gebilde mit meist noch komplexeren Mitgliedern. Die macht man mit der Aufw\u00e4rmung gescheiterter Gesamthochschulideen nur wieder komplexer.\n<p>Es bedeutet auch die Profile der Universit\u00e4ten zu verw\u00e4ssern, ihnen die USP (Unique Selling Proposition) zu nehmen. Ein sch\u00f6ner Schritt in den Einheitsbrei, von dem man sich an anderer Stelle gerade verabschieden will.<\/p>\n<p>Neschle kann hier nur abraten. Sein Motto ist \u201eKISS\u201c: Keep it simple and stupid! Diesem Motto folgt auch der Wissenschaftsrat, aber mit seiner Idee selbst, nicht mit ihren organisatorischen Folgen.<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: left;\">\n<p style=\"text-align: left;\">Eines haben beide Modelle gemeinsam: Beide haben Vorbilder. Unbewusste! Die eine ein angels\u00e4chsisches (Sonst g\u00e4be es nicht solche Abweichungen!), die andere ein deutsches (Warum sollte man sonst vorw\u00e4rts in die Vergangenheit der Gesamthochschule?). Wenn aber schon die Politik nichts lernt, wie sollen es die Studenten?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Angesichts des internationalen Wissenswettbewerbs ist jede <em>\u201ekostenneutrale Bildungsoffensive&#8220;<\/em>&nbsp;l\u00e4cherlich! Das ist \u201ekB\u201c: kompletter Bl\u00f6dsinn! Zahlungen f\u00fcr das Bildungssystem sind langfristige Investitionen. Wenn man hier \u201etraditionell unterfinanziert\u201c, verspielt man nachhaltig die Zukunft. Angesichts sprudelnder Steuerquellen kann nicht einmal mehr der \u201eRessourcenansatz\u201c solches Verhalten erkl\u00e4ren. Bildungsinvestitionen kommen komplett den k\u00fcnftigen Generationen zugute, sogar Kindern und Kindeskindern!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Es geht hier ganz einfach und nur in zwei Schritten: Erst: bessere Ausstattung der gegenw\u00e4rtigen Professuren; dann: stufenweise Erweiterung der Professuren. Flankierend Effektivit\u00e4ts- und Effizienzsteuerung. So notwendig ein Kropf: <em>Neue Personalkategorien!<\/em> Akademische R\u00e4te und akademische Oberr\u00e4te laufen gerade aus, da kommt mit den Lecturern dasselbe in Schavanschavarz. Haben wir ein Ged\u00e4chtnis von Zw\u00f6lf bis Mittag? Steht hinter solch blindem Aktionismus nur geistige Windstille?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ein Irrweg ist es zudem, die Bezahlung wissenschaftlichen Personals weiter zu dr\u00fccken. Da soll Neschle mal einer erkl\u00e4ren, wie man bei steigenden Geh\u00e4ltern in der Wirtschaft die Negativ-Auslese f\u00fcr die Uni bei Ingenieur oder Diplom-Kaufmann noch vermeiden soll! Wir brauchen sie nicht zu bef\u00fcrchten: die Negativ-Auslese. Sie ist l\u00e4ngst da! Neschles Schl\u00fcsselerlebnis: Auf eine Mitarbeiterstelle beim Alter Ego hat sich j\u00fcngst jemand mit Examensnote \u201eVier\u201c beworben! Das war ein platter Schock, auf den man nur platt reagieren kann: \u201eDas h\u00e4tt\u2019 es fr\u00fcher nicht gegeben!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Selbst die zweitschlechtesten Studenten wissen es schon! Doch die Bildungspolitik ist oder tut immer noch ahnungslos? Wir sind schon auf dem Weg nach unten! \u201eNeue Personalkategorien\u201c beschleunigen diese Fahrt umso mehr, je mehr Gewicht sie erhalten. Herumrei\u00dfen kann ihre \u201ekostenneutrale Einf\u00fchrung\u201c schon gar nicht! Dazu bedarf es einer mutigen Bildungsoffensive, die sich auch der eigenen St\u00e4rken und Ressourcen bewusst ist, statt mit kulturloser Orientierung an der Angel des Sachsen zu h\u00e4ngen. Wer hier auf einer \u201ekostenneutralen\u201c L\u00f6sung besteht, dem ist die Zukunft dieses Landes egal, ja sogar schei\u00dfegal!<\/p>\n<p><a title=\"PDF-Datei\" href=\"http:\/\/www.neschle.de\/download-manager.php?id=6\">PDF-Datei<\/a><br \/>\nThis post was downloaded by  1099  people until now.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tradition ist oft nur Schlamperei! Egal, sch \u2026 egal, kostenneutral! \u201eDie deutschen Hochschulen gelten als traditionell unterfinanziert.\u201c So beginnt die Darstellung der Situation der Hochschulen beim wissenschaftlichen Dienst des Deutschen Bundestages (Nr. 29\/7 vom 23. 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